Zum Inhalt

"Geistesgaben: Leitung, Barmherzigkeit"

20.02.2011
Serie•Teil 4 / 17Gaben in der Gemeinde
Du musst nicht „irgendwie“ begabt sein. Entscheidend ist: Wo hat Gott dir wirklich etwas gegeben – und wie setzt du es so ein, dass andere davon profitieren?

Einleitung und Rahmung der Predigtreihe

Für alle Gäste: Wir sind mitten in einer Reihe. Markus hat es gesagt. Diese Reihe hat etwas mit Begabungen zu tun, mit geistlichen Gaben.
Es gibt dazu einen Leitvers aus der Bibel. Dieser Leitvers stammt aus dem ersten Petrusbrief. Und auch auf die Gefahr hin, dass alle ihn inzwischen schon auswendig gelernt haben, die schon ein paarmal dabei waren: Wenn nicht, dann ist das ein ganz toller Vers. Es lohnt sich wirklich, ihn auswendig zu lernen.
 1. Petrus 4,10. Da schreibt der Apostel Petrus Folgendes. Er sagt: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat.
Wir sind alles Menschen, die etwas geschenkt bekommen haben. Du sitzt da und denkst vielleicht: Ich nicht. Stimmt aber nicht. Das ist die gute Botschaft. Es stimmt nicht. Es stimmt einfach nicht. Du bist begabt, Gott hat dich beschenkt, Gott hat dich zu einem Original gemacht.
Und wenn du gläubig bist und zu einer Gemeinde gehörst, dann bist du das, was vorhin gebetet wurde. Wo ist er denn? Da! Ja, was du gesagt hast: Wir sind lebendige Steine. Wir sind lebendige Steine im Haus Gottes. Und da bist du. Wo du bist, ist keine Lücke, sondern wo du bist, ist ein Stein. Und man braucht dich genau an der Stelle.
Und wir drehen uns gerade als Gemeinde um diesen Vers: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes. Wir sind dazu berufen, Verwalter zu sein.
Bitte für alle Gäste: Wir sind in Predigt Nummer vier von ungefähr zehn, vierzehn, so in dem Dreh ungefähr. Das muss man mal sehen. Wenn ihr jetzt nicht alles mitbekommt, kein Problem, ihr könnt das alles nachhören. Aber für heute muss ich einfach den Gästen sagen: Wir sind schon einen kleinen Tick weiter.
Ich versuche, euch nicht abzuhängen. Aber wenn es doch passiert, dann gebt mir so ein Handzeichen nach dem Motto: Help. Dann versuche ich nochmal, wieder die Kurve zu kriegen. Wenn es nicht klappt, tut es mir einfach leid.
Aber die gute Nachricht des Tages: Ich habe Skripte. Man nehme sich eins, ich brauche auch noch eins. Wenn man sagt: Ja, stimmt, jeder hat eine Gabe, wie kriege ich eigentlich raus, welche ich habe? Also, wir gehen jetzt da durch. Und man denkt sich vielleicht: Da muss ja für mich auch etwas dabei sein. Wie mache ich das eigentlich?
Und ich denke, es gibt so, sagen wir mal ganz grob gesprochen, fünf Punkte, die man verstanden haben muss, wenn man seine eigenen geistlichen Gaben erkennen will. Das gilt an sich für die meisten Begabungen, die man hat.

Wege zur eigenen Begabung

Es fängt einfach erst einmal damit an, dass ich glaube, dass Gott mich tatsächlich begabt hat.
Lasst mich raten: Da ist auch etwas mit dem Druck schiefgegangen? Okay, weil ich ganz unten sehe, da ist ganz unten nichts mehr. Okay, sagt mir, wenn etwas schiefgegangen ist, dann ist heute der Tag der irren Drucke. Alles gut, okay.
Also: Wie kriege ich heraus, welche Gabe ich habe?
Der erste Punkt ist: Ich muss einfach erst einmal glauben, dass Gott mich begabt hat. Wenn ich durchs Leben gehe und denke, ich bin die eine Person, die definitiv keine Gaben hat, dann werde ich mich nie auf die Suche machen. Ich muss also glauben, dass dieses Wort aus 1. Petrus 4 heute noch für mich gilt.
Ein zweiter Schritt ist ganz einfach: Ich fange an zu beten. Ich bin jemand, der geistliche Verantwortung dafür übernimmt, dass Gott in seinem Leben wirkt. Im Jakobusbrief heißt es einmal: Es ist einer meiner Lieblingsbibelverse zum Thema Gebet: Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet. Das ist platt. Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet. Das ist keine schwere Theologie. Das ist Theologie so für die erste bis dritte Klasse, Schulklasse, so für Sechs- bis Achtjährige. Du hast nicht, weil du nicht bittest.
Du möchtest gerne wissen, was deine Gabe ist? Na ja, an anderer Stelle sagt der Herr Jesus: Suchet, und ihr werdet finden. Wenn du nicht suchst, findest du nicht. Das weiß jeder, der seinen Schlüssel verlegt hat. Wenn du dich hinsetzt und sagst: Na ja, schauen wir mal, wenn ich jetzt lange genug an den Schlüssel denke, vielleicht kommt er ja vorbei, das wird nicht passieren. Aber wenn du suchst, hast du eine Chance zu finden. Wenn du betest, hast du eine Chance, dass Gott zu dir spricht und dir dein Gebet um Klarheit, wer du bist, auch erhört.
Danach, auch das ist irgendwie logisch, musst du dich mit dem Thema beschäftigen. Du musst irgendwie studieren. Du kannst dir zum Beispiel so eine Predigtreihe anhören: Was gibt es eigentlich an Gaben? Was meint die Bibel mit Gaben? Ist das schon eine Gabe, wenn ich mir mit Mühe und Not, ich weiß nicht, irgendetwas aneignen kann? Geht es darum oder geht es um Dinge, die mich besonders auszeichnen? Wenn ja, welche sind das denn? Da muss man sich dann Predigten mal anhören oder Bibelstudien machen.

