Zum Inhalt

Was glauben FREIKIRCHEN?

Was bedeutet FREIE CHRISTEN?
20.08.2021

Einführung: Was zeichnet freikirchliche Christen aus?

Was glauben freikirchliche Christen? Sie besitzen keine antiken Gebäude, streben nach Unabhängigkeit vom Staat und taufen keine Kinder. In Freikirchen kannst du moderne Musik hören, es wird viel in der Bibel gelesen, sie erzählen anderen von Jesus weiter, und es ist teilweise sprichwörtlich, wie jung manche dort heiraten.

Was macht freikirchliche Christen anders? Und sollten du und ich auch freikirchlich werden? Es gibt Licht- und Schattenseiten. Komm mit, ich zeige es dir!

Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Ich bin Markus Voss, und hier machen wir drei Dinge: Wir versuchen, bibeltreue Antworten auf deine Glaubensfragen zu finden, wie heute. Wir überlegen, wie du und ich Jesus im modernen Alltag nachfolgen können. Und wir beantworten taffe Fragen, die die Gesellschaft uns Christen stellt.

Zu alldem gibt es Dutzende kostenfreie Tools: Hörbücher, Online-Kurse, Tageschallenges und praktische Alltagsgegenstände, die du dir auf der Website gratis mitnehmen kannst. Finanziert wird all das hier durch kleine monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist sehr hilfreich, weil dieses Projekt langsam Fahrt aufnimmt.

Heute machen wir etwas ganz Besonderes. Du kannst endlich die Früchte von etwas ernten, woran viele aus dieser Community hier und ich seit Wochen zusammengearbeitet haben: einen schnellen, praktischen Überblick über das, was die großen Gruppen von Christen in Deutschland glauben, welche Glaubensrichtungen es gibt und diese Konfessionen kurz erklärt.

Das heißt: Was ihre Autoritäten sind, also Dinge, die sie wertschätzen und die sie nicht so wertschätzen. Was viele Gläubige dort über die Bibel denken und wie sie mit ihrer Bibel umgehen. Was sie über Jesus denken und fühlen. Wie ihr Glaube im Alltag aussieht und woran du das erkennst. Was sie darüber denken, anderen Menschen von ihrem Glauben weiterzuerzählen.

Am Schluss gehen du und ich gleich kurz, aber ehrlich auf die echten Gefahren ein, die es bei jeder Konfession gibt. Wir werden den Finger in die Wunde legen, denn nur wenn wir Dinge ehrlich aussprechen und sehen, können wir als Christen das auch angehen und wirklich besser werden.

Deshalb schau dieses Video bis zum Ende, denn dort gehen wir darauf ein. Außerdem kannst du dir das Material downloaden und weitergeben.

Bevor wir starten, kannst du ganz kurz der Community hier helfen, damit solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen bleiben. Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltippe doch mal rasch auf dein Handy.

Und bist du auf YouTube? Das wissen viele Leute nicht: Indem du die Glocke unter diesem Video drückst, bekommt YouTube ein Signal und zeigt auch nichtchristlichen Nutzern mehr christliche Inhalte an, die sie ansprechen könnten. Ziemlich gut, oder?

Also drück doch mal kurz die Glocke – das hilft mehr, als du denkst. Vielen Dank!

Hintergrund und Community: Entstehung des Überblicks

Wir gehen jetzt gemeinsam diesen Überblick über die Konfessionen durch. Er ist entstanden aus dem Austausch mit der Community hier.

Zum Hintergrund: Ich habe das große Privileg, Teil dieser Online-Community zu sein. Es handelt sich um Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Über Instagram und YouTube sprechen wir zusammen mit derzeit über elftausend Christen, Tendenz steigend. Hinzu kommt noch etwa die doppelte Anzahl auf Facebook.

Ob das jetzt repräsentativ ist oder nicht, müssen andere Leute einschätzen. Ich kann dir aber sagen, dass ich im wöchentlichen Austausch mit euch stehe und mehrere hundert Nachrichten pro Monat erhalte. Viele, die hier schreiben, sind neu im Glauben und wollen sich orientieren. Andere sind seit Jahren oder Jahrzehnten Christen und gehören Freikirchen, evangelischen Landeskirchen oder der römisch-katholischen Kirche an.

In den vergangenen Wochen habe ich Umfragen in dieser Community durchgeführt. Vielleicht erinnerst du dich, sie wurden von Tausenden hier gesehen. Zusammen mit mehreren Hundert von euch habe ich an dieser Übersicht gearbeitet, die du hier kostenlos über den Link in der Videobeschreibung herunterladen kannst.

Du kannst sie nutzen für deine Jugendstunden, für den Rallyeunterricht oder einfach, um dich selbst zu orientieren und einen Überblick zu gewinnen. Dazu gleich mehr.

Jetzt wollen wir endlich ins Thema starten. Deshalb überspringe ich die üblichen Disclaimer: Dass alles hier stark vereinfacht ist, dass es um das Praktische hier und jetzt geht und nicht um historische Hintergründe. Dass man das differenziert betrachten muss und dass es von jedem Christen und in jeder Gemeinde etwas anders gelebt wird. Dass ich das alles durch meine eigene subjektive Brille sehe und bewerte.

All das ist ja logisch und findest du auch in der Übersicht. Deshalb sage ich jetzt nicht bei jedem zweiten Satz „Es kommt immer darauf an“, weil wir sonst nie zum Punkt kommen würden. Ich blende das auch nicht dauerhaft ein, weil das irgendwie albern wäre.

Ich gehe auch auf meine persönliche Geschichte mit dieser Konfession ein, um meine eigene Voreingenommenheit für dich transparent zu machen. Denn ich bin voreingenommen, ich habe eine sehr deutliche Position, und das will ich gar nicht verheimlichen.

Ich kann also nicht versprechen, dass es dir gefällt, aber ich verspreche, ehrlich zu sein.

Persönliche Perspektive auf evangelische Freikirchen

Evangelische Freikirchen – zu meiner eigenen Voreingenommenheit: Würde ich heute noch einmal umkehren, mich bekehren und Christ werden, würde ich freikirchlicher Christ werden.

Ich habe also sehr große Sympathien für viele Dinge, die du und andere hier bei Freikirchen angesprochen haben. Das möchte ich gar nicht verheimlichen.

Ich möchte aber ergänzen, dass ich als Atheist unter Atheisten aufgewachsen bin, also eben nicht freikirchlich. Das heißt, Geschmacksfragen spielen bei solchen Themen immer eine Rolle.

Der Hintergrund, warum ich vieles hier bei Freikirchen sehr positiv finde, ist jedoch nicht die Gewöhnung oder, weil ich es nicht anders kenne – ganz im Gegenteil. Ich habe die Positionen überprüft und mir nach Jahren des Bibelstudiums viele, nicht alle, aber viele freikirchliche Positionen als sehr sinnvoll erscheinen.

Schauen wir uns das mal an. Du kannst dir einfach unter diesem Video notieren, ob du damit etwas anfangen kannst und ob du das auch so siehst, okay?

Autoritäten in evangelischen Freikirchen

Zum Thema Autoritäten: Was zählt eigentlich? Wer oder was gibt in evangelischen Freikirchen den Ton und den Takt an?

Ganz besonders stark ist der Wunsch vieler Freikirchen, sich an der Bibel zu orientieren. Das bedeutet, sie wollen ihren Glauben, ihre Glaubensinhalte und auch ihr Verhalten sowie ihre Moral aus der Bibel ableiten. Viele freikirchliche Christen messen sich und ihre Gemeinden an der Bibel und lassen sich daran messen. Die Bibel spielt somit eine sehr große und entscheidende Rolle.

Das geht sogar so weit, dass wenn der Pastor etwas sagt, das der Bibel widerspricht, in vielen Gemeinden der Anspruch besteht, dass der Pastor sich korrigieren muss. Im Zweifelsfall hören viele Gemeindemitglieder eher auf das, was in ihrer Bibel steht. Das finde ich persönlich positiv.

Viele dieser Gemeinden sind teilweise in Verbänden organisiert. Vielleicht hast du schon von Organisationen wie der Evangelischen Allianz Deutschlands, dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG, umgangssprachlich die Baptisten), dem Internationalen Christlichen Gemeinden (ICF) oder dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BfB) gehört. Dennoch sind die meisten Freikirchen dezentral organisiert.

Das bedeutet, es gibt keine leitende oder bestimmende Dachorganisation, die allen Freikirchen vorschreibt, was sie zu tun oder zu lassen haben. Jede freikirchliche Gemeinde entscheidet zu einem großen Teil selbst. Manchmal geschieht das in Absprache mit ihrem Dachverband, manchmal auch nicht.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der in vielen Freikirchen eine große Rolle spielt, ist der hohe Stellenwert individueller Erfahrungen. Das heißt, was jemand erlebt, gesehen, gehört oder gespürt hat, wird häufig als sehr autoritativ angesehen. Diese Betonung auf persönliche Erfahrungen kann auch kritisch betrachtet werden, dazu später mehr.

Die Bedeutung der Bibel in Freikirchen

Viele Freikirchler messen der Bibel einen sehr hohen Stellenwert bei. Sie bildet oft die Grundlage für Predigten und dient häufig als Maßstab, an dem diese beurteilt werden. Predigten werden häufig danach bewertet, wie biblisch sie sind.

Die Bibel ist auch die Grundlage des Glaubens und der Moral. Das bedeutet, dass das Verhalten oft danach beurteilt wird, wie biblisch man sich benimmt und verhält. Zwar nicht immer, aber oft wird die Bibel als das irrtumsfreie Wort Gottes angesehen.

Zu diesem Thema habe ich ein eigenes Video erstellt, in dem ich erläutere, was Jesus selbst über die Bibel sagt. Es geht dabei um das Thema Verbalinspiration, also die Frage, ob die Bibel wirklich Gottes Wort ist, das wortwörtlich eingegeben wurde, oder nicht. Wer sich dafür interessiert, kann die Glocke aktivieren, um das Video angezeigt zu bekommen.

Vorstellungen von Jesus in freikirchlichen Gemeinden

Was denken viele Freikirchler über Jesus? Sie glauben, dass Jesus Gott ist, der als Mensch gekommen ist – also Gott in menschlicher Gestalt. Sie sind überzeugt, dass Jesus derjenige ist, der Sünder erlösen kann, wenn diese ihre Sünden bereuen.

Was bedeutet das genau? Sünder sind Menschen, die gegen die ewigen Gesetze verstoßen – gegen heilige, unverbrüchliche moralische Naturgesetze. Ähnlich wie die Zehn Gebote: Du sollst nicht lügen, nicht stehlen, nicht das begehren, was anderen gehört, und du sollst den Namen Gottes nicht umsonst, unnütz oder respektlos benutzen, etwa durch Ausdrücke wie „oh Gott“ oder „oh je“. Warum ist das wichtig? Weil solche Verstöße massive Konsequenzen nach sich ziehen.

Viele Freikirchler sehen ihre eigenen Sünden so, dass sie sie durch eigene Anstrengungen nicht ungeschehen machen können. Du kannst nicht einfach sagen: „Ich mache jetzt 50 Liegestütze und laufe einen Halbmarathon, dann ist meine Blasphemie von gestern weg, und auch meine Steuerhinterziehung.“ So funktioniert das nicht. Am Ende kann nur Jesus dich von deinen Sünden befreien.

