Event•Teil 4 / 5STEPS Konferenz 2026
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein persönlicher Einstieg in ein verborgenes Thema
Yes, schön, bei euch zu sein! Herzlich willkommen zur fünften Session hier auf der Steps Konferenz. Ich hoffe, ihr habt Bock und seid fit, um noch einmal ins Wort Gottes einzutauchen. Wir werden heute nämlich richtig reindiven in das, was wir im Text finden werden.
A warm welcome to everyone here! Schön, dass auch ihr international da seid. Für euch eine ganz kurze, wichtige Info: Die PowerPoint ist heute sehr wichtig. Und weil ich da immer gerne viel auf die PowerPoint schreibe, konnten wir das nicht parallel übersetzen. Ihr könnt in der Steps App einmal die PowerPoint auf Englisch herunterladen und sie euch gerne in WhatsApp-Gruppen verteilen, damit ihr auch gut mitkommt.
Ich möchte euch heute mit in einen Götzen hineinnehmen, der sehr, ja, sehr versteckt ist, aber vielleicht der größte Götze unserer Zeit ist. Und ich habe den bei mir irgendwie nicht so richtig bemerkt. Heute wird es sehr persönlich. Ich nehme euch sehr in meine Geschichte mit hinein. Und ich weiß gar nicht, ob du es gemerkt hast, aber ich fand dieses Gebet von Katharina gerade wie aus meinem Leben geschnitten. Ja, also ich finde, es ist ein ganz normales Gebet. Oder es war ein perfektes Morgengebet.
Ich weiß nicht, ob es euch auch so geht, aber meine häufigsten Gebete sind so formuliert: Herr, danke für das Essen und schenke einen guten Tag. Unsere Kids übernehmen das auch schon. Unsere Kleinste betet auch schon: Danke für den Tag. Oder unsere Dritte: Segne diesen Tag. Also es ist ganz normal, dass wir so beten. Wer kennt das als eines der häufigsten Gebete, dass Gott den Tag segnen soll oder die Prüfung oder irgendetwas im Leben schenken soll? Ganz ehrlich, wer kennt das als eines der häufigsten Gebete in unserem Leben? Das ist normal, oder?
Hey, und es ist auch okay. Wir dürfen mit allen Anliegen zu Gott kommen, sagt sein Wort. Wir dürfen alles vor ihn bringen. Ich will überhaupt nicht sagen, dass das falsch ist. Aber letztens kam mein Schwager zu mir und sagte: Hey, Markus, mir ist etwas aufgefallen. Irgendwie beten wir anders, als die Bibel das häufig beschreibt, zu beten.
Und da musste ich noch einmal darüber nachdenken und dachte: Hey, er hat total recht. Ich bete ganz häufig für meinen Segen, für mein Leben, dass wir das Geld haben, um in den schönen Urlaub zu fahren, dass das FSJ früher irgendwie genau das wird, was ich bekommen möchte. Und kennst du diese Gebete? Ja, vielleicht betest du auch gerade, dass das Kerosin reicht, damit du diesen Sommer noch in Urlaub fliegen kannst. Wer weiß.
Und ich muss ehrlich sagen: Mich hat dieses Thema, der Götze des Selbst, das werden wir uns heute anschauen, mein Reich komme, sehr herausgefordert. Ich nehme euch mit hinein, dass mein Chef mich irgendwann vor einigen Monaten angefragt hat. Er hat gesagt: Markus, könntest du dir vorstellen, eine Predigt zu halten auf der Selbstkonferenz über den Götzen des Selbst, also dass wir uns sehr um uns selbst drehen?
Dann ging ich zu meiner Frau und sagte: Schatz, Olli hat angefragt, ob ich die Predigt über den Götzen des Selbst halten will. Sie sagt: Das kann so einiges zu sagen. Puh, dachte ich. Ja. Also musste ich da dann zusagen, weil irgendwie hatte sie recht. Versteht ihr, ich bin schon lange Christ. Ich habe mich mit 15 wirklich bewusst für Jesus entschieden und dachte, ich weiß so viel aus der Bibel. Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, bin immer in die Gemeinde gegangen, bin zu einer Konferenz gegangen, bin hier mit der Steps Konferenz, früher war ich ja auf Jugendtagen. Und irgendwie dachte ich, es läuft eigentlich ganz gut als Christ. Es läuft und läuft.
