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Das Wort Gottes

12.02.2025
SerieTeil 2 / 9Biblische Dogmatik - Wayne Grudem
Du suchst Gottes Stimme ganz direkt? Vielleicht liegt sie längst vor dir – in der Bibel, die nicht nur über Gott redet, sondern sein klares Wort an dich ist.

Die Frage nach dem Anfang der Theologie

Wir befinden uns, wenn du deine Dogmatik aufgeschlagen hast, wirst du sehen, dass wir uns natürlich jetzt am Anfang befinden. Nach der Einführung in Teil 1 beginnt Wayne Grudem seine Dogmatik mit der Lehre vom Wort Gottes. Und es gibt immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den Theologen, ob man die Theologie, wenn man anfängt, alles thematisch abzuhandeln, womit fange ich eigentlich an? Was ist eigentlich das erste Thema, das ich setze, um einen logischen Aufbau hinzukriegen?
Und dann gibt es so einen kleinen, ich würde sagen, einen Disput: Fängt man an mit der Lehre über Gott oder fängt man an mit der Lehre über die Heilige Schrift oder über Gottes Offenbarung? Und tatsächlich, wenn du in theologischen Büchern hineinschaust, dann siehst du das eine Camp: Erst einmal müssen wir die Grundlagen über die Bibel legen. Andere sagen: Wir wollen erst einmal die Grundlage über Gott legen, weil unser Denken erst einmal von ihm ausgehen soll.
Und wenn du, so wie du das jede Woche tust, auf unserer Internetseite unterwegs bist und unsere Glaubensgrundlagen der Christusgemeinde studierst, dann wirst du sehen, dass wir uns damals dazu entschieden haben, unsere Glaubensgrundlagen auch zu strukturieren, möglichst logisch. Und wir haben mit Gott angefangen und erst danach mit der Frage, wie Gott sich dann offenbart.
Aber diese biblische Dogmatik beginnt damit, dass sie die Lehre vom Wort Gottes klären möchte. Und ich möchte die Frage stellen: Was könnte aus eurer Sicht ein guter Grund sein, mit dem Wesen des Wortes Gottes zu beginnen? Warum ist es ein guter Grund, so wie Wayne Grudem das hier macht in der biblischen Dogmatik, erst einmal mit der Lehre vom Wort Gottes zu beginnen, ehe er dann in die ganzen Feinheiten über das Wesen Gottes einsteigt?
Ja, das geht, denke ich, schon in eine ganz gute Richtung, warum sich Theologen entscheiden, erst einmal mit dem Wort Gottes zu beginnen. Der Theologe Artie Candle sagt, dass die Offenbarung Gottes oder die Lehre über die Bibel deswegen so grundlegend ist, weil sie erklärt, in vier Punkten beschreibt er es, was wir glauben, warum wir glauben, woher wir unsere Glaubensinhalte bekommen und warum wir glauben, dass diese Glaubensinhalte wahr sind.
Und wenn sozusagen erst einmal geklärt ist, woher beziehst du eigentlich deine Erkenntnis und warum, kannst du dann auch erklären: Aus diesem Grund glaube ich an den christlichen Gott, die Dreieinigkeit, an Jesus Christus. Und das werden wir natürlich alles auffächern in den nächsten Monaten.
Grudem betitelt diese Einheit mit folgendem Titel: Das Wort Gottes. Welche sind die verschiedenen Formen des Wortes Gottes? Und das ist vielleicht für die meisten etwas überraschend, dass man erst einmal die Formen erörtern muss, welche Formen vom Wort Gottes es eigentlich gibt. Das liegt daran, dass wir in unserem Sprechgebrauch ja eigentlich immer die Bibel als das Wort Gottes bezeichnen. Und ich würde auch sagen, landläufig ist dann die Diskussion auch vorbei, sobald man weiß, was man mit diesem Begriff meint.
So ist das Wort Gottes das Synonym für die Bibel. Aber wenn wir vom Wort Gottes her kommen, von der Begrifflichkeit, wir haben ja gelernt, was systematische Theologie ist: Erst einmal sammeln, was bedeutet das eigentlich? Welche Verse finden wir in der Bibel, die vom Wort Gottes sprechen, um dann aufzufächern: Okay, was sagt denn Gottes Offenbarung über das Wort Gottes?
Und wir schauen uns jetzt miteinander den ersten Punkt an: das Wort Gottes als eine Person, Jesus Christus. Und ich möchte gerne ein Zitat bringen, das Wayne Grudem relativ früh auch hier auf Seite 53 bringt:
Unter den Gliedern der Dreieinigkeit ist es insbesondere Gott, der Sohn, der sowohl in seiner Person als auch in seinen Worten die Rolle der Mitteilung des Charakters Gottes an uns und des Ausdrucks des Willens Gottes für uns annimmt.
Okay, Theologensprech noch einmal: Unter den Gliedern der Dreieinigkeit, Vater, Sohn, Heiliger Geist, ist es insbesondere Gott, der Sohn, der sowohl in seiner Person als auch in seinen Worten die Rolle der Mitteilung des Charakters Gottes an uns und des Ausdrucks des Willens Gottes für uns annimmt.
Wir sehen, dass Jesus Christus als ganze Person, mit allem, was er tut, was er ist, aber auch was er spricht, das weitergibt. Man könnte sagen, dass Jesus, ich sage das häufiger auch in Predigten, das ist, was Gott der Welt zu sagen hat. Insofern ist er das Wort Gottes.
