Einführung in den Psalm und seine Bedeutung
Von David, ein Psalm.
Des Herrn ist die Erde und ihre Fülle, die Welt und alle, die darauf wohnen. Denn er hat sie gegründet, über Meere und Ströme sie festgestellt.
Wer darf hinaufsteigen auf den Berg des Herrn? Und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, der seine Seele nicht auf Falsches richtet und nicht zum Betrug schwört.
Er wird Segen empfangen vom Herrn und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils. Das ist das Geschlecht derer, die nach ihm trachten, die dein Angesicht suchen, Jakob.
Erhebt, ihr Tore, eure Häupter! Und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe.
Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Kampf.
Erhebt, ihr Tore, eure Häupter! Und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe.
Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.
Die Frage ist: An welches Lied erinnert euch dieser Psalm? Macht hoch die Tür, die Tür macht weit. Dabei sind wir jetzt gar nicht im Advent.
Ich glaube auch nicht, dass dieser Psalm ein Adventslied ist – nur insofern, als Advent ja Ankunft bedeutet und von daher sicherlich schon.
Wir wollen uns diesen Psalm einmal ansehen. Es ist ein Psalm, wie wir gestern schon sagten, in dieser Trilogie, in der messianischen Trilogie Davids.
Wir hatten gesehen: Psalm 22, der leidende Hirte, der sein Leben für seine Schafe opfert. Gestern sahen wir Psalm 23, den großen Hirten, der sein Schaf sicher ans Ziel führt.
Und heute, in Psalm 24, könnte man sagen, der Oberhirte, der wiederkommt, um seine Schafe zu holen.
Das Wissen Davids über den Erlösungsplan Gottes
Das Evangelium Davids oder: Was wusste David bereits von dem Erlösungsplan Gottes?
Vielleicht ist euch bei diesem Psalm, bei diesem Lied, aufgefallen, dass David von Gott in einer ganz besonderen Weise spricht – von dem König der Herrlichkeit. Für mich stellt sich die Frage: Was wusste David schon über diesen König? Was wusste er bereits über die Zeit, die noch kommen würde?
In der Regel sagen wir, dass uns die Offenbarung über das, was kommt, berichtet. In der Offenbarung wird uns der König der Könige und Herr der Herren vorgestellt, der einmal im sogenannten tausendjährigen Reich, dem Friedensreich, regieren wird, das er aufrichten wird.
Schauen wir uns diesen Psalm einmal genauer an. Es gibt übrigens noch ein anderes Lied, ich weiß nicht, wer von euch es kennt. Es ist etwas neuer und ich habe es nicht in den Liederbüchern gefunden, die hier waren. Wir singen es manchmal in unserer Gemeinde: „Macht die Tore auf, reinigt eure Herzen, denn der König kommt und zieht bei euch ein.“
Dieses Lied basiert ebenfalls auf diesem Psalm. Dabei wird deutlich, dass es nicht in erster Linie um Advent und das kommende Weihnachten geht, also darum, dass Jesus als Mensch auf dieser Erde geboren wird. Vielmehr geht es darum, dass der König in mein Herz einzieht. Ich denke, das werden wir in diesem Psalm auch entdecken.
Schauen wir uns einmal an, wie man bei den meisten Psalmen die Verse in verschiedene Strophen einteilen kann. Wir sind es eher gewohnt, dass dabei immer eine Leerzeile gemacht wird, und dann folgt die nächste Strophe. In Deutschland ist es üblich, dass für die einzelnen Strophen die gleiche Melodie verwendet wird. So weiß man sofort, dass eine neue Strophe beginnt.
Damals, als der Psalm entstand, war das anders. Die Musik war anders. In vielen Psalmen kann man das erkennen. Wenn zwischen den Versen ein kleines Wörtchen steht, zum Beispiel „Sela“, so ist das in manchen Übersetzungen der Fall. Die revidierte Elberfelder Übersetzung verwendet dort keine „Sela“ mehr, sondern zwei Schrägstriche.
