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Seelsorge - Teil 2/3

Gott ist ein Gott der Beziehungen, Teil 9/15
05.01.2008
SERIE - Teil 9 / 15Gott ist ein Gott der Beziehungen

Müdigkeit und die Bedeutung von Seelsorge für das geistliche Wachstum

Meistens, wenn man ein Wochenende oder ein verlängertes Wochenende hat, sind die Nächte immer kürzer. Dann hat man weniger Kraft und ist zunehmend müde. Aber es darf jeder schlafen, auch wenn ich rede – das ist kein Problem.

Ich möchte noch ein wenig weitergehen im Gedanken der Seelsorge. Seelsorge ist auch eine Hilfe, um als Jünger Jesu zu wachsen. Das heißt: Wenn sich jemand um den anderen kümmert und ihm hilft, wird er für den anderen auch ein Vorbild im Leben, eine Hilfe.

Wir werden nur Vorbilder, wenn andere Menschen merken, dass wir sie lieben und ihnen helfen. Es gibt Vorbilder, die einfach durch ihr Wissen Vorbilder sind, weil sie viel studiert haben und so weiter. Das ist sehr gut. Doch die Gemeinde braucht Vorbilder, die ein Herz für andere haben, ihnen helfen, voranzugehen. Dadurch bekommen auch diejenigen, denen geholfen wird, ein Herz. Sie lernen, die Not der anderen zu sehen und ebenfalls zu helfen.

Wahrscheinlich denkst du, wie viele andere auch, vielleicht: Wer bin ich, um Seelsorge zu machen? Wie kann ich helfen, wenn ich keine Ahnung habe? Ich bin viel zu jung, ich habe keine Antworten. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass du Liebe für andere hast. Es wird dich bewegen, wenn es jemandem nicht gut geht.

Zuerst denkst du vielleicht: Ich kann sowieso nicht helfen. Aber die Realität ist, dass Seelsorge anfängt, indem man einem anderen zuhört. Man hört, was ihn bewegt, was seine Last ist. Beim Zuhören musst du noch keine Antwort haben. Du darfst auch sagen: Ich weiß nicht, wie ich dir helfen kann. Aber alles beginnt mit dem Zuhören.

Dieses Zuhören soll aus der Liebe kommen. Nicht, weil man wissen will, was der andere erlebt, sondern weil man merkt, dass er Mühe hat. Vielleicht findest du ihn traurig oder fragst dich: Was bewegt ihn? Warum ist das Leben für ihn so schwer? Dann hörst du zu.

Von diesem Zuhören gehst du dann nach Hause. Was man immer mit einem anderen tun kann, ist beten – vergiss das nicht. Zuhören und beten, das kannst du immer tun. Und Zuhören und Beten können Wunder wirken.

Ein Beispiel für die Kraft des Gebets in der Seelsorge

Ich gebe dir nur ein Beispiel, bei dem es um eine nicht bekehrte Person ging.

Ich arbeitete im Supermarkt als Handlanger. Meine Aufgabe war es, die Flaschen einfach am Platz abzustellen, wo die Kunden sie dann wieder weggenommen haben. Es ging darum, die Flaschen nicht mehr mit der Flasche hinzustellen. Es gab etwa 250 verschiedene Weinsorten. Das war mein Job als Handlanger.

Eines Morgens kam eine junge Frau, die an der Kasse arbeitete, die Tochter einer Kassiererin, auf mich zu. Sie war am Weinen. Ich war gerade mit meinen Flaschen beschäftigt und habe sie an der Kasse gesehen. Es war, als ob der Herr oder der Geist in mir sagte: „Du hast gesehen, sie weint.“ Ich antwortete innerlich: „Ja, ich habe es gesehen.“

Dann ging ich zu ihr an die Kasse und fragte: „Wie geht es Ihnen? Gibt es etwas, wobei ich helfen kann?“ Sie antwortete schluchzend: „Diese Nacht ist mein Schatz, also mein Verlobter, bei einem Motorradunfall gestorben.“

Ich sagte nur: „So einen Schmerz und dieses Leiden habe ich nie erlebt. Darf ich mit Ihnen beten?“ Sie gab keine Antwort, aber ich begann zu beten. Zum Glück war kein Kunde an der Kasse. Im Gebet sagte ich: „Herr, du siehst, sie hat etwas Schreckliches erlebt. Da kann ich nicht helfen, ich kenne das Leiden nicht. So etwas Schreckliches habe ich nie erlebt. Ich weiß gar nicht, wie ich helfen soll. Aber Herr, ich vertraue auf dich. Du kannst ihr helfen. Du bist Gott, du kannst eingreifen. Ich weiß nicht wie, aber du kannst sie trösten.“

Am selben Abend, als sie nach Hause kam, kam ein Freund von ihr vorbei. Er war spirituell interessiert und schlug ihr vor, mit dem Geist ihres verstorbenen Verlobten zu sprechen. Er rief die Geister der Toten, damit sie noch mit ihm reden und Verschiedenes erfahren könne.

Sie erzählte das in den Tagen danach. Jedes Mal, wenn er anfing, die Geister zu rufen, war es für sie, als wäre sie blind, und sie sah innerlich immer mein Gesicht vom Beten. Dann sagte sie dem Freund: „Ich will das nicht, ich will das nicht.“ Er entgegnete: „Doch, das ist doch kein Problem, man kann mit ihm reden.“

Als er wieder die Geister rief, sah sie erneut mein Bild. Später war sie in der Gemeinde in Römier-Morg an diesem Ort. Ich hatte absolut keine Antwort auf diese Frage. Was sollte ich sagen? „Ja, okay, ich verstehe“? Ich hatte nichts zu sagen. Aber beten konnte ich. Und Gott kann helfen.

Klar, ich habe oft mit anderen gebetet, ohne dass etwas Besonderes passiert ist, zumindest scheinbar. Ich weiß nichts davon. Nicht, dass ihr jetzt meint, jedes Mal, wenn ich bete, passiert etwas. Nein, wenn ich bete, hört Gott zu. Das glaube ich voll und ganz, nicht wegen mir, sondern wegen ihm.

