Generierte Mitschrift
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Einleitung und Ausgangspunkt der Reise
Apostelgeschichte 16,6-10. Wir sind hier auf der zweiten Missionsreise. Bevor Paulus hinübergeht nach Europa, wird uns in aller Kürze berichtet, was geschehen ist.
Entschuldigung, jetzt habe ich mich falsch ausgedrückt: Vers 6 bis 8 von Kapitel 16, also Vers 6 bis 8, 9 bis 10, das wurde schon oft gepredigt.
Sie zogen aber durch Phrygien und das Land Galatien, da sie vom Heiligen Geist gehindert wurden, das Wort in der Provinz Asien zu predigen. Als sie aber bis an die Grenze Mysiens gekommen waren, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; doch der Geist Jesu ließ auch dies nicht zu. Dadurch zogen sie an Mysien vorbei und kamen hinab nach Troas.
Herr, rede durch dieses Wort jetzt zu uns. Es ist dein Wort. Amen.
Ich habe mich gefreut, wie vorhin der Chor dieses Lied gesungen hat, dass bei Gott selbst die Nacht so hell wird wie der Sonnenschein. Und jetzt wünsche ich nur, dass Sie alle das bestätigen können und sagen: Seitdem ich mit Jesus gehe, ist das in meinem Leben so. Ich habe viel Dunkelheit gehabt, aber dann habe ich Jesus gefunden, habe ihm das Steuer überlassen, und dann hat er das Kommando übernommen. Und seitdem ist es hell bei mir.
Ich habe gerne Berichte immer wieder gelesen von Christen, wo das erzählt wird. Das steckt ja irgendwie an, wenn man das hört. Aus der Praxis des Lebens sind oft die Situationen auch ganz ähnlich. Und darum freue ich mich auch heute Morgen, dass wir nachher den Bericht von Hans Martin Kilgus haben.
In der Mission ist das manchmal noch viel schärfer in den Konturen. Bei uns ist alles so halbchristlich in unserer Welt, in der wir leben. Aber dort, wo die Gegensätze und die Feindschaft oft gegen das Evangelium so stark und deutlich hervortreten, dort werden dann auch die Erlebnisse mit Jesus viel größer, viel aktueller, viel aufregender.
Das steckt dann an, wenn wir aus Missionsberichten wieder merken: Doch, er hat Macht, unser Herr Jesus. Und wenn wir beten, dann hört er die Gebete der Seinen. Gerade dort in der fremden Kultur, in großen Schwierigkeiten, dort werden Wunder erlebt. Ja, das gibt es in Hülle und Fülle: Beistand in Krankheitsnot, Durchhilfe, Besserung, Heilung, Menschen, die zum Glauben kommen, Gemeinde, die sich sammelt, wo vorher Spott und Ablehnung war, Feindschaft gegen das Evangelium. All das gibt es, weil Gott zu seinem Wort steht.
Wenn Türen verschlossen bleiben
Aber ganz selten wird dann in den Missionsberichten darüber gesprochen, dass es nicht nur das gibt, sondern viel, viel häufiger verschlossene Türen. Warum wird darüber so wenig erzählt? Wahrscheinlich sind wir als Gemeinde schuldig, und die Missionare tragen auch noch ein Stück Schuld. Manche haben mir im vertraulichen Gespräch immer wieder gesagt, die Gemeinden erwarteten von uns große Erfolgsberichte. Ich sage immer: Nein! Erzählt von euren Pleiten und erzählt von euren Niederlagen, denn das hilft unseren Gemeinden am meisten weiter. Die stecken ja auch da drin. Und heute Morgen sind viele, die brauchen keine schönen Siegesgeschichten, sondern sie wollen etwas hören, wie Gott sich auch dort offenbart, wo es so aussieht, als sei Gott gewichen, als sei er nicht mehr da.
