Einführung in die historische und theologische Bedeutung Jesu
Jesus ist Gott und zugleich wahrer Mensch aus Fleisch und Blut. Er lebte ungefähr vom März des Jahres vier vor Christus bis wahrscheinlich Freitag, dem siebten April des Jahres dreißig. Es könnte auch das Jahr dreiunddreißig gewesen sein. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass er am dritten Tag nach seiner Hinrichtung auferstanden ist. Für all das gibt es eine erdrückende historische Beweislast.
Jesus ist Gott. Diese Überzeugung ist nicht etwas, das sich die Kirche im Mittelalter, also tausend Jahre später, ausgedacht hat. Auch wurde sie nicht angeblich erst von Kaiser Konstantin dreihundert Jahre später auf dem Konzil von Nicäa festgelegt. Vielmehr lässt sich historisch zeigen, dass die Überzeugung, Jesus sei wirklich Gott als Mensch – der Mensch gewordene Gott, der Gottmensch – schon viel, viel früher greifbar und historisch belegt ist.
Wir schauen uns das jetzt an. Erstens betrachten wir ein erstaunliches, unfreiwilliges Beispiel aus der Kunstgeschichte. Zweitens sehen wir uns zeitgenössische Berichte von Nichtchristen an: Was sagen Nichtchristen dazu? Drittens untersuchen wir, was frühe Christen dazu sagen und was in den ersten Gemeinden geglaubt wurde. Viertens betrachten wir, was im Neuen Testament darüber steht. Und fünftens, was besonders erstaunlich ist, schauen wir uns an, was Jesus selbst zu diesem Sachverhalt sagt: Ist er Gott oder nicht?
Wir starten chronologisch rückwärts und tasten uns langsam durch die Generationen und Jahrhunderte bis hin zu Jesus selbst vor.
Früheste Belege aus der Kunstgeschichte
Fangen wir mit einem unfreiwilligen Beispiel aus der Kunstgeschichte an. Im Jahr 1875 wurde in Rom ein sehr altes, in Stein eingeritztes Graffito entdeckt. Es befand sich an einem Gebäude, einem sogenannten Pädagogium, also einer Art Ausbildungsstätte, ähnlich einer Schule.
Das eingekratzte Graffito stammt ungefähr aus dem Jahr 200, also etwa 170 Jahre nach Jesu Geburt. Zum Vergleich: Das Mittelalter begann etwa 1000 Jahre nach Jesus, und das Konzil von Nizäa fand 325 nach Christus statt, also rund 300 Jahre nach Jesus. Hier sind wir jedoch im Jahr 200, also 170 Jahre nach Jesu Leben. Die Datierung könnte sogar noch früher sein, doch wir nehmen die vorsichtige Schätzung.
Auf dem Graffito ist deutlich ein gekreuzigter Esel zu erkennen. Aus historischen Quellen wissen wir zwar, dass die alten Römer zum Spaß sogar Hunde gekreuzigt haben. Doch das hier ist etwas anderes. Auf dem Graffito steht auf Altgriechisch: „Alexamenos sebete Theon“.
Dieses Graffito wurde dazu benutzt, sich über einen der jungen Männer lustig zu machen, die am Pädagogium ausgebildet wurden – nämlich über den Christen Alexamenos. Der Sinn ist in etwa: „Schau mal, der Alexamenos, der Dumme, betet einen gekreuzigten Esel an.“ Der Esel steht natürlich für Jesus.
Nun können wir uns darüber ärgern, dass Jesus als Esel dargestellt wird und dass man über etwas so Grauenhaftes wie die Kreuzigung Witze macht. Entscheidend ist jedoch die klare Aussage: Dieser Gekreuzigte wird angebetet. Im griechischen Text heißt es ganz eindeutig „sebete“ oder „sebetei“. Das bedeutet, er wird angebetet – sogar als Gott.
Ohne es zu wollen, haben uns diese – man kann sagen – vulgären Jugendlichen von damals einen klaren Beleg aus der frühesten Zeit der Kirche gegeben. Nur 170 Jahre nach Jesus haben die Christen Jesus als Gott angebetet. Und das lange vor irgendwelchen Konzilien oder Staatskirchen.
Wer mehr zu biblischen Inhalten in früher christlicher Kunst erfahren möchte, kann gern die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken und in die Kommentare schreiben: „Video Wunsch Kunstwerke“.
Zeitgenössische Berichte von Nichtchristen
Gucken wir uns jetzt die zweite große Gruppe an, nämlich die Frage: Was sagen Menschen, die Jesus nicht nachfolgen, die aber in der Zeit der ersten Gemeinden und in der frühen Christenheit gelebt haben? Was sagen diese zu der Frage, ob wir Christen Jesus als Gott anbeten?
