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Der erste Mensch

1. Mose 1,26-2,320.04.2008
Serie•Teil 2 / 7So hat alles begonnen
Du bist kein Zufall: Gottes Bild steckt in dir. Das gibt dir Würde, Freiheit und Verantwortung – und stellt die Frage, wie du mit dir selbst und dieser Welt umgehst.

Der erste Mensch als Höhepunkt der Schöpfung

Es geht in der Predigt heute um den ersten Menschen, und in dem Text, den ich dazu lese, geht es entsprechend auch um den ersten Menschen. Ich lese aus dem Schöpfungsbericht des 1. Mose 1, ab Vers 26. Das ist sozusagen der Nachmittag vom sechsten Schöpfungstag. Am Vormittag wurden die Landtiere geschaffen. Ich nehme mal an, dass Gott bis Mittag damit fertig war. Dann kamen die Menschen dran, und das lese ich jetzt hier ab Vers 26.
Dann sprach Gott: Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist. Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde und über alles, was auf dem Boden kriecht.
So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er sie. Er schuf sie als Mann und als Frau. Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch. Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz. Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.
Weiter sagte Gott zu den Menschen: Als Nahrung gebe ich euch die Samen der Pflanzen und die Früchte, die an den Bäumen wachsen, überall auf der ganzen Erde. Den Landtieren aber und den Vögeln und allem, was auf dem Boden kriecht, allen Geschöpfen, die den Lebenshauch in sich tragen, weise ich Gräser und Blätter zur Nahrung zu. So geschah es.
Und Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und er sah: Es war alles sehr gut. Es wurde Abend, und wieder Morgen, der sechste Tag.
So entstanden Himmel und Erde mit allem, was lebt. Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet und ruhte von aller seiner Arbeit aus. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag, der ihm gehört. Denn an diesem Tag ruhte Gott, nachdem er sein Schöpfungswerk vollbracht hatte.

Die Schöpfung als Grundmuster für Gottes Handeln

Letzten Sonntag beschäftigten wir uns mit der Erschaffung und Gestaltung der Welt. Gott sprach, und so entstand alles. Das ist das Schöpfungsprinzip, das bis heute gilt: Wenn Gott spricht, geschieht es.
Deshalb sind für mich auch die Wunder Jesu kein Problem. Weshalb kann Jesus auf dem Wasser laufen? Weil Gott spricht, und es geschieht. Er ist eigentlich das Grundprinzip allen Lebens. Er hat das Leben geschaffen, und er kann jederzeit auch eingreifen und Dinge tun, die wir dann nicht verstehen können.
Was er geschaffen hat, war sehr gut. Aber das war die erste Welt, die, nachdem Eva und Adam sich gegen Gott auflehnten, in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und trotzdem ist diese Welt in gewisser Weise immer noch faszinierend und spannend geblieben. Es ist ja unheimlich faszinierend, in der Welt herumzureisen, all die Naturwunder zu beobachten, wie alles großartig geschaffen ist. Und trotzdem ist das nicht mehr diese sehr gute Welt, die Gott geschaffen hat, sondern es ist die gefallene Welt.
Und wir warten ja auf eine viel schönere Welt. Ich habe diese Woche im Jesaja einen interessanten Vers gelesen: Alles mache ich jetzt neu. Einen neuen Himmel schaffe ich und eine neue Erde. Dann sehnt sich niemand nach dem zurück, was früher einmal gewesen ist, kein Mensch wird mehr daran denken.
Das müsst ihr euch mal vorstellen: Diese neue Welt, die Gott für die schafft, die ihn lieben. Die wird so großartig, so unbeschreiblich schön sein, dass wir überhaupt nicht mehr an unsere Welt denken. Sie bestrahlt alles. Wir werden uns vorkommen, wie wenn wir aus einem finsteren Loch heraussteigen würden und gar nicht mehr daran denken, wie finster das da war.
Also es wird so herrlich sein, so unvorstellbar großartig, dass wir nicht mehr an diese Welt denken. Atemberaubend wird das dort sein. Das können wir uns jetzt gar nicht vorstellen. Es kann etwas noch atemberaubender sein als das, was wir jetzt schon erleben.
Gestern haben wir gesungen, und dann haben wir schön über den See gesehen. Immer wieder mussten wir natürlich schon ein bisschen auf den Dirigenten gucken, aber es war doch schön, über den See zu sehen und dann die Rigi hinten. Es war wunderbar. Und es gibt noch viele schöne Flecken auf dieser Welt. Und das, was kommen wird, wird atemberaubender sein, schöner, als wir uns das gar nicht vorstellen können, als das, was wir hier in der Welt sehen können. So schön, dass wir gar nicht mehr daran denken werden.

