
Jesus: obdachlos, arm und Single
Was hat der Lebensstil von Jesus mit meiner Nachfolge zu tun?
Markus 10,17-2701.11.2026
Event•Teil 15 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einstieg mit einer persönlichen Frage
Ich habe eine kleine, einfache Frage zum Anfang mitgebracht: Wenn dein Leben ein Emoji wäre – also irgendein Emoji – such dir eins aus. Welches Emoji würde gerade dein Leben besonders gut beschreiben? Es kann eins von den hier sein, es könnte aber auch ein ganz anderes sein.
Wie lebst du gerade? Was macht gerade deinen Fokus aus? Wo liegt der Mittelpunkt, wo ist der Schwerpunkt? Du kannst noch einmal kurz überlegen: Welches Emoji wäre es? Vielleicht kommst du gerade frisch aus dem Urlaub.
Und dann habe ich eine zweite Frage direkt hinterher: Stell dir vor, du bist jetzt zehn Jahre älter. Oder zwanzig Jahre älter. Wie würde dein Emoji dann aussehen? Was wäre es für ein Emoji? Vielleicht irgendetwas davon, zwanzig Jahre weiter. Ich will keine Angst machen, aber vielleicht kommt der Haarausfall schon näher. Gibt es Kinder, gibt es keine? Wird jemand von uns vielleicht mal Feuerwehrmann? Wir wissen es nicht.
Wie würde dieses Emoji wohl aussehen in ein paar Jahren? Kommt dir da etwas direkt in den Sinn, wo du so denkst: Ja, eigentlich habe ich den Plan, und den würde ich auch gerne durchsetzen? Oder vielleicht weißt du auch noch gar nicht so genau, was das für ein Emoji sein könnte.
Noch eine dritte Frage, danach höre ich auch auf, wirklich, ich verspreche es: Glaubst du, dass dieses Zukunfts-Emoji, das du dir jetzt vorgestellt hast, einfach so passiert? Also wirst du einfach passiv die nächsten zehn, zwanzig Jahre vor dich hintreiben, und irgendwann wird dieses neue Zukunfts-Emoji aus dir werden?
Anders gefragt: Hast du eigentlich einen Einfluss darauf, wie du lebst, wie du vielleicht auch in ein paar Jahren bist, was dich ausmacht? Und ich würde sagen: Ja, auf jeden Fall hast du viel Einfluss darauf, wie dein Leben in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird.
Klar, ein kleiner Disclaimer am Anfang: Es gibt viele Dinge, die können wir nicht steuern. Vieles, was mit Gesundheit zu tun hat, mit Schicksalsschlägen. Da stecken wir nicht drin und können wenig daran ändern. Und klar, wir haben nicht alle die gleichen Voraussetzungen und Chancen. Wir starten an unterschiedlichen Punkten.
Okay, aber ich glaube, es ist nicht alles entschieden. Vieles von dem, was sich in den nächsten Jahren prägen wird, kannst du mitbestimmen. Du kannst es selbst in die Hand nehmen.
Deswegen stelle ich ganz an den Anfang dieses Vortrags den Satz: Gestalte dein Leben! Gestalte dein Leben und mach was draus!
Was könnte alles aus diesem kleinen Anfangs-Emoji werden? So viele Gesichter, die jetzt zugegebenermaßen mich hier anschauen. Was wird aus euch werden in zehn, in zwanzig Jahren?
Ich glaube, niemand wacht mit dann eben zehn oder zwanzig Jahren älter auf – ich will jetzt niemanden hier verurteilen, mit dreißig, mit vierzig, mit fünfzig oder älter, je nachdem, wo er so steht – niemand wacht irgendwann auf und denkt, einfach ist alles so passiert und man ist irgendjemand.
