Serie•Teil 8 / 8Vogelflüge biblischer Bücher
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung in die prophetische Aufgabe und den geschichtlichen Rahmen
Haniel Hirndt mit einem weiteren Vogelflug durch ein alttestamentliches Buch, einen Propheten.
Ganz kurz: Was ist ein Prophet? Ein Prophet kündigt natürlich zukünftige Ereignisse an. Das ist das, woran wir zuerst unmittelbar denken, wenn wir den Ausdruck „Prophet“ hören. Er ist das auserwählte Gefäß oder Werkzeug Gottes für sein Volk, aber auch für andere Völker, in erster Linie jedoch für das eigene Volk, um etwas anzukündigen.
Hier kommen wir zum entscheidenden Punkt: Ein Prophet bezieht sich in erster Linie zurück auf den Bundesschluss Gottes mit seinem Volk. Dieser Bundesschluss, der natürlich kein gleichgerichteter Bund ist, sondern ein Vasallenvertrag war, schloss ein, dass, wenn der Bundespartner, das heißt das Volk, Untreue begehen würde, dann ein Bundesfluch eintreten würde. Genau darum geht es auch im Propheten Hosea, den wir jetzt näher anschauen.
Hosea, sein Name bedeutet dasselbe wie Joshua und auch Jesus im Neuen Testament. Es geht um Heil und Rettung, das ist die Bedeutung dieses Namens. Dieser Hosea prophezeite, oder er sprach. Und zwar sprach er nicht irgendeine Botschaft, sondern die Botschaft des Herrn, das Wort des Herrn. Das ist ganz wichtig: in Treue zu dem, der ihn beauftragt hat. Er sprach dieses Wort in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts vor Christus, und zwar in erster Linie zum Zehnstämmereich.
Das Zehnstämmereich erlebte nochmals eine Blüte unter Jerobeam II., danach aber einen schnellen wirtschaftlichen und vor allem politischen Niedergang. Der religiöse Niedergang hatte schon viel früher eingesetzt. Hosea prophezeite vor allem an dieses Zehnstämmereich, und dieses Zehnstämmereich wird jeweils mit dem Namen Ephraim angesprochen. Ephraim war von Gott die Führungsrolle für das Volk Israel, für die zehn Stämme, gegeben worden. Das war schon lange mit einem Kampf um die Vorherrschaft verbunden. Im Richterbuch zum Beispiel wollte der Stamm Ephraim immer wieder seine Führungsrolle geltend machen, was sogar zu Bruderkrieg führte. Deshalb wird hier Ephraim immer wieder in der Führungsrolle des Zehnstämmereichs angesprochen.
Wie gesagt, Hosea prophezeite in der Schlussphase des Zehnstämmereichs, vor seiner endgültigen Vertreibung, dem Exil, aber auch der Entwurzelung und Verpflanzung durch die Weltregional- und Weltmacht der Assyrer. Die Assyrer durchmachten zwar eine zeitweilige Schwächeperiode, kamen aber in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts wieder ganz groß aufs Tapet.
Also: Die Botschaft des Propheten Hosea ist die Gottesbotschaft wegen der Bundesuntreue des Volkes. Darum geht es.
Das Zeichen der Ehe und die erste Ankündigung von Gericht und Hoffnung
Die ersten drei Kapitel sind sehr eindrücklich. Ich lese sie immer wieder und bin jedes Mal erstaunt, zu welcher Zeichenhandlung Gott den Propheten Hosea aufforderte. Er musste nämlich eine Prostituierte heiraten. Das steht ganz deutlich in 1,2: Er erwirbte eine hurerische Frau und Hurenkinder. Und das war der Grund, weshalb Gott den Propheten zu einer solch krassen Zeichenhandlung aufforderte, die ja eigentlich im Gesetz verboten war.
Eine Prostituierte zu heiraten, war ein Abbild dessen, was mit dem Volk geschehen ist. Das Land ist dem Herrn untreu geworden, 1,2 am Schluss. Und er ging dann hin, heiratete Gomer und bekam mit ihr drei Kinder. Er gibt ihnen auch Namen, die die Situation des Volkes wiedergeben, nämlich dass Gott das Zehnstämmereich vernichten wird, dass er den Bogen Israels zerbrechen wird, 1,5.
Interessanterweise wird dieses Kapitel auch im Neuen Testament zitiert. Zum Beispiel im Römerbrief, Kapitel 9, zitiert Paulus diese Stelle, dass das Volk Gottes nicht mehr sein Volk sein wird. Paulus greift diese Aussage des Propheten auf, um die Frage zu beantworten, wo denn die Verheißungen Gottes für Israel geblieben waren, nachdem das Volk untreu geworden war.