Aber was ich nicht gemerkt habe, ist, dass in meinem Leben die ganze Zeit ich im Mittelpunkt stehe. Das habe ich auch gar nicht so bewusst irgendwie entschieden, hatte ich den Eindruck. Ich glaube, das liegt irgendwie so in uns drin. Das ist so versteckt. Ich wollte eigentlich immer, dass ich gut ankomme, dass ich beliebt bin, dass ich im Mittelpunkt stehe. Man könnte auch übersetzen, dass mein Name geehrt wird. Das habe ich zwar gar nicht so bewusst formuliert, aber genau so war es eigentlich.
Ich wollte auf der Steps Konferenz, da ging es mir viel darum: Was ziehe ich an? Was nehme ich mit? Wie komme ich an? Finden die Leute meine Witze lustig? Sehen die Leute mich? Finden die cool, was ich so für Ideen habe? Und ich habe das gar nicht gemerkt. Irgendwie ging es viel darum, dass ich im Mittelpunkt stehe, schon immer eigentlich.
Deswegen hatte ich auch mit Menschenfurcht zu tun. Wenn ich in der Klasse war, zum Beispiel, bei uns im Norden gibt es wenig Christen. Wenn ich keine Christen in der Klasse hatte, dann will man cool sein. Also kann man dann manchmal schwierig vom Glauben erzählen. Vielleicht kennst du das auch. Ich wollte irgendwie schon immer so eine perfekte Familie haben. Ich wollte den sicheren Beamtenjob. Ich wollte so Polizist werden im gehobenen Dienst. Mein Vater war so im mittleren Dienst, da ein bisschen mehr Gehalt wäre schon nicht schlecht, also ein bisschen mehr, und den schön sicheren Beamtenjob. Vielleicht irgendwann das Häuschen im Grünen, so das Perfect Life. Natürlich auch Christ sein, klar, ne? Das war schon irgendwie logisch. Und natürlich eine gute Gemeinde und da irgendwie vielleicht Ältester werden und so. Das war so die Traumvorstellung. Das habe ich so innerlich wirklich mir gewünscht.
Und wisst ihr, was dann passiert ist? Dann hätte ich jetzt eigentlich nur noch hoffen und wünschen und beten können: Mein Wille geschehe. Aber er geschah nicht. Es kam irgendwie alles anders. Meine erste Freundin, mit der ich lange zusammen war, machte, als ich 18 geworden bin, Schluss. Und ich hatte doch diese schönen Pläne, alles schon irgendwie so, dass es perfekt läuft in meinem Leben.
Meine Bewerbungen im Polizeidienst wurden in jedem norddeutschen Bundesland, und ich ging dann immer weiter, überall abgelehnt. Ich wollte nach dem Abi, so wie alle damals, wurde es so langsam in, da wollte ich ins Ausland gehen. Wurde von allen Organisationen abgelehnt. Keine Ahnung, wusste ja auch nicht genau warum.
Und meine Gemeinde war sehr, sehr schwierig, wurde immer kleiner. Wir waren die einzige Familie, die dort war. Ich hatte keine Jugend, keinen Teamkreis, teilweise keine Kinderstunde gehabt. Ich hatte keine Freundin. Gemeinde war für mich irgendwie Vollkatastrophe. Die Predigten, die flogen so über mich weg, hatten überhaupt nichts mit meinem Leben zu tun. Und was war jetzt mit diesem perfekten Mein Reich komme? Irgendwie zerplatzten meine Träume, als ich so ungefähr in eurem Alter war. Mit 18, 19 war das alles auf einmal nicht so, wie ich es mir gewünscht habe.
Und in dieser Zeit ist mir etwas ganz, ganz Wichtiges geworden, und das möchte ich euch heute mitgeben. Das ist wirklich das, was mein Leben verändert hat, was für mich wie ein Neuanfang geworden ist. Nämlich, dass ich Gottes Reich an erste Stelle setze. Und ich musste das lernen, das war ein Prozess, und ich möchte euch sehr gerne mit hineinnehmen.
Ja, und wir lesen, wir haben eben bei der Textlesung etwas ausgelassen, und das ist dieses ganz klassische Vaterunser. Und damit werden wir uns heute ein bisschen beschäftigen. Vielleicht ist das für dich so ein No-Brainer. Da denkst du: Ja, das kenne ich doch, das hast du geübt im Religionsunterricht oder so.
Aber in meinem Leben hat dieses Gebet überhaupt keine Rolle gespielt. Als Brüdergemeindler hat man eh das nicht so gut gefunden, dass solche Gebete so runtergeredet wurden in der Kirche, ja, also hat man es irgendwie gefühlt auch nicht so wirklich gebetet. War auch immer ein bisschen peinlich, weil die Leute im Konfirmationsunterricht, die konnten das Vaterunser besser als ich, wobei ich ja dachte immer als Brüdergemeindler, ich kenne die Bibel so gut und so weiter, ne? Aber egal, das Vaterunser hatte nicht so die Rolle bei mir.
