Einleitung und Predigttext
Wir hören Heute als Predigttext die Pfingstgeschichte nach
Apostelgeschichte 2
Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort versammelt. Da
kam plötzlich ein Brausen vom Himmel, wie von einem gewaltigen Sturm, und
erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen,
wie von Feuer, die sich zerteilten und sich auf einen jeden von ihnen
setzten und sie wurden alle mit dem heiligen Geist erfüllt, und fingen an,
in anderen Sprachen zu predigen, wie der Geist es ihnen eingab. Es waren
aber in Jerusalem Juden ansässig, die waren gottesfürchtige Männer und
kamen aus allen Völkern unter den Himmel. Das war die damalige jüdische
Diaspora nach der Zerstörung Jerusalems. Als nun dieses Brausen geschah,
kam die Menge zusammen, und wurde bestürzt. Denn ein jeder hörte sie in
seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich
und fragten: sind nicht alle, die hier reden, aus Galiläa? Wieso hört jeder
von uns seine eigene Muttersprache? Pater und Meder und Elamiter und wir
aus Mesopotamien und Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien,
Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene, und
Eingewanderte aus Rom, geborene Juden und zum Judentum Übergetretene,
Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten
Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden verwirrt und sagten
zueinander: was soll das bedeuten? Andere aber spotteten: sie sind voll von
süßem Wein. Da trat Petrus mit den elf Aposteln vor, erhob seine Stimme und
redete zu ihnen: Ihr jüdischen Männer, und alle die ihr in Jerusalem wohnt,
das sollt ihr wissen: es soll geschehen, wer den Namen des Herren anrufen
wird, der soll gerettet werden. Jesus von Nazareth ist der Mann, der von
Gott durch Taten, Wunder und Zeichen unter euch ausgewiesen ist, wie sie
Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst. Diesen Mann,
der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben ist, habt ihr durch
die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Den hat Gott
auferweckt. Nun, da er durch die rechte Hand Gottes erhöht ist, und den
verheißenen Heiligen Geist vom Vater empfangen hat, hat er diesen
ausgegossen, wie ihr seht und hört. So soll nun das ganze Haus Israel
gewiss sein, dass Gott diesen Jesus, denn ihr gekreuzigt habt, zum Herren
und Christus gemacht hat.
Herr, erkläre uns das Wirken deines Geistes. Amen.
Wir haben heute viele verwickelte Weltprobleme. Und angesichts dieser
großen Nöte, die uns alle bedrängen, erhoffen sich viele unserer
Mitmenschen die Lösung nur noch in Revolutionen. Sie sagen: da kann allein
noch Neues geschehen, wenn all die festgefügten Strukturen unserer Erde
noch einmal umgeworfen werden. Und sie freuen sich dann an diesem Brodeln,
wie es in den Revolutionen unserer Tage sichtbar wird, wie die Völker sich
erheben und sie winken dann ab, wenn wir sagen: wie ist denn das mit dem
Töten, geschieht da wirklich Neues? Ist es nicht nur grausam, was da sich
entlädt? Und dann sagen sie: das sind nur die Begleiterscheinungen, das
Neue kommt, das Neue kommt. Ein merkwürdiger Glaube. Ein so abgeklärter
Mann, wie Matthias Claudius, hat im letzten Jahrhundert angesichts der
großen revolutionären Bewegungen in Europa vom Revolutionsschwindel
gesprochen. Am Ende sind die neuen Herren oben. Und es geht ein bisschen
anders, aber doch nicht so arg anderes. Wir Christen reden ja auch von
einer Revolution, nur sieht sie ganz anders aus. Da geht es nicht um diese
Massenhysterie, da geht es nicht um diesen irrationalen Glauben, das jetzt
alles neu wird, wenn man mal das Alte zerschlägt, und die alten Denkmäler
umstürzt. Sondern wir sagen: die große Erneuerung in dieser Welt geschieht,
