Generierte Mitschrift
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Ein biblisches Gleichnis und seine erste Deutung
Ich lese einen Predigtext aus Lukas 16,19-31.
Es war aber ein reicher Mann, erzählt Jesus, der kleidete sich in Purpur und kostbare Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag voll von Geschwüren vor seiner Tür und verlangte danach, seinen Hunger mit dem zu stillen, was von dem Tisch des Reichen fiel. Es kamen sogar noch die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.
Als aber der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der Hölle war, hob er in seiner Qual die Augen auf und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich über mich und sende Lazarus, damit er seine Fingerspitze ins Wasser taucht und mir die Zunge kühlt, denn ich leide Pein in diesen Flammen.
Abraham aber sagte: Denke daran, mein Sohn, dass du dein Teil an Gutem schon in deinem Leben empfangen hast. Im gleichen Maß hat Lazarus nur Böses empfangen. Jetzt wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt. Und darüber hinaus ist zwischen uns und euch eine tiefe Kluft, damit niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann, und auch niemand von dort zu uns herüber.
Da sagte er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters sendest. Denn ich habe noch fünf Brüder, die sollen gewarnt werden, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen.
Abraham sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.
Er aber sagte: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen käme, so würden sie Buße tun.
Er sagte zu ihm: Hören sie nicht auf Mose und die Propheten, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten aufersteht.
Herr, hilf uns, dass wir dein Wort richtig verstehen! Amen!
Ein Blick hinter die glänzende Fassade
Ich muss Ihnen heute zuerst von Katharina der Zweiten erzählen, die ja das großrussische Reich verstärkte und ausbaute. Sie hatte einen Feldherrn, der ihr Vertrauen erwarb, weil er sehr erfolgreich war. Das war jener berühmte, berüchtigte Potemkin, der die Halbinsel Krim dem Russischen Reich zuführte.
Nach Jahren verspürte Katharina die Zweite die Lust, dieses neu eroberte Gebiet auch einmal zu besichtigen. Potemkin führte sie dann durch dieses Land, und fern am Horizont sah man Ortschaften auftauchen, die von blühendem Leben zeugten. Katharina war hingerissen, und sie merkte gar nicht, dass Potemkin sie hinters Licht führte. Das waren potemkinsche Dörfer, Attrappen aus Pappe, Stroh und Holz. Aus der Ferne betrachtet sah das aus, als würde sich dort großes Leben abspielen, als wäre das ganze Land kolonisiert. Und das alles war nur Lug und Trug.
Wir lassen uns leicht hinters Licht führen. Man muss uns ja nur etwas vorzaubern, was ins Auge springt. Und darum bin ich so froh, dass uns Jesus hier ganz nah hinführt und uns etwas zeigt, was uns schon oft beschäftigt hat. Aber nicht nur das: Jesus zeigt es uns ganz nah, gleichsam in der Vergrößerung mit dem Teleobjektiv. Ein reicher Mann, der in Saus und Braus lebt, ein Mann, der seine 18 Pakete günstig angelegt hat, der nichts von Wirtschaftsschwierigkeiten merkt, der immer Erfolg hat und der, wenn schon einmal ein bisschen wackelt, immer wieder auf die Füße fällt. Ein Glückskind dieser Welt.
Und auf der anderen Seite, direkt ganz nah beieinander, wie das in unserer Welt geschieht, zeichnet uns Jesus einen Mann, einen armen Schlucker, der ein Hundeleben führt. Oh, Hundeleben ist falsch gesagt, wahrscheinlich haben Hunde ein besseres Leben als dieser Lazarus.
Und das zeigt uns Jesus ganz genau im Ausschnitt. Und nicht nur das, sondern er führt uns jetzt gleichsam auf die Rückseite und sagt: Macht das mal wie bei den potemkinschen Dörfern und schaut euch das Ganze von hinten an. Von vorne sieht es groß aus, aber wie, wenn ihr das Ganze von der Rückseite aus betrachtet? Was wollen wir jetzt tun in der Form, wie es Jesus uns hier in diesem Gleichnis gezeigt hat?