Aber er kann helfen. Gerade dort, wo wir keine Antwort haben und zugeben, dass wir sie nicht haben, kann Gott eingreifen. Im Gebet habe ich ganz klar vor dieser Frau gesagt: „Herr, du weißt, ich habe absolut nichts zu sagen, keine Antwort.“

Man hätte vielleicht fragen können, ob sie bereit sei zu sterben, aber das war sicher nicht der beste Moment. Das verstehe ich auch. Seelsorge beginnt oft so. Wühldose hätte das vielleicht besser gemacht. Wühldose, genau. Und Gott hätte ihn gebraucht. Das ist das Wunderbare. Dann hättest du das nächste Bein übernehmen müssen. Genau.

Also, das wollte ich noch sagen: Wir haben hier so viel Zeit. Es ist wichtig, nicht zu erwarten, dass man sofort für Seelsorge bereit sein wird.

Die Rolle von Liebe und Gebet in der Seelsorge

In der Bibelschule finden alle vier Jahre Seelsorgekurse statt. Dabei werden verschiedene Fälle besprochen, die man in Gruppenarbeit gemeinsam überlegt. Am Ende dieser vier Jahre entstehen jedoch keine ausgebildeten Seelsorger.

Diese Kurse sind nicht unnötig. Doch wenn im Herzen jedes Einzelnen nicht die Liebe vorhanden ist, um die Last eines anderen zu erkennen, wird das Ganze zu einer rein technischen Angelegenheit, die keinerlei wirkliche Hilfe bietet.

Seelsorge beginnt dort, wo Liebe zu Menschen da ist. Dort, wo durch die Gegenwart des Heiligen Geistes das Gespür entsteht: „Er braucht Hilfe, ich will zuhören, ich möchte gerne helfen.“

Deshalb steht bei mir auch an elfter Stelle: Das Gebet mit den Menschen ist Seelsorge. Das ist wahre Seelsorge.

Wichtig bleibt immer, dass Gottes Wirken spürbar ist. Dass wir im Gebet mit den Menschen vollkommen ehrlich sind. Wir sollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir fröhlich über ihre Probleme hinwegsehen. Stattdessen sollen wir ganz einfach offen und ehrlich sein und darauf vertrauen, dass Gott die Lösungen schenkt.

Ziel und Zweck der Seelsorge in der Gemeinde

Warum und wozu praktizieren wir Seelsorge aneinander? Ganz klar: Es ist Ausdruck der Liebe zum Nächsten. Es bedeutet, für den Nächsten da zu sein, ihn zu lieben und zu trösten.

Ein wichtiger Aspekt der Seelsorge ist, dass Gotteskinder, die in der Welt leben sollen, dabei unterstützt werden, ohne von der Welt zu sein. In ihrem Lebensumfeld sollen sie mit ihren Schwachheiten gestärkt werden, damit sie in dieser Welt bestehen können.

Ich glaube, jeder braucht in bestimmten Zeiten Stärkung, um das Leben bewältigen zu können. Es ist wichtig, wieder genügend Gewissheit zu gewinnen und im Alltag voranzukommen.

Deshalb brauchen wir einander, um guten Rat zu erhalten und uns gegenseitig zu unterstützen.

Vorbereitung auf den Dienst der Seelsorge anhand biblischer Beispiele

Wie können wir uns darauf vorbereiten, Seelsorger zu sein und Hilfe zu leisten? Ich glaube, das Handeln eines Hirten, der Seelsorger ist, wird bereits sehr gut in Ezechiel Kapitel 34 beschrieben. Ich möchte dieses Kapitel öffnen.

In diesem Kapitel ermahnt Gott die Hirten Israels, weil sie ihre Aufgabe nicht erfüllt haben. In dieser Ermahnung erkennen wir, was sie falsch gemacht haben. Gleichzeitig entdecken wir, welche Prioritäten Christus als Hirte setzt und welchen Dienst er ausübt.

Vielleicht kann jemand Kapitel 34, Verse 1 bis 10 vorlesen, bitte!

Das Wort des Herrn erging an mich folgendermaßen: Menschensohn, weise dich gegen die Hirten Israels und sprich zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Das Fette verzehrt ihr, und mit der Wolle kleidet ihr euch. Das Gemästete schlachtet ihr, aber die Herde weidet ihr nicht. Das Schwache stärkt ihr nicht, das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verscheuchte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht. Stattdessen herrscht ihr streng und hart über sie.

So haben sie sich zerstreut, weil sie ohne Hirten waren, und sind allen wilden Tieren des Feldes zum Fraß geworden. Sie sind zerstreut worden. Auf allen Bergen und hohen Hügeln irren meine Schafe umher, und über das ganze Land sind sie zerstreut. Niemand fragt nach ihnen, niemand sucht sie.

Darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn! So wahr ich lebe, spricht Gott, der Herr: Weil meine Schafe zum Fraß geworden sind und weil sie allen wilden Tieren des Feldes zum Fraß geworden sind, weil sie keinen Hirten haben und meine Hirten nicht nach meinen Schafen fragen, sondern nur sich selbst weiden und nicht meine Schafe, so hört ihr Hirten das Wort des Herrn!

So spricht Gott, der Herr: Siehe, ich komme über die Hirten und will meine Schafe von ihren Hirten fordern. Ich will ihren Schafen das Weiden beenden. Die Hirten sollen sich nicht mehr selbst weiden, denn ich will meine Schafe aus ihrem Maul erretten, damit sie ihnen künftig nicht mehr zum Fraß werden.

Man braucht gar nicht viel dazu zu sagen. Dieser Text zeigt uns, wie schrecklich es ist, wenn Hirten oder Verantwortliche nur für sich selbst leben oder wenn sie mit Strenge, Gewalt und Härte herrschen. Der Herr ermahnt und setzt sie ab, weil sie das Schwache nicht gestärkt haben, das Kranke nicht geheilt, das Verwundete nicht verbunden, das Verscheuchte nicht zurückgeholt und das Verlorene nicht gesucht haben.

