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Jesus kommt zu seinen Jüngern auf dem See - Krankenheilungen in Genezareth

Markus 6,45-5617.02.1998
Wenn alles gegen dich steht und du trotzdem nicht vorankommst: Jesus sieht deine Ohnmacht. Die Frage ist nicht, wie stark du bist – sondern ob du ihn in dein Leben lässt.

Der Weg über den See und die erste Deutung des Geschehens

Vers 45 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger dazu, in das Boot zu steigen und vorauszufahren nach Betsaida, bis er das Volk gehen ließe.
Wir waren bei der Speisung der Fünftausend in diesem Gelände südlich bis südöstlich von Betsaida, von der Jordanmündung aus gesehen. Wir sind also, ich muss mal nachsehen, wenn das die Karte ist, am See Genezareth, dort oben in der nordöstlichen Ecke. Und das ist ein kleines Stück nach Norden von Betsaida.
Von Betsaida ist heute nur noch ein Erdhaufen da und einige Säulenreste. Aber man ist noch nie ausgestiegen. Es ist auch eigentlich erschütternd. Vielleicht liegt noch etwas da, aber die Archäologen haben wenig Hoffnung, dass man viel finden kann. So ist alles vergangen.
Als Jesus sie fortgeschickt hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war das Boot mitten auf dem See, und er war allein auf dem Land. Und er sah, dass sie sich abmühten beim Rudern, denn der Wind stand ihnen entgegen. Er kam also von Norden.
Um die vierte Nachtwache kam er zu ihnen und ging auf dem See. Und er wollte an ihnen vorübergehen. Und als sie ihn auf dem See gehen sahen, meinten sie, es wäre ein Gespenst, und schrien. Denn sie sahen ihn alle und erschraken. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin’s, fürchtet euch nicht.
Und Jesus trat zu ihnen ins Boot, und der Wind legte sich. Und sie entsetzten sich über die Maßen, denn sie waren um nichts verständiger geworden angesichts der Brote, sondern ihr Herz war verhärtet.

Ortsangaben, Erinnerung und die Frage nach dem richtigen Einstieg

Und als sie hinübergefahren waren ins Land, kamen sie nach Genezareth. Das ist der Ort auf den alten Karten, oder wenn man es in Israel ansieht, Kineret. Das ist ja Genezareth. Die Namen sind eben bei der Übersetzung verballhornt worden. Die richtigen Namen sind die, die die Israelis heute sagen. Manche müssen so schrecklich lachen, wenn jemand immer Kapernaum sagt, aber das ist natürlich richtig. Und wir sagen es falsch, fast lässt man es weiß. Also Kineret, das ist ein Ort gewesen, nördlich von unserem Geburtsort Ginosar, gar nicht mehr weit weg, vielleicht zwei Kilometer nördlich. Da ist noch der Tell da, die Trümmerstätte von dem alten Ort Kineret, Genezareth.
Und als sie aus dem Boot stiegen, wir haben in unserem Reisebüro, hat der Elmar Hoene so schöne Karten gemacht, die gibt es ganz selten, die alten Häfen am See Genezareth. Da können Sie genau verfolgen, wo diese Bootshäfen waren. Das sieht man heute teilweise noch, könnte man sehen, im Wasser drin noch die alten Reste der Ankeranleger und so weiter, die da waren.
Als sie aus dem Boot stiegen, erkannten ihn die Leute alsbald und liefen im ganzen Land umher und fingen an, die Kranken auf Bahren überall dorthin zu tragen, wo sie hörten, dass er war. Und wo er in Dörfer, Städte und Höfe hineinging, da legten sie die Kranken auf den Markt und baten ihn, dass diese auch nur den Saum seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die ihn berührten, wurden gesund.
Wo fangen wir an? Heute würde ich in meinem Vers 52 anfangen. Es war immer wichtig, wo kriegen wir den richtigen Zugang.