wenn der Geist Gottes in unserem Leben wirkt. Und der Geist Gottes hat
gewisse Kennzeichen, die sind ähnlich. Da werden Menschen unruhig, das kann
auch viele erfassen, sie fangen an, ihre Grundwerte neu zu ordnen, es gibt
ein großes Aufsehen und Aufhorchen. Ich möchte das ganz deutlich heute
Morgen unterstreichen, dass es Gott gefallen hat, auch immer wieder durch
seinen Geist in großen Erweckungsbewegungen zu wirken im Laufe der
Kirchengeschichte. Vor ein paar Tagen bin ich am Zeitungskiosk stehen
geblieben. Die Bild-Zeitung hat so gute Schlagzeilen. Da war eine drauf,
die hat mir gefallen: Das gibt ein Super-Pfingsten dieses Jahr." Das war
aber nur auf das Wetter bezogen, nicht auf den heiligen Geist. Aber wenn
wir diese Schlagzeile der Bild-Zeitung übernehmen, und sagen, wenn es nur
ein Super-Pfingsten bei uns wird, wenn Menschen wieder heute fragend
werden, suchend, was ihr Leben ausmacht, wie sie mit Gott klarkommen. Wir
müssen nur aufpassen, nicht überall, wo heute große Massenbewegungen auch
im Namen Gottes geschehen, oder gar im Namen des Heiligen Geistes, ist der
Heilige Geist gegenwärtig. Und nicht überall, wo der Name Gottes angerufen
wird, geschieht dies durch seinen Geist. Und wir wollen deshalb heute in
der Predigt sehr kritisch einmal nachprüfen, an was man denn den heiligen
Geist erkennen kann. Nicht überall, wo Menschen zusammen strömen, ist er am
Werk, auch nicht in der Christenheit. Und es gibt sehr viele mächtige
Zeichen, die gar nicht unbedingt vom heiligen Geist sein müssen. Wir haben
unseren Kindern in der Kinderkirche am letzten Sonntag erzählt, als Mose
vor den Pharao hintrat, und seine Wunderzeichen tat, kamen die Zauberer und
machten genau das Gleiche auch mit ihrer Magie. Nicht alles, was uns
schaudern macht oder erschüttern zuschauen lässt, ist ein Werk des Heiligen
Geistes. Ich möchte meine Predigt überschreiben heute: Kennzeichen des
Heiligen Geistes.
Er erleuchtet
Das erste: Er erleuchtet.
Wir sind ja immer wieder, wenn wir die Pfingstgeschichte lesen, davon
fasziniert, wie das damals zuging, wie dieses mächtige Brausen vom Himmel
kam. Der Heilige Geist kann wie ein Sturmwind sein, der große Bewegungen
verursacht. Da müssen wir gleich hinzusetzen: das ist nicht sein
Kennzeichen. Das Kennzeichen des Heiligen Geistes ist in der Bibel sehr
viel mehr, nicht der Sturm, sondern das stille, sanftes Sausen und Wirken.
Und wenn einer sagt: Aber da waren so Feuerflammen auf diesen Aposteln, da
müssen wir sagen: richtig, aber das ist nicht das Kennzeichen des Heiligen
Geistes, das kann auch sehr wohl anders sein. Als die Lydia zum Glauben kam
und den heiligen Geist empfangen hat, hat sie nicht diese Zungen auf dem
Kopf gehabt, und das war wahrscheinlich bei Ihnen auch nicht. Das ist
überhaupt nicht Kennzeichen des Heiligen Geistes. Nun gibt es viele in der
Christenheit heute, die sagen: Aber das Reden in anderen Zungen, die
Zungenrede ist das Kennzeichen. Da muss ich die Leute auch enttäuschen,
nach dem biblischen Wort nicht, denn das, was hier erzählt wird, ist nicht
die Zungenrede, von der die Pfingstgemeinden immer sprechen. Dort wird
nicht in einer Glossolalie gesprochen, sondern die sprachen ja in einer
Sprache, die die Parther und Meder und Araber und Kreter verstanden haben.
Während bei dem Zungenreden in den Pfingstgemeinden und Pfingstgruppen, da
braucht man extra einen Dolmetscher, damit die Außenstehenden es verstehen
können. Also ist auch dies nicht das Kennzeichen des Heiligen Geistes. Wir
müssen in den biblischen Zeugnissen immer wieder unterscheiden, was ist ein
Begleitumstand, den damals Gott gegeben hat, und was ist der für alles
Ausgießen des Geistes durchgehende Grundzug?