Ich bin dabei, dir ein eigenes großes Lehrvideo dazu vorzubereiten. Deshalb will ich jetzt nicht zu viel vorwegnehmen, denn es wird noch spannend genug. Lass mich deswegen nur zwei, drei Quellen kurz herausgreifen.
Die erste Quelle, die wir uns anschauen, ist vielleicht schon einmal irgendwo erwähnt worden. Es handelt sich um einen Mann namens Celsus. Celsus war ein gebildeter Gegner des frühen Christentums. Er hat ein Buch gegen das Christentum geschrieben, in dem er es kritisiert. Dieses Buch heißt Alethes Logos, also „wahres Wort“ oder „wahrer Logos“.
Dieses Buch hat er ungefähr um das Jahr 180 nach Christus geschrieben, wahrscheinlich sogar etwas früher. Wir bleiben aber bei 180 nach Christus, also etwa 150 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung.
Eine der Behauptungen, die Celsus dort aufstellt, ist, dass Maria, die Mutter von Jesus, von ihrem Ehemann verstoßen wurde. Sie sei unverheiratet schwanger gewesen und habe Jesus heimlich geboren. Weiter schreibt Celsus, Jesus habe sich aus Armut nach Ägypten begeben, um dort als Tagelöhner zu arbeiten. Dort habe er sich an einigen Zauberkräften versucht, auf die die Ägypter stolz seien.
Celsus scheint also irgendeine Vorstellung davon zu haben, dass Jesus übernatürliche Fähigkeiten besaß. Wir lesen weiter: Jesus sei dann zurückgekehrt nach Israel und habe sich viel auf diese Kräfte eingebildet. Wegen dieser Kräfte habe er sich öffentlich als Gott erklärt.
Wir könnten nun ausführlich analysieren, was Celsus genau meint und was er missverstanden hat. Darum geht es mir jetzt aber nicht. Der entscheidende Punkt ist, dass Celsus neben anderen Dingen eine recht klare Vorstellung davon hatte, dass Jesus sich selbst als Gott erklärt hat. Diese Selbstbezeichnung Jesu als Gott ist Teil seiner Kritik.
Als nächstes Beispiel nehmen wir einen wichtigen Zeitzeugen der frühen Christenheit, einen Mann namens Tertullian, der aus dem heutigen Tunesien stammt. Er schrieb seine Schrift Apologetikum ungefähr um das Jahr 197 nach Christus, also etwa 170 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung. Dort bezieht er sich auf Begebenheiten seiner Zeit.
In seinem Werk wird von einer Situation berichtet, in der ein Statthalter überlegt, wie er mit Christen umgehen soll. Der Statthalter berichtet, was er über die Christen herausgefunden hat, und Tertullian gibt uns diese Information weiter.
Ich zitiere: Der Statthalter, durch die Menge der Christen in Verlegenheit gesetzt, fragte beim Kaiser Trajan an, was er in Zukunft tun solle. Dabei fügte er hinzu, dass er außer dem Eigensinn der Christen, nämlich dass sie den römischen Göttern nicht opfern wollten, keine Schuld an ihnen finden konnte.
Es scheint also so zu sein, dass damals schon ein Bewusstsein vorhanden war: Für Christen ist klar, dass sie nicht den römischen Göttern opfern können. Sie können keinen heidnischen Götzen nachfolgen. Warum? Weil die Logik daraus folgt, dass sie nur Jesus alleine anbeten.
Diese Haltung wird durch die dritte Quelle noch mehr bestätigt, nämlich durch den Brief von Plinius dem Jüngeren. Plinius war genau der Statthalter, der an Kaiser Trajan schrieb, den damals mächtigsten Menschen der Welt. Wir haben diesen Brief im Original vorliegen, deshalb kann ich hier direkt daraus zitieren.
Dort berichtet Plinius dem Kaiser, was er über die Christen herausgefunden hat, nachdem er sie verhört und gefoltert hatte. Er schreibt:
„Sie, die Christen, kamen immer an einem festgesetzten Tag“ – ich ergänze: am Sonntag – „zusammen vor Sonnenaufgang und brachten Christus, jetzt aufgepasst, wie einem Gott, Loblieder dar.“ Man kann das auch übersetzen mit: „Sie brachten Christus als Gott Loblieder dar.“
Du siehst also, auch damals hatte sich bereits herumgesprochen, dass Christen Christus wie Gott behandeln und ihn als Gott anbeten.
Ich könnte jetzt noch sehr viel mehr dazu erzählen. Wer mehr wissen möchte über frühe nichtchristliche Quellen – denn es gibt noch einiges mehr, was diese über Jesus sagen, und Achtung, sogar das Evangelium steckt darin, ohne dass die Leute das immer wissen – der kann gerne die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken und in die Kommentare „Videowunsch Geschichtsschreibung“ schreiben.
