
Johannesevangelium 1,1-5 Was ist das Johannesevangelium?
Jesus das Wort/Einleitung in das Johannesevangelium
Johannes 1,1-516.09.2019
Serie•Teil 1 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Der Beginn einer langen Reise
Ihr habt alle im Stift? Ihr wisst, wie es geht? Ihr dürft schummeln? Ja, das muss man ja auch mal sagen. Also, schummeln heißt: Wenn einer die Antwort hat und sagt: „Aah“, dann darf er sie weitergeben, okay?
Gut, wir starten heute eine neue Predigtreihe. Was sagtest du? In ein paar Wochen? Also, ich habe mal kurz durchkalkuliert: Es werden etwa 80 Predigten. Das heißt, es sind mindestens drei bis vier Jahre, in denen ich dabei bin. Von daher wird das mit den paar Wochen wahrscheinlich eher nichts. Aber wir starten trotzdem mit der Predigtreihe, weil ich einfach Lust darauf habe.
Predigtreihe Johannesevangelium
Ich habe die vor anderthalb Jahren selbst gehört, von einem anderen Prediger. Einfach mal so vierzig Predigten durch – es war einfach schön. Man gibt sich das so im Auto, und wenn man unterwegs ist, ist das einfach toll. Deswegen dachte ich, das müssen wir auch machen.
Ich habe in den letzten drei, vier Jahren so viele Themenpredigten gemacht, dass ich unbedingt wieder Vers für Vers durch will. Johannes bietet sich an. Also, wenn ihr denkt: Ich konnte nie meine ganzen Kollegen auf Arbeit mitbringen, weil man ja nie weiß, was Jürgen predigt – jetzt weißt du das. Wenn Jürgen dran ist, gibt es das Johannesevangelium. Es gibt den nächsten Teil, es gibt Evangelium, es geht um Jesus, es wird gut. Man muss keine Angst haben, wir reden nicht über diesen göttlichen Holocaust und so. Nein, alles ist gut.
Johannesevangelium. Johannes 1,1-5 heute unser Thema.
Wer Johannes war und warum er anders schreibt
Warum heißt das Johannesevangelium Johannesevangelium? Weil man es dem Apostel Johannes zuschreibt.
Jesus hatte Jünger. Jünger – das ist so ein Fachbegriff – das waren Männer, die ihm auf seinen Reisen folgten und von ihm gelernt haben. Und er selbst war, wenn man Jünger hatte, dann war man selbst ein Rabbi. Und Rabbi bedeutet so viel wie Lehrer. Also: Die Jünger sind die Schüler, und Jesus ist Rabbi, der Lehrer.
Wenn man sich anschaut, wie das mit seinen Jüngern war, wie das mit seinen Schülern war, dann gab es einen großen Kreis von siebzig Leuten, die er einmal ausgesandt hat, einen kleineren Kreis von zwölf Leuten, die er berufen hat, und dann gab es so einen ganz kleinen Kreis von drei Leuten, zu denen auch Johannes gehörte. Die anderen beiden, also das eine ist Johannes, das andere ist sein Bruder Jakobus, und das dritte ist dann Petrus. Die drei waren Jesus somit ganz eng verbunden.
Man merkt das daran, dass sie dann dabei sind, wenn es so eine ganz exklusive Sache gibt. Ein Beispiel ist die Geschichte vom Berg der Verklärung. Jesus geht auf einen Berg und wird verwandelt, sodass man mal kurz einen Blick auf Jesus tun kann, wie er in der Zukunft sein wird. Wen nimmt er mit? Johannes, Jakobus, Petrus.
Oder eine andere Geschichte: die Auferweckung der Tochter des Jairus. Da kommt jemand und sagt: Meine Tochter ist krank, kannst du sie gesund machen? Und während er noch auf dem Weg dahin ist, zu diesem Jairus, kommt die Botschaft: Brauch nicht mehr kommen, die ist tot. Draußen schon die Klageweiber. Jesus kommt da an und sagt: Mal ganz entspannt bleiben, ja, das kriegen wir schon hin. Er nimmt sich wen mit? Johannes, Jakobus, Petrus. Geht da rein, und dann ist alles wieder gut. Die Tochter des Jairus wird aus dem Tod auferweckt.