Warum ist das so wichtig? Ein dritter wichtiger Punkt ist, dass viele Freikirchler glauben, Jesus sei der Richter beim Jüngsten Gericht. Das Jüngste Gericht spielt in der Bibel eine sehr große Rolle – sowohl in der frühen Christenheit als auch in der frühen Kirche und bei Jesus selbst im Neuen Testament. Für die ersten Christen war das ein zentrales Thema. Das Christentum ist im Kern eine apokalyptische Religion, und das darf man nicht unterschätzen.

Deshalb haben viele Freikirchler oft ein ausgeprägtes Endzeitbewusstsein. Sie sind sich sehr bewusst, dass die Welt einmal untergehen wird, dass es eine Apokalypse geben wird, dass Jesus wiederkommen wird und dass all diese Geschichten, die damit zusammenhängen, wahr sind.

Ein vierter und letzter Punkt ist, dass eine persönliche Beziehung zu Jesus für viele Freikirchler sehr wichtig ist. Viele sagen, dass man Christ sein nicht sinnvoll kann, ohne eine persönliche Beziehung zu Jesus zu haben.

Vielleicht denkst du jetzt: „Wie soll ich eine Beziehung mit jemandem haben, der seit zweitausend Jahren tot ist?“ Das ist der Punkt. Viele Freikirchler glauben, dass Jesus nicht tot ist, sondern auferstanden ist, bis heute lebt und im Himmel ist. Das klingt vielleicht etwas ungewöhnlich – darauf kommen wir gleich noch zurück.

Alltag und Glaubenspraxis in freikirchlichen Gemeinden

Wie leben viele freikirchliche Christen ihr Christsein im Alltag, und woran erkennt man das? Zunächst ist es wichtig zu verstehen, was vielen freikirchlichen Christen im Kern eigentlich wichtig ist. Dazu gibt es eine bedeutende Definition: das sogenannte Bebbington-Quadrilateral.

Das Bebbington-Quadrilateral klingt zunächst sperrig, ist aber eigentlich einfach zu verstehen. Es beschreibt vier zentrale Anliegen, die vielen freikirchlichen Christen am Herzen liegen – daher auch der Name mit „Quadri“ für vier.

Der erste Punkt ist der Biblicismus. Das bedeutet eine besonders hohe Achtung für die Bibel. Viele freikirchliche Christen glauben, dass alle heilsnotwendigen Wahrheiten, also alles, was man wissen muss, um der Hölle zu entkommen und in den Himmel zu kommen, in der Bibel stehen. Wenn jemand freikirchlichen Christen etwas verkaufen will, das der Bibel widerspricht, sind viele von ihnen zunächst skeptisch – und das ist auch gut so.

Der zweite wichtige Punkt im Bebbington-Quadrilateral ist die Kreuzeszentriertheit. Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass in vielen freikirchlichen Gemeinden nicht unbedingt viele Kreuze oder Kruzifixe hängen. Das ist nicht der Fokus. Es geht vielmehr um das Kreuz als römisches Folterinstrument, an dem Jesus am siebten April des Jahres 30 in Jerusalem zu Tode gefoltert wurde. Dazu habe ich ein eigenes Video auf diesem Kanal, das erklärt, was das wirklich bedeutet und warum es viel grausamer war, als wir uns das oft vorstellen. Drücke gerne die Glocke, dann wirst du benachrichtigt.

Viele Christen, vor allem freikirchliche, glauben, dass Jesus das absichtlich getan hat: sich am Kreuz zu Tode foltern zu lassen, nackt bei fast Minusgraden, um stellvertretend für uns zu sterben. Er hat freiwillig die Hölle auf Erden auf sich genommen, damit dadurch unsere Verbrechen gegen die ewigen Gesetze abgegolten sind. So müssen wir nicht mehr in die Hölle, wenn wir annehmen, dass Jesus für uns gestorben und auferstanden ist.

Das bedeutet, dass das, was Jesus am siebten April des Jahres 30 am Kreuz getan hat, und seine Auferstehung am neunten April, der Dreh- und Angelpunkt sind.

Drittens führt das zum Thema Bekehrung. Sehr viele freikirchliche Christen glauben, dass Christsein keine angeborene Eigenschaft ist. Man wird nicht als Christ geboren und wächst auch nicht automatisch als Christ auf. Christsein ist eine bewusste Entscheidung. Man trifft die Entscheidung, Christ zu werden – oder eben nicht. Viele glauben, das sei auch biblisch begründet: Jeder Mensch sollte sich bekehren und Christ werden. Es ist keine Pflicht, aber eine sehr gute Entscheidung – auch aus Eigennutz.

Warum? Weil das bedeutet, den stellvertretenden Tod Jesu und seine Auferstehung für sich persönlich anzunehmen. Dadurch können einem die Sünden vergeben werden, die Verbrechen gegen die ewigen Gesetze. Du kannst deine Schulden gegenüber den ewigen Gesetzen nicht einfach durch 80 Liegestütze oder einen Halbmarathon abbezahlen. So funktioniert das nicht. Der Weg ist die Annahme Jesu als Erlöser.

Wer das nicht tut, stirbt in seinen Sünden und steht beim jüngsten Gericht mit voller Schuld vor Gott. Überlege dir, was es bedeutet, schuldig vor dem jüngsten Gericht zu stehen. Das sollte man vermeiden.

Der vierte Punkt ist Aktivismus. Das bedeutet, dass das Evangelium – die gute Botschaft, dass Jesus für dich gestorben ist, damit du freigesprochen werden kannst – weitergegeben werden soll. Viele freikirchliche Christen wollen dazu beitragen, andere Menschen vor der Hölle zu retten, die wir uns alle durch unsere eigenen Sünden eingebrockt haben.

Diese vier Punkte bilden das Bebbington-Quadrilateral. Als Theologe darf ich sagen: Alle vier sind sehr gut biblisch fundiert und lassen sich ausgezeichnet aus dem Neuen Testament herleiten.

Daraus ergibt sich ganz logisch, wie viele freikirchliche Christen ihren Alltag leben. Wahrscheinlich hast du dir schon gedacht, dass tägliches Bibelstudium dazugehört. Viele Christen hier in der Community lesen im Durchschnitt drei bis fünf Kapitel am Tag. Das nennen viele „stille Zeit“. Stille Zeit bedeutet nicht unbedingt absolute Ruhe, auch wenn das hilft. Es geht darum, eine feste Zeit am Tag zu haben – meist morgens, direkt nach dem Aufstehen, nach dem Zähneputzen oder Duschen, vor dem Essen –, in der man sich bewusst Zeit nimmt.

Die Dauer ist nicht entscheidend: Ob zehn, zwanzig Minuten oder eine halbe Stunde, Hauptsache, man liest die Bibel intensiv. Viele folgen einem Bibelleseplan, der von vorne nach hinten durch die Bibel führt. Ich biete so einen Plan auch auf meiner Website kostenlos an. Wichtig ist einfach, sich Zeit für das Bibelstudium zu nehmen.

Viele wollen mindestens einmal im Jahr die Bibel komplett durchlesen, oft auch häufiger. Das ist ein zentraler Punkt im Leben vieler freikirchlicher Christen. Die Bibel ist die Messlatte, nach der man sich ausrichtet.

Diese Praxis hat eine lange Tradition. Christen haben das schon seit der Anfangszeit gemacht. Damals gab es nur das, was wir heute als das Alte Testament kennen. Die Schriften wurden auswendig gelernt, rezitiert und später kam das Neue Testament hinzu, als die Texte verschriftlicht wurden. Das Bibelstudium hat im Christentum eine hohe Tradition.

Ein alter Tipp: Ohne Bibellesen gibt es kein geistliches Essen – das funktioniert immer.

Viele freikirchliche Christen praktizieren zudem eine freie Gebetspraxis. Das bedeutet, dass Gebete nicht auswendig gelernt oder vorgelesen werden, sondern frei formuliert sind – wie Gespräche mit einem guten Freund oder einem wohlwollenden Vorgesetzten. Viele beten auch laut und in Gemeinschaft. Manchmal dauern solche Gebetssessions 45 Minuten bis mehrere Stunden. Ich habe selbst schon häufig daran teilgenommen. Diese Praxis geht ebenfalls auf die Anfänge des Christentums zurück.

Viele freikirchliche Christen sind entweder sehr gut in eine Gemeinschaft eingebunden oder gar nicht. Letzteres ist eher selten. Ich habe es selbst ausprobiert und kann nur davor warnen: Christsein ist ein Teamsport. Es ist etwas, das man in Gemeinschaft lebt – in einem Club, einer Gemeinde.

Ohne Gemeinschaft zu versuchen, Christ zu sein, ist eine sehr schlechte Idee. Natürlich gibt es Ausnahmesituationen, etwa schwer kranke Menschen oder Gefangene in Nordkorea. Aber für Menschen wie du und ich, die über Zoom, Instagram oder YouTube Zugang zu Gemeinschaft haben, gilt: Nutze diese Möglichkeiten.

Viele freikirchliche Christen besuchen regelmäßig Gottesdienste, meist am Sonntagmorgen oder -abend, manchmal auch samstags. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn nichts Himmelschreiendes dagegen spricht, sollte man den Gottesdienst besuchen.

Als Ergänzung zum Gottesdienst gibt es oft Hauskreise. Ein Hauskreis ist eine kleine Gruppe von Menschen in ähnlicher Lebensphase. Wenn du Ende 20 bist, ledig und kinderlos, wäre ein Hauskreis mit Gleichaltrigen sinnvoll. Wenn du 40 bist, verheiratet und Kinder hast, such dir einen Hauskreis in ähnlicher Situation. Senioren sollten idealerweise einen Hauskreis mit Gleichaltrigen wählen.

Hauskreise bestehen meist aus fünf bis sechs Personen. Das ist praktisch, weil immer mal jemand krank ist oder ausfällt. Hauskreise sind weniger verbindlich als Gottesdienste, aber eine wertvolle Ergänzung.

Was macht man im Hauskreis? Man trifft sich, knüpft Freundschaften, studiert zusammen die Bibel und betet gemeinsam – oft auch laut. In meinem Hauskreis lesen wir derzeit zusammen die Offenbarung, das letzte Buch der Bibel, und vergleichen Übersetzungen. Das ist eine sehr gute Praxis.

Der Austausch mit anderen bibeltreuen Christen ist wichtig, um zu erfahren, wie sie mit Herausforderungen im Alltag umgehen.

Egal, ob du einen Hauskreis suchst oder die Gemeinde wechselst: Es ist besser, eine Gemeinschaft zu haben, auch wenn sie nicht perfekt ist. Perfekte Gemeinden gibt es nicht. Du kannst später wechseln. Es ist keine Ehefrau.

Viele freikirchliche Gemeinden neigen dazu, Alltagssprache zu verwenden. Das hat mit Aktivismus und dem Wunsch, das Evangelium weiterzugeben, zu tun. Sie wollen offen für Besucher sein. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber viele bemühen sich um verständliche Sprache.

Ich erinnere mich, als ich das erste Mal in einem evangelisch-landeskirchlichen Gottesdienst war, habe ich viele Vokabeln nicht verstanden. Zum Beispiel das Wort „preisen“. Ich dachte, es bedeutet, etwas mit einem Preisetikett zu versehen. Erst nach Wochen verstand ich, dass es „loben“ oder „danken“ heißt.