Das ist für uns vielleicht ein bisschen komisch. Das Wort ist irgendwie: Man hat es gesagt, und dann ist es vorbei. Und Jesus soll jetzt einfach ein Wort sein, was ist damit eigentlich gemeint? Aber es ist im Prinzip das, was Gott der Welt kommunizieren möchte. Das finden wir in der Person von Jesus Christus.
 Hebräer 1,1-2 bringt das auch auf den Punkt, wo es heißt: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat.
Und weil Jesus Christus so essenziell ist für die Verbreitung des Wortes Gottes, dass wir erkennen, was auch das Wort Gottes ist, wird er selber auch als das Wort Gottes bezeichnet, in den wichtigsten Passagen, oder das sind vielleicht auch schon alle Passagen, die ihr auch in der Dogmatik nachlesen könnt.
Jesus Christus heißt es in Offenbarung 19,13, sein Name heißt das Wort Gottes. Es ist ein Name von Jesus: das Wort Gottes. Die bekannteste Passage ist sicherlich Johannes 1,1: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Einige Verse weiter, in Vers 14, heißt es: Und das Wort wurde Fleisch, ist Mensch geworden, und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einzigen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Und jetzt schreibt derselbe Apostel seinen ersten Brief mit folgenden Worten: Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens, und so weiter und so fort.
Jesus ist das Wort. Jesus ist das Wort Gottes. Jesus ist das Wort des Lebens. Jesus verkörpert all das, was Gott ist und was er tun will und was er mitgeben und kommunizieren möchte.
Später in der Dogmatik oder in diesem Kapitel vielmehr, wir werden uns auch die Zitate später noch anschauen, wird Wayne Grudem immer wieder beschreiben, welche Auswirkungen es hat, wenn du auf das Wort Gottes reagierst. Wie ich mit dem Wort Gottes umgehe, hat eine Konsequenz, entweder eine positive oder eine negative. Es bleibt nicht neutral, wie ich mich zum Wort Gottes verhalte. Das wird er in den nächsten Seiten immer wieder tun. Er macht es hier an dieser Stelle nicht, aber wir sehen, dass es auch eine Konsequenz gibt, wie wir uns zu dem Wort Gottes, Jesus Christus, verhalten, wenn wir uns Johannes 3,36 anschauen, wo es heißt: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Also in Jesus sehen wir all das, was Gott wichtig ist, was wir wissen sollen, und wie wir uns zu diesem Wort Gottes, Jesus Christus, verhalten, hat Konsequenzen für uns, entweder zum Segen oder zum Fluch. Und wir werden sehen, dass auch in den anderen Formen des Wortes Gottes unterschiedliche Konsequenzen gibt, je nachdem, wie wir auf das Wort Gottes reagieren. Wir werden uns das jetzt gleich anschauen, wenn wir uns die unterschiedlichen Redeweisen von Gott anschauen, die auch als das Wort Gottes bezeichnet werden.
Also, das Wort Gottes ist einmal eine Person, Jesus Christus, das ist so der erste Punkt. Und der zweite Punkt für Wayne Grudem ist: Es ist nicht nur eine Person, sondern es ist auch die Rede von Gott, nicht die Rede über Gott, sondern die Rede von ihm. Das heißt, wenn Gott etwas kommuniziert, wenn Gott anfängt zu sprechen, das nennt man Wort Gottes.
Und da gibt es vier Unterkategorien sozusagen, auf welche Art und Weise Gott in die Kommunikation kommt. Und das ist zum Ersten durch seine Beschlüsse oder durch seine Ratschlüsse, dann Gottes Worte der persönlichen Anrede, Gottes Worte als Rede durch menschliche Lippen und Gottes Worte in schriftlicher Form, in Klammern die Bibel.
Wir schauen uns jetzt jeden einzelnen Aspekt an.

Gottes Reden in seinem ewigen Beschluss

Schauen wir uns das Wort Gottes als Rede von Gott an, insbesondere die Beschlüsse Gottes. Hier ist dieses wunderschöne Bild, das ich mitgebracht habe. Jeder kennt ihn, ob man will oder nicht. Das ist aber jetzt nicht unsere heutige Debatte. Hier sehen wir Trump.
Warum habe ich dieses Bild hier hineingebracht? Genau, er ist ein Fan von Beschlüssen und Dekreten. Als Trump Präsident geworden ist, hat jeder auf diesen Moment gewartet. Es gab Ankündigungen, was er tun möchte, und dann kam er ins Oval Office, und dann ging es los. Dann hat er ein Papier nach dem anderen unterschrieben, hielt es in die Kamera, und alle wussten: Jetzt rollt es an.
Der Präsident von Amerika möchte etwas, er beschließt es, und sofort hat das einen Effekt auf das gesamte Land und auch darüber hinaus. Und in einer viel gewaltigeren Art und Weise können wir das als Vergleich sehen, auch in der Bibel, die als Wort Gottes betrachtet wird. Wenn Gott seine Beschlüsse fasst, wenn er in Dekreten spricht, dass etwas geschehen soll, dann geschieht es auch, komme, was wolle.
