Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein gemeinsamer Morgen und ein altes Gebet
Jetzt ist es schön, dass Luthers Morgensegen in dem Buch drin ist. Den wollen wir miteinander beten, Nummer 803.
Und zwar ist das zuerst erklärt. Beim Altluther hieß es: morgens, wenn du aus dem Bette fährst. Aber jetzt geht es bei uns nicht mehr so arg schnell. Deshalb heißt es hier: Aufstehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des Heiligen Kreuzes und sagst das Wahl die Gottvater, Sohn und Heiliger Geist, darauf kniend unterstehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.
Und jetzt sprechen wir miteinander dieses schöne Gebet Luthers, den Morgensegen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast. Und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen!
Das ist ja auch so eine interessante Biografie des Heinrich Schütz, der ja nur so kurz verheiratet war und an seine Frau so früh hergekommen ist, der Vater von Heinrich Albert, und dann nie mehr geheiratet hat, obwohl er die zwei kleinen Kinder hatte, der mit der ganzen Liebe an seiner Frau hing und der dann die Psalmen Davids dort vollends vertont hat.
Wenn wir die heute hören in der Kirchenmusik, dann muss uns das schwere Leid von Heinrich Schütz auch bewusst sein, aber auch Heinrich Albert. Das ist im zweiten Band unserer Liedersammlung dort: Den Kummer sich vom Herzen singen, ist das beschrieben.
Der Auftrag der Gemeinde und die erste soziale Krise
Nun kommen wir an die Diakonie, heute an die Wahl der sieben Armenpfleger, Apostelgeschichte 6.
In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden. Ein Murren ist etwas, das noch nicht offen ausgetragen wird, sondern eher unter der Decke bleibt. Man hat es nicht richtig fassen können, aber es war doch da.
Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.
Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut, und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia. Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie.
Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es ist immer eine Bestätigung Gottes, dass das richtig war, was sie gemacht haben, wenn Menschen zum Glauben kommen. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.
Da kommt das wieder mit dem Glaubensgehorsam, was wir gestern Abend hatten. Das war ja wichtig: gehorsam werden. Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen einige auf von der Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und der Alexandriner, die also aus Nordafrika und aus Ägypten kamen, und einige von denen aus Zilizien und der Provinz Asien. Sie stritten mit Stephanus, doch sie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geist, in dem er redete.
Spannungen in der Gemeinde und die Not der Benachteiligten
Jetzt ist es wichtig: Wir haben also wieder Missstände in der Gemeinde. Manche atmen auf und sagen dann: Dann ist es bei uns also nicht so schlimm. Doch, schlimm ist es immer. Es gibt immer Spannungen in den Gemeinden, aber auch in Werken, in Gruppierungen und in Missionen. Das darf uns nie beruhigen; unser Herr will das nicht. Es ist nicht so, dass wir uns damit abfinden sollen.
In der Urchristengemeinde war auch nicht alles ideal. Das liegt einfach daran, dass wir Menschen sind. Und wie gesagt: Wir tragen die Sünde auch an uns, auch als bekehrte Leute. Trotzdem müssen wir dagegen kämpfen.
Was war da passiert? Zunächst einmal: Was sind diese Griechen? Dieses Wort finden Sie auch immer wieder in den Evangelien, im Johannesevangelium, da kamen Griechen zu Jesus. Das waren keine Staatsbürger von Griechenland; das war ja damals alles das Römische Reich. Sondern das waren Juden, die vom griechischen Geist geprägt waren.
Das ganze Römerreich hatte ja das hellenistische Denken, die Philosophie der alten Griechen wie Sokrates und Platon usw. Das war beherrschend, auch im Römischen Reich. Das sind Leute, die von dieser Kultur geprägt waren. Da gab es einen großen Gegensatz in Israel: nämlich die strenggläubigen Juden, die sich ganz nach dem Alten Testament richteten, und dann gab es andere Juden, die mehr von dem neuzeitlichen griechischen Geist beherrscht waren.
So wie man heute erlebt, wie die amerikanische Kultur und die amerikanische Sprache mehr und mehr auch in unser deutsches Volk eindringt, so war damals das Griechentum und das griechische Denken eingedrungen. Das gab natürlich große Reibungspunkte. Zum Beispiel gab es zur Zeit von Jesus in Jerusalem eine Sportstätte, wo Sport getrieben wurde. Die Griechen haben ihren Sport streng nach Geschlecht getrennt getrieben, aber sie haben nur nackt Sport getrieben. Das war für Juden völlig undenkbar, strenggläubige Juden usw.
Das waren also große Spannungspunkte. Die griechischen Juden lebten für sich und die strenggläubigen orthodoxen Juden für sich, so wie wir es auch heute im Volk Israel immer wieder erleben. Sie kennen die, die Schläfenlocken haben und sich mit dem alten Kaftan kleiden, die in Schwarz sind als Trauer über die Zerstörung Jerusalems, und die modernen Juden, die oft freizügiger sind.
Und jetzt gibt es in der Christengemeinde auch diese zwei Gruppen: die griechischen Juden, also beide sind Juden, aber die einen sind freizügiger, und die strenggläubigen Juden. Da passiert es gerade bei diesem, was ja so toll war, dieser Essensverteilung. Vielleicht war das wie bei einem Gemeindebuffet, dass jeder eine Schüssel Salat mitbringt und der eine bringt Erdbeerrahm oder etwas mit, und dann hat man es auf den Tisch gestellt und alle haben sich bedient und gegessen. Aber wie es ja manchmal hier auch am Buffet ein bisschen eng hergeht und die Quereinsteiger in der Schlange stehen, kommen die Anständigen dann ganz schnell zu kurz. Und wer dann richtig Ellbogen hat, der kommt dann ganz schnell zu seinem Sach.