Der Mensch als Ebenbild Gottes

Heute betrachten wir nun, wie der Mensch erschaffen wurde. Es tut mir leid, wenn ich mich wiederhole, aber es ist noch schwierig, über diese Texte zu predigen, weil man so viel sagen könnte. Vielleicht geht ihr dann manchmal hinaus und denkt: Aha, zu dem hätte Abderz auch nichts gesagt, hätte auch etwas sagen können. Bin ich einverstanden. Aber wenn ich alles sagen würde, dann hätten wir vermutlich eine Predigtreihe, die über das Jahr geht. Dann hätten wir ein sündiges Quattro mit 50 Predigten. Da gibt es natürlich sehr viel, gerade in diesen ersten Berichten, zu sagen. Ich versuche, das etwas zu fokussieren, was wir vielleicht nicht so auf Anhieb sehen. Und wir müssen uns halt beschränken, so ist das immer im Leben. Ihr wollt mir ja auch nicht zwei Stunden zuhören heute Morgen, oder? Sonst kann ich natürlich noch viele Exkurse machen. Nein, nein, das möchten Sie nicht.
Nun, schon der Beginn, und das ist auffällig: Dieser Schöpfungsakt des Menschen zeigt in aller Deutlichkeit, dass, wenn der Mensch geschaffen wird, etwas ganz Besonderes geschaffen wird. Gott gebietet nicht einfach, es soll werden, sondern es kommt wie ein Aufruf. Gott sagt zuerst: Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist. Er gebietet nicht gleich, dass der Mensch gemacht wird, sondern hier ist wie ein Aufruf, in diesen Schöpfungsakt hinein. Horcht, jetzt, jetzt kommt das, worauf es ankommt.
Nun eine Frage, bevor ich da weiterfahre, die viele Bibelleser und Theologen beschäftigt: Warum spricht Gott hier in der Mehrzahl? Kommt und lasst uns, nun wollen wir. Dazu gibt es verschiedene Lösungsvorschläge, wie das immer bei schwierigen Fragen ist. Eine Antwort ist, dass dies ein erster Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes sein könnte, denn wir wissen, dass Jesus wesentlich an der Schöpfung beteiligt war. Das ist eine Möglichkeit, das so zu sehen, dass das ein erster Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes ist.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass es sich hier um eine majestätische Rede handelt, also eine königliche Rede. Früher sagte man ja auch in den Familien, die Kinder sprachen die Eltern in der dritten Form an, mit ihr oder sie. Sie sagten nicht du. Sie waren praktisch mit den Eltern per Sie. Das ist also eine Ausdrucksweise, in diesem Sinne eine majestätische Ausdrucksweise, die das Amt anspricht und nicht im Speziellen die Person. Das ist auch eine mögliche Erklärung.
Eine dritte Möglichkeit möchte ich hier noch aufzeigen, mit der ich auch stark sympathisiere, ohne die anderen auszuschließen. Es könnte nämlich einfach ein freudiger Aufruf sein. Gott sitzt auf seinem Thron, umgeben von Engeln, wie zum Beispiel der Prophet Micha das sah: Ich sah den Herrn auf einem Thron sitzen, rechts und links vor ihm stand das ganze Heer der Engel. Und mit diesem Aufruf: Nun wollen wir Menschen machen, ein Bild von uns, das uns ähnlich ist, macht Gott vermutlich mit großer Freude auf den entscheidenden Schöpfungsakt aufmerksam. Horcht, jetzt geschieht es! Alles, was bis jetzt geschehen ist, das ist alles Vorgeplänkel, das ist alles Erschaffung für das, was jetzt kommt. Ich habe jetzt nur das gemacht für das, was ich jetzt schaffen werde, nämlich den Menschen nach meinem Bilde. Wie ein Aufruf im Himmel: Horcht, achtet auf, nun wollen wir.
Es ist doch manchmal auch so: Was sagt nun wollen wir, und dann rennt einer nach vorne, der macht’s. Es ist wie ein Sagen: Hört jetzt auf, wenn ihr jetzt eingenickt seid, wenn euch langweilig geworden ist bei der Erschaffung, jetzt müsst ihr aufpassen. Jetzt wird es extrem interessant, denn jetzt schaffe ich den Menschen nach meinem Bilde. Passt auf! Und dann wird in der Einzahl weitergefahren: So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und Frau.
Keine andere Aussage der Bibel könnte deutlicher zeigen, wie wir Menschen einen einzigartigen Platz in der Schöpfung im Herzen Gottes einnehmen. Wir sind tatsächlich keine höher entwickelten Säugetiere, sondern wir sind ein Schöpfungsakt Gottes. Wir sind geschaffen als Ebenbilder Gottes, Ebenbilder des allmächtigen Gottes.