Wir sehen seinen Beschluss natürlich in der Erschaffung der Welt. Und zwar lesen wir in Psalm 33,6: Durch des Herrn Wort ist der Himmel gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. Gott spricht, dass es geschehen soll, und es geschieht. Da gibt es keine Frage und kein Hindernis, sondern er sagt es, und es passiert.
Und wir sehen, dass nicht nur die Schöpfung, also dass etwas in Gang gesetzt wird, durch Gottes Wort geschieht, sondern wir sehen auch, dass in Hebräer 1,3 es heißt, dass Christus dafür sorgt, dass alle Dinge durch das Wort seiner Macht getragen werden. Also nicht nur die Schöpfung, sondern auch die Erhaltung dieser Schöpfung ist ein Produkt des Wortes Gottes.
Das ist nichts, was man jetzt die ganze Zeit vernehmen kann oder was man irgendwie hören könnte: Was sagt er denn jetzt genau? Aber es ist eine Beschreibung dessen, wie Gott seine Macht demonstriert. Indem Gott spricht, erweckt er zum Leben und erhält am Leben.
Und es ist ganz interessant, ich habe mal so darüber weiter nachgedacht. Das ist jetzt nichts, was Wayne Grudem in seiner Dogmatik schreibt. Aber ich habe darüber nachgedacht, dass die Bibel tatsächlich auch davon spricht, dass das Wort Gottes in seiner schöpferischen Kraft und seiner Beschlusskraft nicht nur die Welt in Existenz ruft und auch die Welt erhält, sondern auch uns neues Leben gibt und auch uns erhält.
Petrus schreibt davon in 1. Petrus 1,23-25. Dort können wir diese wirksame, schöpferische Beschlusskraft des Wortes Gottes wiederentdecken. 1. Petrus 1,23-25: Denn ihr seid wiedergeboren, also ihr seid zu einem neuen Leben gekommen, nicht aus vergänglichem Samen, sondern aus unvergänglichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes. Denn alles – jetzt kommt hier ein Zitat aus dem Alten Testament – denn alles Fleisch ist wie Gras, und all seine Herrlichkeit wie die Blume des Grases. Das Gras ist verdorrt, und die Blume ist abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Und jetzt wird noch einmal spezifiziert: Dies aber ist das Wort, das euch als Evangelium verkündet worden ist.
Es ist ganz interessant, diese Parallele zu sehen, dass das Wort Gottes die Welt in die Existenz ruft und auch die Welt erhält bis zum Finale, und dass Petrus auch davon schreiben kann, wenn es um unsere Existenz geht, um unsere Wiederbelebung, dass wir lebendig sind für Gott. Auch davon ist die Rede, dass wir wieder durch das Wort Gottes lebendig gemacht worden sind und auch erhalten bleiben. Und er spezifiziert das: Die Botschaft, die wir im Evangelium finden, hat diese, ich sage mal, Beschlusskraft in unserem Leben, dass etwas in Existenz gerufen wird und auch erhalten bleibt.
Also Gottes Beschlüsse sind diese eine Weise, wie Gott spricht. Aber Gott spricht nicht nur in dieser schöpferischen Beschlussweise. Gott wendet sich in der Bibel auch direkt an Menschen. Das ist der zweite Punkt: Gottes Worte der persönlichen Anrede. Und die sind insofern anders als der vorherige Punkt, weil die Beschlüsse, die Gott spricht, gesagt sind und so bleiben sie auch. Da kann man nichts dran herum machen.
Aber bei Gottes Worten, die einer persönlichen Anrede gleichen, spricht Gott, und das bedeutet nicht, dass automatisch auch etwas mit diesen Worten geschieht, im Sinne, dass es dann auch zu der Vollendung kommt. Denn Gott kann zu dem Menschen sprechen, ohne dass es zu dem gewünschten Effekt kommt.
Und zwar wissen wir aus 1. Mose 2,16-17, dass Gott nicht nur gesprochen hat, dass die Welt in Existenz kommt. Er redet weiter. Dann spricht er zu den Menschen, nicht in Form eines Dekrets, sondern er redet zu ihnen in direkter Ansprache. Und das heißt: Und der Herr Gott gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen, aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben.
Das ist das Gebot, und wir wissen alle, dass die Menschen dieses Gebot gehört haben, sich aber willentlich, unwissentlich dagegen entschieden haben, obwohl diese Anrede sehr deutlich war. Also Gott hat nicht genuschelt, als er gesprochen hat. Er hat genauso deutlich gesprochen wie bei der Erschaffung der Welt, und dennoch war das eine andere Weise der Wirksamkeit des Redens. Er spricht in einer Dekretform oder in einer Beschlussform, in seinem Ratschluss, und es geschieht. Und dann wendet er sich an den Menschen, und er redet ihn direkt an, und es passiert genau das Gegenteil von dem, was Gott eigentlich gesagt hat, was geschehen soll.
Wir sehen auch im Alten Testament, dass es immer wieder heißt, bei den Propheten – das ist eine extrem häufige Wendung, die man im Alten Testament findet –: Das Wort des Herrn geschah oder er ging zu mir oder zu dem Propheten Sacharja und so weiter und so fort. Das heißt, die Propheten haben immer wieder, wenn sie geschrieben haben, gesagt: Das Wort Gottes geschah oder ereignete sich, ist zu mir gekommen. Also Wort Gottes als direkte Anrede an ein Individuum.