Dritte Gelegenheit, vielleicht noch dramatischer: Gethsemane, die Nacht, in der Jesus verraten und dann auch gefangen genommen wird. Jesus muss sich darauf einstellen, eine ganz schwierige Situation. Er muss beten, er muss sich darauf vorbereiten. Und wen nimmt er mit? Alle Jünger? Naja, fast. Er geht zu dem Garten Gethsemane, und wenn er dann reingeht, nimmt er gerade noch drei mit: Johannes, Jakobus, Petrus.
Wir merken: Es gibt diese drei engsten Vertrauten, drei Männer, mit denen Jesus ganz eng war. Johannes war von den dreien wahrscheinlich der, der Jesus am nächsten war. Wenn man das Johannesevangelium liest, dann wird Johannes dort komischerweise genannt: „der Jünger, den Jesus liebte“. Fünfmal heißt es: „der Jünger, den Jesus liebte“. Also ich weiß nicht, mit welchem Unterton das gesagt wurde. Ich glaube nicht, dass Johannes sich hingestellt hat: Ha ha ha, ich bin der, den Jesus liebt. Wahrscheinlich eher nicht. Wahrscheinlich eher so ein Mann: Ich kann das bis heute noch nicht so richtig fassen. Aber Jesus hatte mich lieb. Wahnsinn, ja. Von all den Jüngern, da war zwischen uns, da war was Besonderes.
Man merkt das, man merkt diese enge Beziehung. Beispiel: letztes Abendmahl. Alle Jünger sitzen in diesem Obergemach oder liegen besser um den Tisch, essen miteinander, und einer liegt ganz dicht an Jesus dran, an seiner Brust. Und wer ist das? Johannes.
Eine andere Geschichte, wo man merkt, wie eng die beiden waren: Jesus hängt am Kreuz und er merkt, ich muss jetzt noch einen aussuchen, der sich um meine Mutter kümmert. Wer bekommt den Job? Johannes. Also vom Kreuz herab gibt Jesus Johannes die Aufgabe, sich um Maria zu kümmern.
Man merkt: 70, 12, 3, und dann sind irgendwie Johannes und Jesus ganz eng. So ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis. Und ich glaube, dieses Vertrauensverhältnis hat auch damit zu tun, dass die beiden sich besonders verstehen. Wisst ihr, wenn man so einen guten Freund hat oder eine gute Freundin, dann ist das so: Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen fast blind verstehen. Wo man nicht viel sagen muss, wo man nicht erklären muss, sondern wo einer so in meine Seele hineinschaut und dann sagt: Ich weiß, wie es dir geht. Und ich glaube, so war es bei Johannes und Jesus.
Und das ist meines Erachtens auch der Grund dafür, warum Johannes, nachdem Matthäus, Markus und Lukas schon das Evangelium jeweils geschrieben hatten, als Letzter dann auch noch ein Evangelium schreibt.
Das besondere Profil des vierten Evangeliums
Was ist ein Evangelium? Ein Evangelium ist ein Bericht über das Leben Jesu. Das Neue Testament, also der zweite Teil der Bibel, beginnt vorne mit vier solchen Berichten, vier Evangelien.
Matthäus, Markus und Lukas sind die ersten drei. Man nennt sie auch Synoptika. Ja, Synoptiker, das hat etwas mit Schauen zu tun, mit Zusammenschauen. Also: Matthäus, Markus und Lukas schreiben alle einen Bericht über Jesus. Wenn man diese Berichte nebeneinanderlegt, stellt man fest, dass sie sich sehr ähnlich anhören. Jeder, der einmal das Neue Testament gelesen hat, weiß, wovon ich rede. Man liest Matthäus und denkt sich: Jetzt kommt bestimmt bei Markus etwas Neues. Und dann ist man eher enttäuscht. Und wenn man dann Markus durch hat und Lukas kommt, stellt man fest: Es kommt zum dritten Mal. Das ist dann wirklich erstaunlich.