Selbstwahrnehmung, Rückmeldung und Praxistest

Und wenn du sagst: Na ja, ich habe da manchmal so ein bisschen Probleme, mich selbst richtig einzuschätzen. Ich könnte mir vorstellen, es fällt manchen von euch schwer zu sagen: Haha, ich bin begabt. Andere finden das leichter, die stellen sich vorne hin und sagen: Ja, ich bin begabt. Aber ich weiß, es gibt Leute, die tun sich da einfach schwerer.
Wenn du so jemand bist, dann frag doch mal deinen Nachbarn, frag doch mal die Leute, die mit dir zu tun haben. Dann werden die dir womöglich sagen: Ey, das kannst du richtig gut. Und du sagst: Nee, nee, das mache ich einfach nur so. Und der andere sagt: Nee, nee, das machst du richtig gut.
Also andere, gerade reifere Christen, mal zu fragen: Sag mal, wie erlebst du mich? Wo erlebst du mich in meinem Umgang mit dir als besonders positiv? Das ist ein ganz wertvolles Mittel, um herauszufinden, welche Gabe man hat.
Und ein letzter Punkt ist tatsächlich dann das, was im Skript heißt: Praxistest. Wenn du wissen willst, welche Gabe du hast, und du bist dir nicht so sicher: Achtung, manche Gaben, die Gott gibt, die kommen nicht in einer vollendeten Form daher, sondern eher so im Embryonalstadium.
Also da draußen sitzen so ein paar Kleine, die dürfen jetzt nicht hier mitspielen, mittendrin, aber die sind jetzt da draußen, die sind noch nicht fertig. Also von denen da draußen können wir noch nicht erwarten, dass sie zum Beispiel jetzt, wenn ich mal den lieben Eckhart nehme, ja? Wenn man zu ihm sagt: Weißt du was, dein Papa kann doch Differentialgleichungen lösen, mach doch auch mal. Da wird er also noch gar nichts sagen. Aber selbst wenn er wüsste, was ich ihm da angedroht habe, wird er sagen: Nee, also die nächsten 15 Jahre muss ich das wahrscheinlich nicht, und wahrscheinlich die nächsten 22 Jahre muss ich das noch nicht.
Ja, da ist etwas noch nicht fertig. Da mag eine Gabe drinstecken, und in dem Kerl steckt eine Gabe, in diesem kleinen, quirligen, zweibeinigen, da steckt eine Gabe drin. Wir sehen die Gabe aber noch nicht, sie ist noch klein. So ist das in vielen Gaben. Die kommen daher und denken: Hm, könnte sein, vielleicht ist da was.
Erinnert euch an die allererste geistliche Gabe, die wir miteinander betrachtet haben, dieses Bibelfreak-Sein, Wort der Erkenntnis. Wenn du merkst, mich zieht es hin zur Bibel, ich studiere gern so auf einem Vers-für-Vers-, Wort-für-Wort-, Endung-für-Endung-Niveau, wenn das dein Ding ist, dann brauchst du zehn, zwanzig Jahre, bis du an der Stelle fit wirst. Weil du musst ja erst mal Zeit investieren, du musst ja erst mal lesen, du musst ja erst mal womöglich eine Sprache noch dazulernen, dich langsam entfalten, du musst dich ausprobieren.
Und trotzdem wird bei solchen Leuten sehr früh schon klar: Die haben dahin Zug. Es drängt sie dazu. Dann muss keiner sagen: Lies mal deine Bibel. Der kommt zu dir und sagt: Ich habe gerade gelesen. Das sind die Typen, die dann kommen und sagen: Darf ich dir eine Frage stellen zur Bibel? Du sagst leichtsinnigerweise ja, und er sagt: Super, ich habe hier zwei Seiten voll. Das ist so ein Zug, das ist eine innere Veranlagung, die sich dann entfalten muss.
Wir werden uns heute über eine Gabe unterhalten, über Barmherzigkeit. Wenn jemand diese Gabe hat, also sehr stark mitfühlend ist, dann heißt das noch nicht, obwohl sie ihn zu solchen Menschen hintreibt, mit Menschen Umgang zu haben, die in Not sind, dass er schon genau weiß, wie man das macht. Das muss er noch lernen. Aber du musst ihm nicht erzählen, dass das wichtig ist. Das wird von ihm innen herauskommen, er hat eine Neigung dazu. Und von daher ist der Praxistest tatsächlich eine wichtige Sache.

