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SerieTeil 4 / 5LebenPlus
Was füllt dein Herz wirklich? Die Frage ist nicht nur Gefühl, sondern entscheidet, wer du wirst. Wer sein Herz pflegt, gewinnt Freiheit, Klarheit und einen neuen Anfang.

Herzenssache als Leitmotiv

Seniorenmagazin Leben plus zum Thema Herzenssache
Das Herz ist der Ort, an dem sich die Leere füllt, der Platz, an dem die Entscheidungen getroffen werden, der Ort, aus dem die Aktionen hervorgehen. Henry Naun
Editorial
Wussten Sie, dass in der Bibel mehr als tausendmal vom Herzen die Rede ist? Dabei geht es weniger um das physische Herz, das uns mit jedem Herzschlag am Leben hält. Es geht vornehmlich um das Herz im übertragenen Sinne, in dem unser Verstand, unser Gefühl und unser Wille zusammenkommen und agieren. Das macht uns aus, treibt uns an und lässt uns aufblühen.
Für uns Grund genug, diesem Herzen eine eigene Ausgabe von Leben plus zu widmen, denn dieses Magazin ist uns eine Herzensangelegenheit. Es begeistert uns, über all das nachzudenken, was unser Leben im Kern ausmacht, und wir möchten auch Sie einladen, sich darauf einzulassen. Denn es tut so gut, im gewohnten Alltag innezuhalten und sich zu fragen: Was geht eigentlich in mir vor? Ist das gut? Will ich es so? Muss ich so bleiben?
Als Redaktionsteam von Leben plus sind wir davon überzeugt, dass sich viele Möglichkeiten und neue Chancen auftun, wenn wir Gott in diesen Prozess des Nachdenkens einbeziehen. Dazu möchten wir Sie ermutigen und wünschen Ihnen nun viel Freude und Gewinn beim Lesen und Hören dieser Ausgabe von Leben plus.
Unser Herz ist wie eine Pumpe, die den Blutkreislauf antreibt. Auf diese Weise versorgt es unsere Organe und unser Gewebe ein ganzes Leben lang mit lebensnotwendigem Sauerstoff und Nährstoffen. Das Herz ist somit neben dem Gehirn das zentrale Organ unseres Körpers.
Doch was ist mit dem Herzen, von dem wir im übertragenen Sinne sprechen und das ebenso zentral für unser Leben ist? Vom Herzen im weiteren Sinne ist in vielen Kulturen schon seit Jahrtausenden die Rede, und zwar so selbstverständlich, dass wir davon ausgehen, dass jeder weiß, wovon wir reden und was wir damit meinen. In der westlichen Welt gewinnt man oft den Eindruck, als betreffe das Herz im Wesentlichen ein warmes Gefühl im Unterschied zum kühlen Kopf. Doch es handelt sich um mehr.
Unser Herz ist komplex aufgestellt. Sicher geht es beim Herzen um unsere Gefühle. Wenn etwa die Enkelin ein Herz in den Sand malt oder uns das Schicksal eines Freundes zu Herzen geht, sprechen wir von Liebe, Freude und Mitleid. Durch Gefühle treten wir mit Menschen in Beziehungen. Gerade Gefühle geben uns das Gefühl, lebendig zu sein.
Auch wenn wir unsere Gedanken zunächst im Kopf verorten, so bewegen sie doch spätestens unser Herz, wenn es persönlich wird und uns etwas am Herzen liegt. Das geht uns so bei Tugenden, die uns wichtig sind, oder bei Überlegungen, die unsere Zukunft betreffen, und erst recht, wenn es um uns nahestehende Menschen geht. All diese Gedanken wägen wir in unserem Herzen ab und kommen darüber regelrecht mit uns selbst ins Gespräch. Und dann melden sich auch noch unsere Wünsche und Sehnsüchte. Letztlich ist es unser Wille, der beschließt, was wir mit all dem machen, was in unserem Herzen ist. Wir werden uns ein Herz fassen, Entscheidungen treffen und Schritte unternehmen. All das spielt sich in unserem Herzen ab.
Je nach Situation meldet sich das Gefühl, der Verstand oder der Wille. Sie wirken zusammen, widerstreiten sich aber auch. Sie beeinflussen sich immer gegenseitig. Gar nicht so einfach: Unser Herz ist das, was uns im Innersten ausmacht. Wer wir als Person sind und was unseren Charakter ausmacht, wird durch unser Herz bestimmt.
Nicht nur das: Auch unsere Zukunft hängt von dem ab, was sich in unserem Herzen abspielt. Denn was in unserem Herzen ist, hat entscheidenden Einfluss darauf, wer wir werden und was aus uns wird. So wird die Mahnung, die Salomo in seiner Spruchsammlung hinterließ, verständlich: Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.
Grund genug, dem Herzen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Vielfache Verpflichtungen und der ganz normale Alltag können uns so in Beschlag nehmen, dass wir darüber unser Herz vernachlässigen. Ist womöglich jetzt in der letzten Lebensphase die Zeit gekommen, in der wir uns fragen: Was ist aus mir geworden? Wollte ich dahin, wo ich jetzt bin? Wollte ich je so sein, wie ich jetzt bin?
Sicher ist es im Alter nicht leicht, sich diesen Fragen zu stellen. Wir berühren damit Punkte, die sehr schmerzlich für uns sein können. Doch sollten wir ihnen deswegen ausweichen? Sie sind ja wesentlich, um den verbleibenden Tagen und Jahren eine Bedeutung zu geben, auch um ein gutes Ende zu finden.
Unser Herz braucht Pflege. Wenn unser Herz für die Quelle steht, aus der alles hervorgeht, dann haben wir allen Grund, es zu behüten und zu pflegen. Das heißt zunächst: Achte darauf, was du hineinlässt. Welchem Einfluss wir uns auch öffnen, es wird uns prägen und bestimmen. Welchen Gedanken und Gefühlen geben wir Raum?
Wenn wir merken, dass es solche sind, die uns niederreißen, wütend machen und somit zerstörerisch sind, können wir nicht erwarten, dass Gutes aus dieser Herzensquelle fließt. Was können wir dem entgegensetzen? Es ist das Gute, das unser Herz braucht, um sich gesund auszurichten. Um nichts anderes geht es im Evangelium, das übersetzt „gute Nachricht“ bedeutet. Damit ist umschrieben, was Jesus in diese Welt gebracht hat. Und tatsächlich: Diese gute Nachricht hat über Jahrhunderte hinweg viele Menschen in ihrem Herzen berührt und verändert, bis heute.
Wir brauchen ein neues Herz. Bei dem Guten geht es nicht nur um kleine Verbesserungen kosmetischer Art. Wir brauchen eine Erneuerung, die unserem Leben eine neue Ausrichtung gibt. Der König David war sich dessen bewusst, als er unter der Last seines falschen und zerstörerischen Weges litt: Erschaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, festen Geist.
Wer diesen Wunsch in sich hegt und darum bittet, trifft damit genau auf das, was sich Gott für uns gedacht hat. Er sandte Jesus, seinen Sohn, in die Welt, um unsere Schuld auf sich zu nehmen, um uns von ihr zu befreien. Damit setzte er um, was ihm am Herzen liegt und was er schon lange angekündigt hatte: Ich wasche die Schuld von euch ab, dann gebe ich euch ein neues Herz und einen neuen Geist.
Es ist so befreiend, aus diesem neuen Herzen zu leben. So können neue Gedanken und sogar heilvolle Gefühle Raum gewinnen. Unser Wille orientiert sich neu an dem, was gut ist, was Gott gefällt und was vollkommen ist. Es kann uns nichts Besseres passieren, denn so leben wir für das, wozu wir geschaffen sind. So lässt sich Mensch sein nach Gottes Herzen, nah am Herz des Vaters, Gott persönlich begegnen.