Ein paar wenige Verse lesen, es ist ja eigentlich so simpel, aber es steckt so, so eine Veränderungskraft in diesem Gebet. Jesus sagt seinen Jüngern auf die Frage, wie sie beten sollen, Folgendes: Ihr sollt so beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe. So sagt Jesus, sollten unsere Gebete beginnen.
Ich habe das gar nie gebetet. Und das bedeutet, dass nicht mein Wille kommen soll als Erstes, dass nicht mein Reich sich aufbauen soll in dieser Welt, sondern Gottes Reich. Und dass nicht ich im Mittelpunkt stehen soll, sondern Gottes Name geehrt, geheiligt werden soll.
Okay, schauen wir mal an, warum Jesus das hier sagt. Wir wollen jetzt richtig einsteigen in den Text. Also schlag gerne Matthäus 6 auf, wenn du eine Bibel hast, oder schlag das Booklet jetzt auf, denn wir müssen ein bisschen in den Kontext schauen, um uns ein bisschen die Spannung anzuschauen, warum Jesus hier überhaupt dieses Gebet empfiehlt. Es lohnt sich total, ich habe da coole Entdeckungen gemacht, und ich will euch mit hineinnehmen.
Denn Jesus erzählt von zwei Gruppen, die so eine fehlgeleitete Spiritualität haben, also so eine fehlgeleitete Motivation beim Beten. Und er stellt diese beiden Gruppen erstmal vor in den ersten Versen, wir haben das gelesen, ab Vers 5. Und dann erst kommt das Vaterunser. Und wir werden dieses ganze Kapitel 6 heute, ich hoffe, dass das passiert, ein bisschen besser verstehen können, wenn wir uns genauer im Wort Gottes anschauen, was Jesus hier konfrontiert.
Zwei falsche Arten zu beten
Als Erstes schauen wir uns die erste Gruppe an: die Scheinheiligen, die Heuchler, in manchen Übersetzungen. In Vers 5. Ich lese es noch einmal vor:
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen oder an den Ecken der Straßen zu stehen und zu beten, damit sie von Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sagt Jesus, sie haben ihren Lohn weg, oder ihr Lohn ist schon dahin.
Was Jesus eigentlich hier sagt, und übrigens auch in den anderen Abschnitten, wo es um andere geistliche Übungen in diesem Text geht – es geht auch ums Fasten, wenn du jetzt im Kontext schaust, und es geht auch ums Spenden – überall sagt Jesus: Sie haben ihren Lohn dahin. Was meint er denn damit?
Na ja, eigentlich ist etwas passiert im Gebetsleben dieser Heuchler, dieser Scheinheiligen. Sie haben gar nicht mehr gebetet, um Gott zu suchen. Sondern sie haben gebetet, um die Anerkennung der Menschen zu suchen. Denn sie hatten es richtig drauf. Das waren diese Pharisäer und Schriftgelehrten, die kannten sich so krass im Alten Testament aus. Die konnten die Mega-Gebete formulieren, verstehst du. Die hatten die richtig frommen Formulierungen drauf. Und die haben gemerkt: Wenn wir das so machen, ganz auffällig, irgendwo an den Ecken stehend, dass das normale Fußvolk denkt: Boah, Mensch, sind die geistlich. Ja.
Und Jesus sagt: Die haben ihren Lohn schon dahin. Die wollen gar nicht Gott suchen, die wollen ihre Anerkennung suchen. Der Götze der Anerkennung. Sie haben ihren Lohn schon dahin.
Und jetzt gucken wir uns die zweite Gruppe an, die ich mal genannt habe: die irgendwie Religiösen. Das ist so ein bisschen versteckt in zwei Versen am Anfang des Textes, ab Vers 7, und dann kommen sie später noch einmal vor. In manchen Übersetzungen werden sie Nationen oder Heiden genannt. Und ich lese noch einmal vor, was deren Problem ist:
Wenn ihr aber betet, so sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, dass sie um ihres vielen Redens willen erhört werden.
So seid nun nicht besorgt, steht denn in Vers 31 am Ende, indem ihr sagt: Was sollen wir essen oder was sollen wir trinken oder was sollen wir anziehen? Denn nach diesem allen trachten die Nationen. Die fokussieren sich darauf, die richten ihren Blick darauf, okay?
