Willkommen beim Bibelfit-Projekt. Hier versuchen wir, die Bibel leicht verständlich und zugleich tiefgründig zu erkunden. Dabei geht es auch darum, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen zu beantworten.
Zu jedem Beitrag gibt es kostenlose Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. All diese Angebote sind auf der Website frei zugänglich. Möglich wird das durch freiwillige monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir.
Einführung in das Thema Jenseits und unterschiedliche Meinungen
Heute eine Frage, die, bitte gut zuhören, nicht heilsrelevant ist. Sie ist kein Dogma, und ich kann sehr gut damit leben, dass man unter Christen in diesem Punkt unterschiedlicher Meinung sein kann. Alles gut, ja?
Wir können auch unter Christen unterschiedliche Meinungen zu bestimmten Themen haben, ohne uns im Internet an die Gurgel zu gehen. Das muss möglich sein.
Es geht um das Jenseits, zu dem ich im letzten Jahr eine Videoreihe gemacht habe. Auch für die nächsten Monate habe ich einige große und relevante Beiträge dazu geplant. Drückt gerne die Glocke unter diesem Video, dann weiß ich, dass euch solche Themen interessieren, und ich priorisiere sie vor anderen Themen.
Heute geht es um die Frage: Ist das Jenseits, also das Leben nach dem Tod, für alle Menschen gleich? Ist der Himmel für alle gleich? Ist die Hölle für alle gleich?
Was ist damit gemeint? Damit ist nicht Relativismus gemeint, nach dem Motto: „Ja, das Jenseits bedeutet für dich etwas anderes als für mich. Dein Himmel ist anders, als ich ihn mir vorstelle. Jeder hat einen anderen Gott, meine Welt ist eine andere als deine, jeder hat seine eigene Wahrheit.“ Das ist nicht gemeint.
Vielmehr geht es um die Frage: Kommen wir alle in denselben Himmel? Aber erlebt jeder von uns im Himmel etwas anderes? Oder kommen wir alle in dieselbe Hölle, aber erlebt jeder dort etwas anderes? Das ist die Frage, um die es hier geht.
Selbstkritische Reflexion und biblische Sicht auf das Böse
Und ganz selbstkritisch: In meiner Anfangszeit im Christentum, als ich gerade zum Glauben gekommen war, gab es einige Dinge, die ich geglaubt habe, die gar nicht so waren. Zum Beispiel dachte ich am Anfang, dass der Teufel der Chef über die Hölle sei und dass man, wenn man in seinen Sünden stirbt, Minuten später vom Teufel mit Reizecken gequält wird oder so. Aber das ist in Wahrheit gar nicht so. Schau mal hier.
Ich möchte nicht nur über das Böse sprechen, wir kommen auch gleich zum Licht. Denn den christlichen Glauben könnte man ja auch als eine Art Zusammenfassung des Kampfes von Gut gegen Böse sehen. Aber kann man sich das Böse so vorstellen, wie es eben in Kinderdarstellungen vielleicht im Mittelalter dargestellt wurde – mit zwei Hörnern, Hufen und einem komischen Schweineschwanz oder so? Nein und ja.
Nein, weil das natürlich eine nichtchristliche, heidnische Vorstellung ist. So sieht das Böse natürlich nicht aus. Aber ja, insoweit, als dass das, was Jesus sagt, für uns gültig und bindend ist. Er sagt ganz klar: Ja, es gibt einen Satan, und dieser Satan hat reale Macht. Jesus sagt: „Ich habe den Satan vom Himmel fallen sehen wie einen Blitz.“ Da kommt man als Christ nicht dran vorbei.
Was aber auch gesagt wird, ist, dass Satan nicht der Chef der Hölle ist oder so, dass er nicht da ist, um irgendwelche Leute zu quälen. In der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, steht sehr deutlich, dass der Satan später selbst in die Hölle verurteilt werden wird und dass es eine letzte Gerechtigkeit gibt.