Viele freikirchliche Gemeinden verwenden daher eine Alltagssprache, oft mit Anglizismen oder Denglisch. Geschmackssache, ob man das mag. Dazu kommt häufig zeitgenössische christliche Musik – Lobpreis oder Worshipmusik. Nicht jedes Lied ist theologisch einwandfrei, aber sie sind kulturell nah an der Gesellschaft.

Viele Freikirchen sind auch technisch und digital sehr aufgeschlossen. Während der Corona-Pandemie 2020 konnten viele Gottesdienste live gestreamt werden, weil sie bereits technikaffin waren. Das half, Gottes Wort auch Menschen zu vermitteln, die sonst nicht erreicht worden wären.

Diese Neigung zu digitalen Formaten findest du häufiger in Freikirchen als in evangelischen Landeskirchen oder der römisch-katholischen Kirche.

Was denken freikirchliche Christen über das Weitererzählen ihres Glaubens? Im Bebbington-Quadrilateral ist das Thema Aktivismus eine absolute Selbstverständlichkeit. Viele investieren enorme Zeit und Geld, um das Evangelium weiterzugeben. Oft wird bewusst an anderen Dingen gespart, weil es höchste Priorität hat, Menschen für Jesus zu gewinnen.

Das ist logisch, wenn man die biblische Lehre ernst nimmt: Es gibt ein Leben nach dem Tod, und nicht alle kommen in den Himmel. Die reale Hölle ist die Kernfrage. Wie kann man selbst der Hölle entkommen und anderen helfen, das Gleiche zu tun?

Ich selbst habe kontrovers gesagt: „Das ist unsere wichtigste Existenzberechtigung als Christen in der Gesellschaft, anderen von Jesus zu erzählen.“ Vielleicht etwas drastisch formuliert, aber so denken viele.

Provokativ gefragt: Was ist besser – ein Prozent mehr soziale Gerechtigkeit oder einen Menschen vor der Hölle zu retten? Viele Freikirchler sagen: Der Mensch, der gerettet ist, ist zumindest sicher vor der Hölle.

Kommen wir zum abschließenden Teil: Welche Gefahren gibt es in freikirchlichen Gemeinden und gesamtgesellschaftlich für freikirchliche Christen?

Ein Problem ist ein gewisses elitäres Denken: Man selbst sei der Gemeinschaft, die der Wahrheit am nächsten ist, während andere sich verbessern sollten. Das gibt es in jeder Gemeinschaft. Auch ich bin davon nicht frei.

Das Hauptproblem, das viele aus der Community beschrieben haben – über 280 Antworten allein zur Frage nach freikirchlichen Problemen – scheint ein konzeptionelles zu sein. Hier zehn kurze Punkte:

Erstens: Dezentralisierung. In der freikirchlichen Welt gibt es keine zentrale Instanz, keine Behörde, keinen Papst, keine Dachorganisation, die vorgibt, was richtig oder falsch ist. Mindestens jeder Verband oder jede Gemeinde regelt das selbst, was sie für richtig hält.

Natürlich bemühen sich die meisten, auf biblischer Grundlage zu stehen, aber im Alltag wird viel diskutiert: Wie viel singt man? Sitzt man oder steht man beim Singen? Solche Details variieren.

Das führt dazu, dass Gemeinden sehr unterschiedlich sind. Die einen sind modern, digital, mit Anglizismen, die anderen traditionell, analog, mit alten Liedern. Diese Vielfalt schwächt den gesellschaftlichen Einfluss, da keine einheitliche Stimme entsteht.

Deshalb ist die evangelische Allianz zwar vertreten, aber nicht so einflussreich wie Landeskirchen oder die römisch-katholische Kirche.

Zweitens: Das Bemühen um eine immer reinere Lehre. Viele Gemeinden wollen näher an die Bibel kommen und die Gemeinde verbessern. Das ist grundsätzlich gut.

Aber das führt oft zu Aufsplitterungen. Gemeinden wachsen und spalten sich, weil einige noch reiner oder biblischer sein wollen, andere das zu viel finden. Manchmal geht es um Kernwahrheiten, oft nur um Geschmacksfragen.

Das fördert Konkurrenzdenken: Gemeinden konkurrieren um Mitglieder, wer ist bibeltreuer, wer ist näher an der Wahrheit? Manchmal gibt es sogar Intrigen.

In sozialen Medien gibt es regelmäßig Videos, die jemanden als „Irrlehrer der Woche“ brandmarken. Das ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar, besonders für Menschen aus der römisch-katholischen Kirche, die eine einheitliche Kirchenstruktur kennen.

Das Bemühen um reine Lehre ist wichtig, aber die ewigen Gemeindespaltungen sind fraglich und vermutlich nicht im Sinne des Neuen Testaments.

Drittens: Die Gefahr der Gesetzlichkeit. Das ist ein negativer Begriff, der beschreibt, dass wiedergeborene Christen unter dem Eindruck leben, sie müssten biblische Gebote oder Gemeinderegeln einhalten, um der Hölle zu entgehen, obwohl sie durch Jesus bereits freigesprochen sind.

Es gibt einen Unterschied zwischen biblischen Geboten und Gemeinderegeln. Im Idealfall überschneiden sie sich, aber nicht immer.

Christen sollen sich aus Dankbarkeit an die Bibel halten – keine Drogen, kein Sex ohne Trauschein – aber nicht, um sich den Himmel zu „erkaufen“. Wenn man es nicht schafft, ist das schade, aber man verwirkt dadurch nicht das Heil.

Gesetzlichkeit entsteht, wenn Menschen zittern und sich fürchten, wegen kleiner Fehler in die Hölle zu kommen, obwohl sie schon bekehrt und getauft sind.

Wie entsteht Gesetzlichkeit? Das kann ein eigenes Video werden, gerne in den Kommentaren Bescheid geben.

Kurz gesagt: Es entsteht, wenn die Gemeinde nicht klar und eindeutig über biblische Lehren spricht oder wenn emotionaler Machtmissbrauch durch Leiter stattfindet. Leiter können ihre Machtposition ausnutzen, um emotionalen oder finanziellen Druck auszuüben.

Wenn jemand sagt: „Halte dich an diese Regeln, sonst kommst du in die Hölle“, obwohl das nicht stimmt, ist das emotionaler Machtmissbrauch.

Das ist sehr problematisch, und solche Fälle gibt es leider auch in Freikirchen. Das muss man sich bewusst machen.

Viertens: Die Überbetonung von Glaubenserfahrungen. In manchen Gemeinden gibt es einen sogenannten Zeugnissteil, in dem Menschen ihre Glaubensgeschichte erzählen, um andere zu ermutigen.

Das kann aber zu einem ungesunden Wettbewerb führen: Wer hat die spektakulärste Geschichte, die stärksten Gefühle? Das kann problematisch sein.

Ich bin ein Fan von Lobpreis, aber wir dürfen unser Glaubensleben nicht auf Gefühle reduzieren. Gefühle spielen für den Status vor Gott praktisch keine Rolle.

Christsein ist ein juristischer Status vor Gott: freigesprochen, begnadigt. Du kannst dich gut oder schlecht fühlen und trotzdem Christ sein oder nicht sein.

Das gilt auch für Menschen mit Depressionen, neurologischen Beeinträchtigungen oder Autismus. Gefühle sind nicht entscheidend für das Christsein.

In manchen Gemeinden wird aber genau das so vermittelt, was problematisch ist.

Maria aus Instagram berichtete von einer Übung in ihrer Gemeinde: Sie sollte ohne Rezept backen, um sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen. Das klingt kurios, ist aber ein Beispiel für das Überverlassen auf Gefühle und „Geistführung“ in allen Lebensbereichen.

Eine Ärztin erzählte, dass sie nicht für ihr Physikum gelernt hat, sondern betete, dass Gott die Fragen kommen lässt, die sie schon kannte. Das ist problematisch, wenn man Verantwortung für sein Leben nicht übernimmt.

Viele freikirchliche Christen verlassen sich zu sehr auf Gott und ignorieren eigene Anstrengungen. Bauchgefühle werden oft fälschlich als Gottes Stimme interpretiert, obwohl die meisten Gefühle nichts mit Gott zu tun haben.

Fünftens: Counter Culture, also Gegenkultur. Freikirchliche Christen sind in Deutschland eine Minderheit – etwa 300.000 bis wenige Millionen, je nach Studie. Sie nehmen viele biblische Gebote ernst und schwimmen nicht mit dem gesellschaftlichen Strom.

Das führt zu einer Gegenkultur oder Subkultur, die bewusst gelebt wird. Das ist nicht schlimm, aber problematisch wird es, wenn daraus eine Identifikation als „Widerstand“ oder „Minderheit“ entsteht, die sich von der Gesellschaft abgrenzt.

Sechstens: Die Gefahr der zu starken Abschottung von der Gesellschaft. Christen sollen nicht alles mitmachen, was die Gesellschaft vorgibt, aber eine komplette Abkapselung und Parallelgesellschaft ist problematisch.

Wenn der Kontakt zu Nichtchristen abbricht, leidet der Dialog. Das fördert Vorurteile auf beiden Seiten. Ein freundschaftlicher Dissens ist möglich, aber der Dialog darf nicht abbrechen.

Siebtens: Theologische Bildung der Gemeindeleitung. Viele beklagen, dass die theologische Ausbildung und Tiefe bei Leitern ausbaufähig ist.

Es gibt nur wenige Ausbildungsinstitutionen für freikirchliche Pastoren in Mitteleuropa, mit großen Qualitätsunterschieden.

Da es keine zentrale Organisation gibt, kann theoretisch jeder eine Freikirche gründen – ohne theologischen Abschluss oder Genehmigung.

Das führt dazu, dass manche Leiter nur eine geringe theologische Bildung haben, oft aus dem Ausland, und das ist ein Problem.

Freikirchen erhalten keine Kirchensteuer, im Gegensatz zu Landeskirchen oder der römisch-katholischen Kirche. Sie finanzieren sich überwiegend durch Spenden, Buchverkäufe und Events.

Das Thema Finanzen ist ständig präsent, weil Gemeindeerhalt teuer ist – Material, Personal, Gebäude, digitale Technik.

Es gibt unterschiedliche Meinungen, wie offen und häufig über Geld gesprochen werden soll. Manchmal kippt es, und die finanzielle Sicherung wird zum Hauptthema, weniger die Frage, warum man die Gemeinde überhaupt trägt.

Achter Punkt: Das Ringen um Ehe- und Sexualethik. Die biblische Sicht auf Ehe und Sexualität weicht stark von der gesellschaftlichen ab.

Christen sollen sich an die biblischen Gebote halten, was oft zu Reibungen führt.

Ein Beispiel: Ist es okay, wenn jemand in der Gemeinde, etwa als Jugendmitarbeiter, unverheiratet zusammenlebt? Wahrscheinlich nicht, aber die Meinungen gehen auseinander.

Viele freikirchliche Christen heiraten zu früh. Das erhöht das Risiko für Trennung und unglückliche Ehe deutlich.

Statistiken zeigen, dass je jünger man heiratet, desto höher die Scheidungsrate, selbst unter Christen.