Hier haben wir den ganzen Arbeitsplan, das komplette Programm des Lebens und Dienstes.

Interessant ist, dass in dieser Prophezeiung, in diesem Text, wenn der Prophet von Jesus spricht, die Reihenfolge umgekehrt ist. In Vers 16 heißt es: „Das Verlorene will ich suchen und das Verscheuchte zurückholen, das Verwundete verbinden, das Schwache stärken. Das Fette aber und das Starke will ich verzehren. Ich will sie weiden, wie es recht ist.“

Man sieht: In der Ermahnung stehen die Verlorenen am Ende der Liste, beim guten Hirten aber ganz am Anfang. Das ist interessant, finde ich.

Es ist, als ob die erste Aufgabe Christi bei seinem Kommen das Suchen der Verlorenen war. Das Verlorene suchen und das Verscheuchte zurückholen – das kennt jede Gemeinde. Menschen kommen hinein, werden aber leider oft verscheucht. Manchmal liegt es daran, dass jemand mit viel Freude sein ganzes theologisches Wissen auf sie einstürzen lässt, sodass der Mensch verscheucht wird oder aus anderen Gründen nicht bleibt.

Wir sollen die Verwundeten verbinden. Interessant ist, dass, wenn vom Christus gesprochen wird, nicht mehr vom Heilen der Kranken die Rede ist, wie es in Vers 4 steht, sondern in Vers 16 nur noch vom Verbinden und Helfen.

Das Schwache zu stärken und das Starke zu fördern – das ist die Tat der Seelsorge. Stärken heißt, die Menschen zu dem Starken, zu Christus, zu führen.

Das Bild von Mose als Beispiel für Seelsorge und geistliche Unterstützung

Ich finde das so schön. Kennst du diese wunderbare Geschichte mit Mose als Hauptfigur? Mose, Aaron und Hur – auf Deutsch auch Hur genannt. Weißt du noch, was sie taten, als Mose betete, während Josua an der Küste kämpfte? Das ist ein tolles Bild, oder? Ein Künstler hat mir dieses Bild für mein Büro gemalt: Mose steht da, und die zwei Brüder halten ihn. Unten im Tal sieht man Josua mit dem Schwert. Der Evangelist arbeitet mit der Bibel im Tal. Josua siegt nur so lange, wie die Gebetsstufe standhaft bleibt.

Das Interessante an diesem Text, das ich jetzt hervorheben möchte, ist, dass Mose müde wurde. Hur und Aaron setzten ihn auf einen Stein. Weißt du, wer der Stein in der Bibel ist? Der Eckstein, sagt dir das etwas? Das steht für Seelsorge. Sie haben Mose geholfen, seine Arme gehalten und ihn gestützt. Danach konnte er weiter siegen, auch wenn er müde war. Müde zu werden ist nicht schlimm. Setz dich auf Jesus! Komm zur Ruhe, mitten im Kampf. Auch wenn du weißt, dass der Sieg nur so lange hält, wie du deinen Stab zum Thron Gottes hebst – du kannst auf dem Eckstein ruhen.

Seelsorger können nur helfen, wenn sie selbst wissen, dass sie auf dem Eckstein ruhen können. Meine Ruhe ist garantiert, auch in den schlimmsten Situationen, wenn ich keine Antwort habe. Da darf ich auf dem Eckstein sitzen und bei Jesus bleiben.

Das Problem der Hirten war, dass sie nur für sich selbst lebten. Wenn man nur für sich lebt, kann man nicht den Blick für andere haben. Dann schaut man sogar auf andere, um zu sehen, wie sie einem helfen könnten. Es gibt Christen, die sehen überall nur, wer ihnen nicht hilft. Interessant, oder? Sie merken: Da hat jemand nicht geholfen, dort könnte jemand mehr tun. Aber Christus ändert uns und unseren Blick.

Ich finde es auch schön, wie Jesus sagt: Wenn das Licht in dir Finsternis ist und deine Augen kein Licht haben, dann ist der ganze Körper in der Finsternis. Ich halte mich für jemanden, der diesen komplizierten Text von Jesus versteht. Das hat damit zu tun, dass ich das Licht Gottes in mein Leben lasse. Wenn das Licht in mir ist, schaue ich mit dem Licht Christi hinaus. Dann sehe ich, welche Nöte der andere hat – wegen dieses Lichts.

Aber zuerst muss ich das Licht in mich hineinlassen, damit mein Wesen ins Licht kommt. Von diesem Licht aus kann ich dann dem anderen Trost und Hilfe geben.

Die Verantwortung der Gemeinde und der Umgang mit Schwachen

Es ist auch interessant, besonders bei Ezechiel, wie Gott dort die Schafe anklagt. Das macht einen ein wenig ins Schwitzen, finde ich, besonders ab Vers 17 im Kapitel. Gott spricht zu seinen Schafen: „Siehe, ich will Recht sprechen zwischen den einzelnen Schafen, zwischen den Widdern und den Ziegenböcken. Ist es euch nicht genug, dass ihr eine so gute Weide abweidet? Müsst ihr auch noch das übrige Weideland mit euren Füßen zertreten? Und wenn ihr klares Wasser getrunken habt, müsst ihr dann das übrige mit euren Füßen trüben? Und sollen dann meine Schafe das abweiden, was ihr mit euren Füßen zertreten habt, und trinken, was ihr mit euren Füßen trübe gemacht habt?“

Darum spricht Gott der Herr zu ihnen: „Siehe, ich selbst will Recht sprechen zwischen den fetten und den mageren Schafen, weil ihr alle schwachen Schafe mit Seite und Schulter weggedrängt und mit euren Hörnern gestoßen habt, bis ihr sie hinausgetrieben habt. So will ich meinen Schafen zu Hilfe kommen, damit sie künftig nicht mehr zur Beute werden, und ich will Recht sprechen zwischen den einzelnen Schafen.“

Ich finde dieses Bild sehr eindrücklich: Im Gemeindeleben kann man so überfüttert sein, dass man sogar das Essen für die anderen zertreten hat, wenn man herumtrampelt. Wenn andere nur noch das Essen bekommen, das sonst verstampft ist durch das Rumtreten, dann werden die Schwachen von den Starken hinausgestoßen, mit den Hörnern gestoßen, bis sie vertrieben sind.