Das heißt, es gibt diese ausgleichende Gerechtigkeit sehr wohl. Vielleicht nicht jetzt, vielleicht nicht heute und nicht morgen, aber Gott, der die Gerechtigkeit in Person ist, wird sich darum kümmern. Darauf kannst du Gift nehmen.
Priorität der Frage Himmel oder Hölle und Umgang mit unterschiedlichen Meinungen
Leute werden bei diesem Thema oft und schnell hysterisch. Deshalb ist es wichtig, dass du mich richtig verstehst.
Natürlich ist es das Allerwichtigste, ob jemand am Ende die Ewigkeit mit oder ohne Jesus verbringt, ob jemand im Himmel oder in der Hölle ist. Das ist das wichtigste Thema deines Lebens – und du hast es sogar selbst in der Hand.
Wie du das in drei Schritten entscheiden kannst, habe ich dir unter diesem Video verlinkt. Drücke gerne die Glocke, dann wird dir das auch angezeigt.
Das soll bitte ganz glasklar sein und als Hauptüberschrift über allem stehen: Himmel oder Hölle.
Die Frage, in welchem Ausmaß der Himmel schön ist oder in welchem Ausmaß die Hölle schrecklich ist und was jeder erwartet, steht weit, weit hinten an. Sie hat Priorität zwanzig oder so, wenn überhaupt.
Ich wiederhole noch einmal: Du darfst hier sehr gern anderer Meinung sein als ich, das ist total okay. Lass uns in dem Fall doch einfach gern sachlich in den Kommentaren austauschen.
Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn das Jenseits nicht für alle gleich wäre?
Lass uns ein Gedankenexperiment machen: Wie würde es aussehen, wenn das Jenseits nicht für alle gleich wäre?
Erstens wäre das gerechter. Es würde bedeuten, dass nicht jeder Mensch für alles direkt die Maximalstrafe erhält. Zum Beispiel würde ein Menschenhändler und ein Zuhälter, der verwundbare Frauen ausnutzt und zu Sex zwingt, viel härter bestraft als ein gewissenloser Hedgefondsmanager, der ihm anvertraute Gelder verzockt. Das wäre gerechter und würde auch besser zu dem passen, was die Bibel sagt: Gott ist die Gerechtigkeit in Person.
Zweitens, wenn das so wäre, würde Jesus über unterschiedliche Grade sprechen, sobald er das Jenseits thematisiert. Behalte das im Hinterkopf, darauf kommen wir gleich zurück.
Drittens würde die Bibel davon sprechen, dass diejenigen, die zu Gott gehören, im Jenseits, also im Himmel, unterschiedliche Grade an positiven Erfahrungen erleben würden.
Viertens würde die Bibel auch davon sprechen, dass die Verurteilten und Verdammten im Jenseits, also in der Hölle, unterschiedliche Grade an negativen Erfahrungen durchleben.
Wer das große Buch von Dante Alighieri über das Jenseits kennt, die sogenannte Comedia oder Comedia divina, weiß, dass es dort – und wir haben hier schon einmal darüber gesprochen – neun verschiedene Stufen der Hölle gibt. Diese Stufen sind nach der Schwere der schlimmsten Tat eines Menschen eingeteilt. Natürlich ist Dantes Werk ein fiktionales, erfundenes Buch.
Falls Interesse besteht, Dantes spannende Ideen dazu näher anzuschauen, kann man gerne die Glocke drücken und einen Kommentar schreiben, damit ich weiß, dass das gewünscht wird.
Jesu Lehre über unterschiedliche Grade im Jenseits
Also, gehen wir es mal durch.
Das Gleichnis von den Talenten als Hinweis auf unterschiedliche Belohnungen
Erstens spricht Jesus über unterschiedliche Grade, und zwar gerade in der Bergpredigt auf dem Ölberg. Diese Predigt ist eine sehr wichtige Rede oder eine Sammlung von bedeutenden Reden, die Jesus in der Woche vor seinem Tod gehalten hat. Sie enthält einige seiner letzten Worte und stellt sein Vermächtnis dar.