Da gab es irgendwo Gerangel um diese Sachen. Es ist ja immer interessant bei materiellen Dingen. Und die griechischen Juden, und jetzt vor allem die Witwen, wurden übersehen. Gestern hat mir hier eine Witwe wieder im Saal gesagt: Man findet als Witwe nicht mehr in die Gemeinschaft hinein. Mit ihrem Mann war sie ganz drin, und sie sagt: Seitdem ich Witwe bin, tue ich mich so schwer.
Eine Witwe hat mal gesagt: Es steht immer von den Witwen in der Bibel, aber die Witwen haben es noch schwerer. Sie wissen, wie das manchmal ist, wie man dann allein dasteht und da niemand ist, der für einen eintritt. Früher hat man zum Mann gesagt: Komm, und der hat dann für einen gesorgt. Und jetzt steht man plötzlich da wie sein Garten ohne Zaun.
Und die wurden übersehen bei der täglichen Handreichung. Und am Ende, wenn die dann ans Buffet vorgedrungen sind, dann war alles leer, die Schüssel leergekratzt, und dann sind sie wieder nach Hause gegangen. Sie hatten nicht bloß Kohldampf, sondern auch einen mächtigen Groll im Bauch und sagten: Das kann doch nicht wahr sein.
Und das ist nicht gut in einer Gemeinde. Wenn so etwas über längere Zeit hinweggeht, dann kommt die Bitterkeit. Sagen Sie nie: Das macht nichts aus, das ist ja meist auch in der Gemeinde so. Ja, ja, natürlich und so. Und doch: Im Geheimen schafft das immer weiter, und das ist letztlich nur so die innere Krache und der Grimm. Es tut immer weh, wenn man zurückgesetzt wird.
Und die Gemeinde ist nicht frei davon. Da gibt es Spannungen, ganz natürliche Spannungen. Und wer sagt, bei uns gibt es das nicht, der spinnt. In jeder Gemeinde gibt es solche Spannungen, weil wir aus verschiedenen Gruppen kommen. Einmal haben wir einen gewissen Bildungsgrad, wir haben unsere Herkunft, wir haben unser Denken.
Da sagen ja manchmal Leute, die zugezogen sind: Das ist schwierig, bei den Schwaben Anschluss zu finden. Die haben recht, wir Schwaben sind ganz komische Leute, und wir sind so eigen. Dabei sind wir so nett und so umgänglich, aber bis einer mal unser Vertrauen gewonnen hat, das dauert ganz arg lang. Und da kann man ihn abweisen, und das tut wahnsinnig weh.
Und dann hört man immer, dass die nach dem Gottesdienst in so Gruppen zusammenstehen. Ich bin neulich in meine alte Gemeinde gegangen und habe da so ein indonesisches Ehepaar beobachtet, die dort studieren, an der Uni. Nach dem Gottesdienst sind sie rausgelaufen, haben all die Gruppen angegangen, der Leute, die da miteinander gesprochen haben, und dann sind sie schließlich zur Straße gegangen. Niemand ist aus der Gruppe raus und hat ihnen eine Hand gegeben. Man muss es ja beobachten.
Da sagen sie: Ich bin so schüchtern, das weiß ich. Aber für die anderen ist es eben noch schwieriger, wenn man nicht auf sie zugeht. Man kriegt auch oft eine Abfuhr. Passiert mir auch, dass jemand sagt, es gäbe schon das zweite oder dritte Mal die Hand. Aber lieber doch zweimal, als dass man gar nicht auf Menschen zugeht. Es sind oft auch solche Leute, die Stacheln haben und auch abweisen können. Aber es ist ganz wichtig, dass man auf Menschen zugeht und sie grüßt.
Vielleicht haben Sie auch hier manchmal gewartet, dass ich auf Sie zugehe und Ihnen eine Hand gebe. Und das ist oft schwierig für Leute, die sagen: Gut, seitdem ich jetzt irgendetwas habe ... Wie ist das erst für Eltern, wo das Kind vielleicht wegen Drogenhandel im Gefängnis sitzt? Vielleicht wissen es die anderen Gemeindeglieder nicht, aber dann meinen die plötzlich, alle grüßen uns nicht mehr. Jetzt haben die sich abgerückt. Dabei ist gar nichts geschehen; man bildet sich das manchmal auch ein.
Es gibt alle möglichen Spannungen. Man leidet darunter und sagt: Die gucken mich so komisch an, die gehen an mir vorüber. Und dann gibt es in der Gemeinde Spannungen. Und man soll nie so tun, als ob die seelischen Gefühle das alles überdecken können. Das sind betrügerische Stimmen, wenn man sagt: Ach komm, wir singen miteinander Kanon, jetzt machen wir ein Spiel und jeder reicht sich die Hand und so. Da wird das ja nicht wirklich weggenommen. Im Gegenteil: Die seelischen Dinge machen die andere Not noch schlimmer.
Wir wollen eine echte Einheit haben, wo wir auch in unserer Verschiedenheit ernst genommen werden. Wir sind sehr verschiedene Leute, wir sind gar nicht gleich. Da gibt es junge und alte, wir haben verschiedene Geschmacksrichtungen. Die einen wollen am liebsten Gregorianisch singen, und die anderen wollen bloß immer mit der Band und so.