Das war ja furchtbar für den Apostel Paulus, was hier geschah. Als diese Tür verschlossen war, darum will ich zuerst darüber sprechen: das Durchstreichen unserer Pläne, das tut weh. Können Sie sich den Apostel Paulus jetzt so richtig anschaulich vorstellen? Was für ein Mann war das! Seine Bekehrung vor Damaskus, die hat ihn so in Anspruch genommen. Das war der Motor seines Lebens. Seitdem brannte er für Jesus.
Er hat auch schon am Anfang darunter gelitten, dass die Christen alle so scheu waren und sich vor ihm zurückzogen. Er wollte schon hineinstürmen in die Gemeinde und mitarbeiten, aber die zogen sich alle vor ihm zurück. Aber dann endlich war es gelungen, nach einer großen Zeit der Stille, die er in Arabien zubrachte, dass Gott ihm dieses Werk als Apostel sandte. Als Evangelist, als Missionar gibt es noch einmal so eine Natur wie Paulus.
Er war ja schwer angeschlagen. Er hatte einen großen körperlichen Schaden. Nichtsdestotrotz hat er bis tief in die Nacht hinein gearbeitet, um sich in einem ganz normalen Beruf, in einem Job, Geld zu verdienen, damit er seinen Missionsdienst überhaupt tun kann. Das hat er seiner Gesundheit zugemutet, und dann wurde er strapaziert. Die dauernden Misserfolge, die Streitereien in den Gemeinden, die Irrlehre, die damals eintrat, das zerrte an seinen Nerven. Der Mann war ja am Ende seiner Möglichkeiten. Wie oft hat er zu Gott geschrien: Gib mir doch mehr Kraft! Gott hat gesagt: Das, was du hast, genügt. Dabei bleibt’s. Und er wird weiter gestürmt.
Selbst als sie ihn dort gesteinigt hatten auf der ersten Missionsreise und er tot liegen blieb, war er wenige Tage später schon wieder unterwegs. Das muss doch eine Drucksituation für ihn psychisch gewesen sein, was er alles mitgemacht hat: in den Seestürmen, als er unter die Räuber fiel. Paulus läuft weiter, unerschrocken. Das macht ihm gar nichts aus. Er hat diesen Ruf von Gott.
Wenn Sie wissen wollen, was Mission ist: Mission hat überhaupt nichts damit zu tun, dass einer Mitleid hat mit den armen Leuten der dritten Welt. Es ist schön, wenn Sie das haben, aber darauf gründet Mission nicht. Mission gründet darin, dass Menschen sagen: Ich muss es weitersagen. Das Evangelium ist mir aufgetragen, egal was ist, ob die Leute wollen oder nicht, ich muss es weitersagen. Wo überhaupt Mission geschehen ist und Evangelisation und Gott sie segnen konnte, kam sie immer aus dem Gehorsam und nicht aus dem Mitleid.
Der Weg in die Sackgasse
Aber was ist jetzt passiert? Paulus ist in Kleinasien, in dem Gebiet Galatien, und dort sind die Türen verschlossen. Wissen Sie, was das für Paulus bedeutet? Wir rätseln herum: Was waren das eigentlich für verschlossene Türen?
Sie kennen das doch: Plötzlich sind überall Widerstände da. Man kann an der Türe rütteln und sagen, da muss man nur ein bisschen fester anpacken. Nein, da geht nichts mehr. Alles ist auf Widerspruch eingerichtet. Paulus hat sich ja nie abhalten lassen, wenn Menschen ihn etwa nicht zu Wort kommen ließen. Dann hat er weitergemacht, er war unerschütterlich. Es müssen also noch viel schwierigere Hindernisse gewesen sein.
War Paulus schwer krank? Hatte er eine Lähmung? Was war der Grund? Es muss ein so schweres Leiden oder solche Widerstände gewesen sein, die diesen unerschütterlichen, ungebremsten Paulus wirklich mattsetzen konnten. Waren es die Gemeinden in Galatien selbst? Wir könnten uns ja vorstellen, aus dem Galaterbrief, wo Paulus mit ihnen so hart reden muss, weil sie das Evangelium verfälscht hatten, dass Paulus einfach nicht mehr den Mund auftun kann. Ich weiß es nicht.