Das Privileg der Lebensgestaltung und der Lebensrahmen
Wir sind zu dem geworden, was wir heute sind, durch den Weg, den wir gegangen sind. Ich würde sagen, das ist ein Privileg. Es ist ein großes Privileg, dass wir unser Leben gestalten dürfen, Entscheidungen treffen und Chancen ergreifen können.
Wir gestalten unser Leben aktiv. Dafür habe ich ein kleines Bild mitgebracht. Den Rahmen hat mein Cousin gebaut, muss ich sagen. Aber ich werde ihn noch überzeugen, denn er hat es mir extra erklärt.
Dein Leben passt wahrscheinlich irgendwann in so einen Rahmen – deinen Lebensrahmen. Der Lebensrahmen beschreibt, was dein Leben ausmacht: Wie ist dein Umgang mit anderen Menschen? Wie gehst du mit Geld um? Wie behandelst du deinen Körper? Wie stehst du zu Leistung? Wie nutzt du Social Media? Und wie ist deine Beziehung zu Gott?
Ich glaube, all das baut an deinem Lebensrahmen. In diesem Lebensrahmen wird sich dein Leben abspielen.
Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich mit Menschen ins Gespräch komme, wie wenige wirklich denken: „Ja, das nehme ich in die Hand.“ Stattdessen denken viele eher: „Uff, mal gucken. Ob ich da wirklich viel ändern kann, weiß ich nicht.“ Oder manche sagen: „Ach ja, da mache ich mir jetzt nicht so viele Gedanken. Ich schaue einfach mal und lasse es auf mich zukommen.“
Das ist natürlich fair. Man kann es so machen. Eine Grundentspanntheit hat noch niemandem geschadet.
Aber ich glaube, es ist gut zu wissen, dass wir unseren Lebensrahmen selbst gestalten können.
Begegnung mit einem jungen Mann aus der Bibel
Wir schauen uns jetzt gemeinsam einen Mann aus der Bibel an, einen jungen Mann, der an einem Punkt in seinem Leben steht, an dem er über seinen Lebensrahmen nachdenkt. Manchmal passiert es, dass man sich selbst reflektiert und sich fragt, was eigentlich den eigenen Lebensrahmen ausmacht und ob man mit diesem Rahmen weitergehen möchte.
An genau so einem Punkt befindet sich dieser Mann. Er hat seinen Lebensrahmen eigentlich ziemlich stabil aufgebaut. Er lebt moralisch einwandfrei, ist religiös sehr engagiert – wahrscheinlich war er sogar Pharisäer. Er hält fast alle Gebote, ist respektiert, reich und seine Zukunft scheint gesichert. Er hat sich einen stabilen Lebensrahmen für sich selbst geschaffen. Er hat sein Leben in die Hand genommen, und trotzdem scheint ihm etwas zu fehlen. Irgendetwas, das er sich nicht genau erklären kann.
Im Hinterkopf stellt sich ihm die Frage, die, glaube ich, immer wieder auftaucht: War das schon alles? Fehlt noch etwas? Brauche ich noch etwas, um glücklicher oder erfolgreicher zu werden?
Heutzutage ist das oft ganz entspannt. Man kauft einfach einen Ratgeber. Es gibt ja Ratgeber zu allen möglichen Themen. Wer kennt nicht diese typischen YouTube-Videos, in denen einem das perfekte Kissen zum einmaligen Preis von 169,99 Euro angeboten wird? Sofort klicken, und dein Schlaf wird sich für immer verändern, du wirst nie wieder Nackenschmerzen haben, alles wird gut.
Ratgeber gibt es an allen Ecken und Enden: Wie wird man endlich sportlich? Was ist die perfekte Diät? Das einzige Buch, das du über Finanzen lesen solltest? Fünfzig Fragen, die dein Leben leichter machen? Oder wie du in einem Jahr Millionär wirst? Und so weiter und so fort.
Viele Menschen versuchen, uns Ratschläge zu geben, wie unser Lebensrahmen aussehen sollte, damit er möglichst erfolgreich wird. Zu biblischen Zeiten gab es diese gedruckten Ratgeber natürlich noch nicht, auch kein YouTube und ähnliches.