Da gibt es alle möglichen Spannungen in einer Gemeinde. Es gibt die Bildungsunterschiede, es gibt die Spannungen zwischen Mann und Frau, es gibt auch die ganz anderen Empfindungen. Und das Tolle ist, dass damals die einfach zusammenkamen und sagten: Wir müssen das irgendwie neu organisieren. Es darf das nicht sein, es ist nicht recht. Es ist nicht recht, und wir müssen eine Form finden, wie das möglich ist.
Da gibt es ja verschiedene Dinge, wie wir heute sagen: Die Jungen haben ihre eigene Bibelstunde, und da können sie ihre eigenen Lieder singen. Man kann ja so viel organisieren, um auch diese Spannungen ein wenig auseinanderzukriegen, bevor sie Unheil anrichten in der Gemeinde.
Und man darf die Spannungen nicht verdrängen, nicht einfach unter den Tisch kehren und sagen, da redet man nicht mehr darüber. In der urchristlichen Gemeinde hat man die angepackt.
Neuordnung des Dienstes und die Bedeutung des Diakonenamts
Und sie haben gesagt, wir müssen das neu organisieren. Die Apostel waren bislang immer auch für die Sozialarbeit zuständig. Woher ich das weiß? Aus Kapitel 4, Vers 35 und 37. Als Barnabas seinen Acker verkaufte, brachte er das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen. Und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Also: Die Apostel haben bisher auch diese Sozialhilfe gemacht.
Das Schlimmste, was in einer Gemeinde passieren kann, ist, wenn man Sozialhilfe verteilen muss. Ich bin Gott dankbar, dass ich in 40 Jahren Gemeindetätigkeit nie Geld verteilen musste. Es ist ganz furchtbar, wenn ein Unglücksfall ist, ein Erdbeben oder irgendetwas, und dann müssen die Hilfen ausgezahlt werden. In der friedlichen Gemeinde gibt es Spendungen, weil jeder denkt, der andere hat sicher mehr gekriegt. Da kommt der Neid. Die Apostel hatten offenbar den Heiligen Geist, dass das gut ging.
Wenn richtig materielle Not herrscht, nach dem Krieg und so, der hat mehr Kehrpakete bekommen als die anderen, und die Flüchtlinge kriegen alles und so, dann wird es in den Gemeinden gleich Neid. Ich war auch immer dagegen, als ich noch bei List im Osten war, dass wir in den Osten zu viel materielle Hilfe pumpen. Andere haben gesagt, die haben keine Kühlschränke, sondern werden sich halt ohne Kühlschränke selig. Das war ja in Deutschland auch über lange Zeit hinweg. Die materielle Hilfe schafft gerne Spannungen.
Es ist auch ganz schwierig, wenn plötzlich der Chorleiter oder der Pfarrer ein Auto kriegt und die Gemeinde zu Fuß läuft. Das gibt große Spannungen in den Gemeinden. Wir sollten ganz vorsichtig sein mit materieller Hilfe. In Afrika machen sie es sehr gut, dass sie diese Kleiderhilfen, die man geschickt hat, immer verkauft haben, wenn sie einfach herumlagen. Natürlich zu einem kleinen Preis, aber dann war es für die Leute noch ein Anreiz, und es hat einen Wert bekommen. Was nichts kostet, hat keinen Wert. Und immer so, dass man dann gesagt hat: Dem kann man ein wenig mehr nachgeben, das ist eine Witwe, die hat kein Einkommen. Und dann geschieht es einigermassen gerecht.
Also ist ganz viel Weisheit nötig, wie macht man denn das, dass man solche Dinge verteilt. Die Apostel hatten es in der Hand, aber jetzt sagt man, braucht man extra Diakone. Das Wort Diakon heißt eigentlich Diener. Interessant: In der Urchristengemeinde gibt es nur dieses Amt des Dieners, und das ist ein Ehrenname, den Jesus selber gehabt hat. Und wir sollten, ich sagte schon gestern das mit Bruder und Schwester, wir sollten über dieses Amt hinaus keine Titel und Ehrenzeichen mehr haben.
Als 1933 Adolf Hitler an die Macht kam, hat er ja im ganzen Reich die Gleichschaltung verkündet. Alles sollte also mit den Nazis verknüpft werden, und er hat das Führerprinzip auf alle Organisationen ausgedehnt, auf die Gewerkschaften. Es mussten ja auch die Jugendverbände aufgelöst werden, die CVJMs mussten aufgelöst werden. Alles, was es gab an freier Kultur, Presse usw., musste gleichgeschaltet werden mit der Ideologie des Dritten Reichs und musste den Führer bekommen. Und das war auch ein ganz starker Druck auf die evangelische Kirche. Sie muss sich zusammenschließen. Ja, für uns ist immer noch auch der Grund, warum wir nicht so gern für eine deutsche Einheitskirche sind. Es war um Hitler damals wichtig: Einer muss der oberste Bischof werden. Und dann haben alle damals in Deutschland gesagt, es gibt nur einen. Es war der Fritz von Bodelschwingh, der wurde als Reichsbischof gewählt. Er war nur nicht mal dreißig Tage im Amt, dann hat ihn Hitler abgesetzt. Das hat er ganz trickreich getan, hat ihm einen Religionsminister vor die Nase gesetzt. Es lohnt sich, mal die alten Vorgänge noch einmal zu lesen. Und dann hat Hitler einen Mann seiner Wahl in dieses Amt gebracht, das war der Reichsbischof Müller, ein deutscher Christ, Nazichrist, der trinkfest war, Wehrmachtspfarrer, ein übler Mann, der auch die Bibel des Alten Testaments nicht anerkannt hatte usw. Einer hat mal gesagt, der war so fromm, der hat sogar vor dem Kaffee noch gebetet, also vor dem Mittagskaffee, wenn der ein Tässchen Kaffee getrunken hat. Da beten wir ja oft nicht, weil es nicht richtig im Mahlzeit ist. Aber so war er äußerlich fromm, aber er hatte einen falschen Geist.