Demut, Selbstkenntnis und die Gabe der Leitung

Wir müssen begreifen, dass wir begabt sind, dass Gott uns tatsächlich als Originale gemacht hat und dass Gott uns in der Gemeinde zusammenstellt, weil wir einander brauchen.
Es gibt einen Bibelvers, den wollte ich euch heute mal vorlesen. Da heißt es in Römer 12,3, da geht es um das Thema, wie man von sich denken soll.
 Römer 12,3: Denn ich sage, durch die Gnade, die mir gegeben wurde ... Paulus ist Apostel und hat selbst eine Gabe empfangen. Er ist einfach Apostel. Er kann das Wort Gottes auslegen, er kann Gemeinden gründen. Denn ich sage, durch die Gnade, die mir gegeben wurde, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt.
Und ich lese das so und denke mir: Ja, das ist eine Gefahr, dass man meint, mehr zu sein, größer zu sein, dass man größer sein will. Ich sehe aber heute auch nur eine andere Gefahr. Die andere Gefahr ist, dass ich kleiner sein will, als ich eigentlich bin.
Und die Aufgabe besteht darin, mich selbst zu erkennen, sondern darauf bedacht zu sein, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Gott gibt das Maß des Glaubens. Es geht hier um geistliche Gaben, und Gott teilt zu. Und wir müssen das für uns annehmen.
Wir dürfen nicht hochmütig werden, aber es wäre genauso falsch, immer zu sagen: Ich kann nichts, ich bin der kleine Jürgen, mich kann keiner gebrauchen, ich sitze immer nur in der Ecke, ich weiß auch nicht, wer ich bin. Versteht ihr, das ist genauso falsch. Hochmut ist genauso falsch wie sich hinzustellen und zu verleugnen, dass Gott einen begabt hat.
Und mich fasziniert dieser Punkt, wo Paulus über sein eigenes Leben redet, wo er an so Sachen sagt wie: „Ich habe mehr gearbeitet als sie alle“ und denkt: Hä, wie kannst du denn das schreiben? Das sagt doch keiner. Das mag ja stimmen, aber psch, das sagt man nicht: Ich habe mehr gearbeitet als sie alle. Und dann sagt er direkt danach: „Aber nicht ich, sondern die Gnade Gottes.“ Und du denkst dir: Herr, was denn jetzt, du oder die Gnade Gottes?
Und das sind wir. Das ist genau unser Zustand. Wir dürfen erkennen, wer wir wirklich sind. Paulus kann sagen: Ich bin echt ein fleißiger Kerl gewesen. Komma, aber nicht ich, wenn ich jetzt genauer von der anderen Seite drauf schaue. Natürlich konnte ich das nur sein, weil Gott das mit mir gemacht hat, weil Gott mich da hat durchhalten lassen. Aber mal wieder auf die Seite hier: Ich habe mehr gearbeitet. Na ja, aber eigentlich bin ich der Letzte der Apostel, könnte man nachlesen, 1. Korinther 15.
Dieses Spannungsfeld, dieses: Ich habe eine Begabung, ich bin wer, und trotzdem nicht wegzuknicken in den Hochmut, das ist eine Spannung. Aber die muss man aushalten. Und die gehört zu einem geistlich reifen Leben dazu, dass ich in den Spiegel schaue und sage: Das bin ich.
Wenn du gerade zum Glauben gekommen bist und sagst: Ich weiß noch nicht so genau, wer ich bin, ist das kein Problem. Aber wenn du zehn, zwanzig Jahre gläubig bist, denke ich, ist es gut, sich darüber Gedanken zu machen: Wer bin ich, was kann ich, wo hat Gott mich begabt, wo will Gott mich an einem bestimmten Punkt in der Gemeinde einsetzen, und ich bin derjenige, der diesen Punkt absolut gut auffüllen kann.
Heißt natürlich auch: Wo gehöre ich nicht hin? Auch das ist eine interessante Frage. Wo ist einfach nicht mein Punkt, wo fühle ich mich auch nicht wohl, wo kann ich ganz ehrlich sagen: Das Feld überlasse ich anderen. Entschuldigung, ja, mag sein, dass da gerade noch was gebraucht wird, aber das bin ich einfach nicht. Das kann ich ein bisschen mitmachen, da kann ich ein bisschen mit unterstützen, aber ehrlich: Lass die mit den Gaben an der Stelle dienen, das ist gut.
Das war die Frage: Wie erkenne ich, wie finde ich meine Gabe? So, heute hat Markus mich ganz am Anfang, bevor die Reihe losging, schon gesagt: Jürgen, ganz früh, nicht so spät, bring bitte die Leitung! Ja, es gibt eine Gabe der Leitung oder des Vorstehens. Ich lese euch die beiden Verse mal vor, und ich dachte mir: Okay, Freund, wenn du es haben möchtest, mache ich es halt irgendwann weiter vorne mit. Und jetzt kriegst du es, Markus.
Also Römer 12,8 ist die eine Stelle. Ihr merkt schon, Römer 12 kommt ganz, ganz oft, weil das eine der Gabenlisten ist. Römer 12,8: Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom über eine Gabe, und er sagt: „Der vorsteht, mit Fleiß.“ Es ist die Gabe des Vorstehens, des an der Spitze Stehens, des für andere Sorgens.
Und die gleiche Gabe wird noch mal in 1. Korinther 12 etwas anders beschrieben, aber es ist trotzdem dasselbe. Da wird gesprochen von der Gabe der Leitungen oder in Einzahl: Leitung. Es gibt eine Gabe, die hat damit zu tun, dass Menschen begabte Leiter, begabte Vorsteher sind.
Dieser Begriff, der in 1. Korinther 12 steht, mit Leitungen, ist abgeleitet von dem Begriff Steuermann. Könnt ihr euch das vorstellen, so ein altes Schiff, am besten so ein mittelalterliches Schiff? Da ist dieses gigantische Steuerruder, und da steht dann hinten einer und schaut immer nach vorne zum Horizont. Das ist der Steuermann.
Es gibt Leute, die sind besonders begabt. Die verfügen über eine Gabe, dass sie Führungsqualitäten haben, dass sie gut das, was an Arbeit ansteht, organisieren können. Das hat viel mit Verwaltung zu tun, wo manch einem so ein bisschen die Nackenhaare hochkommen und er denkt dann an Protokolle und an Sitzungen und so. Ja, stimmt, genau das ist gemeint.
Also Leute, die an der Stelle begabt sind, die andere motivieren können, die Spaß dabei haben, etwas Neues zu bewegen. Es sind nicht immer, aber manchmal mutige und visionäre Typen, die auch mal etwas anpacken. Es gibt aber auch den Typ Bewahrer, das ist dann so ein bisschen beides.
Die Gabe, über die wir jetzt reden, die Gabe, die Gott einzelnen Leuten schenkt, hat damit zu tun, dass es Menschen gibt, die besonders gut Sachen organisieren können, eine Gemeinschaft zusammenhalten können, Strukturen schaffen können.