Ich weiß nicht genau, warum das so ist – vielleicht, weil jüngere Leute diese zwei Schrägstriche besser kennen, zum Beispiel aus dem Internet. Dieses Zeichen deutet an, dass jeweils ein musikalisches Zwischenspiel gegeben wurde. Dadurch konnte man über das nachdenken, was man zuvor gesungen hatte.
Früher gab es meistens auch kurze Pausen zwischen zwei Strophen. In der heutigen Zeit singen bei der jüngeren Generation viele oft einfach durch. Früher machte man immer eine tiefe Atempause, und manchmal gab es Begleiter am Klavier, die ein Zwischenspiel spielten. Das diente dazu, sich Gedanken über den gerade gesungenen Text zu machen.
Man kann diesen Psalm in drei Strophen einteilen: die Verse 1 bis 2, dann die Verse 3 bis 6 und schließlich die Verse 7 bis 10. Wir schauen uns diese jetzt einmal an.
Gottes Schöpfung als Fundament des Evangeliums
Wir haben das eben schon gelesen, ich lese es aber noch einmal: „Des Herrn ist die Erde und ihre Fülle, die Welt und die Darophonen; denn er hat sie gegründet über Meeren und über Strömen sie festgestellt.“
Wie könnte man diese Strophe überschreiben? Hier wird Gott beschrieben als der Schöpfer – der Schöpfer der Erde, der Schöpfer der Menschen. In diesem Psalm wird ganz deutlich, dass der Verfasser nicht an Evolution geglaubt hat. Ich glaube auch nicht daran. Ich glaube an das, was die Bibel sagt. Zum Beispiel der Hebräerbrief, der sagt: „Er sprach, und es ward durch ein Wort.“
Wenn Gott etwas schafft, braucht er manchmal nicht einmal ein Wort dazu. Gott kann Wunder wirken; er kann aus dem Nichts etwas schaffen. Wir Menschen können nicht aus dem Nichts schaffen. Wir brauchen immer etwas, wir können höchstens etwas verwandeln. Aber Gott kann aus dem Nichts etwas machen. Selbst die Evolution kann aus dem Nichts nichts machen. Sie braucht immer etwas am Anfang. Deshalb geraten die Vertreter dieser Theorie ins Schwimmen, wenn man fragt: „Was war denn vor dem Urknall?“ Denn im Grunde sind die Gesetze hier auf der Erde immer von Ursache und Wirkung bestimmt. Man braucht etwas, um etwas daraus zu entwickeln.
Bei Gott ist das anders. Das sagt die Bibel sehr deutlich: Aus dem Nichts hat er geschaffen. Er braucht nicht etwas Vorheriges, das er verwandelt. Er kann das zwar auch – denken wir an das Wunder, das er Jesus getan hat in Kana, als er aus Wasser Wein machte. Wie der Chemiker sagen würde: Das war eine Molekularveränderung. Für den Normalverbraucher ist das schwer zu verstehen, wie das geht. Für den, der der Schöpfer ist, ist das kein Problem.
Hier wird gesagt: Der Herr hat die Erde gemacht, ihm gehört die Erde. „Des Herrn ist die Erde und ihre Fülle.“ Gott hatte damals bei der Erschaffung von Adam und Eva gesagt: „Macht sie euch untertan.“ Wir wissen auch, dass mit dem Sündenfall der Teufel als „Fürst dieser Welt“ bezeichnet wird. Trotzdem sagt die Bibel hier: Die Erde gehört Gott. Der Fürst wird nirgendwo König genannt. Er ist ein Fürst, aber der König der Erde ist Gott, und er bleibt es.
Viele Theologen nehmen an, dass Gott die Erde geschaffen hat und dann der Fall Satans eingetreten sein könnte. Gott setzte Adam und Eva in den Garten, um sozusagen die Erde zurückzuerobern für Gott. „Macht sie euch untertan.“ Aber das erste Menschenpaar hat die Fronten gewechselt. Sie sind auf die Seite des Fürsten dieser Welt gegangen, und damit war die Verbindung zu Gott abgebrochen.
