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Glaube allein - Was Vor Gott wirklich zählt!

17.09.2023
Wie stehst du vor Gott, wenn alles auf dem Spiel steht? Nicht Leistung macht dich gerecht, sondern Vertrauen auf Jesu Opfer – und das stellt dein ganzes Leben auf den Kopf.

Der entscheidende Moment vor Gott

Schönen guten Morgen auch von mir. Schön, dass ihr da seid. Man merkt, die Urlaubszeit ist wieder vorbei, es wird voll. Ich freue mich darüber.
Was würdest du Gott antworten, wenn du heute Abend sterben würdest, vor ihm stehen würdest und er dich fragen würde, warum er, der dreimal heilige, ewige, gerechte Gott, dich in seiner Gegenwart dulden soll? Was wäre deine Antwort?
Ja, richtig: das Blut seines Sohnes. Aber es ist noch ein bisschen mehr. Darauf kommen wir noch. Letztendlich dreht sich diese Frage darum, ob du rein und gerecht bist, sodass Gott dich dulden kann. Das ist etwas, womit wir heute nicht mehr so viel anfangen können. Aber wenn wir darüber nachdenken und auch einmal von einem juristischen Standpunkt darauf schauen, dann bedeutet es, dass jemand nicht verurteilt werden kann. Dann bedeutet es, dass er gerechtfertigt ist für das, wie er gehandelt und gelebt hat.
Das ist die Frage, die geklärt werden muss, wenn dieser Moment eines Tages kommt. Und das Spannende ist: Wenn ihr in die Geschichte dieser Welt hineinschaut, dann war das die Zentralfrage schlechthin, die alle Menschen beschäftigt hat. Heute ist das interessanterweise ein bisschen weniger so. Aber das hat vielleicht mehr damit zu tun, dass wir Profis im Verdrängen geworden sind, als damit, dass wir uns ernsthaft damit auseinandergesetzt hätten oder diese Frage nicht mehr relevant wäre. Die Frage, wie kann ich gerecht vor Gott sein, wie kann ich vor Gott bestehen, das ist die Frage schlechthin in der Geschichte der Menschheit.
Warum traue ich mir, so eine Aussage zu treffen? Du kannst hingehen, wo du willst auf dieser Welt: Du findest Anbetungsstätten, Tempel, Religion. Du findest vielleicht in vielen Ländern keine Schulen, keine Schulsysteme, keine Krankenhäuser und Ähnliches. Aber was du so gut wie überall auf dieser Welt findest, ist Religion. Und warum ist Religion da? Weil sie sich genau mit dieser Frage beschäftigt: Wie kann ich eines Tages vor Gott bestehen?
Klar, nicht jede Religion hat einen Gott, manche haben mehrere, und nicht jede Religion hat denselben Gott. Aber es deutet darauf hin, dass bei den Menschen von Anfang an eine Ahnung da war, dass dort jemand ist, vor dem sie sich eines Tages rechtfertigen müssen. Und wenn ihr dann einmal schaut, worum es da geht, dann werdet ihr feststellen, dass es eigentlich durch die Bank um eine Sache geht. Jede Religion bringt ihren Regelkatalog mit und fordert dessen Einhaltung. Und wenn du sie erfüllst, dann kannst du in der Ewigkeit ins Paradies oder, wie es auch immer dort genannt wird, eingehen.
Interessanterweise, das trifft auch so gut wie auf jede Religion zu, lassen sich diese Regeln immer in zwei Teile unterteilen. Das eine sind moralische Regeln, nach denen du leben sollst oder was du nicht tun sollst. Das ist ganz häufig so. Und das andere ist, dass du irgendwelche Zeremonien bringen musst. Das ist je nach Religion unterschiedlich gelagert, bis dahin, dass es zig Religionen gab, die sogar Menschenopfer gebracht haben, nur um die Götter irgendwie gnädig zu stimmen. Nur um zu schaffen oder die Hoffnung zu haben, dass sie, wenn sie sterben, von Gott ein Ja als Antwort bekommen: Komm zu mir.
Was zählt aber wirklich? Und Andreas hat schon eine Antwort reingebracht: das Blut seines Sohnes, das Sühnopfer letztendlich. Und ja, das ist richtig. Aber da kommt noch etwas dazu, nämlich mein Vertrauen darauf. Ich werde heute begründen, warum es darum geht, dass das die christliche Antwort ist und dass sie sich deshalb fundamental auch von den anderen Religionen unterscheidet.
Und ich habe mir so gedacht: Darüber eine Predigt? Langweilt die Leute nicht, das ist doch basic, das ist doch langweilig. Hm, dummerweise kam ich im Galaterbrief gerade wieder an die Stelle, wo es darum ging. Ja, und wenn ihr den Galaterbrief dann an der Stelle lest, und das ist mir dann so gegangen, dann ist mir aufgefallen: Ja, hoppla, da taucht jetzt ein anderer Kamerad auf. Das haben wir bei der letzten Galaterpredigt schon angerissen. Für den hätte das der Basic sein müssen, und er hat es nicht hinbekommen. Der scheint über diese simplen Wahrheiten wieder verwirrt gewesen zu sein, und das war niemand Geringeres als Petrus.
Petrus scheint die Antwort auf die alles entscheidende Frage, wie kann ich vor Gott bestehen, wie kann ich vor Gott gerecht sein, rein werden, irgendwie vergessen zu haben. Und das lest ihr in Galater 2,11-14. Da fangen wir mal an. Wir gehen heute noch bis Ende Kapitel 2 durch. Also Galater 2,11-14, wo Paulus schreibt, interessanterweise nennt er ihn hier Kephas. Ich weiß nicht, ob bei euch in der Bibel Petrus steht, aber im Urtext steht tatsächlich auch Kephas, und einige Übersetzungen haben das mit übernommen.