Also: Synoptiker sind Matthäus, Markus und Lukas. Johannes ist kein Synoptiker. Das Johannesevangelium unterscheidet sich grundlegend von den anderen drei. Man hat fast den Eindruck, wenn man das Johannesevangelium liest, dass Johannes alles weglässt, was die anderen drei schon geschrieben haben. Das ist wirklich total auffällig.
Ihr müsst euch vorstellen: Beim letzten Abendmahl, im Obersaal, berichtet Johannes kapitelweise, was geredet wird. Aber das Entscheidende, das wir beim Brot brechenden Abendmahl immer wieder zitieren, die Einsetzungsworte, lässt er weg. Hatten wir ja schon dreimal, diese brauchen wir nicht noch einmal. Alles andere wird bis ins letzte Detail erklärt.
Wir finden bei Johannes kein einziges Gleichnis. Die Evangelien, also die Synoptika, sind voll davon. Dasselbe gilt für Wunder. Wunder sind bei Johannes selten, ich muss euch schon vorwarnen. Es gibt insgesamt gerade mal sieben Stück, sieben Wunder. Da wird Wasser zu Wein, dann wird der Sohn eines königlichen Beamten geheilt, ein Kranker am Teich Bethesda, dann gibt es die Speisung der Fünftausend, ein Blindgeborener wird geheilt, Lazarus wird auferweckt, und die Auferstehung. Ende.
Ich habe mal gezählt: In einem Kapitel bei Matthäus gibt es mehr Wunder als im ganzen Johannesevangelium zusammen. Man merkt förmlich: Johannes ist da, schaut sich die anderen Evangelien an und denkt sich, Wunder brauchen wir nicht mehr, das lassen wir einfach weg.
Warum ist Johannes so anders? Ich glaube, es hat damit zu tun, dass er nach den anderen Evangelien geschrieben hat. Und weil Johannes so eng mit Jesus war, geht es ihm, und das ist jetzt eine Vermutung, aber eine schöne Vermutung, wahrscheinlich so: Er liest diese Evangelien und denkt sich, es ist schon alles wahr, was hier geschrieben ist, auch alles passiert, aber irgendwie fehlt etwas. Da fehlt etwas an Geschichten, aber da fehlt auch etwas an Flair.
Wisst ihr, die anderen Evangelien, die Synoptiker, beschreiben so einen ganz praktischen Jesus. Johannes muss an viele Begebenheiten gedacht haben, in denen Jesus gar nicht so praktisch war, eher, ich sage mal, esoterisch-philosophisch, so wie ein Wesen aus einer anderen Welt, wie einer, der wirklich vom Himmel auf die Erde gekommen ist. Und diese Seite Jesu, so vermute ich, ist eine Seite, die vor allem Johannes verstanden hat, die wahrscheinlich den anderen zeitlebens ein bisschen fremd geblieben ist.
Kennt ihr das, wenn ihr jemandem in der Gemeinde begegnet und sagt: Der bleibt mir immer ein bisschen fremd? So etwas gibt es. Da kommt man irgendwie nicht ran. Und dann gibt es Leute, die versteht man intuitiv. Ich glaube, Johannes hatte so ein intuitives Verständnis im Blick auf Jesus. Und er merkte: Ja, die ersten drei Evangelien sind richtig, und sie sind gut, aber da fehlt eine Seite. Da fehlt etwas.
Und er hat sich hingesetzt und ein Evangelium geschrieben, das ganz bewusst die Seiten betont, die seiner Meinung nach noch fehlten.
Der Anfang mit dem Wort
Man merkt den Unterschied schon in den ersten fünf Versen. Das hast du dir glücklicherweise schon vorgelesen. Ich lese ihn noch einmal:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ich weiß noch, wie ich meinen Johannes-Studienkreis besucht habe. Da war ich noch nicht gläubig, bin auch rausgeflogen, und habe hier gemerkt: Du liest dir das durch, und weißt du, was hier fehlt? Hier fehlt das Wort Jesus. Also mal ganz ehrlich, das soll doch ein Evangelium sein, oder? So eine Art Kurzbiografie über das Leben Jesu. Aber wo taucht denn hier Jesus auf? Stattdessen überall Wort. Am Anfang war das Wort, das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Okay, ich gebe zu: Wenn man ein bisschen weiter liest, machen wir wahrscheinlich das übernächste Mal, dann kommt man in Vers 14 dahin, dass da steht: Und das Wort wurde Fleisch. Ich hoffe, ihr habt den Vers auswendig gelernt, ich muss ihn euch nachher abfragen. Das heißt, man merkt schon, wenn man in Vers 14 angekommen ist, dass das Wort, von dem die ganze Zeit gesprochen wird, Jesus ist. Denn das Wort wird Fleisch, und da wird klar: Es wird Mensch, und es ist niemand anders als Jesus. Gott wird Mensch, Jesus wird geboren, alles klar. Aber erst in Vers 14.
