Einleitung
Stanley Jones schreibt: Ein Christ besitzt auf den Quadratzentimeter mehr
Freude als einer, der kein Christ ist, auf einen Quadratkilometer. Es gibt
zwei Ursachen, dass man nicht ein glücklicher und strahlender Christ ist.
Die eine ist, dass man bei der ganzen christlichen Sache nur mit halbem
Herzen dabei ist. Wir sind nur versuchsweise Christen. Eine Notiz an einem
Heizkörper in einem Hotel besagte. Bitte drehen Sie den Heizkörper entweder
voll an oder voll ab. Halb aufgedreht, leckt er und macht Geräusche.' Im
Leben vieler Christen quiekt und klappert es, sie können Glück und Freude
nicht lange bewahren - sie lecken. Warum? Weil sie nur halb aufgedreht
haben. Viele Christen haben gerade genug Religion, um einen Konflikt
heraufzubeschwören, aber nicht genug, um Frieden zu stiften. Ein halbes
Christentum ist ein Problem statt einer Macht. Bsp. 292.
Text lesen: Kol.3,5-11
I. Tod und trotzdem töten?
Nun werden wir aufgefordert, die Glieder, die auf Erden sind abzutöten
und alles abzulegen.
Glieder beschreibt nicht unseren Körper. Es ist nicht die Aufforderung
zu einem asketischen Leben, das sich von allen Genüssen fernhält und den
Körper durch Peinigung verachtet.
Mit Glieder wird unsere innere Beschaffenheit beschrieben. Es geht um
unsere Gedanken, Ziele und Einstellungen. Wie Jesus selbst sagt:
Alles, was der Mensch von aussen in sich aufnimmt, kann ihn nicht
unrein machen, / weil es nicht in sein Herz, sondern nur in den Magen
gelangt und dann vom Körper wieder ausgeschieden wird... / ... was aus
dem Menschen herauskommt, das macht in unrein! / Denn aus ihm selbst,
aus seinem Herzen, kommen die bösen Gedanken, und mit ihnen Unzucht,
Diebstahl und Mord; / Ehebruch, Habsucht und Niedertracht; Betrug,
Ausschweifung und Neid; Verleumdung, Überheblichkeit und Unvernunft.
Mk.7,18-22.
Es handelt sich also um unsere Gesinnung. Aber haben wir nicht ständig
festgestellt, dass wir mit Christus gestorben und auferstanden sind?
Haben wir nicht immer davon gesprochen, dass dies ein einmaliger Akt ist,
mit dem wir das Ewige Leben erhielten?
Richtig! Das haben wir alles gesagt und festgehalten.
Aber warum müssen wir nun die Glieder töten, sind sie jetzt nicht schon
tot in der Taufe?
Richtig, wir sind schon tot und wir sind mit Christus auferstanden.
Das möchte ich nun an einem einfachen Beispiel deutlich machen:
Wenn ein Muni entdeckt, wie viel Kraft er besitzt, dann muss man in
töten. Der Muni kann ein leben lang nie merken wieviel Kraft er in
Wirklichkeit besitzt.
Paulus sagt hier: Ihr seid wirklich schon tot. Jetzt legt aber alles,
was zum alten Leben gehört konkret ab.
Der Christ wird aufgefordert zu tun, was schon geschehen ist,
anzunehmen, was durch Gott an ihm getan ist, um nun im Gehorsam das in
der Taufe ihm zugeeignete neue Leben zu ergreifen.
Doch wurden wir durch die Bekehrung nicht unseres Verstandes enteignet.
Wir wurden nicht zu Marionetten gemacht, die von Gott an Fäden gezogen
gesteuert werden.
Der von Gott erneuerte Mensch muss sich nicht von seinen Trieben
bestimmten lassen. Dies beschreibt Paulus folgendermassen:
Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn
ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr
leben. Rö.8,13.
Durch den Geist ist es uns möglich die Taten des Fleisches zu töten.
Und wenn wir Kinder Gottes sind, lebt ja der Geist Gottes in uns.
So muss diese Aufforderung verstanden werden. Würde Paulus dies an
Menschen schreiben, die nicht wiedergeboren wären, so wäre dies komplett
unsinnig. Das wäre so, wie wenn er einen Elefanten zum fliegen auffordern
würde.
II. Alte Verhaltensweisen müssen verschwinden (5-8)
Alles was Gott beleidigt und uns letztlich schadet, soll der
Vergangenheit angehören.
Es ist Unzucht, Unreinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und
Habsucht, die Paulus als erstes nennt.