Die Rückseite, das ist aus der Sicht Gottes gesehen. Aus der Sicht Gottes betrachtet.
Reichtum, Armut und die Frage nach dem wahren Maßstab
Erste Frage: Wie sieht also das irdische Leben von der Rückseite aus gesehen aus?
Damit wir das ganz klar hier sagen: Wir wollen hier jetzt nicht den Reichtum vermischen. Das ist ja so eine Art, die heute immer gut ankommt, wenn man mithetzt und mitmacht in der großen Revolution und als die Armen den anderen das schneiden. Ich darf ja das sagen, ich bin ja nicht so schrecklich begütert, ich bin gut beieinander. Aber man darf ja mal sagen, dass das nicht so ist. Wir wissen, dass Reichtum eine schöne Sache sein kann.
Denken Sie einmal daran: Wenn man heute in der strahlenden Morgensonne auf Teneriffa Wasserski fahren kann oder wenn man eine Villa an der Côte d’Azur hat, ist das doch schön. Wenn man die Tausend-Mark-Scheine wie Kleingeld in der Tasche trägt, könnte es auch der Garten Gottes sein.
Wie ich gestern beim Frühstück die Zeitung zur Hand nahm und dieses Bild sah und las, dass 17 Millionen Kinder pro Jahr unter einem Jahr sterben, und dann das nächste Brot in mich hineinstopfte, da leben wir ja auch in diesem schrecklichen Dilemma. Die Bibel macht uns ja den Reichtum nicht einfach madig. Reichtum kann eine Gabe sein, ein Geschenk.
Und auf der anderen Seite dieser andere, der da liegt: Wie ist das irdische Leben? Ich kann es doch gar nicht anders enden. Reichtum in seiner Freude, das arme Leben in seiner schrecklichen, furchtbaren Lage. Dieser arme Mann, der nicht einmal etwas zu essen hat, der da vorne vor der Türe sitzt, ein schreckliches Schicksal. Da gibt es doch nichts mehr von hinten her zu betrachten. Ein Mann in einer scheußlichen Lage, und die Hunde ...
Die haben ja nicht irgendeinen Akt der Barmherzigkeit an ihm getan. Er wollte sie ja wegscheuchen. Er hat ja gewusst, die übertragen nur schreckliche Krankheiten in meine offenen Wunden, und dann schlecken die noch daran. Die Mediziner jetzt unter uns, die könnten wahrscheinlich besser erklären, was man da alles noch kriegen kann, wenn so ein Hund, der überall rumschnuppert, in diesen Wunden herumleckt. Ein schreckliches Schicksal.
Und Jesus erzählt einfach weiter und sagt: Und dann kam der Tod. Ja, aber auch im Tod, was ist da anders? Da kriegt der eine die große Anzeige in der Zeitung und die gute Beerdigung, und der Pfarrer spricht viel schöner beim reichen Mann. Und wie war das beim armen Mann? Das Sozialamt arrangiert die Beerdigung, und dann wird er hinausgetragen, bekommt ein Grab nur für fünfzehn Jahre. Stimmt ja gar nicht, dass sich etwas ändert.
Und dann kommt der Tod doch als der große Gleichmacher. Er starb, der Arme. Der Reiche starb. Und sie sagen, man nimmt nichts hinüber in den Tod. Das stimmt ja gar nicht. Der Lazarus nimmt etwas hinüber, und der reiche Mann nimmt nichts hinüber. An dieser Stelle müssen wir nachgraben.
Was im Tod wirklich zählt
War Lazarus eigentlich frömmer als der reiche Mann? Könnte ja sein, dass wir sagen, er sei eben besser, gütiger, vornehmer und edler gewesen. Ich meine, ich habe lange darüber nachgedacht: Das dürfen wir dem reichen Mann nicht unterschieben. Das ist ja eine glatte Fälschung, wenn wir so tun, als ob reiche Leute einfach immer hartherzig wären.
Ich kenne hier viele Liebeswerke in dieser Welt, die reiche Leute gegründet haben. Und es gibt sehr wohl reiche Leute, die sehr wohltätig sind und sehr viel Gutes getan haben. Und wenn Sie meinen, das passe nicht auf diesen reichen Mann im Gleichnis, dann wird er mir gerade dadurch ganz groß.