Versteht ihr, so fängt das Johannesevangelium nicht an. Johannes spricht am Anfang nicht von Jesus, beziehungsweise er spricht von ihm, aber er nennt ihn nicht Jesus, sondern er nennt ihn das Wort. Und man kann sich die Frage stellen, wie Johannes dazu kommt, Jesus so zu nennen. Jesus als das Wort, griechisch Logos, ist eigentlich ein geniales Konzept. Also wer ein bisschen länger darüber nachdenkt und sich ein bisschen mehr schon über Gott Gedanken gemacht hat, der würde sagen: Boah, brillant!
Das Problem ist nur: Außer Johannes ist niemand auf den Gedanken gekommen, Jesus so zu nennen. Woher hat also Johannes seine Inspiration? Ich weiß es nicht, aber ich habe eine Idee. Weil das einfach so brillant ist, dachte ich mir: Johannes ist der einzige, der Jesus so nennt. Könnte es sein, dass Johannes vielleicht selber gar nicht auf den Gedanken gekommen ist?
Dazu muss man wissen: Es gibt von Johannes fünf Bücher in der Bibel. Da ist das Johannesevangelium, dann gibt es drei Briefe, 1. Johannes, 2. Johannes, 3. Johannes, und dann ganz am Ende die Offenbarung. Fünf Bücher von Johannes. In diesem letzten Buch, in der Offenbarung, da gibt es Kapitel 19. Wer so ein bisschen Offenbarung kennt: Offenbarung ist dieses Buch, wo so ganz viele Visionen kommen. Johannes sieht da Dinge in Bildern. Und da gibt es eine Vision, die ist ziemlich am Ende, Offenbarung 19, und da lese ich mal drei Verse vor.
Also Johannes, verbannt auf eine Insel in Patmos, also auf Patmos, hat Visionen, und eine ist so: Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt treu und wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit. Also er hat eine Vision, und er sieht einen Reiter auf einem weißen Pferd. Huh! Seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Diademe. Okay, das klingt nach Königen und so. Er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als nur er selbst. Spannend. Natürlich möchtest du sofort wissen: Welcher Name ist denn das? Und er ist bekleidet mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name heißt: Das Wort Gottes.
Das ist ja spannend. Du hast eine Vision, eine Vision von Jesus? Und in der Vision bekommst du den Namen offenbart, den sonst keiner kennt, und du kriegst plötzlich mit: Boah, Wort Gottes. Und ich kann mir vorstellen, du hast diese Idee und du fängst an, darüber nachzudenken, fängst an, darüber nachzudenken, was wäre das für ein cooles Konzept. Und jetzt bist du vielleicht schon älter und schreibst ein Evangelium oder wirst gebeten, das aufzuschreiben, was dir wichtig ist über Jesus, und du willst irgendwie anfangen. Und du erinnerst dich an diese Vision und greifst auf dieses Konzept zurück.
Du greifst deshalb darauf zurück, weil du nicht nur das Menschliche an Jesus betonen willst. Das haben Matthäus, Markus, Lukas zu Genüge getan, sondern weil du auf das Göttliche kommen möchtest. Die Person Jesus von Nazaret ist etwas ganz Besonderes. Auf der einen Seite ganz normaler Mensch, aber wenn man mal so will mit einer Vorgeschichte. Über die Geburt Jesu in Bethlehem, das ist das, was wir an Weihnachten feiern, da heißt es in Micha 5,2:
Und du, Bethlehem-Ephrata, die du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir hervorgehen, der Herrscher über Israel. Das ist der Messias. Und seine Ursprünge sind von der Urzeit her, von den Tagen der Ewigkeit.
