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Für euch in den Tod gegeben

Lukas 22,7-2328.03.1999
Warum gibt gerade das Kreuz Frieden? Jesus hält an dir fest, obwohl Schuld und Verrat mitten am Tisch sitzen. Sein Opfer ist kein Ritual – sondern echte Vergebung für heute.
Wir lesen die Passionsgeschichte, und heute möchte ich mit dem Abendmahl beginnen, weil man das meist in der Vergangenheit immer am Gründonnerstag gelesen hat. Ich wollte es heute einmal zum Palmsonntag hinübernehmen.
 Lukas 22,7-23
Es kam nun der Tag der ungesäuerten Brote, an dem man das Passalam opfern muss. Und Jesus sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passalam, damit wir es essen.
Sie aber fragten ihn: Wo willst du, dass wir es bereiten? Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr in die Stadt hineinkommt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug. Folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht, und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist der Raum, in dem ich das Passalam essen kann mit meinen Jüngern? Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen ist. Dort bereitet es.
Sie gingen hin und fanden es, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalam. Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder, und die Apostel mit ihm. Und Jesus sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalam mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes.
Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch. Denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt. Und er nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.
Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch. Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie es beschlossen ist; doch weh dem Menschen, durch den er verraten wird. Und sie fingen an, untereinander zu fragen, wer es wohl wäre unter ihnen, der das tun würde.
Ihnen ist doch auch dieses bekannte Bild von Leonardo da Vinci vertraut, das im Speisesaal des Klosters della Grazia in Mailand hängt, nein, auf die Wand gemalt ist. Da sieht man es, und es fällt auf, wie die Jünger an der Seite rechts und links genau verteilt sind. Sie reden miteinander, gestikulieren, einige stehen, einige sitzen. Es ist eine Unruhe darin. Bloß Jesus in der Mitte sitzt da. Man kann nur sagen: Es ist der Herr. Er ist der Handelnde, er ist der Mittelpunkt des Bildes, er teilt das Mahl aus.
Es ist gut, wenn wir in die Passionswoche hineingehen und uns das wieder vergegenwärtigen. Jesus wusste genau, was auf ihn zukommt, dass sein Tod bevorsteht, dass schweres Leiden kommt. In solchen Augenblicken reagieren wir hektisch, voll Unruhe, möchten noch ein paar Dinge lösen, ein paar Dinge organisieren.
Prägen Sie sich dieses Bild ein: Auch in der ganzen dunklen Nacht des Leidens und Sterbens Jesu, in der Dunkelheit, in der Finsternis, geht Jesus hindurch. Als der Herr ist er die Mitte, und er handelt. Er will uns etwas geben. So wie er damals all das geordnet hat, als er seine Jünger schickt und sagt: Schaut nach einem Saal, dann müssen die nicht an vielen Türen klopfen. Es ist alles schon vorbereitet. Kommt, es ist alles bereit. Geht dort hin, dort werdet ihr einen Mann finden, und wenn er dem bloß sagt: Der Herr bedarf seiner, dann wird er euch alles geben. Der Saal ist gerichtet, ihr braucht bloß noch einzutreten.
In dieser Passionswoche sind wir nur die Beschenkten. Wir wollen und sollten Zeit haben, vor Jesus still zu werden und zu sagen: Was hast du für mich? Denn das macht Jesus ganz deutlich: Alles, was da geschieht, ist für dich, für dich. Du brauchst dich sonst nicht zu kränken, du brauchst nichts Kompliziertes zu denken. Du brauchst dich nicht belasten zu lassen von dem unheimlichen Grauen, das in der Welt geschieht, sondern freu dich, dass Jesus dir einen großen Segen bereit hat, dass Jesus dir in diesen Tagen begegnen will. Er will dich überschütten mit Gutem, er will dich beschenken, er will dir geben.

