Event•Teil 2 / 11Spurgeon-Konferenz 2015
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein erster Überblick über die große Linie
Einen guten Morgen euch allen, und ich hoffe, dass ihr eine gute Nacht hattet. Wir wollen heute Morgen eine Menge durcharbeiten, nämlich die erste Hälfte dieses wunderbaren Buches. Ihr findet in eurer Broschüre den Punkt Nummer zwei.
Ich denke, es ist am Anfang wichtig, dass wir uns erst einmal einen Überblick über diesen Abschnitt in Jesaja verschaffen, indem wir ihn als Ganzes betrachten. Man muss ihn Stück für Stück lesen. Was ich in den nächsten Minuten sagen werde, wäre nicht unbedingt das, was uns sofort auffallen würde, wenn wir dieses Buch studieren. Das ist das große Bild, das wir sehen, wenn wir einen Schritt zurückgehen und den Text als Ganzes betrachten.
Ich glaube, dass in den Kapiteln 1 bis 12 ein großes Thema oder ein Schwerpunkt gesetzt wird. Es geht dort um König Ahas und Juda in ihrem historischen Kontext. Werden sie ihr nationales Leben auf die Verheißungen Gottes gründen, oder werden sie ihre eigene Politik entwickeln, um ihr Königreich zu bewahren?
Die Situation ist also, dass Assyrien nach Westen und Süden vordringt und viele Gebiete einnimmt. Israel, also das Nordreich, und Syrien haben sich gegen Assyrien verbündet. Es gibt also eine Allianz zwischen Rezin, dem König von Syrien, und Pekach, dem König von Israel. Sie wollen Ahas, den König von Juda, in ihre Allianz hineinziehen.
Wir wissen aus den Geschichtsbüchern, dass Ahas kein sehr gläubiger König war. Er ist kein treuer Nachfolger des Herrn, wie sein Vater Jotam es war. Er weigert sich auch, dieser Allianz beizutreten. Also sagen sie: Gut, dann werden wir eben nach Juda einrücken, Juda einnehmen und euch dann mit Gewalt auf unsere Seite zwingen.
Die Botschaft Jesajas an Ahas lautet: Wirst du Gott vertrauen und seinen Verheißungen, oder wirst du dein eigenes Programm durchziehen und es auf eigene Weise versuchen?
Der Höhepunkt dieser ganzen Kontroverse findet sich in Kapitel 7. In den Notizen unter Punkt A seht ihr das unter der Krise Ahas. Lasst uns dieses Kapitel gemeinsam betrachten, damit wir sehen, was eigentlich das Herzstück dieser Einheit ist. Wir lesen die ersten neun Verse:
Es geschah in den Tagen Ahas’, des Sohnes Jotams, des Sohnes Usijas, des Königs von Juda, da zog Rezin, der König von Syrien, mit Pekach, dem Sohn Remaljas, dem König von Israel, nach Jerusalem hinauf zum Kampf gegen es, aber er vermochte nicht, gegen es zu kämpfen. Und dem Haus David wurde berichtet und gesagt: Syrien hat sich in Ephraim gelagert. Da bebte sein Herz und das Herz seines Volkes wie die Bäume des Waldes vor dem Windbeben. Und der Herr sprach zu Jesaja: Geh doch hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, zur Straße des Walkerfeldes hin, und sprich zu ihm: Hüte dich und halte dich ruhig, fürchte dich nicht, und dein Herz verzage nicht vor diesen beiden rauchenden Brandscheitstümpfen, vor der Zornesglut Rezins und Syriens und des Sohnes Remaljas. Weil Syrien Böses gegen dich beraten hat, Ephraim und der Sohn Remaljas, und gesagt hat: Lasst uns gegen Juda hinaufziehen und ihm mit Grauen entgegentreten, es erobern und den Sohn Tabeals zum König darin machen, so spricht der Herr, HERR: Es wird nicht zustande kommen und nicht geschehen. Denn Damaskus ist das Haupt von Syrien, und Rezin das Haupt von Damaskus. Und in noch 65 Jahren wird Ephraim zerschmettert werden, dass es kein Volk mehr ist. Und Samaria ist das Haupt von Ephraim, und der Sohn Remaljas das Haupt von Samaria. Wenn ihr nicht glaubt, dann werdet ihr keinen Bestand haben.
Diese letzte Aussage ist sehr wichtig. Die Botschaft, die Gott an Ahas sendet, ist sehr wichtig: Wenn du im Glauben nicht feststehst, dann wirst du überhaupt nicht feststehen. Ahas hat nur wenig Glauben, aber Gott will ihm Vertrauen schenken.
Wir können also sehen, dass die Reaktion auf das Ganze Angst und Furcht ist. Israel, also die eigenen Verbündeten, und dann die Syrer, sie dringen ein und greifen an. Das ehemalige Volk und die Syrer kommen, um sie zu besetzen. Ihr seht, was Vers 6 sagt: Wenn Vers 6 eintritt, ist es das Ende des davidischen Königtums. Und was ist dann mit den Verheißungen Gottes, dass ein davidischer König für immer da sein wird?
Sie sind also fest entschlossen, zu kommen, Ahas zu entfernen und die Unabhängigkeit Judas zu beenden. Die Frage ist: Wo ist Sicherheit zu finden? Worauf soll Gottes Volk vertrauen? Wenn du im Glauben nicht feststehst, dann wirst du gar nicht feststehen.
Hier ist also ein wichtiger Moment. Leider versteht Ahas das falsch oder nimmt es falsch auf. Er hat ja diese Verheißung, dass die Feinde Jerusalem nicht überwinden werden, und statt Gott zu vertrauen, macht er dann doch eine Allianz mit den Assyrern. Eine ganz ähnliche Sache passiert auch in der Herrschaft von Hiskia. Bevor wir dahin kommen, möchte ich mit euch erst die zwei großen Punkte betrachten.