Und wenn ich das zusammenfassen will: Jesus macht wieder eine Gruppe auf, ein Exempel, um etwas deutlich zu machen. Und er sagt: Diese Gruppe, diese Religiösen, die irgendwie ganz viele Worte bringen, wo es ganz viel geht um ganz viel Plappern, ganz viele Worte zu sagen, die wollen nichts anderes, als dass letztendlich ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Und sie denken, sie müssen dafür ganz viel leisten. Sie müssen ganz viele Worte sagen, und dann wird sie irgendwie ihr Götze oder ihr Gott oder sowas erhören.
Und letztendlich sind beide Gebetsarten, sowohl von diesen Heuchlern als auch von den irgendwie Religiösen, letztendlich egoistische Motive. Die hier, die Nationen, sie wiederholen ständig ihre Bitten, damit sie unbedingt erhört werden, weil sie sich um ihre Bedürfnisse sorgen.
Und dann können wir das noch einmal zusammenfassen: Was Jesus eigentlich damit sagen will: Beim Beten geht es ihnen vor allem um die Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse. Bei den Heuchlern ging es um ihre Anerkennung, und bei den irgendwie Religiösen geht es um ihre Bedürfnisse. Sie selbst mit ihrem Leben stehen im Fokus ihrer Religiosität, und das ist der Götze des Selbst, den Jesus hier anspricht.
Sie sind alle religiös. Und das Interessante ist: Jesus stellt hier zwei Gruppen gegenüber, die anders nicht sein könnten. Wirklich nicht. Die ganz, ganz, ganz, ganz oberfrommen Juden und dann die irgendwie religiösen Nationen. Und Jesus sagt: Beide liegen falsch oder gehen in den falschen Fokus. Beide wollen letztendlich, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden.
Beim Beten könnte man sagen: Die Scheinheiligen haben gebetet, damit ihr Name geehrt wird. Und die irgendwie Religiösen haben gebetet, damit ihr Wille geschieht. Zusammenfassend bedeutet das eigentlich: Die beten, damit ihr Reich kommt.
Und kennt ihr das nicht auch, kennen wir das nicht auch, wie viel wir beten, damit unser Reich kommt, damit unser Wille geschieht? Ich habe eben gesagt, es spricht nichts dagegen, dass wir alles beten, dass wir unsere Wünsche, dass wir unsere Anliegen zu Gott bringen, keine Frage. Aber Jesus will hier im Gebet einen Fokus schärfen, weil das, wie wir beten, unser Denken verändert.
Und er sagt: Was ist, wenn wir das Ganze umdrehen? Und es geht nicht mehr um unsere Anerkennung im Gebet. Und wie toll alle anderen finden, wenn wir in der Gemeinde so richtig heilig beten. Kennt ihr das, wenn ihr so richtig geile Gebete irgendwie zu formulieren kriegt und alle sagen: Boah, cooles Gebet. Worum geht es uns beim Gebet? Und es fängt eigentlich beim Gebet an, oder? Wie wir ticken, habe ich bei mir selber auf jeden Fall festgestellt.
Und jetzt sagt Jesus Folgendes: Jesu Gegenentwurf ist, lasst uns das umdrehen. Lasst uns ein ganz kurzes Gebet sprechen, das er seinen Jüngern beibringt. Es sind weder super, super fromme Zitate aus dem Alten Testament, noch sind es irrlange Worte. Es sind nur sechs Bitten. Und Jesus sagt: Lasst uns als Erstes mal jemand anderen den Fokus stellen, in den ersten drei Bitten.
Wisst ihr, was ich glaube, was heute unser größter Götze ist? Dass wir ein perfektes Leben haben wollen. Es geht heute so viel um den perfekten Lifestyle, es geht so viel um Selbstoptimierung. Ich weiß nicht, ganz kurz mal handhebend: Wer von euch hat Eltern, die ihre Schritte zählen mit so Smartwatches oder sowas? Oder vielleicht auch selber, ja? Wer achtet darauf, wie viel er am Tag trinkt? Normalerweise, außer auf so einer Konferenz.
Wisst ihr, es geht immer mehr. Es ist ja überhaupt gar nicht schlimm, natürlich können wir sportlich sein, können wir auf unsere Ernährung, unsere Gesundheit achten. Aber es geht immer mehr darum, dass wir unser Leben optimieren. Merkst du das? Es geht immer mehr darum, dass wir das perfekte Leben haben, die perfekte Hochzeit, das tollste Studium, den schönsten Ort, die tolle WG, dass das alles irgendwie läuft in meinem Leben. Und haben wir da eigentlich noch Raum? Haben wir da eigentlich noch Raum in unseren Gedanken für Gottes Reich?
Ich weiß nicht, wir sind so gestresst, oder? Wir haben echt zu viel zu tun, wir müssen alles erledigen. Und als damals mit achtzehn, neunzehn meine Träume platzten, habe ich etwas ganz Wichtiges gelernt. Ich habe eine Entscheidung getroffen und gesagt: Nee, ich will anfangen zu beten, dass Gottes Reich kommt, dass Gottes Wille in meinem Leben an erster Stelle steht.