Gottes Herz und die Frage nach unserem Wert

Wie ist Gott? Die meisten populären Antworten auf diese Frage haben eines gemeinsam: Sie gehen davon aus, dass der Mensch handelt und Gott reagiert. Gute Werke werden belohnt, schlechte bestraft. Gott als Schiedsrichter und herzloser Bürokrat.
Doch was sagt die Bibel über Gott? Muss man ihn durch Taten besänftigen? Viele Menschen haben zu Gott ein ähnlich ambivalentes Verhältnis wie zur Polizei. Im Notfall ist er ein gern gesehener Helfer, ansonsten möchte man ihm lieber fernbleiben. Denn man fürchtet den erhobenen Zeigefinger im Rückspiegel, der das eigene Handeln kritisch beäugt. Was, wenn Gott mich eines Tages bestraft, weil ich kein perfektes Leben geführt habe? Wird er vielleicht ein Auge zudrücken, wenn ich Kirchenmitglied bin und regelmässig Geld für wohltätige Zwecke spende?
Kein Wunder, dass ein so verstandener christlicher Glaube für viele Menschen wenig attraktiv erscheint. Doch liegt einer solchen Gottesvorstellung ein grosses Missverständnis zugrunde. Gottes Herz schlägt für uns Menschen. Anders als eben beschrieben stellt uns die Bibel Gott als liebevollen Versorger und Vater vor. Dabei geht es nicht um unsere eigenen Taten, die uns liebenswert machen könnten. Vielmehr erweist sich Gott uns gegenüber als vertrauenswürdig durch sein gnädiges Handeln. Gott macht den ersten Schritt auf uns zu, damit wir ihm antworten und in Beziehung zu ihm treten können.
So war es schon beim Volk Israel im Alten Testament der Bibel. Den zehn Geboten gehen in 2. Mose 20,2 beispielsweise die Worte voraus: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten herausgeführt habe. Erst danach folgt die Aufzählung dessen, wie das Volk auf diese Rettung reagieren und antworten kann. Dabei liegt eine besondere Betonung darauf, ihm allein als Gott zu vertrauen. Gemeinschaft mit Gott entsteht, indem er handelt und wir darauf antworten.
Diese besondere Stellung bei Gott hatte sich das Volk Israel nicht verdient. Sie hatten nichts vorzuweisen, mit dem sie sich dafür hätten qualifizieren können. Aus Liebe zu diesem Volk kam Gott ihm zur Hilfe und rettete es aus der Sklaverei in Ägypten.
Was hier bereits am Beispiel vom Volk Israel deutlich wird, findet im Neuen Testament seinen Höhepunkt. Gottes Sohn wurde Mensch, um zu zeigen: Diese Botschaft gilt ausnahmslos jedem Menschen. Gottes Herz schlägt für uns, weil wir seine Geschöpfe sind. Jesus zeigt uns das liebende Herz des Vaters. Niemand kann uns Gott näher bringen als sein Sohn Jesus, denn niemand kennt ihn besser. Deshalb trifft es völlig zu, wenn Jesus sagt: Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.
Jesus hat gezeigt, dass Gott mit uns mitfühlt, wenn wir leiden. Er wendet sich uns liebevoll zu, auch wenn die Gesellschaft uns geringschätzt. Er sucht geradezu die Gemeinschaft mit solchen Menschen, die sich ihrer Fehler bewusst sind. Wie ein guter Vater knüpft Gott seine Liebe zu uns nicht an Leistung.
Viele Menschen, die Jesus damals hautnah erlebt haben, spürten und verstanden durch ihn, wie sehr Gott sie liebt. Deshalb begannen sie, Jesus zu vertrauen und sich dieser Liebe Gottes zu öffnen. Das ist uns auch heute möglich. Zwar können wir Jesus nicht sehen oder anfassen, aber auch wir dürfen wissen, dass Gottes Sohn Mensch wurde, um wegzunehmen, was uns durch unser menschliches Versagen von Gott trennt.
Mehr noch: Durch seinen Tod am Kreuz und seine anschliessende Auferstehung ermöglicht Jesus uns einen Neuanfang mit Gott. Die Frage ist nur, wie reagieren wir auf dieses Angebot? Lehnen wir dankend ab, oder öffnen wir unser Herz und gehen die Beziehung zu Gott ein? Nehmen wir diesen Liebesbeweis Gottes für uns in Anspruch?
Als Kind Gottes dürfen wir dem Vater begegnen. Gott als liebenden Vater zu bezeichnen, ist mehr als nur ein schöner Vergleich. Es ist die überwältigende Botschaft, dass Gott, der die Welt erschaffen hat, sich nach uns sehnt. Denn wenn wir „Vater“ sagen, drücken wir damit eine Beziehung aus. Gott bietet uns an, ihm persönlich zu begegnen und sein Kind zu sein. Seht doch, wie gross die Liebe ist, die uns der Vater erwiesen hat. Kinder Gottes dürfen wir uns nennen.
Wenn wir durch den Glauben an Jesus Christus ein Kind Gottes sind, erübrigt sich die Frage, was wir noch wert sind, wenn die Kräfte nachlassen. Denn die Würde, die mit dieser neuen Identität verbunden ist, hängt nicht davon ab, was wir noch leisten können. Hinzu kommt, dass Gott immer für uns da ist, wenn wir uns freuen, aber auch in den Sorgen des Alltags, in den Ängsten um die Zukunft, in Schmerz, Trauer und Einsamkeit. Er steht uns bei und trägt durch, auch wenn er nicht immer sofort wegnimmt, was uns gerade bedrückt. Dieser Liebe Gottes kann man sich als sein Kind gewiss sein. Nicht einmal der Tod kann dann noch von Gott und seiner Liebe zu uns trennen, welch ein Trost!
Einen weiterführenden Artikel zum Thema „Gottes Liebe zu den Menschen: Liebt Gott auch mich?“ finden Sie unter magazin-lebenplus.de/liebt-gott-mich.

Ein Blick auf das Herz als Organ

Der Herr heilt gebrochene Herzen und verbindet Wunden nach Psalm 147,3.
Das Herz ist ein Wunderwerk. Ein Kardiologe staunt über die Entwicklung des Herzens. Das Herz ist ein faszinierendes Organ. Als Kardiologe bin ich in meiner täglichen Arbeit immer wieder davon beeindruckt, wenn ich Herzen mit dem Ultraschall untersuche.
Als Pumpe sorgt das Herz dafür, alle Bereiche unseres Körpers mit Blut und somit mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Wie passiert das? Durch die Herzscheidewand und die Herzklappen wird das Herz in insgesamt vier Herzhöhlen aufgeteilt. Die Vorhöfe sammeln das Blut zunächst aus dem Körper rechts beziehungsweise aus der Lunge links ein. Von dort aus gelangt es dann in die Kammern, die das Blut wieder in den Körper- beziehungsweise Lungenkreislauf zurückpumpen. Damit es dabei zu einem gerichteten Blutfluss kommt, befinden sich an den Ein- und Ausgängen des Herzens spezielle Ventile, die Herzklappen.
Welche erstaunlichen Fähigkeiten hat das Herz? Die Aktivität der Herzmuskelzellen wird von elektrischen Impulsen gesteuert und ist sehr eng auf diese Mechanik abgestimmt. Dafür muss die elektrische Erregung genau zum richtigen Zeitpunkt am jeweiligen Ort eintreffen. Außerdem hat das Herz die Fähigkeit, sich an besondere Belastungen anzupassen, etwa wenn wir Treppen steigen oder aufgeregt sind. Durch Erhöhung der Herzfrequenz und der Pumpkraft kann es seine Leistung um ein Vielfaches steigern, bei Sportlern auf das Sechs- bis Siebenfache. Um den erhöhten Sauerstoffbedarf zu decken, wird die Durchblutung des Herzens dabei deutlich erhöht.
Diese Meisterleistung vollbringt unser Herz ein Leben lang. In 75 Jahren schlägt es etwa 2,7 Milliarden Mal und transportiert ein Blutvolumen von circa 193 Kubikmetern. Trotz dieser erstaunlichen Beanspruchung zeigt das Herz bei den meisten Menschen nach dieser Zeit noch keinerlei Ermüdungserscheinungen. Während sich herzkranke Patienten oft wundern, warum ihr Herz jetzt nicht mehr richtig arbeitet, könnte man genauso fragen, warum es bei den meisten Menschen so lange ohne relevante Probleme seine komplexe Funktion erfüllt.
Wie entwickelt sich das Herz im Mutterleib? Damit der Embryo ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, muss das Herz sehr früh seine Tätigkeit aufnehmen. Deshalb setzt bereits zu Beginn der vierten Entwicklungswoche die Herztätigkeit ein, und schon in der sechsten Woche kann man diese mit dem Ultraschall sehen. Manche Frauen wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal etwas von ihrer Schwangerschaft.
Zunächst bildet sich der Herzschlauch, der sich zu der sogenannten Herzschleife faltet. Dadurch bildet sich eine Herzkammer. Durch das Einwachsen der Herzscheidewand und die Ausbildung der Herzklappen entstehen die vier Herzhöhlen. Dabei muss das Herz bereits während seiner gesamten Entwicklung gut funktionieren und den Embryo mit Blut versorgen. Gleichzeitig müssen die Elektrik, die Durchblutung des Herzens und die Ausbildung der Herzklappen fein aufeinander abgestimmt werden.
Trotzdem läuft die Entwicklung des Herzens bei 99 Prozent der Menschen fehlerfrei ab. Dabei sind alle Informationen für diese hochkomplexen Vorgänge bereits in der befruchteten Eizelle vorhanden. Ich kann hinter all dem nur einen überaus weisen und allmächtigen Schöpfer sehen.
Autor: Doktor med. Stephan Weise, Jahrgang 1972, seit 19 Jahren glücklich verheiratet, fünf Kinder, Kardiologe und Intensivmediziner im Leitungsteam einer jungen christlichen Gemeinde.