Aber zum Glück gab es Menschen, die herumgereist sind. Man nannte sie Rabbis oder Lehrer. Zu ihnen konnte man gehen und nachfragen, wenn man Lebensrat brauchte.
Dieser Mann hat genau das getan. Er ist zu einem ganz besonderen Lehrer gegangen, zum Rabbi Jesus. Jesus zog mit seinen Jüngern durchs Land und lehrte sie.
Jesus als Lehrer und die Systemfrage
Aber was bedeutet es eigentlich, gelehrt zu werden? Ich würde sagen, es ist fast wie eine Ausbildung. Jesus hat Jünger um sich geschart, nur wenige. Wir haben es vorhin schon gehört: Er hat in wenige Menschen investiert. Aber er hat auch allen Menschen Rat gegeben, die zu ihm gekommen sind.
Dieser reiche Mann kommt nun zu Jesus und überlegt sich vielleicht, ob er auch bei ihm in die Lehre gehen könnte. Er stellt ihm eine einfache Frage: Was soll ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme? Was muss ich machen, damit ich das ewige Leben erlange?
Jetzt wird es spannend. Jesus sagt nicht: „Ja, mach noch dies und das, dann wird alles gut.“ Du musst nur noch die paar Sachen erfüllen, dir fehlen noch ein paar Punkte, und dann bist du sicher. Stattdessen stellt Jesus die Systemfrage zurück. Er hinterfragt den Rahmen, in dem dieser Mann lebt.
Bisher hat der Mann viel auf Sicherheit gebaut – auf sein eigenes Vermögen, auf das, was er selbst tut. Jesus sagt zu ihm: „Hey, gib diesen Rahmen weg, gib deine Kohle weg, all dein Geld.“ Die Systemfrage lautet: Willst du den Rahmen wechseln?
Jesus fordert ihn auf, vollkommen zu entrümpeln und alles auf den Kopf zu stellen. Ich glaube, so ist es, wenn man bei Jesus in die Ausbildung geht. Da wird einiges auf den Kopf gestellt und verändert.
Nachfolge ist ein bewegungsreicher Akt, den man schlecht im Sitzen ausführen kann. Deswegen bitte ich euch, aufzustehen. Micha liest uns nun die Geschichte von diesem Mann vor.
Die Begegnung im Evangelium Markus 10
Die Begebenheit steht in Markus 10. Jesus machte sich wieder auf den Weg, da kam ein Mann angelaufen. Er fiel vor ihm auf die Knie und fragte: „Guter Lehrer, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme?“
Jesus antwortete: „Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer dem einen Gott. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst keine falschen Aussagen machen, du sollst niemandem um das bringen, was ihm zusteht, und du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren und für sie sorgen.“
Der Mann sagte: „Lehrer, das alles habe ich seit meiner Jugend befolgt.“ Jesus sah ihn an, gewann ihn lieb und sagte zu ihm: „Eins fehlt dir noch. Geh los, verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. So wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach.“
Der Mann war betroffen von dem, was Jesus sagte, und ging traurig weg, denn er hatte ein großes Vermögen. Jesus sah seine Jünger an und sagte: „Wie schwer ist es doch für die Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes hineinzukommen.“
Die Jünger waren bestürzt über seine Worte. Aber Jesus sagte noch einmal zu ihnen: „Ja, Kinder, wie schwer ist es doch, in das Reich Gottes hineinzukommen. Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.“
Da gerieten die Jünger völlig außer sich und fragten einander: „Wer kann dann überhaupt gerettet werden?“ Jesus sah sie an und sagte: „Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott, denn für Gott ist alles möglich.“
Ihr dürft gerne wieder hinsitzen, wir machen nachfolgend dem Sitzen weiter.