Also Vers 9, der Kernvers, bleibt fest in eurem Glauben. Und die Schlüsselverheißung ist das Kind in Vers 13, dass, wenn es aus dem Kindesalter herauswächst, wenn es volljährig ist, die beiden Könige ihre Macht verlieren werden. Das ist also die Ahas-Krise, in der wir sehen, dass er seinen eigenen Weg geht und nicht Gott vertraut. Und bei Hiskia passiert eine ähnliche Krise. Da geht es darum, dass die Assyrer Jerusalem angreifen. Sie haben das ganze Land eingenommen und niedergefegt, ebenso die Städte um Jerusalem herum. Hiskia hat eine Allianz mit Ägypten geschlossen, aber das hat sich als nutzlos erwiesen.
Die große Aufgabe, die große Frage, kommt in Kapitel 36, Vers 4. Lassen wir Kapitel 36, Vers 4 lesen. Da heißt es: Und der Rabschake sprach zu ihnen: Sagt doch zu Hiskia: So spricht der große König, der König von Assyrien: Was ist das für ein Vertrauen, worauf du vertraust? Worauf vertraust du? Die gleiche Herausforderung: Worauf vertraust du in dieser Zeit der großen Not?
Aber hier sehen wir, dass Hiskia richtig handelt, im Gegensatz zu Ahas. Er beginnt, den Herrn zu suchen und um Gottes Hilfe in ihrer Situation zu bitten. Denn er sucht Gott und fragt Gott nach Hilfe in dieser Lage. Und in Kapitel 37 sehen wir dann sein Gebet. Lasst uns dieses Gebet einmal betrachten, Kapitel 37, Verse 16 bis 20:
Herr, HERR der Heerscharen, Gott Israels, der du zwischen den Cherubim thronst, du allein bist es, der Gott ist, über alle Königreiche der Erde, du hast den Himmel und die Erde gemacht. Herr, neige dein Ohr und höre, öffne deine Augen und sieh; ja, höre alle Worte Sanheribs, der gesandt hat, um den lebendigen Gott zu verhöhnen. Wahrlich, Herr, die Könige von Assyrien haben alle Nationen und ihr Land verwüstet, und sie haben ihre Götter ins Feuer geworfen, denn sie waren keine Götter, sondern ein Werk von Menschenhänden, Holz und Stein, und sie haben sie zerstört. Und nun, Herr, unser Gott, rette uns aus seiner Hand, damit alle Königreiche der Erde erkennen, dass du allein der Herr bist.
Welchen Kontrast sehen wir hier zwischen zwei Königen? Hier sehen wir Hiskia, wie er sich förmlich auf diese Verheißung Gottes wirft und darauf vertraut. Es ist ein biblisches Prinzip, dass wir niemals stark sind, es sei denn, dass wir in Abhängigkeit von Gott leben. Wir denken, wir sollten eine Art Stärke in uns selbst haben, aber wir sind nur so stark, wie wir dem Herrn vertrauen, also insofern stark, wie wir uns auf Gott stützen.
Und selbst da, wo eine riesige Armee um Jerusalem hergelagert ist und wirklich droht, die Stadt einzunehmen, sehen wir hier einen König im Tempel, der es vor Gott ausbreitet, um Rettung bittet und den Herrn um Hilfe anfleht. Das ist die Art und Weise, wie ein König in der davidischen Linie sein Volk regieren sollte. Er sollte sein Volk ermutigen, auf die Verheißung Gottes zu vertrauen.
Und Gott antwortet Hiskias Gebet, indem er Jesaja mit einer langen Prophezeiung der Rettung antworten lässt. Hier sehen wir sogar, wie dies alles geschieht. Wenn wir Vers 35 betrachten, dann sehen wir, wie es zusammengefasst wird. Da heißt es in Vers 35: Und ich will diese Stadt beschirmen, um sie zu erretten. Und nun die nächsten beiden Verse, 36 und 37: Und der Engel des Herrn ging aus und schlug im Lager der Assyrer 185.000 Mann; und als man früh morgens aufstand, siehe, da waren sie allesamt Leichname. Und Sanherib, der König von Assyrien, brach auf und zog fort und kehrte zurück und blieb in Ninive.
Hier sehen wir die größte Errettung, die Israel je in seiner ganzen Geschichte erlebt hat. Diese Armee ist über Nacht von der Kraft Gottes hinweggefegt worden. Der Kontrast könnte gar nicht größer sein, oder? Ahas vertraut nicht auf Gott, und alles läuft schief. Hiskia vertraut auf den Herrn und findet eine Rettung, die niemand erwartet hätte. Das ist die historische Grundlage für die Lehre der Rechtfertigung durch Glauben an Gott, aus Gnade bei Gott. Rechtfertigung aus Glauben. Und hier sehen wir: Hiskia ist gerechtfertigt, weil er Gott vertraut. Diese Botschaft gibt Jesaja seinem Volk immer und immer wieder.
Also haben wir hier diesen Überblick über die erste Hälfte: Wir haben ein schlechtes Vorbild und ein gutes Vorbild. Und zwischen diesen beiden Vorbildern wird berichtet, dass Gott der souveräne Herrscher ist, der über alle Könige regiert. Jetzt lasst mich euch noch einmal kurz an diese Frage erinnern, die wir gestern schon gestellt hatten: Wie kann diese Stadt des Unglaubens, Jerusalem, zur treuen Stadt werden? Und eine zweite Frage ist: Wie kann das Volk Gottes den Segen Gottes genießen? Die Antwort lautet: Durch Glauben an das, was Gott sagt, und an das, was er sogar tut, um seine Verheißung zu halten.
Wir sehen natürlich klar die Parallelen, die wir hier zur christlichen Nachfolge haben. Und jetzt geht mit mir in die ersten zwölf Kapitel, darauf wollen wir uns jetzt in der restlichen Zeit dieser Einheit konzentrieren. Zuerst möchte ich mit euch die Einteilung dieses Inhalts betrachten.