Was die Gottesebenbildlichkeit konkret bedeutet

Und was heisst das? Wie kann man das erklären? Ich möchte drei Punkte aufzeigen, die uns wesentlich von allen anderen Wesen auf dieser Welt unterscheiden.
Der erste ist die ähnliche Gestalt mit Gott. Da bin ich einverstanden, wenn ihr mir nachher sagt: Das sehe ich nicht so. Ich sage es trotzdem. Viele Jahre dachte ich nämlich, dass die Ebenbildlichkeit von uns Menschen nichts mit unserem Aussehen zu tun hat, sondern rein geistig gemeint ist, mit unseren Fähigkeiten und allem Drum und Dran, aber nicht äusserlich, also nicht so, dass Gott menschliche Gestalt haben könnte. Das dachte ich so lange mit Bestimmtheit, bis mir eine Aussage im Propheten Ezechiel auffiel.
Ezechiel sah in einer Vision, natürlich war es eine Vision, wie sollte man Gott sonst sehen, Gott auf einem Thron sitzen. Und dann schreibt er seine Beobachtung folgendermassen: Auf der Platte aber stand etwas, das aussah wie ein Thron aus blauem Edelstein, und darauf war eine Gestalt zu erkennen, die einem Menschen glich, die einem Menschen glich.
Man kann es natürlich in der Theologie so sagen: Das sind Vermenschlichungen Gottes, damit wir es erfassen können. Das kann gut sein, darüber möchte ich gar nicht streiten. Seit ich da ein bisschen aufmerksam wurde, würde ich mal so sagen, ist es nicht ganz abwegig, dass Gott eine ähnliche Gestalt hat wie wir. Aber ich würde dafür nicht durchs Feuer gehen.
Für den zweiten Punkt würde ich fast durchs Feuer gehen. Hingegen ist der zweite Punkt, den ich erwähne, für mich ganz unbestritten ein absoluter Beweis für die Ebenbildlichkeit Gottes von uns Menschen. Es ist nämlich unsere Fähigkeit, etwas Neues zu schaffen, die Fähigkeit, kreativ zu sein. Kein anderes Lebewesen hat diese ausserordentliche Fähigkeit, etwas Neues zu erschaffen, etwas zu schöpfen, wie Gott, nicht in dieser Qualität. Aber es gibt kein anderes Lebewesen.
Vögel bauen immer dieselben Nester. Sie passen sich vielleicht den Umständen an. Wenn es keine Bäume mehr gibt, hängen sie ihre Nester an eine Wand. Aber immer nach demselben Bauprinzip. Bienen konstruieren immer dieselben Waben, faszinierend, ausgeklügelt, aber immer dasselbe. Vielleicht auch langweilig mit der Zeit, aber denen ist es nicht langweilig, es geht immer weiter, immer weiter. Ameisen bauen immer dieselben Städte. Jede Ameisensorte hat ihre Art, die Städte zu bauen.
Doch Menschen erfinden und konstruieren ohne Ende. Wir bauen verschiedene Arten von Häusern, wir haben Fahrräder, Autos, Flugzeuge. Wir können bewegte Bilder praktisch gleichzeitig über die ganze Welt verbreiten. Stellt euch das mal vor! Wenn man das vor hundert Jahren gesagt hätte, hätten die Leute den Kopf geschüttelt: Das ist unmöglich! Wir können gleichzeitig miteinander dasselbe ansehen, rund um den Erdball herum.
Wir haben Computer gebaut, Steuerungen, Handys. Ich kann heute hinfahren, wohin ich will auf der Welt, ich kann mein Handy mitnehmen, bin praktisch überall erreichbar. Und der andere, der abnimmt, merkt zum Teil nicht einmal, wie weit weg ich bin. Das sind alles Errungenschaften, alles Errungenschaften des Menschen. Der hat das konstruiert, der hat das ausgedacht.
Auch in der Medizin. Da macht man unvorstellbare Eingriffe. Man kann heute einem das Herz auswechseln. Früher, wenn du einem das Herz herausgenommen hast, dann war es zu Ende. Heute nimmt man das Herz aus, setzt das andere ein, und dann steht er wieder auf. Ist ja unwahrscheinlich!
Kennt jemand irgendein Tier, das eine Operationsstation gebaut hat? Irgendein Tier, das sich in den letzten Jahrhunderten entwickelt hat? Ja, man beobachtet die Affen, dann sieht man, dass die mit einem Bengel auf eine Nuss rumhacken. Und dann feiert das die ganze Welt als einen Riesenerfolg, dass der Mensch vom Affen abstammt. Natürlich stammt er vom Affen ab, weil er halt mit dem Holz, stellt euch vor, eine Nuss geknackt hat. Das ist ja genial!
Nein, das sind Welten, riesige Welten zwischen dem, was sonst noch lebt, und dem Menschen. Und diese Fähigkeit, kreativ zu sein, ist für mich einer der grössten und stichhaltigsten Beweise überhaupt, dass wir sagen können, dass der Mensch nicht ein höher entwickeltes Säugetier ist, sondern dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist.
Der dritte Punkt: Gott hat uns als freie Wesen geschaffen. Ich weiss, auch das ist theologisch etwas umstritten. Die einen sagen, man ist nicht frei, die anderen sagen, man ist frei. Ich sage: Man ist schon ein bisschen frei. Wir müssen frei sein, weil wir sonst nicht Ebenbilder Gottes sind. Denn was zeichnet Gott aus? Seine Autonomie. Die hat uns Gott geschenkt. Und deshalb konnten wir sie missbrauchen, aber dazu mehr, wenn ich bei der vierten Predigt bin: der erste Aufstand.
Wären wir nicht frei, hätte der Mensch sich nicht gegen Gott auflehnen können. Das gehört zur Ebenbildlichkeit Gottes. Finden Sie das nicht aufregend? Wir sind nicht ein Zufallsprodukt. Du bist kein Zufall, du bist die Krönung der Schöpfung. Alles, was Gott geschaffen hat, hat er mit dem Ziel geschaffen, damit wir einen Lebensraum bekommen.
Stellen wir uns doch das mal vor: Nun wollen wir Menschen machen. Deshalb muss der ganze Himmel hören, jetzt kommt die Hauptsache. Jetzt wird der Mensch geschaffen.