Ich möchte jetzt keine weitere Erklärung geben, jeder kann sich etwas zu diesem Text denken. Aber ich finde es sehr wichtig, dass wir dankbar sind für das Gras, das Gottes Wort in der Gemeinde ist. Wir sollten die Bibel nicht dazu benutzen, darauf herumzutreten, das heißt, sie so kompliziert machen, dass das Essen für die anderen trübe wird. Komplizierte Gedanken und theoretische Theologie können das Wasser trüben, obwohl das Evangelium so einfach ist, dass es jedes Kind verstehen kann. Wenn ein Text zu kompliziert wird, versteht ein Kind nicht mehr, worum es geht.

Da müssen wir aufpassen. Sonst meinen wir plötzlich, stark zu sein, und durch unsere Stärke, vielleicht durch unser Wissen, werden andere mit unserem Kopf, mit unseren Hörnern, hinausgestoßen. Sie ziehen sich zurück, weil es ihnen zu hart, zu kompliziert wird und das Essen trübe wird.

Ich muss immer wieder daran denken, wer jahrelang Billigram gehört hat. Man könnte denken, von wem es war, aber es ist großartig, es kommt von oben. Ich finde es so großartig, dass er immer wieder die Botschaften, wenn er eine Predigt vorbereitet hat, Kindern im Alter von zwölf Jahren zum Lesen gegeben hat. Und wenn die zwölfjährigen Kinder die Botschaft nicht verstanden haben, hat er sie umgeändert.

Er hatte ein großes theologisches Wissen, aber er konnte – und das ist eine Gabe Gottes, aber auch eine Arbeit – das Evangelium so weitergeben, dass es ein Kind verstehen kann. Und das scheint auch in der Seelsorge immer wieder gut zu sein.

Wir müssen ganz bewusst wissen: Wenn jemand zu Gott kommt, wenn jemand Sünde bekennt, aber noch nicht versteht, wo die Lösung ist, wenn die Haltung richtig ist und auf den ganz einfachen Prinzipien von Gottes Wort beruht – dass Vergebung Freiheit bringt und Vergebung in einem Leben heilt –, dann sind diese einfachen Prinzipien, wenn sie in der Praxis umgesetzt werden, das Evangelium, auch in der Seelsorge.

Herausforderungen und falsche Haltungen in der Seelsorge

Das Schlimmste, was ich immer wieder in der Seelsorge erlebe, ist, dass zu viele Menschen zu mir kommen. Besonders schwierig sind diejenigen, die erst vor vier oder fünf Jahren beim Psychiater waren. Diese Menschen können sich oft sehr falsch einschätzen und glauben, ihre Analyse sei richtig. Sie meinen, alles sei so kompliziert. Sie wissen genau, welches Temperament sie haben, welche Mischung darin steckt und was vom Großvater oder Vater vererbt wurde. Sie sind überzeugt, dass sie alles verstanden haben.

Natürlich haben wir alle Verletzungen im Leben, die Heilung brauchen. Aber versteht jeder Kranke wirklich, was der Arzt versteht? Wahrscheinlich nicht. Versteht jeder Christ, was Gott versteht? Ganz sicher nicht. Wenn Gott sagt, dass er seine Kinder heilt, auch innerlich, dann kann er auch viel in einem Leben heilen, ohne dass man genau versteht, wie er heilt und was er aufrichtet. Plötzlich ist da Friede, Ruhe, Freiheit und Geborgenheit – von Gott gegeben.

Nun muss ich vieles überspringen, aber man kann sich fragen: Was sind die Hauptgebiete, in denen ich eigentlich in meinem Leben und in der Bibel arbeiten sollte? Wie kann ich mich selbst vorbereiten, um in der Seelsorge eine Hilfe zu sein? Ich finde es schön, dass wir heute so viele Möglichkeiten haben, selbstständig und eigenverantwortlich an uns zu arbeiten. Es ist gut, wenn wir wissen, welche Bereiche besonders wichtig sind, um uns vorzubereiten. So können wir Menschen besser kennenlernen und besser verstehen.

Wichtige Gebiete zur Vorbereitung auf Seelsorge

Das Erste bleibt immer dasselbe: Gott besser kennen. Das ist natürlich die Bibel, aber es gibt auch andere Quellen, die dabei helfen, Gott besser zu verstehen. Es gibt vieles, das wunderbar geschrieben ist und uns unterstützt, zu wissen, wer Gott ist.

Auch in diesem Bereich möchte ich gern den Mut machen, dass es für alle in der Bibelschule eine Aufgabe sein sollte, die Evangelien noch einmal ganz durchzulesen. Dabei kann man mit den Synoptikern – also Matthäus, Markus und Lukas – arbeiten. Man nimmt die gleichen Geschichten aus den Evangelien zusammen und überlegt, wie Jesus den Menschen begegnet ist. Was wissen wir genau? Ich schreibe dann alles auf: Wie waren seine Aktionen und Reaktionen? Was war seine Botschaft, als er den Menschen begegnet ist?

Wir wollen von ihm lernen. Er ist das Hauptmodell, das Hauptvorbild. Wir wollen verstehen, wie er mit Menschen umgegangen ist. Ich glaube, auch deshalb haben wir die Evangelien, damit wir das besser verstehen. Das ist sehr interessant und hilft uns, darüber nachzudenken, wie wir selbst mit Menschen umgehen.