Das Gebet, das die Beziehung trägt

Das Vaterunser – alte Texte neu entdeckt
Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Es gibt kein Gebet, das in der Christenheit weiterverbreitet ist als das Vaterunser. Jesus gab es seinen Jüngern, als sie ihn baten: Herr, lehre uns beten. Bevor er ihnen jedoch das Gebet an die Hand gab, wies Jesus ausdrücklich darauf hin, dass es beim Beten nicht darauf ankommt, viele Worte zu machen. Es geht um unser Herz, denn Gott antwortet auf das, was in unserem Herzen ist.
Jesus gibt uns nicht nur dieses Gebet, er ermöglicht uns auch die vertraute Beziehung zu Gott, durch die dieses Gebet überhaupt erst Sinn macht. Jesus sagt: Niemand kommt zum Vater denn durch mich. Durch den Glauben an Jesus können wir zu Gott als Vater reden, mit diesen und mit eigenen Worten.
Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Vater, du bist im Himmel und ich bin hier auf Erden. Danke, dass ich dir mein Herz öffnen und um deine Aufmerksamkeit wissen darf. Das erfüllt mich mit tiefer Ehrfurcht. Deshalb will ich dich ehren und deinen Namen besonders würdigen, und das gemeinsam mit allen, die von Herzen unser Vater sagen.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Vater, ich wünsche mir so sehr, dass dein Reich und damit dein guter Einfluss sich durchsetzt. Erst dadurch kommt es zu Gerechtigkeit, Frieden und Freude. Was jetzt schon im Himmel geschieht, soll auch für unsere Erde gelten. Beginne bei mir. Ich unterstelle mich gerne deinem Willen und vertraue dir.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Vater, du kennst mich und meinen Wunsch, mich versorgt zu wissen. Auch wenn es um mein Bedürfnis nach Nahrung und Schutz geht, wird mir täglich bewusst, wie abhängig ich von dir bin. Das löst mich von der lähmenden Angst um die Zukunft und macht mich unsäglich dankbar für heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Vater, als ich deine Liebe entdeckte, war es vor allem auch dies, was mich dankbar machte: Du hast mir meine Schuld vergeben. Auf dem Weg in dieser Welt und im Umgang mit meinen Nächsten werde ich allerdings immer wieder schuldig. Das stört und belastet mein Gewissen. Vergib mir! Ich will auch denen, die an mir schuldig geworden sind, nichts nachtragen. Nur so bin ich frei, dir und den Menschen offen und ehrlich zu begegnen.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Vater, in unserer unübersichtlichen Welt stehe ich in der Gefahr, Dinge zu tun, die ich später bereue. Das Böse stellt mir Fallen, und der Böse will mich gefangen nehmen. Ich bin auf deine Bewahrung angewiesen, um rechtzeitig der Versuchung zu widerstehen. Ich will in Freiheit mit dir meinen Weg gehen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Vater, die Herrscher dieser Welt und ihre Reiche werden vergehen. Du aber bleibst, und mit dir das Reich des Friedens, das sich durchsetzen wird. Meine Kraft wird weniger, doch deine Kraft bleibt auch in uns Schwachen. Die Herrlichkeiten, in denen Menschen sich sonnen, verblassen. Deine Herrlichkeit bleibt für immer und ewig. Daran möchte ich teilhaben.
Amen, so sei es.

Digitale Angebote und Hinweise zum Magazin

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Gedanken, Bilder und innere Orientierung

Wie Gedanken unser Herz bewegen
Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir Vernunft, Verstand und Denken mit unserem Kopf verbinden. Doch sind unsere Gedanken nicht vor allem ein Gespräch, das wir in unserem Herzen führen?
Natürlich können wir mit kühlem Kopf mathematische Aufgaben lösen und historische Zusammenhänge durchdenken. Doch wie ist es, wenn wir von einer schweren Erkrankung erfahren oder uns mit unserer eigenen Lebens- und Familiengeschichte beschäftigen? Spätestens dann bewegen uns Fragen, die wir im Herzen diskutieren, abwägen und zu lösen versuchen. Auch wenn wir uns über die Zukunft Gedanken machen, werden diese von unseren Erfahrungen, Ängsten und Hoffnungen in unserem Herzen bestimmt.
Um sich das klarzumachen, können uns zwei Bilder helfen.
Das Gebäude: Gedanken, die sich mit der Zeit verfestigen
Unser Herz deutet und verarbeitet die Informationen, die uns zur Verfügung stehen. So entstehen oftmals über Jahre und Jahrzehnte hinweg feste Überzeugungen, die sich zu einem regelrechten Gedankengebäude verfestigen können. Dieses erscheint uns unverrückbar, und wir beginnen, es notfalls zu verteidigen, weil wir ein Gefühl der Sicherheit damit verbinden. Wir meinen, auf diese Weise die Welt und unser Leben besser verstehen und erklären zu können.
Doch das kann trügerisch sein. Wir können uns in diesem Gebäude eingemauert wiederfinden und somit vereinsamen. Es fällt uns dann immer schwerer, uns offen mit anderen auszutauschen und ihnen herzlich zu begegnen. Vor allem dann, wenn unser Gedankengebäude aus argen und destruktiven Gedanken errichtet ist.
In der Bibel ist von solchen Gedankengebäuden, die Festungen gleichen, die Rede. Darin hat Gott nur wenig zu sagen, oder er wird sogar ganz außen vorgelassen. Grund genug, rechtzeitig die Kurve zu kriegen. Hier kann uns das zweite Bild helfen.
Der Garten: Gedanken, die ihre Wurzeln schlagen
Ein eindrückliches Bild für unser Herz ist der Boden in einem Garten. Es stellt sich die Frage, welche Pflanzensamen wir dort aufkeimen lassen, sodass sie sich verwurzeln können. Sind es förderliche oder zerstörerische Gedanken?
Jesus gebraucht dieses Bild des Bodens, um zu zeigen, dass es die Worte Gottes sind, die einem guten Samen gleichen. Sie haben das Potenzial, Leben und Frucht hervorzubringen. Wenn dieses Wort uns erreicht, kommt es auf unsere Herzenshaltung an. Das macht am Ende den Unterschied.
Ein Teil des Samens fällt auf guten Boden. Er steht für Menschen, die das Wort mit offenem und bereitwilligem Herzen hören, es bewahren und durchhalten. So bringen sie viel Ertrag. Wer das Wort Gottes in sein Herz fallen lässt und sich seiner Botschaft öffnet, gewinnt reichlich für sich selbst, aber auch für andere. So können alle nur gewinnen.
Umdenken ist möglich
Wenn wir unseren Verstand richtig einsetzen wollen, dann brauchen wir eine Grundhaltung der Offenheit und Lernbereitschaft. Auch die Offenheit, das unumstößlich erscheinende Gedankengebäude in Frage zu stellen, womöglich sogar einzureißen. Und die Bereitschaft, neu zu lernen, was wirklich gut und von Bedeutung ist, und den Herzensboden dafür zuzubereiten.
Das Schöne ist: Wir können umdenken. Und für solches Umdenken gibt es keine Altersbeschränkung. Jesus spricht immer wieder genau davon, wenn er von Metanoia spricht. Dieses griechische Wort heißt umdenken und bedeutet, den Sinn und die Gesinnung zu ändern.
Überzeugungen zu ändern ist vielfach schmerzhaft, etwa dann, wenn wir Jesus mit seiner Diagnose Recht geben müssen: Aus dem Herzen der Menschen kommen böse Gedanken. Diese schlagen sich oft in einem Verhalten nieder, das uns selbst schadet und unsere Beziehungen zerstört.
Vor allem ist das Umdenken schwierig, wenn wir uns eingestehen müssen, dass uns solche Gedanken schon zu lange bestimmt haben. Doch es ist möglich. Warum nicht auch im Alter? Sehen wir es doch so: Wir müssen nicht festgelegt bleiben auf das, was wir immer schon so gesehen und gedacht haben. Ist es nicht geradezu befreiend, endlich anders denken zu dürfen?
Wenn sich damit eine Tür zu einem neuen Bereich öffnet, in dem sich leben lässt, genau dazu sind wir eingeladen: von dem, der uns das Leben gegeben hat und Leben in Fülle verspricht. Wir dürfen uns Jesus Christus zuwenden, uns an ihn halten und unser Denken an ihm neu ausrichten, uns mit dem Guten beschäftigen.
Was unsere Herzen bewegt, hat oft mit dem zu tun, was wir wahrnehmen und an uns heranlassen. Deshalb ist es so wichtig, das Gute regelrecht aufzuspüren. Und dieses gibt es auch in unserer Zeit und Welt. Paulus schreibt:
Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen. Beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird.
Auf diese Weise gewinnen wir wieder die Oberhoheit über unsere Gedanken. Unser Herz atmet Freiheit, und wir gewinnen Zuversicht. Damit lässt sich leben.
Und nicht nur das: Wir werden zu Menschen, die ihr näheres Umfeld prägen, eben zum Guten.