Würde, Verantwortung und der Auftrag zur Bewahrung

Heute wird ja viel von Würde gesprochen, unheimlich viel. Man spricht von der Würde des Sterbens, was man darunter auch immer versteht, würdig sterben. Ich weiss nicht, wie man würdig stirbt. Dignitas meint, man stirbt würdig, wenn man Gift schluckt oder sich vergast, und die anderen meinen, man stirbt würdig so. Und jetzt wird sogar in der ethischen Kommission über die Würde der Pflanze diskutiert.
Also: Würde ist heute der Inbegriff. Wenn ein Mensch, wenn wir als Menschen Würde haben, dann haben wir die Würde einzig und allein, weil wir eben Bilder Gottes sind. Das gibt uns Würde, nichts anderes. Das richtet uns auf, zu wissen, dass wir Menschen ähnlich wie Gott sind, das sagte er selber. Das gibt uns die Würde. Gott gibt uns die Würde, dass er uns als Krönung der Schöpfung geschaffen hat.
Gott hat uns von Anfang an unbeschreibliche Würde geschenkt, und ich denke, wir sind uns manchmal dieser Würde gar nicht bewusst. Denn weder das Elternhaus noch unsere Nationalität geben uns Würde. Auch unser Bankkonto und unsere gesellschaftliche Stellung geben uns keine Würde. Selbst wenn ich im Lexikon mit meinem Namen erscheinen würde, das gibt mir keine Würde. Würde gibt mir einzig und allein Gott, der sie mir geschenkt hat, dadurch, dass er mich geschaffen hat und ich nach seinem Bild geschaffen bin. Das ist die Würde des Menschen.
Und das ist vor allem für Menschen wichtig, die nicht so einen guten Hintergrund haben, wie sie aufgewachsen sind. Für die, die gut aufgewachsen sind, ein gutes Elternhaus hatten und weiss ich was alles, ist die Würde kein Thema. Oder es müsste vielleicht auch wieder eines werden. Man müsste vielleicht erkennen, dass die Würde auch dann, wenn ich aus einem angesehenen Haus komme, nicht von meinem Haus kommt, sondern von Gott. Gott gibt mir Würde.
Und wenn du aus ganz schlechten und vielleicht sogar schlimmen Familienverhältnissen kommst, wenn du dich vielleicht schämst, weil du ein uneheliches Kind bist oder wenn du weisst, dass dein Vater deine Mutter vergewaltigt hat und du dann zur Welt kamst, du bist das Produkt dieser Vergewaltigung, dann müssen Menschen mit so etwas leben. Das ist nicht einfach. Dann lasse ich dir aber ganz deutlich sagen: Dein Leben hat Würde, einfach deshalb, weil du ein Geschöpf Gottes bist, egal wie du aufgewachsen bist. Du bist nicht weniger wertvoll als irgendjemand anders, der in vorteilhaften Verhältnissen aufgewachsen ist, den alle bewundern und ehrfürchtig anschauen, wenn er den Raum betritt.
Die Würde, die wir bekommen, bekommen wir allein von Gott. Das finde ich das Grossartige: dass wir jedem Menschen diese Würde zugestehen können, weil er ein Geschöpf Gottes ist, egal in welchen Umständen er aufgewachsen ist. Das macht man gar nicht einfach. Wenn man in guten Verhältnissen, mit einem guten Umfeld aufgewachsen ist, ist es immer einfacher, auf die zu zeigen, denen es schlechter ging. Wir sollten dankbar sein, wenn es uns gut ging, und wir sollten so sein, dass wir diese Würde, die uns Gott schenkt, auch weitergeben. Dass wir Menschen auch sehen als Menschen, die Geschöpfe Gottes sind, die es verdienen, diese Würde auch zu realisieren, auch in der Begegnung, wie wir ihnen begegnen.
Das Leben, das Gott uns schenkt, ist ihm so wichtig, dass er nach dem Sündenfall das menschliche Leben in besonderer Weise schützen wollte. Er sagt: Wer einen Menschen tötet, muss von Menschenhand sterben, denn der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen. Gott akzeptiert es nicht, wenn seine Gebilde einfach mutwillig zerstört werden. Das zeigt, wie viel Würde Gott dem Menschen gibt. Ich möchte jetzt da nicht noch, ich weiss, dieser Vers spricht noch andere Themen an, aber grundsätzlich zeigt er uns, wie Gott das Leben schützen will. Warum will er es schützen? Steht da: Weil wir nach seinem Bild geschaffen sind.