Ich will heute Morgen nur davon reden, dass es das gibt, dass Gott sogar bei seinem großen Apostel Paulus Pläne durchstreicht. Er war ja genial, wie er das konzipiert hatte. Paulus hat immer gesagt: Du darfst das Evangelium nie an den Rand drücken, sondern du musst immer in die Zentren hinein. Paulus hätte heute gesagt: Wir müssen die wichtigsten Leute vom Theater, vom Fernsehen für Jesus gewinnen, wir müssen die Politiker gewinnen.
Paulus war nie dafür, dass man die, die sowieso schon so am Rande irgendwo mitfleuchen und nicht sonst an Einfluss mitbringen können, gewinnt, sondern für Jesus die wichtigsten Leute gewinnen. Darum wollte er an die Schwarzmeerküste, in diese Kornkammer Roms damals. Man sieht das ganz deutlich: Er zielt nach Norden, und Gott legt einen Widerstand nach dem anderen in seinen Weg. Und Paulus kann nichts tun, gar nichts. Er war gescheitert.
Das sind Stunden in einem Christenleben. Manchmal dauern sie Tage, bei Paulus dauerten sie wahrscheinlich Monate. Da sagt man: War das alles nur eine Täuschung, wo dich Gott berufen hat? Bist du nicht der Versager? Wirf das ganze Zeug hin und steig aus. Das gibt es im Leben der Diener Gottes.
Warum macht denn Gott so etwas? Will uns denn Gott hänseln? Will er uns denn bloß testen? Hat er denn den Spaß dabei, uns an der Nase herumzuführen? Was ist denn das? Das ist etwas ganz anderes, als wenn Leute fragen: Warum lässt Gott das zu? Die Anfechtungen der Glaubenden sind eine Not, wenn man etwas wagt für Gott und dann scheitert.
Es war doch alles umsonst. Wie soll Paulus das den aussendenden Gemeinden erklären? Wie soll Paulus das nächste Missionsmatinee halten, wenn er so etwas erzählen kann? Sie haben ja gar nichts gemacht, monatelang, und nichts war los.
Gottes Wille gegen den eigenen Willen
Es gibt eine ganz einfache Antwort: Gott muss unsere Pläne durchstreichen, unsere, damit seine zum Zuge kommen. Bei jedem von uns muss Gott unsere Pläne durchstreichen. Es kann sein, dass er bei einigen von uns nichts durchstreicht. Das sind Leute, mit denen Gott auch nichts machen kann.
Aber die, die heute Morgen leiden und sagen: Warum hat mir Gott so viel aus der Hand geschlagen? Warum hat mir Gott Dinge versagt, die mir so wichtig waren? Sie sollen wissen, dass Gott mit ihnen Großes vorhat. Wenn Gott unseren eigenen Willen kreuzt und seinen Willen daraufsetzt, dann ist das eine ganz wichtige Entscheidung unseres Lebens.
Und selbst ein Apostel Paulus war Jahre nach seiner Bekehrung noch lange nicht damit fertig, dass Gott seinen Willen durchstreichen muss. Paulus’ Willen und den Willen Gottes ihn lehrt. Darum möchte ich Sie einfach bitten, die Ohren aufzumachen und zu hören, die Augen aufzumachen, die Bibel zu lesen: Was willst du mit mir, Herr? Ich bin bereit, gerade da, wo du mir meinen Willen durchstreichst.
Jetzt weiß ich, dass viele sagen, wenn man darüber predigt, das ist heute in unserer so psychologisierten Zeit ganz häufig so, dass man sagt: Die Christen, die wollen die Persönlichkeit zerstören. Es ist in unserer Zeit gerade eine Meinung, dass man seine Persönlichkeit festigt, indem man recht ungehemmt seinen Willen lebt. Wir wissen das anders. Wir wissen, dass ein Mensch nur zum Frieden und zur Ruhe kommt, wenn er seinen eigenen Willen in der Nachfolge Jesu kreuzigt. Er sagt: Nicht was ich will, was du willst.