Frühe christliche Zeugnisse außerhalb der Bibel
Und damit willkommen beim überkonfessionellen Bibelfittdienst. Wir erstellen kostenfreie Infomaterialien. Schau gerne auf dieser Website vorbei, es ist alles gratis. Dafür kannst du den freiwilligen monatlichen Unterstützern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz danken.
Wer möchte, dass Beiträge wie diese in unseren Ländern weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, sollte jetzt auf die Glocke drücken, die unten rechts unter diesem Video zu finden ist. Vielen Dank an alle, die diesen Dienst mittragen – mit der Glocke, mit Geld und mit Gebet. Wir stehen hinter dir.
Lass uns jetzt ein paar frühe Quellen anschauen, die christlich sind, aber nicht biblisch. Die Frage ist: Was haben frühe Christen zu diesen ganzen Sachverhalten gesagt? Zum Beispiel können wir einen Blick in das werfen, was Justin der Märtyrer in seiner ersten Apologie sagt.
Dort heißt es: Der Vater des Alls, Gott, Gottvater, hat klar einen Sohn, der als Gottes Logos und Erstgeborener existiert. Und jetzt kommt es: Auch Gott ist er. Das wird im griechischen Grundtext sogar betont. Dort heißt es nämlich „kai theos hyparchei“, also dieses Sein im ganzen Vollsinn. Du kannst es auch übersetzen mit: „Er ist der Sohn des Vaters über allem, wie wir erkennen, er, der als der erstgeborene Logos Gottes existiert, und jetzt haben wir es wieder: Gott ist.“
Lasst uns nun mal in die sogenannten apostolischen Väter schauen. Dieser Begriff „apostolische Väter“ ist für Christen eigentlich nicht optimal. Warum? Weil Jesus sagt, wir sollen niemanden auf der Erde unseren Vater im Glauben nennen. Der Begriff „apostolische Väter“ hat sich aber in den Geschichtswissenschaften durchgesetzt.
Zum Inhalt stark vereinfacht, damit du dir etwas darunter vorstellen kannst: Du kannst dir das so merken, dass es die Mitschriften der Mitarbeiter der Apostel sind. Das ist natürlich extrem wertvoll, weil wir damit Dinge erfahren können von den Aposteln, auf die große Teile des Neuen Testaments zurückgehen, die aber nicht im Neuen Testament enthalten sind.
Verstehe mich richtig: Die apostolischen Väter in Anführungszeichen haben selbstverständlich nicht die gleiche Autorität wie das Neue Testament. Aber du kannst es dir vielleicht so vorstellen, dass sie ein Stück weit eine ähnliche Funktion haben wie einige der allerersten und frühen Bibelkommentare – ein Stück weit.
Schauen wir mal in den zweiten Clemensbrief. Er wurde ungefähr im Jahr 150 nach Christus geschrieben, also etwa 120 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung. Es ist gut möglich, dass er schon etwas früher verfasst wurde.
Dort heißt es direkt zu Beginn des Briefes: „Brüder“ – du kannst auch „Geschwister“ übersetzen, denn das griechische Wort „Adelfoi“ kann Männer und Frauen meinen, aber das ist ein anderes Thema. Dort schreibt Clemens direkt: „Brüder, wir müssen so von Jesus Christus denken, wie wir von Gott denken.“
Ein weiteres Beispiel aus der Leichenschriftengruppe der „apostolischen Väter“ ist der Barnabas-Brief, Kapitel 5. Der Barnabas-Brief stammt ungefähr aus dem Jahr 120 nach Christus. Ich nehme hier mal die eher liberalere Datierung an. Wahrscheinlicher ist sogar, dass er um das Jahr 100 geschrieben wurde, also etwa 30 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung.
Dort heißt es direkt: „Wenn der Herr es auf sich nahm“ – gemeint ist natürlich Jesus – „für unsere Seelen zu leiden, obwohl er der Herr der ganzen Welt ist.“ Das heißt, der Text spricht von Jesus als Herr aller Welt. Diese Beschreibung war im Judentum logischerweise ausschließlich Gott selbst vorbehalten.
Ein weiteres Beispiel aus dieser Schriftengruppe ist Ignatius von Antiochien. Er hat Briefe geschrieben, unter anderem den Brief an die Epheser. Dieser wurde spätestens im Jahr 117 nach Christus verfasst, wahrscheinlich etwas früher. Aber wir bleiben der Einfachheit halber bei der späten Datierung.
Dort heißt es: „Einer ist der Arzt, fleischlich, also menschlich, sowohl als geistig geboren und umgeboren und jetzt, Achtung, im Menschsein seiend, also als Mensch lebend, ein Gott, als Mensch lebend ein Gott. Im Tod wahrhaftiges Leben, sowohl als Maria als aus Gott, zuerst leidensfähig, dann leidensunfähig, Jesus Christus unser Herr.“
Ganz klar im Text geht es hier um Jesus. Der Text sagt eindeutig: Jesus war als Mensch ein Gott.