Herzlichkeit als gelebte Tugend

Die Tugend der Herzlichkeit neu lernen
Niemand will als herzlos gelten. Doch wurde das immer schon so gesehen? Worin besteht eigentlich Herzlichkeit, und wie können wir sie kultivieren?
Heutzutage sind uns herzliche Beziehungen sehr wichtig. Doch das war nicht immer so. In der antiken Welt galten Herzlichkeit oder Barmherzigkeit eher als Schwäche. Für den Philosophen Platon (427–348 v. Chr.) etwa war klar: Die Natur selbst zeigt uns, dass es gerecht ist, wenn die Besseren mehr haben als die Schlechteren. Gerechtigkeit besteht darin, dass der Überlegene über den Unterlegenen herrscht und mehr hat als dieser.
Diese Haltung war in der gesamten Gesellschaft anzutreffen, in Politik und Religion. Manche Menschen waren eben nicht mehr als Tiere oder Waren. So wurde die Sklaverei ein wesentlicher Teil der römischen Gesellschaft.
Der Siegeszug der Barmherzigkeit
In dieser von Unbarmherzigkeit geprägten Gesellschaft breitete sich die frühe christliche Kirche aus. Sie bot mit ihrem Engagement einen Gegenentwurf dazu, denn nun hatten Menschen die Barmherzigkeit Gottes erfahren. Sie hatten erlebt, wie sich Jesus denen zuwandte, die am Rande standen, schwach und verwundbar waren. So hat Jesus seine Mission verstanden: Der Herr hat mich gesandt, den Armen gute Nachricht zu verkünden, den Gefangenen soll ich zurufen, dass sie frei sind, und den Blinden, dass sie sehen werden, den Unterdrückten soll ich die Freiheit bringen.
Die Nachfolger von Jesus haben diese Haltung so verinnerlicht, dass sie, von diesem Geist beseelt, sich dem Nächsten zuwandten. Von da an hat sich die Barmherzigkeit immer wieder durchgesetzt, durch Menschen, die konsequent Jesus gefolgt sind. Das hat die Kultur überall dort verändert, wo das Christentum Fuß fassen konnte.
Herzlichkeit will geübt sein
Heute scheint es leichter zu sein, seine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen und auszudrücken. Allerdings kommen viele von uns aus einer Zeit, in der man sich damit eher zurückhielt und sich damit schwer tat. Doch sollten nicht gerade wir es begrüßen, dass sich hier etwas getan hat? Denn Herzlichkeit auszudrücken erfreut und ermutigt gewaltig. Es schafft Vertrauen und gibt unseren Beziehungen eine gewisse Leichtigkeit. Dabei kostet es meistens wenig und bewirkt doch so viel.
Kleine Gesten sind jedem möglich. Alles beginnt mit Höflichkeit, auch vertrauten Menschen gegenüber. Nehmen Sie die Bedürfnisse des anderen wahr und gehen Sie rücksichtsvoll darauf ein. Wenden Sie sich dem anderen mit Respekt zu. Auch ohne Worte können Sie mit einem Lächeln zeigen, dass Sie ihm positiv zugewandt sind.
Zeigen Sie Nähe, die angemessen ist und als angenehm empfunden werden kann. Das kann die Einladung in die eigene kleine Wohnung sein. Ein behaglicher Raum öffnet das Herz zum vertrauten Gespräch. Eine Hand auf der Schulter kann zeigen: Ich stehe zu dir. Die tröstende Umarmung versichert: Du bist nicht allein.
Verpacken Sie Ihre Unterstützung so, dass der andere sie auch annehmen kann. Überlegen Sie gut, wie weit Sie mit Ihrem Angebot der Hilfe gehen können. Teilen Sie Gemeinsamkeiten, sprechen Sie über Ihre Vorlieben, aber auch über Ihre Überzeugungen und Ihren Glauben, damit Herzlichkeit nicht als aufdringlich empfunden wird. Achten Sie auf Klarheit in Ihren Beziehungen. Je besser Sie Ihre eigenen Grenzen wahren, umso leichter können Sie eine gute Beziehung eingehen und aufrechterhalten.
Alles, was ihr tut, soll in Liebe geschehen.

Woran das Herz sich bindet

Woran hängt mein Herz? Ist das wirklich eine Frage? Verliebte kennen es, Mütter wissen es. Hundehalter erzählen es, Fußballfans beteuern es: woran ihr Herz hängt. Und wer sich von liebgewordenen Dingen trennen muss, erlebt es schmerzlich.
Tatsächlich ist diese Frage von größerer Bedeutung, als wir vielleicht annehmen. Wir kommen einer Antwort auf die Spur, wenn wir uns fragen: Sollte mein Herz daran hängen? Drei Aspekte können uns dabei helfen.
Ist es das wert, dass mein Herz daran hängt? Das hat doch alles mal viel Geld gekostet, sagt der Senior angesichts seiner Kristallgläser. Sollte das später keiner mehr wertzuschätzen wissen? Es gibt offensichtlich einen guten Grund für das mahnende Wort, das sich in der Bibel findet: Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran.
Wie aber kann ich mich davor hüten? Es geht um eine entscheidende Frage: Diene ich dem Geld oder dient das Geld mir? Erst wenn es mir dient und ich recht mit meinem Besitz umgehe, auch für Gutes investiere, bin ich frei.
Ist es das, was am Ende bleibt? Darf mich etwas in Beschlag nehmen, was letztlich keinen Bestand hat? Christen wissen um eine Hoffnung, die wie ein fester und sicherer Anker der Seele beschrieben wird. Dieser Anker reicht in Gottes himmlische Welt, die ewig bleibt. Bin ich dort verankert, macht mich das auch davon frei, alles von diesem Leben zu erwarten.
Ist es groß und stark, so dass ich mich daran hängen kann? Wieso sollte ich mein Herz an etwas verlieren, das nur eine geringe Bedeutung hat. Ich will mich an den hängen, dem ich mich verdanke und der mir sicheren Halt gibt, wie David, der König und Beter: Von ganzem Herzen hänge ich an dir, und deine Hand hält mich fest.
Ich will niemandem und nichts erlauben, sich zwischen mich und Gott zu drängen. Von ihm gehalten kann ich mich frei bewegen, an ihn hängend bekommt alles seinen angemessenen Platz.