Das zweite Gebiet ist die Menschenkenntnis. Das ist auch etwas Schönes an der Bibel, wenn man sie als Sammlung von Biografien liest. Die Biografien von Mose, Abraham und anderen zeigen, wie ihr Leben verlief. Es gibt auch Bücher, die ihr Leben und die verschiedenen Etappen beschreiben. Dabei sieht man, wie Menschen ganz unterschiedlich reagieren und wie verschieden ihre Gedanken sein können – etwa in Notlagen oder Schwäche. Man erkennt, wie unterschiedlich Menschen sein können.

Das dritte Gebiet ist das, was wir am Sonntag beim Gottesdienst gehört haben. Ich erinnere mich nicht mehr an den Vornamen des ersten Redners, vielleicht Michael oder Michel. Er hat am Anfang den Heilsplan kurz dargestellt: Durch das Alte Testament, Abraham als den Mann, der berufen wurde, dann das Volk Israel, die Opfer und schließlich Jesus.

Das ist auch eine Aufgabe in der Bibelschule: Jeder sollte in der Lage sein, den gesamten Heilsplan in etwa drei Minuten darzustellen – von der Schöpfung bis zur Wiederkunft des Herrn. Es ist wichtig, zu verstehen, dass Gott einen Plan hatte. Zuerst wirkte das Gewissen, das aber nicht genügte. Dann kam das Gesetz, das auch nicht ausreichte, ebenso die Opfer, die Propheten und die Ermahnungen. All das reichte nicht aus. Man sollte diese Geschichte erzählen können, damit man in der Seelsorge den globalen Heilsplan kennt.

Das vierte Gebiet ist die Kenntnis der Welt, des Weltgeistes und des Weltdenkens. Das heißt nicht, dass man jede Zeitung lesen oder den ganzen schlechten Fernsehkram anschauen muss, um die Welt zu kennen. Das habe ich nicht gesagt. Man liest manchmal schnell das Wort Kosmos oder Welt im Neuen Testament, aber was ist eigentlich die Welt? Was ist das Weltdenken?

Ich glaube, es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was Weltdenken bedeutet. Jede Kultur hat eine bestimmte Denkweise, die aus biblischer Sicht oft falsch ist. Man muss herausfinden, was genau daran biblisch falsch ist. Das ist sehr interessant. Das kann jemand herausfinden, der kaum Schulung hat, aber auch jemand mit vielen Doktorgraden, denn das Thema ist einfach und zugleich komplex.

Darum finde ich es gut, dass man je nach Niveau und Möglichkeiten überlegt, was eigentlich die Welt und das Weltdenken sind. Wir wissen, dass es eine unsichtbare Welt gibt und den „Prinzen dieser Zeit“, den Fürsten dieser Welt. Wir wissen, dass Gott in seiner Souveränität darüber steht. Wir wissen auch, dass die Entwicklung der Welt bergab geht – nicht in Richtung Gnade, sondern in die Sünde hinein.

Aber was bedeutet das für unsere Kultur heute? Was ist eigentlich der Weltgeist? So können wir auch in der Seelsorge helfen. Denn in der Seelsorge geht es nicht nur darum, über praktische Dinge zu sprechen, die nicht gut sind, sondern auch über den Geist, der dahintersteht. Dieser Geist kann uns verwirren und auf falsche Wege führen.

Persönliche Erfahrungen und Umgang mit Schwächen

Ich bin von meinen Eltern erzogen worden, die Missionare waren – super Leute. Zu Hause hatten sie im Gang eine Tafel mit den zwei Wegen. Kennst du diese Tafel? Ich könnte sie heute noch zeichnen.

Links ist der breite Weg. Am Anfang befindet sich ein Restaurant mit einer großen Tür. Du kommst hinein, das Restaurant ist so gestaltet, und ganz hinten steht ein Zug – eine Dampfmaschine mit Feuer. Das kann doch nur vom Teufel sein, dieser Zug. Als Christ solltest du niemals in so einen Zug steigen. Das ist der breite Weg.

Rechts ist der schmale, kurze Weg. Er führt vor der Zeltmission vorbei, so schön. Nach der Zeltmission ist ein Löwe an einer Kette, doch die Kette ist zu kurz, sodass der Löwe nicht bis zum kleinen Pfad reicht. Wenn du auf diesem kleinen Pfad bleibst, wirst du keine Probleme haben und kannst nicht angegriffen werden.

Dieses Bild habe ich als Kind immer wieder im Gang gesehen. Nach meiner Bekehrung sehe ich das Bild noch gut vor mir. In der Bibelschule hatte ich meine Gitarre aus dem Windladen in Basel mitgenommen. Ich wollte am Abend in einem Nachtclub singen gehen. An der Tür kam mir das Bild wieder in den Sinn. Mein Gewissen war von diesem Bild geprägt.

Das Bild ist grundsätzlich nicht ganz falsch, würde ich sagen. Aber ich wusste, dass dort Menschen sind, die das Evangelium nötig haben. Also bin ich hineingegangen und begann, Englisch zu singen, sodass niemand etwas verstand. Nachher kamen mir doch Tränen, und ich konnte Zeugnis geben. Sie haben die Jukebox abgestellt und so weiter.

Beim Zurückgehen aus der Bibelschule war es Nacht. Es fuhr kein Bus mehr nach Bettingen, also bin ich im Wald hochgegangen, mit meiner Gitarre. Da war ein innerer Kampf: Ist das jetzt nötig? Ist das gehorsam? Oder gehe ich da hin, wo man nicht hingehen sollte? Mein Gewissen war geprägt von diesem Bild. Es hat mich in der Kindheit bewahrt, aber es hat mir nie erklärt, was der Weltgeist ist. Niemand hat mir gesagt, dass die Welt in meinem Herzen ist.

Weil die Welt in meinem Herzen ist, ziehen mich verschiedene Dinge an. Wenn sie nicht da wäre, würden sie mich nicht anziehen. Also musste ich neu überlegen und mein Gewissen mit einem neuen Programm versehen, das das alte Programm verdrängte. Es war gar nicht so einfach, in die Freiheit zu kommen und in dieser Freiheit nicht in die Sünde zu fallen. Aber du bist frei, das Evangelium zu bringen. Du bist frei dazu, aber du musst ganz klar bleiben in deiner Zielsetzung und im verbundenen Sein mit diesem Herrn.