Dann im Römerbrief – Achtung, nicht der neutestamentliche Römerbrief, sondern der von Ignatius – schreibt er an die Römer. Ein anderes Thema, aber jedenfalls heißt es dort eindeutig: „Unser Gott Jesus Christus erscheint viel herrlicher, seitdem er beim Vater ist.“ Du kannst auch übersetzen: „Wieder beim Vater ist unser Gott Jesus Christus.“ Im griechischen Grundtext steht ganz klar „Hogatheos, Hermon, Jesus, Christos“ – ganz klar.
Ein weiteres Beispiel bei Ignatius ist der Brief an Polykarp. Dort heißt es so etwas wie eine Abschiedsrede, die er an Polykarp schreibt oder ein Teil seiner letzten Worte. Dort schreibt er: „Ich bete darum, dass ihr jederzeit stark und wohlbehalten seid in Gott, unserem Herrn Jesus Christus.“ Du kannst auch etwas freier übersetzen: „Ich sage euch für immer lebe wohl in unserem Gott Jesus Christus.“
Ich könnte jetzt noch so viel mehr zu den sogenannten apostolischen Vätern erzählen. Falls du das möchtest, dann drück gerne die Glocke unten rechts unter diesem Video und schreib einfach in die Kommentare „Video Wunsch Erste Christen“. Vielen Dank!
Biblische Zeugnisse im Neuen Testament
Kommen wir nun zum Neuen Testament, das überwiegend von den Aposteln selbst geschrieben wurde. Diese Apostel haben den auferstandenen Jesus gesehen und getroffen. Sie hatten Gemeinschaft mit ihm, haben mit ihm gegessen, getrunken und sich unterhalten. Viele von ihnen sind jahrelang hautnah mit Jesus unterwegs gewesen.
An dieser Stelle möchte ich kurz etwas zu diesem Beitrag sagen: Heutzutage kann ja jeder alles behaupten. Deshalb werde ich dir einige der Stellen, um die es hier geht, zusätzlich mit dem griechischen Grundtext zeigen. Das geschieht nicht, um anzugeben – das soll mir fernliegen – sondern weil diese Videos auch in Bibelschulen und anderen Einrichtungen gezeigt werden. So kann jeder, auch Kritiker, beispielsweise muslimische oder atheistische, selbst sehen, dass wir Christen uns das nicht ausdenken. Jeder kann es selbst überprüfen.
Muss man dafür Altgriechisch lernen? Nein. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe guter deutscher Bibelübersetzungen. Man muss sie nur richtig zu nutzen wissen und sich vorher darüber im Klaren sein, was die Stärken und Schwächen der einzelnen Übersetzungen sind. Dafür haben wir vom Bibelfürdienst diesen Übersetzungsguide zusammengestellt. Diese Übersicht über verschiedene Bibelübersetzungen soll dir helfen, die Bibel mit mehr Tiefe und häufiger zu lesen. Er hat schon vielen Menschen geholfen. Ich selbst hatte viel Freude damit. Nimm ihn dir gerne mit, er ist komplett gratis. Das ist einfach der erste Link unter diesem Beitrag.
Fangen wir ganz langsam an mit Paulus im Römerbrief, Kapitel 9. Dort heißt es, ich zitiere: „Aus ihnen, den Israeliten, die damit gemeint sind, stammt Christus dem Fleisch nach.“ Also von der Menschlichkeit her. Christus, der über allem ist, ist Gott. Gepriesen in Ewigkeit. Amen.
Jetzt ein kurzer Ausflug in die Grammatik, der gleich vorbei ist – unter anderem für Theologiestudenten, die das hier sehen. Die Übersetzung und die Interpunktion, also die Zeichensetzung, sind in diesem Vers ein bisschen umstritten. Ich denke aber, im Kontext ist ganz klar das Christusbekenntnis gemeint. Ich will es dir kurz erklären.
Es gibt theoretisch die Möglichkeit, dass man diesen Satz nach einer sogenannten doxologischen Lesart lesen könnte, also nach einer lobpreisenden Lesart. Der Satz würde dann getrennt werden nach „Christus dem Fleisch nach“ und „Gott, der über allem ist, er sei gepriesen in Ewigkeit.“ Dann wäre der Lobpreis nur auf Gott, den Vater, bezogen und nicht auf Christus.
Das ist theoretisch möglich, aber grammatikalisch hat diese Lesart nur eine Wahrscheinlichkeit von zwanzig bis maximal dreißig Prozent. Die christologische Lesart ist an dieser Stelle um einiges wahrscheinlicher. Damit wird Jesus selbst als Gott bezeichnet, der über allem ist und gepriesen in Ewigkeit.