Es ist wichtig, die geistige und emotionale Reife zu beachten. Manche raten, erst zu heiraten, wenn man sich die komplette Hochzeit, den Umzug und die Einrichtung ohne Schulden leisten kann.

Das ist ein guter Ansatzpunkt, auch wenn er manchen sauer aufstößt.

Neunter Punkt: Die Tragweite von Bibelauslegung. Weil die Bibel einen hohen Stellenwert hat, haben sachliche Fehler in der Auslegung große Folgen.

Für freikirchliche Christen ist es wichtig, die Bibel umfassend zu studieren – nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Breite. Mehrfaches Durchlesen hilft, Schnellschüsse und Überbetonungen zu vermeiden.

Man muss lernen, Haupt- und Nebensächlichkeiten in der Bibel zu unterscheiden.

Das ist wichtig für ein ausgewogenes Glaubensleben.

Ich freue mich auf den nächsten Input mit dir.

Alltagssprache, Musik und Digitalisierung in Freikirchen

Viele freikirchliche Gemeinden neigen dazu, eine Art Alltagssprache zu verwenden. Natürlich gibt es Ausnahmen. Viele dieser Gemeinden haben aufgrund ihres Aktivismus und Sendungsbewusstseins das Ziel, das Evangelium weiterzugeben und offen für Besucher zu sein.

Wie gesagt, es gibt viele Ausnahmen, aber ich spreche hier von der allgemeinen Tendenz auf der anderen Seite. Das bedeutet, es gibt eine Neigung, eine Alltagssprache zu benutzen. Das heißt, dass jemand, der keine großen christlichen Vorerfahrungen hat, nicht christlich sozialisiert oder aufgewachsen ist, trotzdem ungefähr verstehen kann, was die Leute mit ihren Worten und Vokabeln meinen.

Eine kleine Geschichte dazu: Als ich zum Beispiel die ersten Male in meinem Leben einen evangelisch-landeskirchlichen Gottesdienst besuchte, war es für mich wirklich schwierig, die Vokabeln zu verstehen. Dabei geht es nicht um alte Luthergrammatik von 1984 oder 1912 – das ist ein anderes Thema –, sondern einfach darum, die Vokabeln zu verstehen, was wirklich schwierig war, wenn man nicht so aufgewachsen ist.

Ich habe mehrere Wochen gebraucht – ich weiß nicht, ob ich das schon einmal erzählt habe, ich glaube nicht – um zu verstehen, dass wenn im evangelisch-landeskirchlichen Kontext Leute das Wort „preisen“ benutzen, etwa in Sätzen wie „Herr, wir preisen dich“, es nicht bedeutet, was ich zuerst dachte. Ich dachte, es hätte etwas mit „Preis“ oder „Preisschild“ zu tun. Ich dachte, es bedeutet, dem Ganzen einen Wert zuzuschreiben, also etwa: „Herr, wir versuchen zu schätzen, in Euro, wie viel unsere Beziehung dir wert ist.“

Erst Wochen später habe ich verstanden, dass „preisen“ so etwas wie „loben“, „jemandem danken“ oder „jemanden wertschätzen“ bedeutet. Ich wusste das nicht, vielleicht weißt du es, aber ich wette, ich bin nicht der Einzige, der beim ersten Besuch in manchen Gemeinden die Vokabeln nicht versteht. Das ist ein Problem.

Viele freikirchliche Gemeinden bemühen sich deshalb wirklich um Alltagssprache. Man merkt das auch daran, dass manchmal ein paar Anglizismen oder Denglisch verwendet werden. Ob man das mag oder nicht, ist natürlich Geschmackssache. Aber es geht darum, dass der Mensch auf der Straße oder die jeweilige Zielgruppe die Worte gut verstehen kann.

Häufig gibt es auch eine Neigung zu zeitgenössischer christlicher Musik, also Lobpreismusik, Worshipmusik und Ähnlichem. Das ist immer Geschmackssache, und nicht jedes Worshiplied ist theologisch sinnvoll – das ist klar. Aber man weiß ungefähr, dass diese Musik an die Kultur der Gesellschaft anknüpft, natürlich mit christlichen Inhalten. Manchmal ist es auch eine bewusste Abgrenzung. So oder so, das ist ein Spektrum, das häufig vorkommt.

Damit einher geht oft eine Neigung zu digitalen Formaten. Das heißt: Lange nicht alle, aber viele Freikirchen sind im Durchschnitt technikaffiner und digitaler unterwegs als viele Landeskirchen oder römisch-katholische Kirchen.

Deshalb hatten viele Freikirchen während der Corona-Lockdowns 2020, als Millionen Menschen in Deutschland in Quarantäne waren, einen enormen Vorteil. Sie waren technisch so aufgestellt, dass sie Gottesdienste live streamen und digitale Angebote bereitstellen konnten. Das war zum einen gut für die Gemeinschaften. Noch viel wichtiger war aber, dass Gottes Wort so an Menschen weitergegeben werden konnte, die sonst nicht erreicht worden wären.

Ich würde sogar vermuten, dass viele Menschen heute nicht Teil dieser Gemeinschaften wären, wenn ich nicht relativ früh in die Digitalisierung eingestiegen wäre und sich so eins zum anderen gefügt hätte – mehr oder weniger gutes Timing. Ich denke, viele wären heute nicht hier, wenn nicht auch diese Neigung zu digitalen Formaten vorhanden gewesen wäre.

Das ist also etwas, das man vermehrt in Freikirchen findet und eher weniger in evangelischen Landeskirchen oder römisch-katholischen Kirchen.

Evangelisation und Glaubensweitergabe in Freikirchen

Was denken freikirchliche Christen darüber, anderen von ihrem Glauben weiterzuerzählen? Je nach Gemeinde ist das eine absolute Selbstverständlichkeit. Das Thema Aktivismus und das Weitergeben des Evangeliums sind für viele freikirchliche Christen zentral.

Für sehr viele freikirchliche Christen und Gemeinden ist es selbstverständlich, enorm viel Zeit und auch Geld in diese Aufgabe zu investieren. Es handelt sich dabei um Zehntausende, Hunderttausende oder sogar Millionen von Euro, die teilweise pro Gemeinde aufgebracht werden. Diese Summen an Zeit und Geld sind enorm. Dabei wird bewusst und absichtlich an anderen Dingen gespart, weil das Weitergeben des Glaubens so hoch auf der Prioritätenliste steht. Das Ziel ist klar: andere Menschen für Jesus zu gewinnen.

Das ist auch logisch, wenn man das, was in der Bibel steht, ernst nimmt. Die Bibel lehrt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Jesus sagt eindeutig, dass nicht alle Menschen in den Himmel kommen, sondern dass es eine echte, reale Hölle gibt. Und diese wird nicht leer sein. Das ist die Kernfrage aller Kernfragen: Was kannst du tun, um selbst der Hölle zu entkommen? Und wie kannst du anderen Menschen helfen, dass sie der Hölle entkommen können? Das ist ja klar.

Ich selbst habe einmal etwas Kontroverse ausgelöst, als ich sagte: „Das ist unsere wichtigste Existenzberechtigung als Christen in der Gesellschaft, anderen von Jesus zu erzählen.“ Vielleicht war das etwas drastisch formuliert, aber es entspricht ungefähr dem Gedankengut, das in vielen freikirchlichen Gemeinden herrscht. Es ist wirklich fundamental und wird in der Gesellschaft vielleicht sogar als unsere allerwichtigste Aufgabe angesehen.

Umgekehrt gefragt, vielleicht etwas provokativ: Was ist denn besser – ein Prozent mehr soziale Gerechtigkeit zu schaffen oder einen Menschen vor der Hölle zu retten? Viele freikirchliche Christen würden sagen, dass der Mensch, der vor der Hölle gerettet ist, zumindest sicher vor der Hölle ist. Das ist schon mal das Wichtigste.

Herausforderungen und Gefahren in freikirchlichen Gemeinden

Und nun kommen wir zum abschließenden Teil, auf den viele Leute gewartet haben. Was sind eigentlich die Gefahren in freikirchlichen Gemeinden und gesamtgesellschaftlich für freikirchliche Christen?

Ein gewisses elitäres Denken spielt dabei eine Rolle: Die Vorstellung, dass man selbst beziehungsweise die eigene Gemeinschaft derjenige Teil ist, der der Wahrheit am nächsten steht. Andere könnten demnach etwas besser machen. Dieses Denken gibt es in jeder Gemeinschaft. Auch ich bin davon keineswegs frei, und das möchte ich auch gar nicht verheimlichen.

Das Hauptproblem hinter all dem, was ihr über freikirchliche Gemeinden geschrieben habt – und ihr habt wirklich viel geschrieben, ich glaube, es waren über 280 Antworten allein zur Frage nach den freikirchlichen Problemen – scheint ein konzeptionelles zu sein.

Hört mal rein, was viele aus der Community dazu geschrieben haben. Es sind genau zehn kurze Punkte. Ich beginne mit dem Abstrakten und werde dann ganz konkret weiter vorgehen.

Dezentralisierung und Vielfalt der Gemeinden

Erster Punkt ist das Thema Dezentralisierung. Das heißt, dass es in der freikirchlichen Welt keine zentrale Instanz gibt – keine Behörde, keinen Papst, keine Dachorganisation oder Partei, die vorgibt, wo es langgeht und was richtig oder falsch ist. Das gibt es einfach nicht. Stattdessen ist das System dezentral organisiert. Das bedeutet, dass mindestens jeder Verband, wenn nicht sogar jede Gemeinde, selbst regelt, was sie für richtig hält.

Natürlich bemühen sich die meisten darum, auf biblischer Grundlage zu stehen. Aber wie das Ganze im Alltag ausgestaltet wird – wie viel man singt, ob man beim Singen sitzt oder steht und so weiter – wird je nach Gemeinschaft unterschiedlich diskutiert.

Das bedeutet auch, dass die Gemeinden untereinander relativ verschieden sein können. Die einen setzen beispielsweise voll auf moderne Musik, Anglizismen und Digitalisierung, die anderen lesen die Lutherbibel von 1912, arbeiten analog und singen höchstens mal ein Lied, das 200 Jahre alt ist. Das ist alles in Ordnung, es ist nur ein Unterschied.

Diese Verschiedenheit der Gemeinden führt dazu, dass der gesellschaftliche Einfluss schwächer ist. Das ist ganz klar und logisch. Wenn du mit verschiedenen Stimmen sprichst, also Polyphonie hast, ist die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmung schwächer und weniger durchdringend, als wenn du mit einer vereinten Stimme sprichst. Das ist eine ganz logische Konsequenz.

Dessen müssen wir uns bewusst sein. Deshalb hat das, was Freikirchen in öffentlichen medialen Diskussionen sagen, nicht die gleiche Tragweite wie Aussagen von Vertretern der evangelischen Landeskirche oder der römisch-katholischen Kirche. Zwar gibt es die Evangelische Allianz und deren Bevollmächtigte, die auch sprechen, aber das ist lange nicht so einflussreich, auch mitgliedertechnisch, wie bei den großen Kirchen.

Warum? Weil jede Gemeinde bei evangelischen Freikirchen ihr eigenes Süppchen kocht. Das müssen wir ehrlich aussprechen. Es nützt nichts, das einfach unter den Teppich zu kehren.