Es ist gut zu wissen, dass bei allem Chaos in dieser Welt – wenn wir hineinschauen, merken wir, dass die Menschen nicht klarkommen. Selbst mit allen Programmen und Gesetzen, die sie aufstellen, um die Erde zu retten – was für ein Aufsehen sie wegen der Erderwärmung machen und versuchen, Programme zu entwickeln, um das zu verlangsamen – schaffen sie es nicht.
Wir dürfen dankbar wissen, dass Gott zu seinem Ziel kommen wird. Es wird einen Augenblick geben, an dem Gott diese Erde vernichten wird und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, wo keine Sünde mehr ist, wo nur noch Gerechtigkeit wohnt.
Hier wird gesagt: „Er hat sie gegründet über Meeren.“ Vielleicht kennt ihr das Büchlein von Roger Levy „Die Wissenschaft hat Verspätung“, in dem deutlich gemacht wird, dass die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft schon lange in der Bibel genannt sind. Wissenschaftler entdecken, dass im Innern der Erde nicht nur Feuer ist, sondern sehr viel Wasser. Plötzlich ist das eine riesige Erkenntnis – und das steht hier schon in Vers 2: „Er hat die Erde gegründet über Meeren.“
An einer Stelle wird das sehr deutlich, zum Beispiel als die Sintflut anfängt. Dort heißt es: „Da öffneten sich die Tiefen der Erde und das Wasser von unten kam.“ Das war nicht nur Regen von oben. Hier wird klar, dass die Welt anders aufgebaut ist, als viele Wissenschaftler über Jahrhunderte gedacht haben.
„Er hat die Erde gegründet über Meeren, über Strömen sie festgestellt.“ Wir dürfen dankbar sein für solche Verse. Man fragt sich manchmal: David, was hast du gewusst? David war kein Wissenschaftler. Er hatte keine großen Methoden und Instrumente, um etwas zu erforschen. Aber er hatte die Verbindung zu Gott. Und daher ist es nicht nur das, was David aufgeschrieben hat, sondern wir wissen, es ist Wort Gottes. Das Wort Gottes ist richtig, und wir können uns darauf stützen.
Ich finde es hochinteressant, dass Wissenschaftler zu der Erkenntnis kommen, dass die Bibel korrekt ist. Als ich vor Jahren in Israel war, sagte uns der israelische Leiter, der uns begleitete, auf die Frage, wie sie dort vorgehen: Überall, wo Wüste ist, schauen sie in die Bibel und kontrollieren, was damals zur Zeit, als Israel das Land eingenommen hat, für Früchte und Getreide es gab. Die Hinweise in der Bibel werden genutzt, um diese Pflanzen wieder anzubauen – und das funktioniert.
Wir standen zum Beispiel bei Jericho und schauten hinüber nach Jordanien, wo Wüste ist. Ich sprach damals mit diesem israelischen Leiter und sagte: „Aber damals, als Josua hier eingezogen ist, muss das hier anders ausgesehen haben.“ Denn in Josua wird berichtet, dass Getreidefelder da waren. Es war die Zeit der Gerste, die gerade geerntet wurde. Die Israeliten lebten von der Gerste und brauchten das Manna nicht mehr. Das heißt, diese ganze Ebene muss landwirtschaftlich ein Gerstenfeld gewesen sein.
Der israelische Führer sagte mir: „Ja, das wird so gewesen sein. Die Wüste hier ist nur ein paar Zentimeter tief. Wenn wir vorsichtig wässern, sinkt der Wüstensand hinunter, der fruchtbare Humus kommt hoch, und wir können wieder anpflanzen.“ Ich finde das faszinierend. Im Grunde ist die Wüste in Israel die Folge des Ungehorsams des Volkes.
Gottes Wort hat Recht: Die Erde gehört Gott. Wenn es darum geht, die Erde zu bewahren, müssen wir schauen, was die Bibel sagt.
Man könnte also als Überschrift über diese erste Strophe sagen: „Gottes Schöpfung ist die Grundlage für das Evangelium.“ Das wird an manchen Stellen deutlich gemacht. Wir sollen darauf achten, dass das Evangelium schon in der Schöpfung sichtbar wird.