Da heißt es: Als aber Kephas nach Antiochia kam – Antiochia war wahrscheinlich eine der Gemeinden, an die der Galaterbrief auch ging –, widerstand ich ihm ins Angesicht; denn es war Grund zur Klage gegen ihn.
Das mal präsent zu machen: Paulus sagt hier, dass er Petrus ins Angesicht widerstand. Das heißt, er stellt sich gegen ihn, er weicht da nicht zurück. Und das ist schon eine sehr heftige Formulierung. Und Petrus ist nicht irgendjemand, sondern es ist einer der Apostel der Gemeinde, einer der Leiter. Es ist einer der drei engsten Jünger Jesu. Es ist der, der an Pfingsten aufgestanden ist, gepredigt hat, und es haben sich dreitausend Leute bekehrt. Und der kommt dann nach Antiochien, und Paulus muss ihn, ihr werdet nachher auch noch lesen, öffentlich zurechtweisen und sich gegen ihn stellen. Warum?
Das lest ihr jetzt in Vers 12: Denn bevor einige von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden. Als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus dem Judentum fürchtete. Und mit ihm heuchelten auch die anderen Juden, sodass selbst Barnabas verführt wurde, mit ihnen zu heucheln. Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben?
Also, um das uns plastisch zu machen, was da passiert, weil das klingt erst einmal eigentlich ziemlich undramatisch: Petrus ist in Antiochien, und Petrus ist da schon eine ganze Weile, und er hat überhaupt kein Problem, mit allen zusammen zu essen. Wir denken uns: Jo, wo soll da auch das Problem sein? Für einen Juden war das aber völlig ungewöhnlich, sich mit Heiden, also allen, die nicht Juden waren, zusammen an einen Tisch zu setzen. Warum? Weil der Heide per se erst einmal als unrein gegolten hat. Und im Alten Testament gab es da einige Gebote. Das ist nicht so, dass, wenn ich damit in Berührung komme, ich quasi auch unrein werde. Dann gab es viele Speisegebote und so weiter. Da will ich jetzt in der Zeit nicht auf jedes eingehen.
Auf jeden Fall hat Petrus für sich entschieden gehabt, das nicht mehr zu beachten, um mit den Heiden zusammen zu essen. Wundert uns eigentlich nicht, denn wer die Apostelgeschichte kennt, der hat im Kopf vielleicht, dass gerade Petrus derjenige ist, der in dem Haus, wo er unterwegs ist, auf einem Dach ist, um zu beten. Und was passiert da? Er bekommt eine riesige Vision, wo nämlich alle möglichen unreinen Tiere herunterkommen. Ihm wird geboten, die zu schlachten und zu essen. Warum? Weil ihm verdeutlicht wird, dass das aufgehoben ist, dass diese Unreinheit nicht mehr zählt.
Und warum tut Gott das? Das können wir in Apostelgeschichte 10 und 11 nachlesen. Da haben wir nicht die Zeit, das komplett zu lesen. Gott tut es, um Petrus zu den Heiden zu schicken und ihm deutlich zu machen: Auch denen gilt das Evangelium, und diese Trennwand ist aufgehoben. Ihr braucht euch nicht mehr um diese Reinheitsgebote und so weiter kümmern, die zwischen euch stehen, weil auch für die Heiden das Evangelium gilt.
Und Petrus bringt das selbst dann mal zum Ausdruck in Apostelgeschichte 10,34-35, wo er begründen muss, warum er sich auf die Heiden so eingelassen hat. Da sagt er: Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm.
Und in Apostelgeschichte 11 verteidigt er das auch in Jerusalem noch einmal, warum das passiert ist. Aber Petrus hat dann eine große Wahrheit erkannt: Dieses Evangelium Jesu, und Evangelium beinhaltet eben diese Botschaft, dass er für uns gestorben ist und sein Blut uns reinwäscht, gilt für Juden und Heiden, und es wäscht die Unreinheit, die da war, weg. Das hat Petrus verstanden, und so lebt er auch erst einmal in Antiochien, bis ein paar aus Jerusalem kommen, von Jakobus, wahrscheinlich dem Apostel.
Wir wissen jetzt nicht: Wenn gerade der Galaterbrief vor dem Apostelkonzil geschrieben worden ist, dann war da vielleicht noch nicht Klarheit da. Für mich erklärt sich das dadurch am ehesten. Und vielleicht hat Paulus diese Situation auch bewusst so hart eskaliert, weil er Klarheit haben will in dem Punkt. Aber auf jeden Fall kommen ein paar von Jerusalem, und was passiert? Petrus vergisst alles, was er bisher getan hat. Er vergisst, was Gott ihm da für eine Vision geschenkt hat und zu ihm geredet hat. Er vergisst, was er mit Cornelius, diesem Hauptmann, erlebt hat. Er vergisst, wie er das verteidigt hat, setzt sich zu den Juden, trennt sich wieder von den Heiden und sagt: Bitte hier Essen für die Juden, Reinheit da drüben im Kinderstundenzimmer auf den niedrigen Tischen, da können die Heiden essen, von den Krümeln unten. Und baut diese Trennwand, die da war, die abgerissen war, wieder auf. Er stellt diese Trennung wieder her.