Da müssen wir darauf achten, dass damals die Jünger selbst das Wort Jesu
nicht verstanden haben. Als die Emmaus-Jünger hinausgegangen sind am
Ostertag, hatten sie von einigen Zeugen gehört, Jesus ist auferstanden.
Aber sie konnten es nicht glauben. Sie sagten: das ist Unsinn, das geht
doch gar nicht. Sie sagten: das bringt mich ganz durcheinander, aber was
soll das. Sie nahmen das gar nicht ernst. Was Wunder, dass heute ein
moderner Mensch im 20. Jahrhundert heute genauso argumentiert und sagt: was
soll das? Was da in der Bibel drin steht, das kann ich einfach für mein
Leben nicht annehmen. Mein Denken kann mit solchen Vorgängen nichts
anfangen. Bitte geh mir weg mit dieser Botschaft. Ich kann es vielleicht in
einen Sinngehalt deuten, aber dass ich es real verstehe, so wie es dort
bezeugt ist, ist mir undenkbar. Oder dass Jesus der Sohn Gottes ist. Wenn
Sie das Kennzeichen des Heiligen Geistes haben wollen, dann haben sie es
hier. Der Heilige Geist steckt uns ein Licht auf. Am Pfingsttag haben die
Hörer in großer Zahl plötzlich begreifen können, und das ist durchgängig
ein Kennzeichen des Heiligen Geistes durch die ganze Botschaft des Neuen
Testaments hindurch, durch die Apostelgeschichte. Wo der Geist Gottes
gewirkt hat, da haben Menschen plötzlich gesagt: ich kann das annehmen. Ich
hatte vor ein paar Tagen ein schönes Gespräch mit einer Frau, die auch so
lange mitgeschwommen war in einer Kirchengemeinde, sie ist nicht hier, und
weit weg, und Sie kennen sie nicht, und das spielt auch gar keine Rolle,
und dann hat sie plötzlich in einer Botschaft, die sie gehört hat, das
begriffen, was Jesus Christus für sie bedeutet, dass er der Herr ist über
alles, das er für ihre Schuld gestorben ist. Und sie saß mir gegenüber und
sagte, das ist ja für mich so wunderbar. Sie war von einer großen
Fröhlichkeit, und lebt in einer sehr schwierigen Ehe, sie sagt: ich gehe
mit Freuden wieder zurück, ich hab zum ersten Mal begriffen, ich kann gar
nicht verstehen, wie ich Sonntag für Sonntag in einer Kirche saß, und bei
mir der Groschen gar nicht gefallen ist. Für mich war das eben irgend so
eine ferne Lehre, mit der ich aber praktisch nichts anfangen konnte. Darin
können sie sehen, dass das ganz normal ist, dass Menschen abweisend und
zweifelnd dem Zeugnis des Neuen Testaments gegenüberstehen. Wenn aber der
Geist Gottes wirkt, der macht den Blick frei. Die Lehrer in der
Kirchengeschichte haben dafür das Wort Erleuchtung gebraucht, und Luther
hat dieses Wort auch in der Auslegung in seinem Katechismus angewendet, und
das haben die Väter der Erweckungsbewegung immer wieder betont, und ich
meine, es sollte heute in unserer Kirche wieder laut betont werden und
gelehrt werden. Wer nicht erleuchtet ist, kann die Botschaft nicht
verstehen. Man kann 20 Semester Theologie studieren; wer nicht erleuchtet
ist, versteht es nicht. Man kann in Gottesdienst-Versammlungen sitzen, man
muss erleuchtet sein durch den heiligen Geist. Die Botschaft darf nicht
unterschlagen werden. Paulus sagt im zweiten Korinther Brief im dritten
Kapitel, es sei bei uns so, dass wir eine Decke vor den Augen hängen haben.
Hängen Sie sich einmal so eine richtige Wolldecke vors Gesicht, dann sehen
Sie auch nichts mehr von diesen Sonnentag. Dann ist es dunkel vor ihnen.
Und Paulus sagt, der natürliche Mensch hat eine Decke vor den Augen, die
ihm das Schauen der göttlichen Dinge einfach unmöglich macht. Und der Geist
Gottes nimmt uns die Decke weg, und wir sehen plötzlich auf einen Schlag.