Das Wunder als Zeichen und die Mitte des Evangeliums

Sie waren angesichts der Brote um nichts verständlicher geworden, sondern ihr Herz war verhärtet. Eine erschütternde Beobachtung: Das Wunder, das geschehen war, steht vor uns als ein Rätsel, als ein Geheimnis. Es ist wirklich passiert. Jesus nimmt diese fünf Fladenbrote, diese zwei gepökelten Fischchen, Petersfische oder was es auch war, und hält dieses Bisschen in der Hand und betet darüber. Und es vollzieht sich mehr, so haben wir letztes Mal gesagt, als was einst Elija tat, bei der Witwe zu Zarpat, dass das Mehl, im Kasten heißt es dort, ich weiß nicht, was das neue Wort ist, da in der Küche, da im Behältnis, nicht aufhört und das Öl nicht weniger wird. Es ist mehr als das Manna-Wunder in der Wüste.
Die Leute waren ja begeistert, wie das passiert war, aber es hat keinen Glauben geweckt. Und da stößt uns Markus hin, denn dieser Vers steht, glaube ich, nur im Markusevangelium: Sie waren um nichts verständiger geworden. Das ist eine ganz tiefe, einfühlsame Deutung. Man kann ganz viel mit Jesus erleben und doch nicht begreifen, warum und wie das alles ist. Man kann das äußerlich nehmen, so wie einer, der plötzlich gesund wird, auf wunderbare Weise, und sagt: Jetzt bin ich aber froh, die Spannung ist weg.
Man versteht dieses Speisungswunder ja eigentlich nur, wenn man beachtet, wie Jesus selbst es zum Anlass nahm, die Leute darüber aufzuklären, was dieses Wunder bedeutet. Und deshalb haben wir ja die beste Erklärung des Speisungswunders im Johannesevangelium. Wir haben schon beim letzten Mal aufgeschlagen, wir sollten es aber noch einmal aufschlagen: Johannes 6. Wie froh sind wir, dass wir in den Evangelien eben je nach den Evangelisten auch verschiedene Dinge haben, die sie festgehalten haben. Es ist ja ungemein viel passiert, sie haben ohnehin nur ein ganz kleines Stück ausgewählt, das sie nahmen.
Und da heißt es zum Beispiel in Vers 29 oder in Vers 27: Es geht doch nicht ums äußere Essen. Ihr bleibt immer stehen und sagt: Es ist prima, wie die Leute, jetzt hat Jesus Wunder geschaffen, jetzt brauche ich keinen Bäcker mehr. Oder: Jetzt hat Jesus die Brotfrage gelöst. Ihr merkt gar nicht, dass mein Wunder ein Zeichen war, das durchscheint auf etwas viel Wichtigeres. Und es gibt etwas viel Wichtigeres. Der Mensch lebt nämlich nicht vom Brot allein und so weiter, schafft Speise, die nicht vergeht, sondern die bleibt. Das war Jesus wichtig.
Ihr sucht mich, weil ihr gegessen habt, weil ihr satt geworden seid. Jetzt guckt um einen anderen, und dann geht es weiter, Vers 35: Ich bin das Brot des Lebens. Und wenn ihr von diesem Brot nehmt, ihr müsst mich einnehmen.

Die Jünger, die Menge und die Gefahr der falschen Erwartungen

Und es ist mir jetzt so wichtig. Ich verstehe gar nicht, wie man das in der Bibel übersehen kann, dass das ganze Evangelium uns immer nur das eine sagen will: Es geht in deinem Leben darum, ob du Christus, Jesus, in dein Leben aufnimmst. So wie das Brot in dich aufgeht, muss Christus in dein Leben kommen. Steht doch hier in Vers 35. Und das geht so schön weiter, wo Jesus sagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen, und so weiter. Und Vers 47: Wer den Sohn sieht und an ihn glaubt, der hat das ewige Leben.
Das war Jesus wichtig. Über der Speisung der 5.000 sollten die Leute eigentlich an den Punkt kommen und sagen: Jesus, wir brauchen dich. Wir wollen gar nichts mehr ohne dich tun. Wir wollen, dass wir Reben an dir als dem Weinstock sind, dass du unser Leben bestimmst, dass du Herr unseres Lebens wirst. Und sie haben es nicht kapiert.
Und dann Vers 47 noch viel schöner. Ich kann ja diese lange Rede, sie ist ja wie viele Verse? Ich meine, sie hat fast über 40, 42 Verse. Die Rede in Kapernaum war die nach dem Wunder. An der Stelle, wo die heutigen Reste der Synagoge sind, war eine frühere Synagoge, und da hat Jesus diese Rede gehalten. In der Synagoge kann jeder Jude nach der Textverlesung kommen und reden. Und Jesus redet in der überfüllten Synagoge, wo die Leute begeistert von dem Wunder erzählen, und sagt: Es geht nicht ums Ausreißen. Ihr bleibt immer an dem hängen. Es geht darum, ob ihr in Vers 47 ewiges Leben habt, ob ihr es ergreift. Und das hat der, wer an Jesus glaubt, wer mit Jesus in dieser Vertrauensbeziehung steht und sagt: Bei Mose, die sind doch wieder gestorben.
Es geht darum, ob ihr mit eurem kurzen Leben Ewigkeitsbedeutung erlangt, ob ihr das ergreift und findet. Und wenn es jetzt heißt in Markus 6,52, sie waren um nichts verständlicher geworden, dann mahnt Jesus genau das an. Sie haben nicht begriffen, was dieses Wunder sein soll. Wir hatten euch im Johannesevangelium irgendwann an Weihnachten gesagt: Wer Jesus hat, hat das Leben, 1. Johannes 5. So simpel, wie das Evangelium sagt, man muss ihn haben, kann man das so reden? Ja, genau darum geht es: ihn haben, ihn in sein Leben aufnehmen, mit Jesus in einer ungebrochenen Liebesbeziehung stehen. Und wer ihn hat, der ist gewiss, der ist geborgen, auch wenn sein Leben zerfällt und stirbt.
Es geht um die Mitte. Die Mitte unseres Lebens ist Jesus. Wir dürfen ihn nicht vergessen, und wir dürfen nicht an den äußeren Gaben hängenbleiben, sondern müssen ihn finden. Das war praktisch das Ergebnis dieser Speisung der Fünftausend. Aber es hat bei den Jüngern nichts bewirkt, schon bei ihnen nicht, wie viel weniger dann beim Volk.