Mitten in Kapitel 6 haben wir die Berufung Jesajas als Prophet Gottes. Die ersten fünf Kapitel setzen sozusagen die Grundlage für dieses große Kapitel 6, in dem Jesaja berufen wird. Und nach seiner Berufung sehen wir dann seinen Dienst, seinen prophetischen Dienst an Ahas. Bücher zeigen oft ein zeitliches Fortschreiten, einen chronologischen Werdegang. Aber oftmals ist es so, dass der Prophet die Themen zusammenfasst, um thematische Gruppen zu bilden. Dieses prophetische Buch ist gegliedert in Themen, aber es ist gleichzeitig in einem historischen Kontext verankert.
Und die ersten fünf Kapitel von Jesaja zeigen genau so etwas. Gestern haben wir Kapitel 1 betrachtet, wo Gott mit seinem Volk über ihre Situation ringt, wo Gott seinem Volk sozusagen erklärt, wo eigentlich das Problem liegt. Und dann erweitert er in den weiteren Kapiteln 2 bis 4 ihr Verständnis davon. Ihr seht hier, wenn ihr die Notizen anschaut, zwei Wiederholungsabschnitte, und ihr seht in eurer Gliederung „Future, Ideal“ und so weiter. Dass da zwei Wiederholungen sind, zweimal Zukunftsideen, ich weiß jetzt nicht, wie es im Deutschen steht.
Ja, nachdem Kapitel 1 so aufbereitet wurde, sehen wir in Kapitel 2, in den ersten vier Versen, das Zukunftsideal. Da heißt es, dass der Berg Zion, also dieser Tempelberg in Jerusalem, der allerwichtigste Ort auf der Welt wird. Und der Grund ist in Vers 3, weil viele Menschen kommen werden, um Gott in seiner Stadt zu suchen. Gottes Wort geht von Jerusalem aus in die ganze Welt, und die Folge davon ist, dass die ganze Welt in Frieden und Harmonie unter dem Gesetz Gottes lebt.
Das ist eine unglaubliche Vision, wohin wir streben, das Endziel. Aber wir haben gestern schon darüber gesprochen, dass diese Zukunftsverheißungen unser jetziges Leben beeinflussen und verändern sollen. Und deswegen sagt Jesaja hier in Vers 5 zu seinen Zuhörern, dass das jetzt ihr Leben verändern muss: „Kommt, Haus Jakob, und lasst uns wandeln im Licht des Herrn.“
Am Ende der Einheit, in Kapitel 4, Verse 2 bis 6, habt ihr eine ähnliche Vision. Dort wird noch einmal ein Zukunftsideal aufgezeigt. Hier wird von jemandem gesprochen, der der Spross des Herrn genannt wird. Lasst uns die Verse 2 und 3 in Kapitel 4 lesen:
An jenem Tag wird der Spross des Herrn zur Zierde und zur Herrlichkeit sein und die Frucht der Erde zum Stolz und zum Schmuck für die Entronnenen Israels. Und es wird geschehen: Wer in Zion übrig geblieben und wer in Jerusalem übrig gelassen ist, wird heilig heißen, jeder, der zum Leben eingeschrieben ist in Jerusalem.
Und er wird eine große Zeit des Wohlstands in Israel und besonders geistlichen Wohlstands bringen. Das sehen wir in Vers 5. Dort verheißt Gott, dass er sein Volk vor Feuer und vor der Nacht schützt. Aber wenn das die Zukunft ist, wo ist dann die Realität für die Gegenwart? Und zwischendrin, von Kapitel 2, Vers 5 bis Kapitel 4, Vers 1, sehen wir den aktuellen Zustand, wie es eigentlich gerade in Israel ist.
Hier sehen wir diesen Kontrast wieder. Jesaja liebt es, diese Kontraste aufzuzeigen: die wunderbare Zukunft, wenn die ganze Welt nach Jerusalem kommt und den Herrn erkennt, aber eine gegenwärtige Stadt des Unglaubens, in der Gottlosigkeit und Böses gegenwärtig sind. Wir haben jetzt leider nicht die Zeit, das im Detail zu betrachten, aber ich schlage euch einfach vor, dass ihr das selbst einmal nachlest und schaut, was Gott uns hier eigentlich sagt.
Um euch aber einen Vorgeschmack zu geben, möchte ich mit euch die Verse 6 bis 9 in Kapitel 2 betrachten. Lasst mich euch das kurz erklären. Die Wurzel des Problems ist, dass Gott seine Menschen verlassen hat, weil sie ihn verlassen haben. Gott verwirft sein Volk, weil sein Volk Gott zuerst verworfen hat.
Warum hat Gott seinen Rücken zu Israel gewandt? Vers 6 zeigt uns das. Zauberei aus dem Osten und Magie und Wahrsagerei, wie die Philister, die mit den Heiden in die Hände klatschen. Ja, und da heißt es, dass sie wie die Philister zaubern und mit den Kindern der Fremden verkehren. Das ist Götzendienst, oder nicht? Sie sind genauso wie die anderen Nationen. Und eben deshalb läuft es so schlecht bei ihnen.
Und dann schaut man in Vers 7: Sie haben erstaunlicherweise Silber, Gold und Schätze, und bis zum Tod Usijas sah ja auch alles so aus, als ob es wirklich gut laufen würde. Aber nicht nur, dass dieses Land voll von all diesen Schätzen ist, wir sehen dann in Vers 8 auch, dass es voll von Götzen ist. Und weil Gott nicht der erste Punkt ihrer Agenda ist, sind sie wie die anderen Nationen, und deshalb wird Gott sie richten und sie klein machen.
Gott zeigt all das, was in Jerusalem falsch ist, und das sehen wir dann noch weiter ausgeführt in Kapitel 3, wo Gott aufzeigt, was alles in Jerusalem schiefläuft.
Nach den Kapiteln 2 bis 4 kommt dann ein sehr bekanntes poetisches Stück oder Gedicht in Kapitel 5. Und das ist wirklich die Zusammenfassung der Situation, vor der Jesaja steht. Es zeichnet ein lebendiges Bild des Volkes Gottes, wenn es sich von Gott abwendet, und was dann geschieht.