Aber auch zur Zeit des neuen Bundes stellte sich die Frage: Was geschah nun, nachdem viele Heiden zum Glauben kamen? Paulus führte ja viele Heiden zu Jesus. Er verkündigte das Evangelium den Heiden. Und dann war die Frage: Was war mit den Verheißungen Gottes an Israel? Dort eben zuerst einmal die Aussage: „Sie sind nicht mehr sein Volk.“ Er hat sein Volk verstoßen.
Wiederannahme trotz Verwerfung und die Dynamik von Gericht und Gnade
Und trotzdem wird in Kapitel 2, Vers 1 eine Doppelprophezeiung ausgesprochen. Das ist ein typischer Blick des Propheten: Es geht nicht nur um das Gerichtshandeln Gottes gegenüber seinem Volk, das er ankündigt, sondern zugleich auch um die Rettung, die er verheißt. Auch dieser Vers wird im Neuen Testament nochmals zitiert: Wenn auch die Zahl der Kinder Israels wie Sand am Meer sein wird, sollen sie doch wieder Söhne des lebendigen Gottes genannt werden. Es wird also eine Wiederherstellung geben.
Der Prophet wechselt nun im zweiten Kapitel hin und her zwischen dieser Verstoßung und dem Gerichtshandeln einerseits und der Wiederannahme andererseits. Gott vergleicht sein Volk mit einer Ehefrau, mit einer untreuen Ehefrau. Ja, der Prophet heiratet sogar als Zeichenhandlung eine Prostituierte, mit der er Kinder hat, die ihn dann offenbar wieder verlassen hat, wie aus Kapitel 3 hervorgeht.
Kapitel 2 ist ein wunderbares, aber auch sehr klares Kapitel, das sowohl die Zeit von Gottes Verwerfung als auch die von Gottes Wiederannahme behandelt. Es werden verschiedene Aspekte erwähnt, wie Gott sein Volk züchtigt und verwirft. Er wird sie nackt ausziehen, wie am Tag ihrer Geburt, Kapitel 2, Vers 5. Er wird einen Weg mit Dornen verzäunen, Vers 8, also wird er sie blockieren. Vers 11. Er wird ihnen ihr Korn, also ihre Nahrung, ihre Unterstützung, den Nachschub, wegnehmen oder entziehen. Und er wird, Kapitel 2, Vers 13, auch all ihrer Freude ein Ende machen, also auch emotional, indem er dafür sorgt, dass sie abgeschnitten werden.
Er wird sie strafen für die Festtage der Baale, Kapitel 2, Vers 15, also für eben diese Feste und Gedenkfeiern, die nicht mehr dem Festkalender Israels entsprachen, so wie Gott es in seinem Bund angeordnet hat, sondern den Baalen, den heidnischen Fruchtbarkeitsgottheiten, dargebracht wurden.
Die Untreue des Volkes und Gottes erneute Werbung
Da ist also der eine Teil: Leider die Reaktion des Volkes. Ich habe mir das immer wieder braun angestrichen in diesen Propheten, wie überhaupt in den Propheten. Es steht immer wieder Gottes Gerichtshandeln im Vordergrund, wie er ihnen Dinge entzieht, sie blockiert, sie bloßstellt, und die Unwilligkeit des Volkes, darauf zu hören.
Vers 7: „Ich will doch meinem Liebhaber nachlaufen.“ Vers 10: Sie erkennt nicht, dass Gott es war, der ihr all dieses, diesen Unterhalt, diesen Segen, auch diesen materiellen Segen gegeben hatte.
Dann aber die Verheißung der Umkehr, Vers 16: „Ich will sie locken und in die Wüste führen und ihr zum Herzen sprechen.“ Das heißt, es kommt, Gott kündigt im bildlich gesprochen erneut eine Werbephase gegenüber diesem Volk an und verheißt es, dass er ihr zum 18. Reden wir, es geht darum, dass Gott ja, wie wir es in anderen Propheten, Ezechiel 11 und 36 zum Beispiel lesen, ihr ein neues Herz schenken wird. Und Vers 20 kündigt er einen erneuten Bundesschluss an mit seinem Volk. Und Vers 21, dieser Bundesschluss der Verlobung: „Ich will dich mit mir verloben auf ewig. Und ich will dich mit mir verloben in Gerechtigkeit und Recht, in Gnade und Erbarmen.“ Und Gott wird ihr den Segen wiedergeben, wobei es rein auf seine eigene Initiative ankommt.
Darauf, wie gesagt, die Prostituierte musste nochmals geholt werden, Kapitel 3: „Geh nochmals hin und liebe eine Frau.“ Und er hat sie dann gekauft, Hosea, steht auch für fünfzehn Silberlinge, in meiner Meinung mehr und ein Letech Gerste. Und diese Frau erhielt dann die Anweisung, nicht mehr ihrer Prostitution nachzugehen. Und dies wiederum als Bildnis für das Volk, dass viele Tage, was wir ohne König, ohne Opfer bleiben würde. Dies ist ein Hinweis darauf, auf die Zeit der Verbannung, auf die Zeit des Exils, wo das Volk auch keinen Ort mehr hatte, um diesen Opferdienst darzubringen. Dieser Opferdienst, der über Jahrhunderte in Jerusalem installiert worden war und wo sich die Juden eigentlich nicht vorstellen konnten, bis ganz am Schluss, wenn wir zum Beispiel die Jeremia und auch die Klagelieder lesen, dass Gott seine Gunst und auch seine Gegenwart zurückziehen würde.