Warum Jesus die Jünger wegschickt

Und jetzt gehen wir vorne hin. Warum trieb Jesus die Jünger in das Boot? Jesus hat es enorm eilig, treibt sie schnell, schnell, schnell. Was ist denn passiert?
Gleich nach der Speisung, gerade vorher, waren es 5000 Mann, und alsbald: zack, zack, zack, weg mit euch. Warum?
Wir wissen aus dem Johannesevangelium, dass eine ganz große Woge der Begeisterung die Leute bei der Speisung der 5000 erfasst hat. Und es steht wortwörtlich da, sie wollten ihn zum König machen. Jesus hat Sorge, wenn emotionale Begeisterung überkocht.
Ich bin auch ein sehr emotionaler Mensch, aber wir müssen aufpassen. In Glaubensdingen kann uns die Emotion ganz schwer wohin treiben. Damals war die Begeisterung mit politischen Konsequenzen verbunden. Ich sage immer: Die Politik ist sowieso etwas ... Nicht, dass Sie meinen, ich sei ein unpolitischer Mensch. Gerade weil ich mich sehr für Politik interessiere, muss man aufpassen, dass man beim Evangelium etwas einmischt und auch in Verbindung bringt mit Jesus. Wir haben alle gesellschaftliche Verantwortung, und das ist nie bestritten.
Aber sie wollten Jesus zum König machen, das heißt auch zum politischen Messias. Der wäre sofort in Konflikt mit dem Römerreich geraten. Es hätte natürlich ein furchtbares Blutbad gegeben mit der römischen Armee. Und Jesus wollte das Gottesreich aufbauen.
Die damaligen Herrschenden haben genug Anlass zur Kritik gegeben. Denken Sie an Pilatus oder Herodes und an den Mord an Johannes dem Täufer und so weiter. Jesus hätte viele Themen aufgreifen können. Doch man sieht, wie vorsichtig er damit umging.
Ich habe immer wieder den Eindruck, dass auch eine falsche Politisierung der Gemeinde Jesu immer wieder viel Unheil gebracht hat. Denn man wird nachträglich sagen, man habe auch oft den falschen Blick gehabt. Wir sehen ja auch nicht mehr, als man in der Zeitung lesen kann. Man kann es oft bloß nachplappern. Und was man in 30 Jahren rückblickend sieht, was heute richtig gewesen ist, ist oft auch schwierig.
Und deshalb treibt Jesus seine Jünger fort und sagt: Geht weg. Ob es für Jesus selber eine Versuchung war? Wir wissen es aus der Versuchungsgeschichte, dass der Teufel auch Jesus an dieser Machtfrage versuchen wollte. Für uns Menschen ist die Macht immer eine gefährliche Sache.
Jesus hat schon vorher die Stille gesucht. Und auch wenn solche Dinge passieren, große erhebende Ereignisse, müssen wir aufpassen, dass wir in der Zucht des Heiligen Geistes bleiben. Jesus hat großen Wert darauf, dass man einfach wichtig zuerst festhält.
Und er schickt sie weg. Er schickt sie mit dem Boot nach Bezaida zu fahren. An und für sich eine herrliche Sache im Abendsonnenschein, in der Abenddämmerung, idyllisch.

Die Nacht auf dem Wasser und die Erfahrung der Ohnmacht

Es ist doch schön, wenn man über Segenezeret mit dem Schiffchen fährt. Es ist ja wie dieses Boot, das da in Nowkinosa als einziges auf der Welt ausgegraben wurde, das man im Schlick gefunden hat. Man kann sich die Grösse vorstellen. Man konnte bei 17 Leuten Platz finden. Man konnte auf diesem Boden auch ein Segel setzen. Aber es hat alles in der Nacht nicht funktioniert.
Jesus schickt sie in eine ganz grosse Not hinein. Und das ist ja der nächste Punkt. Das hatten wir schon mal beim Sturm auf dem Meer. Jesus weiss doch, was kommt, aber er lässt seine Jünger nicht aussen herumgehen, sondern er lässt sie schwere Dinge erleben. Und das ist für sie wichtig. Es ist normal im Glauben, dass sie in Finsternis kommen, in Stürme, in Ängste.
Und das Schlimmste war ja: Für diese geübten Leute war das eine Bootsfahrt von, ich schätze, einer Stunde oder so. Wenn es drei Stunden Fussmarsch war, wenn sie richtig gerudert hatten, müsste es eigentlich schneller gehen. Und in der vierten Nachtwache, das ist morgens zwischen drei und sechs, waren sie immer noch auf dem See. Es muss furchtbar geblasen haben, und sie kamen nicht vom Fleck. Du meinst einfach, du stemmst dich mit der ganzen Kraft hinein in deine Ruder, und du kommst nur weiter zurück.
Und das hat mir sehr viel bedeutet, mit dieser Situation, wie diese Männer mit der ganzen Kraft. Sie waren die erfahrenen Experten vom See, und sie hatten die Ruder, und sie hatten die Kraft in ihren Armen drin. Und mit Jesus machen sie das Erlebnis ihrer eigenen Ohnmacht. Und das ist für jeden, der den Weg mit Jesus geht, etwas Bestürzendes. Ich habe gemeint, Jesus macht mich bärenstark, Jesus macht mich zum Siegertyp.
Es ist ja interessant, dass die grössten Werkzeuge Jesu alle zusammengebrochene Leute waren. Unser Ludwig Hofacker ist das markanteste Beispiel, aber man kann viele von denen erzählen. Leute, zerbrochene Leute, die gar nie in Gefahr stehen, dass sie den Ruhm auf ihre Fahnen schreiben, sondern die wissen, dass es von Gott kommt.
Es ist bei uns ja immer die Gefahr, dass wir uns etwas einbilden. Das ist toll, da sind viele Leute heute Abend da, machst du aber prima und so. So kann Gott nicht wirken. Da kann sich der Mensch entfalten, und nichts ist im Evangelium hinderlicher als Menschenruhm. Gott sagt, er teilt seine Ehre nie mit Menschen. Und deshalb: Wer Ehre von den Menschen sucht, für den ist Jesus unbrauchbar für die Ehre, die Gott gibt.
Und Jesus lässt die Jünger in diese Situation hineingehen, wo sie stranden und in ihren Rudern drinhängen und verzagelig müde sind. Die Nacht ist da, die Finsternis um sie her. Es ist nicht direkt ein Sturm, wo sie Angst haben umzugehen, sondern es ist eben dieser Fallwind.