Ordnung schaffen und Lebensspuren bewahren

Aufgeräumt sein.
„Hast du schon bemerkt, dass du nicht die Sachen besitzt, sondern dass sie dich besitzen?“, fragt Kurt Tucholsky. Solange uns Sachen emotional binden, werden wir uns von ihnen nicht trennen. Wie kann Aus- und Aufräumen gelingen?
Beginnen Sie gründlich. Das Aufräumen und sich Trennen von Dingen gelingt kaum, wenn man irgendwo anfängt und meint, irgendwann durch zu sein. Besser ist es, den Umzug in eine kleinere Wohnung, die Renovierung eines Zimmers, die Anschaffung eines neuen Möbelstücks oder auch nur die Reinigung eines Regalfaches zu nutzen.
Wichtig ist: Alles muss raus, am besten in den Flur oder in den Raum davor. Genießen Sie den schönen freien Raum. Womit wollen Sie ihn wirklich füllen?
Fragen Sie sich bei jedem Teil und entscheiden Sie konsequent. Ist es nützlich, benutze ich es tatsächlich oder habe ich es nur? Ist es schön, verbinde ich damit ein gutes Gefühl oder belastet es mich? Ist es gut, befriedigt mich die Qualität oder bin ich damit unzufrieden? Würde ich es neu anschaffen, wenn ich es nicht hätte?
Alles, was kaputt und unfertig ist, was nur weiter liegen bleibt oder was andere brauchen könnten, geben Sie weg oder entsorgen Sie es. Räumen Sie für das Leben auf, das vor Ihnen liegt. Was brauchen Sie in Zukunft, wo würden Sie es suchen?
Geben Sie jeder Sache einen Platz, und zwar Ihren Platz. Dorthin kommt das Werkzeug oder die Unterlage nach jedem Benutzen zurück.
Ein wunderbarer Nebeneffekt: Jedes Teil, um das Sie sich nicht kümmern müssen, gibt Ihnen mehr Freiheit. Und in einem aufgeräumten Zimmer ist auch die Seele aufgeräumt. Welch ein Ansporn, mit dem Aufräumen in Herz und Seele fortzufahren, angenehm für uns selbst und unsere Gäste!
Warum es sich lohnt, die eigene Lebensgeschichte aufzuschreiben.
Ist mein persönlicher Lebensweg zu gewöhnlich, um ihn aufzuschreiben? Auf keinen Fall, sagt Albert Brückmann. Es ist immer ein Gewinn, die eigene Geschichte festzuhalten, nicht nur für uns selbst.
Oft gehen wir durchs Leben, ohne innezuhalten und zurückzublicken. Dabei kann gerade die Rückschau auf die eigene Biografie eine ganz besondere Erfahrung sein. Es gibt viele Möglichkeiten, die eigene Lebensgeschichte zu reflektieren und festzuhalten. Zum Beispiel kann ich einfach chronologisch aufschreiben, was ich erlebt habe. Ich kann besondere Gedanken und Gefühle hervorheben oder Fotos und Briefe sammeln, die mir wichtig sind.
Entscheidend ist, dass ich die Höhen und Tiefen meines Lebens betrachten und daraus lernen kann. Durch meine Lebensgeschichte erkenne ich mich selbst. Wenn ich mir die Zeit nehme, auf mein Leben zurückzublicken, beginne ich, mich selbst besser zu verstehen. Wer war ich früher, wer bin ich heute? Was hat mich geprägt?
Ich begreife, wie mich Freud und Leid geformt haben. Dann komme ich so manchem Verhaltensmuster auf die Spur und kann dankbar werden für Herausforderungen, die ich gemeistert habe.
Meine Biografie dient den Menschen, die mir nahestehen. Meine persönliche Geschichte festzuhalten, ist eine wertvolle Ressource für die Menschen, die mir nahestehen. Sie erlaubt es meiner Familie, meinen Lebensweg nachzuvollziehen, was von unschätzbarem Wert ist. Nachkommen erhalten tiefe Einblicke in die Familiengeschichte und die Werte, die unsere Familie geprägt haben. Freunde fühlen sich durch das Vertrauen geehrt, das ich ihnen entgegenbringe, wenn ich sie an meiner Lebensgeschichte teilhaben lasse. Auch sie können mich dadurch besser verstehen und eine tiefe Bindung zu mir aufbauen.
Der Blick zurück kann eine tiefere Bedeutung offenbaren. Am Ende meiner Selbstreflexion kann ich möglicherweise erkennen, dass meine Lebensgeschichte mehr ist als eine Aneinanderreihung von Ereignissen. Sie kann mir helfen, die Führung und das Wirken Gottes in meinem Leben zu entdecken, auch wenn ich ihm eher skeptisch gegenüberstehe. Viele Menschen erkennen rückblickend in den Geschichten ihres Lebens die liebevoll ergreifende Hand Gottes, die sie durch Herausforderungen geleitet und zu Momenten großen Glücks gebracht hat.
Der Autor des Artikels, Albert Brückmann, hat als Gründer und Geschäftsführer von memento.com schon Hunderten von Menschen dabei geholfen, ihre Lebensgeschichte festzuhalten. Seine innovative Software führt durch den gesamten Prozess von der ersten Rückschau bis zum fertig gedruckten Buch.

Beweglichkeit für Hände und Finger

Handgymnastik mit Alltagsgegenständen
Wie wichtig unsere Hände sind, merken wir besonders, wenn mit zunehmendem Alter Feinmotorik, Beweglichkeit und Kraft in Fingern und Händen nachlassen. Regelmäßige Handgymnastik kann dem jedoch ein Stück weit entgegenwirken.
Dazu braucht es nur wenige Materialien, die in fast jedem Haushalt zu finden sind: ein Handtuch, drei Übungen, benötigtes Material, ein Handtuch, zirka fünfzig mal siebzig Zentimeter, ein Tisch.
Erstens: Das Handtuch flach vor sich auf den Tisch legen. Das untere Ende greifen und den Stoff mit den Fingern langsam zu sich hinraffen. Die Finger dabei bewusst nacheinander einsetzen. Anschließend das Handtuch mit den Fingern in die entgegengesetzte Richtung wieder auseinanderschieben.
Zweitens: In ähnlicher Weise das Handtuch mit den Fingern ein- und wieder ausrollen.
Drittens: Das zusammengerollte Handtuch an beiden Enden greifen und mehrmals in beide Richtungen auswringen, als ob es nass wäre.
Gut zu wissen: Die ersten beiden Übungen werden schwerer, wenn sie einhändig mit einem Küchenpapier durchgeführt werden. Dafür zunächst zwei bis drei Zentimeter breite Bahnen davon abreissen. Beachten Sie: Küchenpapier hat, ähnlich wie Stoff, eine Laufrichtung, in der das Papier problemlos in Streifen gerissen werden kann.
Zahnstocher sind vielseitig einsetzbar. Benötigtes Material: mindestens zehn Zahnstocher oder Streichhölzer.
Erstens: Den Zahnstocher mit Daumen und Zeigefinger festhalten. Den Mittelfinger auf den Zahnstocher legen, den Zeigefinger unter den Zahnstocher schieben und den Zahnstocher umdrehen. Mit den übrigen Fingern fortfahren, bis der Zahnstocher zum kleinen Finger gewandert ist.
Zweitens: Mehrere Zahnstocher dicht nebeneinander auf den Tisch legen. Mit Daumen und Zeigefinger einen Zahnstocher greifen und zur Seite legen. Mit Daumen und Mittelfinger beziehungsweise den restlichen Fingern fortfahren.
Drittens: Auf diese Weise einen Turm bauen, bei dem jede Ebene aus mindestens zwei Zahnstochern besteht.
Das Linsenbad als Wohltat für müde Finger. Benötigtes Material: eine große Schüssel oder Wanne mit stabilem Stand, getrocknete Linsen, so dass die Wanne zur Hälfte damit gefüllt werden kann, mehrere kleine Gegenstände, zum Beispiel Münzen, Knöpfe, Murmeln.
Erstens: Die Hände in das Linsenbad tauchen und langsame kreisende Bewegungen machen.
Zweitens: Die Finger im Linsenbad mehrmals ausstrecken und wieder einrollen.
Drittens: Einzelne Linsen mit dem Daumen und den einzelnen Fingern greifen.
Viertens: Die kleinen Gegenstände in das Linsenbad geben und vermischen. Mit geschlossenen Augen die Gegenstände im Linsenbad ertasten. Gefundene Gegenstände zunächst blind benennen, erst dann die Augen öffnen.
Gut zu wissen: Bei Wunden an den Händen sollte kein Linsenbad durchgeführt werden. Wird das Handbad kühl gelagert oder werden Rapskörner anstelle von Linsen verwendet, wirkt es angenehm kühl und schmerzlindernd.
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Peggy Meri entstanden. Sie arbeitet als Ergotherapeutin in der Praxis für Ergo- und Handtherapie Annika Joswiak in Attendorn und Bilstein.