Paulus schreibt das in Römer 1. Menschen, die das Evangelium noch nicht gehört haben und keine Bibel besitzen, können in der Natur erkennen, dass es einen Gott gibt. Dann liegt es an ihnen, ob sie diesem Gott die Ehre geben. So schreibt Paulus. Leider verfallen viele in ihren Gedanken in Torheit und beten Götzen an.
Gott hat uns die Natur gegeben, damit Menschen durch sie verstehen: Es muss einen Gott geben. Leider haben wir Menschen den Blick dafür verloren. Ich muss immer wieder darüber staunen, wie Gott die Schöpfung gemacht hat. Das führt mich zur Anbetung und zum Loben Gottes.
Gemeinschaft mit Gott als Ziel des Evangeliums
Die zweite Strophe umfasst die Verse drei bis fünf:
Wer darf hinaufsteigen auf den Berg des Herrn, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte?
Wer unschuldige Hände und ein reines Herz hat, der seine Seele nicht auf Falsches richtet und nicht schwört zum Betrug.
Er wird Segen empfangen vom Herrn und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.
Das ist das Geschlecht derer, die nach ihm trachten, die dein Angesicht suchen, Jakob.
Manche übersetzen dies auch mit: die dein Angesicht, Gott Jakobs, suchen.
Diese zweite Strophe macht deutlich, wer Gott nahen darf. Wir werden uns gleich noch näher damit beschäftigen.
Man könnte diese Strophe überschreiben mit: Die Gemeinschaft mit Gott ist das Ziel des Evangeliums.
Gott möchte Gemeinschaft mit uns Menschen haben, so wie er es damals mit Adam und Eva vorgesehen hatte. Das Ziel war, dass sie jeden Tag Gemeinschaft mit ihm haben konnten.
Vielleicht denkst du auch, das muss eine schöne Zeit gewesen sein, wenn Gott jeden Tag zu Besuch kam und man ihn alles fragen konnte.
Wenn ich schon mal frage: Wer wünschte sich, so zu leben wie Adam und Eva? Wer von euch würde gerne mit den beiden tauschen? Wahrscheinlich stellt ihr euch diese Frage im Hinblick auf die Zeit vor oder nach dem Sündenfall.
Manche sagen: Ja, vor dem Sündenfall, das muss schön gewesen sein, eine direkte Beziehung zu Gott zu haben.
Aber ich sage: Wenn du ein Eigentum des Herrn bist, kannst du eine noch viel schönere Beziehung zu Gott haben als damals Adam und Eva.
Auch du darfst Gott alles fragen, und er hat versprochen, täglich bei dir zu sein.
Gottes Ankunft als Weg zum Evangelium
Die dritte Strophe lautet: Erhebt ihr Tore eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe.
Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und mächtig. Der Herr, mächtig im Kampf.
Erhebt ihr Tore eure Häupter und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe.
Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.
Wahrscheinlich merkt man beim Lesen dieser Verse, dass es sich ganz offensichtlich um einen Wechselgesang handelt, bei dem Frage und Antwort aufeinander folgen. Die Aufforderung lautet: Erhebt ihr Tore eure Häupter, damit der König einzieht. Darauf folgt die Gegenfrage: Wer ist der König?
Dann wird die Antwort gegeben: Der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Kampf.
Noch einmal die Aufforderung: Macht die Tore auf! Und dann wird wieder gefragt: Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit?
Als Antwort folgt: Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.
Man könnte sagen, diese Strophe lässt sich überschreiben mit: Gottes Ankunft ist der Weg zum Evangelium.
Vertiefung der drei Strophen und ihre Bedeutung
Ich möchte diese drei Verse noch einmal vor uns stellen, diese drei Strophen, und wir wollen uns die erste Strophe noch einmal ansehen. Gottes Schöpfung ist die Grundlage für das Evangelium.
