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Der predigende Kesselflicker von Bedford

Eine Kurzbiographie über John Bunyan
Römer 7,9
Serie•Teil 1 / 1Mit Freuden ernten - Erfahrungen in Lebenskrisen
John Bunyan (1628 – 31.8.1688) Mit Freuden ernten ist ein Buch von Beate und Winrich Scheffbuch über schwere Lebensereignisse einiger Christen. Vertonung mit freundlicher Genehmigung vom Autor. Weitere Literatur: William Deal: John Bunyan, Marburg 1985 Bunyan, John: Überreiche Gnade (Autobiographie) https://www.3lverlag.de/417-uberreiche-gnade.html Frank M. Harrison: John Bunyan - Kesselflicker, Prediger und Autor der Pilgerreise https://clv.de/John-Bunyan/255367 John Bunyan: Die Pilgerreise, Konstanz o.J. https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10597804_00005.html Pilgerreise (Neuauflage): https://www.cbuch.de/john-bunyan-die-pilgerreise-hardcover.htm

Ein unerwarteter Beginn in Bedford

Mit Freuden ernten von Beate und Winrich Schäffbuch. Die heutige Erzählung trägt die Überschrift: „Der predigende Kesselflicker von Bedford“, John Bunyan. In zwölfjähriger Haft entstand der weltbekannte Bestseller.
Es war am zwölften November, einem kalten Sonntagmorgen des Jahres sechzehnhundertsechzig. John Bunyan, ein umherreisender Kesselflicker aus Bedford, ritt in ein kleines Dorf nördlich von London. Ein Bauer von dort hatte ihn zum Predigen eingeladen.
Gleich als er ankam, empfingen ihn die Leute aufgeregt mit der Nachricht, der Dorfpolizist sei beauftragt, die gottesdienstliche Versammlung aufzulösen. Es war nicht Bunyans Art, feige vor den Mächtigen zurückzuweichen. Er hatte schon überall gepredigt, in Wäldern und in Scheunen, auf Plätzen und Friedhöfen, manchmal auch in Kirchen. Meist war er verkleidet und bei Nacht unterwegs.
„Nein, der Gottesdienst wird nicht abgesagt“, sagte er entschlossen.
Gerade als er nach einigen gemeinsam gesungenen Liedern mit der Predigt beginnen wollte, klopfte es an der Tür. Es war der Dorfpolizist, der den Haftbefehl schon mitgebracht hatte. Da Bunyan das biblische Evangelium der überströmenden Gnade predigen wollte, genügte schon das für eine Haftstrafe wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“.
Nachdem unter dem bibelfesten Staatsführer Oliver Cromwell zum ersten Mal in England Religionsfreiheit geherrscht hatte, wurden nach seinem Tod wieder alle freien und unabhängigen evangelischen Gruppen außerhalb der bischöflichen Staatskirche als ungesetzlich rücksichtslos verfolgt. Schließlich hatte es in England keine wirklich grundlegende Reformation gegeben. So mussten sich die biblischen Reformkräfte in neuen Gruppen eine Heimat schaffen.
Das neue englische Versammlungsgesetz erlaubte aber überhaupt keine Versammlung mit mehr als fünf Personen neben der offiziellen Staatskirche. In deren Augen war Bunyan jedoch ein Irrgläubiger.

Haft, Sorge und innere Bewährung

In das alte Gefängnis von Bedford, das auf der Brücke über dem Fluss stand, wurde Bunyan eingeliefert. Am meisten machte sich Bunyan Sorgen um seine Frau, die er erst vor einem Jahr geheiratet hatte. Nachdem seine erste Frau an der Schwindzucht gestorben war, sorgte seine zweite Frau für die vier Kinder. Sie hatten höchstens noch für wenige Tage zu essen. Wie sollten sie durchkommen, wenn er nichts zum Lebensunterhalt verdienen konnte?
Schließlich durfte John Bunyan im Gefängnis Häkelarbeiten, Schnüre und Flechtgebinde herstellen und mit Hilfe seiner blinden Tochter verkaufen lassen. Wenn er versprochen hätte, nicht mehr zu predigen und keine Versammlungen mehr abzuhalten, wäre er sofort freigelassen worden. Nun aber wurde die Haft immer wieder verlängert. Dies bedrängte Bunyan umso mehr, als er hörte, dass seine Frau sehr schwer erkrankt war.
Erst nach zwölf Jahren wurde John Bunyan aus dem Gefängnis entlassen. Die trostlose Kerkerhaft konnte aber trotz aller Leiden seine Willenskraft nicht brechen. Er kämpfte gegen Depression und Niedergeschlagenheit und entdeckte dabei, welch eine unbeschreiblich befreiende Kraft das Evangelium von Jesus gibt. Als einzige Bücher hatte John Bunyan im Gefängnis die Bibel und das Märtyrerbuch von Fox.