Zweitens: Sehr viele Gemeinden bemühen sich, eine immer reinere Lehre zu haben – also immer näher an die Bibel zu kommen und das Ganze noch besser zu machen. Das habe ich live beobachtet, und viele hier können ihre eigenen Geschichten erzählen. Das ist total gut.

Aber dieses Bemühen um eine immer reinere Lehre und Gemeinde führt manchmal dazu, dass es manchen Leuten zu viel wird. Sie sagen: „Mann, wir haben schon das und das gemacht, und jetzt muss das auch noch sein? Das ist mir zu viel.“ Das hat in der Vergangenheit zu unzähligen Aufsplitterungen geführt.

Das kannst du eigentlich alle naselang beobachten: Eine Gemeinde fängt an, wächst, und irgendwann spaltet sie sich, weil manche etwas anders machen wollen oder noch reiner und biblischer leben möchten, während anderen das zu viel ist. Manchmal geht es dabei um Kernwahrheiten, was ich nachvollziehen kann. Häufig sind es aber auch Geschmacksfragen oder „Nice-to-have“-Sachen.

Das führt zu einer Tendenz zur unendlichen Aufsplitterung im evangelisch-freikirchlichen Bereich. Und das kann leider auch zu Konkurrenzdenken führen. Das heißt, Gemeinden konkurrieren um neue Mitglieder in einer Stadt. Manchmal behaken sie sich sogar gegenseitig. In manchen Fällen ist das beschämend, aber es passiert.

Es entsteht eine Art Konkurrenzdenken: Wer ist bibeltreuer? Wer ist näher dran? Manchmal werden sogar Intrigen geführt. In den sozialen Medien kennt man das: Jeden zweiten Dienstag erscheint ein Video, in dem jemand zum „Irrlehrer der Woche“ erklärt wird. Vor kurzem war ich selbst dran, aber das ist ein anderes Thema.

Das ist für Außenstehende, für Nichtchristen oder Leute, die nicht freikirchlich sind, schwer nachvollziehbar. Wenn jemand aus der römisch-katholischen Kirche kommt, der sein Leben lang eine einheitliche Kirchenform kennt, sieht er, wie sich evangelische Freikirchen ständig aufsplittern und sich manchmal sogar gegenseitig bekämpfen. Das ist nicht gut.

Das Bemühen um reine Lehre ist wichtig, aber die Frage ist, ob diese ewigen Gemeindespaltungen wirklich im Sinne des Neuen Testaments sind. Ich bin mir da nicht sicher, ich denke eher nicht.

Drittens: In der Praxis besteht die Gefahr der sogenannten Gesetzlichkeit. Gesetzlichkeit ist unter freikirchlichen Christen, manchmal auch unter landeskirchlichen Christen, zum Schimpf- oder Kampfbegriff geworden. Ich erkläre kurz, was gemeint ist.

Gesetzlichkeit bedeutet, dass wiedergeborene Christen, denen vergeben wurde, trotzdem unter dem Eindruck leben, sie müssten biblische Gebote oder Regeln der Gemeinde einhalten, um vor der Hölle bewahrt zu sein. Das ist ein großer Unterschied. Das eine ist, was die Bibel sagt, das andere, was die Gemeinde fordert. Im Idealfall überschneiden sich beide, aber nicht immer.

Wenn es um Regeln geht, die nur die Gemeinde aufstellt, aber nicht in der Bibel stehen, sollte die Priorität auf der biblischen Grundlage liegen. Wiedergeborene Christen sollten nicht glauben, sie müssten Regeln einhalten, um das Heil zu sichern, denn Jesus hat sie längst freigesprochen.

In der Bibel wirst du von Jesus freigesprochen. Wenn du freigesprochen bist, willst du dich aus Dankbarkeit und Bemühen um ein würdiges Leben an biblische Weisungen halten – zum Beispiel keine Drogen, kein Sex ohne Trauschein. Du tust das aus eigenem Willen, nicht, um dir den Himmel zu erkaufen. Wenn du es nicht schaffst, ist das schade, aber du verlierst damit nicht dein ewiges Heil.

Gesetzlichkeit bedeutet, dass Menschen ständig zittern und bibbern, weil sie fürchten, wegen kleiner Fehler wie dem respektlosen Gebrauch von Gottes Namen in die Hölle zu kommen, obwohl Jesus sie schon freigesprochen hat. Das ist Gesetzlichkeit.

Wie entsteht Gesetzlichkeit? Dazu könnte man ein eigenes Video machen. Wenn Interesse besteht, gerne in die Kommentare schreiben.

Kurz gesagt: Einerseits kann Gesetzlichkeit entstehen, wenn die Lehren der Gemeinde unsauber sind, also wenn die Gemeinde sich nicht klar mit dem biblischen Befund auseinandersetzt oder nur halbherzig darüber spricht. Andererseits gibt es emotionalen Machtmissbrauch durch Leiter.

Emotionaler Machtmissbrauch bedeutet, dass Leiter ihre Machtposition ausnutzen, um Menschen emotional oder finanziell zu erpressen. Zum Beispiel, wenn ein Leiter sagt: „Du musst dich an diese Regeln halten, sonst kommst du in die Hölle“, obwohl das nicht biblisch ist, ist das emotionaler Machtmissbrauch. Das ist sehr schlimm, und so etwas passiert leider auch in evangelischen Freikirchen.

Die Gefahr von Gesetzlichkeit besteht also darin, dass manche Christen denken, sie müssten bestimmte Regeln einhalten, um nicht in die Hölle zu kommen, obwohl sie schon vergeben sind.

Vierter Punkt: Je nach Gemeinschaft besteht die Gefahr, dass bestimmte Glaubenserfahrungen überbetont werden. Es geht dann vor allem darum, wer was fühlt oder welche Erfahrungen gemacht hat.

In manchen evangelischen Freikirchen gibt es einen sogenannten Zeugnissteil, oft nicht im Livestream gezeigt, wegen Datenschutz. Dabei erzählen Leute aus der Gemeinde oder Besucher, was sie in ihrem Glaubensweg erlebt haben, um andere zu ermutigen.

Manchmal entsteht dabei ein ungesunder Wettbewerb: Wer hat die krasseste Geschichte? Wer löst beim Publikum die größte emotionale Reaktion aus? Das führt auch zu Problemen im Lobpreis.

Ich bin persönlich großer Fan von Worship und Lobpreismusik, aber wir müssen aufpassen, dass wir unser religiöses Leben nicht auf Gefühle reduzieren. Gefühle spielen im Christsein fast keine Rolle.

Ich habe das auf diesem Kanal schon mehrfach erklärt und auch in meinen Büchern. Christsein ist kein Gefühl, sondern ein juristischer Status vor Gott: freigesprochen, begnadigt. Es hat nichts damit zu tun, wie du dich fühlst.

Du kannst dich gut fühlen und trotzdem „on a highway to hell“ sein. Du kannst dich schlecht fühlen und trotzdem vor dem Jüngsten Gericht freigesprochen werden. Gefühle sind für den Status vor Gott praktisch irrelevant.

Das gilt auch, wenn du depressiv bist, neurologische Beeinträchtigungen hast, einen Unfall hattest, auf Medikamenten bist oder Asperger-Autist bist. Das spielt keine Rolle für dein Christsein.

Es ist wichtig, das zu verstehen, denn in manchen Gemeinden herrscht das Vorurteil, dass alles auf Gefühle reduziert wird. Das ist ein Problem.

Manchmal gibt es auch einen unausgesprochenen Wettbewerb unter Leuten, die ihr Zeugnis erzählen – also ihre Geschichte, wie sie zum Glauben gekommen sind. Wer hat die spektakulärste oder nervenaufreibendste Bekehrungsgeschichte? Das ist schwierig.

Wenn es darum geht, wer die größten Gefühle spürt, denken manche: „Wenn ich nichts spüre, ist Gott nicht da oder ich bin kein Christ.“ Das ist falsch.

Ich teile meine Bekehrungsgeschichte deshalb kaum öffentlich, weil sie für das Christsein irrelevant ist. Entweder der Glaube stimmt, dann ist die Geschichte egal, oder er stimmt nicht, dann auch.

Maria aus Instagram schrieb von einer Begebenheit in ihrer freikirchlichen Gemeinde: Dort sollten sie ohne Rezept backen, um Gott näherzukommen. Die Übung sollte zeigen, dass man sich im ganzen Leben vom Heiligen Geist leiten lässt – auch beim Backen.

Das ist ein Beispiel für eine Überbetonung von Gefühlen oder spiritueller Erfahrung.

Eine Medizinerin erzählte, dass sie für ihr Physikum nicht gelernt hat, sondern stattdessen betete, dass Gott ihr die bekannten Inhalte „dranlassen“ möge. Das ist problematisch, denn es zeigt, dass manche sich zu sehr auf Gott verlassen und zu wenig selbst Verantwortung übernehmen.

Das führt dazu, dass manche keine klaren Entscheidungen treffen, sondern Bauchgefühle als göttliche Führung interpretieren. Die meisten Gefühle haben jedoch nichts mit Gott zu tun, und das sollten wir uns bewusst machen.

Fünfter Punkt: Counter Culture, also Gegenkultur. Freikirchliche Christen sind eine Minderheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz – je nach Statistik etwa 300.000 bis etwas mehr.

Da sie viele biblische Gebote ernst nehmen, schwimmen sie oft nicht mit dem gesellschaftlichen Strom. So entsteht eine Gegenkultur oder Subkultur, was normal und nicht schlimm ist.

Der Minderheitenstatus wird zum Teil bewusst gelebt.

Das kann jedoch problematisch werden, wenn daraus eine Attitüde entsteht: „Wir sind die Gegenkultur, der Widerstand, alle sind gegen uns.“ Das ist nicht gut, denn es führt zu Punkt sechs: der Gefahr der zu starken Abschottung von der Gesellschaft.

Christen, auch freikirchliche, sollen nicht alles mitmachen, was die Gesellschaft vorgibt. Das ist klar. Aber wenn sie sich vollkommen zurückziehen, den Kontakt zu Nichtchristen abbrechen und eine Parallelgesellschaft bilden, ist das problematisch.

Das führt dazu, dass der Dialog mit Andersdenkenden abbricht. Das ist schlecht, denn Mission und das Gewinnen von Nichtchristen für das Evangelium erfordern Dialog.

Wenn der Abstand zwischen Christen und Nichtchristen zu groß wird, entstehen Unverständnis und Vorurteile auf beiden Seiten. Das schadet allen.

Freundschaftlicher Dissens ist möglich, aber der Dialog sollte nicht abbrechen.

Siebtens: Einige haben beklagt, dass die theologische Bildung und Ausbildung ihrer Gemeindeleiter ausbaufähig ist. Es gibt nur wenige Ausbildungsinstitutionen in Mitteleuropa für freikirchliche Pastoren, mit starken Qualitätsunterschieden.

Weil es keine zentrale Organisation gibt, kann theoretisch jeder morgen eine Freikirche gründen. Es braucht keinen theologischen Abschluss oder eine Genehmigung.

Das führt dazu, dass manche Leiter nur überschaubare theologische Bildung haben, oft aus dem Ausland oder anderen Institutionen, die nicht optimal sind. Das haben viele hier beklagt.

Das ist ein Thema, über das die Christenheit nachdenken sollte: Wie bilden wir unsere Leiter aus? Was erwarten wir von ihnen? Wie bilden sie sich selbst weiter?