Praktische Ausprägung und Gefahren der Leitungsbegabung

So, komische Gabe, wirst du vielleicht denken: Wo braucht man das denn? Das braucht doch nur eine Gruppe in der Gemeinde, oder? Außer den Ältesten braucht das keiner. Ist das so?
Also, ich habe diese ganze Testreihe mit meiner Frau durchgemacht. Und dann stellte ich fest, dass meine Frau diese Gabe hat. Und ich dachte mir: Wo kommt das denn raus, dass meine Frau diese Gabe hat? Na ja, und dann stellte ich fest: Du machst ein Straßenfest? Wer kümmert sich im Hintergrund darum, dass dieses Straßenfest läuft? Meine Frau. Ist sie unter der Last zusammengebrochen? Nee, nicht so richtig. Es hat ja irgendwie Spaß gemacht, so dieses Rumtelefonieren. Jetzt sind sie gerade nicht da, unsere Hochzeitspärchen, ja. Räume suchen für Hochzeitspaare, rumtelefonieren, so alles zusammenhalten einfach, macht meine Frau leidenschaftlich gerne. Ist nicht mein Ding, also nicht so sehr mein Ding, wo ich sage: Das alles zusammenhalten, das zu sehen, das macht sie einfach toll.
Und da hat sie tatsächlich eine Gabe, wo sie anderen damit dienen kann: die Gabe der Leitung, die Gabe, dass sich vorne an die Spitze eines Projektes stellen und es einfach durchziehen. Und unter dieser Last, wo dann manch einer sagt: Das ist mir alles viel zu viel, einfach nicht zusammenbrechen, das ist eine Gabe. Und ihr merkt schon, diese Leute muss man sich warm halten für Hochzeiten und für solche Festchen, weil die braucht man genau an der Stelle. Du brauchst da jemanden, der so ein bisschen den Überblick behalten kann.
Gehen damit Gefahren einher? Logisch gehen Gefahren damit einher. Ich habe euch drei Stück aufgeschrieben. Es heißt in Römer 12,8: Der Vorsteht mit Fleiß. Wenn jemand diese Gabe hat und ausführt, leitet, dann steht er ganz arg in der Gefahr, dass er irgendwann faul wird. Weil Führung klingt auf der einen Seite so toll: Ich führe, ja, ja, ja, ja. Bis du irgendwann feststellst, dass nicht immer alle geführt werden wollen. Und du bist am Führen, und du drehst dich um und sagst: Ja super, jetzt sind sie wieder nicht mitgekommen. Das machst du ein paar Mal, und irgendwann sagst du: Wisst ihr was, Freunde, ich halte noch den Laden am Laufen, ich schaue noch, dass es so ein bisschen weitergeht, aber wirklich führen, wirklich wie so ein Steuermann sagen: Ich habe das Ziel, ba, ich habe das Ziel im Blick, ich habe den Überblick, ich weiß, wie wir da hinten ankommen, und ich fahre diesen Kurs. Das lässt irgendwann sein, und du sagst: Die meckern ja auch nicht, wenn ich weniger mache. Da kommt da so ein Ämterdenken noch mit rein, ja, ich schaue, dass es einfach weiterläuft, ja, ist schon gut. Aber wirklich zielhaft führen findet nicht mehr statt.
Die andere Seite: Also das ist, wenn jemand faul wird. Das hast du wahrscheinlich im Beruf auch, wenn man dann einfach sagt: Na, wird schon irgendwie, ne. Wird es nicht. Leitung ist immer wieder eine Entscheidung, die man neu in die Hand nehmen muss, wo man ganz neu sagen muss: Ich will.
Auf der anderen Seite kann es passieren, dass du zum Guru mutierst. Im 3. Johannesbrief wollte ein Diotrephes einfach nur der Erste sein. Ja, der wollte auch vorne dranstehen und hat auch so einen Gaddafi-Typ. Damit ich vorne dranstehen bleibe, schieße ich halt alles nieder, was sich mir in den Weg stellt. Ist halt so. Kuchen gebacken werden, werden irgendwie so kleine Eier geknackt, das ist halt einfach so. Das ist eine Gefahr, dass du die Gabe der Leitung verwechselst mit dem Wunsch, Macht zu gewinnen, Anspruch auf Herrschaft, genau.
Und dann hat meine Frau, sie hat das heute Morgen durchgelesen und dachte: Jürgen, es gibt noch ein Problem, wenn Leute leiten. Es gibt das Problem, dass sie nicht delegieren, dass sie eigentlich misstrauische Menschen sind, die sagen: Ich kann das am besten, und neben mir kann das keiner. Und deswegen muss ich das immer alles selber machen. Mose hatte eine Weile das Problem. Er hat so ein ganzes Volk, um das er sich kümmert, und irgendwann kommt sein Schwiegervater Jitro zu Besuch und denkt sich: Was machst du eigentlich hier von morgens bis abends? Und er sitzt da und kümmert sich so um die Rechtsbelange des Volkes, ja, ein Ding nach dem anderen, und die kommen und kommen und kommen. Und Jitro schaut sich das so ein bisschen an, sagt: Du wirst doch nie fertig bei der Größe des Volkes. Das schaffst du doch gar nicht, alleine so ein Volk zu managen. Du kannst doch knacken, das funktioniert doch nicht.