Die Geburt eines Buches aus der Gefängniszelle

In der Einsamkeit der Gefängniszelle entstand das berühmte Erbauungsbuch „Pilgerreise zur seligen Ewigkeit“, das fast so viele Übersetzungen und Auflagen erlebt hat wie die Bibel selbst. Es ist ein Buch der grossen Sehnsucht nach dem ewigen Leben, durchzogen von lauter Bildern aus der Bibel, lebensnah und packend, angefüllt mit tiefen biblischen Bezügen.
Es stammte aus der Feder eines Mannes, der nie offiziell als Prediger anerkannt wurde und doch wie kein anderer seiner Generation gewaltig und vollmächtig predigte. Trotz seiner mangelhaften Schulbildung hat er sechzig christliche Bücher geschrieben.
Sechzehnhundertachtundzwanzig wurde er in der Nähe von Bedford als Kind eines armen Kesselflickers geboren. Diese Leute nannte man damals, weil sie bei der Ausübung ihres Berufs viel herumzogen, abschätzig „Zigeuner“.
John Bunyan lebte als ganz einfacher, bescheidener Mann in einem äusserst beengten Rahmen. Sein Leben lang blieb er nichts als ein Kesselflicker und übte diesen Beruf auch bis zu seinem Tod aus. Sein Leben wurde aber weit und gewann grossen Einfluss auf unzählige Menschen durch seine Predigt von der konsequenten Nachfolge Jesu.
Bis heute zeigt John Bunyan durch sein seelsorgerliches Buch von der fesselnd geschriebenen Pilgerreise unzähligen Menschen den Weg zum Himmel, indem er die tückischen und gefährlichen Irrwege deutlich beim Namen nennt. Eindrücklich weist Bunyan darauf hin, dass es darum geht, sein Leben zu retten. Das ist aber nur durch das unverdiente Geschenk der Gnade Gottes möglich.
Man muss aufbrechen aus der Stadt Verderben. Man darf sich nicht auf dem Markt der Eitelkeiten aufhalten lassen. Er selbst verstand sein Leben im grossen Horizont der Ewigkeit, wo hart und unerbittlich ein geistlicher Kampf durchlitten werden muss.
Was er in seinen Büchern schreibt, ist gesunde Bibellehre, bezogen aus den Büchern bewährter Glaubenszeugen vor ihm, am meisten von Luther. Bunyan entdeckte: Keiner der grossen Glaubenszeugen, der auf Gott vertraute, wurde zu Schanden. „Nimm die Bibel und lies, und sieh zu, ob du einen finden kannst, der auf Gott vertraute und zu Schanden ward.“
Nicht nur in seiner Gefängniszelle, sondern alle Tage lebte er im Licht der Herrlichkeit Gottes.