Der Mensch als Verwalter der Schöpfung

Nun hat Gott natürlich eine klare Vorstellung davon, wie wir Menschen auf dieser Erde leben sollen. Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde und über alles, was auf dem Boden kriecht.
Wir sollen also nicht nur die Krönung der Schöpfung sein, sondern uns ist die Schöpfung anvertraut worden. Das heißt, wir sind als Verwalter von Gottes Eigentum eingesetzt. Das ist, als würde ich ein Haus bauen, es einrichten und meinen Kindern sagen: Das Haus könnt ihr haben, und ihr könnt damit machen, was ihr für richtig haltet. Mit der Einrichtung könnt ihr von mir aus auch einmal etwas verschieben, oder ihr könnt das Wohnzimmer in ein Schlafzimmer verwandeln und umgekehrt. Es braucht einfach Fürsorge.
So hat Gott die Welt uns Menschen übereignet. Nachdem Gott den Menschen geschaffen hatte, also zuerst Adam und dann Eva – das werden wir nächstes Mal, also in zwei Wochen, noch näher betrachten –, segnete Gott den Menschen und sagte: Seid fruchtbar und vermehrt euch, füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz. Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.
Heute erkennen wir gut, dass wir Menschen mit dem, was Gott uns anvertraut hat, nicht fürsorglich umgegangen sind. Aus Gewinnsucht und Machthunger richten wir ein riesiges Chaos auf dieser Welt an. Statt zu bewahren, zerstören wir die Schöpfung.
Manchmal greift Gott selbst ins Geschehen der Geschichte ein und verursacht Katastrophen, damit wir Menschen aufhorchen und vielleicht überlegen, ob wir uns nicht einem Gott öffnen sollten. Aber viele Katastrophen verursachen wir selbst. Es ist nicht Gott, der die Menschen hungern lässt. Wir lassen die Menschen verhungern. Nahrungsmittel gibt es weltweit genug. Wir verteilen sie einfach falsch, zum Teil aus reiner Profitgier.
Was sich jetzt vor unseren Augen abspielt, ist geradezu grotesk. Aus Getreide wird heute Treibstoff produziert, damit wir hier im Westen mit einem guten ökologischen Gewissen Auto fahren können. Stellt euch das einmal vor! Das ist mit ein Grund, nicht der einzige, aber mit ein Grund, weshalb die Getreidepreise weltweit steigen und gerade die Menschen, die es am nötigsten hätten, nicht einmal mehr genug Geld haben, um Essen zu kaufen. Das ist ein Dilemma, zumal die Ökobilanz von Ökotreibstoff gar nicht gut ist. Da kann man gerade so gut Benzin ins Auto tanken.
Heute wird mit Nahrungsmitteln spekuliert. Warum die Immobilien zusammengekracht sind, sind sie für die Investoren nicht mehr interessant. Jetzt treiben sie einfach die Lebensmittelpreise hoch. Im Radio hat man gesagt, bis das Produkt beim Verarbeiter ist, beim Händler und im Laden steht, haben x Leute zwischendurch verdient. Vermutlich hat der, der es angepflanzt hat, am wenigsten verdient. Jeder verkauft es dem anderen weiter, man macht Termingeschäfte und treibt die Preise hoch, und wir wissen noch nicht, wohin das führen wird.
Wir sind wieder in einer Phase, in der man sagen kann: teure Zeiten. Uns geht es noch gut, aber Diesel kostet auch schon zwei Franken. Der Reispreis hat sich im letzten Jahr noch mehr als verdoppelt. Das können wir uns immer noch leisten, aber für andere Menschen in anderen Ländern ist das eine riesige Katastrophe. Die haben nicht noch Geld auf der Bank, um dann noch schneller am Bankomaten etwas herauszuholen, weil der Reis teurer ist. Dann gibt es keinen Reis.