Lasst uns dieses poetische Stück betrachten, die Verse 1 bis 7. Nun will ich singen von meinem Geliebten ein Lied meines Liebsten von seinem Weinberg. Mein Geliebter hatte einen Weinberg auf einem fruchtbaren Hügel, und er grub ihn um und säuberte ihn von Steinen und bepflanzte ihn mit Edelreben, und er baute einen Turm in seiner Mitte und hieb auch eine Kelter darin aus. Und er erwartete, dass er Trauben brächte, aber er brachte schlechte Beeren. Nun denn, Bewohner von Jerusalem und Männer von Juda, richtet doch zwischen mir und meinem Weinberg: Was war noch an meinem Weinberg zu tun, das ich nicht an ihm getan habe? Warum habe ich erwartet, dass er Trauben brächte, und er brachte schlechte Beeren? Nun, so will ich euch denn kundtun, was ich meinem Weinberg tun will: Seinen Zaun wegnehmen, dass er abgeweidet wird, seine Mauer niederreißen, dass er zertreten wird, und ich werde ihn zugrunde richten; er soll weder beschnitten noch behackt werden, und Dornen und Disteln sollen in ihm aufschießen, und ich will den Wolken gebieten, dass sie keinen Regen auf ihn fallen lassen. Denn der Weinberg des HERRN der Heerscharen ist das Haus Israel, und die Männer von Juda sind die Pflanzung seines Ergötzens. Und er wartete auf Recht, und siehe, da war Blutvergießen; auf Gerechtigkeit, und siehe, da war Wehgeschrei.
Was wir hier haben, ist ein sehr kraftvolles Gedicht, das sagt: Das ist die Situation in Juda. Schaut, was Gott uns hier über sich selbst sagt: dass er sein Volk Juda erwählt hat als eine fruchtbare Rebe, die er gepflanzt hat. Er hat alles Mögliche getan, um es fruchtbar zu machen. Er hat die Steine weggeräumt, er hat diese Rebe beschützt vor wilden Tieren, er hat sogar einen Wachturm hingestellt, auf dem Wächter waren, damit sie all die Früchte bewachen. Ja, und er war eigentlich im Begriff zu ernten, und als er kam, sah er aber keine guten Früchte, sondern nur schlechte Beeren.
Was Gott hier aussagt, ist: Es gibt nichts, was von Gottes Seite aus fehlen würde, um dieses Volk zu segnen, wenn sie einfach nur vertrauen. Er hätte nicht mehr für sie tun können, als er bereits getan hat. Warum also haben sie saure Trauben, schlechte Frucht hervorgebracht?
Und denken wir noch einmal zurück: In Kapitel 1 wird berichtet, dass sie dümmer als die Tiere sind, weil die Tiere wissen, wo sie ihr Futter herbekommen. Aber genau das macht Götzendienst mit unserem Herzen: Er macht uns dumm. Wir denken dann, dass wir Erfüllung in den Dingen dieser Welt finden können, in Gegenständen und solchen Dingen, und wenden uns von Gott ab und folgen unseren eigenen Begierden. Erinnert euch daran: Jesaja spricht hier zu seinem Bundesvolk, zu Bundesmenschen. Das ist eine Botschaft für diejenigen von uns, die Teil des neuen Bundes sind.
Die traurige Sache ist, dass wir hier sehen: Gott sagt, er wird seinen Schutz von seinem Volk nehmen, wenn sie so leben. Vers 7 ist ein sehr bekannter Vers, weil die hebräische Sprache im Urtext sehr ausdrucksstark ist. In der hebräischen Poesie wird viel mit Parallelismen gearbeitet, mit synonymen Begriffen, die die Aussagen noch stärker machen. Schaut euch mal das Ende von Vers 7 an: Er suchte nach Gerechtigkeit oder Recht, und was sah er? Blutvergießen. Er suchte Gerechtigkeit, und was sah er? Wehgeschrei.
Wörtlich heißt es: Gott hat nach Mischpat gesucht und Mischpach gefunden. Mischpat bedeutet Gerechtigkeit, und Mischpach bedeutet Blutvergießen. Und er nimmt diese beiden sehr ähnlichen Begriffe zusammen, um diesen starken Kontrast zu bilden. Das ist eine starke Predigttechnik. Er gewinnt seine Zuhörer, indem er zwei sehr gegensätzliche Ideen zusammenfügt. Und beim zweiten hat er nach Zedaka gesucht, und was hat er gefunden? Zedaka. Er hat nach Zedaka gesucht, Gerechtigkeit, aber was hat er gefunden? Wehgeschrei.
Ihr müsst das jetzt nicht euren Gemeinden lehren. Aber es ist eine kleine Erinnerung für euch: Wenn ihr gute Kommentare lest, werdet ihr sehen, dass sie auf solche Punkte aufmerksam machen. Jesaja will hier aufzeigen, wie schrecklich der Kontrast ist, wenn Gott nach guten Früchten sucht, aber schlechte Früchte vorfindet. Und wenn er jetzt unser Leben betrachtet und sozusagen nach Übereinstimmung mit dem Herrn Jesus Christus sucht, was wird er da finden? Das ist eine Frage, die wir uns alle heute stellen müssen.
Dann schaut mit mir den Rest von Kapitel 5 an, um noch einmal zu unterstreichen, was eigentlich falsch lief. Hier sehen wir in Kapitel 5, Vers 8: Wehe denen. Und es folgen noch sechs weitere Weherufe in Kapitel 5. Jeder dieser Weherufe ist Teil der schlechten Früchte, die Gott in seinem Volk entdeckt hat.
In Vers 8 sehen wir, wie das Volk die Armen ausnutzt, um eigenen Wohlstand zu gewinnen. Da wird ihre Gier gut beschrieben: Sie reihen Haus an Haus und Feld an Feld, bis gar kein Raum mehr ist. Und der zweite Weheruf, Verse 11 bis 17, zeigt, wie sie ihren Reichtum für selbstsüchtigen Götzendienst oder selbstsüchtigen Ehrgeiz benutzt haben. Wir sehen in Vers 11, wie sie prassen, wie sie die ganze Nacht Partys feiern. Und wie sie in Vers 12 viele Bankette, Musik und Wein haben, viele Festessen und Musik und Wein, aber wir sehen überhaupt keinen Respekt für das Werk Gottes oder Anteilnahme am Willen Gottes.