Was bringt er damit zum Ausdruck? Er bringt wieder zum Ausdruck, dass diese Heiden – und wir reden jetzt hier nicht von Heiden, die fremden Göttern opfern, sondern wir reden von Geschwistern, die gläubig geworden sind – nicht rein genug sind, um mit ihm an einem Tisch zu sitzen.
Der Text sagt uns auch, warum er das tut: weil er diese hoch angesehenen Brüder aus Jerusalem fürchtet. Vielleicht hat er Angst gehabt, dass er in eine Diskussion hineinkommt mit einigen von ihnen. Vielleicht hat er Angst gehabt, dass es einen Konflikt mit Jakobus gibt. Wir wissen nicht, ob Jakobus das selbst auch so gesehen hat. Ich denke nicht, weil im Apostelkonzil später entscheiden sie das anders. Aber Petrus scheint irgendwie ängstlich zu sein. Er ist von Menschenfurcht gepackt und vergisst deshalb alles, was Gott ihm gezeigt hat. Und Paulus hat dann nur ein Wort dafür: Heuchelei.
Was ist Heuchelei? Heuchelei ist, äußerliche Dinge zu tun, die mich besser dastehen lassen, obwohl ich innerlich eigentlich dafür gar nichts übrig habe. Etwas vorspielen. Vorspielen, dass ich besser wäre, als ich es wirklich bin. Und Petrus tut das. Und das führt dazu, dass andere Juden mitmachen. Paulus ist sogar so schockiert, dass sogar Barnabas da mitzieht. Also Paulus steht wirklich da, glaube ich, in Antiochien, schaut sich das an, er war zu dem Zeitpunkt wohl auch vor Ort, und ist schockiert, wenn er den Text liest. Also: Was passiert da mit denen? Die lassen sich da alle mitreißen. Warum?
Der Text gibt uns nicht die volle Antwort. Menschenfurcht, vielleicht war Petrus auch irgendwie stolz auf sein jüdisches Erbe? Vielleicht hat er da etwas darauf gehalten, dass sie ein bisschen besser wären als die anderen? Genau können wir es nicht sagen. Aber Paulus stellt Petrus jetzt zur Rede. Und wie tut er das? Ab Vers 15. Und ihr werdet jetzt merken, dass Vers 15 bis 21 extrem komprimiert sind, was Inhalt angeht. Das ist eigentlich der Galaterbrief in a nutshell, also in einer komprimierten Nussschale irgendwie zusammengefasst, worum es Paulus da wirklich geht, weil er danach noch einmal viel genauer ausführt und viel genauer begründet, was er hier jetzt anreißt.
Und das Ganze ist ausgelöst durch diese Diskussion mit Petrus. Und er fängt an in Vers 15, indem er sagt: Wir sind von Geburt Juden und nicht Sünder aus den Heiden. Und da sagen Petrus und die anderen wahrscheinlich erst einmal: Ja, deswegen ist man getrennt, deswegen sitzen wir an einem Extratisch. Und ja, Paulus sagt damit quasi: Ja, es stimmt, die Juden sind Gottes auserwähltes Volk und bringen damit erst einmal eine andere Grundlage fürs Leben mit als Nichtjuden.
Paulus beschreibt in Epheser 2,11-12 – das lese ich jetzt nicht –, dass die Heiden erst einmal ausgeschlossen waren von dem Bürgerrecht Israels. Und allein durch die Maßstäbe von Gottes Gesetz haben Juden ja per se schon mal anders gelebt als die Heiden um sie herum, da eine gewisse Reinheit zum Ausdruck gebracht. Meine Großeltern haben noch solche Sprüche gekannt wie: Was für ein Heide! Oder: Der lebt wie ein Heide! Oder irgendwie so etwas in die Richtung. Was meint: Na ja, der hat es richtig krachen lassen im Leben und so alles missachtet, was heilig war. Und das kommt davon, dass da schon irgendwo ein Unterschied war zwischen Juden und Heiden. Das Gesetz hat dazu geführt, dass da ja scheinbar ein besseres Leben da war.
Und in Philipper 3 arbeitet Paulus mal ziemlich stark heraus, wie es auf ihn erst recht zugetroffen hat, dass er besser gelebt hat als alle um ihn herum und nicht so ein sündiges Leben. Aber Paulus weist jetzt Petrus auf etwas hin, was nämlich sowohl Paulus als auch Petrus erkannt haben: Obwohl sie aus diesem auserwählten Volk waren, obwohl sie Gottes Maßstäbe, Gottes Gesetz kannten und obwohl wie ein Paulus alles daran gesetzt hat, das auf das i-Tüpfelchen einzuhalten, schreibt er nämlich in Vers 16, was er erkannt hat:
Doch – und das ist jetzt angeknüpft an die Aussage vorher, an dieses „Wir sind von Geburt Juden und nicht Sünder aus den Heiden“ – doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.
Welch schockierende Nachricht steckt da erst einmal drin für jemanden, der eigentlich ganz gut lebt. Das bessere Leben, die bessere Erblinie und was weiß ich, reicht nicht. Selbst für einen Paulus nicht, selbst für seine ganzen Volksgenossen nicht. Und wenn es für die nicht reicht, dann doch für alle anderen Nationen und Völker erst recht nicht. Denn wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird.
Und viele Ausleger gehen davon aus, dass Paulus hier teilweise Psalm 143 im Kopf hat und davon ein Stück weit abgeleitet zitiert. In Psalm 143, Vers 2 heißt es: Und geh nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.
