Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 107: Anbetung in Geist und Wahrheit.
Die Verheißung einer neuen Anbetungsform
Lesen wir zum Anfang noch einmal Johannes 4,21. Jesus spricht zu ihr: „Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.“
Genau das, was Jesus hier verheißt, wird tatsächlich passieren. Und zwar dann, wenn sich Samariter zu Jesus bekehren und Teil des neuen Bundes werden. Sie lassen dabei ihre alte, dem Judentum verwandte Religion hinter sich.
Allerdings müssen sie, damit das gelingt, eine bittere Pille schlucken. Johannes 4,22 sagt: „Ihr betet an, was ihr nicht kennt. Wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden.“
Es gibt einen Unterschied zwischen Juden und Samaritern. Diesen gilt es nicht zu verwischen.
Die religiöse Situation der Samariter
Die Samariter hatten sich in ihrer eigenen Religionsgeschichte doch etwas zu weit vom Original entfernt. Das glaubten sie natürlich selbst nicht, denn man hält sich ja immer für das Original.
Schon ganz am Anfang heißt es über die Samariter in 2. Könige 17,33: „So fürchteten sie, das sind die Samariter, den Herrn und dienten zugleich ihren Göttern, entsprechend dem Brauch der Völker, aus denen man sie gefangen weggeführt hatte.“
Das bedeutet, sie fürchteten den Gott Israels, hatten aber auch andere Götter. Jesus hat also Recht, wenn er sagt, ihr betet an, was ihr nicht kennt. Aus Gottes Sicht hatten sie keine echte, vollständige Gotteserkenntnis.
Die Bedeutung der jüdischen Herkunft für das Heil
Das ist übrigens auch der Grund dafür, dass in Apostelgeschichte 8, wo sich tatsächlich Samariter bekehren – und es sind gar nicht wenige – sie den Heiligen Geist erst in dem Moment erhalten, als die Apostel aus Jerusalem, also jüdische Männer, ihnen die Hände auflegen.
Für gläubige Samariter war es ganz wichtig, diesen Punkt anzuerkennen: Das Heil kommt aus den Juden und nicht aus den Samaritern. Die Rettung der Welt – also die Rettung von Juden, Heiden und Samaritern – stammt aus den Juden. Es ist ein jüdischer Messias, an den man glauben muss, wenn man gerettet werden will. Und das gilt für jeden Menschen.
Das Heil ist aus den Juden. Die Rettung der Welt ist ein Produkt der jüdischen Geschichte. Sie ist hineingewoben in das Leben und Sterben jüdischer Männer und Frauen. Ihren Höhepunkt findet sie im Messias Gottes, einem Juden.
Die neue Form der Anbetung in Geist und Wahrheit
Es kommt aber die Stunde, und sie ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden. Denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Es kommt die Stunde, und sie ist jetzt.
Die Juden und die Samariter zur Zeit Jesu leben in einer Übergangsphase. Der Messias ist da. Man kann schon an ihn glauben, und doch ist er noch nicht gekreuzigt und noch nicht auferstanden. Es ist irgendwie schwierig, die Zeit Jesu heilsgeschichtlich sauber zu beschreiben. Deshalb diese Aussage: Es kommt die Stunde, und sie ist jetzt.
Wichtig ist jedoch, dass wir eines verstehen: Es geht Gott nicht darum, wo man anbetet, sondern wie man anbetet. Gott sucht nicht einfach Anbeter, nicht die Quantität, sondern wahre Anbeter. Gott sucht Qualität.
Man kann Gott auf zweierlei Weise anbeten: in Geist und Wahrheit – oder, das steht so jetzt nicht da, aber ich formuliere mal frei – in Ritual und Heuchelei.
Geist und Wahrheit sind das Gegenteil von Brauchtum und Scheinheiligkeit. Oder um es platt zu sagen: Wo du betest, ist Gott weniger wichtig, als dass dein Geist, dein Innerstes auf ihn ausgerichtet ist.
Was nutzt Gebet im „richtigen“ Tempel, egal auf welchem Berg der dann steht, wenn ich nur äußerlich dabei bin, aber innerlich gar keine Beziehung zu Gott habe? Ritualisierte Anbetung ist Gott ein Gräuel.
Aus Gewohnheit anbeten – das kann jeder religiöse Heide. Für ein Ritual brauche ich nur Zeit und Geld, aber nicht mein Herz. Einfach mitmachen, ohne im Herzen getroffen zu sein – das geht immer.