Der Nachfolger-Dreischritt: Jesus als Lebensrahmen
Wie sieht es eigentlich aus, wenn man bei Jesus in die Lehre geht, wenn man bei ihm Azubi wird?
Ich habe heute einen kleinen Nachfolger-Dreischritt mitgebracht. Er ist total simpel und wahrscheinlich haben ihn alle von euch schon mal irgendwie gehört oder vielleicht auch mitgemacht. Aber ich finde ihn wunderbar. Es sind drei ganz einfache Punkte, um für sich selbst in dieses Rahmenbauen mit Jesus reinzukommen und diesem Lebensstil von Jesus näherzukommen.
Ihr habt jetzt gleich zwei Minuten und circa sieben Sekunden Zeit, um euch den Text noch einmal für euch selbst durchzulesen. Ich hoffe, jeder hat irgendwie eine Bibel dabei, sei es auf dem Smartphone oder im Browser, zum Beispiel bibelserver.de oder eine andere Seite. Ich habe auch noch ein paar Bibeln hier, falls jemand keine hat. Ich verschenke gerne reichlich. Jeder sollte den Zugang zu dem Bibeltext haben, der jetzt hier vorne steht: Markus 10.
Genau, und wir nehmen uns jetzt gleich diese zwei Minuten und sieben Sekunden Zeit, um einfach mal auf Jesus zu schauen. Einfach mal auf Jesus schauen als ersten Blick und uns zu überlegen: Was hat diese Geschichte jetzt ganz konkret mit meinem Lebensziel zu tun? Was ist die eine Entdeckung, was ist die eine Sache, die ich daraus ableiten kann für meinen persönlichen Lebensweg mit Jesus? Was ist es?
Jeder von euch taucht jetzt zwei Minuten in den Text ein und überlegt für sich selbst.
Austausch und Commitment in der Gruppe
Gut, manche schauen noch nach unten, aber manche setzen trotzdem einen Punkt oder einen Doppelpunkt.
Und zwar gehen wir zum nächsten Schritt meines kleinen Nachfolgers: drei Schritte, die ich mitgebracht habe, um mit anderen ins Gespräch zu kommen.
Ich glaube, Jesus war es wichtig, dass wir uns austauschen. Er war mit einer Gruppe von Leuten unterwegs, nicht alleine, und hat mit ihnen viel über das Leben gesprochen – darüber, was es ausmacht und was es gut macht.
Deswegen machen wir das jetzt auch so: Ihr habt sieben Minuten und circa zwölf Sekunden Zeit, um euch zu zweit oder zu dritt zusammenzufinden – je nachdem, wie es passt – und einfach kurz eure Gedanken auszutauschen.
Ihr könnt auch noch kurz euren Namen sagen, aber verliert euch nicht in der Vorstellung, sondern geht direkt hinein: Was steckt in diesem Text für euch drin? Für euer Leben, für euren Lebensstil?
Ich weiß, es ist ein kleiner Überwindungsmoment, aber dann wird es schön.
Der zweite Schritt hat euch jetzt hineingeführt in das, was andere Menschen sich gedacht haben, als sie den Bibeltext gelesen haben, aber auch in das, was ihr selbst euch dabei gedacht habt.
Mir geht es hierbei nicht darum, dass wir beim nächsten Schritt – dem Committen – riesige Dinge versprechen. Vielmehr frage ich: Was könnte der nächste Schritt sein?
Was ist für dich die eine Sache, die sich aus diesem Bibeltext für dich ergeben hat?
Das kann total assoziativ sein. Vielleicht ist es für dich dran, konkret an dem Thema Besitz zu arbeiten, das der Text thematisiert. Vielleicht möchtest du etwas verschenken, vielleicht morgen auf die Straße gehen und der ersten Person fünf Euro in die Hand drücken. Wer weiß? Vielleicht möchtest du den Typen hinter dir bei Maggis in der Schlange einfach mal einladen. Wer weiß? Keine Ahnung, könnte ja sein.