Die grammatikalisch naheliegende Lesart ist, dass sich diese Apposition „der über allem ist, Gott gepriesen in Ewigkeit“ direkt auf Christus bezieht. Was dafür spricht, ist die Reihenfolge der Worte im Griechischen. Diese spricht deutlich mehr für die christologische Lesart.
Dazu kommt, dass im gesamten Neuen Testament und in der Septuaginta, also der altgriechischen Übersetzung des Alten Testaments, doxologische Formeln, also lobpreisende Formeln, in denen Gott angebetet wird, fast immer anders aufgebaut sind. Dort heißt es zum Beispiel „Gott sei gepriesen“ (eulogetos ho theos) und nicht so, wie es hier im Römerbrief steht.
Das heißt also: Ende dieses Exkurses. Die grammatikalisch wahrscheinlichere Lesart ist, dass sich diese Apposition „der über allem ist, Gott gepriesen in Ewigkeit“ direkt auf Christus bezieht und Christus damit als Gott bezeichnet wird.
Eine weitere Stelle von Paulus, die noch klarer ist, finden wir in der Apostelgeschichte, Kapitel 20. Dort sagt Paulus: „Deshalb gebt Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, gemeint sind die Gläubigen, über die der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat.“ Später könnte man auch sagen: „Älteste hat er gesetzt, um die Kirche Gottes zu weiden, die er mit seinem eigenen Blut erkauft hat.“
Mit „eigenem Blut“ ist klar Jesus gemeint und was Jesus am Kreuz getan hat – der stellvertretende Sühnetod. Paulus spricht davon, dass Gott das getan hat. Das heißt, hier in diesem Text wird Jesus mit Gott in eins gesetzt.
Noch klarer ist das Ganze im Titusbrief. Dort heißt es: „Während wir auf die glückselige Hoffnung und die Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus warten.“ Im griechischen Grundtext heißt es: „tou megalou theou kai soteros hemon Iesou Christou“. Absolut eindeutig!
Ich kann dir wirklich sagen: Du kannst dir alles selbst überprüfen. Es gibt von der Grammatik her keine Möglichkeit, Retter und Gott auf zwei verschiedene Personen zu beziehen. Damit ist eindeutig gemeint, dass der Retter gleich der Gott ist – und das ist Jesus Christus. Alles drei meint dieselbe Person.
Lass uns auch über Paulus hinausblicken, zum Beispiel in den Hebräerbrief, Kapitel 1. Dort wird aus Psalm 45 zitiert. Ich könnte jetzt viel über den Hebräerbrief sagen – man weiß noch nicht ganz genau, wer ihn geschrieben hat. Gut möglich ist Apollos als Autor. Ein bisschen weniger wahrscheinlich, aber auch ein Kandidat, wäre Barnabas.
Zurück zum Text: Dort heißt es vom Sohn, gemeint ist Jesus, „Dein Thron, Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Das heißt, in Hebräer 1 wird Jesus klar und eindeutig als Gott bezeichnet.
Wie sieht es bei Petrus aus? Petrus war zusammen mit Johannes und Jakobus einer der engsten Vertrauten von Jesus überhaupt. Von ihm selbst sind mehrere Schriften und direkte Aussagen überliefert.
Schau hier nur als Beispiel in den zweiten Petrusbrief, wo es direkt im Briefkopf, sozusagen über den Absender, heißt: „Simon Petrus, ein Knecht, ein Sklave und ein Apostel von Jesus Christus.“
Jetzt an die Adressaten, an diejenigen, die „wie kostbaren Glauben mit uns erlangt haben, die Gerechtigkeit, die Rechtschaffenheit, und jetzt kommt’s: unseres Gottes und Retters Jesus Christus.“ Im griechischen Grundtext heißt es ganz klar: „tou theou hemon kai soteros Iesou Christou.“
Ich will das noch mal ganz deutlich machen: Es ist in der griechischen Grammatik im Grundtext absolut sonnenklar und eineindeutig. Sowohl „Retter“ als auch „Gott“ beziehen sich beide auf Jesus Christus. Es gibt von der Grammatik her – selbst wenn wir uns auf den Kopf stellen würden – keine Möglichkeit, dass wir „Retter“ und „Gott“ auf zwei verschiedene Personen beziehen könnten. Das lässt der Text nicht zu.
Und da wir gerade bei den engen Vertrauten sind, schauen wir gleich bei Johannes weiter.
Die Gottheit Jesu im Johannesevangelium und weiteren Schriften
Johannes Evangelium, Kapitel 1, Vers 14: „Und das Wort wurde Fleisch.“ Man kann auch sagen: Das Wort wurde Mensch und wohnte unter uns. Wörtlich heißt es im griechischen Text, dass es sein Zelt unter uns aufschlug. Dieses Wort bezieht sich eindeutig auf Jesus, ganz klar Jesus, der unter uns gelebt hat.