Und für alle, denen das in Galater zu kurz kommt, hat der Christian demnächst Römer 3 parat, wo Paulus das noch einmal viel ausführlicher herausarbeitet, dass beide Gruppen, Heiden und Juden, nicht gerecht sind. Zugespitzt am Ende von Römer 3,23, das ist ein Vers, den jeder auswendig lernen sollte: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.
Das war also die Erkenntnis, zu der Paulus und Petrus gekommen sind: Es reicht nicht für sie. Und das sind diejenigen, die ganz vorne auf der Leiter mitstanden, wo es darum ging, diesen Regelkatalog in Perfektion einzuhalten. Es reicht nicht!
Und es war die Erkenntnis, zu der Martin Luther gekommen ist, als er im Kloster war und sich um alles gemüht hat und seinen Klosterbrüdern um Meilen voraus war, wenn es darum ging, Werke zu tun, Buße zu tun und Ähnliches. Und Luther war immer verzweifelter, immer verzweifelter, weil umso mehr er gemacht hat, umso mehr hat er erkannt: Es reicht nicht, es reicht nicht. Er kann durch das Gesetz niemals gerecht werden, egal wie sehr er danach ringt.
Und das ist schockierend. Schockierend für alle, die auf ihr Leben etwas halten. Schockierend für alle, die sich für etwas Besseres halten und denken, sie kriegen es doch ganz gut hin. Wenn Paulus und Luther, die Besten ihrer Zeit, nicht in der Lage waren, Gott zufriedenzustellen mit ihrer eigenen Leistung, dann du erst recht nicht.
Und das will ich dir sagen: Es reicht auch für dich nicht. Auch wenn du keine jüdischen Wurzeln hast, glaube ich, dass viele von uns christlich aufgewachsen sind. Und wir leben in einer absolut antichristlichen Zeit. Und wisst ihr, was das mit sich bringt? Dass man sich von Geburt an ganz schnell für jemanden fühlt, der nicht ist wie die Sünder der Heiden, der von Geburt an nicht ist wie ein Sünder aus den Heiden, der es doch im Vergleich zu seinem Umfeld ganz gut hinkriegt und der, wenn er so die Maßstäbe der Leute um sich herum an sich anlegt, doch ganz gut abschneidet.
Und ja, das stimmt, wenn du dich vergleichst mit dem, was um dich herum passiert. Vielleicht bist du achtzehn und hast noch nicht mit zwanzig Mädels geschlafen. Vielleicht bist du der, der anständig durchs Leben geht, der nicht stiehlt und was weiß ich was, und du siehst gut aus in deinem Umfeld. Aber weißt du, was ich dir garantiere? Umso mehr du darum ringst, Gott zufriedenzustellen, umso mehr du in sein Gesetz hineinschaust, was er von dir fordert, du wirst eine Feststellung machen: Es reicht nicht.
Und wenn du heute Abend stirbst und in der Ewigkeit vor ihm stehst und er die Frage stellt, warum er dich zu sich lassen soll, und deine Antwort ist: Weil ich im großen Ganzen anständig gelebt habe, weil ich mein Leben für dich gelebt habe, dann wird er sagen: Reicht nicht. Ich habe hier noch ein paar Punkte, die passen nicht.
Wir sind schnell dabei, weil es in uns Menschen tief drinsteckt, dass wir auf unsere eigenen Werke und Leistungen setzen, gerade dann, wenn wir dabei vermeintlich gut abschneiden. Und ich glaube, das ist eine riesengroße Gefahr für uns, wo vielleicht in unserem Leben, durch das wir sie aufgewachsen sind, nie so tief in der Welt waren, weil wir ganz gut wegkommen. Aber es reicht nicht. Vielleicht ist es auch Sicherheit, die wir uns behalten wollen, weil wir es selber in unserer eigenen Hand haben, weil wir doch dann selber etwas tun können, weil wir es doch selber steuern können. Aber es reicht nicht.
Wenn nicht einmal der beste Jude Paulus eine Chance hat, wer dann?

Der Weg der Rechtfertigung allein aus Glauben

Das Gute ist, dass das nicht das Einzige ist, was die beiden erkannt haben, Paulus und Petrus, und was Petrus wieder vergessen hat, sondern dass dies das große Wort hier in Vers 16 ist: sondern durch den Glauben an Jesus Christus.
Und jetzt passt auf, wie oft diese Formulierung hier jetzt vorkommt. Die schlägt Paulus hier nämlich dem Petrus um die Ohren: Durch den Glauben an Jesus Christus sind wir auch zum Glauben an Jesus Christus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht. Paulus schreibt jetzt gleich dreimal: durch den Glauben an Jesus Christus. Und für den, der es nicht merkt, kommt es danach gleich noch einmal vor. Wiederholung ist die Mutter alles Lernens. Vielleicht muss sich das tief in uns einprägen, weil was sagt Paulus hier? Es gibt eine andere Möglichkeit, die reicht, nämlich Glauben an Jesus Christus. Und da steckt natürlich dahinter dieses stellvertretende Opfer.
Im Vers 20 schreibt er das dann auch noch einmal ein bisschen ausführlicher: der mich geliebt und für mich hingegeben hat. Das ist das, was Andreas am Anfang erwähnte mit dem Blut. Was ist also die Antwort? Die einfache Antwort: Wenn du vor Gott in der Ewigkeit stehst, dann gibt es nur eine Antwort. Nicht: weil ich Christ war. Nicht: weil ich mich mal bekehrt habe. Nicht: weil ich etwas geleistet habe. Die einzige Antwort ist: Herr, weil ich glaube, dass das, was dein Sohn auf Golgatha getan hat, mich reingewaschen hat. Weil mein ganzes Vertrauen im Sterben und Auferstehen von Jesus Christus ist. Weil ich daran glaube. Weil ich alles aufgegeben habe, wo ich selbst etwas leisten könnte, und mein ganzes Vertrauen in das Werk des Einen hineingelegt habe.