Vielleicht möchtest du aber auch in einem ganz anderen Bereich etwas tun, um in der Nachfolge zu wachsen. Vielleicht Bibel lesen gemeinsam, vielleicht hat es dir Spaß gemacht, dich mit Leuten über einen Bibeltext auszutauschen – oder oder oder. Deiner Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Der dritte Schritt für dich: Nimm dir circa vierundfünfzig Sekunden Zeit, um dir eine Sache zu notieren.
Wenn du richtig mutig bist, schreibst du dir diese Sache irgendwohin – zum Beispiel als Hintergrundbild auf dein Handy oder in die Notizen, wo du sie auch wieder wegstecken kannst.
Eine Sache, die für dich aus deiner persönlichen Bibellektüre und aus dem, was du jetzt mit den anderen besprochen hast, folgt. Jeder für sich.
Das war jetzt eine kleine Übung miteinander, eine kleine Übung darüber, wie man bei Jesus in die Lehre gehen kann, wie man sein Azubi werden kann.
Mir ist wichtig, an diesem Punkt zu sagen: Diese kleinen Schritte, die ihr jetzt macht, diese Gebote, diese Weisungen von Gott, sind keine Bedingung dafür, dass ihr ihm näherkommen dürft.
Es geht hier nicht darum, etwas für Gott zu tun, damit ihr ihm danach näher seid. Im Gegenteil: Diese Weisungen und Gebote sind im Prinzip Angebote. Angebote für dein Leben, wie du Jesus nahekommen willst – wenn du willst.
Es sind kleine Schritte auf einem Beziehungsweg, keine Riesensprünge.
Und ich glaube, die allermeisten erleben so Christsein. Ich zumindest erlebe es so.
Also: Ich mache selten Riesensprünge und auf einmal kann ich, keine Ahnung, das Buch Obadja auswendig von einem Moment auf den anderen. So erlebe ich es nicht.
Ich erlebe es so: Wenn man mit Jesus unterwegs ist, dann sind es kleine Schritte. Kleine Schritte nach vorne, manchmal zurück, aber immer gemeinsam mit ihm auf dem Weg.
Jesus als Vorbild und Rahmensprenger
Wir haben jetzt in eine kleine Geschichte hineingezoomt. Und Junge, es gibt vier Evangelien – wir könnten noch viele weitere Geschichten erzählen. Es gibt so viele Berichte darüber, wie Jesus gelebt hat und was er getan hat. So viele unterschiedliche Möglichkeiten, so viele Geschichten, die in diesem besten Ratgeber der Welt stecken, der jemals geschrieben wurde. Diese könnten wir alle noch entdecken.
Ich habe versucht, in der Überschrift dieses Themas zusammenzufassen, was für mich besonders anregende Dinge daran sind, wie Jesus gelebt hat. Es sind für mich Dinge, die mich auch ein bisschen herausfordern.
Jesus war obdachlos, arm und Single. Er hatte kein eigenes Haus, nicht einmal eine Eigentumswohnung. Meist schlief er entweder im Zelt oder übernachtete bei Freunden. Er war bei irgendwelchen Leuten zu Besuch. Jesus war arm und hatte keinen großen Besitz. Es ist nichts überliefert, dass er eine besonders große Schafherde besaß oder Ähnliches. Auch ist nicht überliefert, dass er sich gut mit den Königen verstand – vor allem nicht mit der herrschenden Klasse, die ihn eigentlich am liebsten loswerden wollte.
Jesus war Single. Es ist nichts überliefert von einer Frau oder von Kindern. Er war allein unterwegs, aber nicht ganz allein. Mit seiner kleinen Wanderbibelschule, seinen Jüngern zusammen, lebte er eher wie in einer Art Wohngemeinschaft.