Die verborgene Mitte des Geschehens

Mein erster Punkt heute: Daran scheiden sich aber die Geister.
Wenn Sie noch einmal darauf achten, was Jesus da tut bei diesem Passamal: Er nimmt Brot und Kelch. Eigentlich sind das ja alltägliche Dinge. Gibt es einen Tag, an dem Sie kein Brot in der Hand haben? Das ist für unser Leben ganz normal. Wir haben täglich mit Brot zu tun oder auch mit einem Becher, aus dem wir trinken.
Das ist ja wieder kennzeichnend für Jesus, überhaupt für das Evangelium. Man muss immer wieder solche kleinen Besonderheiten hervorheben, dass Jesus mit Vorliebe seine Grössengaben in ganz alltägliche Dinge hineinpackt, in das Brot, in den Kelch. Wir können dann klagen und sagen: Aber Herr Jesus, du nimmst doch die Welt nicht zur Kenntnis. Du musst die Sachen gross herausbringen, mit Werbeetat. Du musst das in die Welt hinausschreien und da richtig ein grosses Geschrei machen. Das macht Jesus nie.
Die Sache ist: Jesus läuft still und lautlos durch die Welt. Jesus baut sein Reich im Verborgenen. Nicht, dass wir uns verstecken brauchten, aber es ist oft so, dass bei den grossen Aktionen vielleicht Jesus manchmal gar nicht dabei ist. Und dass er dann bei denen ist, die im Vertrauen auf ihn in aller stillen Arbeit bei den Schwachen und Geringen sind.
Es ging doch ihnen so wie mir, dass man beim ersten Abendmahl gedacht hat: Das ist doch komisch. Und vielleicht denken Sie heute noch manchmal: Soll ich denn zum Abendmahl gehen? Könnt ihr daheim festhalten? Und dass da Jesus ein Geheimnis hineinlegt, unter Brot und Wein sich selbst ganz neu uns zu geben. Verstehe, wer es will.
Ich habe oft gedacht, da stossen sich Menschen vielleicht an der Form, wie wir das Mahl feiern. Da erlebe ich immer wieder, wie sehr das sie anspricht, wie sie Christus begegnen auf eine ganz besondere, wunderbare Weise. Aber scheiden sich trotzdem da auch am Abendmahl die Geister.