In konkreten Lebens- und Berufsentscheidungen, auch wenn du mich in eine Arbeitslosigkeit hineinführst, in eine gesundheitliche Krise, ich nehm’s aus deiner Hand, das sind nicht Schicksalsschläge, ich nehm’s aus deiner Hand, da ich dein Eigen bin. Aber ich will wissen, was du jetzt mit mir machst.
Und der Apostel Paulus sagt ohne Zögern Ja, ganz merkwürdig, dass er das alles annimmt, ohne zu zögern. Nichts von Auflehnung, nichts von Empörung, nichts von einer Glaubenskrise. Warum? Paulus wusste doch: Wenn Gott mir etwas durchstreicht, dann kommt etwas ganz Großes. Dann legt mir Gott jetzt seine Pläne neu vor. Ich brauche bloß noch ein bisschen Geduld, von der Geduld sprach er viel. Trübsal bringt Geduld, sagt er im Römerbrief, darüber haben wir mal gepredigt. Ich will jetzt bloß warten. Und mein Leben wird umso kostbarer für Gott, umso wichtiger und umso brauchbarer.
Und soll keiner denken, dass uns Gott etwas wegnimmt und dass er mit seinen Tränen etwas nachweint und sagt: Ach lieber Herr, meine Pläne waren so schön konzipiert. Wein doch dem nicht nach. Gott ist kein Kaputtmacher, aber er braucht Leute, in denen er seinen Willen zum Ziel bringen kann. Und sein Wille ist der Beste. Das singt man so gern, bis man es übernimmt und dann praktiziert.
Darum sitzt uns Gott oft an verschlossenen Türen, dass wir wieder fragen: Herr, was willst du?
Das war mein erster Punkt: die durchgestrichenen Pläne. Das tut weh.
Das Ringen um Klarheit
Das Suchen kann manchmal lange dauern. Ich glaube, keiner bringt das von uns so fertig wie der Apostel Paulus, dass er dann sofort sagt: Nun also, das sind verschlossene Türen.
Er hat das auch gleich unterscheiden können. Er hätte ja denken können, das kommt vom Feind, der die Missionsarbeit hindern will. Der Teufel will nicht, dass Menschen sich bekehren. Nein, er konnte es unterscheiden, konnte geistlich prüfen, konnte sagen: Da hat mir Gott die Türe zugebaut. Der Weg ist verschlossen, nach der einen Seite, nach der anderen Seite. Und wo er schließlich landet, am Meer, ist es eine Sackgasse.
Es war ein bedeutender Ort, den Sie alle kennen: Troja. Zur Stelle war es alte Troas, aber dort war inzwischen nur noch ein kleines Städtchen gewesen, eine römische Garnison, mehr nicht. Was soll ich denn da? Das sind Momente, wo man sich auflehnen kann und ärgerlich nach Gott fragen kann.
Es geht hier heute um die Führung. Will auch unser Hans Martin Kilgus Mut machen, solche Dinge der Gemeinde zu erzählen. Ganz kleine Dinge, unscheinbare Dinge. Was ist denn Führung? Wir reden dauernd: Gott hat mich so geführt. Sind Sie eigentlich so sicher, dass Gott Sie geführt hat? Es können ja auch böse Menschen Sie so dirigieren. Woher können Sie das unterscheiden? Sie müssen ganz arg aufpassen, wenn Sie über Führung reden.
Paulus hat sich nicht auf seine Gefühle verlassen. Sie haben ganz Recht, wenn Sie merken, dass ich einen Tick gegen Gefühle habe, obwohl ich Mensch des Gefühls bin, sehr stark, vielleicht mehr als viele von Ihnen. Aber gerade deshalb müssen wir aufpassen mit unseren Gefühlen, die können uns ungemein stark bestimmen. Auch wenn einer sagt: Ich spüre das in mir.