Mit anderen Worten: Vieles an dem, wie Jesus gelebt hat, entspricht nicht unbedingt dem, wie wir unsere Leben leben oder wie wir unsere Zukunftspläne machen. Ganz am Anfang habe ich euch ja gefragt: Wie sieht euer Emoji im Moment aus? Und danach: Wie soll euer Emoji irgendwann aussehen, in zehn, zwanzig Jahren?
Ich finde die Frage spannend: Wie würde das Emoji eigentlich aussehen, wenn du zehn oder zwanzig Jahre bei Jesus als Azubi wärst und versuchen würdest, seinem Leben nachzugehen? Und ich glaube, hier wird es spannend, denn Jesus sprengt den Rahmen, den wir uns setzen – auch für mich ist das spannend.
Ich glaube, viele der Lebensrahmen, die wir haben, werden durch die Lebensweise von Jesus gesprengt. Aber ich glaube nicht, dass Jesus das tut, um uns ins Chaos zu stürzen oder uns etwas zu geben, das wir niemals erreichen könnten. Ich glaube, Jesus baut daraus einen neuen Rahmen.
Dieser Rahmen sieht anders aus, als wir uns vielleicht einen Rahmen vorstellen. Was heißt das für dich, wenn das Kreuz zu einem neuen Rahmen wird? Für mich bedeutet das: Das Kreuz ist kein Ding, in das ich einfach etwas hineinpacken kann. Es ist kein abgeschlossener Rahmen mit einem Innen und einem Außen.
Ich glaube, das Kreuz und Jesus sind eher wie ein Kompass. Sie geben uns Orientierung. Sein Leben war sicher in vielem ein totaler Anstoß für die Leute. Von seiner Geburt in einem ungewöhnlichen Stall über seine Lebensweise mit einfachen Leuten, die er als Schüler annahm, bis hin zu den Wundern und Gleichnissen – alles, was er getan hat, zeigt, dass Jesus immer ein Rahmensprenger war.
Ich finde es interessant, was er zu dem reichen Jüngling sagt, der so in seinem festen Rahmen steckt. Er sagt zu ihm einen kleinen, aber bedeutenden Satz, den ich für einen der wichtigsten in der Bibel halte: „Komm und folge mir nach.“
Nachfolge bedeutet hier, sich ein neues Lebensziel einzurichten. Der ganze Abschnitt, den wir gelesen haben, ist voller Bewegungsvokabeln. Es geht viel ums Folgen, ums Weggehen und ums Hineinkommen.
Der junge Mann kommt zu Jesus und kniet sich vor ihm nieder. Er hat wirklich Lust zu starten. Er will erfahren: „Hey, was soll ich noch tun, damit ich endlich auch dieses ewige Leben bekomme? Ich mache doch schon enorm viel, aber was kann ich noch tun?“
Jesus antwortet ihm: „Nachfolge ist nicht einfach nur mir hinterherzulaufen. Nachfolge kostet auch etwas. Ich muss etwas loslassen.“
Ich finde es so interessant, dass der Mann fragt, was er tun soll, und Jesus ihm daraufhin sagt, dass er etwas loslassen muss. Es geht nicht darum, noch eine Schippe draufzulegen, sondern etwas loszulassen.
Es geht erst einmal um viele Gebote, bei denen Menschen etwas tun. Jesus erinnert diesen Mann, der eigentlich denkt, dass er schon alles kann, an ein Gebot, das er vielleicht vergessen hat.
Das erste Gebot – Jesus erinnert ihn daran, dass die Beziehung zu Gott an erster Stelle steht. Nicht all die Dinge, die wir tun. Diese vielen Dinge, die wir tun, mögen uns vielleicht näher zu Gott führen, aber sie sind nicht das, was am Ende entscheidend ist.
Jesus als Kompass für unser Leben
Also, was bedeutet die Obdachlosigkeit von Jesus, wenn wir sie als Kompass nehmen? Nicht als Navi, das uns zum Ziel führt, sondern als Orientierung, die in unser Leben hineinwirkt.