Und Jitro scheint jemand zu sein, der genau diese Gabe hatte: die Gabe des Leitens, die Gabe, vernünftige Strukturen zu schaffen, den Überblick zu bewahren, und sagt: Weißt du was, mach es doch anders. Nicht du machst alles, sondern du schaffst dir so ein paar Leute unter dir. Und du teilst das schön ein. Und irgendwann hat jeder so von deinen Unterführern, von deinen Unterrichtern, die Größe von Menschen, die er noch alleine handeln kann. Einfach simple Strukturen schaffen, das ist Leitung.
Und ich habe euch Fragen zur Selbstreflexion aufgeschrieben, denn wenn jemand leitet und nicht delegieren kann, wenn er dieses übertriebene Pflichtbewusstsein hat, dann endet das oft in der Überlastung. Er macht einfach zu viel. Und ich kenne ganz, ganz viele Älteste, die zu viel machen.
Fragen zur Selbstreflexion: Könnte ich diese Gabe haben? Ich habe euch fünf Stück aufgeschrieben. Und wenn ihr jetzt keinen Stift habt, Thomas, sind da hinten noch Stifte, dann bekommt ihr einen Stift. Sind da welche? Also lasst euch von Thomas einen Stift geben. Die Wissenden unter euch hatten schon einen dabei. Und überlegt mal: Bin ich so ein Typ? Also jetzt denkt bitte nicht gleich an Gemeindeleitung, weil sonst bist du einfach falsch. Bin ich so ein Typ, der Leitung als Gabe hat?
Frage eins: Habe ich eher einen Blick für das Ganze und schätze es, wenn mein Projekt rundläuft? Bist du so jemand, der sich nicht so im Detail unbedingt verliert, sondern der das Ganze in den Blick bekommt? Das wäre ein Indiz. Wenn du so der, man nennt das ein bisschen frech, Korinthenkacker bist, also wenn du der bist, der in den kleinsten Kleinigkeiten Spaß hat, bist du es wahrscheinlich eher nicht.
Zweite Frage: Denke ich manchmal darüber nach, wie man Strukturen verbessern könnte? Also bin ich jemand, der sich die Frage stellt: So wie es hier läuft, ist das eigentlich wirklich effektiv organisiert, und zwar effektiv im Sinne von effektiv für die Leute? Strukturen sind ja für Menschen da, nicht: Läuft es überhaupt? Sondern: Ist es so, dass die Menschen etwas davon haben? Tut das den Menschen gut, wie es hier läuft?
Dritte Frage: Verfüge ich über ein diszipliniertes Privatleben? Kann ich mich selber organisieren, selber leiten? Wenn ich das nicht kann, brauche ich nicht darüber nachzudenken, ob ich andere leiten kann. Also wenn mein eigenes Leben ein ständiges Feuerlöschen ist: Hier brennt was, da drüben brennt was, wieder hinspringt. Wenn ich da noch ein bisschen Zeit brauche, mein Leben zu organisieren, wird Leitung wahrscheinlich eher nicht mein Ding sein.
Dritte Frage: Kann ich vom Ziel her denken? Da gibt es Leute, die sehen den nächsten Schritt, aber es gibt Leute, die sehen das Ziel, und sie wissen: Da möchte ich hin. Steuermann, ja, da vorne, der sieht da so eine Insel, da möchte ich hin. Und jetzt denkt er von da hinten zurück. Kann ich vom Ziel her denken? Und motiviert mich diese Zukunftsvision dazu, Schwierigkeiten auszuhalten?
Also, wenn ich so eine Reihe mache über Gaben, dann träume ich davon, wie es wäre, wenn jeder Einzelne hier in der Gemeinde seine Gaben erkennen würde, wenn wir das alles zusammenschmeißen, wenn ich weiß, wie wir ein tolles Team werden, wo wir Gemeinschaft auf einem anderen Niveau leben können. Das ist etwas, was mich fasziniert: das Ziel. Weißt du schon genau, wie du da hinkommen willst? Nein, ich weiß nicht. Ich weiß, das ist der nächste Schritt, den ich jetzt tue mit den Predigten. Dann werden wir mit den Ältesten wieder überlegen, was kommt danach. Aber ich sehe das Ziel da vorne, dass wir dann als Team gut zusammenarbeiten können, wenn jeder weiß, wer er ist. Das ist dieses vom Ziel her Denken.
Und der letzte Punkt: Merke ich, wo sich organisatorische Probleme auftun, kriege ich das überhaupt mit? Also ich meine jetzt nicht, dass du ein bisschen herumkritisieren kannst, das kann jeder in jeder Gemeinde immer. Das ist doch keine Gabe. Das ist übrigens interessant, es gibt keine Gabe der Kritik. Mich hat das total fasziniert, weil es kam mal jemand in die Gemeinde und sagt: Ich habe die Gabe der Kritik. Da dachte ich: Nee, die hast du nicht. Also erstens gibt sie nicht in der Bibel und zweitens hat sie jeder. Ja, ist doch so, wir müssen uns doch kein Stück anstrengen, um uns zu kritisieren. Ich schaue dich an und ich weiß schon drei Sachen, die mir an dir nicht gefallen. Und ihr lacht, deswegen glaube ich, ihr wisst, wovon ich rede.
Also, das waren Fragen zur Selbstreflexion. Und überlegt mal: Wer ist so jemand in der Gemeinde, wo ich den Eindruck habe, der oder diejenige ist genau so? Der kann ein Projekt anvertrauen, und die kriegt das zu Ende. Die kann damit umgehen, die geht daran nicht kaputt. Wer ist so?