Dann sehen wir in Vers 13 zum ersten Mal diesen Hinweis darauf, dass Gottes Volk wegen mangelnder Erkenntnis ins Exil geführt wird. Hier sehen wir also diese schlechte Frucht: zuerst Reichtum, den sie sich erhaschen, indem sie die Armen unterdrücken. Reichtum, der dann einfach für selbstsüchtige Zwecke benutzt wird, indem sie ihn aus eigennützigen Gründen verprassen. Und dann geht es zum dritten Wehe in Vers 18, wo sie an die Sünde gebunden sind wie ein Tier, das einen Wagen zieht. In Vers 18 heißt es: die mit Stricken der Lüge die Sünde herbeiziehen. Sie handeln also, als wären sie Gefangene ihrer eigenen Sünde. Das sehen wir in der erklärenden Bemerkung in Vers 19: „Beeilt euch, damit er sein Werk tue; wir sehen keine Zeichen Gottes.“ Da sehen wir, wie sie Gott lästern und sagen: Wir sehen hier keine Zeichen Gottes. Hier sehen wir also die schlechte Frucht: Sie vertrauen nicht länger Gott.
Dann ist das vierte Wehe in Vers 20, dass sie Gottes moralische Maßstäbe umkehren. Sie kehren den Standard Gottes um, was gut und was falsch ist. Was Gott für böse hält, halten sie für gut. Und wir sehen das auch in unserer Kultur die ganze Zeit, und die Kirche wird davon ebenfalls beeinflusst.
Das nächste Wehe ist in Vers 21: Sie vertrauen völlig auf sich selbst. Sie halten sich für weise in ihren eigenen Augen und für verständig. Und der letzte Wehe führt wieder zurück zu ihrer Selbstsucht, die sie unempfindlich für Gott macht. Darum heißt es hier, dass Gottes Gericht über diese schlechte Frucht kommen muss. Vers 25 ist wirklich ein erschreckender Vers: Darum ist der Zorn des HERRN gegen sein Volk entbrannt, und er hat seine Hand gegen es ausgestreckt, um es zu schlagen.
Jetzt, wo wir gegen Ende von Kapitel 5 kommen, müssen wir uns diese Frage stellen: Haben sie so viel gesündigt, dass Gott nicht mehr gnädig mit ihnen sein möchte? Ist die Situation wirklich so schlecht, dass Gott sich ganz aufgegeben hat, dass er sich sozusagen die Hände von ihnen gewaschen hat? Und wenn wir uns diese Frage stellen, dann kommen wir weiter zu Kapitel 6.
Was macht Gott in dieser schrecklichen Situation? Er beruft einen Mann, er hat Jesaja berufen. Warum beginnt dieses Buch nicht mit Kapitel 6? Ich denke, das ist uns jetzt klar. Natürlich hätte das Buch Jesaja mit Kapitel 6 anfangen können. Jesaja hätte sagen können: Hier ist erst einmal die Geschichte, wie ich Prophet wurde. Das macht Jeremia, das macht auch Hesekiel so. Aber Jesaja möchte darstellen, wie Gott mit dieser schrecklichen Situation umgeht, die in den ersten fünf Kapiteln beschrieben wird.
Es ist eine so wunderbare Geschichte, diese Berufung Jesajas, und darum möchte ich sie mit euch lesen, Kapitel 6, die ersten zehn Verse:
Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn sitzen auf hohem und erhabenem Thron, und seine Schleppen füllten den Tempel. Seraphim standen über ihm; jeder von ihnen hatte sechs Flügel. Mit zweien bedeckte er sein Angesicht, und mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er. Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen; die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit. Da erbebten die Grundfesten der Schwellen von der Stimme der Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt. Und ich sprach: Weh mir, denn ich bin verloren; denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen, und inmitten eines Volkes mit unreinen Lippen wohne ich; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen. Da flog einer der Seraphim zu mir, und in seiner Hand war eine glühende Kohle, die er mit der Zange vom Altar genommen hatte. Und er berührte meinen Mund damit und sprach: Siehe, dies hat deine Lippen berührt, und so ist deine Ungerechtigkeit gewichen und deine Sünde gesühnt. Und ich hörte die Stimme des Herrn, die sprach: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich! Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Hören sollt ihr hören, aber nicht verstehen; sehen sollt ihr sehen, aber nicht erkennen. Mache das Herz dieses Volkes fett und mache seine Ohren schwer und verklebe seine Augen, damit es mit seinen Augen nicht sieht und mit seinen Ohren nicht hört und sein Herz nicht versteht und es nicht umkehrt und geheilt wird.
Was hier mit Jesaja im Detail geschieht, ist sozusagen ein Ausblick darauf, was Gott im großen Bild mit dem Volk machen wird. Es ist das Jahr, in dem Usija, der König, stirbt. Er war über fünfzig Jahre König. Und was passiert jetzt mit dem Volk? Gott ruft einen Propheten, der hingeht, um sein Wort in dieser Situation zu predigen.
Hier sehen wir die Antwort auf die geistlichen Nöte, die wir hier in Europa haben: Männer, die hinausgehen und das Wort Gottes predigen. Die meisten von euch haben noch ihr ganzes Leben vor sich, ihr seid jung und habt viele Optionen. Ja, ihr könnt also nicht wirklich aufmerksam dieses Buch studieren, ohne selbst zu Gott zu gehen und zu sagen: Hier bin ich, sende mich. Ich will damit nicht sagen, dass wirklich jeder Einzelne hier in den vollzeitlichen Dienst gehen muss. Aber ich bete, dass Gott quer über Europa wieder eine neue Generation von Predigern und Bibellehrern sendet.
Menschen, die wissen, dass Gott, wie bei Jesaja, seine Hand auf ihr Leben gelegt hat und dass sie wirklich Botschafter Gottes sind. Wir haben so viele Privilegien, die Bibel zu studieren, es gibt wunderbare Hilfsmittel für unser Studium, aber die Gemeinden schreien nach guter Nahrung aus der Bibel, und an vielen Orten ist sie nicht zu finden. Was gibt es Besseres, als diese Welt mit dem Wort Gottes zu füttern und das Evangelium zu predigen?