Dann könnte Obdachlosigkeit ein Denkanstoß für Gastfreundschaft sein. Wen lässt du in dein Leben hinein? Wer darf bei dir einziehen? Wem öffnest du dein Haus? Wo bist du wirklich gastfreundlich?
Ich versuche, mein Leben so zu gestalten, dass ich immer wieder Leute einlade, für sie koche und einfach ein volles Wohnzimmer mit Menschen habe, die lachen. Was gibt es Schöneres?
Dann ist die Armut für mich ein Denkanstoß für Großzügigkeit. Wie gehst du mit deinem Geld um? Mit deiner Zeit, mit deiner Aufmerksamkeit? Wem schenkst du sie einfach so? Nicht, weil die Person es sich bei dir irgendwie verdient hat, sondern einfach so.
Und dann ist das Single-Sein für mich ein Denkanstoß, um über das Thema Beziehung nachzudenken. Wie lebst du deine Beziehungen? Also deine Freundschaften, die Beziehung in deiner Familie, aber auch die Beziehung zu deinem Partner oder deiner Partnerin.
Wenn das Kreuz der Rahmen ist, dann geht es, glaube ich, um verantwortungsvoll gelebte Beziehungen. Wie gehst du mit Menschen um? Wie hörst du ihnen zu? Wie liebst du sie?
Scheitern und Gottes Hilfe
Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, der auch die Jünger enorm aufgeregt hat. Gelingt das immer alles? Ist das immer alles wunderbar? Nein, bei mir nicht. Ich weiß nicht, ob ihr alle Vollprofis seid, aber ich scheitere regelmäßig gnadenlos an all diesen Dingen, an diesen schönen Geboten und an den Vorsätzen, die ich mir vornehme. Ich scheitere regelmäßig.
Natürlich kaufe ich mir manchmal etwas abartig Überteuertes, einfach nur, weil ich es toll finde. Ja, natürlich denke ich manchmal, ich könnte mich jetzt schon mit einer Person unterhalten, weil diese ein Gespräch nötig hätte. Aber ich habe so einen vollen Kopf und eine volle Woche, da gehe ich natürlich vorbei.
Das ist auch die Frage, die sich die Jünger stellen: Wenn dieser Gebotestreber, dieser reiche Jüngling, nicht mal in den Himmel kommt - obwohl er doch alles macht -, wer soll denn dann dort hinkommen? Jesus verweist ganz entspannt auf Gott und sagt ihm: Ja, genau, das kannst du nicht. Aus eigenem Tun rettest du dich nicht. Das ist so, das kann nur Gott, dem nichts unmöglich ist.
Ich glaube, vielleicht ist das das, was wir aus dem Lebensstil von Jesus herausziehen können: Es ist der tägliche Versuch, den Rahmen zu wechseln. Und ich sage bewusst Versuch. Es ist der Fokus auf den wohl besten Menschen, der je gelebt hat. Warum sollte man von diesem Lebensmeister Jesus nicht noch einiges lernen können?
Und es ist der Fokus auf den Gott Jesus, der am Ende Rettung und ewiges Leben bringt. Beides: Lebensmeister und Gott.
Abschluss mit der Einladung zum Mitgehen
Am Ende dieses kurzen Vortrags steht für mich der Satz, der ganz am Anfang des Bibeltextes steht. Das ist mein persönlicher Lieblingssatz in diesem Text: „Jesus machte sich wieder auf den Weg.“
Jesus machte sich wieder auf den Weg.
Und die einfache und schlichte Frage lautet: Kommst du mit?
Ich bete: Jesus, danke, dass du uns gerettet hast, dass wir vor dir nichts leisten müssen und dass du uns immer wieder dein Leben zeigst. So können wir selbst erfahren und spüren, was es heißt, ein gutes Leben zu haben.
Danke, dass du da bist. Amen.