Dieses Glaubenkönnen geschieht also nicht durch lange Disputation oder
durch, ich bin nicht dagegen, dass disputieren, ich führe sie auch oft,
aber ich muss immer in dieser Disputation sagen, dass Glauben kommt durch
den heiligen Geist, der uns erleuchtet. Und was wir dann erkennen. Auch
hier möchte ich den Übereifer mancher Gruppen, die meinen, sie allein
würden das Zeugnis des Heiligen Geistes lehren, da möchte ich den Übereifer
doch sehr dämpfen. Die meinen, das Wirken des Heiligen Geistes wäre, dass
man gewisse spezielle Sonderlehren erkennt. Gewisse Abläufe der
Heilsgeschichte Gottes, gewisse schwierige Stellen der Bibel. Wenn ich die
Bibel lese, wenn ich ins Neue Testament hineinschaue, prüfen Sie das, was
ich Ihnen hier sage, das soll unser Lehrmaßstab sein, dann erleuchtet der
Heilige Geist uns, dass wir Christus erkennen. Dass wir ihn einen Herren
heißen können, den Sohn Gottes und Herren der Welt und unseres Lebens.
Darin erweist sich der Heilige Geist. Über manche Sonderlehren mögen wir
verschiedene Erkenntnisse haben, das gehört nicht zwangsläufig dazu. Das
hat der Paulus auch immer wieder freigestellt in den Gemeinden, dass es
manche Leute gibt, die manchmal mehr erkennen als wir, aber das ist die
Grunderleuchtung, die der Heilige Geist schenkt, man kann Jesus verstehen,
darum hat ja auch hier der Apostel Petrus so deutlich darauf hingewiesen,
und hat von Jesus gesprochen, und das ist nicht ein Fimmel von mir als
Prediger, wenn ich Sonntag für Sonntag Ihnen Jesus groß machen will,
sondern das ist ein Wirken des Geistes Gottes. Und gleichzeitig mit der
Erkenntnis Jesu Christi geht etwas anderes einher, sie haben sich selbst
erkannt. Sie haben ihre Schuld erkannt. Es steht gar nichts davon
moralischem Fehlverhalten, sondern sie haben erkannt, wir haben Jesus von
uns gewiesen. Wir sind schuld, dass Jesus von uns weggeschickt wurde.
Sündenerkenntnis fängt bei Christen, wenn der Heilige Geist damit anfängt,
damit an, dass Sie sagen, wie konnte ich nur so lange in meinem Leben
Christus von mir wegweisen. Und Sie denken bei Sünde gar nicht nur an
irgendwelche wüsten Gedanken unserer Fantasie, oder irgendwelche bösen
Handlungen, das gehört auch mit dazu, sondern die Grunderkenntnis, wir
haben verfehlt gelebt, sogar in unserer Frömmigkeit. Wir wollten gute
Menschen sein ohne die Kraft Jesu in unserem Leben. Also dann sieht man:
den heiligen Geist erkennt man daran, das er uns Jesus klarmacht, dass er
uns Sündenerkenntnis schenkt, Wirken des Geistes Gottes. Weil viele
Christen ja immer wieder umgetrieben sind, möchte ich das so klar betonen.
Sie fragen, habe ich den heiligen Geist? Daran erkennen Sie ihn! Wir haben
neulich in der Bibelstunde Bibeltraining auch eine ähnliche Stelle beim
Galaterbrief entdeckt, wo der Paulus den Besitz des Geistes Gottes nicht
von irgendwelchen überirdischen Dingen da abhängig macht, von überirdischen
Dingen, oder von großen Erscheinungen, oder von Halluzinationen, oder
irgendetwas, von Gesichtern und Träumen, die man hat, sondern sagt, ihr,
die ihr den Geist Gottes habt, helft den Schwachen zurecht mit dem
sanftmütigen Geist. Ihr habt den heiligen Geist, und wenn ihr den heiligen
Geist habt, dann spürt man dies, das ihr Geduld habt mit den Gefallenen.