Gottes Nähe im Dunkel und die Botschaft an die Gegenwart

Erinnern sich noch manche daran, wie es war, wenn man am Toten Meer war und abends noch eine Abendandacht halten wollte und noch ein wenig sitzen wollte? Wenn dann diese starken Fallwinde am Toten Meer kamen, in dem Moment, in dem der Blässtein gerade wegbläst, das waren diese heißen Steine, die sich abkühlen, oder dann die große Kälte des Sees wieder im See Genezareth, diese Luftaustauschungen, die in der Nacht entkommen und dann darin hängen und immer weiterkommen. Verzweiflung.
Es ist ja interessant, dass man auf dem Weg mit Jesus überhaupt sehr schnell die Grenzen seiner Kraft erkennt. Ich schaue ja immer wieder, um mich anregen zu lassen, wo haben Leute diese Verse schon einmal ausgelegt. Und ich will dann zuerst ein Hörender sein. Da hat Professor Karlheim, der große Theologe, der ja so anschaulich geredet hat, 1944 eine Predigt über diesen Abschnitt gehalten, nach den drei schweren Juliangriffen auf Stuttgart. Da hat er diesen Text gewählt und sagt: Ich komme gerade vom Friedhof, ich habe zwei Verschüttete beerdigt. Und wo er sagt: Ihr fragt, wie kann Gott es zulassen? Wisst ihr, dass Gott uns erschüttern muss? Uns geht es darum um die Haltung unserer Häuser, und Gott sagt: Was ist dein Leben?
Und Haim sagt: In unserem Volk war es so geworden, dass keiner mehr daran gedacht hat, wo werde ich einmal die Ewigkeit zubringen. Wir sind diesseitsbezogene Menschen geworden. Uns war bloß noch wichtig: Geld und wo wir wohnen. Und Gott hat uns alles so erschüttert. Und heute gibt es nur noch eine Frage: Wohin geht die Reise? Hast du eine ewige Hoffnung, hast du eine Geborgenheit bei Gott?
Das zeigt es wunderbar und sagt: Unter dem schweren Erleben ist doch etwas ganz Wunderbares, dass Jesus diese Leute sucht, seine Jünger, und mit ihnen reden will, auf sie zugeht. Und so sagt er: So ist es jetzt auch bei uns in diesem zerstörten Stuttgart. Es sind Tage, in denen uns Jesus ganz groß werden kann.
Also war mir das ungemein eindrücklich, und ich wollte es jetzt auch wieder auf ihre Situation umdeuten. Es gibt für uns unbegreiflich schwere Wege, die uns Gott führt. Aber es ist nicht Gott, der uns das Schwere geben will, sondern der uns in dieser Not ganz neu begegnen will.
Da ist einfach das Wissen: Unser Leben bleibt bedroht. Das ist etwas, was wir heute als Menschen am Ende dieses Jahrtausends irgendwo nicht mehr verstehen wollen. Unser Leben ist sehr bedroht. Wir haben so viele Möglichkeiten, das immer wieder wegzuschieben. Sicher sagen wir: Ja, ich kann morgen sterben oder so. Aber wirklich bewusst ist es uns nicht, so wie es dem bewusst ist, der schwerkrank jetzt im Bett liegt und weiß: Vor mir gibt es keine andere Hoffnung mehr.
Aber dass wir alle letztlich in der gleichen Lage sind und nicht wissen, was dieses Leben überhaupt ist, die Angst, die uns umgibt, das ist doch deshalb wichtig, weil es eigentlich die Antwort ist auf dieses Speisungswunder, das Jesus macht. Dass er sagt: Leute, ihr braucht jemanden, der euch birgt, wenn ihr sterbt. Ihr braucht jemanden, der euch täglich im Leben umgibt. Ihr braucht einen Heiland, ihr braucht den Sohn Gottes, den Erlöser.
Und es wird an diesen Konflikten erst klar werden. Es wird bei Ihnen klar werden, wenn in Ihrem Leben viel zerbricht, wenn plötzlich Sie vor Nöten stehen, immer weiter. Und gerade in diesen ganz schweren Stunden oder Tagen, die Sie durchleiden, wird Ihnen Jesus ganz groß.