Wir hatten gesehen, dass ihm die Meere gehören, ihm die Erde gehört. Er ist der Schöpfer. Nicht nur Israel gehört ihm. Auffallend ist, dass in diesem Psalm, obwohl ein Israelit ihn gedichtet hat, steht: „alle Völker, alle Bewohner“, nicht nur Israel. Und alle Tiere gehören Gott. Hier sehen wir schon in diesem Psalm, dass das Evangelium über Israel hinausgeht.
David hat einen Blick dafür bekommen, dass das Evangelium nicht nur für Israel da ist, sondern die frohe Botschaft an alle Menschen, die auf dieser Erde wohnen. Ihm gehören die Meere.
Unwillkürlich werden wir sicherlich daran erinnert, als der Herr Jesus mit seinen Jüngern auf dem See war. Er lag im hinteren Teil des Schiffes und schlief. Es erhob sich ein riesiger Sturm, und die Wellen schlugen ins Boot. Die Jünger bekamen Angst, obwohl sie erfahrene Fischer waren und den See kannten. Sie weckten ihn und sagten: „Herr, liegt dir nichts daran, dass wir umkommen?“
Diese Szene ist von manchen Malern dramatisch dargestellt worden. Ich denke an ein Bild von Rembrandt: tosendes Meer, ein schaukelndes Schiff, ängstliche Jünger. Mittendrin steht Jesus, wie ein Fels in der Brandung, den nichts umschlagen kann.
Dann lesen wir, wie er ihnen sagt: „Was seid ihr so furchtsam, ihr Ungläubigen, ihr Kleingläubigen!“ Und er spricht zu dem Sturm und den Wellen: „Schweig und verstumme!“ Und es entstand eine große Stille. Die Jünger fallen vor ihm nieder und sagen: „Wer ist denn dieser, dass ihm Wellen und Sturm gehorchen? Wer ist dieser?“
Ich denke, das wird deutlich bei all den Wundern, die Jesus getan hat. Keines ist wie das andere. Alle Wunder, die er getan hat, haben ein bestimmtes Ziel. Johannes beschreibt das in seinem Evangelium, Kapitel 20, Vers 31: Diese Zeichen sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend Leben habt in seinem Namen.
Alle Wunder, die der Herr Jesus getan hat, sollen deutlich machen, dass er der Herr der Herren ist. Dass er der kommende, der verheißene Messias, der König der Juden ist und der König der Könige. Er hat die Wunder nicht gemacht, damit es dem Menschen besser geht – das ist nur eine Randerscheinung. Er hat die Menschen geheilt, er hat die Wunder getan, damit die Menschen erkennen, wer er ist.
Da heilt er den Aussätzigen und schickt ihn zum Priester, der ja auch gleichzeitig Gesundheitsminister war. Der Priester musste damals den Aussätzigen besehen und erklärte ihn für unrein. Es hatte in der gesamten Vergangenheit nie gegeben, dass ein Aussätziger geheilt wurde – außer dem Ausländer Naaman.
Trotzdem steht im Alten Testament, im dritten Buch Mose, ein ganzes Kapitel darüber, wie ein Mensch sich verhalten muss, wenn er vom Aussatz geheilt wird. Wofür steht so ein Kapitel in der Bibel, wenn es nie eingetreten ist?
Jetzt stellt euch vor, Jesus heilt einen Aussätzigen und schickt ihn zum Priester. Der Aussätzige sagt: „Untersuche mich, ich bin gesund.“ Der Priester wird sagen: „Das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben.“ Aber der Aussätzige besteht darauf: „Untersuche mich, ich bin gesund.“ Dann müsste der Priester fragen: „Wie ist das passiert?“ Und der Aussätzige müsste Zeugnis ablegen: „Jesus hat mich freigemacht. Wer ist dieser Jesus?“
Hier wird deutlich: Dieses Kapitel im dritten Buch Mose steht nur, damit die Schriftgelehrten und Priester zur Zeit Jesu anhand dieses Wunders erkennen konnten, dass Jesus, der Sohn Gottes, der verheißene Messias ist.
Gott hat die Welt gemacht, Gott hat uns Menschen gemacht. Er möchte erkannt werden und er möchte, dass wir ihm die Ehre bringen. Das haben wir ja am Samstagabend schon bei Psalm 19 gesehen: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, sodass wir die Größe Gottes in der Schöpfung erkennen können.