Das Prinzip, das Paulus beschreibt, und da geht es aber hier in den Versen nicht, deswegen nur ganz kurz, ist, dass Jesus als vollkommenes Opfer stirbt, damit alle Anforderungen des Gesetzes erfüllt sind, sowohl das, was du nicht tun sollst, als auch das, was an Zeremonialgesetzen gefordert war, mit Opfern und allem Möglichen, und er damit zur Grundlage der Rechtfertigung wird. Und wer sein Vertrauen darauf setzt, also glaubt, dem rechnet Gott das zu. Dadurch wird dieses Opfer für uns gültig.
Was heißt das also? Das Mittel der Erlösung ist das stellvertretende Opfer Jesu Christi. Aber dass es uns Gott zurechnet, das ist unser Vertrauen und Glaube darauf. Dadurch wird es gültig für uns. Nur wer darauf sein Vertrauen und seine Hoffnung setzt, nur für den gilt es. Es heißt damit aber auch: Wer sein Vertrauen und seine Hoffnung auf etwas anderes setzt, für den gilt es nicht. Und das ist der Kontrast, den Paulus hier aufzieht zwischen den Werken des Gesetzes und diesem Glauben an Jesus Christus.
Es kann nur einen Weg geben. Entweder du wirst gerecht aus eigener Leistung, und dann wird die Frage da sein, ob es reicht, oder du wirst gerecht, weil du auf die Leistung eines anderen vertraust, weil du glaubst und weißt, dass Jesu Opfer ausreicht. Das ist die Zentralbotschaft des Neuen Testaments. Das war die Erkenntnis Luthers, weshalb er angefangen hat, den Galaterbrief zu lieben, und das eine seiner ersten Vorlesungen war, wo er mit Rom in Konflikt gekommen ist, weil er gemerkt hat: Nicht die Werke zählen, sondern der Glaube zählt.
Und nur um das deutlich zu machen: Vier Stellen, die ich recht schnell vorlesen werde, aus anderen Stellen im Neuen Testament, die sich alle um das Thema drehen, ausführlicher oder weniger ausführlich:
 Römer 3,28: So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.
 Epheser 2,8-9: Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.
 Philipper 3,9, wo Paulus zu der Erkenntnis kommt, was das alles für ihn bedeutet. Obwohl er diesen großartigen Lebenslauf hat, kommt er zu einer anderen Erkenntnis. Und in ihm gefunden werde, das ist sein Wunsch, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, obwohl die ganz gut aussah bei Paulus, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Da ist es auch noch einmal beschrieben, dieses Zurechnen der Gerechtigkeit, die außerhalb von uns selbst liegt. Und damit war ja manche Leute meinen, Paulus wäre nicht so wichtig. Stimme ich überhaupt nicht zu, aber auch noch eine Stelle aus den Evangelien:
 Johannes 3,18: Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.
Was für dich und mich zählt, ist, unser Vertrauen auf das zu setzen, was Jesus getan hat. Das kostet dich enorm viel. Weißt du warum? Weil ich alle in mich gesetzte Hoffnung aufgeben muss. Weil ich es aus meiner Hand geben muss, dass ich die Sache selber hinbekomme, und auf jemand anderen vertrauen muss. Weil ich vertrauen muss, dass das, was Jesus getan hat, wirklich reicht. Das ist genau der Punkt, warum es Glaube allein heißt und nur der Glaube rettet.
Ich schätze den Heidelberger Katechismus sehr, und vielleicht müssten wir wieder ein bisschen mehr Katechismus lernen. Frage 60 heißt es da: Wie bist du gerecht vor Gott? Oder anders formuliert: Wie kannst du vor Gott rein sein? Die Antwort ist: Allein durch wahren Glauben an Jesus Christus, und zwar so, dass, obwohl mich mein Gewissen anklagt, dass ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines von ihnen jemals gehalten habe und ich auch immer noch zu allem Bösen neige, Gott mir trotzdem ohne irgendeinen Verdienst meinerseits aus lauter Gnade die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schenkt und zurechnet, als hätte ich niemals eine einzige Sünde begangen oder gehabt und selbst den ganzen Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat, wenn ich nur diese Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.
Glaubst du das? Ist das deine Antwort, wie du vor Gott gerecht sein kannst? Bist du bereit, selbst dieses Gewissen, das dich anklagt, auf die Seite zu schieben und zu sagen: Es ist bezahlt?
Warum klagt uns dieses Gewissen oft noch falsch an? Es geht hier um eine falsche Anklage. Weil es uns wieder zu Werken des Gesetzes führen will. Weil es uns dazu führen will, dass wir wieder aufhören, auf dieses Opfer zu vertrauen, und selber das Rennen anfangen und wieder anfangen, auf unsere eigene Gerechtigkeit zu vertrauen.
Ich möchte noch ein Zitat bringen von einer Lutherbiografie von Obermann, die ich total spannend fand. Der schreibt dort: Es scheint, die beiden großen Wenden der Reformationszeit, die kopernikanische – also das war die Erkenntnis von Kopernikus, dass die Welt sich um die Sonne dreht und nicht die Sonne sich um die Erde – und die lutherische, bringen der Menschheit nichts als Demütigung. Der Mensch rückt aus dem Mittelpunkt der Schöpfung an ihren Rand, nachdem er zuvor von Luther der Macht über sich selbst beraubt worden war. Du hast nicht die Macht, dich selbst zu retten. Nur ein anderer.