Ich rege mich schon auf, wenn mir einer die Einfahrt zupackt. Aber der reiche Mann ließ sogar den armen Lazarus vor seiner Tür liegen. Das sah doch schlecht aus vor dem großen, schicken Eingangsportal: der Mann mit seinen offenen Wunden. Wenn da die Gäste kamen zur Abendeinladung und dann an diesen Wunden vorbeigelaufen sind, denen verging doch der Appetit. Dass der reiche Mann ihn nicht weggescheucht hat, war doch schon ein wohltätiger Zug. Und dass er ihn versorgt hat mit den Brosamen, die von seinem Tisch fielen, ist doch schon ein nettes Stück. Er hat doch ein Herz gehabt für die Notleidenden.
Bitte, Sie kommen nicht weiter, wenn Sie jetzt den reichen Mann schwarz in schwarz zeichnen. Das stimmt nämlich gar nicht. Man kann angeblich seine guten Werke nicht hinübernehmen, um damit vor Gott klar dazustehen. Und wenn Sie selbst das große Werk tun, kann Ihr Leben vor Gott dadurch nicht ausgelöst werden. Denn nach dem Tod können Sie sich die Gnade Gottes nicht mit guten Werken kaufen. Und Sie können ein vorbildliches Leben der Frömmigkeit führen, das macht Sie vor Gott nicht angenehm. Dann nehmen Sie nichts hinüber, was dort Ihr Leben auslösen könnte.
Aber jetzt fragen Sie richtig: Was hat denn dann eigentlich Lazarus? Was hat er hinübergenommen? Frömmigkeit nicht, gute Werke nicht. Was denn? Die Barmherzigkeit Gottes hat er hinübergenommen. Etwas anderes nehmen Sie nicht hinüber über die Schwelle des Todes, als dass die Liebe Gottes über diesem armen, geschundenen, leidenden Mann aufgeht. Offenbar hatte er das schon in seinem Leben irgendwie ergriffen. Offenbar hatte er das schon angenommen. Da war plötzlich die Liebe Gottes für ihn da.
Sein sehr schweres Leben hat ihn nicht vor Gott besser gemacht, sondern offener. Er hat gesucht: Wo ist denn etwas, was mir noch das Leben lebenswert machen könnte? Und vielleicht war dieser reiche Mann viel zu satt und zu sicher. Vielleicht hat er gelacht, wenn einer ihn auf die Barmherzigkeit Gottes ansprach, und gesagt: Was kann ich mir denn davon kaufen? Gnade, das ist doch ein abgestaubtes Wort. Ich verstehe das gar nicht. Ich bin Realist, ich rechne mit Geld.
Und da draußen vor seiner Tür lag einer, dem waren das keine fernen Worte. Gott liebt dich, Gott sucht dich, Gott hält dich. Und das Erbarmen Gottes trägt uns hindurch über den Tod. Und wenn Sie wissen wollen, was nach dem Tod zählt, dann gibt es etwas, das zählt, etwas, das wir aus dieser Welt hinübernehmen: Gottes gnädige Herablassung neigt sich uns zu, sodass ein Mann ohne Verdienst, ohne würdig zu sein, auch Lazarus völlig unwürdig, angenommen wird, wie der reiche Mann angenommen wird, allein weil Gott unbeschreiblich gütig ist. Und ein anderer hat in seinem Leben, in dem er alles Große suchte, das Größte versäumt.
So stehen Sie im Potemkinschen Dorf: Da wird etwas aufgebaut, was uns in die Augen springt. Und Sie sind doch so erfüllt von Ihrer Karriere, von Ihrem Beruf, von Ihren Sicherheiten, die Sie bauen, von dem, was Sie vorhaben in großen Planungen. Wissen Sie, im Tod ist das alles plötzlich weggewischt. Und das eine ist nur noch wichtig: ob Sie die Güte Gottes wirklich über sich haben.