Und wisst ihr, in Matthäus 6,33 steht seitdem einer meiner wichtigsten Verse in meinem Leben, den ich dann so ein bisschen zu meinem Mottovers gemacht habe: Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes. Schon wieder die Formulierung, wie im Vaterunser, ja? Dein Reich komme. Also hier wieder: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugetan werden.
Es geht im Vers davor, deswegen habe ich ja gesagt: Seid am Start in euren Bibeln. Es geht eben um diese Nationen, die sich um ihre Bedürfnisse sorgen. Und Jesus sagt hier Folgendes: Trachtet zuerst nach Gottes Reich. Heißt das, dass man keine Wünsche mehr haben darf, keine Träume mehr haben darf, dass man sich keinen Partner wünschen darf? Nein, das heißt das nicht. Natürlich darfst du das.
Aber was ist mein erstes Trachten? Was ist das Höchste? Was regiert am meisten mein Herz? Worum drehen sich meine Gedanken am Tag am meisten? Das ist mein Götze. Das heißt nicht, dass ich nicht auch andere Dinge wichtig finde oder mich um sie kümmere oder nicht auch nach ihnen trachten darf, mich danach sehnen darf. Aber wonach sehne ich mich am meisten?
Und ich habe eine Entscheidung getroffen in der Zeit, und ich will euch da ein bisschen mit hineinnehmen. Ich habe dann ein Studium angefangen, wo ich auch nicht genau wusste, ist es das Richtige. Ich bin doch auch in Kiel geblieben, obwohl ich immer weg wollte wegen der Gemeindesituation auch. Ich habe dann in einem Freizeitheim Eulenberg irgendwo in Niedersachsen auf dem Land einen Zivildienst angefangen, weil damals musste man noch irgendwas finden und machen. Und irgendwie wusste ich gar nicht so richtig: Wo geht es hin?
Aber ich habe eine Entscheidung getroffen und gesagt: Okay, Gott, ich habe es verstanden. Jetzt habe ich keine Freundin mehr, jetzt bin ich erst mal alleine in meiner Einzimmerwohnung, fange an zu studieren, und ich will jetzt dein Reich an erste Stelle setzen. Und das hat alles verändert.
Ich habe angefangen, das zu beten, und auf einmal hat Gott an mir arbeiten können. Auf einmal hat er Raum gefunden. Er hat an meinem Charakter gearbeitet. Ich war ein sehr egoistischer, arroganter, überheblicher Mensch. Gott hat angefangen, mir das zu spiegeln, zu zeigen. Er hat angefangen, mich zu gebrauchen mit den Gaben, die ich hatte. Auf einmal habe ich in der Gemeinde mitgearbeitet, anstatt von ihr zu fliehen. Ich habe in der Jugendarbeit mitgearbeitet. Gott hat die Wege so gelenkt, dass ich in die Freizeitarbeit konnte, durch das Studium, was ich in Kiel angefangen habe, was mir viele Semesterferien ermöglicht hat, in denen ich Freizeiten machen konnte. Deswegen bin ich in der Berufung gelandet, jetzt da, wo ich bin. Versteht ihr alles?
Auf einmal hat Gott mich genommen und gesagt: Jetzt kann ich dich endlich formen. Und weil du jetzt eine Entscheidung getroffen hast. Und erst habe ich gedacht: Boah, ey, was mache ich jetzt, wenn meine Sehnsüchte und Wünsche nicht alle sofort erfüllt werden? Und dann habe ich gemerkt: Das ist krass, Gott kann mich ja erfüllen. Gottes Reich kann wirklich an erster Stelle stehen. Und es hat alles für mich verändert.
Weißt du, was du lernst, wenn du auf Gottes Reich blickst? Du kannst lernen, von dir selber wegzublicken. Normalerweise müssen wir Menschen, sind wir so gepolt, dass sich alles um uns drehen muss. Wir denken, wir müssen uns selber um alles kümmern. Und das wird dir heute auch von solchen Selfmade-Coaches und so gesagt, das ist voll am Kommen bei Social Media. Es wird dir gesagt: Werde die beste Version deiner selbst, du kannst es schaffen, weil es liegt alles in dir drin. Und dann merkst du: Boah, ich muss das alles cool machen, ich muss ein coolerer Typ werden, ich muss irgendwie alles selber hinkriegen.
Aber wenn wir dieses Versprechen ernst nehmen aus Matthäus 6,33, dann können wir von uns lernen, wegzublicken und Vertrauen, dass sich um uns kümmert.