Liebe Freunde, das, was Sie in sich spüren, sind nicht die Führungen Gottes. Das kann Ihr Magenleiden sein oder das kann ein gutes Essen sein, dann fühlt man sich schon wieder ganz anders, das ist doch wahr. Das sind Dinge: Unsere Körpergefühle sind beeinflussbar von unserer Natur, und dadurch redet Gott nicht.
So viele Christen sind irregeleitet worden, weil sie sich auf ihre körperlichen Empfindungen verlassen haben und gesagt haben: Ich fühle das irgendwo in mir. Und manche Christen sind so angesteckt, dass sie meinen, sie müssen auch irgendwo so ein Brummen im Körper hören oder so ein Summen, und dann sei das die Führung Gottes. Nein, bestimmt nicht. Wir wissen nirgends in der Bibel etwas davon.
Wie Gottes Leitung erkannt wird
Wo hat denn Paulus seine Gewissheit bekommen? Da stand es ihnen nicht zu. Paulus hatte Begleiter, und die wurden miteinander der Überzeugung eins. Dann kamen sie dorthin und sagten also: Das ist von Gott verwehrt.
Wenn Sie wissen wollen, wie man Führungen Gottes erkennt, dann gibt es ein ganz einfaches Rezept: mit anderen Christen zusammen, nie allein. In der Apostelgeschichte war es immer so, dass die großen Entscheidungen eigentlich erst in der Gemeinschaft abgesichert wurden. Darum fehlt ihnen ganz viel, wenn sie sich immer der Gemeinschaft entziehen.
Was ist das bei uns Deutschen, besonders bei den Christen, dass sie so Angst haben vor dem Mann neben sich in der Bank und dass wir sagen: Ich schließe mich keinem Hauskreis an? Sie vermissen damit das Wichtigste. Gott kann sie gar nicht führen, weil er sie nicht durch ihre Körpergefühle leiten will, sondern durch Christen, die ihnen Rat geben. Leute, die das geistlich beurteilen können. Das ist schön, wenn sie einen fragen und sagen: Du, hilf mir mal, ich stehe da vor einer wichtigen Entscheidung.
Warum denn nicht? Ich würde mir doch keine Operation unterziehen, bevor ich nicht mit einem anderen Christen darüber gesprochen und gebetet habe. Ich muss doch gewiss wissen: Ist das der Weg Gottes? Sie wurden miteinander einig: Das ist von Gott verwehrt. Daran erkennt man den Willen Gottes. Oft ist es auch in der Bibel ein Hinweis. Nicht bei Kleinigkeiten, sondern so, dass wir sagen: Die Linie Gottes ist eindeutig. Es gibt so klare Ordnungen Gottes, an denen man sich orientieren kann.
Aber ganz wichtig ist der Rat der Bruderschaft. Und dann haben sie warten können. Manche werden ungeduldig. Die sagen: Ich weiß jetzt seit Wochen nicht, was ich tun soll. Regen Sie sich nicht auf, das ist normal. Sie meinen immer, das müsste man so haben, dass man auf Knopfdruck das Gleiche hat. Nie. Paulus hat, ich meine, wochen- und monatelang warten müssen, bis Gott ihm die Klarheit gab. Warum soll es Ihnen besser gehen als Paulus?
Das ist ganz gut. In diesen Zeiten des Wartens kommt man anders ins Beten. Und da fängt man wieder neu an, vor Gott noch einmal alles in Frage zu stellen. Und das ist gut so.
Beispiele aus der Missionsgeschichte
Und nun müsste ich Ihnen erzählen, wie die grossen Missionsarbeiten Gottes alle entstanden sind. Gott hat die Grossen, die wir als Helden bezeichnen, nicht einfach so gebraucht. Es waren schlichte Leute, aber Gott hat sie umdirigiert. Da müsste man eigentlich abendelang davon erzählen.