Kurz zwei Fragen, die hier ein bisschen mitschwingen: Geht es in der Diskussion zwischen Paulus und Petrus nicht nur um solche zeremoniellen Gesetze wie Beschneidung oder hier Speisegebote? Wenn ihr den Verlauf des Galaterbriefes anschaut, muss die Antwort ziemlich deutlich lauten: Nein. Galater 5,3 zum Beispiel sagt Paulus: Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, also so eine zeremonielle Handlung, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Oder Galater 3,10: Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben ist in dem Buch des Gesetzes, das er tut.
Was sagt Paulus hier also? Sobald du auch nur anfängst, so eine zeremonielle Handlung wieder reinzunehmen, bringst du alle anderen Gesetze auch mit rein, und du bist schuldig.
Und das Letzte ist dann eine zweite Frage, die auftaucht, nämlich: Ist das Gesetz dann nichts mehr wert? Sollen wir es rausstreichen? 2. Mose 20 rausschneiden aus unserer Bibel zum Beispiel? Im Fortgang des Galaterbriefes werden wir da noch genauer darauf eingehen, weil Paulus dann zeigt, was der Zweck des Gesetzes ist. Nur so viel hier ganz kurz: Das Gesetz zeigt, wie Gott selbst ist, und es zeigt, wie er sich wünscht, dass wir leben, ohne Frage, und das hat sich nicht geändert, er selbst ändert sich nicht. Es zeigt auch weiterhin, wer wir sind, nämlich Sünder, und führt uns dann demütig nach Golgatha, weil wir erkennen müssen, dass in uns keine Reinheit und Gerechtigkeit ist.
Und gleichzeitig gilt, dass Jesus es komplett erfüllt hat, und zwar in allen Bereichen. Und das gilt, dass in der Frage der Rechtfertigung auch du das Gesetz komplett erfüllt hast. Warum? Weil die Erfüllung Jesu dir zugerechnet wird. Weil seine Reinheit dir zugerechnet wird.
Paulus verneint hier nicht, dass das Gesetz uns nicht mehr Gottes Maßstab zeigen soll. Aber losgelöst von seiner Erfüllung in Jesus Christus werden wir es in unserem Leben falsch anwenden. Dann wird es immer ein Werkzeug der Selbstgerechtigkeit sein, die am Ende nur zeigt, dass wir trotzdem Sünder sind.
Und deswegen hat Paulus hier so enorm etwas dagegen, dieses Gesetz wieder aufzurichten? Für Paulus geht es nicht um eine Lappalie, sondern ums Ganze. Entweder werde ich durch Werke des Gesetzes gerecht oder durch Christus. Beides geht nicht.
Deswegen schreibt er in Vers 17 und 18: Sollten wir aber, die wir doch Christusgerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden, ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei fern. Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter.
Das sind zwei der meist diskutierten Verse im Neuen Testament, weil nämlich nicht ganz eindeutig klar ist, was Paulus hier meint. Ich will die Diskussion hier nicht reinbringen, die kann man in Kommentaren ausführlich zu Hause nachlesen, das interessiert. Was ich denke, was Paulus hier meint, ist: Wenn ich mein Vertrauen auf diese Errettung von Jesus Christus setze, führt das dann nicht zu einem gesetzlosen Lebensstil? Führt das dann nicht dazu, dass ich lebe, wie ich Lust habe? Wird dann nicht Jesus ein Diener der Sünde?
Und ich weiß nicht, ob euch das Argument bekannt vorkommt, aber ich habe es schon oft gehört: Ja, wenn das auf Gottes Gnade allein ankommt, wenn es auf Glaube allein ankommt, wenn es auf Gottes Handeln ankommt, wenn meine Sicherheit alleine in dem Weg Jesu begründet ist und nicht in dem, was ich jetzt hier lebe, ja, dann kann ich doch leben, wie ich will. Und die Leute sind schockiert, die dir das sagen. Meistens, aus meiner Erfahrung, sind es die Leute, die in ihrem Leben doch recht ordentlich hinbekommen, nach mosaischen Maßstäben zu leben. Und dann wird die Behauptung: Ja, das führt ja zu einem gesetzlosen Lebensstil. Wird dann nicht Christus ein Diener der Sünde? Und Paulus antwortet: Nein, auf keinen Fall, das passiert nicht.
Und er sagt noch was: Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter. Auch das ist ein Stück weit kompliziert. Ich denke, dass Paulus hier meint: Wenn ich das Gesetz als Weg der Rettung wieder aufrichte, also als Weg, wie ich gerecht werden kann vor Gott, dann stehe ich am Ende wieder als Übertreter vor Gott, weil ich dann das Opfer Jesu verachte, welches das Urteil des Gesetzes und das Gesetz als Rettungsweg niedergerissen hat.
Jesu Opfer zeigt und macht deutlich, dass dein Leben nicht ausreichen kann und deine Werke nicht ausreichen können, um vor Gott gerecht zu werden. Und in dem Moment, wo ich das Gesetz als Rettungsweg wieder aufrichte, sage ich, dass Jesu Opfer nicht notwendig gewesen wäre. Paulus schreibt das in Vers 21 auch noch einmal, dass er es nicht verachtet, nicht wegwirft. Was will er hier also jetzt sagen? Es wird der zum Sünder in Wirklichkeit, der das Gesetz wieder aufrichtet. Der wird in Wirklichkeit zum Übertreter. Der wird in Wirklichkeit zu dem, der Jesu Opfer klein macht und niederreißt.