Der Blick auf Jesus statt auf Erfolg, Leistung und äußere Stärke

Mir ist auch, dass Sie in den letzten Wochen so ganz, ganz groß waren. Wieder ganz neu die Bibel gesucht und gelesen und noch einmal zwanzig Kapitel einpassbar wie ein Schwamm Wasser. Wo sind denn die Zusagen Gottes, die mich tragen? Da geht es weiter und so weg. Wohin falle ich eigentlich, was kommt dann bei meinem Leben?
Nur, dass wir einfach das wissen und sagen: Wer an ihn glaubt, der hat das Leben. Das Evangelium kann uns nur das eine sagen. Ein Hinweis auf Jesus, das ganze Markus-Evangelium ist ein christusbezogener Hinweis. In der Welt habt ihr Angst, aber seid mutig und seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Es geht um die Frage: Was ist in deinem Leben, wenn du nicht mehr weiter siehst? Und ich habe heute die große Frage, ob so viele auch der Menschen, mit denen sie zusammenkommen, das sind so erfolgsorientierte Leute, das sind so Siegertypen. Und wir Christen machen heute den großen Fehler, dass wir meinen, jetzt brauchen wir auch Siegertypen. Haben wir noch eine Goldmedaillengewinnerin, die vielleicht jetzt auch noch gebraucht wird, um dem modernen Menschen zu sagen: Wir haben auch noch jemanden, der Sieger ist.
Ich glaube, es ist sicher eine ganz einfache Sache, dass wir sagen sollen, wie das Evangelium sagt: Jesus ist für Schwache auch da. Und ich habe den Eindruck, dass hinter den vielen Siegesgestalten unserer Tage ganz verzweifelte Leute sind. Was da passiert an Menschen, die nicht mehr weiterwissen, gerade auch bei Erfolgreichsten, was ist das für die Koryphäen im Fernsehen und den großen Sprechern und bei den Politikern, wo im Grund das ganze private Leben zerbrochen ist, keine Hoffnung mehr da ist, kein Leben mehr da ist. Und dass man ihnen sagen müsste: Jesus kann dein Leben erneuern, er begegnet dir. Und das ist eine Erfahrung, die alle gemacht haben.
Das Matthäusevangelium bringt ja an dieser Stelle den sinkenden Petrus, der dann aus dem Boot zu Jesus rüberlaufen will. Markus hat es übersprungen, um es zu kürzen, zu straffen. Eine ganz eindrückliche Geschichte, dass dieser Petrus den Mut hat und sagt: Jesus, wenn du mich rufst, ich kann jetzt sogar über dieses unheimliche Wasser gehen. Das Wasser ist ja irgendwo ein Todeselement. Und dann wagt er das, und dann geht er aus den schützenden Planken raus und tritt auf das Wasser, um es geht, bis zu dem Moment, wo er auch wieder mit der Angst auf die Seite blickt. Und dann bricht er ein. Und dann hält ihn Jesus.
Das ist ein so tolles Evangelium, dass gerade nicht die Sieger die Überwinder sind, sondern die, die unverdient und durch lauter Gnade von Jesus gehalten sind. Aber jetzt bleiben wir mal da noch zuerst dran.

Das Wort Jesu, das trägt, und die Bedeutung des verhärteten Herzens

Jesus sieht, wie sie sich abmühen, steht da in Vers 48. Sie sehen Jesus noch gar nicht. Ihm ist nichts verborgen. Und diese Geschichte ist ja nur eine kurze Perspektive von unserer Seite her. Wir haben noch nicht begriffen, wie es von der Seite Jesu aus wirklich aussieht.
Es ist ja in unserem Leben auch so, dass wir meinen, wir müssten Jesus erst die ganzen Zusammenhänge erklären, warum wir in solchen Schwierigkeiten sind. Er weiß doch alles. Aber das darf man ihm auch erklären. Und Jesus sieht, wie sie sich abmühen, wie sie nicht vom Fleck kommen. Und er kam zu ihnen zwischen drei und sechs Uhr am Morgen und ging auf dem See und wollte an ihnen vorübergehen. Ich weiß nicht, was das bedeutet, aber sie haben es aufgeschrieben: warum wollte er an ihnen vorübergehen? Warum sahen sie ihn dann?
In der Bibel gibt es vieles, was wir nicht verstehen. Aber offenbar war es so. Und als sie ihn sahen, auf dem See gehen, meinten sie, es wäre ein Gespenst. Der große, originelle Prediger Charles Haddon Spurgeon, der extra das Tabernakel bauen ließ am Elephant and Castle Platz in London, wo heute noch ein kleiner Bruchteil steht, aber es ist immer noch eine Riesenkirche, der hat eine ganze Predigt darüber gehalten, dass viele Leute in Jesus immer nur ein Gespenst sehen und nie mehr.
Sie sehen entweder Gespenster in Jesus, oder er ist für sie nur ein Gedankenbild und etwas Verrücktes. Tatsächlich ist das ja überhaupt merkwürdig, wie oft das im Neuen Testament vorkommt, dass Menschen Jesus eigentlich erkennen müssten, aber offenbar haben wir so wenig Offenheit oder Realitätssinn, dass wir Jesus oft gar nicht merken.
Nach der Auferstehung war es genauso. Maria meint, er sei der Gärtner. Sie muss doch Jesus kennen. Und die Emmausjünger, die unterhalten sich mit ihm, merken es gar nicht, dass er es ist. Die Leitung war blockiert. Es war der auferstandene Jesus, man muss ihn doch erkennen. Und der Schrecken, der da ist, kommt daher, dass es irgendeine unerwartete Sache war, weil es nicht in ihr Gedankenbild hineingeht. Jesus ist viel größer, als wir ihn verstehen.
Er kommt zu uns auf eine ganz merkwürdig wunderbare Weise. Manchmal passiert es ja so, dass man ganz bewegt ist, weil man plötzlich merkt: Da war Jesus ganz nah dran, und ich habe es gar nicht gemerkt. Vielleicht erst im Rückblick, wie Jesus Dinge löst, die mir unklar waren.
Und sie rufen verzweifelt, und sie sahen ihn alle und erschraken. Nachher heißt es: Und sie entsetzten sich über die Maßen. Warum sie sich da entsetzen, als der Wind aufhört? Weil selbst wir gläubigen Menschen das in seinem ganzen tröstlichen Geschehen nicht fassen können, wenn Jesus wirklich hilft, dass er wirklich der Herr ist. Das heißt: Wenn wir einmal durch den Tod hindurchgehen in die Herrlichkeit, werden wir sein wie die Träumenden. Wir können es dann gar nicht fassen. Dann müssen wir sagen: Ist es wirklich wahr? So groß ist es, man kann es mit seinen Gedanken gar nicht verstehen.
Und sie erkennen Jesus erst an seinem Reden. Das war eigentlich ein Wort, das wäre auch so eine schöne Sache, die sie an der Spiegel sich heften könnte: Seid getrost, ich bin's, fürchtet euch nicht. Jesus redet gar nicht mehr, er sagt nur: Ich bin doch hier.
Und dieses „Seid getrost“, „Seid mutig“, heißt es einmal. Nicht getröstet, nicht so, sondern habt Zuversicht, Kopf hoch! Glaubende können ohne Sorgen auch in der Finsternis ihren Kopf erheben, können vorwärts marschieren. Und der Glaube muss immer zu diesem Mutigen vorwärts gehen, wie der kommt. Auch in dem Wort Johannes 16,33: In der Welt habt ihr Angst, aber seid mutig, sage ich immer, ganz statt getrost. Das Getröstete ist so ein bisschen: Ach ja, sitzt man auf dem Sessel und träumt vor sich hin. Nein, jetzt macht doch mal was. Und erschrick nicht davor.
Der herrliche Bibelwort immer wieder, gerade auch in den Propheten des Alten Testaments, vorwärts, weil Christus sagt: Ich bin's, ich bin doch da. Fürchte dich nicht. Du brauchst gar nicht verstehen, wie und was. Ich bin's, auch in dem schweren Geschehen. Ich bin doch hier. Ein großer Trost.
Ja, wir werden auch durch den Tod gehen, und wir werden auch durch Krankheitsnot gehen. Aber Jesus wird da sein.