Dass ihr sie nicht richten müsst, sondern ihr könnt ihnen barmherzig zur
Seite stehen, weil der Heilige Geist ja fortwährend euch die Schuld
aufdeckt, und wenn ihr einen Gefallenen dieser Welt sieht, der euch Not
macht, dann sagt hier: Herr, meine Schuld, ist viel größer. Darin zeigt
sich der Heilige Geist, dass er jeden Hochmuth unmöglich macht. Uns bewegt
das heute an diesem Pfingstfest, wie viel heute in der Christenheit neue
Aufbrüche geschehen. Ich will doch mit Ihnen nicht zanken, aber ich will
Ihnen Klarheit geben, aus der Schrift. Nicht durch große Aktionen, nicht,
dass ich gegen große Aktionen wäre, ich würde am liebsten große Aktionen
organisieren, aber die Bibel sagt, dadurch geschieht nicht die Erneuerung
der Christenheit. Wir dürfen auch große Aktionen machen, das ist nicht
böse. Die Erneuerung geschieht durch den Geist Gottes. Der wirkt im Leben
von Menschen, der sie erleuchtet, und sie zur Erkenntnis der Wahrheit
führt. Und wenn das heute wieder geschieht in Stuttgart, in unseren
Familien, in unseren Gruppen und Kreisen, in unseren Kirchengemeinden, dann
ist eine große Umwälzung wieder da, eine Revolution von großen Ausmaßen.
Der Heilige Geist ist immer gebunden auch nach dem was wir hier in diesem
Kapitel zwei lesen, an das Wort der Schrift. Und die Reformatoren wurden
nicht müde, damals, als auch zur Zeit der Reformation so viel Wundertäter
und schwärmerische Apostel auftraten, immer wieder zu sagen, der Geist
Gottes wirkt in Verbindung mit dem Wort Gottes, und nie losgelöst, nie mit
irgend welchen Heilslehren, die Leute uns heute verkünden, und vor denen
wir stehen und staunen, da brauchen Sie nicht staunen. Der Geist Gottes
wirkt in Verbindung mit dem Bibelwort. Wie biblisch zentriert war hier
dieses Wort des Petrus, wie hat er auf Christus und sein Werk hingewiesen,
er hat doch nicht irgendwelche Erkenntnisse hier geplaudert. Er hat auf
Christus hingewiesen, hat auf die Schriften gewiesen. Die ganze Petrus
Rede, ich hab das leider überschlagen bei der Verlesung des Textes, ist
voll von Schriftzitaten. Gerade bei der ersten Ausgießung des Geistes
Gottes war dies Kennzeichen, und es zieht sich durch alle Petrusreden in
der Apostelgeschichte durch, es gibt ja etliche. Immer wieder ist das
Kennzeichen: der Geist Gottes wirkt in der Verbindung mit dem Bibelwort.
Dann wünschen wir uns wieder, dass der Geist Gottes uns heute so in Fülle
ausgegossen und gegeben wird, und wir können nur warten, und sagen: Herr,
komm, reinige uns, dass du mit deinem Geist bei uns einkehren kannst, oh,
komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein.
Er zieht zum Zentrum hin
Ein zweites Kennzeichen des Geistes Gottes, das erste war die Erleuchtung,
ich möchte, dass sie hier wieder lehrmäßige Klarheit haben in ihrem
Glaubensleben, was Erleuchtung durch den heiligen Geist bedeutet. Das
zweite, der Heilige Geist zieht immer zum Zentrum hin.