Das römische Reich zeichnete sich damals gerade durch diese
Bezeichnungen aus. Vielleicht ist einigen der Spruch "Brot und Spiele"
bekannt. Das Volk der Ober- und Unterschichten war völlig verkommen. Der
Sittenzerfall befand sich im vollen Gange. Nur zwei Beispiele:
- Inzest: Ihr setzt eure Kinder aus, damit sie von irgendeinem des Wegs kommenden mitleidigen Fremden aufgehoben werden, oder entlasst sie aus eurer Gewalt, damit sie von besseren Eltern adoptiert werden. Unvermeidlich muss früher oder später die Erinnerung an das ihnen fremd gewordene Geschlecht ihrer Herkunft schwinden, und sobald der Irrtum einmal Wurzel geschlagen hat, wird er künftig zum Fortpflanzer des Inzests - das Geschlecht breitet sich unvermerkt aus mitsamt dem Verbrechen. Dann ist weiter an jedwedem Orte - daheim, in der Fremde, über See - die Wollust eure Begleiterin, deren immer wiederkehrendes Aufflammen leicht irgendwo, ohne dass ihr es erfahrt - schon bei ganz flüchtigem Geschlechtsverkehr -, Kinder in die Welt setzten kann, so dass das auf solche Weise gepflanzte Geschlecht durch den Verkehr der Menschen miteinander auf seinen eigenen Ursprung trifft und ihn doch, blind gegen den Inzest, die Verwandten nicht erkennt.[1]
- Spiele: [52 n.Chr.] Um die gleiche Zeit wurde durch den Berg zwischen dem Fuciner See und dem Liris ein Kanal gegraben, und damit dieses herrliche Werk von einer grösseren Menschenmenge bestaunt würde, setzte man auf dem See einen Schiffskampf in Szene, wie ihn einst Augustus auf dem jenseits des Tiber angelegten Teich veranstaltet hatte...Claudius rüstete Drei- und Vierruderer aus und besetzte sie mit neunzehntausend Bewaffneten...Die Ufer, Hügel und Anhöhen füllte, wie im Theater, eine zahllose Menschenmenge, die teils aus den nächstgelegenen Landstädten, teils aus Rom selbst Schaulust oder auch Ergebenheit gegenüber dem Princepts herbeigelockt hatte. Er selbst, in einem hervorstechenden Feldherrnmantel, und nicht weit weg von ihm Agrippina, in einer golddurchwirkten Chlamys, führten den Vorsitz. Obgleich es sich um Sträflinge handelte, wurde mit dem Mut tapferer Männer gekämpft. Nachdem viel Blut geflossen, schenkte man den Übriggebliebenen das Leben.[2]
Wir sehen auch hier, dass die Kolosser nicht viel anderen Problemen
gegenüberstanden als wir.
Anwendung
Abtreibungen, Inzest, Sittenzerfall usw. spielt sich vor unseren Augen
ab.
Es ist nicht immer leicht sich davon fernzuhalten. Wir haben genügend
heimliche Verführer, die uns ständig mit anderen Botschaften
bombardieren, wie Werbung, Filme, Literatur usw.
Besonders hebt Paulus die Habgier hervor. Er stellt sie mit dem
Götzendienst gleich.
Ein Jude kommt zum Rabbi. "Rebbe, es ist entsetzlich. Gehst du zu einem
Armen - er ist freundlich, er hilft dir, wenn er kann. Gehst du zu einem
Reichen - er sieht dich nicht einmal. Was ist das nur mit dem Geld?'
Da sagt der Rabbi.- Tritt ans Fenster! Was siehst du?'
"Ich sehe eine Frau mit einem Kind an der Hand. Ich sehe einen Wagen. Ich
sehe...'
,Gut', sagt der Rabbi, und jetzt stell dich hier vor den Spiegel! Was
siehst du?'
,Nu, Rebbe, was werd'ich sehn? Nebbich, mich selber.' Darauf der Rabbi.
Siehst du, so ist es. Das Fenster ist aus Glas gemacht, und der Spiegel ist
aus Glas gemacht. Kaum legst du ein bißchen Silber hinter die Oberfläche
schon siehst du nur noch dich selber!' Bsp. 962.
Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und
den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern
verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Mt.6,24.
Der Besitz soll eben das tun, was Gottes Sache ist: uns sichern und
erhalten und mit Glück beschenken.
Ferner gibt es auch Christen, die in Süchte hineingeraten können.
Jede Form von Sucht ist Habgier. Man konzentriert sich auf einen
speziellen Punkt.
Wie kann ich töten?
- Stellung (wer bin ich als Christ?)
- Kraftpotential (Gott gab mir die Kraft zu widerstehen.)
- Aufrichtigkeit (Der Sache ins Auge sehen – bekennen)
- Neuorientierung (ordnen/fernhalten)sondern ziehet an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt. Rö.13,14. So seid nun Gott untertänig; widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. Jak.4,7.
- evtl. einen Seelsorger beiziehen.
III. Neue Verhaltensnormen einüben (8-11)
Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte, sollen wir ablegen.
Man kann dies in zwei Gruppen gliedern.
- Das Verhalten betreffend - Zorn, Grimm, Bosheit.
- Das Sprechen betreffend - Lästerung, schandbare Worte.