Die zweite Strophe hatten wir gesehen und hatten sie überschrieben mit „Gemeinschaft mit Gott ist das Ziel des Evangeliums“. Die Frage wird hier in diesem Psalm gestellt: „Wer darf auf den heiligen Berg?“, oder mit anderen Worten: Wer darf Gemeinschaft mit Gott haben?
Es wird die Antwort gegeben: Nur der, der unschuldige Hände hat, der reine Hände hat, der keine Sünde hat. Was heißt das dann? Dann dürfte doch keiner hin, oder? Dann darf keiner in die Gegenwart Gottes, denn keiner von uns Menschen hat reine Hände. Keiner hat fehlerlose Lippen, jeder von uns hat gesündigt.
Hier wird das Grundprinzip gefragt: Wie kann ein Mensch in die Gegenwart Gottes kommen? Im Grunde ist das das Thema der ganzen Bibel.
Ich habe vor drei Jahren hier einmal eine Bibelwoche über die Stiftshütte gehalten. War jemand von euch dabei? Nicole? Ja? Hast du aufgepasst? Herr Präsident!
Die Stiftshütte macht deutlich, wie ein Mensch zu Gott kommen kann. Sie ist ein Modell dafür, wie Gott Gemeinschaft mit uns Menschen haben kann. Auf der einen Seite steht der heilige, sündlose Gott, auf der anderen Seite der sündige Mensch. Das ist wie Feuer und Wasser – das passt nicht zusammen.
Gottes Wort sagt: Wenn ein Mensch mit Gott in Berührung kommt, dann muss er sterben, weil er ein Sünder ist. Paulus sagt das in Römer 3: „Der Lohn der Sünde ist der Tod.“ Das heißt im Grunde: Jeder Mensch muss sterben. Wenn Gott unmittelbar mit uns in Berührung käme, müssten wir alle sterben.
Die Stiftshütte macht deutlich: Zwischen dem Menschen und Gott braucht es einen Vermittler und ein Opfer. Es braucht ein Tier, das stellvertretend an meiner sündigen Stelle stirbt.
Bei den Opfern im Alten Testament war das so: Wer Gott nahen wollte, musste das Opfertier bringen. Er musste seine Hand auf den Kopf des Tieres legen und seine Sünden bekennen – symbolisch legte er damit seine Sünde auf das Tier. Dann wurde dieses Tier an der Stelle des Sünders geschlachtet, verbrannt, und das Blut wurde an den Altar Gottes gesprengt.
Das macht deutlich: Gott will klar machen, dass, wenn du in Gemeinschaft mit ihm kommen willst, du einen Stellvertreter brauchst, der dir deine Sünden wegnimmt. Du brauchst Vergebung deiner Sünden, du brauchst Versöhnung mit Gott. Nur dann kannst du mit Gott Gemeinschaft haben.
Hier wird angedeutet, wer Gemeinschaft mit Gott haben darf: der, der unschuldig ist, der heilige Hände hat.
Gott hat damals seinem Volk die zehn Gebote gegeben und ihnen gesagt: „Wenn ihr das haltet, kann ich in eurer Mitte wohnen.“ Die zehn Gebote sind sozusagen die Minimalforderung Gottes: Tu das, und du wirst leben.
Wir hatten vor einiger Zeit in unserem Seniorenfrühstückskaffee gemeinsam die Bibel gelesen und kamen an die sogenannte Bergpredigt, in der der Herr Jesus die Gebote der zehn Gebote auslegt, wie er sie meint.
Nachdem wir diesen Abschnitt gelesen hatten, fragte ich die Senioren: „Kriegt ihr die zehn Gebote zusammen?“ Ich könnte jetzt den Test mit euch auch machen, ob wir die zehn Gebote zusammenkriegen. Nach einigem Hin und Her hatten wir sie zusammengetragen.