Glaubenszeugnis und gelebte Nächstenliebe

Wie Gottes Liebe zu Nächstenliebe führt: Das Interview
Jutta Frenz ist vierundachtzig Jahre alt und blickt auf ein langes Leben zurück, in dem sie Gottesliebe auf vielfältige Weise erfahren hat. Wie sich der Glaube an Gott in ihrem Alltag zeigt und welche Erfahrungen Jutta Frenz mit ihm gemacht hat, lesen Sie in diesem Interview.
Was bedeutet es für Sie persönlich, an Gott zu glauben?
Für mich ist ein Leben ohne Gott undenkbar. Ich habe oft erlebt, wie Gott in meinen Alltag eingegriffen hat. Die tiefe Gewissheit, dass er da ist und für mich sorgt, gibt mir Ruhe und Frieden.
Können Sie ein konkretes Beispiel beschreiben, wie Sie Gott im Alltag erleben?
Als mein Mann Frührentner wurde, habe ich meinen Beruf wieder aufgenommen. Ich bin Krankenschwester, habe in einem Altenheim gearbeitet und nach einiger Zeit die Pflegedienstleitung übernommen. Viele Aufgaben waren neu für mich, oft war ich unsicher, ob ich alles richtig mache. In dieser Zeit war das Gebet mein Rettungsanker. Immer wieder geschahen kleine Wunder. Es ergaben sich Möglichkeiten, die ich nicht für möglich gehalten hätte.
Wie antwortet Gott, wenn Sie beten? Können Sie seine Stimme hören?
Nicht akustisch, aber doch deutlich. Gott schenkt mir einen Gedanken, der mich weiterbringt, und ich werde ruhig. So war es zum Beispiel, als ich auf meine drei Enkel aufpasste, während draußen der Orkan Kyrill tobte. Die drei saßen auf meinem Gästebett und hatten schreckliche Angst. Ich war ratlos und betete still: Herr, was soll ich tun?
Da fiel mir die Geschichte eines Vaters ein, der sich mit seinen Söhnen auf einer Wanderung verlief. Aber mit Gottes Hilfe fanden sie den richtigen Weg. Ich las meinen Enkeln diese Geschichte vor. Trotz des Sturms wurden wir ruhig und zuversichtlich.
Diese Situation ist schon viele Jahre her, aber bis heute erlebe ich Gott oft auf ähnliche Weise. Viele Jahre habe ich Alte und Kranke besucht und hilfsbedürftige Familien unterstützt. Gott hat mir oft geholfen, gute Worte zu finden, Trost zu spenden und einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort ganz praktisch zu helfen. Inzwischen habe ich eine Liste von Menschen, die ich immer noch regelmäßig anrufe, um sie zu ermutigen.
Das klingt nach einem Leben voller Engagement. Was motiviert Sie, für andere da zu sein?
Ich nehme sehr ernst, was in der Bibel steht. In Matthäus 22,39 sagt Jesus zum Beispiel: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und in Matthäus 25,35: Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd, und ihr habt mich beherbergt.
Beide Verse enthalten einen klaren Auftrag. Ich habe aber auch erfahren, dass der Dienst am Nächsten meinen Glauben stärkt. Die Gespräche, die ich bei meinen Besuchen oder Telefonaten führe, sind für mich oft genauso bereichernd wie für mein Gegenüber. Es ist ein Geben und Nehmen, indem ich Gottes Gnade am Werk sehe. Gott zeigt mir und anderen den richtigen Weg. Darauf kommt es an, ihm zu vertrauen.
Was fasziniert Sie heute noch an der Bibel?
Man könnte ja denken, dass man irgendwann mal damit fertig ist, in der Bibel zu lesen. Ich erlebe immer wieder Neues beim Bibellesen. Selbst bekannte Verse sprechen mich plötzlich persönlich an und erscheinen in neuem Licht, zum Beispiel, weil sie zu meiner aktuellen Situation passen, als ob sie dafür geschrieben worden wären. So spricht Gott zu mir durch sein Wort.
Was macht Sie so sicher, dass der Glaube an Jesus der richtige Weg ist?
Beweisen kann ich es natürlich nicht, aber ich stehe dazu, dass ich immer wieder erlebt habe, wie Jesus mir beisteht. Er hat mich durch die dunkelsten Zeiten meines Lebens getragen. Als wir unsere Tochter durch einen tragischen Unfall verloren, war es der Glaube, der meinem Mann und mir die Kraft gab, weiterzumachen.
Man könnte meinen, dass solche Ereignisse Zweifel an Gott säen, aber bei mir war das Gegenteil der Fall. Ich klammerte mich noch fester an ihn und fand Trost in der Gewissheit, dass unsere Tochter bei Gott jetzt in Sicherheit ist. Es ist diese unerschütterliche Zuversicht, dass Gott auch in den schmerzlichsten Zeiten an unserer Seite ist. Das hilft mir, weiterzumachen. Und Gott macht etwas draus.
Vor einiger Zeit konnte ich einen Elterntreff für verwaiste Eltern gründen, an dem mit der Zeit viele Personen teilnahmen. Gott hat mir diese Arbeit quasi vor die Füße gelegt, unter anderem, weil ich auf dem Friedhof immer wieder einer Mutter begegnete, deren Sohn sich das Leben genommen hatte.
Was möchten Sie abschließend jemandem sagen, der auf der Suche nach Glauben ist?
Der Glaubensweg ist ein persönlicher Prozess. Man kann ihn nicht beweisen, aber man kann ihn erfahren. Öffnen Sie Ihr Herz für die Möglichkeit, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir erfassen können. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns die Größe Gottes zeigen, und in den schwierigsten Momenten gibt uns der Glaube die Kraft, die wir allein nicht aufbringen können.