Wayne Grudem schlussfolgert aus seiner Analyse Folgendes. Und jetzt merkt man hoffentlich diesen Link zu Johannes 3,36, wo es heißt, dass wer an den Sohn Gottes glaubt, hat ewiges Leben; wer aber nicht ihm gehorcht, auf dem bleibt der Zorn Gottes. Es hat eine Konsequenz, wie ich mich zu diesem Wort Gottes verhalte. Und dasselbe auch hier bei der persönlichen Anrede: Wenn Gott zu Menschen spricht, in einer persönlichen Anrede, schlussfolgert Wayne Grudem auf Seite 54 in eurer Dogmatik: In diesem Fall und in mehreren anderen Fällen, wo Gott Worte der persönlichen Anrede an einzelne Menschen richtete, war den Hörern klar, dass dies die tatsächlichen Worte Gottes waren. Sie hörten die echte Stimme Gottes, und sie hörten daher Worte, die absolute göttliche Autorität hatten und absolut vertrauenswürdig waren. Diesen Worten nicht zu glauben oder ihnen nicht zu gehorchen, hätte bedeutet, Gott nicht zu glauben und ihm nicht zu gehorchen, und wäre deshalb Sünde gewesen.
Wenn Gott spricht, dann hat das Autorität, und es kommt, um etwas in deinem Leben zu bewirken. Gott hat den Anspruch auf dein Leben und hat einen Plan und ein Ziel für dein Leben, und er erwartet, dass man entsprechend auf diese Worte reagiert. Deswegen ist es interessant, dass tatsächlich die direkte Anrede, wenn Gott direkt den Menschen anspricht, die Erwartung hat, dass er nicht noch überlegt: Na ja, finde ich das eigentlich gut oder fällt mir vielleicht noch etwas Besseres ein, was du gesagt hast? Nein, deine Aufgabe ist es, zu vertrauen und dem zu folgen, um den Segen Gottes auch in deinem Leben dann gedeihen zu sehen. Aber wenn nicht, hat das immer zur Konsequenz, dass etwas in meinem Leben verdirbt oder mein Leben selbst verdirbt.
Es ist interessant, dass wir dieses gleiche Prinzip schon bei Jesus sehen: Wer dem Sohn Gottes glaubt, der hat ewiges Leben; wer dem Sohn Gottes nicht gehorcht, dem bleibt der Zorn Gottes. Warum ist diese Konsequenz so stark? Weil es sich bei Jesus um das Wort Gottes handelt, das, was Gott kommuniziert, was er weitergibt.
Kommen wir zu einem dritten Punkt: Gottes Worte als Rede durch menschliche Lippen. Also dieser Punkt, den wir eben gerade hatten, Gottes Worte der persönlichen Anrede, das ist auch in der Bibel jetzt nicht die häufigste Art und Weise, wie Menschen Gottes Wort vernommen haben. Die viel, viel häufigere Weise, wie Menschen Gottes Worte hörten, war quasi auf indirekte Art und Weise, durch beauftragte Boten oder Propheten. Im meisten Fall waren es Propheten, die dann zu den Menschen gesprochen haben, und das, was sie gesagt haben, war Wort Gottes.
Wir haben eben gerade in Hebräer 1,1-2 Folgendes gelesen; es ist übrigens eine sehr zentrale Passage, wenn es überhaupt um das Wesen des Wortes Gottes geht, was wir hier auch in Hebräer 1 lesen: Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat, in den Propheten. Hier haben wir diesen Hinweis, das haben wir vorhin schon gelesen: Gott hat gesprochen zu unseren Vorfahren. Wie hat er denn zu ihnen gesprochen? Ist er zu jedem hingegangen und hat es auf diese direkte Art und Weise getan? Nein, es war in aller Regel eine indirekte Art und Weise. Durch Boten, in diesem Fall hier durch Propheten, hat Gott sein Wort an die Menschen gerichtet.
Wir sehen, dass dieses Prinzip auch in 5. Mose 18 zum Tragen kommt, dass Gott sein Wort jemandem anvertraut, einem Propheten, der dies weitergibt, und dass das die gleiche Relevanz für das Gegenüber hat, als wenn Gott selbst zu mir spricht. 5. Mose 18,18-20. Übrigens, ich freue mich, dass wir heute sogar ein Baby hier haben. Falls ihr mal ein Quaken hört, dann freut euch. Ich habe in dieser Woche einen richtig coolen Satz gehört: Es gibt nur ein Geräusch, das störender ist als ein Babygeräusch in der Kirche, und das Geräusch ist, wenn es gar kein Babygeräusch mehr in einer Kirche gibt. Und das hat echt etwas. Ja, wir sollten also traurig sein, wenn wir keine Babys hören, und uns freuen, wenn wir Babys hören. Gott segne euch, schön, dass ihr da seid.
 5. Mose 18,18-20: Einen Propheten wie dich will ich ihnen aus der Mitte ihrer Brüder erstehen lassen, sagt Jahwe Gott zu Mose. Ich will meine Worte in seinen Mund legen, und er wird zu ihnen alles reden, was ich ihm befehlen werde. Hier sehen wir schon eine christologische Prophezeiung, also eine Voraussage, die in Jesus Christus zur Erfüllung kommt. Das bedeutet christologisch. Und es wird geschehen: Der Mann, der nicht auf meine Worte hört, die er in meinem Namen reden wird, von dem werde ich Rechenschaft fordern. Doch der Prophet, der sich vermessen sollte, in meinem Namen ein Wort zu reden, das ich ihm nicht befohlen habe zu reden, oder der im Namen anderer Götter reden wird, dieser Prophet muss sterben.