Mit einer besonderen Betonung werden wir aufgefordert einander nicht
anzulügen.
Je nach Temperament, wird uns das eine oder andere schwerer fallen
abzulegen. Dies entbindet uns jedoch nicht von dieser Aufforderung.
Wenn ich von Natur aus ein energischer Mensch bin, so wird es mir
schwerer fallen nicht schnell zornig zu werden.
Wenn ich eher grüblerisch veranlagt bin, so werde ich mehr
Schwierigkeiten haben, den Grimm abzulegen.
Aber unser Temperament entbindet mich nicht von dieser Verantwortung.
Lästerungen und schandbare Worte sind schnell über die Lippen gegangen.
Es ist ein typisch menschlicher Zug, dass wir über die anderen stets
besser Bescheid wissen als über uns selbst.
"Ich habe einen Computer erfunden, welcher schon richtig menschliche
Züge trägt", prahlt ein Wissenschaftler vor einem Kollegen. "Meinen Sie
damit, dass er denken kann?" "Das nicht. Aber wenn er einen Fehler
macht, kann er die Schuld einem andern Computer zuschreiben."
Tatsächlich ein typisch menschlicher Zug. Hüten wir uns davor.
Wir sprechen oft über Mutmassungen, als ob es die Wahrheit wäre. Wir
wissen immer genau weshalb der andere eine bestimmte Entscheidung
getroffen und welche Motive in leiteten. Vorsicht!
Schliesslich sollen wir uns auch nicht anlügen. Wir können in einen
frommen Zwang kommen, der uns nicht mehr ermöglicht wahr zu sein. Wir
leben was wir sein sollten und nicht was wir sind. So gibt es auch eine
fromme Lebenslüge. Wir sollen aber voreinander wahr sein.
Anwendung
Vielleicht wäre es nachahmenswert, wie es die Christen im ersten
Jahrhundert praktizierten:
Sie versicherten aber, ihre ganze Schuld oder ihr Irrtum habe in
folgendem bestanden: Gewöhnlich seien sie an einem bestimmten Tag vor
Sonnenaufgang zusammengekommen und hätten Christus als ihrem Gott einen
Wechselgesang gesungen. Durch einen feierlichen Eid hätten sie sich
nicht etwa zu irgendeinem Verbrechen verpflichtet, sondern dazu, keinen
Diebstahl, keinen Raub und keinen Ehebruch zu begehen, kein gegebenes
Wort zu brechen, kein zur Verwahrung anvertrautes Gut abzuleugnen.[3]
Evangelisation
Paulus greift nochmals das Prinzip der Taufe auf:
denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen / und den
neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild
dessen, der ihn geschaffen hat. 9,b-10.
Paulus sagt: Weil ihr in der Taufe den alten Menschen abgelegt habt, so
führt dies jetzt auch konsequent aus.
Wenn Du natürlich den alten Menschen noch gar nicht ausgezogen hast,
dann gilt dies natürlich nicht für Dich. Du musst erst den alten Menschen
ausziehen und den neuen anziehen, sonst verfällst Du einer heillosen
Gesetzlichkeit.
Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu
Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen
wir tun? / Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse
sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so
werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes. Apg.2,37-38.
Auslegung (Vers 11)
Wo diese Erneuerung geschehen ist, das zählt es nicht mehr, ob jemand
zu den Griechen gehört oder zu den Juden, ob jemand beschnitten ist
oder unbeschnitten, ob jemand zu einem unzivilisierten Volk gehört oder
gar zu einem Stamm von Wilden, ob jemand im Sklavenstand ist oder frei.
Was einzig noch zählt, ist Christus, der in allen lebt und der alles
wirkt. 11.
Es gibt keine Unterschiede mehr. Weder nationale und standesmässige,
noch von welcher Religion jemand herkommt. Jeder Klassendünkel muss
vorbei sein.
Durch Christus wird eine neue Gesellschaft geschaffen.
Schluss
Unser alter Mensch hat tatsächlich ausgedient. Man könnte diesen Text
mit anderen Worten des Paulus zusammenfassen:
So müsst ihr von euch selbst denken: Ihr seid tot für die Sünde, aber
weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid, lebt ihr für Gott / Lasst
also nicht zu, dass euer sterblicher Leib von der Sünde beherrscht
wird. Gehorcht nicht seinen Begierden! / Stellt eure Glieder und alle
eure Fähigkeiten nicht länger in den Dienst der Sünde, die sie als
Waffen gegen das Gute benutzt. Stellt euch vielmehr in den Dienst
Gottes als Menschen, die gewissermassen schon von den toten
auferstanden sind, damit Gott eure Glieder und Fähigkeiten als Waffen
im Kampf für das Gute gebrauchen kann. Rö. 6,11-13. Amen.
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[1]Tertullian: Apol., 9, 17-18.
[2]Tacitus: Annalen, XII, 56.
[3]Plinius: Der Briefwechsel mit Kaiser Trajan, X, 96, 7.