Dort spricht Jesus darüber, wie das Himmelreich sein wird, und sagt Folgendes: Es ist wie bei einem Mann, der vorhatte, ins Ausland zu reisen. Er rief seine Diener, seine Verwalter, zusammen und vertraute ihnen sein Vermögen an – jeweils so, wie es ihren Fähigkeiten entsprach.
Einem gab er fünf Talente. Nun stellt sich die Frage: Was ist ein Talent? Es ist eine Gewichtseinheit. Ob damit ein Gold- oder Silbertalent gemeint ist, ist nicht ganz klar. Wenn es ein Silbertalent wäre, entspräche das ungefähr 350.000 Euro. Wenn es ein Goldtalent wäre, könnten es bis zu fünf Millionen Euro sein. Geht man von einem Mittelwert aus, läge die Summe der fünf Talente auf jeden Fall bei etwa drei Millionen Euro oder mehr.
Einem anderen Diener vertraute er zwei Talente an, also mindestens 1,2 Millionen Euro nach heutiger Rechnung. Einem weiteren Diener gab er ein Talent, also ungefähr 600.000 Euro, eine halbe Million.
Dann reiste der Mann ab. Wie ging es weiter? Der Diener mit den fünf Talenten, der also die riesige Summe erhalten hatte, begann sofort damit zu handeln. Er konnte das Geld verdoppeln – Respekt! Der mit den zwei Talenten machte es ebenso und verdoppelte ebenfalls die Summe. Auch Respekt! Wenn man solche Leute als Bankberater hätte, wäre man sehr zufrieden.
Der dritte Diener aber grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn darin.
Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück und wollte mit ihnen abrechnen. Zuerst kam der Diener, dem die fünf Talente anvertraut worden waren. Er brachte die anderen fünf Talente mit und sagte: „Meister, fünf Talente hast du mir gegeben, hier sind weitere fünf, die ich dazugewonnen habe.“
„Hervorragend“, sagte sein Meister. „Du bist ein guter und treuer Mann. Du hast das Wenige zuverlässig verwaltet. Ich will dir viel anvertrauen. Komm mit herein zu meinem Freudenfest.“ Damit ist das himmlische Hochzeitsmahl gemeint – ein klassisches sprachliches Bild für den Himmel in der Bibel.
Dann kam der Diener, dem die zwei Talente anvertraut worden waren. Er brachte die anderen zwei Talente mit und sagte: „Meister, zwei Talente hast du mir gegeben, hier sind weitere zwei, die ich dazugewonnen habe.“
„Hervorragend“, sagte sein Herr. „Du bist ein guter und treuer Mann. Du hast das Wenige zuverlässig verwaltet. Ich will dir viel anvertrauen. Komm herein zu meinem Freudenfest.“
Wenn damit nicht verschiedene Grade an Belohnung im Jenseits gemeint sind – zum Beispiel: Du hast viel bekommen, du wirst noch mehr bekommen, ich werde dir viel anvertrauen –, dann weiß ich auch nicht, was sonst. Oder wozu sollte Jesus sonst eine solche Erzählung machen?
Weitere biblische Hinweise auf unterschiedliche Grade der Belohnung
Zweitens: Die verschiedenen Grade an Belohnung
Was jetzt kommt, ist schon beeindruckend. Und das steht nicht irgendwo versteckt in einem Nebensatz beim Propheten Nahum, sondern ganz direkt in einem der Kerntexte des Christentums überhaupt. Schau selbst mal in 1. Korinther 3. Dort heißt es nämlich: Niemand kann ein anderes Fundament legen außer dem längst gelegten, Jesus Christus.
Ob aber jemand auf diesem Fundament Gold, Silber oder wertvolle Steine verbaut oder nur Holz, Heu und Stroh, das wird der Tag des Gerichts durch Feuer offenbar machen. Bleib dran, denn es heißt weiter: Das Werk jedes Einzelnen wird im Feuer auf seine Qualität geprüft. Hält das, was er auf das Fundament gebaut hat, stand, wird er belohnt. Wenn es verbrennt, wird er den Schaden zu tragen haben. Andere Übersetzungen sagen, er werde seinen Lohn verlieren.