Freikirchen erhalten keine Kirchensteuer. Die evangelische Landeskirche und die römisch-katholische Kirche bekommen Kirchensteueranteile, die von vielen hier gezahlt werden.

Freikirchen finanzieren sich hauptsächlich durch Spenden, manchmal auch durch Buchverkäufe oder Events. Das Thema Finanzen ist ständig präsent, denn eine Gemeinde zu unterhalten kostet viel Geld – für digitale Infrastruktur, Material, Zeitaufwand und vor allem Mitarbeiter.

Gebäude sind besonders teuer. Deshalb ist die Frage, wie neues Geld hereinkommt, ein permanentes Thema.

Die Frage ist, ob das die Aufgabe des Pastors sein sollte. Ich denke, das sollte eher die Gemeindeleitung verantworten, denn der Pastor ist nicht der oberste Schatzmeister. Aber das ist ein anderes Thema.

Manche Gemeinden sind finanziell gut ausgestattet, andere haben ständig knapp kalkuliert. Das Thema Spendenkommunikation ist daher wichtig: Wie oft und auf welche Weise soll die Gemeinde um Geld bitten? Im Gottesdienst? Per Newsletter? Mit Spendenaktionen?

Es gibt unterschiedliche Meinungen, wann und wie das kommuniziert werden soll. Manchmal kippt es, und es geht zu sehr um das Geld, weniger um die Frage, warum die Gemeinde überhaupt existiert.

Vorletzter Punkt: Das Ringen um Ehe- und Sexualethik.

Wer nicht unter einem Stein gelebt hat, weiß, dass das biblische Verständnis von Ehe und Sexualität meilenweit von dem entfernt ist, was in der nichtchristlichen Gesellschaft üblich ist.

Als jemand aus nichtchristlichem Hintergrund kann ich sagen: Die Bibel und Jesus haben eine ganz andere Sicht auf Ehe und Sexualität, als man als Nichtchrist denkt. Es ist der gleiche Begriff, aber mit völlig anderem Inhalt.

Das weicht stark ab von dem, was außerhalb der Kirche gelebt wird.

Die Frage ist, welche praktischen Konsequenzen das für das eigene Leben und für die Gemeinde haben soll.

Zum Beispiel: Ist es okay, wenn jemand in der Gemeinde, vielleicht als Jugendmitarbeiter, zusammenlebt, ohne verheiratet zu sein? Sehr wahrscheinlich haben sie Sex. Ist das akzeptabel?

Die meisten bibeltreuen Christen würden sagen, das sollte nicht sein. Aber die Meinungen darüber, wie damit umgegangen wird, gehen auseinander. Und das führt zu Reibungen.

Wäre es nicht besser, wenn alle sich von Anfang an an die biblischen Vorgaben halten würden? Aber wir sind Menschen und haben oft keinen Bock darauf.

Ein weiteres Thema ist das frühe Heiraten. Das ist besonders bei evangelischen Freikirchen ein Thema, zum Beispiel bei Baptisten.

Die klare Regel lautet: Kein Sex ohne Trauschein. Entweder du bist verheiratet und darfst Sex haben, oder du lebst enthaltsam.

Das ist nicht immer einfach, aber so steht es in der Bibel.

Allerdings gibt es ein Problem: Viele heiraten sehr jung, oft mit 18 Jahren, und das führt zu hohen Scheidungsraten, auch unter freikirchlichen Christen.

Statistiken zeigen, dass das Risiko für Trennung und unglückliche Ehe exponentiell steigt, je jünger man heiratet, besonders wenn man vor 25 heiratet.

Mit 18 hat man oft noch nicht die geistige und emotionale Reife, die man mit 28 hat.

Das ist ein Fakt, auch wenn man darüber diskutieren kann, wann der richtige Zeitpunkt zum Heiraten ist.

Viele haben geschrieben, sie hätten zu früh geheiratet.

Vor zwei Tagen sprach ich mit einem Ehepaar, das sehr jung geheiratet hat. Sie sagten, es war viel zu früh.

Daniel aus der Community hat gesagt: Wenn du dir nicht leisten kannst, deine komplette Hochzeit, den Umzug, die Wohnungseinrichtung und die Hochzeitsreise komplett ohne Schulden zu bezahlen, bist du noch zu jung.

Das ist ein guter Ansatzpunkt.

Ich weiß, das ist nicht immer beliebt, aber es stimmt.

Früher heirateten die Leute mit 18, bekamen mit 20 Kinder und mussten sich kaum um vieles kümmern. Heute ist das anders.

Wir sollten aufhören zu denken, dass man mit 20 verheiratet sein muss, um „richtig“ zu sein.

Zehnter und letzter Punkt: Durch den hohen Stellenwert der Bibel haben sachliche Fehler bei der Bibelauslegung eine größere Tragweite.

Ein Fehler bei der Auslegung hat mehr Gewicht als in Gemeinschaften, wo die Bibel weniger Bedeutung hat.

Deshalb ist für freikirchliche Christen ein umfassendes Bibelstudium besonders wichtig – nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Breite.

Man sollte die Bibel von vorne bis hinten ein paar Mal gelesen haben, um Schnellschüsse und unsachgemäße Überbetonungen von Nebensächlichkeiten zu vermeiden.

Dazu muss man lernen, Haupt- und Nebensächlichkeiten in der Bibel zu unterscheiden. Das geht nur durch intensive Beschäftigung.

Das ist wichtig.

Wir sehen uns im nächsten Input. Ich freue mich auf dich.

Gesetzlichkeit als Gefahr

Drittens: Was ihr geschrieben habt, betrifft vor allem die Praxis – nicht unbedingt die Theorie, aber in der Praxis. Das ist ein großes Thema, über das ich auch schon mit vielen von euch gesprochen habe. Dabei geht es um die Gefahr der sogenannten Gesetzlichkeit.

Gesetzlichkeit ist unter freikirchlichen Christen, manchmal auch unter landeskirchlichen Christen, zu einem Schimpf- oder Kampfbegriff geworden. Ich erkläre kurz, was damit gemeint ist: Gesetzlichkeit wird negativ verstanden. Sie bedeutet, dass wiedergeborene Christen – also solche, die umgekehrt sind und denen vergeben wurde – trotzdem unter dem Eindruck leben, sie müssten biblische Gebote oder sogar Regeln der Gemeinde einhalten.

Das ist ein großer Unterschied. Das eine sind die Gebote, die in der Bibel stehen und die Jesus sagt. Das andere sind Regeln, die von der Gemeinde aufgestellt werden. Im Idealfall überschneiden sich diese, aber das ist nicht immer so. Wenn es um Regeln geht, die nur die Gemeinde aufstellt und die nicht in der Bibel stehen, dann sollte die Priorität klar bei der Bibel liegen.

Es ist problematisch, wenn wiedergeborene Christen glauben, sie müssten biblische Gebote oder Gemeinderegeln einhalten, um der Hölle zu entgehen, obwohl sie von Jesus längst freigesprochen wurden. In der Bibel steht: Du wirst von Jesus freigesprochen. Wenn du freigesprochen bist, willst du dich aus Dankbarkeit und dem Wunsch nach einem würdigen Leben von dir aus an die biblischen Weisungen halten.

Das betrifft zum Beispiel Dinge wie keine Drogen zu nehmen oder keinen Sex ohne Trauschein zu haben. Diese Dinge möchtest du aus Dankbarkeit tun, weil du es willst – nicht, um dir durch geistige „Bestechungsgeschenke“ den Himmel zu erkaufen. Das funktioniert sowieso nicht. Du tust es freiwillig, weil du es willst.

Wenn du es nicht immer schaffst, obwohl du dich bemühst, ist das schade, aber du verlierst dadurch nicht automatisch dein ewiges Heil. Anders ist es, wenn Menschen ständig zittern und bangen, weil sie denken, sie könnten wegen eines Fehlers wie dem respektlosen Gebrauch von Gottes Namen in die Hölle kommen – obwohl Jesus sie schon freigesprochen hat. Das nennt man Gesetzlichkeit.

Wie entsteht Gesetzlichkeit? Dazu könnte ich ein eigenes Video machen. Wenn Interesse besteht, könnt ihr gerne die Glocke drücken und das in die Kommentare schreiben, dann mache ich das gerne.

Kurz gesagt: Gesetzlichkeit kann entstehen, wenn die Lehren der Gemeinde nicht klar und eindeutig mit dem biblischen Befund übereinstimmen. Oft kommen Kommunikationsmissverständnisse hinzu, wenn Themen nur oberflächlich behandelt werden, statt ausführlich gepredigt oder besprochen zu werden. Dann bleiben Aussagen unklar oder schwammig.

Außerdem gibt es auch emotionalen Machtmissbrauch seitens Leitern oder Gemeinden. Das bedeutet, dass die Machtposition von Leitern ausgenutzt wird, um Menschen emotional zu erpressen oder unter Druck zu setzen. Das kann auch finanzielle oder andere Vorteile betreffen.

Ein Beispiel für emotionalen Machtmissbrauch wäre, wenn jemand in einer Community sagt: „Du musst dich an diese und jene Regeln halten, sonst kommst du in die Hölle.“ Wenn das falsch ist, setzt das Menschen emotional unter Druck und kann aus narzisstischen oder eigenen emotionalen Motiven geschehen.

Das ist wirklich schlimm – und solche Situationen kommen vor. Die Gefahr der Gesetzlichkeit besteht in Freikirchen manchmal. Manche freikirchlichen Christen, wenn auch nicht alle, denken, sie müssten sich an bestimmte Regeln und Gebote halten, sonst kämen sie in die Hölle. Das ist aber nicht der Fall, wenn dir einmal vergeben wurde.

Überbetonung von Glaubenserfahrungen

Vierter Punkt: Was ihr erzählt habt

Je nach Gemeinschaft besteht die Gefahr, dass bestimmte Glaubenserfahrungen massiv überbetont werden. Dabei dreht sich vieles darum, wer was fühlt und wer welche Erfahrungen gemacht hat.

In manchen evangelischen Freikirchen gibt es beispielsweise einen sogenannten Zeugnissteil. Dieser wird häufig im Livestream nicht gezeigt, unter anderem aus Datenschutzgründen. Dabei kommen Leute aus der Gemeinde oder Besucher nach vorne und erzählen, was sie auf ihrem Glaubensweg oder Lebensweg mit Gott erlebt haben. Das dient zur Ermutigung der anderen und ist grundsätzlich etwas Gutes.

Allerdings entsteht dabei manchmal – und das habe ich selbst schon erlebt – eine Art ungesunder Wettbewerb. Es geht darum, wer die krasseste Geschichte hat oder wer beim Publikum die stärkste emotionale Reaktion hervorruft. Wer bewirkt beim Zuhörer das größte Gefühl, während er seine Geschichte erzählt?

Das führt häufig auch zu einem Problem im Lobpreis. Ich bin persönlich ein großer Fan von Worship- und Lobpreismusik, aber wir müssen aufpassen, dass unser religiöses Leben nicht auf unsere Gefühle reduziert wird. Unsere Gefühle spielen für unser Glaubensleben praktisch keine Rolle.