Das ist nicht Gottes Schuld. So hat er sich das bestimmt nicht vorgestellt, als er uns die Welt anvertraute. Es ist nicht Gottes Schuld, dass wir heute an diesem Punkt stehen. Es ist nicht seine Schuld, dass wir Zeit und Geld dafür eingesetzt haben, Waffen zu konstruieren, mit denen die Menschheit ausgelöscht werden könnte. So etwas Verrücktes! Wir könnten heute die Menschheit mehrfach auslöschen. Mit Chemiebomben, mit biologischen Bomben, mit Atombomben. Und da werden Milliarden und Abermilliarden hineingebuttert. Es ist nicht Gottes Schuld.
Aber was ich interessant finde, muss ich jetzt auch noch sagen: Gott hat uns den Auftrag gegeben, die Welt zu verwalten, als Verwalter Gottes. Was ich sehr interessant finde, ist Folgendes: Wenn wir jetzt durch die Bibel gehen und in die neue Welt kommen, von der ich gesprochen habe, was machen wir dann dort? Was werden wir in der neuen Welt machen, außer singen? Was machen wir? Herrschen, regieren!
Das heißt, Gott hat seine ursprüngliche Idee, die Bestimmung des Menschen, nicht abgeändert. Nur die Sünde hat das pervertiert, was da geschehen ist zwischendrin oder was jetzt geschieht. Aber sowohl die Würde wie auch der Auftrag bleiben erhalten. In der neuen Welt wird der Mensch wieder regieren. Lest es selber nach, die letzten zwei Kapitel in der Offenbarung, dann werdet ihr das sehen.
Also all die, die meinen, der Himmel würde daraus bestehen, dass wir von morgens bis abends singen: Fehlschlag! Wir werden arbeiten. Wir werden auch singen. Aber es ist wirklich ein Trost für die, die nicht gern singen, weil das wäre einfach eine schreckliche Vorstellung für jemanden, der nicht gern singt, dass er immer von morgens bis abends singen müsste. Gut, dann kann man sagen: Im Himmel singst du dann gern. Aber das glaubt er dir ja nicht. Nein, du wirst arbeiten. Wir werden einen Auftrag haben, wir werden nicht einfach im Schlafenland herumhängen und alles fällt uns in den Mund. Und es wird faszinierend sein, das kann ich euch sagen. Aber lest die letzten beiden Kapitel nach.
Gott hat seine ursprüngliche Idee, wo alles gut war, nicht einfach fallen lassen und gesagt: Ja, jetzt in der neuen Welt, da lasse ich den Menschen herumhängen. Nein, er wird in der neuen Welt regieren. Das finde ich super.
Gott sagte dann auch noch, wer welche Nahrung essen soll. Am Anfang waren ja alle Vegetarier, bis zur Sintflut. Und ab der Sintflut sollen sie auch Fleisch essen. Vielleicht hat sich da nahrungsmäßig etwas verändert. Und in der neuen Welt werden wieder Vegetarier sein, da werden sogar die Löwen Gras fressen.
Cool, dann können die Kinder mit Löwen spielen, und so wäre es super, oder? Ein gutes Erlebnis mit Löwen und Bären: Es passiert nichts, die Mütter müssen keine Angst haben. Das ist eine super Welt, und das ist kein Hirngespinst. Gott wird das schaffen, hundertprozentig.
Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und sah: Es war sehr gut. Alles war sehr gut. Es wurde Abend, und wieder Morgen, der sechste Tag. Und abgeschlossen wurde die Schöpfung mit dem Ruhetag, also mit dem siebten Tag.