Wie gesagt, man kann jetzt diskutieren, was genau einzelne Details hier bedeuten sollen. Macht gerne einen sinnvollen Vorschlag, und lasst uns in den Kommentaren darüber austauschen. Aber was klar ist, ist, dass hier in Vers 14 wieder von positiven Belohnungen die Rede ist, die man im Jenseits bekommen kann.
Eine weitere wichtige Stelle dazu steht im Markus-Evangelium. Dort ist die Rede von zwei Jüngern, die eine Bitte an Jesus haben, nämlich Jakobus und Johannes. In einer Parallelstelle wird noch erwähnt, dass ihre Mutter diese Bitte vorträgt. Hier geht es vor allem um den Inhalt und vor allem um Jesus’ Reaktion.
Schau mal, was genau da passiert. Im Urtext heißt es: „Heute apon auto“, das heißt, sie sagten zu ihm: „Das, also gib doch, erlaub doch bitte, mach doch bitte, ja, das, Herr, gib uns hinein die Exdexion, dass einer auf deiner Rechten und einer auf deiner Linken sitzt, dass wir dort sitzen werden in deiner Herrlichkeit.“
Das heißt also, die Jünger möchten eine bestimmte Ehrenposition, einen bestimmten Grad, den sie im Jenseits erreichen werden.
Jesus weiß, dass sie das nicht ganz richtig verstehen. An anderer Stelle weist er die Sadduzäer zurecht, weil sie die Auferstehung nicht verstehen. Hier sagt er aber nicht, dass der Himmel für alle gleich wäre, ganz im Gegenteil. Schau mal, wie dieser Dialog am Ende endet: Jesus sagt nämlich „todde kathizei“, also das Sitzen auf meiner Rechten und das Sitzen auf meiner Linken „uc estin emondunai“, das ist gar nicht an mir, ich habe gar nicht die Möglichkeit, das zu entscheiden, „al heus hetoi mastai“, sondern das gebührt denen, für die es vorbereitet ist.
Das wäre für Jesus die ideale Chance gewesen, dem sofort zu widersprechen, wie er es bei anderen Themen tut. Aber nicht hier. Im Gegenteil endet diese Passage damit, dass Jesus sogar sagt: Nein, ich kann euch nicht versprechen, dass ihr beide diese Ehrenplätze bekommt. Aber ja, es gibt sehr wohl diese Ehrenplätze. Und derjenige, der diesen Ehrenplatz erhält, der hat im Himmel eine besondere Ehre im Vergleich zu dem, der sie nicht erhält.
Jesus sagt sogar, es ist vorbereitet für bestimmte Menschen, das zu bekommen. Damit bestätigt Jesus selbst eindeutig, dass es im Himmel unterschiedliche Grade der Ehre und der Belohnung gibt.
Es gibt noch mehr Stellen dazu, aber das sind Dinge, die fallen einem beim oberflächlichen Lesen nicht so schnell auf.
Mein Problem war damals immer, dass ich mich so an die Lutherbibel gewöhnt hatte. Ich habe sie fast im Halbschlaf gelesen, und die Informationen haben mir wenig gesagt, weil sie kaum noch einen Neuigkeitswert hatten. Kennst du das von dir? Die Passagen hast du schon tausendmal gehört, du kannst sie einfach überlesen und weiter geht’s.
Die einfachste Lösung dafür ist, eine andere Übersetzung zu nehmen. Übersetzungen sind natürlich Geschmackssache, und es passt auch nicht jede Übersetzung zu jedem. Deshalb habe ich dir mal eine Übersicht zusammengestellt, welche Übersetzung zu wem passt und welche Vor- und Nachteile welche Bibelübersetzung hat.