Ihr habt den Text jetzt aber noch einmal genauer angeschaut, nämlich den allerersten Vers vom Johannes Evangelium, Johannes 1,1: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott.“ Dort heißt es ganz klar: „Das Wort war Gott.“ Ja, das Wort war Gott. Es ist grammatikalisch keine abgeschwächte Aussage, wie „Das Wort war göttlich“ oder „Das Wort war ein Gott“ und so weiter. Ich weiß, die Zeugen Jehovas und die Mormonen würden das gerne behaupten, aber das passt vom Text und von der Grammatik her nicht. Das, was dort steht, bedeutet Gott im Sinne von Wesen, im Sinne von Sein, wirklich Gott und nicht nur im Sinne einer Eigenschaft.
Damit ist ganz klar: Im Johannes-Prolog wird sofort in eins gesetzt, dass der Mensch gewordene Gott, der unter uns gelebt hat, tatsächlich Gott ist. Also ist es bei Johannes ganz klar, dass Jesus als Gott bezeichnet wird.
Wir können auch in den ersten Johannesbrief schauen, wo es direkt heißt: „Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist.“ Und dann heißt es weiter: „Und dieser ist der wahre Gott.“ Dieser ist der wahre Gott.
Lass uns schauen, was ein paar andere Vertraute von Jesus zu dieser Thematik sagen. Wie wäre es mit Thomas im Johannesevangelium, Kapitel 20? Dort bekennt Thomas zu Jesus, nachdem Jesus nach seiner Auferstehung vor Thomas steht: Thomas sagt zu Jesus: „Mein Herr und mein Gott.“ Thomas spricht Jesus also direkt mit „Mein Gott“ an, „Hortheos mu“.
Und jetzt kommt der Punkt: Jesus korrigiert ihn nicht. Jesus hätte Thomas sofort und direkt korrigieren können, macht es aber nicht, sondern nimmt dieses Bekenntnis an. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man folgendes bedenkt: Die Stelle habe ich heute Morgen erst zufällig gelesen. Es gibt eine andere Stelle im Neuen Testament, nämlich in Apostelgeschichte 12, wo sich ebenfalls ein Mensch als Gott verehren lässt, also auch so eine Art Verehrung annimmt oder einfordert. Es ist aus dem Text beides möglich, und zwar König Herodes Agrippa der Erste. Er nimmt diese Verehrung an und wird dafür von Gott fürchterlich gerichtet. Das passiert bei Thomas gerade nicht.
Eine weitere klare Stelle ist Matthäus Kapitel 14, wo alle Jünger einstimmig miteinander bekennen, dass Jesus Gott ist. Nach der Stillung des Sturmes heißt es: „Die, die mit ihm im Boot waren, kamen und beteten ihn an, sie fielen vor ihm nieder.“ Und jetzt kommen wir wieder auf die Reaktion von Jesus zurück. Jesus weist sie keinesfalls zurück oder korrigiert sie. Das macht er nicht. Das ist wirklich bemerkenswert, weil es zahlreiche andere Stellen gibt, wo die Jünger falschliegen – so wie du und ich das damals auch getan hätten – und wo Jesus die Jünger sofort darauf hinweist oder sogar korrigiert und zurechtweist.
Dafür drei Beispiele, damit du auch siehst, dass wir uns das nicht ausdenken: Zum Beispiel dort, wo die Jünger diskutieren, wer der Größte unter ihnen ist. Jesus kommt, holt ein Kind in ihre Mitte und weist die Jünger so zurück. Ein anderes Beispiel: Jakobus und Johannes in Lukas 9. Sie wollen Feuer vom Himmel herabrufen, um eine samaritanische Stadt zu vernichten. Johannes, Apostel der Liebe, hatte noch viel zu lernen. Die Reaktion von Jesus: „Jesus drehte sich zu ihnen um und wies sie streng zurecht.“ Das heißt, die Jünger tun etwas Falsches, sie haben eine falsche Überzeugung, und Jesus lässt sie nicht einfach stehen. Er nimmt sie nicht kommentarlos an, sondern weist sie streng zurecht.
Vielleicht das markanteste Beispiel ist, als Jesus auf dem Weg zum Kreuz ist und Petrus sagt: „Nein, das darf nie passieren!“ Jesus grätscht sofort dazwischen und sagt: „Weiche hinter mich, Satan!“
Zurück zur Stelle im Boot: Jesus akzeptiert dort die Anbetung, er nimmt sie an. Das Gleiche geschieht in Johannes 9, nach der Heilung des Blindgeborenen. Dort heißt es: Der Blindgeborene, der jetzt sehen kann, sagt: „Herr, ich glaube!“ und betet ihn an. Er fällt anbetend vor ihm nieder.
Noch einmal: Damit dir die Tragweite dessen bewusst wird, all das geschieht, ohne dass Jesus ihn zurückweist oder auch nur korrigiert. Jesus lässt das geschehen und akzeptiert diese Anbetung.