Darum ist Kenntnis der Welt, des Weltgeistes und des Weltdenkens nötig, damit wir ein gutes Verständnis haben. Das macht vieles klarer. Ich muss das auch immer wieder meinen lieben Kindern vermahnen, damit sie verstehen, warum das so ist und warum manches nicht hilft. Nicht einfach zu sagen: „Das ist nichts für Christen.“ Das ist das Schlimmste. Wenn man das sagt, steckt ein Kind einfach in einer Klemme und weiß nicht, worum es geht.

Als Pionier sind wir achtmal umgezogen. Unsere Kinder haben nie eine Gemeinde mit Jugendlichen kennengelernt. Sie hatten keine Jugendgruppe. Sie hatten nur Freunde, die ungläubig waren. Sie waren immer die einzigen Gläubigen in der Schule und mussten im Weltgeist leben – als Christen in diesem totalen Weltgeist.

Sie mussten verstehen, warum es diese und jene Versuchungen gibt. Sie mussten wissen, was im Herzen vor sich geht und warum diese Versuchungen nicht helfen, Jesus nachzufolgen. Sobald ein Mensch, ein Christ, die Realität seiner persönlichen Schwächen entdeckt, kann er anfangen, sich selbst zu bewahren und versteht, wohin ihn der Weltgeist führt.

Darum hat er dann die Freiheit, sich nicht mitreißen zu lassen und ist gelöst von Bindungen. Vergiss das nicht, auch hier in der Gruppe, wenn ihr untereinander Seelsorge macht. Diejenigen, die schon mehr wissen: Eure Ratschläge sind keine Gebote für die anderen. Die Ratschläge sind Hilfe zum Denken und Verstehen, was eine Situation oder eine Versuchung mit sich bringt.

So wird dem anderen ganz klar: Weil ich Jesus nachfolgen will, will ich selbst dies und das lassen. Ich weiß, dass ich schwach bin und mir das nicht leisten kann. Das Schönste am Christsein ist, seine Schwachheit zu erkennen. Dann ist man der freiste Mensch.

Persönliche Schwächen und der Umgang im Alltag

Man kann es auch sehen. Wenn ich mit meinen vielen Diensten unterwegs bin und im Hotelzimmer bin, dann sieht jemand das vielleicht als Blödsinn an. Aber so ist es nun mal: Bin ich im Hotelzimmer, und in jedem Hotelzimmer gibt es einen Fernseher. Und im Zimmer bin ich ganz allein. Stell dir mal vor, die ganze Nacht allein vor dem Fernseher zu sitzen – das ist eine große Versuchung. Doch super, niemand sieht mich.

Im Zimmer liegt ein Programmheft, und es gibt Hotels, die haben so vierzig verschiedene Programme auf dem Fernseher, die ganze Nacht. Nie weiß man, wann man siegt. Es kommt mir heute noch so vor, dass ich, wenn ich ein Programm anschaue, den Wecker auf ein Uhr morgens stelle, mich anziehe und wandern gehe, weil ich Angst habe, den Fernseher wieder anzumachen.

Ich bin schwach. Ich bin schwach und muss in verschiedenen Situationen strikt sein – gerade wegen meiner Schwachheit. Niemand würde mich sehen, außer dem Herrn, allen Engeln, der ganzen unsichtbaren Welt, den Dämonen – alle würden sehen: „Ah, jetzt der Engel, Herr, wir müssen aufpassen.“ Meine Kinder haben gut akzeptiert, dass wir nie einen Fernseher haben. Ich habe ihnen erklärt: „Der Papa ist zu schwach.“ Und das haben sie verstanden.

Schade, der Papa ist zu schwach. Ich könnte den Fernseher anmachen, kein Problem. Aber wenn jemand kommt, der Probleme hat, oder wenn ein Telefonanruf eingeht mit etwas Tollem, wäre ich zu schwach, den Fernseher auszuschalten. Oder wenn etwas Blödes kommt, wäre ich zu schwach, ihn auszuschalten. Ich würde Zeit am Fernseher verbringen, Zeit, die ich eigentlich für die Bibel oder für München brauche.

Das habe ich der Ursula vor der Hochzeit gesagt: „Bevor wir einen Fernseher haben, haben wir die Atombombe im Haus.“ Bis jetzt haben wir sie noch nicht, so viel ich weiß.

Also hast du deinen Kindern gesagt – weil wir ja auch in die Schule gegangen sind –, dass sie bestimmt ausgelacht werden? Ja, natürlich. Und sogar mit einem Lehrer hatte ich Probleme. Er gab immer Aufgaben, die sich auf ein Fernsehprogramm bezogen. Da bin ich zu ihm gegangen und habe gesagt: „Sie stellen Aufgaben, aber ich habe keinen Fernseher zu Hause.“ Es ist in Frankreich noch nicht obligatorisch, einen zu haben.

Die Kinder könnten einfach zum Nachbarn gehen? Nein, das können sie nicht. Sie bleiben bei mir zu Hause. Da habe ich ihn gefragt: „Gibt es keine andere pädagogische Möglichkeit, ihnen etwas beizubringen?“ Ich war jahrelang in der Schule, hatte nie einen Fernseher gebraucht und habe trotzdem Schreiben und Lesen gelernt. Na gut.

Er hat mich natürlich sehr komisch gefunden. Er hat auch Recht, ich bin auch komisch. Aber er hat mit Liebe andere Aufgaben gegeben. Das war toll. Er hat ihnen Gedanken geschenkt, sogar kein Fernsehgeschenk. Ich habe ihm ein Geschenk gemacht, ein schönes Paket mit Schokolade, damit er weiß, dass ich dankbar bin, dass er das akzeptiert.