Die kannst du dir gern gratis mitnehmen. Über den Link in der Videobeschreibung ist alles schon für dich bereit.
Unterschiedliche Grade der Strafe im Jenseits
Und drittens: Wie ist das mit der Strafe im Jenseits?
Weißt du, niemand von uns liest die Bibel ganz unvoreingenommen. Jeder hat seine Prägung, ich auch – das ist ja klar. Aber wenn ich mich wirklich bemühe, die Bibel unvoreingenommen zu lesen, zumindest mich darum bemühe, dann komme ich nicht darum herum, mich zu fragen: Wozu passt denn all das, was wir hier lesen, besser? Dass die Höllenstrafe für alle exakt identisch ist oder dass es beim Jüngsten Gericht unterschiedliche Grade an Bestrafungen gibt, die verhängt werden?
In Lukas 12 geht es an einer Stelle um Gehorsam – gerade wenn man weiß, was richtig und was falsch ist, und sich trotzdem für das Falsche entscheidet. Da heißt es: „Der Diener, der den Willen seines Meisters wusste, aber sich nicht darauf vorbereitet hat und auch nichts tat entsprechend seinem Willen – was heißt es mit ihm?“ Bei dem heißt es dann „Daresetai Pollas“, er wird mit vielen Schlägen geschlagen werden, mit vielen Streifen.
Dann heißt es weiter vom „Hordemägnus“, der es aber nicht wusste: „Poiesas dir“, der aber getan hat, „Axia plegon“, also Dinge getan hat, die würdig sind, Schläge zu bekommen – also Dinge, die einfach Schläge verdienen. Was ist denn mit ihm? Mit dem „Daresetai oligas“ – der soll mit wenigen Schlägen geschlagen werden.
Das heißt, wie gesagt, wir könnten jetzt über den Kontext diskutieren und was welche Konsequenz auslöst, aber es scheint mir klar hervorzugehen, dass es im Jenseits unterschiedliche Grade an Bestrafung gibt. Und darum geht es ja.
Eine andere Stelle in Matthäus 10 behandelt Menschen, die sich bewusst entscheiden, Jesus abzulehnen. Was passiert mit denen am Tag des Jüngsten Gerichts? Zu denen sagt Jesus: „Amen lego hymin“, also so etwas wie „Amen, wahrlich, ich sage euch“. Ja, was sage ich euch? „An ektoteron es will mehr erträglich sein für das Land Sodom kai Gomorra en hemera kriseos am Tag des Jüngsten Gerichts als für diese eine Stadt.“
Das heißt also, Sodom und Gomorra werden eine erträglichere Strafe bekommen als diese bestimmte Stadt, über die Jesus da redet.
Gleiches findet sich in der Parallelstelle in Markus 6, wo es heißt: „Amen lego hymen“, also „Wahrlich, ich sage euch“. „An ektoteron estai Sodomois e Gomorois“ – jetzt steht es im Plural –, es wird mehr erträglich sein für Sodom und Gomorra, beziehungsweise für die Sodomiten und die Gomoriten, die Einwohner der Stadt, „en hemera kriseos“ am Tag des Gerichts, am Tag des Jüngsten Gerichts, „etae pole ekene“ als für diese Stadt.
So, jetzt könnten wir wieder viel über die Gründe dafür diskutieren, aber wieder wird deutlich: Ja, es gibt unterschiedliche Strafen. Für die einen ist es erträglicher, für die anderen unerträglicher.
Eine vorletzte Stelle dazu findest du in Markus 12, wo Jesus über korrupte, also äußerlich korrupte, bestechliche, aber auch innerlich korrupte, innerlich verderbte Schriftgelehrte der damaligen Zeit spricht.
Dann heißt es weiter: „Kai elegen auteis“, und er sagte ihnen in seiner Lehre, in dieser Sachfrage: „Bleppete, apoton grammateon!“ – Passt auf vor den Schriftgelehrten!
