Zum Inhalt

Vom Richten – Teil 2

Jesu Leben und Lehre | Episode 235
Lukas 6,38-4223.02.2023
SerieTeil 2 / 2Vom Richten
Du siehst den Fehler der anderen sofort – aber was ist mit deinem eigenen Balken? Erst ehrlich auf dich schauen, dann kannst du anderen wirklich helfen.

Einordnung in die vorangegangene Betrachtung

Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 235: Vom Richten, Teil 2.
In der letzten Episode haben wir gesehen, dass Richten sehr wohl ein Akt der Liebe sein kann und auch geboten ist, obwohl der Herr Jesus in Matthäus 7,1 formuliert: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“
Man muss also genau lesen und verschiedene Bibelstellen als Einheit durchdenken, wenn man bei seelsorgerlichen Fragen zu guten und richtigen Antworten kommen will.
Warum sollen wir beim Richten nicht kleinlich sein? Antwort: weil Gott an uns den Maßstab anlegt, den wir an andere anlegen. Großzügigkeit im Umgang mit Geschwistern zahlt sich also aus.
Und während Matthäus uns nur die Warnung überliefert, finden wir bei Lukas direkt im Anschluss an die Warnung auch eine Verheißung, Lukas 6,38:
„Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes und gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.“
Es lohnt sich, liebevoll mit Geschwistern umzugehen. Es lohnt sich, weil Gott uns mit demselben Maß an Freundlichkeit, Geduld, Ertragen und Güte begegnet, mit dem wir unsere Geschwister beschenken.
Wenn wir gern geben, und es geht hier um Barmherzigkeit, dann wird Gott uns dafür überreich beschenken. Ein gutes, gedrücktes und gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben.
Es lohnt sich für uns wirklich immer, wenn wir nett sind.

Warum religiöse Härte oft mit Selbstinszenierung beginnt

Frage: Warum spielen sich religiöse Menschen gerne als Richter auf?
Antwort: Weil es dabei um Macht geht. Wer richtet, präsentiert sich selbst als den Wissenden, den Heiligen, den Reifen. Richten wird so zum Ausdruck religiöser Überlegenheit. Es ist eine Form von Selbstdarstellung.
Dabei entsteht allerdings ein Problem, und dieses Problem heißt Heuchelei. Heuchelei entsteht dort, wo ich mich als jemanden präsentiere, der den Durchblick hat, obwohl ich in Wirklichkeit selbst noch blind bin.
 Lukas 6,39
Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Kann etwa ein Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube fallen?
Das ist das Problem, das Jesus hinter übermäßigem Richten sieht. Derjenige, der so auftritt, als müsse er alles und jeden beurteilen, ist in Wirklichkeit selbst einer, der gar nicht fähig ist, irgendetwas zu beurteilen. Er ist wie ein Blinder, der einen Blinden leitet. Am Ende fallen beide in die Grube.
Und um das deutlich zu sagen: Es spricht nichts dagegen, in einem gesunden Maß Sünde bei anderen Christen anzusprechen. Weil wir mit Jesus leben, deshalb schreibt Paulus in 1. Thessalonicher 5,11: Deshalb ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr auch tut.
Es ist also in Ordnung, Sünde anzusprechen. Aber wenn ich das tue, wenn ich mich als Lehrer der Blinden präsentiere und anderen den Eindruck vermittle, dass ich weiß, wie man als Christ lebt, dann muss das auch stimmen.

Reife als Voraussetzung für geistliche Hilfe

Was heißt das? Das heißt, dass ich selbst erst von dem Herrn Jesus gelernt haben muss, bevor ich im Bild als blinder Führer tauge. Ich muss erst einmal klar sehen und selbst reif sein, bevor ich anderen sagen darf, wie sie zu leben haben.
 Lukas 6,40: Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer. Jeder aber, der vollendet, im Sinne von reif, ist, wird sein wie sein Lehrer.
Mein Umgang mit Menschen soll sich am Vorbild des Herrn Jesus orientieren. Und wenn ich mich wie der Herr Jesus verhalte, dann bin ich geistlich reif.
Und wie ist der Herr Jesus mit Sünde im Leben anderer Menschen umgegangen? Ganz einfach: Er hat sie angesprochen, wo es hilfreich und richtig war. Und er hat ganz oft einfach nichts dazu gesagt. Das ist geistliche Reife.
Ganz praktisch hat geistliche Reife etwas damit zu tun, dass ich erst einmal meine eigenen Fehler erkenne und lerne, mit ihnen richtig umzugehen, bevor ich mich als der fromme Besserwisser präsentiere, der so tut, als könnte er allen anderen helfen.

Der blinde Fleck der Selbstgerechtigkeit

Und genau da liegt das Problem. Lukas 6,41: Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber, der in deinem Auge ist, nimmst du nicht wahr? Gute Frage, oder? Wie kann es sein, dass du jede kleine Sünde im Leben der Geschwister siehst, aber deinen eigenen Balken im Auge nicht wahrnimmst? Wie geht das?
 Matthäus 7,4: Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Der Balken, der nicht gesehen wird, obwohl er doch ganz offensichtlich ist. Was könnte offensichtlicher sein als ein Balken im Auge?
Der Balken ist ein Bild für grobe Sünde, die nicht erkannt wird. Wie kann es sein, dass Menschen denken, sie hätten den Durchblick, sie wüssten genau, wie man anderen hilft, ein geistliches Leben zu führen, wo sie in Wirklichkeit selbst unreif sind und keinen Durchblick haben?
Und die Antwort hat ganz viel mit Selbstdarstellung, mit Selbstgerechtigkeit und mit Machtmissbrauch zu tun. Es ist die fromme Show, die sich darin gefällt, andere zu richten, aber die eigene Unreife, vor allem die eigene Sündhaftigkeit, übersieht. Und es fehlt leider in der Kirchengeschichte für so ein Verhalten nicht an Beispielen.

Die richtige Reihenfolge im Umgang mit Fehlern

 Lukas 6,42: Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, erlaube, ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge ist, während du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszuziehen, der in deines Bruders Auge ist.
Zwei Dinge sind hier wichtig.
Erstens: Es ist ein Unding, anderen auf ihrem Weg mit Gott helfen zu wollen, solange ich selbst noch nicht einmal in der Lage bin, mir selbst zu helfen. Erst muss der Balken aus meinem Auge. Erst muss ich mich um mich selbst kümmern. Erst muss ich sicherstellen, dass ich den Durchblick habe und geistlich zum blinden Führer tauge. Und dann kann ich mich daran machen, anderen zu helfen.
Zweitens: Es ist etwas Gutes, wenn man sich um den Splitter im Auge des Bruders kümmert. Es geht hier um die Reihenfolge: erst mein Balken, und dann der Splitter meines Bruders. Es geht hier um die Haltung. Erst will ich klar sehen, geistlich reif sein, so wie Jesus werden, und dann möchte ich aus der Haltung eines reifen Christen heraus meinen Geschwistern dienen.
Alles andere ist Heuchelei. Heuchelei, weil ich so tue, als hätte ich den Durchblick, in Wirklichkeit aber gar nichts sehe. Und wo der Herr Jesus auf solche Leute trifft, da kann er eben nur warnen: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

Schlussgedanken und persönliche Anwendung

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir die Frage stellen, wie es um deine geistliche Reife steht. Bist du fit genug, um anderen mit ihren Problemen zu helfen?
Das war es für heute. Wann hast du das letzte Mal die Bibel durchgelesen? Wäre da vielleicht mal wieder ein Durchgang fällig?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.