Sagen Sie nicht, das sei so ungewiss. Sie können das heute gewiss wissen, ob Gott Sie lieb hat. Sie wissen, dass heute Jesus Sie ruft und Ihnen sagt, dass er Ihnen seine ganze Liebe schenken will. Sie wissen, dass er Sie sucht, seit Jahren, dass er hinter Ihnen her ist und Sie sucht, und sagt: Komm doch heim zu mir. Ich will mich mit ewiger Gnade über dich erbarmen. Ich will die Schuld eines Lebens zudecken. Nicht Frömmigkeit ist es, das Erbarmen Gottes ist es allein, was uns vor Gott angenehm machen kann.
Die andere Seite der Ewigkeit
Wenn wir weiter so machen, jetzt, da wir die ganze Geschichte einmal von der Rückseite her sehen, dann müssen wir jetzt nach dem irdischen Leben über das Leben nach dem Tod sprechen.
Sie kennen sicher die schöne Geschichte, wie zwei Mönche sich ebenfalls dafür interessierten, wie es eigentlich nach dem Tode ist, wie das Leben nach dem Tode aussieht. Da weiß man ja nicht so genau. Und die beiden vereinbarten miteinander und sagten: Wer von uns beiden zuerst stirbt, der erscheint dem anderen im Traum und berichtet, wie es drüben ist, damit man informiert ist.
Dann sagten sie also: Wir machen folgende Sprachregelung aus, damit es kein Missverständnis gibt: Talitach. Das waren ja Mönche, die sprachen also Lateinisch. Das heißt: so ist es, wie wir uns das ausgedacht haben. Und Alitach heißt: anders.
Der eine starb, der andere war gespannt, bis ihm träumte. Und ihm träumte, und der Kollege erschien ihm im Traum. Dann fragte er ihn brennend: Wie war es denn drüben? Da sagte er nur: Totaliter, aliter, völlig anders, vollständig anders.
Wer von uns will denn über das Leben nach dem Tode überhaupt etwas aussagen können? Und wir Christen wissen ja herzlich wenig über die Ewigkeit. Es ist ein bisschen hochgestapelt, wenn manche uns das so im Detail ausmalen, wie es da aussieht. Aber Jesus hat uns doch ein paar ganz wichtige Andeutungen gegeben. Es sind ganz kleine Anmerkungen, aber ich nehme sie sehr ernst. Und die paar Anmerkungen Jesu genügen mir, um das Wichtigste über das Leben nach dem Tode zu wissen.
Was sagt Jesus über das Leben nach dem Tode? So viel wissen wir: Es gibt zwei verschiedene Bereiche, es gibt einen Himmel und eine Hölle. Und wenn wir näher hinschauen, was Jesus über diese Hölle sagt, dann spricht er von einer unbeschreiblichen Qual, die sich in unseren Begriffen nicht wiedergeben lässt. Sogar das Berühren der Zunge mit einem feuchten Finger bedeutet dann Linderung. Das muss furchtbar sein. Wir ahnen etwas von seelischen Depressionen, von Krankheiten, von Nöten, von Lasten, die auf uns liegen, von Schmerzen.
Dass es diesen Ort der Qual gibt, das hat Jesus immer wieder gesagt. Und Sie verstehen seine ernsten Worte nur von daher. Darum ist Jesus gekommen und sprach von der Rettung. Wir erzählen Ihnen doch keine Märchen. Sie können die Bibel zerreißen, Sie können das Christentum beiseitelegen, aber Sie können nicht sagen, Sie seien ein Christ, und dieses Wort Jesu wegwerfen.
Das Furchtbare an dieser Qual ist, dass das eintritt, was in dieser Welt gar nie eintreten kann: dass es nämlich keine Barmherzigkeit und keine Liebe mehr gibt. In unserer Welt wird man immer noch einen finden, der barmherzig ist. Selbst im härtesten Gefängnis ist noch ein wertes Herz. In diesem Ort der Qual nicht mehr, wo Gott uns den Mächten ausliefert, denen wir so oft gehören wollten: den Verderbensmächten, den gottlosen Mächten.