Wie Gaben empfangen und weitergegeben werden

Als ich das hinschrieb, merkte ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte, einen richtig eklatanten Fehler, den wir unbedingt als Gemeinde nachholen müssen. Ich hatte das nämlich so aufgeschrieben und dachte mir: Hm, wenn ihr jetzt das Blatt umdreht, musst du noch einmal darüber nachdenken, wie man eigentlich eine Gabe bekommt.
Wir schauen in die Bibel hinein, und der erste Punkt, wie man eine Gabe bekommt, ist: Der Heilige Geist begabt, wie er will. Das steht in 1. Korinther 12,11. Ich sage immer: Du bist begabt, also bitteschön, schau nach der Gabe, die Gott dir gegeben hat. Aber ich wusste schon zu dem Zeitpunkt, dass das nur die halbe Miete ist.
Es steht nämlich auch in der Bibel, in 1. Korinther 14,13. Da geht es darum, dass Paulus sagt: Wenn du eine bestimmte Gabe hast, in dem Fall Zungenrede, also in fremden Sprachen reden, ohne sie gelernt zu haben, der Traum jedes Englischschülers, und du möchtest das in der Gemeinde praktizieren, dann musst du auch auslegen können. Du musst das auch übersetzen können, damit jemand anders etwas davon hat. Und wenn du das nicht kannst, dann bete bitte dafür, dass dir diese Gabe geschenkt wird.
Und ich dachte mir: Okay, wenn das so ist, dann wird das in dem einen Fall wahrscheinlich auch als Prinzip zu verallgemeinern sein. Ich kann nicht nur schauen, was Gott mir geschenkt hat, ich kann auch für konkrete Gaben beten, von denen ich denke, dass ich sie gern hätte. Weil ich vielleicht in einer bestimmten Gemeindesituation drinstehe, wo ich merke: Wenn ich das jetzt hätte, boah, das wäre richtig gut.
Ich gebe gerne zu, dass ich das bislang eher vernachlässigt habe. Es war mir nicht so präsent. Das ist jetzt auch für mich durch die Reihe viel klarer, dass das eine Verantwortung ist.
Und dann habe ich gleich ein bisschen weitergedacht, und ich dachte mir: Ist das eigentlich immer so, dass man selbst dafür betet, dass man eine bestimmte Gabe bekommt? Und ich bin halt so ein Strukturbibelstellentyp, da klappt dann immer so eine Bibelstelle hoch, klack, Frage, klapp, dann steht da die Bibelstelle, und ich denke mir: Nee, da war doch noch was mit Paulus und Timotheus.
Paulus sagt oder schreibt dem Timotheus Folgendes. Er sagt in 2. Timotheus 1,6: „Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir durch das Auflegen meiner Hände ist.“ Also nicht nur, dass Gott mich beschenkt, nicht nur, dass ich für eine Gabe beten kann, sondern hier hat ein anderer, in dem Fall Paulus für Timotheus, gebetet und ihm die Hände aufgelegt. Das ist ein Zeichen von Identifikation: Ich mache mich mit dir eins. Und jetzt kann er sagen: Du hast die Gabe, und jetzt bitte vergiss das nicht.
Und jetzt wisst ihr, worauf ich hinaus will. Ich habe das gelesen und dachte mir: Mann, das haben wir nicht mit unseren Ältesten gemacht. Überlegt mal, wir reden gerade über eine Gabe der Leitung. Müssten wir nicht als Gemeinde uns die Ältesten schnappen und sagen: Freunde, wenn es hier jemanden gibt, von dem wir hoffen und dringend bitten, dass er diese Gabe hat, dann seid ihr das eigentlich. Müssten wir die nicht nach vorne holen? Heute sind leider nicht alle da. Aber das können wir ja dann, wenn mal alle da sind, machen.
Müsste man die nicht nach vorne holen und sagen: So, Freunde, wir wollen euch, und wir wollen, dass ihr ordentlich ausgerüstet seid für euren Dienst. Wir beten doch mal für euch, dass ihr genau diese Gabe bekommt. Nicht im Sinne von: Na ja, ihr macht das so schlecht, ihr habt es eh nicht, vielleicht hilft es noch was. Sondern im Sinne von: Wir haben jetzt ein Jahr gesehen, dass ihr den Dienst tut. Die Bibel sagt, man soll niemandem vorschnell die Hände auflegen, man soll da vorsichtig sein, bevor man sich mit jemandem und seinem Dienst identifiziert. Aber jetzt zu sagen: So, Freunde, aber jetzt noch mal eine ordentliche Portion Gebet hinterher, für den Fall, dass ihr da noch was braucht. Und zack, rein.
Ich fand das einen total schönen Gedanken und möchte das gerne irgendwann bei den nächsten Malen einfach machen. Lasst es euch durch den Kopf gehen. Also, es geht um die Ältesten. Wenn ihr jetzt sagt: Auf keinen Fall will ich euch ernst nehmen, aber sonst würde ich gerne als Gemeinde für euch beten, dass wir hier an der Stelle euch noch eine Extraportion Gebet und vielleicht auch eine Extraportion Gabe zukommen lassen.
Mir war es wichtig, euch zu zeigen: Dieses Konzept Begabung ist viel flexibler, als wir das so denken, wenn wir sagen: Du hast eine, bitte such sie. Du darfst auch mitdenken. Wo möchte ich mich weiterentwickeln? Wo wäre vielleicht eine flankierende Gabe gut? Und dann kannst du dafür beten, und dann kannst du mal schauen, ob Gott sie dir gibt. Wenn nicht, dann ist das immer noch Gottes Sache. Wir stellen uns nicht an Gottes Stelle. Er bleibt souverän. Aber warum nicht?