Mit den Kindern haben wir im Geschäft Fernseher angeschaut. Mit den drei Kindern haben wir gesagt: „Jetzt schauen wir mal die Preise an.“ Dann sind wir nach Hause gekommen, haben die Preise verworfen und gesagt: „Jetzt werden wir beten und versuchen, so viel Geld auf die Seite zu legen, wie ein Fernseher kostet.“ Das ganze Geld brauchen wir, um Spiele zu kaufen – für Familien, bei denen wir abends zusammen spielen und dabei etwas lernen können.

Wir haben zwei große Schränke voller Spiele, wenn man mal kommt. Super! Und das Interessante ist, dass die Nachbarskinder zu uns zum Spielen kommen. Sie kamen nicht zum Fernsehen, sondern zum Spielen bei uns.

Am Anfang hat dann ein Lehrer gesagt, es sei schade, denn es wäre gut, wenn sie mehr Informationen hätten. Als Samuel einen Preis als bester Mathematiker Frankreichs bekam und die höheren Tiere zusammen mit Champagner da waren, sagte mir einer der Mathematiker: „Schon interessant, wie ein Sohn so eine Denkkraft hat. Wir finden nicht oft so eine Denkkraft.“ Ich weiß auch nicht, woher das kommt.

Ich habe gesagt: „Das kommt vom Schöpfer, von Gott. Diese Denkkraft kommt daher, dass wir keinen Fernseher haben.“ Da schaute er mich an und sagte: „Ja, das schreibt der Herr, das ist möglich.“ Interessant, oder?

Wir haben jetzt eine Praktikantin, die eine Beurteilung über uns geschrieben hat. Darin steht: „Familie Kuckuck sagt: Kein Fernsehen.“ Ja, darüber haben wir auch mit ihr geredet. Und es ist irgendwie so, dass Christen keinen Fernseher haben. Wenn die Kinder in der Schule sind, habe ich auch schon gehört, dass sie ausgelacht werden, weil sie keinen Fernseher haben.

Was hast du deinen Kindern gesagt, damit sie den anderen antworten können? Wie hast du sie stark gemacht, damit sie darüber stehen? Ich glaube, in dem ganzen Thema kannst du ihnen auch zeigen – und das habe ich gemacht –, wie der Fernseher oft die Zeit raubt, die man zum Spielen, Diskutieren und Reden miteinander braucht. Ein Spiel zu machen, bei dem man einander helfen kann und sich auf etwas orientiert.

Aber ich bin nicht der Typ Christ, der sagt: „Christ hat keinen Fernseher.“ Das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Die Welt glaubt das, ja, aber es ist gut, wenn sie es glauben. Das ist kein Problem.

Unsere Kinder haben andere Maßstäbe, und das kann ihnen helfen. Es zeigt ihnen auch, wie viele böse Dinge sie nicht sehen müssen, weil sie keinen Fernseher haben. Das können Kinder verstehen. Aber jeder muss in der Ehe und mit den Kindern den eigenen Weg finden.

Ich habe das nur im Sinn, dass wir auch im Hotelzimmer ehrlich mit uns selbst sein müssen und zugeben, dass wir Gebiete haben, in denen wir schwach sind. Wegen dieser Schwachheit wollen wir keine Zusammenarbeit mit dem Weltgeist eingehen. Weißt du, welchen Gedankengang ich meine? Weil ich da schwach bin, will ich nicht dort hineingehen.

Es ist nötig, dass ich ganz draußen auf dem Ast bin. Ich kann mich auch selbst bewahren. Und ich bin dankbar, wenn man das lernt. In der Seelsorge muss man helfen können. Du kannst nicht einfach sagen: „Kein Fernsehen!“ Du musst erklären, wenn du es kannst, dass du bei dir selbst gemerkt hast, dass du zu schwach bist.

Der andere kann immer noch denken: „Ich bin stark genug.“ Aber wenn er stark genug ist, wird er vielleicht selbst entdecken, wie schwach er ist. Manche junge oder ältere Männer haben mir gesagt, sie sind stark genug, Pornografie zu sehen. Das sind ja nur Bilder, sagen sie. Es ist ja kalt, das ist ja egal, man kann andere Bilder anschauen, zum Beispiel von Bergen. „Ich kann auch andere Berge anschauen, das ist doch im Prinzip gleich.“

Es ist klar, „egal“ – alles egal. Aber es gibt Menschen, die nicht zugeben, wie schwach sie sind. Ich weiß, was ich vor meiner Bekehrung erlebt habe. Ich weiß, wie viele Jahre Bilder kamen, mit denen ich kämpfte. Manchmal habe ich dem Herrn gesagt: „Herr, hätte ich das nie gesehen, wäre das so gut gewesen.“ Du realisierst, dass du ein ganz gutes Gedächtnis hast. Unerhört, wie das da oben klappt.

Zum Glück habe ich auch schon gesagt: „Mehr zum Glück sieht man da nicht so einen Fernseher, um zu sehen, was ich denke.“ Stell dir mal vor, das wäre immer sichtbar! Ich würde dein Ding noch runterziehen. Genau so würde ich umgehen, dass man mich absolut nicht mehr sieht.

Das war das vierte Thema: Kenntnis der Welt, Weltgeist, Weltdenken und in der Überlegung selbst entdecken, in welchen Bereichen man schwach ist und wie man sich selbst bewahren kann – ohne Gesetzlichkeit, in Freiheit leben, aber wissen: In dieser Freiheit will ich bleiben. Wegen der Freiheit will ich in verschiedenen Dingen fasten, also sie nicht einfach haben – wegen meiner Freude.

Erkenntnis über den Feind und geistlichen Kampf

Das fünfte ist die Kenntnis der Strategie des Feindes, des Teufels. Das habe ich im Militärdienst gelernt, beim Feindesweißumspringer, Kommandosweißumspringer.

Das Erste, wenn Krieg ist, muss man zuerst genau wissen, was die Strategie des Feindes ist. Sonst hat man gar keinen Angriffsziel, das man treffen muss, bevor man am Boden ankommt. Man muss wissen, wie er das aufgebaut hat und welche Waffen er hat. Von verschiedenen Ländern haben wir in Frankreich natürlich in der Zeit, in der ich dort war, die Waffen geübt, die wir von den Ausländern übernommen hatten, damit wir für den Krieg vorbereitet sind. Wir haben die Waffen richtig geübt, zumindest soweit es ging. Es mag blöd klingen, aber so ist es nun mal. Das Prinzip ist, zu wissen, wie der Feind arbeitet.