Das ist jetzt hier das Ende meines Appells an euch, aber ich möchte, dass ihr das in eurem eigenen Leben ernst nehmt. Aber was sehen wir denn hier bei Jesaja? Er kann dieser Berufung gar nicht widerstehen. Und ich denke, das ist für viele von uns wahr: Wir wissen, dass Gott über eine Zeit an uns gearbeitet hat, sodass wir diese Arbeit tun müssen. Viele von uns kennen es auch, dass Gott über eine längere Zeit in uns gearbeitet hat und wir irgendwie wissen: Wir müssen diese Arbeit tun.
Was müssen wir sehen, um auf das Privileg zu reagieren, Gott zu dienen? Wir müssen zuerst einmal Gott als hoch und erhaben sehen, wie Jesaja es sah. Er hatte diese Vision Gottes im Tempel, die ihn völlig umgehauen hat. Wir müssen diese Dinge nicht mit unseren eigenen Augen sehen, aber wir müssen in unserem Herzen die Realität über Gott kennen.
Aber es ist nicht nur das, was er sieht, sondern auch das, was er hört, die Worte, die ihn wirklich erreichen. Und die Cherubim rufen einander zu: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Allmächtige.“ Die Vision handelt also nicht nur von Gottes Macht, sondern auch von seiner Heiligkeit.
Im Kern ist Hebräisch eigentlich eine sehr einfache Sprache. Ich kenne die deutsche Sprache nicht so gut, aber in England würden wir sagen: holy, holier, holiest. Also, wir steigern im Englischen und im Deutschen: heilig, heilig, am heiligsten. Im Hebräischen wird die Steigerung durch die Wiederholung eines Begriffs ausgedrückt. Wenn es hier also heißt: heilig, heilig, heilig, dann wird hier nicht primär von der Trinität gesprochen. Es meint vielmehr, dass Gott die absolute Spitze der Heiligkeit ist. Du könntest nicht heiliger sein als Gott.
Er versteht also die Natur und den Charakter Gottes im Gegensatz zu der Kultur, in der er lebt. Und sobald du das verstehst, antwortest du so, wie er hier in Vers 5 antwortet. Denn dann erkennst du, dass du ein Mensch mit unreinen Lippen bist, der unter einem Volk mit unreinen Lippen lebt. Und Jesaja ist so überwältigt von dem, was er von Gott wahrnimmt, dass er denkt, er stirbt.
Aber Gott hat etwas viel Besseres mit ihm vor. Nachdem er nun die Herrlichkeit Gottes und die Sündhaftigkeit seines eigenen Herzens gesehen hat, kommt also ein Engel von diesem Altar, auf dem die Opfer dargebracht werden, mit einer glühenden Kohle. Er hat gesagt, dass seine Sünde besonders seine Lippen betrifft: Ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und ich wohne inmitten eines Volkes mit unreinen Lippen. So kommt also dieser Engel, der die Kohle in der Hand hat, und berührt gerade seine Lippen. Und während das geschieht, achtet auf das, was hier in Vers 7 beschrieben wird: Deine Ungerechtigkeit ist gewichen und deine Sünde gesühnt. Nicht durch das Feuer, sondern durch das Opfer, von dem das Feuer herkommt.
Also diese drei Punkte müssen wir unbedingt wissen, wenn wir die Berufung Gottes wahrnehmen wollen. Wir müssen als Erstes wissen, wie heilig Gott ist. Dann müssen wir verstehen, wie sündig wir sind. Und drittens müssen wir diese Läuterung, diese Vergebung erkennen. Denn was hier individuell mit Jesaja geschieht, das will Gott für sein ganzes Volk. Denn wenn das mit uns geschieht, dann haben wir etwas, das wir unbedingt weitergeben wollen. Dann ist es so, wie Jesaja hier sagt: Herr, sende mich.
Ich finde dieses Bild in Vers 8 ganz witzig, von so einem Missionskomitee im Himmel. Und da sagt der Herr: Wer ist mein Missionskandidat? Und dann hebt Jesaja die Hand und sagt: Vielleicht könnte ich es sein. Und Gott sagt einfach nur: Dann geh. Und vielleicht hatte Jesaja gedacht: Ja, ich werde hinausgehen und eine große Erweckung bewirken, und ich werde das Volk so führen, wie Mose es geführt hat. Aber das wird er nicht denken dürfen, oder?
Denn die Verse 9 und 10 sind ein ernüchternder Schlag: Er sagt ihm, dass er zu Menschen predigen wird, die sich weigern zu hören, deren Herzen hart und deren Augen geschlossen sind. Da sagt Gott: Du wirst zu einem Volk gehen, das nicht hören wird, dessen Augen und Ohren verschlossen sind. Und seine Antwort ist: Okay, Herr, und wie lange? Ein paar Monate? So ungefähr? Und dann sagt Gott: Nein, so lange, bis mein Gericht kommt und mein Volk weggeführt wird.
Aber durch diesen Dienst Jesajas wird er einen Überrest von Menschen sammeln, eine kleine Gruppe von Gläubigen. Und dann schaut man auf den letzten Vers von Kapitel 6: Wenn es so scheint, als sei nichts mehr von Gottes Absichten übrig, dann ist der heilige Same im Wurzelstock des Baumes. Ein Wurzelstock bleibt, ein heiliger Same bleibt am Ende übrig.
Diese ganze Berufungsgeschichte Jesajas ist ganz strategisch in dieses Kapitel 6 und in dieses Buch gesetzt. Nun, wir sind nicht Jesaja, aber wir sind Gottes Diener. Und darum ist diese Botschaft, wie Gott spezifisch mit Jesaja gehandelt hat, auch ein Bild dafür, wie Gott mit uns umgeht. Ja, unser Leben wird sehr unterschiedlich sein als das hier; wir leben in einer anderen Kultur und in einer anderen Zeit. Aber Gott ist immer noch derselbe, er ändert sich nicht, und seine Pläne wird er weiterhin durch Menschen verwirklichen.