Und dort erinnert sich dieser reiche Mann auf einmal daran, dass das, was er im Konfirmandenunterricht gelernt hat, vielleicht doch noch gilt. Und da weißt du, da haben die mal von Abraham etwas erzählt. Und da spielte er im Judentum eine große Rolle: Vater Abraham, er kann das noch prima. Und er ruft: Vater Abraham, erbarme dich doch mein. Und er ist ein Narr, weil er nicht genau hingehört hat auf die Nuance, um die es jetzt geht, als ob der Vater Abraham ihn retten könnte.
Was war denn der Vater Abraham? War das ein Gott, war das ein Engel, was war er denn? Das war doch auch nur ein armer Lazarus, der durch Gottes Güte und Erbarmen gerettet wurde. Hat er denn das nie begriffen? Die ganzen großen Männer der Bibel, was waren sie denn? Arme Leute, die die Herablassung Gottes in ihrem Leben gefunden haben und sich darauf gegründet haben.
Und das hilft doch nichts, da seine Konfessionen abzulegen: Ich bin protestantisch, oder ich bin doch christlich, oder ich habe doch immer meine Pflichten erfüllt, oder ich ging doch zur Kirche, oder ich habe doch immer versucht, das Richtige zu machen. Liebe Brüder und Schwestern, das hilft uns nicht, nach dem, was Jesus uns hier sagt.
Es ist vom Ort der Qual gesprochen, und es gibt nur einen Namen, der uns vor diesem Ort der Qual bewahren kann: Jesus, der für meine Sünden stirbt, an den ich glaube und der der Herr meines Lebens ist. Ich will Sie bitten, dass Sie in Ihrem Leben Ihren Glauben auf ihn gründen und auf nichts anderes, sonst bauen Sie potemkinsche Dörfer.
Hoffnung, Gericht und die letzte Entscheidung
Und wir wissen noch ein bisschen mehr von der Ewigkeit: dass die, die glauben und die Gnade Gottes erfahren haben, nicht nur in Abrahams Schoss sitzen, sondern dass kein Leid und kein Geschrei mehr sein wird. Und dass alles Kämpfen ein Ende hat, auch alles Ringen mit der Sünde und mit dem Bösen. Dass wir einen neuen Himmel und eine neue Erde erleben, wo Gott es sich nicht nehmen lässt, dass er vor uns hinstellt und uns die Tränen aus den Augen wischt.
So hat es Johannes in seiner Offenbarung noch einmal zeigen dürfen, von hinten her, von der Rückseite aus betrachtet. Und dann sagen Sie jetzt bitte nicht mehr: Wir wissen ja nicht so genau, worauf es im Leben ankommt.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie ein reiches Leben führen können und dass Sie steinreich werden. Es gab auch Reiche, die Gott gedient haben. Es gab sogar Könige, die Gottes Zeugen waren. Es gab sogar Jünger Jesu, die reich waren. Ich wünsche Ihnen viel Reichtum und dass Sie den Reichtum sinnvoll anwenden können.
Aber wenn Gott Ihnen das versagt und wenn Gott Sie auf schwierige Wege führt und wenn er Sie demütigt, dann können Sie im Glauben hinter die Kulissen schauen und sagen: Wenn ich nur seine gnädige Hand heute fassen darf, wenn ich nur weiß, dass er bei mir ist, wenn ich nur seine Liebe habe, wenn die mich nur durchgeleitet bis zum ewigen Leben.
Noch etwas habe ich ganz da vergessen bei dem, was wir da sehen von dem Leben nach dem Tod: Da ist ein breiter Graben, da kann keiner hinüber und herüber. Gott sei Dank ist ein breiter Graben zwischen Himmel und Hölle. Da können sie nicht mehr herüberspringen, aber da kann auch kein Teufel mehr herüberspringen und keine Dunkelheit und keine Depression mehr und keine Not mehr und kein Schrecken mehr und keine Angst kann mehr herüber, weil endgültig das Böse gebannt ist, weil es Frieden gibt. Auf diese neue Welt Gottes freue ich mich.