Und jetzt denken Leute an Dinosaurier, falsch, noch weiter, von den Tagen der Ewigkeit. Das heißt, da wird einer geboren, und du stellst dir die Frage: Wo kommt der her? Und die Antwort ist: Er kommt aus der Ewigkeit. Also du triffst einen Menschen, der sagt: Ja, ich bin schon irgendwie da in Bethlehem geboren, aber wenn du mich wirklich fragst, wo ich herkomme, dann muss ich sagen: Ich komme aus einer Zeit, wo es noch gar keine Zeit gab.
Das Baby, das in Bethlehem geboren wird, dessen Existenz fängt nicht mit der Zeugung im Mutterleib von Maria durch den Heiligen Geist an. Seine Ursprünge sind von den Tagen der Ewigkeit. Es gibt einen Tag, als der Mensch Jesus von Nazareth entstanden ist. Es ist das Wunder einer befruchteten Eizelle. Aber der Mensch Jesus ist die Verkörperung einer göttlichen Persönlichkeit, die Johannes das Wort nennt und die nach unseren menschlichen Vorstellungen, wir können ja immer alles nur menschlich betrachten, keinen Anfang hat. Gott ist ewig, und das Wort, das ist es auch. Das Wort wird irgendwann Mensch, aber es hat eine Ewigkeit.
Das heißt, Johannes will das unterstreichen: Im Anfang war das Wort. Und das ist ganz wichtig. Im Anfang wurde das Wort nicht. Das steht hier nicht. Im Anfang war das Wort. Was bedeutet das? Das heißt, ich gehe an den Anfang zurück. Ich schaue mir an: Ja, wo fängt Schöpfung an? So, und jetzt bin ich da am Anfang, und wer ist schon da? Das Wort. Das wird nicht gemacht im Anfang, sondern das ist einfach schon da.
Wir schauen uns mal den ersten Vers ganz an: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Herrlich, oder? Das ist so: Ja, vielen herzlichen Dank. Ich weiß noch, wo ich in diesem Bibelstudienkreis drin saß und dachte: Ich bin nicht blöd, ich habe wirklich ein gutes Abi. Aber was soll das? Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott? Hä?
Also auf der einen Seite so simpel, es sind jetzt keine Worte dabei, die ich noch nie in meinem Leben vorher gehört hatte, auf der anderen Seite unglaublich kompliziert. Das Wort, jetzt mal abgezogen davon, dass man da noch nicht weiß, dass es Jesus sein soll oder Jesus vor seiner Geburt, das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Wunderbar, was denn jetzt? Bei Gott oder Gott? Antwort: beides. Einwand: Das geht doch nicht. Antwort: Doch, bei Gott schon. Einwand: Kann ich mir nicht vorstellen. Antwort: Musste auch nicht.
Ja, es ist wirklich so: Die Bibel kennt Gott den Geist, Gott das Wort und Gott den Vater. Die Kirchengeschichte hat versucht, dieses Miteinander oder Nebeneinander oder Ineinander, beschreib es, wie du magst, mit einem Wort zu beschreiben: Dreieinigkeit. Das Wort Dreieinigkeit steht nicht in der Bibel, ganz wichtig. Es ist der mühsame Versuch, etwas zu beschreiben, was wir eigentlich nicht beschreiben können. Wie Gott genau funktioniert, das können wir nicht verstehen. Nochmal: Wie Gott genau funktioniert, können wir nicht verstehen.
Jetzt wirst du sagen: Oh, ist blöd. Nein, ist total super. Warum ist das total super? Aus einem einfachen Grund: Wir verhalten uns zu Gott, und jetzt habe ich mal nur ein Beispiel gebracht, wie eine Playmobilfigur zu einem Menschen. Wenn das so ist, dann muss zwingend unser Denken über Gott genau so an Grenzen stoßen wie das Denken der Playmobilfigur über mich. Ich weiß, Playmobilfiguren können nicht denken, ihr habt trotzdem die Frage drin, wir tun mal so, als wäre es so. Ja, aber wenn eine Playmobilfigur denken könnte, dann könnte sie trotzdem nicht denken wie ich, weil ihr einfach alles fehlt. Aber das ist genau der Sprung, vor dem wir stehen, nur dass wir in dem Fall die Playmobilfigur sind, und Gottes Gott steht so über uns, wie ich über einer Playmobilfigur stehe. Und deswegen mein Tipp: Wenn du einen Gott hast, den du erklären kannst, dann garantiere ich dir, dass es nicht Gott ist.