Der Anstoß am Kreuz und an der Vergebung

Es haben alle Evangelisten diese grausame Geschichte erzählt, die man kaum über die Lippen bringt. Man wollte immer weiter grübeln: Was war denn da los, dass einer ausgerechnet aus dem engsten Vertrauenskreis um Jesus an Jesus irre wird, dann zu den Feinden geht und nicht ruht, bis er Jesus ans Messer geliefert hat? Gibt es denn so etwas?
Ja, das gibt es. Und das gibt es genau da, wo Jesus seine größten Gaben austeilt. Das steht in der Leidensgeschichte. Da steht drin, wo Jesus das größte Heil und die größte Erlösung schafft, eine Versöhnung für die Welt, wie es nie mehr sonst geben wird. Und ausgerechnet da ärgert sich einer der Jünger, wird daran irre.
Und man rätselt dann: Was war denn der Grund? Ja, es ist doch so schwierig. Er hat nicht begriffen, was da geschieht. Wer will es denn auch begreifen? Und sein Verstand lehnt sich auf und sagt: Was, Jesus am Kreuz? Jesus sterbend? Jesus leidend? Sicher wollte er einen triumphierenden, mächtigen Christus haben. Wollten sie das nicht alle? Und er ärgert sich über den schwachen Jesus. Und dann legt er noch selber die Hand an, dass Jesus verraten wird, dass Jesus überantwortet wird und weggeführt wird.
Ja, das hat Jesus den Jüngern gesagt: In dieser Nacht werdet ihr irre an mir werden. Und das ist so wichtig, dass wir nicht irre an Jesus werden, ganz besonders da, wo er vor uns in ganzer Schwachheit, in der Armut des Leidens, vor uns steht als der Gekreuzigte.
Dann haben Sie ja mitbekommen, dass in unseren Tagen auch in unserer Kirche das längst nicht mehr allgemein gut ist, was wir im Glauben bekennen von Jesus Christus, dem Gekreuzigten. So wie wir es mit den Konfirmanden noch lernen in den Worten Martin Luthers: der mich, verlorenen und verdammten Menschen, erlöst hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels. Da gibt es ja dann andere Deutungsversuche. Oh ja, es meint jeder sehr echt und redlich ernsthaft.
Meinen Sie, wir könnten den Tod Jesu anders deuten, als er es selber deuten konnte? Meinen Sie, einer könnte den Anspruch erheben, das sei die richtige Interpretation des Leidens Jesu, wenn es doch den Worten Jesu widerspricht? Und wenn in diesen Tagen selbst in der Zeitung noch die Aufregung hörbar wurde, dass beim Kirchentag beim Abendmahl Symbole anderer Religionen gerade beim Abendmahl aufgestellt werden sollen, welche anderen Symbole eigentlich?
Wissen Sie, dass das die Not der Kirche immer war, dass sie aus dem Opfer Jesu etwas anderes machte? Hochaltäre, eine Gabe der Gemeinde an Gott? Nein, das ist doch keine Gabe der Gemeinde an Gott. Das Abendmahl als Messopfer. Ich weiß noch, wie beglückt ich war als junger Kerl, wie wir das Abendmahl feierten, auf Sesseln, in unserer Freizeitkleidung, und wie das mir immer so eindrücklich blieb: Das ist ein Geschehen zwischen Jesus und dir, und nichts braucht dazwischen zu treten. Das ist keine hochkirchliche Form.
Ich habe es immer gern gehabt, auch wenn Sie es einander gereicht haben, dass Sie den priesterlichen Dienst tun. Warum soll das noch ein Pfarrer tun dürfen, wo Jesus seine Jünger darauf gefordert hat: Tu das! Im Namen Jesu einander dies zusprechen, was denn das Größte ist, heute das Thema des Friedens: für dich in den Tod gegeben!
Es kann gar keine andere Interpretation geben. Und dann brauchen wir auch keine Symbole, erst recht nicht Symbole, die mit dem Abendmahl überhaupt nichts zu tun haben. Im Gegenteil: Es gibt nur in der ganzen Welt ein Opfer für die Sünden, zu tragen und zu büßen. Das ist das Opfer Jesu für mich. Es gibt keine andere Erlösung.
Sie können alle Religionen studieren, im Buddhismus nicht und im Hinduismus nicht und, wo Sie lesen wollen, im Islam nicht. Jesus starb für mich. So als hätten Spurgeon, der so gewaltig gepredigt hat, sagte: Seine ganze Theologie liegt in diesen vier Worten: Jesus starb für mich.
In ihrer Todesstunde gibt es gar nichts mehr anderes, was ihr Leben aufwiegen kann, nicht ihre Verdienste, nicht das, was sie gearbeitet haben, sondern nur das Opfer Jesu, das sie lösen kann. Man kann es ein bisschen flapsig sagen: Wenn ein Fußballprofi nicht mehr weiß, in welches Tor er schießen soll, ins obere oder ins untere, dann kann er vom Platz gehen. Und wenn ein Metzger überzeugter Vegetarier wird, dann muss er sein Geschäft aufgeben. Und wenn Christen nicht mehr wissen, was die Mitte des Evangeliums ist, dann ist der Konkurs nicht mehr weit.
Die Mitte des Evangeliums: Jesus Christus für mich gestorben, für mich geopfert. Aber das verstehen die Menschen nicht. Hat Judas das verstanden? Daran scheiden sich die Geister. Wer kann das denn verstehen? Man kann es dankend anbeten, rühmend preisen.