Aber jetzt wollte ich von Bodelschwingh sagen: Der hat gesagt, ich will nicht Reichsbischof sein. Das war sein Erstwort. Ich will Reichsdiakon sein. Das war der Leiter von Bethel, der Sohn des Gründers von Bethel, Fritz von Bodelschwingh, der das Liedgedicht hat: Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha. Ich will Reichsdiakon sein, war klar, dass das dem Hitler nicht gefallen hat. Ein ganz demütiger Seelsorger mit einer wunderbaren Botschaft. Es lohnt sich heute noch, die schönen Predigten von ihm zu lesen, Fritz von Bodelschwingh. Es gab ja eine Briefmarke zu seinem hundertsten Geburtstag. Reichsdiakon. Diakon ist ein Ehrenname, weil viele Leute das mit den Dienern nicht begriffen haben.
Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, wenn ich in Gemeinden komme und dort gibt es ein Gemeindeessen, dass ich in die Küche gehe und den Frauen sage: Die besten Leute einer Gemeinde, das sind die in der Küche und nicht auf der Kanzel. Die das Dienen gerne tun, das sind die, die man beim Kirchenputz findet, denn die sind in der Spur von Jesus drin. Wenn Sie da welche dabei haben, die mürrisch sind und sagen, wir müssen es immer machen und die anderen drücken sich, dann haben Sie nicht den richtigen Geist. Der Herr Jesus wäre immer dort gewesen, bei den Untersten.
Da gibt es im Griechischen noch im Neuen Testament ein Wort für Diener, hyperetes, das ist eigentlich der Unterruderer. Da waren früher die Ruderschiffe, und da sind die in Reihen gesessen. Sie haben es vielleicht mal im Film gesehen: dreistöckig die Ruderer mit den großen Galeerenschiffen haben die Rute getrieben. Und die, die ganz unten waren, die hatten das Problem, dass sie die Füße der oberen immer vor ihrer Nase hatten. Das war der unangenehmste Job, den man hat: der Unterruderer, der ganz unten saß. Und das ist der Name für Jesus, was er sein will. Er will unser Unterruderer sein, und er macht uns auch zu ganz demütigen Unterruderern. Und alle, die Ehre und Glanz und Anerkennung und Macht wollen, das ist nicht im Sinn von Jesus. Da verlieren wir auch den Segen des Dienstes.
Also jetzt sagen die Diakone: Wir wollen Diakone bleiben, wir wollen Diakone bleiben, aber für gewisse Aufgaben wollen wir das ändern. Jetzt wieder nicht in dem Sinn, als ob das weniger wäre. Das ist ein ganz dummes Denken, das in unsere Kirche eingerissen ist, als ob das eine Amt über das andere wäre. Ich habe immer darunter gelitten, dass ein Mesner anders bezahlt wird als der Pfarrer in der Gemeinde. Das ist nicht gut. An jedem Platz, wo Gott uns gebraucht hat, sind wir seine Diener.
Und jetzt sagen sie: Wir dürfen das Wort Gottes nicht vernachlässigen. Nicht, dass Sie nicht sagen, Sie wollten sich die Hände nicht schmutzig machen. Sie haben sehr lange getan. Sondern man muss jetzt eine genauere Zuteilung machen, das Amt enger umreißen, eine Spezifizierung. Spezieller muss man es machen. Wir dürfen auf keine Weise das Wort Gottes vernachlässigen, denn das ist das Gefährliche, wenn man das Wort Gottes vernachlässigt. Also das Amt des Diakons, so wie es eingeführt hat, dann Sinn, dass gerade die Predigt nicht zu kurz kommt. Und das ist die Not, unser Thema vollmächtige Diakonie. Da ist heute Schaden der Diakonie. Man erkennt gar nicht mehr, dass beides ganz eng zusammengehört: die Wortverkündigung und die Diakonie. Man muss nur auseinanderreißen.
Ich habe oft den Schwestern gesagt: Ihr könnt es viel besser machen, wenn ihr das Leintuch wieder glattzieht und dem Patienten hilft und wenn ihr ihm dann noch ein Gotteswort sagt. Was hat das für eine enorme Bedeutung, weil die Menschen das spüren. Wenn ich komme, dann kann ich bloß ein Wort sagen, und dann fehlt auch das Zeichen, das man dazugibt. Aber es war dann tragisch. Auch in unserer Gemeinde war es so, als die zentralen Diakoniestationen gegründet wurden. Unsere Schwester, die wir dann von der Hofhackergemeinde in diesen Pool reingegeben haben, war eine gläubige Frau. Ihr war es wichtig, mit den Kranken zu beten und ihnen auch das Wort Gottes zu sagen. Dann hat die Diakonieleitung gesagt, das geht doch nicht, dass sie denn mit den Leuten beten.
