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Die Frage nach dem größten Gebot – Teil 3

Jesu Leben und Lehre | Episode 720
Matthäus 22,36-4006.04.2026
SerieTeil 3 / 3Die Frage nach dem größten Gebot
Gott, Gott, Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode siebenhundertzwanzig: Die Frage nach dem grössten Gebot, Teil drei.

Der Ausgangspunkt der Frage

Bei Matthäus fragt der Pharisäer, der zu Jesus kommt, in Matthäus 22,36: Lehrer, welches Gebot ist groß im Gesetz?
Und Jesus beantwortet die Frage, indem er 5. Mose 6,5 zitiert, Matthäus 22,37-38: Er aber sprach zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das große und erste Gebot.
Sowohl was die Bedeutung angeht als auch was die Rangfolge angeht, ist das Gebot, Gott zu lieben, die unangefochtene Nummer eins unter den Ordnungen Gottes. Kein Gebot ist bedeutender als das Gebot der Gottesliebe.
Wenn Gott der Schöpfer ist, dann gibt es für das Geschöpf keine größere Berufung, als ihn mit ungeteilter Hingabe zu lieben. Meine ganze Zuneigung soll uneingeschränkt dem einen Gott gehören, der dafür verantwortlich ist, dass es mich gibt.

Die Gleichstellung von Gottes- und Nächstenliebe

Allerdings gibt es ein Gebot, das ihm gleich ist: Matthäus 22,39. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Die Liebe zum Nächsten steht in Jesu Augen also auf einer Stufe mit der Liebe zu Gott. Das zweite Gebot ist zwar in einer Rangliste auf dem zweiten Platz, aber es ist für uns Menschen deshalb nicht weniger wichtig. Woran liegt das?
 Matthäus 22,40: An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Jesus sagt mit diesem Vers, dass die ganze Botschaft des Alten Testaments, also Gesetz und Propheten, auf diese zwei Gebote hinausläuft: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten. Damit macht Jesus die anderen Gebote nicht unwichtig. Er zeigt vielmehr, dass jedes Gebot Gottes letztlich mit einer dieser beiden Liebesbeziehungen zu tun hat: mit meiner Liebe zu Gott oder mit meiner Liebe zu meinen Mitmenschen.
Das erste Gebot bleibt das größte: Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Verstand. Gott ist der Schöpfer, der Herr, der Ursprung meines Lebens. Darum verdient er meine ganze Hingabe.
Aber das zweite Gebot ist ihm gleich: den Nächsten lieben wie mich selbst. Das heißt nicht, dass der Mensch auf derselben Stufe steht wie Gott. Gott bleibt Gott. Aber der Nächste ist für Gott so wichtig, dass meine Liebe zu Gott nicht echt sein kann, wenn ich den Menschen neben mir verachte.
Genau darum sagt Jesus: An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Das Bild ist einfach. Wenn etwas hängt, dann wird es von etwas anderem gehalten. So hängen alle Gebote an diesen beiden Liebesgeboten und müssen von ihnen her verstanden und ausgelegt werden.

Das Gesetz im Licht der Liebe

Das ist übrigens, was Jesus in der Bergpredigt tut. Nehmen wir die Zehn Gebote: Die ersten Gebote zeigen, wie Gottesliebe aussieht: keine anderen Götter haben, Gottes Namen ehren, Gott ernst nehmen. Die weiteren Gebote zeigen, wie Nächstenliebe aussieht: die Eltern ehren, nicht töten, nicht Ehe brechen, nicht stehlen, nicht lügen, nicht begehren.
Versteht ihr? Liebe ist bei Jesus kein Ersatz für Gehorsam. Liebe ist, wenn man so will, der existenzielle Ursprung allen Gehorsams. Wer wirklich liebt, fragt nicht nur, was gerade noch erlaubt ist, sondern was Gott gefällt und ehrt, was meinem Nächsten dient, was sein Leben, seine Ehe, seinen Besitz, seinen Ruf oder seine Würde schützt.
Deshalb kann Paulus so prägnant formulieren, dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist, Römer 13,8-10: Seid niemandem irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben; denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn das: Du sollst nicht Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren, und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe.
Oder Galater 5,14: Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Die Frucht echter Gottesliebe

Jetzt verstehen wir, warum Jesus die Nächstenliebe dem ersten Gebot gleichstellt: nicht weil der Mensch an Gottes Stelle tritt, sondern weil Gott selbst ihn geschaffen hat, ihn liebt und meiner Liebe anvertraut.
Wer Gott liebt, muss auch die Menschen lieben, die Gott ihm zumutet. Man könnte es so sagen: Die Gottesliebe ist die Wurzel, die Nächstenliebe ist die Frucht. Ohne Wurzel vertrocknet die Frucht, ohne Frucht muss man fragen, ob die Wurzel wirklich lebt. Beides gehört untrennbar zusammen.
Das sieht übrigens auch der Pharisäer so, der Jesus versuchen will, Markus 12,32-33. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Rechtlehrer, du hast nach der Wahrheit geredet. Denn er ist einer, und es ist kein anderer außer ihm. Und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst ist viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
Diese Antwort ist einfach nur bemerkenswert. Der Mann sagt nicht, Opfer sind bedeutungslos. Brandopfer und Schlachtopfer waren von Gott selbst eingesetzt, sie gehörten zum Gottesdienst Israels. Aber sie waren nie als Ersatz für ein Herz gedacht, das Gott liebt, und nie als Ersatz für ein Leben, das dem Nächsten dient.
Opfer ohne Liebe werden hohl. Sie sehen religiös aus, aber sie enthalten nicht, worum es Gott eigentlich geht. Schon bei Hosea lesen wir, Hosea 6,6: Denn an Güte habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, und an der Erkenntnis Gottes mehr als an Brandopfern.
Merkt ihr: Echte Liebe zu Gott und zum Nächsten wiegt mehr als die eindrucksvollsten religiösen Handlungen. Nicht weil Opfer falsch wären, sondern weil äußere Frömmigkeit keine Herzensliebe zu Gott ersetzen kann. Und echte Liebe zu Gott geht immer mit Barmherzigkeit einher.

Nähe zum Reich Gottes

Damit hat dieser Pharisäer alles verstanden, was man verstehen muss, um sich mit ganzem Herzen zu Gott zu bekehren. Und so kann Jesus ihm eine Verheißung zusprechen, Markus 12,34.
Und als Jesus sah, dass er verständlich geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und es wagte niemand mehr, ihn zu befragen.
Der Mann ist noch nicht zum rettenden Glauben durchgedrungen, er ist noch nicht im Reich Gottes, aber er ist auch nicht mehr fern. Er weiß, was es braucht, um gerettet zu werden. Er weiß, dass Gott sein ganzes Leben will. Und er weiß, dass es um Liebe geht: Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten.
Was könntest du jetzt tun? Überlege, was der Schriftgelehrte jetzt tun müsste. Worin besteht der Schritt hinein ins Reich Gottes? Und hast du diesen Schritt schon getan?
Das war’s für heute. Überarbeite und aktualisiere jetzt deine Fürbitte-Liste für Alleinerziehende in deiner Gemeinde und bete für sie.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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