Klage, Hoffnung und neue Ausrichtung

Wie das Herz wieder Hoffnung findet
Klagepsalmen als Kompass im dunklen Tal der Gefühle.
Von klein auf lernen wir, unsere Gefühle zu kontrollieren, aber nicht unbedingt auf eine Art, die uns selbst guttut, wenn sie im Wesentlichen auf Disziplin beruht. Die Klagepsalmen der Bibel zeigen uns hingegen einen Weg auf, schwere Gefühle auf heilsame Weise zu verarbeiten.
Gefühle bereichern unser Leben und erschweren es zugleich. Sie können intensiv schön sein, aber auch furchtbar belastend. Schon früh wurde uns beigebracht, bedrückende Empfindungen im sozialen Miteinander möglichst wenig zu zeigen. Gleichzeitig können uns gerade solche Gefühle schnell überfordern, wenn wir keinen Weg kennen, auf gesunde Weise mit ihnen umzugehen. Bin ich als Kind zum Beispiel für diese Gefühle bestraft oder bloßgestellt worden, verdränge ich sie wahrscheinlich bis heute. Ich diszipliniere mich selbst: Ein Indianer kennt keinen Schmerz, reiß dich mal zusammen. Doch ich bin kein Indianer, und Schmerz kenne ich sehr wohl: die Trauer um geliebte Menschen, die Bitterkeit über zerbrochene Beziehungen oder die Frage, ob mich überhaupt noch jemand braucht. Manchmal haben meine Gefühle daher eher mich im Griff als ich sie. Ich werde ängstlich und einsam, manchmal auch bitter und unausstehlich.
Anders als im Kindesalter bietet sich uns heute jedoch die Möglichkeit, neue Wege im Umgang mit unseren Gefühlen zu gehen. In den sogenannten Klagepsalmen der Bibel rückt das heilsame Gespräch mit Gott an die Stelle der Selbstdisziplin. Durch ihren typischen Aufbau können uns diese Psalmen zum Kompass dafür werden, Gefühle zuzulassen und an Gottes Hand durch den Schmerz hindurchzugehen und neue Hoffnung zu schöpfen.
Die Anrede: Leid ist bei Gott an der richtigen Adresse.
Ein erster wesentlicher Schritt in den Klagepsalmen ist, Gott persönlich anzusprechen. Denn wenn wir mit Angst, Trauer oder Wut allein fertig werden müssen, können wir uns schnell hilflos fühlen. Die Beter der Klagepsalmen wussten jedoch, dass sie sich jederzeit an Gott wenden können. Höre auf mein Gebet, Herr, und achte auf mein lautes Flehen. In meiner Not rufe ich zu dir, denn du wirst mir antworten.
Bei Gott ist es nie unpassend. Er kann mit unserer Not umgehen. Er hat uns gemacht und kennt uns wie niemand sonst.
Die Klagerede: Alles, was im Herzen ist, darf zur Sprache kommen.
Zu wissen, wo wir unsere Not zum Ausdruck bringen können, ohne belächelt, bloßgestellt oder bestraft zu werden, ist unglaublich heilsam. Deshalb bringen die Schreiber der Klagepsalmen im zweiten Schritt ihre ganze Not vor Gott zur Sprache, sei es Krankheit, Todesangst, Schuld oder der Unfriede mit anderen Menschen. Nichts davon wird unter den Teppich gekehrt und Gott vorenthalten.
Ich bin zerschlagen, am Ende meiner Kräfte. Oft lässt die Qual meines Herzens mich nur noch schreien. Herr, du weißt, wonach ich mich sehne, mein Seufzen bleibt dir nicht verborgen.
Offenbar gibt es in einem ehrlichen Gespräch mit Gott keine falschen Gefühle. Selbst Rachegedanken, Trauer über das eigene Versagen und die Frage, wo Gott im Leid ist, haben darin Platz. Denn gerade in der Not ist es besser, mit Gott zu sprechen als über ihn. Und zerstörerische Gedanken vor Gott zur Sprache zu bringen, ist allemal heilsamer, als sie in die Tat umzusetzen. Die ganze Bandbreite an Gefühlen gehört zum Leben dazu. Diese Tatsache zu akzeptieren und zu wissen, wo wir sie laut aussprechen dürfen, macht den Unterschied.
Die Wende: Das Ausweinen bei Gott bringt neue Hoffnung.
Auf den ersten Blick scheinen sich die Beter der Klagepsalmen innerlich im Kreis zu drehen und im Selbstmitleid zu versinken. So ausführlich klagen sie Gott teilweise ihr Leid. Jedoch ist das gründliche Ausweinen bei Gott in den Klagepsalmen der entscheidende Schritt, damit sich die Gedanken neu sortieren können.
Denn du bist groß und vollbringst Wunder, du bist Gott, du allein. Weise mir deinen Weg, Herr. Ich möchte in Treue zu dir mein Leben führen. Richte mein Herz auf eines aus: deinem Namen in Ehrfurcht zu begegnen. Ich will dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen danken. Deinen Namen möchte ich ehren für alle Zeit, denn du hast mir deine Gnade so reich erwiesen und mein Leben den Tiefen des Totenreiches entrissen. 1. Korinther 5,3-12
Im Verlauf dieser Gebete ist erkennbar, wie die Verzweiflung langsam nachlässt. Die Energie der belastenden Gefühle wird weniger, die Stimmung hebt sich, und der Weg wird frei für neue Sichtweisen. Sei es das Besinnen, worauf es im Leben wirklich ankommt, die Erkenntnis der eigenen Schuld oder der Wunsch, das Leben nach Gott auszurichten. Über all dem steht die wachsende Zuversicht, dass Gott dem Beter zugehört hat und treu zu jedem steht, der sein Vertrauen auf ihn setzt.
So führt der Weg in den Klagepsalmen über das Akzeptieren der eigenen Gefühle und das Ausweinen bei Gott zu neuer Dankbarkeit, Hoffnung und Zuversicht.
Versuchen Sie doch einmal selbst, einen Klagepsalm an Gott zu schreiben. Dabei geht es nicht um lyrische Perfektion. Seien Sie nachsichtig mit sich selbst. Schreiben Sie einfach auf, was Sie bewegt, und lassen Sie sich von kritischen Gedanken nicht gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Die folgenden Fragen können eine Hilfe sein, sich dabei an der typischen Struktur von Klagepsalmen zu orientieren.
Wer ist Gott für mich? Was weiß ich über Gott? Wie würde ich ihn beschreiben, und wie möchte ich Gott ansprechen? Traue ich mir zu, mich innerlich auf ihn einzulassen, oder möchte ich mich lieber vorsichtig herantasten?
In welcher Situation befinde ich mich gerade? Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf, was spüre ich wo in meinem Körper? Bin ich unruhig? Habe ich einen Kloß im Hals, kommen mir Tränen, bin ich ängstlich, wütend, enttäuscht, fühle ich mich allein, überfordert, schuldig?
Drittens: Was wünsche ich mir von Gott? Was müsste passieren, damit es mir besser geht? Traue ich Gott Eigenschaften und Fähigkeiten zu, die gerade notwendig wären, die ich selbst aber nicht besitze? Wie könnte ich Gott sagen, dass ich ihm gern vertrauen möchte? Wofür bin ich Gott trotz allem dankbar?
Weitere Anregungen zum Gebet in schweren Zeiten finden Sie in unserem Heft Starke Worte, das Sie in unserem Shop kostenfrei bestellen können, sowie in unserem weiterführenden Artikel über verschiedene Beispiele mit Klagepsalmen unter magazin-lebenplus.de//klagepsalmen-beispiele

Ein Fenster ins Mittelalter

Ein Fenster ins Mittelalter
Eintausenddreihundert Jahre Klosterinsel Reichenau. Die idyllische Klosterinsel Reichenau im Bodensee gilt als Zeugnis der kulturellen Blüte des Mittelalters. Bekannt für ihre beeindruckende Klosteranlage, steht die Insel seit dem Jahr zweitausend als UNESCO-Welterbe für ihre einzigartigen künstlerischen und historischen Schätze.
Das Kloster Reichenau wurde im Jahr siebenhundertvierundzwanzig von Bischof Pirmin gegründet und diente als Benediktinerabtei. Dank seiner renommierten Schreibschule und seiner umfangreichen Bibliothek galt das Kloster im frühen Mittelalter bereits vor dem Buchdruck als innovatives Zentrum für Kultur, Wissenschaft und Politik.
Die drei romanischen Kirchen Sankt Maria und Markus, Sankt Peter und Paul sowie Sankt Georg zeugen bis heute von der architektonischen und künstlerischen Bedeutung der Insel. Sie trugen im Jahr zweitausend maßgeblich zur Ernennung der Insel zum UNESCO-Weltkulturerbe bei.
Die vier Komma drei Quadratkilometer große Insel liegt im westlichen Teil des Bodensees und ist seit achtzehnhundertachtunddreißig mit dem Festland verbunden. Die flächenmäßig größte Bodenseeinsel hat derzeit circa dreitausendfünfhundert Einwohner.
Wie bereits im Mittelalter wird auf der Insel auch heute noch viel Landwirtschaft betrieben. Vor allem der Gemüse- und Weinanbau profitiert vom milden Klima der Insel.