Warum geht das nicht? Ja, die anderen können es nicht, und dann dürfen sie es auch nicht tun wegen der Gleichheit. Sie hat nämlich gesagt: Wenn Sie wegen der Zeit ein Problem haben, dann mache ich gern fünf Stunden über der Zeit. Es ist mir wichtig, dass sie das dazu tut. Es wurde ihr in der Diakoniestation in Stuttgart-Mitte untersagt, dass sie noch den Trost weitergeben kann. Das ist natürlich das Ende der Diakonie, wenn das nicht mehr mit verbunden ist. Denn das ist doch die Stärke: die Sozialarbeit und das Wort, beides miteinander.
Also, da gab es Essen auf Rädern, da wurde vielleicht Wohnungsvermittlung gemacht, da wurden Kleiderbeihilfen verteilt, gebrauchte Kleider, die Witwen. Es gab ja damals gar keine sonstige Sozialversorgung. Das war jetzt ganz arg wichtig, dass man einander hilft. Und jetzt gucken wir mal, welche Leute da benötigt wurden. Seht euch um. Wir hätten gesagt: gute Leute. Das kann sein, wer will. Wenn es nur tüchtige Leute sind, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, steht aber nicht da. Wir machen das ja so gern in der Diakonie, da sagen wir: Also an diesem Job, da kann ja jeder mitmachen, hauptsächlich er kann gut pflegen, er kann gute medizinische Arbeit machen.
Interessant, dass sie sagt: Nein, auch an jedem Job der Diakonie brauchen wir Leute, die einen guten Ruf haben. Das ist immer gut. Umstrittene Leute nicht, das müssen wir prüfen. Leute, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes sind. Das ist nötig. Ja, das muss ja klar sein: Wer an Jesus glaubt, kann das ja nicht tun ohne Heiligen Geist. Es müssen Leute sein, die in einem innigen Liebesverhältnis mit Jesus leben.
Jetzt stellen Sie sich heute mal vor, nicht bloß Diakonie, sondern weil Sie bei der Pfarrersbesetzung im Kirchengemeinderat fragen und sagen: Also, wir wollen jemanden haben, der den Heiligen Geist hat. Ich glaube, der wäre schon gerichtlich. Das wollen wir den anderen nicht absprechen. Nein, wir wollen niemandem etwas absprechen, aber es muss doch erkennbar sein, ob einer sich vom Geist Gottes leiten lässt und sich ihm unterordnet. Wenn man eine Kindergärtnerin beruft, es muss eine Frau voll Heiligen Geistes sein. Wenn man das so schlecht sagen kann, auch bei der Kirchengemeinderatswahl. Habe ich von Erich Schnebel das übernommen, der hat vor der Kirchengemeinderatswahl immer gesagt: Ich kann ja nicht sagen, wählt die oder jene. Manchmal werden ja auch Leute vorgeschlagen aus Opposition gegen eine kurze Gemeinde. Habe ich immer gesagt: Wählen Sie Älteste, die Sie gerne als Seelsorger an Ihr Sterbebett berufen.
Da kann man es auf schöne Weise umschreiben, was heißt voll des Heiligen Geistes. Wählen Sie Leute, die wirklich so zu uns reden, die wir brauchen können in Krisen unseres Lebens, denen wir uns anvertrauen können. Das ist ja gemeint, und das ist auch für die Ämter wichtig, ob das die Krankenschwester ist, am Dienst, im Dienst, bei Besuchern oder ob das im Kindergarten ist oder in der Jugendarbeit, wenn man einen Jugendreferenten sucht. Auch wenn wir das aufteilen in der Gemeinde, es müssen Leute wirklich sein voll Heiligen Geistes, mit einem guten Ruf und Weisheit. Das kommt jetzt noch natürlich dazu, es dürfen keine Deppen sein. Sie müssen ja wirklich auch denken, können ihr Geschäft machen, können die Zeit einteilen und in diesem Werk wirklich etwas umtreiben.
Ich habe das vorhin vergessen. Fällt mir gerade ein, warum Jesus ein Diener ist. Wo steht das im Neuen Testament? Jesus war ein Diener. Markus 10,45. Ganz wichtige Stille. Eine Schlüsselstelle des Evangeliums. Wenn viele sagen: Warum hat sich Jesus überhaupt gesehen als Heiland und Messias? Natürlich hat er es gesehen. Der Menschensohn, so hat Jesus sich gern bezeichnet, als der Weltenrichter, das heißt der Menschensohn. Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. Und in dieser Spur von Jesus wollen wir drinnenbleiben, unser Leben hergeben, und nur so kann Diakonie rechtgehen.
Es gibt daneben natürlich eine allgemeine Wohlfahrt, die wollen wir als Christen nicht heruntersetzen. Es gibt eine Bürgerpflicht, wir sind ja auch noch Bürger. Da gibt es viele Dienste, es gibt das Rote Kreuz und die Arbeit des Samariterbunds und Unfallhilfe, Björn-Steiger-Stiftung und was alles, sehr schön. Die Diakonie hat einen ganz speziellen Auftrag, über die Bürgerpflichten hinaus diesen Dienst zu tun, in der Spur von Jesus Zeugnis zu geben, Zeugnis zu geben von Jesus und seiner Liebe. Und da ist man zum Dienst berufen.