Da muss ich ausholen. Wir leiden heute doch an einer zerspaltenen
Christenheit, da gibt es so viele Grüppchen und Konfessionen. Und alle
berufen sich noch auf den heiligen Geist und sagen: und wir haben ihn, und
ihr habt ihn nicht, da wird man traurig, und sagt: eigentlich müsste doch
der Geist Gottes zusammenfügen. Wir erinnern uns auch jetzt an die Aussage
des Paulus, der im Epheserbrief sagt: ein Geist, unter all den vielen
Gruppen. Das Pfingstfest sollte Anlass sein für uns, die vielfältigen
Gruppen zusammen zurufen, und zu sagen: seid einig, einig, einig. Es darf
keine Zwietracht mehr geben. Aber damit hätten wir auch das biblische Wort
auf den Kopf gestellt. Es ist richtig, aber es ist nicht ganz richtig. Da
wollen wir einmal genau hinschauen, wie das war, als die Apostel da standen
am ersten Pfingstfest, waren die Zungen wie von Feuer zerteilt auf ihren
Häuptern. Jeder hatte den heiligen Geist, und doch war es ein Geist, der in
allen wirkt. Das ist richtig. Viele Christen, die in der Kraft des Heiligen
Geistes reden, und ganz verschiedene Dinge tun, Diakonie, Mission,
Jugendarbeit, Seelsorge, in der Familie, überall an ihrem Platz, wo sie
stehen, und es ist ein Geist, der alle zusammengefügt. Dennoch müssen wir
festhalten, dass diese kleine Christengemeinde, die bald ihre 3000
Mitglieder hat an diesem Pfingsten, wurde doch in die Isolierung gedrängt
im Volk Gottes. Es gab einen bösen Graben, nicht, weil diese Christen sich
abgesondert haben hätten, sondern weil das übrige Volk Gottes, Israel, sich
abgesondert hat, und die ersten Christen in die Verfolgung getrieben hat.
Und das ist nicht so, dass der Heilige Geist alle zusammenschließt, die an
Gott glauben. Das ist nicht wahr. Sondern der Heilige Geist schließt alle
Leute zusammen, die an Jesus Christus, den Herren, glauben. Der für sie
gestorben ist und der auferstanden ist und seinen Geist ausgießt. Wir
wollen jetzt nicht zu einer großen Gemeinschaft aufrufen und sagen, alle,
die noch irgendwie an einen Gott glauben, in welcher Form auch immer. Das
gibt es gar nicht, das ist nie vom heiligen Geist. Sondern die Einheit, die
werden wir entdecken unter den verschiedenen Gruppen, wo Menschen Jesus
allein dienen. Haben Sie darauf geachtet, wie in der Petrusrede dieses
genau in die Mitte gestellt wurde: wer den Namen des Herrn anruft, der wird
selig. Das ist der Sammelpunkt, der großen, wahrhaften Ökumene der Gemeinde
Jesu. Wer den Namen Jesu anruft. Es geht uns doch nicht darum, dass wir
alles, was irgendwie christlich getauft ist in dieser Welt, sammeln, und
sagen, das ist die Gemeinde Gottes. Sondern, wer den Namen des Herren
anrufen wird, der wird selig werden. Die versammeln sich unter der Wirkung
des Geistes Gottes, die sagen, es ist kein anderes Heil unter dem Himmel,
darin wir sollen selig werden als allein der Name Jesu. Darum kann es sehr
wohl passieren, dass wir in unseren Tagen dennoch Gräben sehen, die uns Mut
machen. Das war auch unter den ersten Christen nicht anders, das sie Gräben
hatten zwischen denen, die dieses Zeugnis abgelehnt haben, die sich nicht
unter den Herrn Jesus beugen wollten, die ein anderes Zeugnis brachten, die
die Menschen gebunden haben an irgendwelche Apostel und Lehren und
Sonderdinge. Wir wollen hier wieder erkennen, dass der Geist Gottes uns
zusammenführt in einer wahren großen Gemeinschaft des Volks Gottes. Da
gehören wir hin. Da ist uns Gemeinde, da ist für uns Kirche, aus vielen
Gruppen und Konfessionen und Gemeinschaften, wo der Heilige Geist uns das
wichtigmacht. Kein anderes Heil, kein anderer Name unter den Himmel, als
allein der Name Jesus. Und wo wir das finden, da sind wir zuhause. Wo
Sonderlehren verkündigt werden, wo anderes wichtig gemacht wird, wo
Menschen, Prediger, im Mittelpunkt stehen, Traditionen, da können wir nicht
zuhause sein. Dort kann nicht unsere Heimat sein. Ich muss noch ein Wort
hier sagen zur Lehre vom dreieinigen Gott, es gibt unter uns auch immer
wieder treue Leute, die meinen, das sei vielleicht eine unwichtige Lehre,
die könnten wir vergessen. Wir haben ja in den letzten Jahren so in der
Lehre ziemlich abgebaut in der Dogmatik, wir haben gesagt, es kommt nur auf
die rechte Herzenshaltung an, das ist schon recht, aber wir brauchen auch
wieder fundierte Lehre. Die Bibel betont ja, und das ist aus vielen
Schriftstellen abzuleiten, dass der Heilige Geist nicht nur eine Kraft ist,
die von Gott ausgeht, sondern die dritte Person der Dreieinigkeit Gottes.
