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Wahrheit - alles erlaubt?

Why not?! Glaubensfragen
31.05.2026
SerieTeil 29 / 31Why not?! Glaubensfragen
Warum gilt heute oft: „Wahr ist, was ich fühle“? Der Gedanke klingt frei, macht aber auch blind für Fakten und Moral – und für die Frage, ob es mehr gibt als eigene Meinung.

Ein Blick auf die Gegenwart

Why not Glaubensfragen, der YouTube-Kanal des Why-not-Teams. Knifflige Fragen einfach erklärt, dialogisch und durchdacht.
Irgendwie bin ich froh, dass die Woche jetzt rum ist. Manchmal finde ich’s einfach komisch.
Was findest du komisch?
Die Zeit, in der wir leben.
Du klingst wie meine Mutter.
Dankeschön. Aber warum findest du die Zeit so komisch?
Heute im Philosophiekurs hat Gerald ...
Den kenn ich. Der ist bei mir im Physikleistungskurs.
Ja, genau der. Der hat heute, wie ich fand, einen tollen Überblick über die Geistesgeschichte der letzten zweihundert Jahre gegeben. Am Anfang stand der Glaube an Gott und damit an absolute Wahrheiten. Dann kamen, grob vereinfacht, die Religionskriege, die Aufklärung und die wissenschaftliche Revolution. Die Menschheit ist immer noch auf der Suche nach Wahrheit, aber sie sucht jetzt nicht mehr in der Bibel, sondern im Experiment.
Trifft gut den Punkt. Und man muss sich auch mal vorstellen, was alles im neunzehnten Jahrhundert entdeckt wurde: Dynamo, Elektrizität, Verbrennungsmotoren, die Konservendose, Zement, Gummi, das Stethoskop, Aspirin, Impfstoffe. Eine absolut irre Zeit.
Ich kann schon verstehen, dass der Mensch bei so vielen neuen Entdeckungen natürlich davon ausging, dass man mit etwas Nachdenken in Kürze auf alle Fragen der Menschheit eine sinnvolle Antwort finden kann. Das hat Gerald auch so formuliert.
Endlich ohne Gott in eine atemberaubende Zukunft.
Und dann haben die Gräuel von zwei Weltkriegen mit dieser Utopie aufgeräumt. Und ich frage mich, ob das den Leuten so klar war.
Eher nicht, die hatten ganz andere Nöte.

Vom Vertrauen in den Verstand zum Zweifel an allem

Genau. Aber dann passiert etwas, das ich so komisch finde.
Ich kann ja verstehen, dass man in einer Zeit, in der man jeden Monat von neuen bahnbrechenden Erfindungen hört, plötzlich Flugzeuge, ein Röntgengerät oder elektrisch beleuchtete Strassen hat. Ich kann verstehen, dass man dann anfängt, den menschlichen Verstand zu idealisieren. Aber wenn er sich auch nicht als Heilmittel herausstellt, warum schmeisst man dann gleich alles weg?
Sorry, ich bin gerade abgehängt. Na ja, der Sprung von der Moderne zur Postmoderne, dieses Denken: wahr ist, was ich für wahr halte.
Ah, okay, jetzt verstehe ich, was du meinst. Erst vergöttert man das menschliche Denken, traut ihm alles zu, und plötzlich ist alles irgendwie relativ.
Genau, man stellt einfach alles auf den Kopf.
Ja, das finde ich auch ein wenig komisch. Merle hat mich letztes Weihnachten dazu verdonnert, mit ihr alle Pippi-Langstrumpf-Folgen anzuschauen. So ein Mädchennostalgie-Trip. Und ich weiss noch, dass ich da sass und dachte: Postmoderne funktioniert irgendwie wie Pippi Langstrumpf.
Die singt immer: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Und so kommt mir das heute auch oft vor.

Die Frage nach Wahrheit und Kapitulation

Aber warum? Na, weil die Alternative Gott ist. Hä? Warum? Na, denk doch nach! Wenn es Wahrheiten gibt, über die ich so viel nachdenken kann, wie ich will, und ich dringe doch nicht zum Kern der Sache vor, dann bleibt als Alternative doch nur die Kapitulation.
Kapitulation? Wovor? Na, vor der Realität beziehungsweise, in ethischen Fragen, vor der Offenbarung Gottes.
Du meinst, wenn ich zugebe, dass ich mir selbst nicht alle Fragen beantworten kann, weil mein Denken dazu nicht ausreicht, dann kann ich entweder an der Vernunft zweifeln oder an Gott glauben?
Ja, so in etwa. Wenn ich merke, dass absolute Wahrheit etwas ist, das mich einfach mal überfordert, dann muss ich entweder außerhalb meines Verstandes nach Wahrheiten suchen. Da wären wir dann ganz schnell bei dem Thema Offenbarung und bei der Bibel. Oder ich höre auf, an Wahrheiten zu glauben.
Und genau das passiert gerade.

Autonomie, Toleranz und die eigene Wirklichkeit

Und warum ist so ein Denken so populär? Ich denke, es geht um Autonomie. Jeder will sein eigener Herr und Meister sein. Es geht darum, dass man sich seine eigene Realität schafft. Aber das ist doch super egoistisch.
Wenn das wahr ist, was ich für wahr halte, dann bin ich wahrscheinlich in meiner Wahrnehmung nie der Böse. Dann kann ich leben, so wie ich will. So würde das vielleicht keiner sagen. Aber wenn es um Themen wie Abtreibung geht oder um den Konsum von Drogen, dann habe ich schon den Eindruck, dass die jeweilige Wahrheit keine Rücksicht nimmt auf das ungeborene Baby oder die Arbeitsbedingungen der Kogabauern.
Aber das Denken geht doch nicht auf.
Ja und nein. Nein, es geht nicht auf, wo wir der Realität in Form von greifbaren Wahrheiten begegnen. Die Wahrheit des Busfahrplans ist natürlich nicht verhandelbar. Bei allen nachprüfbaren Fakten gilt das nicht. Und natürlich will auch niemand eine Wahrheit gelten lassen, die es einem anderen erlaubt, zu lügen oder zu betrügen.
Aber wie du schon schön festgestellt hast, bei moralischen Fragen hat jeder gern seine eigene Wahrheit. Weil sich niemand ins Leben reinreden lassen möchte?
Ja, das ist bestimmt ein Grund. Und weil Toleranz für uns ein sehr hoher Wert in der Gesellschaft geworden ist. Toleranz ist ein sehr gutes Stichwort.

Ein kurzer Abschluss

Kannst du kurz mal warten? Ich bin gleich wieder da. Da drüben ist eine Drogerie. Ich muss schnell hinein und mir Shampoo kaufen. Bin gleich wieder da.
Das war es für heute. Bitte unterstütze den Kanal, indem du ihn abonnierst und die Videos deinen Freunden empfiehlst. Bete dafür, dass der Kanal bekannter wird.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

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