Es ist gut, dass es verschiedene Ämter gibt in dieser Diakonie. Aber jetzt waren wir gerade daran, dass es in unserer Diakonie so anders ist. Warum? Weil man gemeint hat, jeder kann kommen und jeder kann mitmachen. Und dann muss man wissen, das löst keine Probleme. Dann ist es besser, man löst das auf. Es wäre vielleicht auch heute ganz gut, wir würden dem Staat sagen: Betreibt ihr den Kindergarten, macht ihr das? Hat ja auch keinen Wert, wenn dann die Leute dagegen revolutionieren und sagen, die Kirche will alles unter Macht haben, und wir haben gar nicht die Leute, die das Amt füllen können. Wir müssen ja gar nicht jedes Krankenhaus betreiben, sondern es ist wunderbar, wenn man Diakonie macht wie hier im Lindenfürst, wo man sagt, da hat man auch die Leute, die es füllen können. Und da geschieht wirklich Diakonie im Sinn von Jesus. Und das sind Leute, die Jesus dienen an diesem Amt.
Wir sollten auch in der Gemeinde sehen, das, was wir machen, wo wir konzentriert tun und ganz bewusst. Die Diakonie gehört zur Gemeinde, aber nicht eine Diakonie, die alles in die Hand kriegen will. Wenn die Aufstellung stimmt, die ich mal gelesen habe, dass die beiden großen Kirchen der größte Arbeitgeber in der Bundesrepublik sind mit 900 Arbeitsstellen, da fragt man sich nur: Wie viel Prozent von diesen 900 Angestellten in den Sozialdiensten der Kirche folgen überhaupt Jesus nach? Und dann sollten wir uns wieder konzentrieren und sagen: Lasst uns bewusst Diakonie tun. Denn das fällt bei Stephanus auf. Stephanus war ein Evangelist. Wenn der in die Häuser kam, hat er dort so von Jesus geredet, dass er deswegen sogar gesteinigt wurde. Gucken Sie noch einmal die Kapitel an I. bis V. Die meiste Wirkung ist geschehen durch die Heilung des Lahmen und durch Stephanus, gerade durch Leute, die praktisch in weltlichen Sozialdiensten geschehen sind oder dort die Heilung des Kranken, und dort wurde der Name Jesus ausgerufen. Das hat eine Wirkung.
Ich will Ihnen jetzt gerade Mut machen. Wenn Sie in Ihren weltlichen Bezügen ein Jesuszeuge sind, ist das viel wichtiger als alles, was auf der Kanzel gepredigt werden kann. Wenn ein Lehrer das in der Schule nützt, nicht indem er dort Propaganda macht oder fanatisch ist, sondern wenn er am richtigen Punkt das richtige Jesuszeugnis hat, so wie Petrus und Johannes den Lahmen geheilt haben, so wie Stephanus in der Not der Kranken und der Schwachen und der Armen den Jesusnamen verkündigt hat, da gab es Widerstand, da gab es Aufruhr und da gab es Widerspruch.
Ganz wichtig ist, dass man in der Gemeinde ganz viel ordnen kann, nach ganz vielen Modellen. Und zwar ist mir das heute wichtig, weil wir manchmal die Diskussion führen, wie muss eine Gemeinde aufgebaut sein. Also, wir haben die Ordnung in Württemberg, dass wir unsere Kirchengemeinderäte haben, und jetzt können wir alles machen, dass man mal eine Gemeindeversammlung macht und dass man die Verantwortlichkeiten anders ordnet. Der Paulus hat in all seinen Briefen das sogar ganz locker gehandhabt, indem er auch immer wieder ganz andere Organisationsmodelle gemacht hat. Wir sollten da auch nicht in einer Linie bleiben, an diesen äußeren Fragen eine große Vielfalt haben. Oft ist das in unserer Kirche auch so, das heißt, das muss so sein. Warum eigentlich? Das kann man ganz anders organisieren. Unser Gott hat so viele Formen in der Natur geschaffen. Denken Sie mal, wie viele Fliegen es gibt und wie viele Frösche und wie die Pflanzen in aller Vielheit sind. Dann müssten wir auch in der Organisationsform der Christenheit eine große Weite haben können, rein nach Zweckmäßigkeit und Nutzen. Aber das Innere muss stimmen, und das war in der Apostelzeit: voll des Heiligen Geistes, weise Leute mit einem guten Ruf, und die setzen wir ein. Die begaben wir zu diesem Dienst.
Darum freue ich mich immer wieder, so Initiativen heute auch in freien Vereinen plötzlich wahrgenommen werden, wenn dann Leute sich zusammentun und sagen, wir gründen da ein e.V. und wir starten da etwas. Es ist ganz blöd, wenn die Kirche sagt, das gehört nicht zu uns. Natürlich ist es organisatorisch nicht verbunden, aber im Geist muss verbunden sein. So wie die Missionen freie Missionswerke sind, aber es nur innerlich mit ihnen verbunden, in der Organisation eine große Vielfalt und Weite, das haben die damals uns schon vorgemacht.
Und sie haben jetzt die Diakone gewählt, sieben Leute. Dazu gehört auch der Philippus, den werden wir am Sonntagabend noch kennenlernen bei der Erweckung von Samaria, wieder ein Diakon, war der wichtigste Evangelist. Also, das darf man nicht so auseinanderreißen, als ob die nicht predigen dürften. Keiner hat schon Stephanus gesagt: Bleib du in der Küche, du darfst nicht am Wort dienen. Sondern die Apostel wollten nur ein wenig Entlastung haben, damit sie sich umso konzentrierter dem Amt widmen können.