Die Würde des Menschen und seine Beziehung zu Gott

Wir Menschen sind dadurch gewürdigt, dass wir nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden und somit Gott ähnlich sind. Es ist, wie wenn ihr ein Verwandtschaftstreffen habt. Das kennt ihr auch in eurer Verwandtschaft, oder wenn ihr Verwandtschaft beobachtet. Dann trifft man sich und sagt: typisch, der gehört meiner Schwester, der gleicht nämlich meinem Jungen. Wir sind uns ähnlich. Bis in die Bewegungen hinein, bis in die Mimik, wie man reagiert. Dann sieht man: Das muss der Bruder von dem sein, die Schwester von dem. Wir sind uns ähnlich, und so sind wir Gott ähnlich.
Stellen wir uns das einmal vor: Wir sind Gott ähnlich. Wer sagt das? Sagt das ein Mensch? Nein, das sagt Gott. Gott selbst sagt, dass wir ihm ähnlich sind, und das gibt uns eine unwahrscheinliche Würde. Überall, wo wir Menschen begegnen, begegnen wir ähnlichen Gestalten, ähnlichen Wesen wie Gott. Weil Gott uns geschaffen hat und weil er uns geschaffen hat, sind wir auch gewissermaßen sein Eigentum. Er sagte das einmal so in Hesekiel, und wir haben das übrigens auch in der Schriftlesung interessanterweise gehört, vom Lobpreisteam. Ich habe das Leben jedes Einzelnen in der Hand, das Leben des Sohnes so gut wie das Leben des Vaters. Alle beide sind mein Eigentum. Nur wer sie schuldig macht, muss sterben.
Also, ob es uns gefällt oder nicht, wir gehören unserem Schöpfer. Und weil wir ihm gehören, sind wir ihm gegenüber verantwortlich. Das ist auch der tiefere Grund, warum viele Menschen den Schöpfer ablehnen. Denn wenn es keinen Schöpfer gibt, gibt es keine Verantwortung. Wenn es keinen Schöpfer gibt und ich ein Produkt des Zufalls bin, dann kann ich meinen Nachbarn abmurksen, wenn er mir im Weg kommt. Dann geht nur noch Fressen und Gefressenwerden. Dann gibt es keine moralische Instanz mehr. Ich muss mich niemandem gegenüber verantworten.
Und wenn die ganze Theorie, dass die Welt durch Zufall entstanden ist, stimmt, dann ist das ein massiver Angriff direkt auf Gott. Denn wenn es keinen Schöpfer gibt, gibt es keine Verantwortung. Es gibt keine moralische Instanz mehr für den Menschen, der macht, was er will. Und was will der Mensch? Da kommen wir dann noch in der vierten Predigt zu: Er will sein wie Gott. Und so benimmt er sich auch.
Gibt es einen Schöpfer, dann sind wir ihm gegenüber verantwortlich. Gottes Sehnsucht ist und bleibt immer dieselbe: Gott möchte mit uns in Gemeinschaft leben. Er hat uns geschaffen, und er hat sich gefreut, bin ich überzeugt, uns zu schaffen. Deshalb hat er den Himmel aufgerufen: Nun wollen wir Menschen machen. Passt auf, was jetzt geschieht. Und er wollte in der Gemeinschaft mit denen leben, die wie er ähnlich sind.
Das ist dann etwas schiefgelaufen, nicht wegen Gott, sondern wegen uns. Aber die Sehnsucht Gottes ist geblieben, mit uns Menschen in Gemeinschaft zu leben. Gott möchte mit uns in Gemeinschaft leben, möchte Versöhnung mit uns. Gott freut sich in keiner Art und Weise, wenn er Menschen strafen muss. Hesekiel sagt, ich liebe einfach diesen Vers: Meint ihr, ich hätte Freude daran, wenn ein Mensch wegen seiner Vergehen sterben muss? Nein, ich freue mich, wenn er von seinem falschen Weg umkehrt und am Leben bleibt. Das freut mich.
Die Sünde hat den Menschen sehr entstellt. Die Sünde entfernte uns von der Ebenbildlichkeit Gottes. So hat sich die Ebenbildlichkeit pervertiert. Das ist, wie wenn ich jetzt süchtig würde, ich würde mich mit Drogen vollpumpen, und dann würdet ihr mich in zwei Jahren sehen. Dann würdet ihr sagen: Was, das ist der Jürg? Den gar nicht mehr gekannt, komisch, wie der jetzt geworden ist. Ich habe mich durch Versündigung von meinem Bild entfernt.
Und so hat der Mensch sich durch Versündigung von der Ebenbildlichkeit Gottes entfernt. Er ist immer noch Ebenbild, aber ein pervertiertes Ebenbild, das Erneuerung nötig hat, das verändert werden muss. Und das schaffen wir nicht aus eigener Kraft, sondern nur durch die erneute Schöpfung, die dann geschieht, wenn wir unser Leben Jesus anvertrauen, der am Kreuz für unsere Schuld starb. Nur so geschieht Veränderung, nur so finden wir wieder zur Ebenbildlichkeit zurück, durch eine Neuschöpfung.
Das haben wir letztes Mal gesehen, als Paulus sagt: Gott hat gesprochen in mein Leben, ein Licht ist er in mein Leben gekommen. Noch zwei Verse aus dem Kolosserbrief zum Schluss: Belügt einander nicht mehr. Ihr habt doch das alte Gewand ausgezogen, den alten Menschen mit seinen Verhaltensweisen. Ihr habt das neue Gewand angezogen, den neuen Menschen, den von Gott erschaffenen Menschen, der fortwährend erneuert wird, damit ihr Gott immer besser kennenlernt und seinem Bild ähnlicher werdet.
Das sehen wir: Dass die Ebenbildlichkeit Gottes immer stärker wieder zum Tragen kommt, das ist das Ziel Gottes. Als Gemeinde Gottes sollen wir danach streben, Gott ähnlicher zu werden, dass unsere Ebenbildlichkeit mit Gott immer stärker zum Tragen kommt, auch in unserem Wesen, in unserem Leben.