Gott selbst, der in Menschen Wohnung macht. Und das ist interessant, das
dieser Geist Gottes nun nicht etwas Selbstständiges bringt, sondern dass
der Geist Gottes immer wieder die andere Person der Dreieinigkeit, Jesus,
groß macht, und dass Jesus auch nicht Selbstständiges bringt, sondern sagt:
ich bin dazu da, den Vater zu ehren. Wie in dieser Dreieinigkeit alles
ineinander geht, einer den anderen nur verherrlichen will, nur den anderen
groß machen will. Darum kann das gar nicht sein, dass es heute
Zerspaltenheit im Volk Gottes gibt, wegen der Lehre des Heiligen Geistes.
Angeblich wegen der Gabe des Heiligen Geistes. Dass uns einige sagen, ihr
habt den heiligen Geist noch nicht, weil ihr nicht die Wunderzeichen
vollbringt, die wir vollbringen können. Und wir bestreiten ihnen sowohl das
Außerordentliche ihrer Wunderzeichen, wie das, dass der Heilige Geist zur
Spaltung wirkt. Der Heilige Geist wirkt Sammlung im Namen Jesu, er wirkt
nie Gemeinden unter seinem eigenen Etikett, er wirkt nie Gemeinden unter
dem Geist Gottes, sondern Jesus-Gemeinden werden gesammelt, und dann werden
wir wieder zusammengeführt. Der Heilige Geist will nichts Eigenes, sondern
will Gemeinde Jesu sammeln.
Das war das Zweite, was wir erkannt haben.
Als ein Kennzeichen des Heiligen Geistes. Das Erste war die Erleuchtung,
und das Zweite war dieses Ins-Zentrum-Führen, nie was Besonderes, nicht
Sonderdinge heran bringen, immer ins Zentrum auf Jesus hinweisen.
Er macht gewiss
Noch ein letztes: Trotz dieser herrlichen Hitze sind Sie noch ganz gut da,
habe ich den Eindruck, das freut mich. Der Heilige Geist macht gewiss.
Zweifel, ja, die sind normal. Manche sagen also, der Scheffbuch, der hat
gar kein Verständnis für Zweifelnde. Mehr als andere! Weil ich Ihnen sagen
kann, Zweifel sind völlig normal, ich habe das Bild von der Decke gesagt,
die vor unseren Augen hängt, aber wenn sie im Zweifel bleiben, haben sie
nicht den Heiligen Geist. Wer den Heiligen Geist nicht hat, der gehört
nicht zu Jesus. Ich kann es Ihnen nicht verschweigen, ich will Ihnen aber
die Verheißung hier noch einmal sagen, dass sie darum bitten dürfen, wie
die Kinder um das Brot schreien. Und der Vater im Himmel gibt Ihnen seinen
Geist. Diese Bitte wird erhört. Ich wehre mich nur dagegen, das ist der
einzige Punkt, wo Sie mich nageln können, dass Sie meinen, Zweifel könnten
überwunden werden durch Theologisieren. Ich theologisiere mit ihnen gern.
Das ist mein Fach. Und ich verstehe etwas davon, aber so überwinden Sie
nicht Zweifel. Sonst würde jeder, der studiert hätte, am Ende herauskommen
als Glaubender, und oft ist das Gegenteil der Fall. Darum müssen wir immer
wieder hier betonen, gewiss werden kann ich nur durch den Heiligen Geist,
und der Heilige Geist macht gewiss. Es gibt keinen, der hier von Gott nicht
erhört wird. Dort werden wir, welchen Intelligenzgrad wir auch besitzen, da
mag einer vielfacher Doktor sein und Professor, und gelehrter Mann sein mit
vielem Wissen, er muss demütig wie ein Kind um den Heiligen Geist bitten.