Dann fragte ich: „Habt ihr sie gehalten?“ Ein Achtzigjähriger antwortete: „Ja, so in etwa.“ Ich fragte weiter: „Meinst du, das reicht?“ Er sagte: „Wenn du so fragst, wahrscheinlich nicht.“
Ich fragte: „Und was ist, wenn man die Gebote nicht hält?“ Ich vergesse die Blicke der Senioren nicht, wie sie mich ansahen und mit offenen Augen fragten: „Heißt das, dass wir alle in die Hölle kommen?“
Ich antwortete: „Ja, das heißt, ihr kommt alle in die Hölle.“ Sie schauten mich an und fragten: „Ja, und jetzt, wie komme ich denn da raus?“
Dann konnte ich ihnen erklären: Ja, wie damals in Israel musste Jesus für meine Sünde sterben, damit ich frei ausgehen kann. Nur so kann ich in die Beziehung zu Gott kommen.
Ich komme nicht in die Beziehung zu Gott, indem ich vielleicht neun Gebote sehr gut halte und meine, damit könnte ich ein Konto aufbauen und das eine Gebot, das ich übertreten habe, lässt mich doch noch durchrutschen. So stellen sich das die meisten Christen vor.
Ich weiß nicht, ob ihr diesen kurzen Film „Sechstausend Punkte für den Himmel“ kennt, der das so illustriert: Einer steht vor der sogenannten Himmelstür und will rein. Er präsentiert alle positiven Dinge, die er in seinem Leben getan hat. Der, der ihn reinlassen soll, sagt: „Nein, reicht nicht. Es reicht nur, wenn ich Vergebung habe. Wenn ich das Werk von Jesus angenommen habe.“
Nur so bekomme ich einen gnädigen Gott, und nur so bekomme ich heilige Hände und ein reines Herz.
Ich glaube, David hat das begriffen, als er diesen Psalm schrieb. Er wusste von sich selbst: „Ich bin nicht in Ordnung, ich bin nicht heilig.“ Und wir werden uns in den nächsten Tagen damit beschäftigen, in Psalm 51, wie er wirklich seine Sünden bekennt, Buße tut und Gnade vor Gott findet.
Der Einzug des Königs der Herrlichkeit und seine Bedeutung heute
Schauen wir uns die dritte Strophe an. Wir hatten gesagt, wir überschreiben sie mit „Gottes Ankunft ist der Weg zum Evangelium“. Wahrscheinlich werden wir beim Lesen dieser Verse an ein Ereignis erinnert, als Jesus kurz vor seinem Sterben nach Jerusalem zieht. Wir nennen das den Einzug in Jerusalem. Dort herrscht eine riesige Begeisterung im Volk. Die Jünger ziehen ihre Obergewänder aus, legen sie auf den Boden, streuen Palmzweige aus und jubeln: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“
Offensichtlich werden sie an diesen Psalm erinnert. Sie sind in Hochstimmung, heben den Herrn Jesus auf ein Eselsfüllen und begleiten ihn nach Jerusalem. Das erste Kommen des Herrn Jesus hier auf dieser Erde, das erste Kommen des Königs der Ehren, war dazu da, um die Frage unserer Sünde zu regeln. Es ist bezeichnend, dass über seinem Kreuz steht: „Jesus aus Nazareth, der König der Juden“.
Die Juden wehren sich dagegen, dass dort „König der Juden“ steht. Sie sagen, er habe es nicht verdient, so genannt zu werden, sondern er habe nur gesagt, er sei es. Pilatus aber antwortet: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“ Der, der am Kreuz hängt, ist dieser König der Ehren. Und während er am Kreuz hängt, sieht das gar nicht nach Ehre aus. Aber genau davon spricht dieser Psalm.
Jesus wird ein zweites Mal kommen, wie er es verheißen hat, um die, die ihm gehören, zu sich zu nehmen in die Herrlichkeit. Ihr habt gesehen, ich habe etwas mit dem Tor verändert. Ich schalte noch einmal zurück: So sieht es heute in Jerusalem aus, das sogenannte goldene Tor, das Tor im Osten des Tempelbergs. Die Mohammedaner haben dieses Tor im siebten Jahrhundert zugemauert. Warum? Weil sie an das glauben, was in der Bibel steht.