Gebet, Vergebung und die tägliche Abhängigkeit von Christus

Und da machen wir einander nur aufmerksam. Das ist der Dienst, den wir tun, bei Besuchen und so. Wir sagen: Jetzt reden wir mit Jesus noch miteinander, wir beten. Und du darfst wissen, dass er da ist. Dass man einem ein Wort geben kann, das gilt dir, das sagt dir Jesus, und du darfst fröhlich sein.
Interessant ist, dass Jesus nicht sagt: Reiß dich zusammen, was hast du für Nerven, Mensch, sei doch keine Flasche. So würde man den einen zurechtweisen. Gar nichts an Appell. Nicht etwas, was ich mir herausquetschen muss. Glaube ist ein Empfangen der göttlichen Gnade, das Wissen: Er beschenkt mich.
Und deshalb ist mir so wichtig, von dem Bilde der Siegertypen wegzukommen. Wir sind ein Leben lang Leute, die täglich über ihren Versäumnissen die Vergebung Jesu brauchen, die im Blick auf den morgigen Tag den Zuspruch Jesu brauchen. Und es gibt vieles in meinem Leben, das würde ich nie wagen ohne den Zuspruch Jesu.
Es war interessant: Mir wird das Predigen immer schwerer oder was, auch sonntags oder so. Kann man es noch einmal überhaupt klar machen und deutlich machen? Man weiß nicht. Man wagt es, weil Jesus selber etwas verheißt. Und sie werden es auch in vielen anderen ihrer Berufsdinge erleben können, dass sie sagen: Ich rechne auf den Herrn.
Es waren so wunderbare Losungen auch in den letzten Wochen. Mir hat es ein schwer herzkranker Mensch gesagt, was ihm das bedeutet. Es war auch herrlich, wenn man sich auch grüßt mit solchen Bibelworten und sagt: Nimm es doch in deinen Tag hinein. Und wisse es: Einer der schönsten Psalmen, Psalm 27, der David auf der Flucht. Wie fängt er an? Mein Licht, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte ich mir grauen? Und da sagt David: Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchte ich mich nicht.
Und wie er da aufschaut auf den Herrn, da sieht man direkt: Das ist ein bedrängter, angefochtener, schwacher Mann. Und da brauchen wir uns gar nie zu schämen. Das ist typisch. Die Jünger können nicht angeben. Wer hat denn das immer erfunden, dass wir der Welt etwas vormachen sollten? Es wäre schön, wenn sie es könnten, aber die Jünger konnten der Welt nicht vormachen, wenn das die ersten Ruderer vom See Genezareth gewesen wären, dann hätten sie gesagt: Dann kommen Leute zum Glauben. Das ist doch Quatsch, wenn sie die anderen überzeugen durch ihre Körperleistung. Das ist doch Unsinn. Sondern sie haben etwas erlebt von der Gnade Jesu.
Und deshalb hat es auf viele Menschen immer am schönsten gewirkt, wenn sie etwas von dieser überwältigenden Gnade Jesu erfahren haben, dass plötzlich ein ganz gestrandeter Mensch durch Jesus neu wurde. Das gibt es doch nicht. Und wir wollen oft heute sicher auch im evangelistischen Bemühen irgendetwas darstellen, was ich gar nicht darstellen kann. Deshalb erzählen Sie aus Ihrem Leben, wie Sie unverdient das neue Leben mit Jesus empfangen haben. Das war für mich: Ich habe es nicht mehr mit meinen Kräften können. Und dass wir sagen: Ich kann heute ohne die Gnade Jesu keinen Tag bewältigen.
Das wird im Alter immer schlimmer. Oder im Leben, je länger man mit Jesus geht, dass man immer mehr ihn braucht. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Das ist Christenzeugnis. Ich habe so viele Torheiten in meinem Leben, aber ich lebe von dieser Gnade. Das ist das Evangelium.
Fassungslosigkeit haben die Jünger, weil ihnen das immer wieder groß war, wie Jesus zu ihnen kommt. Und das ist auch bei den Begegnungen mit dem Auferstandenen so gewesen. Und das zieht sich dann in der Apostelgeschichte genauso durch. Oder schon vorher: Meister, wir haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Dann bei Petrus wieder am See Tiberias nach der Auferstehung. Und dann: Es ist der Herr. Hast du mich lieb? Das ist es. Hast du mich lieb, Jesus? Dann hast du alles.