Wer sich das noch ein bisschen ausführlicher anschauen will, dem sei der Hebräerbrief empfohlen. Da ist nämlich von Leuten die Rede, für die keine Rettung mehr notwendig ist. Das wird gerne hergenommen, um zu argumentieren, dass sie vom Glauben in die Welt abgefallen sind, aber in Wirklichkeit sind es Leute, die vom Glauben und vom Vertrauen ins Opfer Jesu zurück ins Gesetz abgefallen sind. Und der Autor im Hebräerbrief argumentiert hier dann ganz stark, dass für sie dieses Opfer dann nicht mehr gültig ist, weil sie wieder auf ihre eigenen Werke vertrauen. Und das wird Paulus hier, denke ich, auch reinschreiben, dass es eben nicht geht, das Gesetz als Rettungsweg wieder aufzurichten, weil dann Jesu Opfer ungültig wird.
Wer da mehr wissen will, kann gerne mit mir privat sprechen. Ich will es nicht zu sehr ins Zentrum der Predigt haben, weil Paulus noch etwas ganz Wichtiges bringt, weil die Frage ja immer noch ein bisschen im Raum steht: Ja, wenn ich ja nichts mehr tun muss, um gerettet zu werden, kann ich dann leben, wie ich will? Meine Antwort wäre vielleicht: Ja, schauen wir mal gleich. Weil Paulus in Galater 2,19 jetzt was schreibt: Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe; ich bin mit Christus gekreuzigt.
Paulus beschreibt noch einmal dieses Niederreißen, wie es vonstatten ging. Wenn wir an Jesus Christus glauben, dann glauben wir, dass er stellvertretend für uns am Kreuz hing und wir mit ihm gekreuzigt wurden. Und das bedeutet in Bezug auf das Gesetz: Es geht heute hier ums Gesetz, das am Kreuz mit Jesus hing. Das bedeutet auch, der Welt gestorben zu sein, ohne Frage, darum geht es aber jetzt hier nicht. Es bedeutet hier, im Gesetz gestorben zu sein. Und das sind, denke ich, zwei Dinge.
Das Erste: Ich bin im Urteil des Gesetzes gestorben, weil die Strafe bezahlt ist und ich deswegen gerecht vor Gott stehen darf, ein für allemal.
Das Zweite bedeutet es, und das ist bei Paulus, denke ich, ganz oben mit auf der Liste, dass ich dem Gesetz als Möglichkeit meiner Selbstrechtfertigung gestorben bin. Ich kapituliere und erkenne an, dass ich mich selbst nicht retten kann. Der perfekte Paulus musste das, der so viel Selbstgerechtigkeit aus dem Gesetz ziehen konnte. Er stirbt dem Gesetz, er stirbt seiner Selbstgerechtigkeit, weil diese niemals ausreichen kann, um zu retten.
Und die Frage ist, ob du auch dem Gesetz und deiner Selbstgerechtigkeit, die du daraus ziehst, gestorben bist, deinen eigenen Werken, deiner eigenen Leistung, oder ob du immer noch ein Stückchen ganz stolz darauf bist. Und wenn du dir hier so umschaust, denkst: Na ja, da komme ich doch ganz gut weg, vielleicht nicht.
Wir lesen weiter noch Vers 20 dazu: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.
Paulus hat ein Ziel, warum er im Gesetz stirbt: um für Gott zu leben. Ich habe mich gefragt: Moment mal, hat Paulus das vorher denn nicht? Denn sein ganzes Leben war doch dann auch ausgerichtet, den Maßstab Gottes zu erfüllen und vorne dran zu sein im Volk der Juden und für Gott zu leben, oder nicht? Ich glaube nicht. Leben nach der Gerechtigkeit des Gesetzes war in Wirklichkeit für Paulus ein Leben für seine Gerechtigkeit, ein ständiges Rennen danach, um irgendwie doch gerecht zu werden, ein Leben, um seinen Stolz zu nähren, um besser dazustehen als andere, ein Leben, wo seine eigene Leistung etwas wert ist. Und ein Leben unter dem Gesetz als Weg der Errettung führt zu einem egoistischen Leben. Erst wer dem Gesetz stirbt, kann wirklich für Gott leben.
Warum? Das macht Vers 20 deutlich. Warum Paulus jetzt wirklich für Gott leben kann, weil das jetzt ist, wie sein Leben jetzt läuft. Das ist, was er schreibt mit: Ich lebe doch nun nicht ich. Oder in einem anderen Sinn: Denn was ich jetzt lebe im Fleisch. Und damit meint er jetzt hier ziemlich sicher seinen Körper einfach, also den sterblichen Körper, nicht das sündige Fleisch in dem Sinne, wie er es in der Bibel auch oft verwendet, wobei das wahrscheinlich auch im Hintergrund ein bisschen ist. Aber sagen wir: Das, was er hier jetzt noch lebt, mit allen Stärken und Schwächen, bringt zwei Dinge mit sich.
Erstens: Christus lebt in ihm. Und damit bekommt er einen ganz neuen Willen und eine ganz neue Perspektive, ein ganz neues Herz, wohin sein Leben hinausgerichtet ist. Und deswegen traue ich mir, die steile These aufzustellen: Wenn du wiedergeboren bist, wenn du ein neues Herz bekommen hast, wenn Christus wirklich in dir lebt, dann kannst du leben, wie du willst, weil dein Wollen eine andere Ausrichtung bekommen hat und eine andere Prägung bekommen hat. Ich weiß, wir haben immer noch einen Kampf mit unserer sündigen Natur und so weiter, das will ich jetzt hier mal ein Stück weit wegschieben. Da können wir in einer anderen Predigt darüber reden. Aber ganz grundsätzlich sagt Paulus: Wer dieses neue Herz bekommen hat, der hat eine neue Ausrichtung bekommen, eine neue Zielrichtung bekommen, und er will etwas anderes.