In der Bibel steht, dass der kommende König Israels durch dieses Tor in Jerusalem einziehen wird. Die heutigen Theologen glauben nicht daran. Sie glauben nicht an einen kommenden Herrn, der wieder auf die Erde kommt. Interessanterweise aber die Mohammedaner schon. Sie meinen, durch ein paar Steine könnten sie ihn aufhalten. Doch das ist nicht so.
Die Bibel sagt sehr deutlich: Er wird kommen, und dann ist ein zugemauertes Tor kein Hindernis. Ihr wisst, Herr Jesus hat nach seiner Auferstehung einen Herrlichkeitsleib. Er offenbart sich seinen Jüngern, die sich aus Angst vor den Juden hinter verschlossenen Türen eingeschlossen hatten. Für ihn sind zugeschlossene Türen und zugemauerte Tore kein Hindernis. Das ist für uns tröstlich zu wissen.
Es wird zu einem Augenblick kommen, an dem tatsächlich der König der Könige nach Jerusalem einziehen wird, auch in das irdische Jerusalem. Davon spricht bereits Sacharja in Kapitel 14. Er sieht den kommenden König und sagt: Dann werden sie niederfallen und weinen, weil sie den sehen, den sie durchstochen haben. Dann werden die Israeliten begreifen, wen sie damals gekreuzigt haben.
Er wird in alle Ewigkeit an den Malen in seinen Händen und Füßen erkennbar sein. Aber ich denke bei dieser Strophe noch an einen anderen Gedanken: Es wird nicht nur ein Augenblick kommen, in dem der Herr Jesus in Jerusalem einziehen wird, sondern die eigentliche Frage in diesem Psalm lautet: Wie willst du ihn empfangen?
Daher ist dieses Adventslied, wie wir es nennen, auch eine Frage an uns: Kann ich ihn empfangen? Mache ich mein Tor auf, öffne ich die Tür meines Herzens, damit er einziehen kann? Das ist der Wunsch des Herrn Jesus. Er möchte auf dem Thron deines Lebens sitzen. Er möchte dein König sein, dein Herr, der über dein Leben bestimmt.
Das ist die Frage: Öffne ich mein Herz, damit der König der Könige, der König der Ehren – wie er hier genannt wird – einziehen kann? Im letzten Vers wird er auch „der Herr der Heerscharen“ genannt, im Originaltext „Yahweh Zebaoth“. Er ist der König der Herrlichkeit. Ist der Herr Jesus dein Herr? Hat er in deinem Leben das Sagen? Unterwirfst du dich ihm freiwillig? Er ist es wert.
Manchmal denke ich, wie schön es wäre, wenn er nicht nur der Herr und König in meinem Herzen wäre, sondern vielleicht auch in meiner Familie, in meiner Gemeinde, in unserem Land, in Deutschland. Dass noch einmal eine Reformation kommen könnte. Oder so, wie Peter Hanner es einmal gesagt hat: „Holt Gott zurück in die Politik!“ Das klingt utopisch, zur gegenwärtigen Zeit auf jeden Fall.
Ihr habt wahrscheinlich auch die Äußerungen auf dem Kirchentag in den letzten Tagen mitbekommen: „Wir Fundamentalisten sind die Feinde des Volkes. Wir sind gefährlich.“ Dabei muss ich schmunzeln. Wer sind wir denn wirklich? Sind wir wirklich so gefährlich? Warum sollten wir gefährlich sein? Weil hinter uns die Bibel steht, das Wort Gottes, und weil hinter uns der Herr der Heerscharen steht, auch wenn wir nur eine kleine Gruppe sind.
Ich glaube, das sollte uns immer wieder deutlich werden, auch wenn wir uns alleine gelassen fühlen, vielleicht auch in unserem Land, und merken, dass wir nicht verstanden werden. Wir dürfen wissen: Hinter uns steht der König der Ehren. Von daher noch einmal: Macht die Tore auf! Unser Herr kommt, der Herr der Heerscharen. Er ist der König der Herrlichkeit. Amen.