Das Gleiche gilt nach der Auferstehung, Matthäus 28, wo von den Frauen Maria Magdalena und der anderen Maria die Rede ist. Dort heißt es ganz klar im Text: „Als sie gerade gingen, um es den Jüngern zu sagen, siehe, Jesus traf sie und sagte: Freut euch!“ Sie kamen, hielten ihn bei den Füßen fest und beteten ihn an. Sie fielen anbetend vor ihm nieder. Und Jesus akzeptiert es, er lässt es geschehen.
Jesus’ Selbstverständnis und göttliche Ansprüche
Und schließlich: Was sagt Jesus über sich selbst? Wir schauen direkt ans Ende des Neuen Testaments, in Offenbarung 22, dem letzten Kapitel der Bibel. Dort sagt Jesus über sich selbst: „Ich bin das Alpha und das Omega, ich bin der Erste und ich bin der Letzte.“
Diese Bezeichnung hat eine Vorgeschichte. Sie stammt nämlich aus Jesaja 44, wo es ganz klar eine Bezeichnung Gottes für sich selbst ist. Im hebräischen Grundtext sagt Gott: „Anni rishon wa ani acharon ummi baladai ein Elohim“, also „Ich bin der Erste und ich bin der Letzte, und außer mir gibt es keine Gottheit.“
Manche Kritiker oder auch Christen könnten entgegnen, dass das ja Jesus ganz am Ende der Heilsgeschichte sei. Er sei der Christus, der quasi über der Zeit steht. Er sei immer noch derselbe Christus, aber schauen wir doch mal rein, was Jesus selbst zu Lebzeiten sagt.
Im Neuen Testament gibt es eine ganze Reihe von Aussagen, die Jesus über sich selbst tätigt. Diese Aussagen sollten jeden stutzig und nachdenklich machen. Spricht da jemand, der sich selbst für einen ganz normalen Menschen hält?
Fangen wir mit einer Sache an, die sofort ins Auge sticht: Zum Hintergrund. Die Propheten des Alten Testaments sagen meistens so etwas wie „So spricht der Herr“. Warum? Weil sie Propheten sind. Das heißt, sie tun prophämi, also sie sprechen für Gott. Sie sind Gottes Sprachrohre, Leute, die sich für einen vorübergehenden Zeitraum als seine Boten verstehen.
Deswegen sagen sie im hebräischen Grundtext häufig „Ko Amar Adonai“, also „So spricht der Herr“. Das findet sich zum Beispiel in Jesaja 43, wo steht: „So spricht der Herr, der dich geschaffen hat“, und dann folgt die Botschaft. Oder in Jeremia 2: „So spricht der Herr“, und dann kommt die Botschaft.
Es gibt auch Varianten davon, wie zum Beispiel in Hesekiel 6, wo es heißt: „Das Wort des Herrn geschah zu mir“, was beschreibt, dass etwas ihm widerfährt. Oder eine geläufige Variante in Maleachi 1: „Ich habe euch geliebt, spricht der Herr“, wenn ein wörtliches Zitat von Gott folgt.
Wie ist es dagegen bei Jesus? Ganz anders. Jesus spricht an etlichen Stellen von sich selbst in der Position Gottes, indem er immer wieder sagt: „Ich sage euch“, statt „So spricht der Herr“. Jesus setzt sich selbst an die Stelle, wo alle Propheten immer Gott eingesetzt haben. Das lässt heutige Bibelleser aufmerken.
Man kommt vom Alten Testament zum Neuen Testament und sieht plötzlich nicht mehr „So spricht der Herr“, sondern „Ich sage euch“. Wie viel mehr muss das den Leuten aufgefallen sein, die damals anwesend waren, vor Ort, als Zeitzeugen.
Hier einige Beispiele:
In Johannes 18 sagt Jesus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Er sagt damit, dass er eine übernatürliche Herkunft hat, eine Herkunft, die über diese Welt hinausgeht, also transzendent ist. Und weil es sein Reich ist, hat er Autorität darüber. Er beansprucht also eine übernatürliche Herkunft und Autorität.
In Johannes 8 sagt Jesus: „Ihr seid von unten, ich bin von oben.“ Hier spricht Jesus ganz klar über seinen himmlischen Ursprung.
In Lukas 12 sagt Jesus: „Wer mich bekennt vor den Menschen, den werde auch ich bekennen vor Gottes Engeln.“ Der Menschensohn ist eine häufige Bezeichnung Jesu für sich selbst. Jesus steht also in direktem Kontakt mit den Engeln.
In Matthäus 13 heißt es: „Der Menschensohn wird seine Engel senden.“ Jesus spricht wieder über sich selbst und beansprucht Autorität über die Engel.