Darüber habe ich auf diesem Kanal schon mehrfach gesprochen und auch in meinen letzten zwei Büchern immer wieder versucht, es zu erklären: Christsein ist keine Frage des Gefühls. Christsein ist ein juristischer Status vor Gott, ein juristischer Zustand. Man ist freigesprochen, schuldig, aber begnadigt. Das bedeutet, es hat nichts damit zu tun, wie man sich fühlt.

Du kannst dich richtig gut fühlen und trotzdem "on a highway to hell" sein. Du kannst dich auch schlecht fühlen und trotzdem beim Jüngsten Gericht freigesprochen werden. Du kannst dich gut fühlen und Christ sein – diese Dinge hängen nicht zusammen.

Wie du dich fühlst, spielt für deinen Status vor Gott praktisch keine Rolle. Ich meine das wirklich ernst. Du könntest depressiv sein und trotzdem Christ sein. Du könntest eine schwerwiegende neurologische Beeinträchtigung haben oder einen Unfall erleiden, bei dem du kaum noch Gefühle wahrnimmst. Du könntest auf Lithiumpräparaten sein und eine stabile emotionale Konstante haben. Du könntest von Anfang an nicht besonders emotional sein oder Asperger-Autist sein. Das alles spielt für dein Christsein keine Rolle.

Es ist wichtig, das zu verstehen. In manchen Gemeinden herrscht nämlich das Vorurteil, besonders bei Pfingstlern, dass alles auf das Gefühl reduziert wird und wie man sich fühlt, das letzte Wort hat. Das ist ein Problem.

Man kennt das auch, wenn Leute ihr Zeugnis erzählen. Das ist ein freikirchlicher Begriff und bedeutet nicht, dass jemand seine Noten vom letzten Abizeugnis vorliest. Zeugnis erzählen heißt, man berichtet, wie man zum Glauben gekommen ist und wie man sich verändert hat.

Dabei habe ich manchmal erlebt, dass es einen unausgesprochenen Wettbewerb gibt: Wer hat die aufregendste oder nervenaufreibendste Bekehrungsgeschichte? Wer hat die eingängigste Story?

Das ist schwierig, weil es dann darum geht, welche Geschichte am spektakulärsten ist oder wer die größten Gefühle erlebt hat. Dadurch denken manche, wenn sie nichts spüren, sei Gott nicht da, liebe sie nicht oder sie seien vielleicht gar keine Christen. Das ist ein falscher Eindruck.

Wie du dich fühlst oder wie spektakulär oder unspektakulär dein Leben ist, spielt für dein Christsein praktisch keine Rolle. Das ist einer der Gründe, weshalb ich meine eigene Bekehrungsgeschichte oder mein Zeugnis fast nie öffentlich teile. Es ist völlig irrelevant.

Entweder das, was du und ich glauben, stimmt wirklich – dann ist es egal, wie spektakulär oder unspektakulär meine Geschichte ist. Oder es stimmt nicht – dann ist es auch egal.

Es geht also nicht darum, was du spürst, wie spektakulär dein Leben ist oder wie sehr du glaubst, mit Gott unterwegs zu sein. Das spielt fast keine Rolle.

Es tut mir leid, wenn du nicht magst, was ich sage. Ich will nur ehrlich sein. Das ist mir wichtig.

Übertriebene Glaubensübungen und falsches Vertrauen

Maria aus Instagram berichtet von einer Begebenheit in ihrer freikirchlichen Gemeinde. Dort ging es darum, ohne Rezept zu backen, um Gott näherzukommen – also einen Kuchen oder eine Pizza ohne Rezept zu backen.

Vielleicht fragt man sich jetzt, was das mit dem einen oder anderen zu tun hat. Maria erzählte, dass es in dieser Übung darum ging, in der Gemeinde zu lernen, sich im ganzen Leben, sogar beim Backen, vom Heiligen Geist leiten zu lassen. Nach dem Motto: „Ich lasse mich vom Heiligen Geist führen, wie viel Backpulver oder Gerste ich in den Teig geben soll.“

Ich selbst habe auch schon erlebt, wie eine Medizinerin erzählte, dass sie für ihr Physikum, eine sehr wichtige Abschlussprüfung, die etwa nach einem Drittel bis zur Hälfte des Medizinstudiums stattfindet, nicht gelernt hatte. Das ist eine große Sache im Medizinstudium. Warum? Sie berichtete, und das klingt zwar witzig, ist aber eigentlich ernst, dass sie stattdessen darum gebetet hatte, dass Gott ihr genau die Fragen stellen möge, die sie sowieso schon wusste.

Das ist schwierig, ja, sehr schwierig. Dabei dachte ich: „Alter, du willst Medizinerin sein? Dann will ich, glaube ich, nicht dein Patient sein.“

Das ist, glaube ich, ein Phänomen, das man manchmal in freikirchlichen Gemeinden sieht – nicht nur dort, aber auch dort. Viele von euch haben geschrieben, dass es dieses Phänomen gibt, sich zu sehr auf Gott zu verlassen und dabei selbst kaum noch versucht, das eigene Leben zu ordnen oder auch nur kleine oder große Entscheidungen zu treffen.

Das liegt daran, dass man sich vor allem von Gott leiten lassen will. Wenn man dann ein Bauchgefühl hat, denkt man gleich, dass es Gott ist, der mit einem spricht. Das kann sein, muss aber nicht.

Es gibt viele Gefühle – ich würde sagen, die meisten, die du hast, haben überhaupt nichts mit Gott zu tun. Es ist wichtig, dass wir uns das immer wieder vor Augen halten.

Gegenkultur und Minderheitenstatus

Punkt fünf, was ihr geschrieben habt, ist der Punkt Counter Culture. Counter Culture bedeutet so etwas wie Gegenkultur. Freikirchliche Christen, je nachdem welche Untersuchung man heranzieht, es gibt unterschiedliche Zahlen, viele Untersuchungen und Statistiken sagen, es gibt ungefähr 300.000 freikirchliche Christen in Deutschland. Ich persönlich denke, es sind mehr, aber so in diesem Bereich, jedenfalls keine drei Millionen. Darum geht es jedenfalls.

Das heißt, egal wie groß die Zahl auch sein mag, es ist eine Minderheit in Deutschland. In Österreich und der Schweiz ist das ja sowieso ähnlich, wie die eidgenössischen Leute, die das hier sehen, wissen. Freikirchliche Christen sind also so oder so in der Minderheit.

Dann ist es natürlich so, dass sie viele Dinge aus der Bibel sehr ernst nehmen und deshalb häufig nicht unbedingt mit dem gesellschaftlichen Strom schwimmen. Das haben wir in den letzten Wochen und Monaten sehr deutlich erlebt. Das bedeutet, dass sich unter vielen freikirchlichen Christen so eine Gegenkultur oder Subkultur entwickelt hat. Das ist ja auch ganz normal und nichts Schlimmes.

Dieser Minderheitenstatus wird je nachdem sehr bewusst gelebt. Warum kann das ein Problem werden? Es besteht eine Gefahr, wenn daraus eine Attitüde wird, wenn man sich darüber definiert und sagt: Wir sind die Gegenkultur, wir sind der Widerstand, wir sind die Minderheit, und alle sind gegen uns und so weiter. Das ist nicht so gut.

Denn das führt uns zu Punkt sechs: die Gefahr einer zu starken Abschottung von der Gesellschaft. Noch einmal: Dass Christen, und auch freikirchliche Christen, nicht alles mitmachen wollen und sollten, was die Gesellschaft ihnen vorgibt, da sind wir uns völlig einig, absolut. Aber dieses völlige Herausgehen aus der Welt, dieses vollständige Abbrechen des Kontakts zu Nichtchristen, diese Art der Selbstghettoisierung – dass man sich sein eigenes Ghetto baut und sich selbst zurückzieht – das ist problematisch.

Das Stichwort dazu heißt Parallelgesellschaft. Man baut eine Parallelgesellschaft auf, weiß gar nicht mehr, was draußen los ist, und ist nicht mehr in der Lage, mit normalen Menschen, also Nichtchristen, zu sprechen. Das ist ein Problem, denn es führt häufig dazu, dass der Dialog mit Andersdenkenden abgebrochen wird.

Warum ist das wiederum ein Problem? Nun, erinnert euch an Bebbing und Quartilateral: Es geht ja auch um Mission, um das Aufeinanderzugehen, um Aktivismus, darum, Andersdenkende für das Evangelium zu gewinnen, Nichtchristen zu Christen zu machen oder zumindest dem nicht im Weg zu stehen, sondern das zu ermutigen.

Das wird problematisch, wenn man so weit auseinanderdriftet, dass man gar nicht mehr miteinander reden kann. Das befeuert nebenbei Unverständnis und Vorurteile auf beiden Seiten. Vorurteile von Christen gegenüber Nichtchristen werden dadurch teilweise wirklich ein bisschen extrem – das habt ihr vielleicht auch schon gemerkt – und umgekehrt.

Ich selbst war ja lange Nichtchrist und Atheist. Was wir uns manchmal über Christen gedacht und erzählt haben, wiederhole ich hier lieber nicht. Je größer dieser Abstand wird und je mehr es wunderliche Menschen auf beiden Seiten gibt, desto schwieriger wird es, irgendwann wieder in einen Dialog zu treten.

Das, glaube ich, ist für beide Seiten nicht wirklich gut. Es kann ja auch einen freundschaftlichen Dissens geben, aber der Dialog sollte nicht abbrechen. Das ist das Entscheidende.

Theologische Ausbildung der Gemeindeleiter

Punkt sieben

Manche haben hier geschrieben, dass sie bei ihren Leitern, ihren Gemeindeleitern, beklagen, dass die theologische Bildung, die theologische Ausbildung sowie die Tiefe und Breite der theologischen Bildung ausbaufähig sind. Dabei geht es nicht nur um die Herzensbildung oder die spirituelle Verbindung mit Gott, sondern speziell um die theologische Bildung vieler ihrer Leiter.

Du musst wissen, dass es in Mitteleuropa nur eine Handvoll Ausbildungsinstitutionen gibt, die freikirchliche Pastoren ausbilden. Dabei gibt es starke Qualitätsunterschiede. Es ist wirklich überschaubar. Letztendlich gibt es keine zentrale Organisation, die alles reguliert. Theoretisch könntest du morgen anfangen, deine Freikirche zu gründen. Das heißt, du brauchst dafür kein theologisches Examen, keinen Bachelor- oder Masterabschluss. Du brauchst auch keinen Papst oder eine andere Autorität, die etwas genehmigt oder ein Imprimatur vergibt. Das funktioniert einfach so.

Dies führt in der Praxis häufig dazu, dass Leute mit überschaubarer theologischer Bildung, die sie vielleicht im Ausland oder an anderen Institutionen erworben haben, freikirchliche Gemeinden leiten. Diese Ausbildungen entsprechen oft nicht den Erwartungen, und man kann sich denken, dass da noch Luft nach oben ist. Das ist etwas, was viele hier beklagt haben. Ich fand das interessant und überraschend, dass das Thema so deutlich zur Sprache kam.

Das ist etwas, worüber wir als Christenheit vielleicht einmal nachdenken sollten: Wie sehr bilden wir unsere Leiter aus? Was erwarten wir von ihnen? Wie bilden sie sich selbst weiter? Freikirchen erhalten keine Kirchensteuer. Das heißt, die evangelische Landeskirche und die römisch-katholische Kirche bekommen Kirchensteuer oder zumindest einen großen Teil davon. Viele, die hier zuschauen, wissen, dass von ihrem Lohn oder auch von ihren Investments Abgeltungssteuer abgezogen wird, die an die Kirchen fließt. Das bekommen diese Kirchen. Freikirchen hingegen erhalten keine Kirchensteuer.