Also wir sehen dieses Prinzip: Gott vertraut Menschen Worte an. Hier in diesem Fall ist es eine Prophezeiung auf Christus, aber wir sehen, dass das auch hier schon für Mose galt: Einen Propheten wie dich will ich ihnen erstehen lassen. Also einen neuen Führer, einen zweiten Mose, einen wahren und besseren Mose als Mose es war, weil Mose fehlerhaft war. In all seiner Hingabe und Demut, die er hatte, war er nicht perfekt, das wissen wir.
Aber es ist das Prinzip Gottes, dass er Propheten etwas aufs Herz gibt, zu ihnen redet, damit sie in dem Namen von Gott weiterreden, und die Menschen werden dann beurteilt nach dem, wie sie sich zu diesem prophetischen Wort verhalten haben, als wenn es selbst zu ihnen gesprochen wurde.
Wir sehen diese ganze Konsequenz, wie man auf dieses Reden Gottes reagiert, bei König Saul in 1. Samuel 15,23: Denn Widerspenstigkeit ist eine Sünde wie Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst. Lasst uns das noch einmal lesen. Ich finde das schon einen echt heftigen Satz, weil niemand würde von uns sagen, dass er jetzt hier gerade von einer Wahrsagerei-Stunde kommt oder eben gerade noch seinen kleinen Buddha gestreichelt hat zu Hause. Noch einmal lesen: Denn Widerspenstigkeit ist eine Sünde wie Wahrsagerei, und Widerstreben ist wie Abgötterei und Götzendienst, weil du das Wort des Herrn verworfen hast, so hat er dich auch verworfen, dass du nicht mehr König sein sollst.
König Saul wurde kommuniziert, was Jahwe Gott von ihm möchte, und er war widerspenstig, hat dagegen rebelliert und wollte damit nichts zu tun haben, hat seine eigenen Wege gewählt, und das hat dann eine Konsequenz gehabt.
Wir schließen den Punkt mit dem, was Wayne Grudem sagt, auf Seite 55. Ihr seht, dass er hier wieder gleich endet: Also wurden die Worte Gottes, die durch menschliche Lippen gesprochen wurden, für genauso autoritativ und genauso wahr gehalten wie Gottes Worte der persönlichen Anrede. Die Autorität dieser Worte nahm nicht ab, wenn sie durch menschliche Lippen gesprochen wurden; ihnen nicht zu glauben oder ihnen nicht zu gehorchen bedeutete, Gott selbst nicht zu glauben oder ihm nicht zu gehorchen.
Es ist eine andere Art und Weise, wie Gott kommuniziert, aber es ist so, als wenn Gott selbst zu dir spricht und kommuniziert, weil die Konsequenzen genau dieselben sind, wie wenn Gott selbst zu dir spricht. Für Saul wurde sehr schnell klar: Ob der Prophet Samuel jetzt zu mir spricht oder Gott zu mir spricht, ist auf einer Ebene. Es gibt keine Abstufung, es gibt keine geringere Konsequenz, nur weil Samuel zu mir gesprochen hat und nicht Gott persönlich. Die Konsequenz ist haargenau dieselbe, weil es sich in beiden Fällen um Wort Gottes handelt, auch wenn es in einer anderen Form und Verpackung sozusagen daherkommt. Es ist nicht der Herr, der eins zu eins dir begegnet und zu dir spricht, sondern durch seinen Boten. Aber Gott verlangt genau dieselbe Loyalität und den Gehorsam, als wenn er selbst leibhaftig vor dir stehen würde.

Die Schrift als verbindliche Gestalt des göttlichen Wortes

Okay, jetzt gehen wir in den nächsten Punkt. Diese Folie habe ich hier zweimal drin, weil sie so schön ist: wahrscheinlich Gottes Worte in schriftlicher Form.
Ich hatte ja vorhin gefragt, welche Form des Wortes Gottes für euch so geläufig ist. Und bei allen kam relativ schnell und prompt die Bibel. Tatsächlich ist es so, dass es Kritiker gibt, die sagen, das sollte man nicht machen. Man sollte nicht sagen, dass das Verschriftlichte Gottes Wort ist. Ja, es sind heilige, respektable Schriften, von denen wir natürlich etwas für unseren Glauben und auch über Gott lernen. Aber wir sollten die Schrift nicht mit dieser Vokabel gleichsetzen: Wort Gottes. Denn Wort Gottes ist immer das Reden von Gott und nicht das Geschriebene, was wir lesen.
Diese Kritiker sagen, dass im christlichen Kreis immer vom Wort Gottes gesprochen wird und dann auf diese zwei Buchdeckel verwiesen wird, beziehungsweise auf das, was dazwischen ist. Das sei kritisch. Das ist die Heilige Schrift, aber sie ist nicht Wort Gottes. Wort Gottes ist das Kommunikative, wenn Gott kommuniziert, sei es durch einen Propheten oder in der direkten Ansprache.