Jetzt noch das Letzte: Was soll man tun? Wir sprachen über die Rückseite des irdischen Lebens, über das ewige Leben sprachen wir. Nun, was soll man tun? Ein bisschen steht das jetzt doch immer noch offen vor uns.
Was hat denn eigentlich der Lazarus gemacht, dass er einfach so besser abschnitt als der reiche Mann? Warum hat er die Barmherzigkeit Gottes angenommen? Ich versuchte, Ihnen vorher schon zu zeigen: Es war sicher seine Lebensführung, die ihn offener machte für die Barmherzigkeit Gottes. Aber das kann man ja nicht einfach verallgemeinern. Es gibt viele Menschen, die ein sehr schweres Leben haben und Gott lästern, das Evangelium an ihrem kranken Lager haben und kein Wort mehr hören können und wollen. Es gibt arme Leute, die die ganze Zeit nur von den schönen Villen träumen und von dem Geld, das sie eigentlich haben könnten.
Darum ist es nicht die Armut an sich und nicht die Krankheit an sich, die einen offen macht für die Barmherzigkeit Gottes. Abraham erklärt es diesem reichen Mann und sagt: Eins müsste man tun, und das gilt jetzt euch, aber uns ja genauso: Bibel lesen müsste man, Bibel lesen.
Und da kommt es aus dem reichen Mann so heraus, und so erzählt es Jesus. Ich finde das ganz großartig, dass das vor zweitausend Jahren nicht anders war als bei euch heute, wie die Dinge gleich geblieben sind, dass er sagt: Ja, aber die lesen doch nicht Bibel. Die lesen doch die Welt oder die Stuttgarter Zeitung oder Bild am Sonntag, aber die lesen doch nicht die Bibel. Die haben eine Bibel, sicher bei der Trauung haben sie auch eine mitbekommen, vielleicht haben sie auch schon mal reingesehen bei feierlichen Anlässen. Aber dass sie die Bibel lesen und dann, das ist doch Bibel, das sind doch Legenden, Märchen, Mythen. Das ist doch nicht ein gewisses Wort, auf das man sich verlassen kann.
Wenn einer von den Toten auferstünde? Nein, sagt Abraham, das war ja so. Es ist einer von den Toten auferstanden, und haben sie ihm geglaubt?
Ich denke immer noch gerne zurück an meine Fabrikzeit, wo die Kollegen bei der Arbeit immer so viel beim Daimler dort kamen und sagten, auch mit ihren Dingen: Wenn da einer vom Brachfriedhof da runterkäme, ich komme aus dem Grab. Es ist einer gekommen aus dem Grab. Ich lese mit euch die Berichte, wie Jesus auferstanden ist. Er sagt: Na ja, das war besonders, das zählt nicht.
Ihr lieben Konfirmanten, es wird in eurem Leben nicht mehr geschehen, als was heute geschehen ist: dass Gott euch ruft, dass er euch die Kehrseite einer glitzernden Welt zeigt. Wir haben diese Welt nicht madig gemacht, wir haben die Schönheit und den Reichtum der Welt nicht heruntergesetzt. Aber ich wollte, dass ihr Leute wärt, die tiefer schauen und die wissen: Das alles ist nur äußerlich, und es geht so schnell.
Was zählt dann, wenn ihr mit eurem Leben nur das findet, was ein Lazarus gefunden hat? Vielleicht hat er ein schweres Leben gehabt, ihr braucht das nicht unbedingt zu haben. Es gab auch andere, die ein schönes Leben haben: Mir geht es gut. Aber ich wollte, dass ihr das dann nicht vergesst, worauf es jetzt ankommt, dass ihr über Lazarus sprechen könnt: Ich habe Gnade und Erbarmen Gottes gefunden, ich bin behütet und bewahrt, ich habe in meinem Leben die offene Hand Gottes, und ich weiß, wenn ich sterbe, dann bin ich ganz bei ihm, im Frieden.
Gott gebe es, dass ihr in dieser Konfirmandenzeit zu einem festen, unverrückbaren Glauben findet und dass ihr in eurem Leben ganz gewiss werdet, worauf euer Leben gründet. Amen.