Rückblick auf die Predigt und Übergang zur Barmherzigkeit

So, und an dieser Stelle ist unsere Predigt nicht weiter aufgezeichnet worden. Und für alle, die am Sonntag nicht dabei waren: Ich sitze jetzt hier in meinem kleinen Wohnzimmer, die Sonne scheint mir ins Gesicht, und ich versuche einfach, für euch die Kernaussagen der restlichen Predigt noch einmal zusammenzufassen.
Okay, also wir waren gerade stehen geblieben in der Predigt, wenn ich mich recht erinnere, bei dem Thema Gaben. Beziehungsweise: Wie bekommt man eine Gabe? Mir war es wichtig zu zeigen, dass das auf der einen Seite Gottes Sache ist. Auf der anderen Seite können wir für Gaben beten. Und wir können auch dafür beten, dass andere in der Gemeinde Gaben bekommen.
Es kann durchaus sein, dass wir das mit den Ältesten für The Rock einmal machen werden. Dass wir uns einfach als Gemeinde mal die Ältesten schnappen und mit ihnen unter Handauflegung dafür beten, dass sie diese Gabe, die wir eben betrachtet haben, nämlich Leitung und Vorstehen, auch bekommen. Man kann sich ja vorstellen, dass es kaum eine Gruppe in der Gemeinde gibt, die diese Gabe mehr braucht.
Ich möchte jetzt abschließend zu dieser Predigt, wie gesagt, das ist nicht die Originalpredigt, sondern die fand am Sonntag statt, das ist jetzt eine Nachpredigt. Anhand meiner Notizen, also mir wird die Dynamik vielleicht ein bisschen fehlen, wenn ich hier am großen Wohnzimmertisch sitze, möchte ich abschließend noch eine Gabe predigen, nämlich die Gabe der Barmherzigkeit.
Man findet die Gabe in Römer 12,8. Da heißt es: Der Barmherzigkeit übt mit Freudigkeit oder mit Fröhlichkeit. Und das Wort Barmherzigkeit oder Mitleid und Erbarmen ist ein Begriff, der ganz oft in der Bibel für Gott und für Gottes Charakter steht. Zum Beispiel in Psalm 103,13. Da heißt es über Gott: Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.
Genau dieser Gedanke: Gott ist ein barmherziger Gott. Er ist ein Gott, der sich kümmert. Barmherzigkeit ist das Verhalten eines Starken gegenüber Schwachen, die sich selbst nicht helfen können. Gott ist barmherzig. Er kümmert sich wie ein Vater, der sich über seine Kinder erbarmt, um die, die ihn fürchten.
Und Matthäus 9,36, eine Stelle, wo der Herr Jesus beschrieben wird, da heißt es: Als er aber die Volksmenge sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da steht Jesus, und er ist innerlich bewegt, weil er die Volksmenge sieht, die von ihren eigenen Führern im Stich gelassen und ausgebeutet wird. Und ihn kümmert das. Er kann da nicht einfach dran vorbeigehen.

Das Wesen der Barmherzigkeit

Bei der Gabe der Barmherzigkeit fällt auf, wie auch bei anderen Gaben. Das gilt eigentlich für viele Gaben: Sie sollen zu einem bestimmten Prozentsatz in jedem geistlichen Leben vorhanden sein. Vielleicht nicht als spezielle Gabe, so doch als eine Aufgabe, die jeder Christ ganz grundsätzlich bekommt.
Jeder Christ soll barmherzig sein und sich um Menschen in Not kümmern. Der barmherzige Samariter ist ein gutes Beispiel. Er trifft jemanden, dem ganz übel mitgespielt wurde, der unter die Räuber gefallen war, und geht nicht achtlos an diesem Opfer vorbei, sondern kümmert sich. Deswegen ist er der barmherzige Samariter.
Jakobus kann in Jakobus 2, ich lese einfach mal die Verse 14 bis 17, folgendes sagen: Jakobus 2,14: Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber keine Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Also gemeint ist: Kann ein Glaube, der nur behauptet ist, ihn retten?
Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester dürftig gekleidet ist und der täglichen Nahrung entbehrt, aber jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige, was nützt es? Was nützt es, wenn jemand Not hat, ich sehe die Not und ich helfe nicht? Was nützt es? Und die Antwort lautet: gar nichts.
Und dann das Fazit: So ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst tot. Ein Glaube, der keine Werke hat, gemeint sind Werke der Barmherzigkeit, ist in sich selbst tot.
Ein Christ, der unbarmherzig durchs Leben geht, ist wahrscheinlich nicht echt. Warum? Weil Jesus Mitleid hatte, versucht hat, Not zu lindern, und jeder Christ mit derselben Haltung in die Fußstapfen Jesu treten soll. Jeder soll wie der barmherzige Samariter helfen.
Ich will das einfach mal im Bild gebrauchen: wie der barmherzige Samariter von A nach B zieht und dann etwas in dem Strauch, da in diesem Busch, wimmern hört. Dorthin blickt er, und da sieht er den Liegenden. So kann es Geschwister geben, die an der Stelle viel Stärke empfinden. Die nicht einfach nur einer Not helfen, der man unweigerlich nicht aus dem Weg gehen kann, die offensichtlich einem vor die Füße fällt, sondern die auf eine ganz intensive Weise Not empfinden.
Ich habe die Gabe der Barmherzigkeit folgendermaßen definiert: Wer die Gabe der Barmherzigkeit hat, besitzt die Fähigkeit, Menschen in ihren körperlichen, seelischen und geistlichen Nöten auf besonders effektive Weise beizustehen.
Ich glaube, besonders im Bereich der seelischen und geistlichen Nöte. Warum? Weil er selbst davon stark berührt wird. Menschen, die diese Gabe haben, die Gabe der Barmherzigkeit, sind ideale Begleiter in Zeiten der Trauer, der Krankheit und der Not.