Deswegen ist tatsächlich die Frage: Wird die Schrift explizit überhaupt als Wort Gottes bezeichnet? Als ich das erste Mal mit der Frage konfrontiert wurde und dann Wort Gottes, und dann gehe ich so durch die Passagen, okay, direkte Ansprache, direkte Ansprache, okay, eine indirekte Ansprache durch den Propheten, Wort Gottes, Passage für Passage für Passage, dachte ich: Es ist tatsächlich so, dass der Löwenanteil, wie die Bibel über Wort Gottes spricht, die Kommunikative ist, das Reden, entweder direkt oder indirekt durch den Boten. Etwas irritierend. Okay, weiterforschen, weiterforschen.
Falls ihr mal mit dieser Frage konfrontiert werdet, wahrscheinlich nicht, aber damit ihr es mal gehört habt: Es ist auch wirklich redlich, sich seine Bibel in die Hand zu nehmen und auch davon zu sprechen, dass es Wort Gottes ist. Ihr könnt euch diese drei Passagen aufschreiben. Warum sage ich aufschreiben? Darüber hat Wayne Grudem in seiner Dogmatik nicht geschrieben. Vielleicht werde ich ihn darauf hinweisen, dass er das noch ergänzen kann.
Und zwar in Markus 7,9 zitiert Jesus in einer Debatte das Gebot Gottes, wie es heißt, und er kritisiert die Pharisäer, dass sie durch ihre menschlichen Traditionen das Wort Gottes ungültig machen. Und es ist interessant: Hier ist genau diese Wendung, das Wort Gottes, und vorher hat er die Gebote zitiert aus dem Alten Testament und sagt: Ihr bringt mit euren Traditionen hier einen Keil rein. Das aber, was ich gerade gelesen habe, die Gebote Gottes, sind Wort Gottes, und ihr macht es ungültig. Also Jesus sah die verschriftlichte Form, die Bibel seiner Zeit, als Wort Gottes.
In Johannes 10,34-35 zitiert Jesus wieder aus dem Gesetz, heißt es wörtlich, und bezeichnet dieses Gesetz als Schrift. Und kurz darauf nennt er es Wort Gottes. Schrift, Wort Gottes – es ist alles für Jesus auf einer Ebene. Er sagt nicht: Okay, das sind zwar irgendwie respektable Schriften, aber es ist nicht Wort Gottes, weil das noch mal etwas anderes ist. Nein, das ist Wort Gottes, was wir in den Gesetzen lesen.
Und so zitiert Paulus in Römer 3 und auch in Römer 2 aus dem Gesetz. Er sagt und betrachtet dieses zitierte Gesetz als Wort Gottes, das den Juden zuerst anvertraut wurde, also das sie einfach nur an die Hand bekommen. In diesen drei Versen finden wir im Neuen Testament, dass das Geschriebene, was wir lesen, nicht einfach als Worte von Menschen über Gott ist, sondern dass das, was wir lesen können, natürlich von Menschen geschrieben ist, aber es betrachtet wurde als Wort Gottes.
Da denkt man: Ah, sind das nicht so Spitzfindigkeiten? Der Unterschied ist wie Himmel und Hölle. Jeder von uns kann Dinge über Gott sagen, kann seine Thesen und Theorien, seine Erfahrungen über Gott aufstellen. Aber es ist ein gehöriger Unterschied, ob ich Worte über Gott erzähle oder ob es Gottes Worte sind, die ich lese. Denn wenn ich Dinge über Gott höre, ja, wer sagt mir, dass das auch von Gott autorisiert ist? Das sind vielleicht deine Meinungen, das sind vielleicht deine Überzeugungen. Aber mich interessiert, ob es Gottes Gedankengut ist, ob es Gottes Ideen sind, die hier gerade entfaltet werden. Ist es einfach nur etwas, was ich aus meiner Erfahrung irgendwie auf Gott zuschreibe, oder stellt sich Gott dazu und sagt: Das sind meine Gedanken, die ihr, liebe Menschen, wissen sollt?
Deswegen ist es wichtig, dass wir die Bibel auch mit dieser Begrifflichkeit Wort Gottes bewahren. Daran krankt im Prinzip auch die freikirchliche Szene aus meiner Sicht in Deutschland, dass man sich der Bibel nähert als ein einfach historisches Produkt, was es ja auch durchaus ist. Du kannst es ja auch historisch untersuchen, das ist ja auch alles in Ordnung. Aber es gibt nun einmal auch diese Komponente, dass diese Schriften als göttlich betrachtet werden. Wenn ich das rausnehme, dann ist es ein Buch unter vielen und hat überhaupt nicht mehr diese Durchschlagskraft. Dann sage ich einfach: Das ist nur ein Produkt, zum Beispiel das Neue Testament, von frommen religiösen Juden des ersten Jahrhunderts, die beschrieben haben, wie sie Gott erlebt haben. Aber wir erleben heute Gott ganz anders. Und dann kannst du jede Forderung, die Gott an uns stellt, einfach umdrehen und sagen: Na, das fordert er heute nicht mehr von uns, weil wir Gott heute ganz anders erleben. Aha, schön, was du erlebst.
Wenn es nur Worte von Menschen über Gott sind, ihre Gedanken, dann verlieren wir hier eine ganze Menge. Deswegen müssen wir sehr darauf achten, wie selbst Jesus zum Beispiel die Schriften beschreibt. Es sind nicht einfach nur Erfahrungsberichte, sondern es ist von Gott autorisiert und hat damit seine Legitimation, auch in unser Leben hineinzusprechen.