Aber es ist wirklich wichtig, dass wir das auch als Christen verstehen: Es braucht Gebet im Geist, wenn wir wirklich Gott gefallen und ihm begegnen wollen. Es braucht einen inneren Bezug zu Gott.
Dasselbe gilt für Gebete, die vielleicht toll klingen, salbungsvoll und fromm sind, aber nicht ehrlich gemeint.
Der Unterschied zwischen Religion und echter Beziehung zu Gott
Der wesentliche Unterschied zwischen Religion und Christentum ist meines Erachtens, dass Gott bei uns das Herz anschaut. Echt ist nur das, was von Beziehung und Aufrichtigkeit getragen wird.
Wo mein innerer Bezug zu Gott fehlt oder ich nur artig das Richtige sage, es aber gar nicht so meine — womöglich mit meinem Leben genau das durchstreiche, was ich in den Gebeten behaupte — da ist Gott nicht mit dabei. Gott kann mit Heuchlern nichts anfangen.
Deshalb ist es wichtig, dass wir uns beim Beten immer wieder selbst zuhören. Wir sollten prüfen, ob wir das, was wir sagen, auch wirklich meinen. Denn echtes Gebet geht nicht anders.
Johannes 4,24: Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn in Geist und Wahrheit anbeten. Gott ist unsichtbar, er ist Geist. Echte Anbetung kann deshalb gar nicht anders als in Geist und Wahrheit geschehen. Es muss so sein.
Die Bedeutung der Anbetung für das Heil und die Gemeinschaft mit Gott
Wer sich noch an das Gespräch mit Nikodemus erinnert: In diesem Gespräch ging es um die Frage, wie man ins Reich Gottes hineinkommt. Es ging also darum, wie ein Mensch gerettet wird und ewiges Leben erhält. Die Antwort lautet: Durch den Glauben an den Messias.
Hier, im Gespräch mit der Samariterin, steht nicht die Frage im Vordergrund, wie man gerettet wird, sondern wozu. Wozu werden wir gerettet? Warum ist es wichtig, den Messias zu erkennen und an ihn zu glauben?
Einen Punkt haben wir bereits: Gott möchte unseren Durst nach Leben stillen, indem er uns das Evangelium verkündet. So finden wir ewiges Leben, echtes Leben, das ins ewige Leben quillt, wie wir in Vers 14 gelesen haben.
Doch es gibt noch mehr: Es gibt die Chance auf echte Anbetung. Die Chance, wahre Anbeterin und wahrer Anbeter zu werden, so wie es der Vater im Himmel wünscht. Es geht um geistliche Gemeinschaft mit Gott, frei von jeder Form von Sakramentalismus und Scheinheiligkeit. Es geht um hundertprozentig echte Gemeinschaft mit Gott auf der Grundlage dessen, was wir vom Messias gelernt haben.
Die Offenbarung Jesu als Messias
Johannes Kapitel 4, Verse 25 und 26: Die Frau spricht zu Jesus: „Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird. Wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen.“
Jesus antwortet ihr: „Ich bin es, der mit dir redet.“
Das ist wirklich bemerkenswert, oder? Wenn Jesus gefragt wird, ob er der Messias ist, antwortet er oft ausweichend. Doch hier gibt er offen zu: „Ich bin es, der mit dir redet.“
Als Samariterin hat die Frau eine Messiaserwartung. Diese unterscheidet sich zwar von der der Juden, ist aber ähnlich genug, um Jesus die Gelegenheit zu geben, sich als Messias zu offenbaren.
Denn mit dem, was die Frau vom Messias erwartet, liegt sie völlig richtig. Der Messias ist derjenige, der allen Menschen die wichtigen Dinge verkündet, weil er von allen Menschen gefunden werden will.
Einladung zur Selbstreflexion und Ausblick
Was könntest du jetzt tun? Du könntest darüber nachdenken, ob du in Geist und Wahrheit anbetest. Wie viel Schein und wie viel Sein steckt in deinem Gebetsleben?
Ist das alles für heute? Falls es meine Gesundheit zulässt, möchte ich morgen Abend wieder eine Online-Bibelstunde anbieten. Um 19:15 Uhr auf meinem YouTube-Kanal geht es um den ersten Johannesbrief.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