Gefahren, Fragen und praktische Wahrnehmung

Und wer so eine Gabe hat, wer sich von der Not anderer Menschen besonders ansprechen lässt, der steht auch in der Gefahr. In Römer 12,8 heißt es, dass der, der Barmherzigkeit übt, es mit Fröhlichkeit tun soll.
Der steht in der Gefahr, dass ihm die eigene Lebensfreude durch die ständige Beschäftigung mit Not und Leid anderer geraubt wird. Sich immer wieder auf die Not anderer einzulassen und diese innere Disposition, stärker mitfühlen zu können, ist etwas, das einfach erdrücken kann. Und es ist auch etwas, wobei man sich manchmal mit diesem eigenen Empfinden, mit diesem starken Betroffensein, allein gelassen fühlt. Man fragt sich dann: Bin ich der Einzige, der so empfindet?
Daraus ergibt sich eine zweite Gefahr, die ich sehe, nämlich eine falsche Erwartungshaltung an den Rest der Gemeinde. Man denkt dann, jeder müsse genauso empfinden. Und wenn man das nicht erlebt, ist man auch ein Stück weit enttäuscht von den anderen Geschwistern.
Die Fragen zur Selbstreflexion lauten folgendermaßen. Und es geht bei den Fragen immer darum, selber zu schauen: Wo stehe ich?
Erste Frage: Kann ich mit belasteten Menschen weinen und ihren Kummer nachempfinden? Wenn mir zum Beispiel jemand erzählt: „Ich habe mein Kind verloren“ oder „Ich kenne jemanden, dem das passiert ist“, ist das etwas, was mich besonders tief trifft? Werde ich davon innerlich angesprochen? Sage ich mir dann: Boah, wie mag es denen gehen? Herr, kann ich mit belasteten Menschen weinen, ihren Kummer überhaupt nachempfinden? Und bitte, es ist eine Gabe, wenn man das kann.
Zweite Frage: Fällt es mir manchmal schwer, abzuschalten und nicht über belastete Freunde nachzudenken? Kann das sogar so weit gehen, dass ich Einschlafprobleme habe?
Und jetzt mag es einen geben, der sagt: Nö, das passiert eigentlich nie. Wenn jemand Probleme hat und ich höre davon, dann denke ich darüber nach, dann kann ich abschalten, vielleicht bete ich dafür, und wenn es praktische Hilfe gibt, dann will ich auch helfen. Aber das belastet meinen Schlaf nur sehr, sehr am Rande.
Und dann gibt es andere, die können tatsächlich nicht einschlafen. Die denken ständig darüber nach: Wie mag der andere sich fühlen? Wie kann ich ihm helfen? Was kann ich tun, damit er sich wieder ein Stück besser fühlt? Bist du so einer? Fällt es mir manchmal schwer, abzuschalten und nicht über belastete Freunde nachzudenken?
Dritte Frage: Ertappe ich mich dabei, zu denken, dass andere Christen in der Gemeinde lieblos sind? Das geht ganz schnell, dass ich denke: Die müssten sich doch viel mehr kümmern. Aber es ist nur meine Brille. Es ist die Gabe, die ich bekommen habe. Es ist die Brille, die ich aufsetze als ein Begabter, der an dieser Stelle aufschreit und anderen Vorwürfe macht.
Vierte Frage: Besuche ich gern Kranke und Sterbende, um ihnen Trost zu spenden? Ist das etwas, was ich wirklich gerne tue? Ist es etwas, das mir auch selbst gut tut, wo ich selber merke: Da bin ich am rechten Fleck? Und, wenn ich das Wort entschuldigt, wo es mir auch ein Stückchen Spaß macht? Wo ich denke: Ja, das ist meine Berufung, da geht es für mich hin, da fühle ich mich wohl, da fühle ich mich gebraucht, da fühle ich mich passend?
Und da merke ich auch über die Jahre vielleicht, wenn ich das tue, dass ich immer passender werde. Dass diese Gabe der Barmherzigkeit eine Gabe ist, die sich entfaltet. Dass ich nicht nur Trost spenden will oder mitweinen will, sondern dass ich auch qualitativ immer besser werden kann. Dass ich immer mehr verstehe, was derjenige, den ich besuche, dann braucht.
Letzte Frage, etwas praktisch eingeengt jetzt auf unsere Situation: Bewegt mich das Schicksal der Kinder im Falkenhagener Feld? Es könnte auch ein anderes soziales oder diakonisches Problem sein, das sich irgendwo auftut. Aber wir haben jetzt das Falkenhagener Feld: 30 Menschen, viele davon Hartz-IV-Empfänger mit Kindern. Bewegt mich das Schicksal?
Und im Gespräch mit einem Bruder ist mir aufgefallen, dass das natürlich auch gelten kann für die, die gerne etwas bewegen. Wenn du die Gabe der Leitung hast und wenn du jemand bist, der gerne strategisch unterwegs ist, dann kann es sein, dass sich das Schicksal der Kinder bewegt, einfach nur weil du sagst: Hier muss man ein neues Projekt starten. Das meine ich nicht.
Ich meine: Kannst du die einzelnen Kinder dir vor Augen malen und innerlich betroffen sein? Kannst du vielleicht nicht durch die Stadt fahren oder mit dem Bus fahren und in die Augen von betroffenen Kindern schauen, ohne innerlich angerührt zu werden? Dann glaube ich, dass du die Gabe der Barmherzigkeit hast.

Schlussgedanken

Das war's für heute. Wir haben zwei Themen und zwei Gaben behandelt.
Die beiden Themen waren: Wie finde ich meine Gabe? Mir war es wichtig, euch zu zeigen, dass es darum geht, erst einmal zu glauben, dass das mit den Gaben noch gilt. Dann darum zu beten, sich mit dem Thema zu beschäftigen und auch andere Leute zu fragen: Was denkt ihr denn? Anschließend geht es ganz praktisch darum, es einfach auszuprobieren. Wo kann ich etwas wirklich gut?
Dann habe ich eine Gabe angeschaut, die Leitung und Vorstehen heißt. Die andere war Barmherzigkeit. Das zweite Thema war: Wie bekommt man eine Gabe?
So viel für heute. Das nächste Mal geht es dann wieder weiter.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.