Gut, ich möchte gerne mit euch in 5. Mose 31 hineingehen und mal vier Verse lesen. Zu weiten Teilen zitiert Grudem sie auch in seiner Dogmatik, weil man an diesen Versen sehr gut erkennt, dass die schriftliche Form von Gottes Wort nicht einfach nur irgendwie Second-Hand-Erfahrungen sind, von denen wir lesen, die aber mit unserem Leben nichts zu tun haben, sondern dass das Wort Gottes in schriftlicher Form genauso mächtig in unser Leben hineinkommt und auch mit demselben Anspruch kommt, als wenn Gott selber mit uns gerade im Garten spazieren würde und mit uns reden würde.
Und Mose schrieb dieses Gesetz auf. Wir befinden uns gerade am Ende der Tora, der fünf Bücher Mose, so ziemlich in den letzten Kapiteln. Und Mose schrieb dieses Gesetz auf und gab es den Priestern, den Söhnen Levi, die die Lade des Bundes des Herrn trugen, und allen Ältesten von Israel. Und Mose befahl ihnen und sagte: Am Ende von sieben Jahren, zur Zeit des Erlassjahres, am Fest der Hütten, wenn ganz Israel kommt, um vor dem Herrn, deinem Gott, an der Stätte zu erscheinen, die er wählen wird, sollst du dieses Gesetz vor ganz Israel ausrufen lassen vor ihren Ohren. Versammle das Volk, die Männer und die Frauen und die Kinder und deinen Fremden, der in deinen Toren wohnt, damit sie hören und damit sie lernen und den Herrn, euren Gott, fürchten und darauf achten, alle Worte dieses Gesetzes zu tun, und ihre Kinder, die es nicht wissen, sollen zuhören, damit sie den Herrn, euren Gott, fürchten lernen alle Tage, die ihr in dem Land lebt, in das ihr über den Jordan zieht, um es in Besitz zu nehmen.
Also: Mose verschriftlicht etwas, um es für die darauffolgenden Generationen auch zu konservieren, zu bewahren, damit man in entsprechender Art und Weise auch in Gemeinschaft mit Gott lebt. Deswegen sehen wir den Verschriftlichungsauftrag immer wieder im Alten Testament, zum Beispiel in Jesaja 30,8. Dort heißt es: Geh nun hin, schreib es bei ihnen auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch ein, damit es für einen künftigen Tag als Zeuge bleibt bis in Ewigkeit.
In der Dogmatik siehst du noch andere Verse, wie zu Jeremia dasselbe gesprochen wird, auch zu Habakuk, glaube ich, wird das auch gesagt, wo man lesen kann, wie Gott diesem Propheten sagt: Das, was ich dir jetzt sage, schreib das auf. Also der Verschriftlichungsauftrag dient dazu, dass andere es auch lesen sollen und damit das Wort Gottes einer größeren Anzahl von Menschen über die Zeit auch zugänglich ist und auch auf das Leben wirken kann.
Und das sehen wir auch im Neuen Testament, dass die Apostel in derselben Autorität wie die alttestamentlichen Propheten gewirkt haben. Keine Sorge, wir sind bald durch, und dann reden wir miteinander. 1. Korinther 14,37-38. Dort schreibt Paulus: Wenn jemand meint, ein Prophet oder sonst ein Geistbegabter zu sein, so erkenne er, dass das, was ich euch schreibe, ein Gebot des Herrn ist. Wenn aber jemand das nicht erkennt, so wird er auch von Gott nicht erkannt.
Paulus möchte die Sensibilität der Christen dafür erhöhen: Wenn ihr verschriftlicht das Wort Gottes lest, dann begegnet ihr Gott selbst, der zu euch redet, der sich an euch wendet, der an euer Herz appelliert. Was ich zu euch schreibe, liebe Korinther, ist nicht einfach etwas, wo man sagt: Das ist seine Meinung, das ist seine Meinung, ich habe meine Meinung. Wir haben die Beauftragung von Jesus, es euch zu sagen, als wenn der Herr es euch selbst sagt.
Daraufhin schlussfolgert Wayne Grudem auf Seite 56: Einmal mehr müssen wir festhalten, dass diese Worte immer noch als Gottes eigene Worte betrachtet werden, obwohl sie zumeist von Menschen und immer in menschlicher Sprache niedergeschrieben wurden. Dennoch sind sie absolut autoritativ, also sie haben Autorität in deinem Leben, und absolut wahr. Und jetzt kommt wieder dieser gleiche Satz: Ihnen nicht zu gehorchen oder nicht an sie zu glauben ist eine schwere Sünde und zieht das Gericht Gottes nach sich.
Er wird dann in seinem letzten Punkt den Schwerpunkt unserer Studie darlegen, dass man, nachdem er aufgefächert hat, was unter dem Wort Gottes alles zu verstehen ist, dass dieser letzte Punkt der Schwerpunkt ist dessen, was hier in dieser schweren Dogmatik behandelt wird. Und zwar wird das analysiert, was wir zwischen diesen beiden Buchdeckeln finden, weil das hier Autorität hat. Und weil es vertrauenswürdig ist, weil in der Bibel verschriftlicht das Wort Gottes als Autorität betrachtet wurde, ist es unsere Aufgabe, alle möglichen Themen, die Gott uns wissen lassen möchte, sorgfältig zu behandeln und zu hören, was Gott uns zu sagen hat, was wir über alle möglichen Themen denken, glauben und handeln sollten oder uns auch fernhalten sollten, je nachdem.