Und das ist heute auch schön, dass wir viele Möglichkeiten haben, das in der Gemeinde wahrzunehmen, und sie entdecken das auch in der Gemeinde und merken das. Ich habe das immer auch in meiner Gemeinde gefreut, wie die Leute gemerkt haben, da fehlt es doch noch, obwohl ich gerne Besuche gemacht habe da im Krankenhaus, und dann haben sie angefangen, die Stockwerke im Krankenhaus aufzuteilen und selber das zu tun. Die Kirche hat die Stelle gestrichen, es wird eingespart am Bethesda-Krankenhaus, brauchen wir keinen Seelsorger mehr. Stellen Sie sich mal vor, gehen die Leute zur Operation, kommt kein Seelsorger mehr, und dann war. Da waren da verschiedene Frauen, und die haben angefangen, das zu besprechen und mit der Krankenhausleitung zu machen. Jetzt gehen sie durch die Zimmer durch und machen den Dienst. Wunderbar, wenn sich so etwas auch frei ergibt, weil vielleicht wir in der Gemeinde zu schläfrig waren und das nicht organisieren konnten.
Es gibt so viele Aufgaben, wo man Gott dienen kann und wo man gebraucht wird von ihm. Weniger ist mehr. Wir wollen lieber weniger richtig machen und das dann auch füllen können, auch mit unseren diakonischen Aufgaben, und sagen: Das hat einen Sinn. Und da hören wir nun, wie auch einige Priester sogar dem Glauben gehorsam wurden. Das Wort Gottes breitete sich aus. Es war eine Situation, wo eine Hörbereitschaft da war, das Evangelium zu hören, und die Menschen kamen herzu, und gerade die Sozialarbeit hat sich wunderbar ergänzt.
Vielleicht in dem Zusammenhang auch noch die Erwähnung, was man immer wieder bei uns hört: Ich möchte wortlos dienen, also ich will gar nicht predigen, ich will nur durch mein Zeugnis herrschen. Nun ist das immer schwierig, schon bei dem Wort predigen, da stellt sich irgendeiner vielleicht ein langweiliges Gelaber vor. Aber ein wortloser Dienst, ich kann mir das nicht vorstellen, gerade auch in der Diakonie, weil vielleicht auch die Gefahr besteht, dass die Menschen gar nicht merken. Die nehmen es vielleicht auch als selbstverständlich, dass man sie bedient, und dann denkt man, ach, die Ungläubigen, die werden ganz gerührt, was ich ihnen tue. Nein, die sind oft ganz hart und empfinden das gar nicht.
Deshalb ist es schön, wenn man einmal auch irgendwo ein Zeugnis weitergibt, gerade in dem Dienst, wo man in der Nachbarschaft hilft und sagt: Wissen Sie, das ist mir wichtig, ich würde Ihnen so gern noch viel mehr mitgeben. Und dann darf man von Jesus erzählen. Einen wortlosen Dienst kenne ich nicht. Es gibt es im Neuen Testament nur einmal ein wortloses Zeugnis bei den Frauen, die einen ungläubigen Mann haben. Und das ist interessant: Da kommt es einmal vor, dass die ungläubigen Männer durch den Wandel der Frauen ohne Worte gewonnen werden. Sonst kommt es nirgendwo in der Bibel vor. Und Sie wissen warum. Weil in der Ehe das furchtbar ist, wenn eine gläubige Frau einen ungläubigen Mann dauernd anpredigt.
In der Ehe, jetzt sage ich noch dazu, in der Ehe lässt man sich nämlich nichts sagen. Nicht bloß bei Ihnen ist das so, sondern bei allen Menschen. In der Ehe lässt man sich nämlich gar nichts sagen. Wenn man in der Ehe einander erziehen will, egal was sie ihrem Mann abgewöhnen wollen, es gibt immer nur Streit. Es sei denn, einer kommt und sagt: Hilf mir. Das ist eine andere Situation. Aber in der Ehe, wenn man sagt, ich gewöhne meinem Mann das ab, und wenn ich junge Leute sehe und sage, ich heirate einen ungläubigen Mann, aber den werde ich zu Jesus führen, dann sagst du: Spinnst du? In der Ehe kann man sich bloß noch lieb haben. Und wenn man Punkte hat, wo man sich nicht lieb haben kann, dann herrscht schon Spannung. Das ist ganz klar.
In der Ehe kann man sich nicht erziehen. In der Verlobung kann man sich vielleicht noch erziehen, aber wenn man dann ganz zusammen ist, geht das nicht mehr. Da muss man sich akzeptieren mit allen Schwächen und Mängeln. Und darum steht das in der Bibel sehr weise, dass die Frauen dort mit dem wortlosen Zeugnis ihren Mann lieb haben sollten. Aber sonst ist das nicht möglich. Wir müssen auch unseren Kindern das sagen, wir müssen auch unseren Nachbarn irgendwo in geduldiger, liebevoller, rücksichtsvoller Weise sagen, was wir wollen, auch in der Diakonie.
Und das gilt heute auch für die weltweite Diakonie. Ich habe das nie verstehen können, wenn wir etwa, was heute häufig geschieht, auch etwa bei den Aktionen der Kirche, auch etwa bei Brot für die Welt unsere Gelder Hinduorganisationen anvertrauen. Das ist eine Beschwerde, die wir überall in Indien hören, dass sie sagen, sogar radikale Hinduorganisationen, die Christen verfolgen, kriegen Geld aus kirchlichen Töpfen. Ohne dass ein Zeugnis dabei ist. Und wenn, dann wollen wir wenigstens das zum Ausdruck bringen: Das ist Hilfe, die wir geben in einem Krisengebiet. Wir helfen ja allen, ob Buddhisten oder Moslems, wir fragen nicht, wer bist du. Aber wir wollen sagen, wir tun das um Jesu willen, das treibt uns, wenn wir dir helfen. Da darf das nicht wortlos sein, sondern muss auch mit einem Zeugnis verbunden sein.