Vertrauen statt Selbstzentrierung
Okay, und genau das werden wir uns jetzt noch einmal bei den Scheinheiligen anschauen, also bei diesen zwei Gruppen. Und wir gehen in eine Tabelle hinein, weil ich euch etwas zeigen will, was die Lösung ist.
Jesus skizziert hier in diesem Text etwas. Er versteckt in diesem Text eine Lösung, die uns hilft, wirklich von uns wegzublicken. Denn ich glaube, aus eigener Kraft können wir gar nicht von uns wegsehen.
Lasst uns das noch einmal einander gegenüberstellen. Was ist hier los?
Das Grundproblem ist: Die Scheinheiligen stellen ihre geistlichen Übungen, also Gebet, Fasten und Spenden, zur Schau, um von Menschen bewundert zu werden. Was ist Jesu Antwort darauf? Die ist ja super spannend. Was sagt er? Er sagt: Mach doch geistliche Übungen im Verborgenen.
Heißt das, ich darf jetzt nicht mehr öffentlich in der Gemeinde beten? Nein, das heißt das nicht. Lasst uns den Kontext anschauen. Es geht hier um einen ganz bestimmten Punkt. Es geht darum, dass Jesus etwas sagen will.
Wenn du aber betest, Matthäus 6,6, dann geh in deine Kammer. Das war der abgeschlossene Raum in einem Haus damals. Wenn du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Warum? Warum soll man das machen? Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
Jesus sagt also: Das ist quasi das Ziel dahinter. Er sagt, sie sollen lernen, dort, wo kein anderer sie für ihre Gebete bewundern kann, dass sie lernen, dass Gott sie sieht. Dass es nur reicht, mit Gott zu reden, weil Gott sie mit ihren Bedürfnissen schon sieht. Weil Gott uns sieht.
Glaubst du, dass Gott dich wirklich sieht? Dass Gott sieht, was deine Träume und Wünsche sind? Oder denkst du, er findet das alles blöd und ihm ist das alles egal?
Da kommen wir gleich noch zum Gottesbild zu, weil das das absolut Entscheidende dabei ist. Aber wir gehen erst einmal auf die zweite Gruppe.
Also, Jesus sagt hier: Wir sollen lernen zu vertrauen, dass Gott unsere Bedürfnisse sieht. Und bei den Zweiten ist es ehrlich gesagt nicht anders. Sie glauben zwar irgendwie an etwas Göttliches, aber machen sich ständig Sorgen um ihr Wohlbefinden, und ihr Wohlbefinden steht im Fokus.
Und was ist Jesu Antwort? Matthäus 6,33: „Kümmere dich als Erstes um Gottes Reich, und dann wird euch alles andere hinzugetan werden.“ Das ist die Lösung.
Und das Coole ist: Auch hier wieder im Text versteckt, in Matthäus 6,8 und Matthäus 6,32, kommen zweimal die gleichen Formulierungen vor. Jesus sagt: Seid ihnen nun nicht gleich, denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. Ihr müsst nicht super viel reden, super viel stille Zeit machen, super lange Gebete halten. Denn euer Vater im Himmel weiß, was ihr benötigt.
Was ist also wieder der Schlüssel auch für die zweite Gruppe? Vertrauen in den Vater. Es ist beides Mal die Lösung. Die Lösung ist, zu vertrauen, dass es einen Vater im Himmel gibt, der uns versorgt.
Erst wenn wir vertrauen, dass es Gott ist, der uns versorgt, dann müssen wir uns selbst nicht ständig um uns drehen. Und das eigentliche Schlüsselwort in diesem Kapitel ist etwas, was uns nie auffällt: Es ist das Wort „Vater“. Und es ist absolut kein No-Brainer, weil das für die Juden nicht normal war, Gott als Vater anzureden.
Such mal den Begriff oder die Anrede „Vater im Himmel“ im Alten Testament. Du wirst fast nichts finden. Und Jesus macht hier Folgendes: Er sagt, ändert mal euer Gottesbild. Betet zum Unser Vater im Himmel!
Wisst ihr, für uns ist das so eine Formel geworden, aber das ist ein absoluter Mindchanger. Denn er sagt: Wenn ihr dieses Gottesbild hättet, dass Gott nicht nur irgendwie ein entfernter Gott ist, der eure Gebete will, der eure frommen Formulierungen will, sondern wenn er euer bester Vater ist, wenn ihr wirklich wissen würdet, dass euer Vater sich um euch sorgt, dann kann diese Bitte „Gib uns unser tägliches Brot“ erst an vierter Stelle kommen.