Schlussgebet

Ich bete mit uns.
Ich danke dir, Vater, für deine Größe und Herrlichkeit und dafür, dass du uns als Menschen geschaffen hast. Das war dein zentraler Schöpfungsakt. Darauf hat alles abgezielt, und irgendwie können wir gar nicht wirklich begreifen, wie wunderbar es ist, dass wir so wichtig sind in deinen Augen.
Dass du wirklich diese ganze Welt eigentlich nur deshalb erschaffen wolltest, weil du uns als dein Ebenbild machen wolltest, weil du uns Lebensraum geben wolltest.
Und ich danke dir, dass wir deshalb auch wissen, dass jeder Mensch, egal wie er aufgewachsen ist, wo er lebt, wo er jetzt steckt und mag er noch so abgefragt sein, in sich die Würde trägt, die nur du einem Menschen verleihst. Auch wenn dein Ebenbild nicht mehr ganz richtig erkennbar ist, steckt es doch in ihm drin, weil er der Mensch ist, den du geschaffen hast, als Abbild Gottes, als Ebenbild Gottes.
Wir danken dir für dieses Vorrecht. Und wir wünschen auch, dass noch viel mehr Menschen begreifen, dass das gar nichts Schlimmes ist, nichts Schreckliches, sondern dass es etwas Wunderbares ist, zu wissen, dass wir nicht einfach durch Zufall dastehen, sondern dass wir von dir gemacht worden sind, von einem Gott, der uns liebt.
Wir beten dich an. Amen.