Das Lamm und die Not des Menschen

Jesus hat ja in der Passanacht gefeiert. Erinnern Sie sich an die Passanacht, als der Würgengel durch die Straßen zog? Waffe Israel ist bis heute immer wieder ganz präsent. Eine Erfahrung: Wir sind im Angesicht des Todes bedroht von den Feinden. Als die Hinwegeilenden in der Kürze unseres Lebens feiern wir das Mahl.
Sehr interessant: Aus diesen Berichten wird gar nichts gesagt, ob sie denn das Lamm gegessen haben. Es steht gar nichts da von dem Fleisch, das war das Entscheidende bei dem Passalam. Jesus nimmt das Brot, das flache Matzenbrot, er nimmt den Kelch und gibt den weiter, und dann sagt er ja dazu: Ich bin das Passalam. Das war doch das Handeln.
Kurz nach dem Tod Jesu, etwa jetzt seit fast zweitausend Jahren, kann kein Jude mehr ein Passalam essen. Darum war es immer wieder auch Liederdichtern so wichtig. Sie finden das immer wieder, dass Jesus als Lamm bezeichnet wird. Das ist nicht die altmodische Bezeichnung, sondern es knüpft an dieses Opferlamm an und drückt das deutlich aus. Jesus ist das Lamm, das geschlachtet ist, so wie damals die Israeliten in Ägypten den Türpfosten nach der Hausvater bestrichen, mit Blut zum Zeichen: Wir leben im Schutz dieses Lämmleins, das für uns gestorben ist.
Jetzt sagt Jesus: Jetzt erneuert es sich. Das ist mein Leib, der gebrochen wird und der euch gegeben wird. Das ist mein Blut, für euch dahingegeben. Wenn ich leben darf heute und bewahrt bleibe, auch im Grauen des Todes, vor den Versuchungen des Feindes, dann kann mich nur dieses Opferlamm, Jesus, der Sohn Gottes, schützen, der für mich dahingegeben ist. Für euch, für dich. So hat Jesus noch einmal in den Einsetzungsworten so klar unterstrichen: für dich, für nichts anderes, für dich. Damit wir Frieden hätten und damit unsere Wunden durch dieses Opferlamm geheilt sind.
Seitdem der Tempel von Jerusalem zerstört ist, wird kein anderes Opferlamm mehr gegessen. Und für uns ist wichtig, welches Opferlamm wir brauchen und was wir haben. Aber jetzt möchte ich Ihnen einen zweiten Punkt sagen. Für mich ist das bitter nötig.
Heute wird immer wieder darauf verwiesen, dass der moderne Mensch nicht mehr unter seiner Schuld leide und dass er gar kein Interesse hätte, sich überhaupt zu bekümmern, wie er Vergebung der Sünden kriege. Wissen Sie, woher das kommt? Das ist unsere oberflächliche Art, unsere materialistische Art, wo wir uns nie bewusst machen, dass der Mensch vor dem Gericht Gottes sein Leben verantworten muss. Da braucht man auch keine Vergebung der Schuld. Und da der moderne Mensch Gott nicht fürchtet, bekümmert er sich auch nicht um die Erlösung. Aber ich denke, das war schon bei Kain so, der seinen Bruder Abel erschlagen hat. Das hat ihn nicht besonders tief bekümmert.
Wir bekümmern uns ja heute, wie wir die Welt verbessern. Jeder von uns hat noch einen Tipp bereit, wie er den Konflikt im Kosovo lösen kann. Aber dass wir selber zu dieser unheilvollen Welt gehören, ein Teil dieser unheilvollen Welt, das wollen wir nie wahrhaben. Wenn Jesus an dieses Geschehen der Passanacht erinnert, als die Israeliten in Ägypten bedrückt waren, in der Angst, wie sie überhaupt überleben können, da hat doch Jesus nur angerührt und hat seinen Jüngern Verständnis gezeigt: Ich kenne euch doch, ihr lebt doch in dieser Angst der Welt, ihr lebt doch im Todesschatten. Ihr lebt doch in dieser von Streit zerrissenen Welt, ihr seid doch verkrampft in der Feindschaft und in den Spannungen mit den anderen.
Unsere Sinne sind doch zerrüttet, unsere Wünsche und Begierden sind doch von schmutzigen Dingen zerstört und verwüstet. Es ist so viel, was bei uns kaputtging. Es gibt doch gar kein intaktes Stück mehr. Wenn man sagt: Ich habe mir nichts vorzuwerfen, wenn man immer wieder in der Zeitung liest, dass da plötzlich in irgendeinem schönen Wiesental irgendwelche Chemieabfälle gefunden werden, Altlasten sagt man, denke ich mir wieder: Das ist wie in unserem Leben. Plötzlich, nach Jahren, stößt man ja darauf: Da ist so eine Altlast in meinem Leben. Nie bereinigt, nie bewältigt. Da gibt es so vieles im Unterbewussten, bei uns versunken.
Kein Tag, keine halbe Stunde, wo wir nicht aneinander schuldig werden, wo wir nicht das Ebenbild Gottes zerstören. Natürlich die brennendste Frage der ganzen Welt: Nicht, wie kommen die anderen aus ihren Schuldverpflichtungen heraus, wie komme ich raus, wie kann ich mich denn lösen, wie will ich mich denn lösen, dass ich sage: Ab morgen wird alles anders. Ja, ja, das ist die Tageslosung, jeden Morgen neu: Ab morgen wird es anders. Wie soll ich es denn ändern können? Ich kann es doch gar nicht ändern. Wie der Prophet sagt: Wie soll ich mich denn wandeln können, da ich das Böse so an mir trage? Sagt er, wie kann ein Mensch, wenn er eine schwarze Haut hat, eine weiße haben? Wie soll ein Leopard oder ein Zebra sein Fell wandeln können? Das ist doch uns so gegeben, dass doch unser Wesen, wir sagen es doch immer, unsere menschliche Art mit all den Schwächen.
Schon der Mose hat einst am liebsten jedoch stellvertretend für das Volk gelitten. Es war nicht möglich: Herr, tu mich hinweg für das Volk, lass das Leben. Paulus hat auch stellvertretend für Israel sterben wollen. Es gibt nicht, dass ich für einen anderen sterben kann. Eine Mutter kann nicht für ihren Sohn sterben.
Und wenn dieses Opfer genannt wird, dann denken wir an heroische Feuerwehrleute oder die Männer von der Bergwacht, die vielleicht auch ihr Leben riskieren, oder einer, der für die Wissenschaft seine ganze Kraft einsetzt. Denn Jesus ist ja noch viel mehr: Er opfert sein Leben für unwürdige, verschuldete, versündigte Menschen, für mich. Und das ist bitter nötig. Ich brauche das gerade in dieser Passanacht. Erinnern wir uns: Er ist das Opferlamm für dich geworden, für dich in den Tod gegeben. Nimm es, nimm es doch für dich, für belastete, verlorene, ausgegrenzte und schuldige Leute, die Jesus wieder zu Gott zurückbringen will, mit Gott versöhnen will.