Prägungen, Schuld und die Erfahrung der Gnade

Deine Gerechtigkeit ist im Himmel, das predigte John Bunyan. Es hatte einst sein Leben entscheidend geprägt und ihn tief bewegt, als er im englischen Bürgerkrieg als junger Soldat von einem Kameraden bei der Wache vertreten wurde. Als plötzlich die Königlichen angriffen, verlor der Kamerad sein Leben, stellvertretend für John Bunyan. Dieses erschütternde Erlebnis machte ihm das Opfer Jesu erst ganz groß, der für unsere Schuld gestorben ist.
Zunächst hatte seine Frau, die er im Alter von zwanzig Jahren heiratete, einen beträchtlichen Einfluss auf ihn. Sie war ein armes Waisenmädchen und brachte in die Ehe außer einem Löffel und einer Schüssel nur zwei Bücher aus dem Nachlass ihres gläubigen Vaters mit. Diese Schriften, Des Armenmannes Weg zum Himmel und Übung zur Frömmigkeit, wurden für das junge Paar sehr wichtig.
Damals kämpfte John Bunyan noch um den Weg, den er einschlagen sollte. Man konnte ihn häufig am Spieltisch in der Wirtschaft finden, ganz selten aber auch wieder im Gottesdienst. Er selbst erzählt aus seiner Jugend, wie er Gott mit Lügen und Fluchen erzürnte. Sein zart empfindsames Gewissen litt jedoch sehr unter allem Unrecht. Im Schlaf ängstigten ihn furchtbare Träume und grausige Visionen. Dieses tiefe Empfinden von Schuld, Anfechtung und Leiden unter der schmerzlichen Trennung von Gott hat ihn früh reifen lassen für den Glaubenskampf des Christen und dessen Sieg. Sehnsüchtig harrte er auf eine befreiende Erlösung.
Aber bevor John Bunyan die Gnade ergreifen konnte, musste ihm schwindelig werden vor den unheimlichen Abgründen seines eigenen Lebens, die er nicht bewältigen konnte. Das erweckte Gewissen spiegelt sich in meisterhaft bildhafter Beschreibung wider in seiner Pilgerreise zur seligen Ewigkeit. Man hört dort in den anschaulichen Schilderungen den Schrei des verzweifelt weinenden Mannes mit der unstillbaren Sehnsucht nach Leben: Was soll ich tun, um gerettet zu werden? Und dann beschreibt John Bunyan sich selbst, wie er so überwältigend die befreiende Gnade Gottes am Kreuz Jesu erlebte.
So lief er, bis er zu einer Stätte kam, die ein wenig anstieg. Auf dieser Stätte stand ein Kreuz, und etwas tiefer darunter war ein Grab. Und als Christ zum Kreuz kam, löste sich die Last von seinen Schultern, fiel von seinem Rücken ab und rollte den Hang abwärts, immer weiter abwärts bis in die Öffnung des Grabes in der Tiefe. Und seither habe ich nimmermehr etwas von ihr gesehen.

Dienst trotz Schwäche und Verfolgung

Wie konnte ein solch schwacher Mann wie John Bunyan in seinem armseligen, von Verboten, Gefängnis und Leid schwer belasteten Leben so viel mehr wirken als andere? Er berichtet selbst darüber in seinem Buch von der „überströmenden Gnade“.
Das Wort des Paulus von jenen Mitarbeitern in Korinth, die sich selbst zum Dienst bereitgestellt haben, brachte mich zur Erkenntnis, dass der Heilige Geist niemals wollte, dass Menschen ihre Gaben und Fähigkeiten in der Erde vergraben. Vielmehr wollte er ihnen befehlen und sie antreiben, ihre Gaben zu gebrauchen.
Obwohl ich mich unter allen Gläubigen als den Unwürdigsten ansah, begann ich meine Arbeit angesichts meiner eigenen Schwachheit mit großer Furcht und Zittern und wirkte entsprechend meinen Gaben und meinem Glauben. Ich predigte das gesegnete Evangelium, das mir Gott in dem heiligen Wort der Wahrheit gezeigt hatte. Zuerst konnte ich aber nicht glauben, dass Gott durch mich zum Herzen irgendeines Menschen sprechen wollte, weil ich mich selbst für unwürdig hielt.
Jedoch liebten mich die, die vom Wort Gottes berührt waren, und achteten mich. Sie priesen Gott meinetwegen, der ich doch so unwürdig und böse bin, und nannten mich das Werkzeug Gottes, das ihnen den Weg zur Erlösung zeige.
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 1672 war John Bunyan rastlos unterwegs, um anderen zu dienen. Er gründete viele Versammlungen von bibeltreuen Christen und arbeitete nebenher ganz bescheiden weiter als Kesselflicker. Für die Baptisten in der Gegend um Bedford wurde er der geistliche Leiter. Da man ihnen keine Kirche zugestand, predigte er meist in einer Scheune.
Noch einmal kam Bunyan für sechs Monate in Haft, weil er ohne Lizenz gepredigt hatte. Aber auch Vertreibung und Krankheit konnten ihn nicht aufhalten.
Auf einem weiten Ritt zu einem seelsorgerlichen Gespräch geriet John Bunyan im Jahr 1688 in ein fürchterliches Unwetter. Er bekam hohes Fieber und starb wenige Tage später im Alter von sechzig Jahren.