Gebetsstille, Verstockung und die Sehnsucht nach Jesus

So, noch ein paar kleine Beobachtungen dazu: Wir haben vergessen, in Vers 46 nur darauf hinzuweisen, wie wichtig Jesus die Gebetsstille war. Ich möchte Sie immer bitten: In Ihrem Leben brauchen Sie Gebetsstille jeden Tag. Und auch wenn Sie in Unruhe sind, ist es etwas Wunderbares, sich wieder an die Gebetsstille zu nehmen. Zudem ist es herrlich, dann auch das Wort aus der Stille des Gebets zu lesen.
Warum hat Jesus auch seine Jünger weggeschickt? Gerhard Maier macht in seinem ausgezeichneten Kommentar, diese Auslegungsreihe ist natürlich sehr gut, das ganze Neue Testament, Hensler Verlag, ich glaube, 248 Mark kostet die ganze Serie, so ein Stück Bibelausdruck, wunderbar praktisch. Also, Herr Schöffmann, unendlich viel weist er darauf hin: Jesus wollte nicht der Messias aus der Wüste sein. Es gab viele Messiasse, die aus der Wüste kamen. Übrigens ist das ein ganz klarer Hinweis, dass Jesus gar nie irgendwie das Qumran oder so war, der war ja ein Wüstenmensch. Jesus geht immer wieder zu den Leuten zurück. Er war nur kurz in der Stille gewesen. Jesus hat die Wüste nicht oft benutzt, nur zur persönlichen Stille. Auch hier hat er die Leute gleich wieder zurückgetrieben. Die sollten eigentlich nach Betsaida fahren, sind wegen dem Wind nur bis Kapernaum gekommen. Sie sind nur ganz anders rausgekommen auf dem See, weil das einfach so schwer zum Rudern war. Deshalb geht es dann, dass er in Kinneret rauskommt, in Genezareth unten mit dem Boot.
Und jetzt noch einmal Vers 52: Sie waren um nichts verständlicher geworden angesichts der Brote. Haben wir jetzt kapiert über das Wunder? Es geht gar nicht um die physikalische Frage: Wie konnte Jesus über den See gehen? Ja, also wenn ich annehme, dass Jesus die Welt geschaffen hat, dann sind ja viel mehr Fragen da: Wie soll er das gemacht haben? Er sprach, und es geschah. Das ist ja gar nicht die Frage, wenn er Herr ist, sondern dass er seine Leute nicht allein lässt, dass er dort ist, wo sie Not leiden.
Wir können ihn nicht sehen. Ich habe auch lange Zeit in meinem Leben immer gemeint, es wäre eine Glaubenshilfe, wenn man einmal Jesus sehen könnte. Es muss offenbar ein Glaubenshindernis gewesen sein, Jesus zu sehen. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg, sagt schon Jesaja. Und wie viele Anfechtungen, aber ist das nicht. Da sind wir mal ein Sohn und so weiter.
Das Entscheidende, wo Glaube entsteht, ist das Wort Gottes, das in die Tiefen des Herzens trifft. Das haben wir am Sonntag gesagt. Und das ist hier. Sie waren um nichts verständlicher geworden, ihr Herz war verhärtet. Was am meisten blockiert beim Glauben, ist unser Herz. Was ist Herz? Das ist nicht das Gefühl, sondern mein Ichzentrum. Wir hatten am Sonntag diese unheilige Allianz zwischen Seele und Geist, die sich wehren gegen das, was das Wort Gottes im Gewissen bei uns aufdeckt. Das wird durch den Geist immer wieder harmlos. Und deshalb kommen viele Leute nie zum Frieden mit Gott, weil sie sich in ihrem Leben betrügen. Sie sagen: Ach, das ist ja nicht so, wie das Wort Gottes sagt, das Wort Gottes muss man anpassen und so. Und er kann es nie, eigentlich den Frieden bringen, haben wir am Sonntag gesagt, wenn ich mich deutlich ausdrücken konnte.
In der Bibel spielt es eine ganz große Rolle mit dem verhärteten Herzen. Beim Pharao zum Beispiel, 2. Mose 4. Da du mir immer philosophierst, ist Gott dann schuld. Nein, nie, sondern Gott lässt Leute auch verstockt sein. Wenn einer Nein sagt, empfindet er auch nichts mehr. Nicht, dass Gott den wegbringt, der hat eben sein Nein gesagt, und da ist eine Wirkung drin.
Oder es heißt so schön dann im fünften Buch Mose: Er hat dich durch die Wüste geführt, dass offenbar wäre, was in deinem Herzen ist. Gott hat dich geführt wie ein Vater seinen Sohn. Er hat dich beschenkt mit einem Ist dein Herz davon überhaupt berührt worden? Er demütigt dich auf dem Weg, um offenbar zu machen, was in deinem Herzen ist. Und in der Tiefe: Was ist jetzt in unserem Herzen drin?
Und das ist wichtig: Der Glaube ist im besten Sinne eine Herzenssache, nicht nur die gefühlige Sache, sondern das ist ein Liebesverhältnis zwischen Jesus und ihnen. Und sie können ihn nur lieben über dem, was er an ihnen an Wohltaten tut. Und wenn man sein Herz zusperrt, kann man nicht intellektuell Christus erfassen. Wenn Sie noch so viele Bücher lesen: Das Herz, das sich öffnet.
Wie mich damals mit dem jungen Mädchen, mit dem ich mich verlobt habe, die war damals gerade 18 Jahre alt, habe ich mir immer so als Jugendliche so eine Freude gehabt, wenn man so die ersten so um sich zu verstehen und zu kennen gesagt hat: Du kennst ja meines Herzens Bodensatz, du kennst das, was da drin ist. Es mag ja sein, der andere denkt: Was bist du heute komisch und wie bist du offen? Du weißt ja, wie es in meinem Herzen ausschaut. Das ist ganz anders. Aber es ist wunderbar, wenn sie wissen: Jesus kennt mein Herz. Ich mache viel falsch und habe viele Fehler, aber er weiß, dass ich ihn lieb habe und dass ich ihn suche und dass ich ein Vertrauen zu ihm habe und ihm gehören will.
Und so ist es ganz furchtbar, wenn man in einer Abwehrhaltung verhärtet. Dann kann man nie zur Freude durchbrechen. Das verhärtete Herz, das bei den Jüngern noch da war. Wie hat Jesus bei den Jüngern geschimpft, wie sagt immer der Osterzofter, wenn Jesus kam und die Jünger: Oh ihr Toren und trägen Herzens, die können nicht glauben und verstehen, was ich euch sage. Die Gemeinde Jesu ist ein ganz müder Haufen, weil sie immer im Herzen noch, na ja, wir wollen mal lieber so für sich sein. Und das Herz muss erwärmt werden, aufgeweicht werden, dass ich ihn lieb habe, ihm vertrauen kann.