Der auferstandene Christus, der in den Gläubigen lebt, ist eine wirksame Kraft der neuen Schöpfung, ganz im Kontrast zu der Sünde, die es in der alten Schöpfung war. Das gibt den Wunsch danach, für Gott zu leben, für ihn zu leben, sein Leben nach ihm auszurichten.
Und das Zweite ist: Nur weil deine Gerechtigkeit geklärt sein kann, nur weil die Frage der Rechtfertigung für dich geklärt ist, weil die Antwort klar ist, warum du mit Gott ewig Gemeinschaft haben kannst, bist du in der Lage, nicht mehr für dich, sondern für Gott zu leben. Nur dann, wenn deine Ewigkeit geklärt ist, wird das, was du hier lebst, nicht mehr etwas Egoistisches sein, wo du für dich selber deine Werke irgendwo versuchst vorwärtszubringen, um vor Gott besser dazustehen, um vor den anderen besser dazustehen. Nur dann, wenn du weißt, dass diese Frage längst geklärt ist, wirst du Ruhe und Freiheit haben, dich aufzugeben, um wirklich für Christus zu leben. Nur dort bekommst du die Freiheit, um nicht mehr darauf zu schauen, was es dir bringt, sondern für Gott zu leben, da hineinzugehen, wo Gott dich wirklich haben will.
Welch anderes Leben, welch Sicherheit, Vertrauen auf Gott, auf sein Werk. Für was lebst du? Bist du mit Christus gestorben und lebst mit ihm? Ist er wirklich dein Leben? Ist Christus wirklich dein Leben?
Das Thema hier werden wir in Galater jetzt noch weiter aufzeigen. Paulus wird im Fortgang zeigen, durch Gottes Heilsgeschichte, dass das Gesetz nie den Zweck hatte, dich zu rechtfertigen. Er wird herausstellen, wie wir nur in Christus zu wahrer Freiheit kommen können und Ruhe. Und er wird am Ende zeigen, was es bedeutet, für Gott zu leben, und was es bedeutet, dieses „Christus lebt in mir“, Stichwörter: Früchte des Geistes, Gesetz Christi in unseren Herzen. Und wird uns damit zeigen, dass die Frage, dass unsere Gerechtigkeit geklärt ist, nicht zum sündhaften Lebensstil führt, sondern zu einer wirklichen Hingabe für Gott.
Ich möchte zum Schluss noch einmal dein Denken und dein Herz herausfordern, denn darum geht es vor allem. Warum lebst du nach Gottes Maßstäben? Weil du dir etwas erarbeiten willst, aus Menschenfurcht vor anderen in der Gemeinde und heuchelst wie Petrus? Weil du es besser hinbekommst als andere? Oder wirklich aus Hingabe, weil Christus dein Leben ist?
Wo legst du für andere vielleicht Maßstäbe an, die nicht von Gott kommen, sondern die vielleicht von dir kommen, weil du dann besser dastehst als sie? Das, was Petrus mitgemacht hat. Kurzum: Wo heuchelst du?
Und dann so eine kleine Testfrage, die du dir mal stellen kannst: Wie erklärst du den Unterschied zwischen einem anständigen Menschen und einem Christen? Was macht den Unterschied?
Nochmal stärker zugespitzt: Ist Christus das Evangelium für dich nur ein Freifahrtschein für eine zweite Chance, um jetzt dein Leben selbst wieder, eventuell sogar mit Jesus als Handlanger, endlich in den Griff zu bekommen und zu zeigen, dass du doch ganz gut lebst? Oder ist Jesus dein Leben, das Tag für Tag von Golgatha her genährt ist, das Tag für Tag von dem genährt ist, der dich geliebt und sich selbst für dich hingegeben hat? Und ist dein ganzes Leben, und das werden wir beim nächsten Mal auch noch einmal sehen, Galater 3 von A bis Z vom Evangelium geprägt?
Ist Christi Gerechtigkeit das, was dein Leben steuert und lenkt, oder reicht das Evangelium nur bis E und mit nur kurzer F-Pause kommt schon wieder das G mit Gesetz? Paulus wird im Fortgang fragen, warum die Galater, die mit dem Evangelium angefangen haben, jetzt mit dem Gesetz wieder vollenden wollen.
Was ist das Evangelium für dich? Eine Freikarte in den Himmel oder ein Manifest für dein Alltagsleben hier und jetzt? Prägt die Gnade Gottes, der Glaube daran, dass das Opfer Jesu dein Leben, die Grundlage unserer Stellung vor Gott, hat sich verschoben und nicht mehr unser aktuelles moralisches Handeln entscheidet über das Urteil am letzten Tag, sondern die Grundlage liegt in der Vergangenheit auf Golgatha begründet. Dort wurde über deine Gerechtigkeit, über deine Reinheit vor Gott ein für allemal entschieden.
Viermal sind uns am Text durch Glauben an Jesus Christus drin. Darum geht es: alles auf die eine Karte, weg von der eigenen Karte. Er macht gerecht. Das ist die Antwort für die Tür der Ewigkeit, wo es zählt. Nur darin wirst du Ruhe finden für dich und deine Seele. Was für Gnade, was für Botschaft. Amen.