Also wenn Gott uns begegnet, dann muss er unser Denken sprengen. Frage: Jürgen, hast du keine Angst, dass dich jemand nach Gott fragt und du kannst das mit der Dreieinigkeit nicht erklären? Ja, früher hatte ich die Not. Früher dachte ich, so als junger Christ, ich will alles erklären können. Ich denke, man sollte sich viele Gedanken über den eigenen Glauben machen. Das ist jetzt kein Aufruf zur Denkfaulheit. Christen sollen denken. Aber es ist genauso schlau, wenn wir wissen, wo unser eigenes Denken an seine Grenzen stößt.
Es ist schlau zu sagen, und es ist kein Grund, sich zu schämen, wenn ich sage: Weißt du, ich kann Gott nicht erklären, weil Gott ist Gott. Wenn ich ihn erklären könnte, wäre er ein Hirngespinst, was ich mir ausgedacht habe. Ich merke nur: Da, wo Gott sich zeigt, da ist Gott so anders, wow, keine Ahnung. Ich weiß, er zeigt sich als Gottvater, Gottwort und Gottgeist. Irgendwie sind das drei Personen, und irgendwie ist er einer. Für uns geht das irgendwie nicht, für Gott anscheinend schon. Hm? Irgendwie geht das ja. Das Wort war Gott und das Wort war bei Gott. Ja, was denn jetzt? Du kannst es nicht erklären. Entschuldigung, ich kann es nicht erklären.
An anderer Stelle sagt der Herr Jesus mal: Damit ihr erkennt und versteht, dass der Vater in mir ist und ich in dem Vater. Also bei Wort war Gott und bei Gott, komm mal gerade hoch, da hat man noch so den Eindruck, das sind so zwei, die irgendwie so nebeneinander stehen, bei Gott, das sind irgendwie zwei. Wenn der Vater in mir und ich in dem Vater bin, dann ist das irgendwie wie Kiba, kennt ihr das so, Kirsch-Bananensaft, das ist ein anderes Bild. Jesus versucht irgendwie klarzumachen: Wie ist das Verhältnis der beiden zueinander? Und wir merken, das kriegen wir nicht gegriffen. Ha, wie Kiba, super, jetzt habe ich Gott verstanden. Nein, es ist einfach nur ein anderes Bild, um zu verstehen, wie sich Vater und Sohn durchdringen, wie sie eins und trotzdem zwei sind. Und du sagst: Hä? Nicht schlimm, wirklich nicht schlimm.
Einfach nur verstehen: Wenn das Geschöpf auf den Schöpfer trifft, dann wird der Schöpfer geheimnisvoll bleiben. Er muss es. Und deswegen solche Sätze wie: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Okay, deswegen solche Sätze, damit wir verstehen: Okay, ich kann Gott beschreiben, aber ich kann Gott nicht erklären, und das ist gut so. Wenn du ihn erklären kannst, ist es wahrscheinlich kein Gott, weil alles, was du erklären kannst, passt in deinen kleinen Kopf. Aber Gott passt da nicht rein.
Jetzt gehen wir mal durch die fünf Verse und schauen, was da drinsteht. Also, im Anfang war das Wort. Erster Punkt: Ich sage jetzt bei Wort immer Jesus, weil es für uns leichter ist. Jesus ist ewig. Am Anfang, im Moment der Erschaffung der Welt, ist er schon da. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. Jesus ist bei Gott. Wenn man Gott beschreiben will, dann reicht es nicht, dass wir nur das Wort anschauen. Es gibt mehr als Gott das Wort, nämlich den Teil, den Jesus später selber Vater nennen wird, und dann später noch den Geist.