William Carey, dieser grosse Pionier, hat die Bibel in Sanskrit und in Bengali übersetzt. Übrigens hat er die Bibel in 37 Sprachen Indiens übertragen und Wörterbücher sowie Grammatiken geschaffen. Dieser William Carey wollte überhaupt nie nach Indien. Er wollte ganz woanders hin, und dann hat ihn Gott umdirigiert. Schliesslich war nichts anderes mehr offen als Indien, und dort konnte ihn Gott gebrauchen. Von Beruf war er Schuhmacher, und Gott konnte dort seine Gaben zur Entfaltung bringen.
Livingston, den kennen Sie doch, den Entdecker Afrikas, der bis ins Innerste vorgedrungen ist, wollte bei seiner Berufung nie nach Afrika. Er wollte nach China. Da hat Gott manche Mühe gehabt, bis er den Mann richtig dorthin brachte, auf den richtigen Weg. Was ist das für eine Mühe Gottes, bis er uns da hat, wo er uns allein brauchen kann. Wir meinen immer, es müsse nach unserem Kopf gehen.
Ich lasse die Geschichte von dem grössten Missionar von Burma weg. Er ist nach Indien gegangen und hat dort gearbeitet, es war Misserfolg. Dann ist er nach Mauritius gegangen, wieder Misserfolg. Dann ist er wieder nach Indien und schliesslich nach Burma gegangen. In einem der ersten Briefe schrieb er: Ich halte die ganze Luft hier nicht aus, diesen Gestank, das geht mir so auf die Nerven, es ist mir so widerlich. Er wurde der gesegnetste Missionar von Burma, weil dann bloss noch Gottes Wille da war und nicht mehr Menschenwille.
Und da können wir für uns so viel lernen, wie Gott uns einen Kreuzesweg lehrt. So wie Jesus es dem Vater übertragen hat: Herr, nicht wie ich will, sondern wie du willst. Dein Wille geschehe. Das sind die Segenswege, die Wege der Freude, die Wege der Erfahrung, der grossen Siege Gottes.
Träume, Verstand und neue Wege
Noch ein Wort, weil nachher das mit dem Traum kommt. Auch das ist bei Christen heute nach der rationalistischen Epoche, die wir im zwanzigsten Jahrhundert durchgemacht haben, sehr verbreitet: dass viele fromme Leute sagen, aber Gott rede doch durch Träume, und das müsse man immer und immer wieder sagen. Sie meinen, Träume wären ein besonderes Mittel, wenn ich ihnen erzähle, was ich so nächtlich träume.
Also, ich kann nicht denken, dass das mir helfen könnte, den Willen Gottes zu erkennen. Das ist ein großes Durcheinander, wo ich es meistens schon immer weiß. Wie kann man denn den Willen Gottes erkennen, wenn Gott sogar einen Traum dazu benutzen kann? So herum ist doch gesagt, das ist doch gar nichts Heiliges. Im Gegenteil: Das ist doch die Spiegelung unserer Seele, oder wie deuten das die tiefen Psychologen? Wenn sogar Gott da drinnen reden kann, dann kann er durch ganze Äußerlichkeiten reden.
Ich darf den Herrn bitten: Herr, du kannst mich so deutlich leiten, das ist klar. Du kannst auch einen störrischen Esel sogar noch führen, dann wirst du auch mit mir noch zu Ende kommen. Mach deine Führung so. Aber nicht so, dass sie jetzt warten, sie müssten etwas träumen, sonst würden sie wieder irregeleitet von ihren Gedanken.
Natürlich kann auch Gott heute durch Träume reden, das tut er auch. Und das könnte Hans Martin Kilgus uns erzählen, dass fast die Hälfte der pakistanischen Christen durch Träume zu Jesus kommt. Weil die oft gar keine Gelegenheit gehabt haben, das Evangelium zu hören. Leute, die noch nie einen Missionar gesehen haben, finden zu Jesus die ersten Spuren durch den Traum.