Und weil dieser letzte Punkt, Gottes Wort in schriftlicher Form, weil dieser Punkt wahr ist, haben auch Gläubige zu allen Zeiten schon die Heilige Schrift studiert. Das ist nicht etwas, was Wayne Grudem sich auch überlegt hat, sondern was schon immer da war. In Psalm 1,1-2 kennen wir dieses Wort: Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn, und über sein Gesetz sinnt er Tag und Nacht.
Übrigens ganz kurz etwas zu dem Begriff des Gesetzes. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hatte lange Zeit so eine Aversion, wenn ich in der Bibel, vor allem im Alten Testament, vom Gesetz gelesen habe. Das hatte bei mir irgendwie so eine negative Konnotation. Geht es hier jemandem ähnlich, oder bin nur ich da so allein? Das ist so irgendwie: Du kannst das hebräische Wort Gesetz auch komplett übersetzen als Weisung. Das hat irgendwie ja Wegweisung, Gesetz, so als wenn immer ein Polizist um die Ecke kommt und dir die Leviten liest. Wisst ihr, was ich meine? Aber diese Färbung des Begriffs Gesetzes ist im Hebräischen natürlich. Hat es auch etwas Ehrfurchtgebietendes, das ist selbstverständlich, ja. Aber wenn der Hebräer dieses Wort liest, Gesetz, dann hat er nicht vielleicht deine und meine Färbung so ganz oben auf, sondern es ist Wort Gottes, um dein Leben zu formen und zu prägen, natürlich dich auch zu warnen, aber deinen Weg zum Leben zu weisen. Also es ist viel vielfältiger, als wir das manchmal fühlen.
Auf jeden Fall, die Psalmen beginnen damit: Worüber soll nachgesonnen, nachgedacht werden? Es geht um die Worte Gottes. Darüber soll man nachdenken, dass man da nicht hier, ich hätte jetzt fast die Dogmatik von Wayne Grudem genommen, dass man hierüber nachdenkt und sich da rein versenkt.
 Josua 1,8: Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen, und du sollst Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, nach alledem zu handeln, was darin geschrieben ist. Denn dann wirst du auf deinen Wegen zum Ziel gelangen, und dann wirst du Erfolg haben.
 2. Timotheus 3,16-17, was der Bruder eben gerade gelesen hat: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig ist, für jedes gute Werk ausgerüstet. Also das Nachforschen in dem Wort Gottes, was geschrieben ist, soll diese Konsequenz in unserem Leben haben.
 Johannes 5,39 greift Jesus etwas auf, was gang und gäbe war unter den religiösen Menschen, den Gläubigen der damaligen Zeit: Ihr erforscht die Schriften. Ist ja gut. Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben. Interessant, das war deren Ausgangspunkt. Die Schriften sind wichtig für uns. Wir studieren die Schriften, um das ewige Leben zu finden. Und Jesus schlussfolgert natürlich: Und sie sind es, die von mir zeugen. Das war dann seine Kritik. Ihr sucht in den Schriften, aber ihr wollt das Wort Gottes. Wenn es vor eurer Nase steht, dann missachtet ihr es, weil dann doch eure Menschentraditionen euch im Wege stehen und ihr doch eure eigenen Gesetze lieber habt, eure eigenen Weisungen lieber habt als die Weisung Gottes, die vor euch gerade steht.
 Apostelgeschichte 17,11, vielleicht eine der bekanntesten Passagen dazu: Die Juden in Beröa aber waren edler als die in Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte.
Genau, das ist der Schwerpunkt der Studie des gesamten Buches. Aber Wayne Grudem lag es daran, dass er mal alle Facetten aufschlüsselt und wir die Redeweise vom Wort Gottes in seiner Vielfalt auch kennenlernen und auch erkennen. Und ich denke, das ist etwas, was wir vielleicht manchmal vergessen. Und deswegen bin ich sehr dankbar, dass er so startet.
Wenn wir davon lesen, dass Gott zu jemandem direkt spricht, dann weckt das Ehrfurcht in uns und auch eine gewisse Faszination. Wenn wir dann lesen, wie ein Prophet spricht und die Leute diesen Propheten hören, wie er mit Vollmacht Gottes Wort sagt, das ist auch eine gewisse Faszination. Aber welche Faszination packt uns, wenn wir eben gerade gelernt haben, dass dieselbe Autorität, dasselbe Level an Herrlichkeit in der Schrift verborgen ist, so als wenn wir mit Gott im Garten spazieren, so wie Adam und Eva von Gott zu sprechen?
Deswegen ist es wichtig, diese Einheit ganz zu Anfang zu kriegen. Ich hoffe, ihr merkt: Die praktische Relevanz von dem, wie dieses Buch hier auch aufgebaut ist, geht nicht einfach nur darum, hey, ich kann fünf Formen des Wortes Gottes aufzählen, sondern es dient dazu als Herleitung. Wie gern würdest du die Stimme Gottes eins zu eins hören? Boah, super gern! Wie gern möchtest du morgens aufstehen und deine Bibel aufschlagen? Hab nicht so den Bock. Wie kann das sein?