Ohne den wird er nicht klar sehen im Glauben. Und darum ist es auch
wichtig, dass wir den Heiligen Geist unterscheiden von jeder Propaganda,
und wir auch nicht so tun, als ob wir das Evangelium verschleudern können,
als ob es ein Markenartikel wäre, Waschmittelpulver, oder wir würden das
als ob es ein neues Feeling wäre, so ein neues Weltgefühl, das man hat...
Wir wehren uns auch dagegen, dass man in die Kirche geht, nur darum, dass
man religiöse Gefühle nimmt und sich erbauen lässt, darum geht es doch gar
nicht. Wir wollen hier im Gottesdienst Dinge erkennen. Da sind wir für den
Verstand, da wollen wir etwas intellektuell erfassen. Und nachdem wir es
erkannt haben, demütig zu werden, wie die Kinder den Vater zu bitten, gibt
uns deinen Geist. Der kann uns gewiss machen, und das wird uns an dieser
Stelle notvoll bewusst. Wir können nicht auf den Knopf drücken, wir können
die Brücke nicht schlagen. Ich kann das Glauben nicht machen. So sehr wir
davon reden, dass ich mich entscheiden muss im Glauben, die Brücke muss der
Herr selber schlagen, er will sie heute zu Ihnen schlagen, er will Ihnen
seinen Geist geben, Sie dürfen jetzt, das ist Ihre einzige Entscheidung,
die Sie tun können, sagen, Herr, komm mit deinem Heiligen Geist, reinige
mich, dass du in mir Wohnung machen kannst. Und dann war auf einmal es so
bei den ersten Christen, eine unbegreifliche Gewissheit. Unbegreifliche
Gewissheit, die sind in das Martyrium gegangen, und sind nicht gewankt. Wir
stehen staunend davor und sagen: so einen Glauben wollte ich auch haben,
der nicht wankt und der nicht wackelt, das ist ein Werk des Heiligen
Geistes. Sie dürfen darum bitten. Wenn ich heute daran denke, da würde ich
sagen, ich kann doch in meiner Todesstunde nicht dabei bleiben, und ich
weiß nicht, ob ich überhaupt mit meinem Glauben fest bleibe... Ich glaube
doch nicht meinem Glauben, ich glaube doch, dass der Heilige Geist mich
gründet und fest macht. Petrus sagt: so wisse nun das ganze Haus Israel
gewiss. Manche meinen, das dürfte unter den evangelischen Christen gar
nicht mehr gelehrt werden, Gewissheit wäre ein Zeichen der Überheblichkeit.
Wie viele haben mir schon gesagt: du meinst, du könntest gewiss sein, wir
sind doch alle ein Leben lang Tastende. In der Erkenntnis Jesu bleiben Sie
nicht ein Leben lang Tastende, wenn Sie den heiligen Geist haben. Da werden
Sie gewiss. In vielen Weltfragen dürfen sie tasten und demütig bleiben,
hier werden Sie die Wahrheit erkennen. Treten Sie doch mit dem Zeugnis der
Schrift jenen entgegen, auch die in der evangelischen Kirche das Lehramt
haben und behaupten, keiner hätte je die Wahrheit ganz. Das widerspricht
dem Zeugnis der Bibel. Sie können ganz die Wahrheit haben. Es sieht aus,
als ob wir hier anmaßende und stolze Leute wären, und Petrus fordert uns
dazu auf, und es kommt dann dazu, in dieser ersten Erweckung von Jerusalem,
in der ganzen Christenheit, das sie gewiss wurden. Der Heilige Geist macht
sie so gewiss im Glauben, dass Sie, selbst wenn Ihr Leben umgeben ist von
viel Bösem, von viel Schuld und Versäumnissen, Sie sagen können: Jesus hält
mich. Ich bin angenommen und getragen von ihm. Selbst dann, wenn sie durch
notvolle Zeiten gehen, durchs finstere Tal, durch Krankheitsnot. Die letzte
Kraftschwäche, im Sterben noch, der Heilige Geist macht uns gewiss, er
vertritt uns am Ende noch mit unaussprechlichem Seufzen, das ist etwas
Wunderbares, dass der Heilige Geist uns heute verheißen ist, und dass Gott
uns seinen Geist geben will, darum hat er Pfingsten gemacht, damit Sie
wissen, Sie sollen ihn haben. Amen.