Jetzt erzählt er ein bisschen was über die Schriftgelehrten, die „ton thelonton enstolais peripatain“ – das heißt, die also herumlaufen, die es lieben, in langen Gewändern herumzulaufen, „kei aspasmos enteis agorais“ – und die es lieben, auf den Marktplätzen ehrerbietig gegrüßt zu werden.
„Kei proto kathedrias enteis synagogais“ – und den Ehrenplatz, also den Lehrplatz, heute würden wir sagen so etwas wie die Kanzel oder die Empore, einnehmen wollen in den Synagogen.
„Kei protokliseis entheust deipneus“ – und die Ehrenfeste bekommen wollen in den Festmahlen.
Dann heißt es weiter, ein bisschen drastisch: „Heu kat estiontes tas oikias ton cheron“ – die auffressen die Häuser der Witwen.
Damit kannst du dir vorstellen, was gemeint ist: Das Erbe von Witwen, das, was sie noch haben, um zu leben oder so, wurde von manchen Schriftgelehrten, die damals auch als eine Art Erbverwalter oder Erbberater gearbeitet haben, manchmal Witwen dazu überredet, ihr Erbe zu überschreiben – dem Tempel oder auch der Tätigkeit eines bestimmten korrupten Schriftgelehrten.
Damit lebten diese Schriftgelehrten buchstäblich von dem, was die Witwe dann nicht mehr zum Leben hatte. Die Witwe, wenn sie dann alleinstehend war, hatte in bestimmten Situationen nichts anderes übrig, als zu betteln, um überhaupt zu überleben, oder in die Prostitution zu gehen.
So ist das gemeint. Das heißt, sie fressen die Häuser, also gemeint ist der Erbbesitz der Witwen.
Und dann heißt es weiter: „Kai pros phrase makra pros euchomenoi“ – ja, und sie plappern vor sich her lange Gebete, vorformulierte Gebete.
Und dann kommt der entscheidende Halbvers: Danach heißt es nämlich, wo Jesus sagt, „hu toi“ – also diese, über die ich gerade gesprochen habe, „lepsontai“ – diese werden empfangen in der Zukunft „perisoteron prima“ – diese werden eine größere Verdammnis erhalten, eine größere Bestrafung empfangen.
Und dann noch ausführlicher in Matthäus 11, unserer letzten Bibelstelle für heute, wo es heißt: „Tote erxato“ – dann fing er an, womit fing er an? „Onedizein scharf zurechtzuweisen, zu kritisieren, dass polles“, also die Stätte, welche Stätte? „Entheisen genonto heilpleis die dynames“, in denen er die meisten seiner Wunderzeichen, Kraftzeichen, die meisten seiner Wunder verbracht hatte.
Auch du, „hoti u-mete-no-e-san“ – weil sie nicht umgekehrt waren, weil sie nicht Buße getan hatten.
Nochmal: Was die Bibel genau mit Buße und Umkehr meint, dazu habe ich dir vor wenigen Monaten ein eigenes Video aufgenommen. Viele, viele Tausend Leute haben es sich schon angeguckt. Du kannst gerne die Glocke unter diesem Video drücken, dann wird dir das auch angezeigt.
So, dann sagt Jesus, er stimmt so eine Art Wehruf an, dann sagt er damit in Vers 21: „Uaissoi Chorazin!“ – Wehe dir! Statt Chorazin würden wir heute sagen „Uaissoi Bestaidan“ – also Wehe dir, Stadt Bethsaida. Da geht es ja auch um die Stadt Julias manchmal.
Dann heißt es weiter, „Hotti“ – Begründung, „Hotti“, also weil, „eentydo kai Sidoni“ – wenn in der Stadt Tyros und in der Stadt Sidon, die in der Bibel häufig als Städte gelten, die von bösen Mächten umkämpft sind – also das wird häufig assoziiert mit satanischen Energien –, wenn in diesen Städten „egenonto heidynames“, also die Wunderzeichen, die Kraftzeichen geschehen wären, „heigenomenai enhymen“, die in euch passiert sind, also die in euch in Chorazin und in Bethsaida passiert sind, was wäre dann?