Und diese Menschen werden über seine Heiligkeit, über ihre eigene Sündhaftigkeit und über das große Sühnopfer Jesu Bescheid wissen. Es mag vielleicht nur ein paar Stunden brauchen, um eine Predigt vorzubereiten, aber es braucht ein ganzes Leben, um einen Prediger vorzubereiten. Ihr lebt nun einmal in eurer Lebenszeit, und dementsprechend ist es ein Leben des Wachsens und des Trainings.
Lasst uns die letzten zehn Minuten mit den letzten Kapiteln dieses Abschnitts beschäftigen. Wenn ihr in eure Notizen schaut, Kapitel 7 bis 11: die assyrische Bedrohung. Ich habe es hier eine Dublette genannt, weil hier zwei verschiedene Schwerpunkte wiederholt werden. Wir sehen hier also zweimal dieses Fortschreiten von Krise zu Gericht, von Gericht zu Rettung und von Rettung zu Hoffnung. Kapitel 7,1-7 spricht über Juda, und das zweite, Kapitel 9,8 bis 11,16, dreht sich dann um Israel. Und wir wissen, dass das alles in der ersten Phase von Jesajas Dienst geschieht, weil Israel noch als Königreich existiert.
Jesaja hat hier ein Wort für das Nordreich; er nennt es Ephraim. Und die Hauptstadt von Ephraim ist Samaria. In den Kapiteln 9 bis 11 behandelt er also den Norden. Norden und Süden haben gleichermaßen diese Bedrohung durch die Assyrer vor sich.
Lasst mich also über jede Spalte oder Sektion ein, zwei Worte verlieren. Die Krise ist in Kapitel 7 mit Ahas, als er versucht ist, sich selbst zu vertrauen und nicht Gott. Nicht auf Gott zu vertrauen, sondern auf sich selbst. Das führt dann zum Gericht Gottes, was im zweiten Abschnitt hier gesagt wird. Aber Gott wird ebenso Immanuel hervorbringen, Gott mit uns. Und Immanuel wird derjenige sein, der Rettung und Hoffnung für sein Volk bringt. Obwohl es eine Zeit des Gerichts und des Leidens sein wird, kommt darüber hinaus eine Zeit der Hoffnung.
Denkt daran: Es ist nicht nur Information, die er weitergibt, sondern er möchte damit schon jetzt ihr Verhalten im Licht der Zukunft verändern. Und deshalb sammelt Gott durch Jesajas Dienst eine kleine Gruppe von Menschen. Sie werden keine Menschen sein, die dem Götzendienst und der falschen Religion verpflichtet sind. Sie sind die Kinder seines Dienstes, diejenigen, die an Gott glauben und auf ihn vertrauen.
Lasst uns zwei Verse in Kapitel 8 anschauen, die das deutlich machen, Kapitel 8, Verse 16 und 17: Binde das Zeugnis zu, versiegle das Gesetz unter meinen Jüngern. Und ich will auf den HERRN harren, der sein Angesicht verbirgt vor dem Haus Jakob, und will auf ihn hoffen.
Hier sehen wir einen großen Ausdruck von Glauben. Die Predigt Jesajas. Das Gesetz ist eben der Bund, den wir in den ersten fünf Büchern der Bibel, in den fünf Büchern Mose, finden. Und er sagt hier: Binde es zusammen, versiegle es, mach daraus eine Rolle, die Gottes Wort bewahrt. Wir werden von diesem Wort Gottes abhängig sein, auch wenn der Herr im Moment sein Angesicht vom Haus Jakob abwendet.
Die Jünger Jesajas in Vers 16 sind die Menschen, die auf den Herrn warten und ihm in Vers 17 vertrauen. Dieses Gesetz an sich zu binden, das sind eben auch die Leute, die hier in Vers 17 beschrieben werden, die in Gott vertrauen und hoffen. Und es ist eben über dieses Erleben von Gericht hinaus, dass uns hier in Kapitel 9 diese Hoffnung beschrieben wird.
Da sehen wir dann diese wunderbaren Verse, die wir auch oft zu Weihnachten hören: Das Volk, das im Todesschatten gewandelt ist, hat ein großes Licht gesehen. Und besonders Verse 6 und 7: Die Mehrung der Herrschaft und der Frieden werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird dies tun.
Der Herr hat ein Wort gesandt gegen Jakob, und es fällt herab in Israel. Hier sehen wir diese große Hoffnung, die diese Zukunftsvision prägt. Jetzt sehen wir dasselbe Spiel wiederholt in Kapitel 9, beginnend mit Vers 8, diesmal mit Israel. Wir wissen das, weil Vers 9 über Ephraim redet. Wir werden das jetzt nicht im Detail betrachten, aber ihr seht denselben Prozess, denselben fortschreitenden Prozess wie gerade schon bei Juda.
Und nachdem wir dann in Kapitel 10 diese Verheißung dieses Kindes sehen, das König der Welt werden wird, sehen wir in Kapitel 11 wieder dieses Bild vom Spross. Deshalb heißt es hier in Vers 1: Und ein Reis wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling aus seinen Wurzeln Frucht bringen. Das ist derselbe Spross, den wir schon in Kapitel 4 gesehen haben, der Freude und Reichtum bringen wird.
Hier sehen wir den Geist Gottes, wie er den Mann Gottes für das Werk Gottes ausrüstet. Und in Vers 2 sehen wir hier ein Bild von Jesus, wie er in den Evangelien handelt. Denn er ist der Spross, und in seinem Kommen bringt er das Königreich. Wir sehen also: Diese Hoffnung konzentriert sich auf eine Person, den Sohn, der in die Linie Davids geboren werden soll, der Reis, der aus dem Stumpf Isais hervorspringt und Gerechtigkeit bringen wird, ein gerechtes Regieren über die ganze Erde.