Ich habe Ihnen, glaube ich, am ersten Abend erzählt, wie die Frauen das von dem Lebensbrot in Serbien, in Belgrad machen, dass sie da kurz vorher eine Ansprache halten und sagen: Die Hilfe ist noch gar nicht, Jesus ist der Helfer. Und gerade um den Menschen umfassend zu helfen, ist es gut, wenn wir das mit hineinnehmen, sonst ist das nämlich eine Hilfe, die verdampft und hat keine Bedeutung. Sonst erziehen wir nur Bedürftige heran, die immer nehmen und nehmen und nehmen. Das ist auch eine ganz große Gefahr in Afrika. Sondern die Hilfe muss die Menschen verändern. Und wenn die Menschen verändert sind, dann fangen sie an, auch ganz anders verantwortlich zu leben, auch mit dem, was sie haben. Dann fangen sie an, das Geld nicht mehr im Alkohol zu versaufen. Es muss auch eine totale Änderung geschehen, das gehört auch in der Not mit dazu, das Zeugnis des Glaubens.
In Vers 8 steht noch: Stephanus, voll Gnade und Kraft, so hat er gewirkt, so hat Gott seinen Dienst benutzt und gebraucht zu seiner Ehre. Das war Jesu Auftrag: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das andere alles zufallen. Das gilt auch für unsere Sozialdienste, auch für die anderen Aufgaben, die wir als Gemeinde vornehmen, dass es nämlich wirklich gefüllt wird vom Heiligen Geist. Und dann das andere wollen wir nicht vergessen, dass wir Diener bleiben, alle miteinander. Die Gemeinde Jesu kennt keine Rangordnungen, wo das ist. Ist das nicht im Sinn von Jesus? Deshalb hat Zinzendorf seine Brüdergemeinde gegründet, auch wenn wir in der anderen Struktur unserer Volkskirche leben, wo wir es in der Sache so praktizieren, dass wir sagen, wir sind Schwestern und Brüder. Wir brauchen keine kommandierenden Generäle, sondern wir brauchen helfende Freude. Wir brauchen keine Vorgesetzten, die die anderen schikanieren, sondern als Schwestern und Brüder in Christus wollen wir zusammengehören. Wir brauchen auch keine Weihen, höhere und niedere Weihen und Rangstufen, um den Apparat der Kirche zusammenzuhalten. Wir sind keine Militärkompanie, wo vom Rekruten über den Feldwebel bis zum Hauptmann und Generalleiter seine Rangordnung hat und stramm stehen muss, sondern wir wollen alle Schwestern und Brüder sein, die den Dienst tun.
So war es im Neuen Testament in der Urgemeinde geregelt und übrigens bei den Reformatoren auch wieder betont worden. Denn sonst würden wir nicht die Gemeinde Jesu bauen, sondern die Hure Babylon, eine Kirche, die dem Untergang geweiht ist, so schön und glänzend sie auch sein mag. Das ist schön, die Bruderschaft, und das ist auch überall da, wo man in diesem Dienst dient, in aller Welt und bei uns in unseren Gemeinden.
Ich möchte Ihnen Mut machen, in diesem Sinn auch wieder mit anderen am gleichen Strang zu ziehen und zu fragen: Was können wir heute tun? Der Herr will uns segnen. Es ist nicht jeder berufen, auf der Kanzel zu stehen. Und noch einmal: Die Edelsten findet man oft bei den niedrigsten Diensten, und der Herr legt am meisten Segen darauf auf diese Dienste. Was ist das auch, wo ich durch die Häuser gehe und einlade und den Gemeindebrief verteile, wo ich in der Gebetsgruppe mitwirke und wo man hier und da hilft, wo man Not hat in einem Haus, was ist da schon Segen gewirkt worden und wie viel hat das uns selbst bedeutet?
Gebet, Dank und abschließender Gesang
Wir wollen beten.
Lieber Herr, danke, dass du uns durch die Bewegung der Diakonie so viel geschenkt hast. Wir denken an die Schwestern, die so selbstlos gedient haben und uns das auch in schweren Stunden spüren ließen. Wir danken dir für die vielen Mitarbeiter, auch für die reiche Geschichte einer Eva von Thiele-Winkler und von Fliedner und wie sie alle hießen, Bodelschwing, die so viel getan haben.
Herr, du hast auch jetzt Menschen in unseren Weg gestellt, die Hilfe brauchen, die behindert sind, die zurückgesetzt sind. Öffne uns auch in der Gemeinde die Augen, dass wir die sehen, die zu kurz kommen, die benachteiligt sind, die Hilfe brauchen und Zuwendung brauchen. Mach uns hier wirklich sehend, dass wir das erkennen und nicht achtlos vorübergehen. Amen!
Jetzt singen wir noch: Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehen, 534.
Da singen wir auch ein paar Verse. Ich sage sie aber an. Wir fangen mal mit dem ersten Vers an.
Wir dürfen ihn in dem Mutvater wähnen, wenn wir nur treu auf seinen Wegen gehen. So sehn wir ihn vor Zasar überbrennen, sonst wird uns geunschbt.
Und jetzt werde ich vor und seh den Gnaden an, den schlichten Dienstenknechten, die ihn lieben. Hier gibt mehr Wohn als man erwarten kann, kein kühler, kräftliches und gewaltet Leben.
Er geht dafür die ganze Fegensflut, der Herr!