Wie finanzieren sich also Freikirchen? Im Großen und Ganzen durch Spenden, manchmal auch durch Buchverkäufe und Events. Aber im Wesentlichen durch Spenden. Das heißt, das Thema Spenden ist zentral, denn so eine Gemeinde zu unterhalten ist extrem teuer. Allein das ganze digitale Equipment, das Material und der Zeitaufwand sind enorm. Von Mitarbeitern, die ja das Teuerste sind, rede ich noch gar nicht. Auch die Kosten für Gebäude sind hoch.

Das Thema, wie neues Geld hereinkommt, ist also ein permanentes Thema. Die Frage ist, ob das Thema Pastor sein sollte. Ich denke, es sollte das Thema der Gemeindeleitung sein, nicht das des Pastors, denn der Pastor ist nicht der oberste Schatzmeister. Aber das ist ein anderes Thema.

Dass genug Geld hereinkommt, ist immer eine Herausforderung. Manche Gemeinden haben finanziell sehr gut ausgestattete Ressourcen. Auch dieses Projekt, das ich unter dem Hashtag Bibelfett mache, wird durch Spenden finanziert. Zum Glück sind wir langsam nicht mehr in den roten Zahlen. Früher musste ich alles selbst bezahlen, das war spannend, aber auch herausfordernd.

Manche Gemeinden verfügen also über relativ gute finanzielle Ressourcen. Ich würde aber tippen, dass dies die Ausnahme ist. Bei vielen Gemeinden ist es eher immer knapp. Das Thema, wie und wo neues Geld hereinkommt, ist also ständig präsent. Deshalb stellt sich auch immer wieder die Frage, wie und in welchem Ausmaß in der Gemeinde kommuniziert werden kann, dass Geld gebraucht wird.

Die Gemeinde braucht Geld, damit alles am Leben gehalten werden kann, das ist klar. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß man das kommunizieren sollte. Kann man das im Gottesdienst sagen? Wann und wie häufig? Kann man einen Newsletter verschicken, ein Mailing machen, einen Briefwurf starten, eine Spendenaktion oder einen Galaabend organisieren? Das ist ein Thema, das ständig auf dem Schirm ist.

Das ist total verständlich. Dass es darüber verschiedene Meinungen gibt, wie und in welchem Ausmaß das kommuniziert werden soll, ist klar. Manchmal gibt es auch den Punkt, an dem es kippt. Dann dreht sich alles zu sehr um das Thema, wie man sich am Leben hält, und weniger um die Frage, warum man sich eigentlich am Leben halten sollte und warum man das Ganze weitermachen sollte.

Das ist ein wichtiges Thema.

Ehe- und Sexualethik als Spannungsfeld

Vorletzter Punkt: das Ringen um Ehe und Sexualethik.

Falls du nicht unter einem Stein gelebt hast, hast du wahrscheinlich mitbekommen, dass das, was in der Bibel über Gottes Vorstellung von Sex und Ehe steht, meilenweit von dem entfernt ist, was in der nichtchristlichen Gesellschaft gelebt wird. Die Bibel beschreibt, wie alle Menschen Sexualität ausleben oder nicht ausleben sollten, und was Gott sich unter Ehe vorstellt.

Als jemand, der aus einem nichtchristlichen Hintergrund kommt, kann ich dir sagen: Das, was Christen, die Bibel und Jesus unter Ehe und Beziehung verstehen, ist etwas völlig anderes als das, was du als Nichtchrist ganz normal denkst. Es sind zwar die gleichen Begriffe – Ehe und Beziehung –, aber was die Bibel damit meint, ist etwas völlig anderes. Du kannst das nicht wirklich vergleichen mit dem, was du als Nichtchrist darunter verstehst. Es ist wirklich ein Riesending.

Das weicht natürlich stark davon ab, was in der nichtchristlichen Gesellschaft zu Ehe, Sexualität und all diesen Dingen gelebt wird. Die Frage ist nun: Welche praktischen Konsequenzen soll das für dein Leben haben? Persönlich denke ich, wir alle sollten uns an das halten, was in der Bibel steht.

Eine weitere Frage ist: Welche praktischen Konsequenzen soll das für deine Gemeinde haben? Zum Beispiel kommt häufig die Frage auf: Wie geht man damit um, wenn jemand in der Gemeinde aktiv ist, vielleicht sogar hauptamtlich, als Jugendmitarbeiter oder so, und dieser Mensch lebt mit seiner Freundin zusammen, ohne verheiratet zu sein? Sehr wahrscheinlich haben sie eine sexuelle Beziehung. Ist das okay, wenn diese Person dann in einer hauptamtlichen Position in der Gemeinde ist?

Das ist eine schwierige Frage, und die meisten bibeltreuen Christen werden sich einig sein, dass so etwas gar nicht erst passieren sollte. Aber was ist, wenn es doch so ist? Hier gehen die Meinungen auseinander. Die Frage ist, wie die Gemeinde damit umgeht. In der Gemeinde gibt es dann verschiedene Stimmen: Die einen sagen so, die anderen so. Das führt zu Reibungen.

Diese Reibungen würden nicht entstehen, wenn sich von Anfang an alle selbst verpflichten würden, sich an das zu halten, was in der Bibel steht. Aber wir sind nun mal Menschen, und wir haben häufig einfach keine Lust, uns an die Bibel zu halten.

Ein anderes Thema, das ich im gleichen Atemzug kurz ansprechen möchte, ist das Thema früh heiraten. Darüber müssen wir mal reden. Das ist wirklich ein Thema, vor allem bei evangelischen Freikirchlern. Ich weiß, ich werde jetzt Ärger bekommen, aber bei Baptisten ist das sogar schon sprichwörtlich.

Ich glaube, es ist jedem, der hier zuschaut, klar: Kein Sex ohne Trauschein. Du darfst keinen Sex außerhalb der Ehe haben, keinen Sex vor der Ehe. Entweder bist du verheiratet und darfst mit deinem Mann oder deiner Frau schlafen, oder du musst eben enthaltsam leben. Dass das nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist, müssen wir nicht diskutieren.

Aber dass das der entscheidende Punkt ist, warum Leute so handeln, das ist seltsam. Manchmal habe ich das Gefühl, wenn ich meine Instagram-Feeds durchscrolle, dass Leute direkt nach der Abifeier mit 18 Jahren eine Woche später auf einer Hochzeit den gleichen Anzug oder das gleiche Kleid tragen wie bei der Abifeier. Das ist nicht gut. Wirklich nicht gut. Darüber müssen wir reden, und zwar nicht nur mit dem Motto: "Wir sind uns irgendwie sicher, und solange man sich sicher ist, kann man heiraten."

Das reicht nicht immer. Die Statistiken sind glasklar: Auch die Trennungs- und Scheidungsraten unter freikirchlichen Christen steigen. Wir wissen alle, dass Ehescheidung eine Sünde ist, das macht Jesus ganz deutlich. Und je jünger du bist, desto höher ist das Risiko für eine Trennung. Das ist einfach nicht sinnvoll.

Wir müssen irgendwann mal darüber reden. Das muss nicht jetzt sein, aber so funktioniert das nicht. Du hast ein exponentiell größeres Risiko für Trennung und für eine unglückliche Ehe mit jedem Monat, den du vor deinem 25. Geburtstag heiratest. Das ist ein statistischer Fakt.

Mit 18 hast du einfach noch nicht die geistige und emotionale Reife, die du vielleicht mit 28 hast. Es tut mir leid, aber es ist so. Jetzt kannst du viel darüber diskutieren, wann der richtige Zeitpunkt zum Heiraten ist. Ich weiß es auch nicht. Aber ich kann dir sagen: Viele von euch haben geschrieben, dass sie zu früh geheiratet haben.

Vor zwei Tagen habe ich live offline mit einem Ehepaar gesprochen, das sehr jung geheiratet hat. Beide sagten, es war viel zu früh. So ein Ding wie: "Wir sind zwei Wochen zusammen und nach drei Monaten entscheiden wir, zu heiraten." Das gibt es vor allem bei freikirchlichen Christen. Viele, die das so gemacht haben, sagen im Nachhinein, es klingt zwar wie eine coole Story, aber richtig toll war das eigentlich nicht.

Wann ist ein guter Zeitpunkt zum Heiraten? Ich weiß es nicht. Aber ich kann dir sagen, dass Daniel aus der Community gesagt hat: Wenn du dir nicht leisten kannst, deine komplette Hochzeit – von A bis Z – plus das Zusammenziehen, den Umzug, die Wohnungssuche, die Wohnungseinrichtung und die Hochzeitsreise komplett ohne Schulden in bar zu bezahlen, dann bist du noch zu jung. Ich glaube, das ist ein guter Ansatzpunkt.

Es tut mir leid, ich sage das nicht gerne, und ich weiß, jetzt werden einige sauer sein. Aber Hand aufs Herz: Da ist etwas dran, oder? Wenn Kinder Kinder kriegen, stimmt da etwas nicht.

Ja, ich weiß, vor zwanzig oder dreißig Jahren haben Leute auch mit achtzehn geheiratet und mit zwanzig ein Baby bekommen. Und wir haben es nicht mal geschafft, unseren Kaktus am Leben zu erhalten. Die Zeiten sind anders. Leute mit zwanzig sind heute nicht mehr wie Leute mit zwanzig vor dreißig Jahren.

Jetzt kannst du auf die bösen Millennials schimpfen oder so, aber es ist einfach anders. Ich glaube, es wäre heilsam für uns, wenn wir als freikirchliche Christen aufhören würden zu denken: "Wenn ich mit zwanzig nicht verheiratet bin, stimmt etwas nicht mit mir." Ich glaube, das ist nicht gut. Sorry.

Fehler bei der Bibelauslegung

Und zehntens, letzter Punkt, ist ganz klar: Durch den hohen Stellenwert, den die Bibel hat, haben sachliche Fehler bei der Bibelauslegung natürlich eine deutlich größere Tragweite – und das oft über Nacht. Wenn du einen Fehler bei der Bibelauslegung machst, hat das mehr Auswirkungen als in Gemeinschaften, in denen die Bibel von vornherein keine so große Rolle spielt. Das ist ja klar.

Das bedeutet natürlich, dass für freikirchliche Christen ein umfassendes Bibelstudium besonders wichtig ist. Es geht dabei nicht nur darum, sich detailliert in die Tiefe zu vertiefen, sondern vor allem auch darum, das Ganze in der Breite zu erfassen. Das heißt, die Bibel wirklich von vorne bis hinten und von hinten bis vorne ein paar Mal durchgelesen zu haben. Für freikirchliche Christen ist das umso nötiger, um Schnellschüsse zu vermeiden oder unsachgemäße Überbetonungen von irgendwelchen Nebensächlichkeiten.

Dazu musst du erst einmal verstehen, was Hauptsächlichkeiten und was Nebensächlichkeiten in der Bibel sind. Das gelingt nur, indem du einfach Strecke gewinnst und die Bibel mehrmals durchliest. Das ist wichtig.

Wir sehen uns im nächsten Input. Ich freue mich auf dich.