Aber es gilt auch: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Jesus ist tatsächlich, wenn hier steht: Und das Wort war Gott, Jesus ist Gott. Es ist nicht so, da möchte ich mal kurz auf die Zeugen Jehovas eingehen. Ich weiß nicht, wer sich mit deren Theologie ein bisschen beschäftigt. Die Zeugen Jehovas hatten natürlich mit der Stelle, die glauben nicht daran, dass Jesus Gott ist, ein super Problem. Sie glauben, dass er ein Engel ist. Jetzt kommt so eine Stelle daher: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Was machen die dann? Genau, die bringen ihre eigene Bibelübersetzung raus und übersetzen dann hier an der Stelle: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war ein Gott. So übersetzen die Zeugen Jehovas. Irgendein kleinerer Gott. Das dürfen wir nicht machen. Da muss man dann den Text verändern. Da machen wir nicht mit.
Wir bleiben dabei und sagen: Jesus ist bei Gott, da gibt es noch mehr Gott als Jesus, und wir sagen: Jesus ist Gott. Es wäre falsch zu glauben, es gibt drei Götter, und es wäre falsch zu glauben, dass das Wort nicht Gott ist. Beides müssen wir festhalten. Und wie gesagt, wenn du sagst, es ist mir ein bisschen zu kompliziert, ja, ist nicht schlimm, das ist einfach nur so.
Dann gehen wir in Vers 3: Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. Was bedeutet das? Na ja, das bedeutet zweimal denselben Gedanken: Jesus ist der, durch den der Vater die ganze Welt erschaffen hat. Das gibt es in Hebräer 1, die Verse 1 und 2, da haben wir den Gedanken noch einmal:
Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet durch den Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat.
Also die sichtbare und die unsichtbare Welt ist durch den Herrn Jesus gemacht.
Leben, Licht und die Kraft gegen die Finsternis
Dann kommt Johannes, Kapitel 1, Vers 4: „In ihm war Leben.“ Das ist ein spannender Gedanke. Jetzt kommt dieses Wort: „In ihm war Leben.“ Johannes kommt nämlich zu dem Punkt, der für uns Menschen ganz wichtig ist: dem Thema Leben.
In Jesus ist Leben, hier: „In ihm war Leben.“ Was bedeutet das? Aus Gottes Perspektive leben alle Menschen in der Finsternis. Wir sind alle geistlich tot und warten darauf, dass wir körperlich sterben müssen, um dann einmal gerichtet zu werden und verloren zu gehen. Das ist das, was jeden Menschen erwartet.
Was wir brauchen, ist Leben. Und zwar nicht das natürliche Leben, das haben wir schon. Wir atmen, wir essen, wir schlafen, wir müssen aufs Klo. Was wir brauchen, ist eine Qualität von Leben, die nur einer hat, nämlich Jesus. In dem Wort, in Jesus, steckt ewiges Leben. Wir brauchen nicht noch ein paar mehr Regeln, sondern wir brauchen eine ganz andere Art von Leben. Wir brauchen dieses ewige Leben, das Jesus bringt.
Wo finde ich das ewige Leben? Bei Jesus. Er trägt es in sich. Und wie bekomme ich ewiges Leben? Durch den Glauben an Jesus.
Da heißt es in 1. Johannes 5,11-13: „Und dies ist das Zeugnis, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn.“ So soll es wieder Johannes stimmen, es ist der gleiche Johannes wieder, der das schreibt. Gott hat uns ewiges Leben gegeben. Wo ist dieses ewige Leben? Im Sohn. Das gab es vorher nicht, das kommt auf die Erde.
„Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.“ Du hast keine Beziehung zu Jesus, du bist tot. Du bist geistlich tot. Du bist wie so ein Zombie, du läufst noch irgendwie rum, aber da ist kein Leben in dir drin.
„Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt.“ Du kannst das wissen. Woher? Nun ja, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, ihr, die ihr im Namen des Sohnes Gottes glaubt. Ist das nicht herrlich? Ich mag das. Das könnt ihr in der Evangelisation toll verwenden. Weißt du, dass du ewiges Leben hast? Kann man das so wissen? Ja, ganz simpel. Die Bibel ist nicht schwer, man muss nur lesen, lesen und anwenden.
Also: Ewiges Leben bekommt man durch den Glauben an Jesus.