Die Strategie des Feindes ist grau. Als Gemälde in der Schöpfung, Genesis 1, am Anfang, steht: Das Erste, was Gott getrennt hat – das gehört schon zu Vers 3, glaube ich – war Licht und Finsternis. Das Erste, was Gott gemacht hat, als die Schöpfung da war, war die Trennung von Licht und Finsternis.

Nachher kam der Teufel, und er will, was Gott trennt, wieder zusammenbringen. Was Gott zusammenfügt, will er trennen. Gott will, dass die Ehe zusammenbleibt, der Feind will sie trennen. Gott will, dass Licht und Finsternis getrennt sind, der Feind will sie vermischen. Interessant ist, dass im Eichelöff (vermutlich ein Dialekt oder Begriff) dunkles Licht heißt, auch auf Französisch: la lumière ténébreuse. Interessant, oder? Diese Lampen, bei denen man nur das Weiße sieht, nennt man Schwarzlicht. Das ist natürlich auch interessant: Schwarzlicht, genau, genau dasselbe Schwarzlicht – beides zusammen. Das ist sehr interessant.

Und das ist die Strategie des Feindes: einfach beides zusammenzubringen. Er hat es sehr gerne, wenn die Leute so im Grau leben, nicht ganz weiß, nicht ganz Licht, aber auch nicht ganz dunkel. Wir wissen ja schon aus dem Alten Testament, wie Gott ermahnt und sagt: „Wie lange werdet ihr noch auf beiden Seiten hinkeln? Jetzt entscheidet euch, Licht oder Finsternis, aber entscheidet euch!“ Und das ist der ganze Kampf.

Der Kampf, den ich auch mit dieser Überlegung oder mit dem Hohelied gesagt habe, ist: Wer ist meine erste Liebe? Der Hirte oder die Welt? Der Kampf will keine Mischung. Der Feind will nicht unbedingt, dass die Christen in ein total schlimmes Ding hineinfallen, aber wenn sie nur grau leben, ist das für ihn super. Dann ist nicht genügend Licht da, damit andere Menschen merken, dass Christus, das Licht Gottes, da ist. Das Grau gefällt ihm, denn Grau ist immer relativ. Es kann ein bisschen mehr Schwarz sein oder ein bisschen mehr Weiß, aber es bleibt Grau. Es ist immer Grau – dunkelgrau oder hellgrau – aber es ist nicht Weiß.

Das ist die Strategie des Feindes in der Gemeinde. Die Strategie des Feindes in der Gemeinde ist, was ich schon im 2. Korintherbrief gesagt habe: Dass das Vergeben kompliziert wird und es immer schwieriger wird, in den Beziehungen zu leben. Das gefällt dem Feind sehr. Ich komme manchmal in Gemeinden, zu denen ich eingeladen bin, wenn es so kriegerisch zugeht zwischen Ältesten oder zwischen Pastoren und Ältesten. Das ist unerhört. Ich bin so dankbar, dass das die Heiden nicht hören. Das ist manchmal ganz schrecklich, weil wegen Kleinigkeiten große Dinge entstehen, weil man im Grau lebt. Und dann sieht man nicht genau, worum es eigentlich geht, weil alles grau ist, und man zieht einfach nicht mehr durch.

Das ist unerhört, und das will der Feind. Er benutzt unsere alte Natur, unser Menschsein, unser Fleisch. Er nutzt das und will es immer wieder ins Grau hinein fressen. Das muss bei uns auch in der Seelsorge mitschwingen. Ich selbst, als Ältester, flehe immer wieder darum, dass mein Leben im Licht Gottes ist und nicht irgendwo dazwischen hängt. Ich bin auch immer wieder zwischendrin. Es gibt viel Grau, das mir weh tut, und ich brauche immer wieder Vergebung, damit wieder volles Licht aufsteigt.

Je mehr das Licht Gottes in uns, in unser Herz hineinkommt, desto mehr entdeckt man Ecken, in denen noch Schatten ist und in denen man weiter in der Reinigung leben kann.

Schlussgebet und Dank

Das Letzte, dann ist Mittagessen. Nein, das Letzte sage ich nicht. Genau.

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Eine Frage: Die Nächsten, die schon Ende bleiben und noch nicht bezahlt haben, sind noch ein paar. Die können jetzt nach Mütterkästen noch mal rein. Wann wird denn dann die Fecke? Und es kommt dann in Berlin auch noch sehr. Ansonsten erzählen wir wieder, wie der vom Himmel da mit dem Päuser weiß, wie der Dresdner am Ende da.

Herr Präsident! Hab Dank, Herr, für deine Liebe zu jedem von uns, deine Liebe zu mir. Ich bin immer wieder überwältigt, wie du Geduld hast und so viel Vergebung, so viel Gnade. Ich bin so dankbar für uns alle. Danke, dass diese Gemeinde auch so eine junge Gemeinde ist, wo die Lieben einander helfen können und miteinander marschieren können in diesem Ja, im Weltgeist, wo wir leben, im ganzen Kontext.

Hilf ihnen einfach auch immer wieder zu sehen, wo grau ist, wo man ins Weiße übersteigt wieder. Bitte, Herr, hilf uns, miteinander das Ziel zu erreichen. Wir möchten dir die Ehre geben und wichtig auch, dass viele Menschen zu dir kommen, Herr, denn du bist es würdig, dass viele dich anbeten. Du hast alles bezahlt.

Herr, hilf uns, schule uns in unserem versöhnten Leben, dass wir so weit vorwärts kommen, dass wir auch die Last von den anderen tragen können. Danke, Herr, danke, dass du uns beistehst und dass du uns weiterführst.

Herzlichen Dank! Amen! Danke fürs Zuhören!