Wille, Entscheidung und geistliche Orientierung

Die Würde, einen eigenen Willen zu haben
Was auch immer wir fühlen und denken: Am Ende entscheidet unser Wille, was wir tun. Und wie wir uns entwickeln, liegt weitgehend in unserer Hand.
„Das kann ich alleine“, sagt die Kleine. Und wir wissen: Sie hat ihre Vorstellung, die sie durchsetzen will. Wir lächeln, denn hier entwickelt sich eine Persönlichkeit.
„Ich kann das nicht mehr allein“, sagt sich mancher Alte. Und wir merken: Es fällt schwer, zu akzeptieren, wenn die Möglichkeiten schwinden, um eigene Vorstellungen umzusetzen.
Wir empfinden zu Recht, dass es zu unserer Würde als Mensch gehört, einen eigenen Willen zu haben. Damit ist uns etwas Geniales gegeben. So können wir etwa durch unseren Willen etwas Eigenständiges schaffen, was zu dieser Zeit und an diesem Ort nur durch uns möglich ist. Und ist es nicht so: Am Ende unseres Lebens wollen wir doch zurückblicken und sehen können, dass wir durch unser Leben etwas verändert haben und somit einen guten Beitrag leisten konnten.
Die Richtung, die wir einschlagen
Zu unserer Würde gehört allerdings ebenso, dass wir für unsere Taten und Entscheidungen verantwortlich sind. Wir können zwar in vielen Fällen frei entscheiden, was wir tun, doch zu welchen Konsequenzen das führt, können wir nicht frei wählen.
Wir müssen gut überlegen, welchen Weg wir einschlagen, und zwar rechtzeitig und in aller Ruhe. Denn wenn wir nicht darauf vorbereitet sind, können wir im entscheidenden Moment unseren Willen nicht ändern. Wir reagieren dann so, wie wir es uns über Jahre hin zur Gewohnheit gemacht haben.
Sollten uns eingeübte Gewohnheiten hindern, unserem Leben und unserem Verhalten eine andere, neue Richtung zu geben, wenn es nötig ist? Wenn wir uns auf einem Weg befinden, der in die Irre oder sogar in den Abgrund führt, ist Umkehr die beste Möglichkeit. Doch sind wir bereit, uns dem zu stellen und den ersten Schritt zu tun?
Unser Wille, der gefragt ist
In der Bibel wird uns von einer Begegnung erzählt, in der Jesus auf einen Mann trifft, der jahrzehntelang gelähmt war. Er fragt ihn: Willst du gesund werden?
Was für eine Frage, wieso sollte er das nicht wollen? Hauptsache gesund, denken wir. Doch es geht um mehr. Willst du dich weiterhin als zu kurz gekommen und als Opfer sehen, oder willst du hinter dir lassen, was dich lähmt? Willst du in dein Leben gehen und Verantwortung übernehmen? Willst du für dich selbst sorgen und in andere investieren?
Erfahrungen und Gewohnheiten, die uns lange Zeit geprägt haben, sollten uns nicht abhalten, einen befreienden Schritt zu tun. Was immer uns als Schuld belastet und die Zwänge, die uns lähmen, dürfen wir an Jesus abgeben. Er verspricht: Wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr tatsächlich frei.
Der Freiraum, der uns möglich ist
Es ist der Freiraum der Liebe Gottes, der uns neue Möglichkeiten eröffnet. Unser Wille sollte diesen dankbar wahrnehmen. „Du hast mir weiten Raum gegeben, wo ich mich frei bewegen kann.“
Es ist das Klima der Freundschaft mit Jesus, das diesen Raum prägt. Es wird eine Freude sein, sich für das zu entscheiden, was Jesus sich wünscht und was seinem Charakter entspricht.
Gott übergeht unseren Willen nicht, er respektiert ihn. Doch wenn wir unserem eigenen Willen folgen, sind wir uns selbst ausgeliefert, mit allen Konsequenzen, die das nach sich zieht. Wer sich aber von Gott abhängig macht, lebt gemäß dem, wie Gott uns geschaffen hat. Gerade diese Bindung ist die Freiheit, in der unser Wille sich auf gute Weise entfalten kann.
Entscheidungen treffen
Auch im Alter müssen vielfache Entscheidungen getroffen werden, oft sogar grundlegende. Wie treffen wir kluge und gute Entscheidungen? In Ruhe entscheiden.
Wenn es um Lebensfragen geht, will es gut überlegt sein, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen. Wie will ich meinen Ruhestand verbringen? Wo und wie will ich wohnen? Was will ich tun, um körperlich und geistig so gut wie möglich fit zu bleiben? Wie will ich dafür sorgen, sozial gut vernetzt zu sein? Welche Möglichkeiten will ich nutzen, um die nötige Unterstützung zu bekommen?
Wie können Sie vorgehen?
Erstens: Beschaffen Sie sich ausreichend Informationen. Welche Fakten wollen Sie sich durch Lesen und durch Gespräche beschaffen?
Zweitens: Bewerten Sie die Möglichkeiten. Was ist für Sie wichtig, und was spricht jeweils dafür oder dagegen?
Drittens: Beziehen Sie andere mit ein. Welche kompetenten Berater und vertrauten Menschen stehen Ihnen zur Seite?
Viertens: Treffen Sie rechtzeitig eine Entscheidung. Wenn Sie diese aufschieben, kann es dazu kommen, dass die Umstände oder andere für Sie entscheiden.
Fünftens: Setzen Sie Ihre Entscheidung konkret um. Machen Sie sich dazu einen Plan und legen Sie die Schritte fest.
Wie Sie mit Gott zuversichtlich Entscheidungen treffen können
Bei allem detaillierten Planen sollten Sie sich sagen: Wenn der Herr es will, werden wir leben und dieses oder jenes tun.
Bitten Sie um Gottes Führung: „Weise mir deinen Weg, Herr. Ich möchte in Treue zu dir mein Leben führen.“
Vertrauen Sie auf Gottes Zusage: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Ich will dich beraten und immer meinen Blick auf dich richten.“
Von Herzen glauben und lieben lernen
Dieses Magazin dreht sich um all die Fragen, die das Leben im Kern ausmachen. Die meisten Menschen sehnen sich vor allem nach einem Leben, das sinnvoll und bedeutsam ist. Doch was gibt unserem Leben Bedeutung, was wäre somit das Wichtigste?
Liebe von ganzem Herzen.
Jesus hatte eine klare Antwort darauf, was das Größte und Wichtigste ist: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.“ Und als Zweites kommt dieses dazu: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“ Markus 12,30-31
Eine intensive Beziehung zu Gott ist die höchste Erfüllung des Lebens. Es ist eine liebevolle Herzensbeziehung, die Gott sich wünscht und so gern mit Ihnen eingehen möchte.
Gottes Liebe ist der Grund
Wenn Sie sich damit überfordert fühlen, Gott von ganzem Herzen zu lieben, muss Sie das nicht wundern. Denn Liebe zu Gott wird erst dann möglich, wenn sie die dankbare Antwort auf Gottes Liebe ist.
Bevor wir Gott lieben können, hat er uns zuerst geliebt. Gottes Liebe zu uns zeigt sich darin, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn das ewige Leben haben. Und das ist die wahre Liebe: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns zuerst geliebt und hat seinen Sohn gesandt, damit er uns von unserer Schuld befreit. 1. Johannes 4,9-10
Lassen Sie diese Liebe Gottes an sich heran! Jesus Christus ist auch für Sie gekommen, um Sie von Ihrer Schuld zu befreien und Ihnen das ewige Leben zu schenken. Möchten Sie darauf eingehen? Jesus wartet auf Sie. Schenken Sie ihm Ihr Vertrauen und glauben Sie, dass Jesus auch für Sie alles getan hat, damit Sie Gemeinschaft mit Gott haben können.
Gott suchen und finden
Wenn Sie den Wunsch nach einer herzlichen Beziehung zu Gott haben, können Sie sich sicher sein, dass Gott diesen Wunsch in Ihnen geweckt hat. In dem Moment passiert etwas Entscheidendes zwischen Ihnen und Gott. Wenn Sie Gott von ganzem Herzen suchen, dürfen Sie sich herzlich willkommen wissen.
„Ihr werdet mich suchen, und ihr werdet mich finden, ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt. Dann lasse ich mich von euch finden.“ Jeremia 29,13-14
Sie können vor Gott schlicht äußern, dass Sie eine gute und feste Beziehung zu ihm möchten. Sein Herz ist Ihnen zugewandt, und er hört Sie gewiss.
Offen mit Gott sprechen
Beten Sie einfach so, wie Sie es können. Es geht nicht um besondere Worte, denn Gott antwortet auf das, was ehrlich aus Ihrem Herzen kommt.
Vielleicht kann Ihnen dieses alte Gebet helfen: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz. Prüfe mich und erkenne meine Gedanken. Zeige mir, wenn ich auf falschen Wegen gehe, und führe mich den Weg zum ewigen Leben.“ Psalm 139,23-24
Vor Gott können Sie alles aussprechen, was in Ihrem Herzen vor sich geht. Gott kennt es durch und durch, das ist tröstlich und aufrüttelnd zugleich. Was immer auch in Ihrem Herzen ist, bringen Sie es Gott. Und sei es das Chaos oder die Verzagtheit in Ihrem Herzen: Gott weiß damit umzugehen. Weil es so nicht weitergehen kann, wird er auch mit der Sünde fertig, die Sie belastet und einem Neubeginn im Wege steht. Bei ihm können Sie innerlich zur Ruhe kommen.
Frieden im Herzen
Ein tiefer Friede zieht in Ihr Herz: „Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, soll eure Herzen und Gedanken behüten; er soll sie bewahren in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.“ Philipper 4,7
Diese Gemeinschaft mit Jesus Christus bleibt für immer bestehen, sogar über dieses Leben hinaus. So ist für Sie ein erfülltes und hoffnungsvolles Leben möglich, und es ist ein bedeutungsvolles Leben für Sie und für jeden, der Ihnen begegnet und Ihnen nahe ist.
Denn wer um die Liebe Gottes weiß und sie erfahren hat, wird ganz praktisch von dieser Liebe geprägt. Sie bekommen einen neuen Zugang zu Ihren Nächsten, so dass sich ganz natürlich anfühlt, was Jesus sagt: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“ Markus 12,31
Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin
Wenn Sie einen ersten Impuls zum Beten brauchen, möchten Sie vielleicht das folgende Lied zu Ihrem eigenen Gebet machen:
„Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin. Du hast gesagt, dass jeder kommen darf. Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann. Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan. Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin, und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin.
Jesus, bei dir darf ich mich geben, wie ich bin. Ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir, ich muss nichts vor dir verbergen, der mich schon so lange kennt. Du siehst, was mich zu dir zieht und auch was mich von dir noch trennt. Und so leg ich Licht und Schatten meines Lebens vor dich hin, denn bei dir darf ich mich geben, wie ich bin.
Jesus, bei dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin. Nimm fort, was mich und andere zerstört. Einen Menschen willst du aus mir machen, wie er dir gefällt, der ein Brief von deiner Hand ist, voller Liebe für die Welt. Du hast schon seit langer Zeit mit mir das Beste nur im Sinn, darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.“
Der Text dieses Liedes ist von Manfred Siebald, die Melodie hat Johannes Nitsch geschrieben.

Stiftung Missionswerk Werner Heukelbach

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