Die letzten beiden Verse zeigen ein anderes Bild. Wir wissen jetzt, dass das Wort schon ewig ist. Wir wissen, dass es bei Gott ist, dass es Gott ist, dass alles dadurch geschaffen wurde. Alles wurde durch dasselbe. Und jetzt haben wir gelesen: „In ihm war Leben.“ Und jetzt kommt dieses Leben: „Das Leben war das Licht der Menschen.“ Neues Bild, Bild von einer Lampe. Das Leben, das Jesus bringt, dieses ewige Leben, war das Licht der Menschen.
„Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Das Leben, das Jesus hatte, war ein Licht für die Menschen. Wo Licht scheint, da kann man etwas sehen. Wo Jesus auftrat, da bekamen die Menschen eine Sehnsucht nach einer anderen Qualität von Leben. Da wurden Menschen plötzlich sich ihrer eigenen Finsternis bewusst, weil sie eine Idee davon bekamen, wie man mit Gott leben kann, was es wirklich heißt, geistlich zu sehen.
Der Psalmist feiert dieses Sehenkönnen, das Gläubige haben. Er sagt in Psalm 36,8-10: „Wie köstlich ist deine Gnade, Gott, denn bei dir ist der Quell des Lebens, bei dir gibt es ewiges Leben; in deinem Licht sehen wir das Licht.“
Jesus kommt mit seinem Leben als Licht in unser Leben. Wenn du dieses Leben hast, das Jesus denen gibt, die glauben, dann bekommen wir damit Durchblick. Wir bekommen Licht Gottes für unser Leben.
Und dann endet dieser Block, 1. Johannes 1,1-5, mit den Worten: „Und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Man könnte das auch übersetzen mit: überwältigt. Und das gefällt mir besser. Es geht ja um Jesus. Es geht darum, dass die ersten fünf Verse uns ein großes Programm vorstellen. Und das Programm sieht so aus: Aus der Ewigkeit tritt das Wort, der Teil Gottes, durch den alles, die sichtbare und die unsichtbare Welt, erschaffen wurde, leben spendend als Licht in eine finstere Welt.
Und wir werden sehen, wie die Finsternis versucht, dieses Licht wieder auszuknipsen. Wie man Jesus lächerlich macht, ihn zur Seite drängt, ihm widerspricht, ihn denunziert, ihn am Ende ans Kreuz nagelt. Und wie die Finsternis es doch nicht schafft, das Licht zu überwältigen. Am Ende siegt das Licht. Am Ende gibt es Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten. Gott gewinnt. Die Finsternis hat das Licht nicht überwältigt.
Und seit zweitausend Jahren breitet sich dieses Licht aus. Von Glauben zu Glauben werden Menschen erleuchtet, teilen das Leben Jesu, dieses ewige Leben, und werden damit wieder zum Licht für andere Menschen.
Also ein bisschen wie Streichhölzer. Ihr ahnt schon, ich habe Streichhölzer dabei, wir können nachher spielen. Ja, wir müssen ein bisschen Sand und irgendetwas selber können. Das können wir machen. Es ist, wie wenn du so eine Reihe von Streichhölzern hast. Alle diese Streichhölzer brennen nicht, die sind alle tot. Das sind die Menschen.
Jetzt kommt ein brennendes Streichholz mit seinem Leben, das ist Jesus. Ein brennendes Streichholz kommt in diese Welt und begibt sich mitten unter die toten Streichhölzer. Du merkst: Da, wo sie ihm nahekommen, da entflammen andere, und die entflammen wieder andere. Und das ist das, was seit zweitausend Jahren in der Kirchengeschichte passiert. Das Wort kommt in die Welt mit dem Leben, das es bringt, und es entflammt die, die tot waren, zu dem Leben, das es selbst hatte.
Und das zu zeigen, wie das ging, das wird die Aufgabe sein vom Johannes-Evangelium. Deswegen freue ich mich auf dieses Buch und bin gespannt, was wir davon so alles mitnehmen werden. Es wird sich definitiv inhaltlich lohnen, und ich glaube, die ersten fünf Verse haben uns schon so einen ganz kleinen Vorgeschmack gegeben. Amen!
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