Weil ihr wisst: Da ist der Vater, der kennt uns schon, der sieht uns im Verborgenen und der weiß schon, was wir brauchen, ehe wir anfangen zu beten.
Und es ist so cool: Wenn wir wirklich glauben, dass wir den besten Vater im Himmel haben, was macht das für einen Unterschied? Stell dir vor, du bist Kind und du kannst dich eh noch nicht um dein ganzes eigenes Zeug kümmern. Wenn du die besten Eltern der Welt hast, bist du frei. Du bist frei, dich nicht ständig um dich drehen zu müssen, weil die immer wissen, was du brauchst.
Du kriegst nicht immer, was du willst, aber du kriegst immer, was du brauchst. Nicht immer zu dem Zeitpunkt, wie du dir das wünschst als Kind, weil Kinder ja immer denken: Das brauche ich jetzt. Aber es ist genau nicht immer das, was sie brauchen. Du kriegst es aber immer dann, wann es für dich gut ist.
Dein Gottesbild, mein Gottesbild, entscheidet über dein Vertrauen in Gott. Und vielleicht bist du so ähnlich aufgewachsen wie ich, mit einem Gottesbild von einem sehr heiligen Gott, von einem Gott, bei dem ich leisten muss, wo ich fromme Gebete formulieren muss, wo man erst einmal lernen muss, wie man betet in der Gemeinde, bevor man sich das überhaupt traut. Oder wo man denkt, es kommt auf meine stille Zeit an. Und wenn ich die nicht regelmäßig mache, wenn ich nicht ganz, ganz viel stille Zeit mache, dann bin ich Gott nicht nah, und dann kann er mich auch nicht beschenken und so. Weißt du, das ist ein Leistungsdenken.
Aber im Evangelium hat Jesus in uns eine neue Stellung. Wir sind jetzt Kinder Gottes. Wir sind Kinder Gottes, und das lässt sich nicht verändern. Weißt du, wenn meine Kinder mal etwas machen, was ich nicht gut finde, ja, dann sind sie doch trotzdem meine Kinder, die ich liebe. Und ich bin wirklich ein viel schlechterer Vater als der Vater im Himmel.
Glaubst du, dass es wirklich auf deine Leistung ankommt? Oder kann es sein, dass es ein ganz kurzes Gebet ist von sechs Bitten, wo du einfach zum Vater kommen kannst? Hast du mal probiert, so zu starten, deine Gebete: „Mein Vater“?
Weißt du, wie wir beten, verändert, wie wir denken. Und deswegen fang an, wenn du dir auch wünschst, Gottes Reich an erste Stelle zu stellen, fang einfach mit diesem Gebet an: Dein Name werde geheiligt, mein Vater, dein Reich komme und dein Wille geschehe.
Es ist total krass, dass die Pharisäer denken, ihre frommen Gebete, das ist es, was es bringt, und die Heiden denken, ihre ganz, ganz vielen Worte und ihre ganz, ganz, ganz vielen geistlichen Übungen sind es, die es bringen. Und Jesus sagt: Ich habe hier ein ganz einfaches Gebet für euch.
Das Gottesbild ist entscheidend. Komm zum Vater. Der Vater sieht doch schon, was du brauchst.
Und ich möchte dir diese Frage stellen, diese entscheidende Frage für heute: Glaubst du an Gott oder glaubst du Gott? Glaubst du nur an Gott, bist du irgendwie christlich, oder vertraust du wirklich dem Gott im Himmel, dass er dich versorgt, dass er das Beste für dich hat? Vertraust du ihm, dass er sich um deine Bedürfnisse kümmert? Denn das ist die Verheißung aus Matthäus 6,33. Wenn wir als Erstes nach seinem Reich trachten, wird er sich um unsere Bedürfnisse kümmern. Das, was wir brauchen, hat er dann im Blick.
Wir Menschen, und davon bin ich überzeugt, wir können erst von uns wegsehen lernen, wenn wir sicher sind, dass jemand anders uns sieht. Wir können lernen, weniger uns um unsere Bedürfnisse zu drehen und diesen Götzen des Egoismus und des Selbsts wegzupacken, wenn wir sicher sind, dass jemand anders sich um unsere Bedürfnisse kümmert. Wenn wir Gott als Vater sehen, können wir von uns wegsehen, weil wir sicher sind, dass unser Vater uns sieht.