Er hat viel tausend Weisen zu wirken. Aber wie gut, dass wir sogar unseren Verstand dazu einsetzen dürfen. Den hat ja Gott uns dafür gegeben, dass wir es prüfen und beratschlagen und miteinander reden. Er hat seinen Mund dafür gegeben, dass wir nachdenken, was wohl der Herr will. Und das ist nie schlecht, wenn wir unseren Kopf dafür benutzen.
In diesem Traum, auch in der ganzen Apostelgeschichte, sind nie neue Lehren enthüllt worden in den Träumen. Das ist sehr wichtig. Es gibt heute manche Leute, die sagen, sie hätten durch Träume neue Offenbarungen von Gott gehabt. Das gab es nie in der Apostelgeschichte. Die wenigen Stellen, wo Gott durch Träume geredet hat, waren immer nur kleine Wegweisungen, aber nie Offenbarungen von Heilswahrheiten.
Der Ruf nach Europa und die Weite von Gottes Plan
Das Letzte: Es ist der Anfang eines neuen großen Weges. Wenig später bekommt Paulus den Ruf: Komm hinüber nach Europa, nach Mazedonien. Den Schritt kann man in seiner Tragweite gar nicht ermessen. Paulus ist offenbar selbst nicht auf die Idee gekommen. Hat ihn das geschreckt, das Griechentum, der Hellenismus da drüben? Wir wissen es nicht.
Aber wenn Paulus damals nicht hinübergegangen wäre, man kann das ja so gar nicht denken, dann gäbe es keinen Dürer und keinen Bach. Und da gäbe es, was gäbe es da alles nicht, unsere ganze abendländische Geschichte nicht. Ein Schritt von solcher großer Tragweite!
Wie wunderbar sind Gottes große Wege, nie ruhend auf Menschenentscheidungen. Und wenn Sie mit Ihrem Leben etwas Großes tun wollen, dann nehmen Sie heute die verschlossenen Türen, die Zeit des Ratlosseins und des Ungewissseins. Das sind Segenszeiten. Fragen Sie nach dem Willen des Herrn. Dann kann Gott anfangen, bei Ihnen auch noch etwas Großes zu machen. Erst dann kann man ihm das Steuer überlassen und sagen: Jetzt bin ich bereit, was willst du?
Sitzen manche hier, junge Leute, die keine Arbeit haben oder nicht wissen, wo es weitergeht, die Misserfolg im Beruf haben? Herr, was soll das alles? Fragen Sie. Ich habe Ihnen auch keine Patentantwort. Gehen Sie in die Stille, sprechen Sie mit anderen darüber. Der Herr hat Großes mit Ihnen vor.
Es kommt nie auf Ihre Gaben an, sondern auf das, was Gott mit seinem Willen in Ihr Leben hineinschreiben kann. Das heißt dann später in Vers 10: Wir waren gewiss, dass Gott uns dorthin gerufen hatte. Wegen Traum? Nein, nicht wegen Traum, sondern weil das so klar war, dass das nicht in uns entsprungen war, sondern in den Plänen Gottes.
Die Missionsgeschichte, wenn man das ansieht, das sieht so kümmerlich aus. Da hat hier ein kleiner Verein begonnen, vor 100 oder vor 150 Jahren, und dort in der Welt und dort war ein Missionar und dort hat einer gepredigt, schlimmer als ein Puzzle. Aber Gott war der Stratege der Weltmission, wenn nur unser Leben sich einbauen lässt in dieses gewaltige Puzzle des Reiches Gottes auf der Welt.
Egal, wo Sie stehen, ob Sie Hausfrau sind oder einen Beruf haben oder wo Sie sind: Wenn Sie nur mit Ihren Gaben und mit Ihrem Leben das einbringen, dass Gott etwas daraus macht, dann ist es groß. Gott hat damals aus Paulus etwas Wichtiges gemacht. Es war die Vorbereitung eines ganz großen, neuen Abschnittes.
Ich will es Ihnen heute sagen, dass Gott mit uns allen noch ganz große Pläne hat, solange er uns noch in dieser Welt lässt. Und da wollen wir still sein und genau hinhören, dass wir ihm treu sind. Amen!