Ihr kennt bestimmt auch dieses bekannte Bild ab den Versen 6 mit all diesen Tieren, die früher in Feindschaft lebten und bei denen diese Feindschaft vorbei ist. Dann schaut man noch auf Vers 10: Und es wird geschehen an jenem Tag, dass der Wurzelspross Isais dasteht als Banner der Völker. Und Gott wird dann Menschen aus der ganzen Welt zum Glauben bringen, wie es Kapitel 2 gesagt hat. Und wenn er seine Leute aus jeder Nation sammelt, dann wird das neue Königreich unter dem Spross gebildet.
Kapitel 12 ist dann die Doxologie, der Lobpreis am Ende, das Lied des Dankes. Gottes glaubendes Volk wird mit Danksagung und Lob antworten, eben weil nach dem Verständnis von Gottes Volk, was Gott tun wird, dieses Volk Gottes mit Anbetung und Lobpreis reagiert.
Und ich denke, es ist eine gute Sache, diese letzte Einheit so zu schließen, dass wir alle gemeinsam diesen Abschnitt lesen und einander unsere Stimmen hören. Lest es einfach in eurer Übersetzung. Ich lese es auf Englisch.
An jenem Tag wirst du sagen: Ich preise dich, HERR, denn du warst gegen mich erzürnt; dein Zorn hat sich gewendet, und du hast mich getröstet. Siehe, Gott ist meine Rettung; ich vertraue und fürchte mich nicht, denn der HERR ist meine Stärke und mein Gesang, und er ist mir zur Rettung geworden. Und ihr werdet sprechen an jenem Tag: Preist den HERRN, ruft seinen Namen aus, macht unter den Völkern seine Taten kund, verkündet, dass sein Name hoch erhaben ist. Besingt den HERRN, denn Herrliches hat er getan; dies werde kund auf der ganzen Erde. Jauchze und juble, Bewohnerin von Zion, denn groß ist in deiner Mitte der Heilige Israels.
Ja, wenn wir das aussprechen, dann geht es noch mehr in unser Herz hinein. Wenn du die Bibel zu Hause selbstständig studierst, dann lies sie laut. Und wenn du betest, dann bete laut. Denn wenn du diese Dinge aussprichst, wird der Geist sie tiefer in deinen Verstand, in dein Herz und in deinen Geist einpflanzen. Und wir sind diejenigen, die diese große Verheißung des Evangeliums haben. Lasst uns zusammen beten.
to proclaim his word and to glorify his name amen
Wie eine Art Zeitung rausgegeben oder hat er im Tempel gepredigt oder vor dem König, oder wie hat das Volk davon erfahren? Wir können uns jetzt nicht ganz hundertprozentig sicher sein, aber es sieht so aus, als habe er wahrscheinlich im Tempelvorhof gepredigt. Das war ein bisschen wie bei Jesus: Diese Tempelhöfe waren eben auch der Ort, an dem die Rabbiner das Volk lehrten. Deswegen hat sich das Volk in den äußeren Vorhöfen versammelt, um den Lehrern ihrer Zeit zuzuhören.
Es ist wahrscheinlich so, dass Jesaja sehr bekannt war, denn er hatte persönlichen Zugang zu König Hiskia. Dementsprechend ist es wahrscheinlich, dass er sehr oft in diesen Tempelhöfen gepredigt hat. Aber er hat sicherlich auch seine Jünger um sich geschart, um ihnen weitere Unterweisung zu geben. Er hat sicherlich nicht einfach nur Predigten gehalten, sondern auch ganz persönlich Unterweisungen an seine Jünger weitergegeben. Wir brauchen einfach beides.
Kapitel 9, die erste Hälfte, seine Frage war jetzt: Wo in diesem Bild von gestern mit diesen drei Hügeln sozusagen die erste Spitze, die erste Erfüllung ist. Falsches Buch. Also, wir haben dann was? 8,23 bis 9,1, okay:
Doch nicht bleibt die Finsternis dem Land der Bedrängnis, in der ersten Zeit hat er das Land Sebulon und das Land Naftali verächtlich gemacht, und in der letzten bringt er zur Ehre den Weg am Meer, das jenseitige des Jordan, den Kreis der Nationen.
Was Gott hier machen wird: Er wird in Zukunft das Galiläa der Heiden segnen. Warum wird es Galiläa der Heiden genannt? Weil Galiläa eben das Land ist, wo die großen Reiserouten von Nord nach Süd und von Ost nach West durchgehen. Dort gehen also viele Handelswege hindurch, und deswegen hat man in diesem Gebiet viele Heiden.
Und natürlich ist Jesajas Punkt, dass Gott nicht nur an Israel interessiert ist. Er wird die ganze Welt segnen, wie er es Abraham versprochen hat. Was bedeutete das damals für sie? Nun, sie sehen die Assyrer, wie sie Galiläa erobern. Aber schaut darüber hinaus: In Zukunft wird Gott eben in diesem Galiläa unter den Heiden ein großes Werk tun.
Vers 2 sagt hier, Kapitel 9, Vers 2: Denn du hast die Nation vermehrt und hast ihre Freude groß gemacht. Das ist in Jesajas Zeit eben nicht so geschehen. Die Nation wurde reduziert, und es war eine Zeit der Sorge. Aber Gott hatte Midian in der Vergangenheit geschlagen, Vers 4 sagt das. Gott hatte sein Volk von seinen Feinden befreit. Und in der Zukunft, Vers 5, wird es ein Ende des Konflikts und eine Zeit des Friedens geben.
Er möchte also, dass sie von ihrer gegenwärtigen Bedrängnis wegschauen und auf eine glorreiche Zukunft blicken. Warum beginnt Jesus also sein Werk in Galiläa? Das ist doch eigentlich jetzt ganz offensichtlich, oder nicht? Weil genau dort diese große, herrliche Zukunft beginnen soll, laut Jesaja. Und deswegen wird er hier auch in den Versen 5 und 6 als die Antwort auf das menschliche Problem beschrieben.
Es ist ein Anreiz zum Glauben, über das hinauszugehen, was man sieht, und auf das zu vertrauen, was Gott tun wird.