Das ist das, was ich heute Morgen mit euch teilen will. Ich möchte es noch einmal zusammenfassen mit dieser Folie: Wenn wir Gott wirklich vertrauen, dass er uns liebt, dass er unsere Bedürfnisse nach Anerkennung und unsere Grundbedürfnisse versorgt, dann machen wir uns keine Sorgen mehr um unsere Zukunft und um uns selbst. Dadurch drehen wir uns weniger um uns selbst. Wir schaffen Raum für Gottes Willen und Gottes Reich. Gott und sein Wille für unser Leben stehen im Fokus unserer Gebete, der Technik kann gerne mal eine Folie weitermachen, und im Fokus unserer Gebete und unserer Zeit und unserer Ressourcen.
Und ich glaube, dann passiert es, dass Gott auf unserem Herzensthron sitzen kann und nicht mehr wir selbst.
Die alles entscheidende Frage ist also: Glaubst du an Gott oder glaubst du Gott? Glaubst du, dass er dich sieht? Glaubst du, dass er dich versorgt, dass er dein perfekter Vater ist, der dich genau so wollte, wie du bist, der dich wunderbar gemacht hat? Oder musst du denken, musst du ständig noch mehr Body-Shaping machen, damit du beliebter wirst? Kannst du dich so annehmen, weil Gott dich so liebt, wie du bist? Glaubst du, dass du perfekt begabt bist? Glaubst du, dass Gott dich wirklich beschenken will? Oder denkst du, du musst erst etwas leisten?
Nein, Jesus hat alles geleistet. Er hat schon alles getan. Wir sind, ohne irgendetwas dazutun zu müssen, in eine Stellung versetzt, die uns zu Kindern Gottes macht.
Ein Zeugnis aus dem eigenen Leben
Und ich möchte dir zum Schluss erzählen, zeugnishaft, nicht weil das immer so läuft, sondern versteht das jetzt als eine kurze Verkürzung und als einen Bogen in meiner ganzen persönlichen Story. Ich möchte erzählen, was dann mit mir passiert ist.
Ich habe wirklich versucht, Gottes Reich an erste Stelle zu stellen. Ich habe mich von ihm gebrauchen lassen und habe zum Beispiel bei Strandmissionsfreizeiten, Strani-Freizeiten, mitgearbeitet. Und ich habe wirklich mal versucht, dass es nicht um meine Träume und meine Wünsche geht, Mädels auschecken, cool ankommen und so, sondern wirklich mal um Gottes Reich und seine Mission.
An einem solchen Vorbereitungstreffen von so einer Schrami-Freizeit war ich der Einzige, der irgendwie da war. Es waren verschiedene Teams da, und ich war der Einzige, der alleine, also als Single sozusagen, das Team geleitet hat. Die anderen waren dann schon verlobt oder verheiratet. Es war mir aber einfach mal egal. Meine Träume waren zurückgestellt.
Und das Krasse an diesem Wochenende war: Danach schickte mich meine Frau an. Und heute darf ich diese perfekte Familie haben. Das ist nur ein Geschenk. Ich habe nicht darum gesorgt, ich habe einfach mal von mir weggeblickt.
Natürlich ist nicht alles perfekt in meinem Leben, und vieles wünschte ich mir auch manchmal anders. Aber es ist so genial, wenn du so lebst, dass Gott sich um dich sorgt. Wir hatten schon häufig finanzielle Probleme, und wir haben häufig erlebt, wie Gott sich um uns sorgt. Aber es fordert immer wieder Vertrauen heraus.
Ich habe nicht alles unter Kontrolle. Es ist mein Vertrauen, dass der große Gott im Himmel mich sieht. Ich muss mich nicht immer um mich selber drehen, und das macht mich frei. Das macht mich frei, ihm zu dienen. Das macht mich frei, ihm zur Verfügung zu stehen. Das macht mich frei, zu sagen: Gott, hier bin ich, du musst dich kümmern. Das macht frei.
Und deswegen lasst mich zum Abschluss beten. Und ich fange an mit: Ihr dürft gerne aufstehen. Mit diesen ersten drei Zeilen, ihr sollt so beten:
Unser Vater im Himmel, danke, dass du dich so um uns sorgst, dass du uns siehst im Verborgenen, dass du unsere Bedürfnisse schon kennst, bevor wir anfangen zu beten. Dein Name werde geheiligt, du sollst im Mittelpunkt stehen von unserem Leben. Ich bete, dass das wirklich ein Gebet wird, was wir heute anfangen können zu beten, jeder Einzelne, dass wir uns das trauen zu formulieren.
Dein Reich komme. Du siehst, wie sehr Deutschland ein Missionsland ist, wie wir Gemeinden brauchen, die aufblühen, neue Gemeinden, wie wir Jugendleiter brauchen, wie wir Mitarbeiter brauchen. Dein Reich komme, Herr, und dein Wille geschehe in unserem Leben.