Die Sehnsucht der Menschen und die abschließende Zusammenfassung

Jetzt noch die letzten Verse von Kinäre, da sind die Leute wieder in großer Zahl gekommen, großer Zulauf. Ich weiß nicht, ob Sie es kennen. Ich habe es in meinem Zimmer und habe es auch noch in unserem Büro noch einmal aufgehängt: das Hundertguldenblatt. Von Rembrandt wunderschön beschrieben in dieser Schwarz-Weiß-Zeichnung. Auf der einen Seite die Dunklen, wie die aus dem Tor da rauskommen, wie die Schubkarren die Kranken, und wo diese Schriftgelehrten, die eigentlich im Licht sind, dann doch in der Dunkelheit, so mit der abwartenden Haltung gegen Jesus. Es ist ja immer diese Szene: die Sehnsucht nach Jesus, nach dem Licht, das, was im Menschen drinsteckt. Und ich bin überzeugt, das ist heute auch in unserem Land nicht anders.
Ich sage dem Sonntag: Es ist bei uns so ein Rückgang. Wenn wir das begriffen haben, die Menschen haben Heimweh nach Jesus, und wir müssen bloß immer wieder den Menschen Jesus anbieten und ihnen erzählen: Er ist ja wirklich da. Und wenn er zu Menschen kommt, die wollen für uns nichts, dann werden sie bloß enttäuscht. Aber wir müssen ihnen Jesus groß machen, und dann machen sie Erfahrung mit ihm. Und da werden sie erquickt werden und erfreut werden.
Die Krankheit hilft zur Suche nach Gott, nicht immer. Bei vielen hilft die Krankheit auch nur zum Fluchen oder zum Verzweifeln. Die Krankheit ist nicht eine geistliche Sache, aber Jesus benutzt die Krankheit auch hier, und bei vielen Menschen war es zur Klärung. Die Krankheiten sind bei vielen großen Persönlichkeiten auch Wendepunkte gewesen, zu Gott hin. Und auch bei Ihnen vielleicht, hoffe ich, dass es immer wieder Dinge sind, wo sie ganz neu zu Gott hingetrieben werden, wo sie viel tiefer fragen: Was ist mein Leben? Und es kommt zu einer großen, zu einem großen Suchen: Jesus!
So, jetzt haben wir eine Fülle hier besprochen. Ich möchte bloß noch mal dastehen und es zusammenfassen: In der Not, die uns bedrängt, in dem Dunkel unseres Lebens, Jesus weiß es. Er will uns begegnen. Was der Karl Heim so eindrücklich gesagt hat: Das Leid hat in sich keinen Sinn. Ich kann nur wissen, Gott hat eine Absicht und will mir viel mehr schenken, als er mir nimmt. Und ich darf darum bitten, dass er mir die neuen Augen gibt, damit ich ihn überhaupt erkennen kann über seine Taten.
Wir werden Jesus sicher oft gar nicht erkennen können, weil wir es nur mit den äußeren Augen sehen und nicht mit dem, was er uns in diesen Tagen sagen will.