Dann „palaian“ – dann schon längst, was schon längst? „Ensarko kaispodo“ – ja, in Sack und Asche, dann wären sie schon längst „metanoesan“, dann wären sie schon längst umgekehrt und hätten Buße getan in Sack und Asche.
Dann kommt hier wieder ein wichtiger Vers: „Plan lego hymin“, ich sage euch, aber was sage ich euch? „Tyro kaisiduno an ektoteron estai“ – ja, es wird für Sidon und es wird für Tyros, die beiden von dunklen Mächten umkämpften Städte, für die wird es erträglicher sein, „en hemera chryseos es hymen“, für die wird es erträglicher sein am Tag des Jüngsten Gerichts als für euch.
Dann redet er weiter, und jetzt redet er über Kapernaum, die eigene Stadt, wo Jesus gelebt hat und wo er so viele seiner Wunderzeichen getan hat, sich offenbart hatte – also wo er möglicherweise mehr Wunder getan hat als an jedem anderen geografischen Ort auf der Welt.
Er redet weiter und sagt: „Kaissü Kapernaum, du Stadt Kapernaum!“
„Heos tu oder nu hypsothesa“ – die du bis in den Himmel emporgehoben wurdest. Ja, warum? Weil Gott als Mensch dort bei euch gelebt, gewohnt hat. Jesus hatte eine Wohnung in Kapernaum, der dort gewirkt hat, Wunderzeichen gepredigt hat – mehr als an allen Städten aller anderen Länder auf der Welt, mehr als alle anderen Städte auf der Welt wahrscheinlich gesegnet war.
Ja, dann heißt es weiter: Du, die du in den Himmel hervorgehoben wurdest, also wo du Gott nähergekommen bist als jede andere Stadt auf der Welt wahrscheinlich.
Und dann heißt es weiter: „Haddu katabibasteze“ – das heißt, du wirst hinabgebracht werden bis in den Hades, manche würden sagen bis in die Hölle.
Dann heißt es weiter: „Hotiei en Sodomois e genetor he dynamis“ – wenn unter den Sodomiten oder wenn in Sodom passiert wäre, diese Wunderzeichen, „he genomai“, die geschehen sind, „en zoi“, die unter dir, die in deiner Stadt Kapernaum passieren sind, dann „eminan an mechli te semeron“ – ja, dann würde diese Stadt Sodom bis zum heutigen Tag bestehen bleiben.
Warum? Weil die Sodomiten bußfertiger gewesen wären als die Einwohner von Kapernaum.
Und dann, Vers 24, sagt Jesus wieder die entscheidenden Worte: „Plan lego hymin“, aber ich sage euch, was sage ich euch? „Hotti gesedomon anektoteron estai“ – es wird für das Land Sodom, wird es also für die Bewohner Sodoms erträglicher sein, also weniger schlimm sein „en hemera kriseos“ am Tag des Jüngsten Gerichts, „es soi“ als für dich, statt Kapernaum.
Dazu gibt es noch weitere Stellen in Matthäus 12 und in Hebräer 10, aber ich lasse die bisherigen Stellen, die wir jetzt mal hatten, so stehen, weil es in den anderen auch um andere Themen geht.
Also, du siehst: Ja, es scheint einen Unterschied zu geben, wie wir im Jenseits behandelt werden. Und es scheint einen Unterschied zu machen, was wir in diesem Leben tun – mit den Herausforderungen, mit den Möglichkeiten und auch mit den Begabungen, die uns gegeben wurden.
Abschlussgedanken und Einladung zum Austausch
Was ist nun nötig, um im Himmel zusätzliche Belohnungen zu erhalten?
Ich habe einige Vermutungen, bin mir aber nicht sicher. Ein sachlicher Austausch darüber in den Kommentaren wäre interessant.
Eines weiß ich jedoch: Wir haben dieses Leben jetzt, wir haben diese Woche jetzt. Also sollten wir das Beste daraus machen.