In Johannes 14 sagt Jesus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Wenn du Jesus siehst, so Jesus, siehst du den Vater. Darauf kommen wir gleich noch zurück.
In Matthäus 28, einer ganz wichtigen Stelle, heißt es: „Jesus kam und sagte zu ihnen: Alle Autorität im Himmel und auf der Erde ist mir gegeben.“ Jesus hat also die Vollmacht über alles. Diese Universalvollmacht ist in der gesamten Bibel nur einem einzigen Wesen vorbehalten: Gott selbst.
Ein paar Beispiele, wo es vielleicht noch greifbarer wird, etwa bei der Heilung des Gelähmten. Dort gibt Jesus dem Gelähmten seine Sündenvergebung. In Markus und Lukas heißt es: „Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.“ Wenn wir heute im 21. Jahrhundert in Westeuropa diese Texte lesen, überfliegen wir sie oft und sind uns der Tragweite nicht bewusst.
Deshalb schauen wir, wie die umstehenden Menschen damals reagierten. Diese Zeitzeugen wussten sehr genau, was damit gemeint war. In Markus 2 fragen sie: „Was spricht dieser Mensch für Blasphemien? Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“
In Lukas 5 heißt es: „Die Schriftgelehrten und Pharisäer begannen unter sich zu erörtern und sagten: Wer ist das, der diese Blasphemien, diese Gotteslästerungen ausspricht? Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“
Ein anderes Beispiel ist Johannes 5, wo es um den Sabbat geht. Bei dieser Perikope sagt Jesus: „Mein Vater ist am Arbeiten gewesen bis jetzt, und auch ich bin am Arbeiten gewesen.“
Direkt danach heißt es: „Deshalb waren die Juden umso mehr bemüht, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat gebrochen hatte, sondern auch sagte, dass Gott sein Vater sei und er sich dadurch mit Gott gleichmachte.“
Im griechischen Text steht das ganz klar, sogar wörtlich: „Heauton poion to zeo“, was bedeutet, dass Jesus sich wesensmäßig mit Gott gleichsetzt.
Dann gibt es eine weitere Stelle, über die man schnell hinweglesen kann, aber das sollte man nicht tun, weil viel darin steckt: Johannes 8. Dort sagt Jesus: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“, also nicht „der Herr sagt euch“, sondern „ich sage euch“. Jesus setzt sich wieder an die Stelle Gottes.
Dann kommt der eigentliche Knüller: Jesus sagt zu Abraham, dem Stammvater aus dem Alten Testament, „Ich bin, der ich bin.“ Die Zuhörer verstehen das sofort. In Johannes 8 heißt es dann, dass sie Steine aufnahmen, um Jesus zu steinigen. Jesus verbarg sich und ging aus dem Tempel durch ihre Mitte hindurch und verschwand.
Die Umstehenden wollten Jesus steinigen, weil sie verstanden, dass er sich mit Gott gleichsetzt. Sie sahen darin eine Gotteslästerung, was unter anderen Umständen auch so gewesen wäre. Nur hier ist es tragischerweise die eine Situation, in der es keine Gotteslästerung ist, weil hier Gott als Mensch spricht.
Dann natürlich die Stelle in Johannes 10, Vers 30, wo Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins.“
Hier diskutieren manche, wie das genau zu verstehen ist, weil im griechischen Grundtext „hen eines“ im Neutrum steht und nicht „heis ein“ im Maskulinum. Das stimmt, der Grundtext macht das sehr klar: Jesus sagt nicht, dass er und der Vater eine Person sind, sondern „ego kai ho pater hen esmen“, das heißt: Der Vater und ich sind eines.
Dieses Neutrum „eines“ betont die Wesenseinheit, die Wesensgleichheit. Nicht, dass sie eine Person sind, sondern dass sie eins im Wesen und im Sein sind.
Das Gleiche findet sich in Johannes 17, wo Jesus sagt, dass die Nachfolger eins sein sollen, „wie auch wir, der Vater und ich, eins sind.“
Man könnte hier eine ganze Wortstudie machen, aber das ist nicht nötig. Es reicht, sich zu fragen: Wie haben die Leute damals mit gesundem Menschenverstand auf diese Aussagen reagiert? Diejenigen, die live dabei waren, können das am besten beantworten.
Wie reagierten sie? Das sehen wir in Johannes 10, Vers 31: „Dann nahmen die Juden wieder Steine in die Hand, um ihn zu steinigen.“
Falls noch Unklarheit über ihre Motive bestand, wird das in Johannes 10, Vers 33 klargestellt: „Für die guten Taten steinigen wir dich nicht, sondern für die Blasphemie, weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.“
Das heißt: Die Leute wussten genau, wie das gemeint war. Alle wussten, dass Jesus sich selbst als Gott bezeichnet hat – die ersten Christen, die damaligen Zeitzeugen und sogar seine Gegner und späteren Mörder.