Die Vollendung des Reiches und die Freude der Versöhnung

Aber noch ein Letztes will ich anfügen: Da erfüllt sich etwas ganz Großes. Das Abendmahl ist nicht bloß zur Vergebung der Schuld da, der Kelch, sondern Jesus sagt: Bis das Reich Gottes kommt, werde ich es nicht mehr trinken. Oder heißt es nachher noch einmal, das erfüllt, bis es sich erfüllt wird im Reich Gottes.
Da denkt man immer, das ist wahrscheinlich in der Ewigkeit. Nein, das Mahl, das Jesus gestiftet hat, spricht mir die Frucht, das Ergebnis des Opfertods Jesu, den Segen einfach zu: Du bist versöhnt mit Gott, du bist gerecht geworden!
Und ich wollte, dass Sie fröhlich von hier weggehen. Wir feiern heute ganz bewusst das Abendmahl nicht. Jetzt dürfen Sie sich in den Gedanken auch in den nächsten Tagen damit beschäftigen. Aber es ist ja auch der Zuspruch der Vergebung, den ich Ihnen heute gerne zuspreche, dass der Tod Jesu jetzt, heute, in diesem Augenblick alle Schuld wegnehmen will, die Sie bedrückt, die Sie belastet, die Sie bekennen und die Sie bereuen.
Aber das ist so wunderbar: Dann will Jesus doch durch dieses Opfer ganz eng mit Gott verbinden. Er will doch in ihnen Wohnung machen, er in ihnen und sie in ihm. Das war Jesus wichtig, ganz eng verbunden. So wie er es ausgedrückt hat im Bild vom Weinstock, wie die Reben am Weinstock sind, dass wir so fest mit ihm, dem Herrn, verbunden sind. Das war doch die Kraft, wenn in dieser Welt Neues geschehen ist: Liebe, Versöhnung, Frieden.
Das ist doch dort geschehen durch erneuerte Menschen, die herausgerissen waren aus der Macht der Finsternis, hineinversetzt waren ins Reich Jesu und jetzt plötzlich in seiner Macht und in seiner Kraft wirken können. Lebe doch die Freude der Vergebung. Es erfüllt sich: Heute ist das Reich Gottes angebrochen, wo Christus in deinem Leben Wohnung macht. Und das verbindet uns als Christen, die einzige Einheit, die es zwischen Christen gibt.
Organisatorische Einheit gibt es nicht in dieser Welt. Wir sind alle sehr verschieden und denken sehr verschieden. Das Geheimnis ist, dass Christen mit ganz verschiedenen Denkungsarten zusammenkommen, die nur das eine verbindet: Wir haben von diesem Brot gegessen und von diesem Kelch getrunken.
Es mag in unserer Welt so sein, dass selbst unter Christen viele nicht mehr nötig halten, vom gekreuzigten Jesus zu reden. Für uns bleibt das Erkennungszeichen das, was uns verbindet, das, was mein Leben trägt. Und ich darf fröhlich meine Straße ziehen im Frieden Gottes, weil ich in Jesus und in seiner Vergebung ganz herrlich geborgen bin, immer und ewig. Amen.