Aber auch hier wieder Vers 3, Vers 5: eine Ankündigung der Umkehr Israels, dass sie ihren Gott wieder suchen würden und David, ihren König. Auch immer wieder dieser Davidssohn als Verheißungsträger, der wird immer wieder erwähnt.
Kapitel 1, Vers 1 bis 3 also eingebettet in diese ganz starke, ich denke schon für mich fast ein Unverständnis grenzende Zeichenhandlung des Propheten, der eine Prostituierte heiraten musste, um Gottes Verheißung, einerseits seit Ankündigung des Gerichts die Auflösung, die Bestätigung des Bundesbruchs, aber dann auch die Wiederannahme, auch als freie Initiative Gottes.
Der Rechtsstreit Gottes mit seinem Volk und die Diagnose des Niedergangs
Im Kapitel vier beginnt es mit dem paradigmatischen, mit dem programmatischen Wort „Hört“. Es geht immer wieder in den Propheten darum, dass Gott sein Volk auffordert zu hören. Hören natürlich nicht nur oberflächlich, sondern mit dem Herzen, das heißt: sich willentlich Gottes Worten zuzuwenden. Und dieses Zuwenden ist das Ergebnis des Wirkens seines Geistes.
Zunächst ficht aber Gott in Kapitel vier einen Rechtsstreit aus. Auch das ist eine typische Form der Prophetenklage: Dieser Rechtsstreit, dass Gott mit seiner untreuen Ehefrau, seinem untreuen Bundespartner, rechtet und ihn auf seinen Rechtstreue- und Bundesbruch hinweist.
Die Betonung in Kapitel 4 liegt gerade in Vers 1 in einem Zustand, den wir uns heute auch sehr gut wieder vorstellen können, der heute sehr ähnlich ist, nämlich dass es keine Wahrheit, keine Liebe und keine Gotteserkenntnis im Land gibt. Sie merken: keine Wahrheit, keine Liebe und keine Gotteserkenntnis. Was für ein katastrophaler Zustand, wenn es keine Wahrheit mehr gibt, wenn jeder seine eigene Wahrheit sich zusammenbaut, wenn es keine Liebe mehr gibt oder treue Güte, wenn das einer Gesellschaft entzogen wird und keine Gotteserkenntnis mehr da ist.
Dafür stehen in Vers 2 Fluchen, Lügen, Morden, Stehlen, Ehebrechen, die Überhand nehmen. Also es zählen auch diese anarchischen Zustände angesprochen in diesem Zehnstämmereich, die gegen Schluss auftraten und die sich auch in einer grossen Instabilität äusserten. Interessanterweise war das Zehnstämmereich religiös schon länger katastrophal, dann aber politisch zwischendurch auch sehr unter Druck, dann aber wieder eine kulturelle, wirtschaftlich kulturelle nicht, aber wirtschaftliche Blüte, die zur falschen Sicherheit führte, dass das schon alles gut mit dem Volk bestellt sei. Mitnichten gut. Es ging genau noch dreissig Jahre, bis dann das Reich zusammenklappte und durch die Assyrer erobert wurde.
Vers 6 ist eine ganz wichtige Aussage im vierten Kapitel: Das Volk geht zugrunde. Weshalb? Es geht zugrunde eben, weil diese Gotteserkenntnis fehlt. Es geht zugrunde aus Mangel an Erkenntnis. Und dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die entsprechenden Amtsträger in diesem Volk, nämlich die Priester, die die Aufgabe gehabt hätten, das Volk zu belehren, ihre Aufgabe nicht wahrnahmen, sondern das Gesetz ihres Gottes ebenfalls vergaßen.
Auch das ist immer wieder ein Aspekt innerhalb der Propheten, dass Gott die Verantwortungsträger immer wieder schilt, die ihrer Aufgabe, ihren Pflichten nicht nachgekommen waren, sich selbst geweidet hatten, anstatt das Volk zu unterweisen oder auch zurückzuführen zum Bund.
Götzendienst, falsche Hilfe und die Verstrickung in Schuld
Und so sehen wir auch, dass es an dieser Stelle nicht so ist, dass bei fehlender Gotteserkenntnis einfach nur ein Vakuum oder gar nichts vorhanden wäre. Stattdessen sehen wir, dass das Volk das Holz befragt, dass es ihm Wahrheitsgehalt zuschreibt. Hier wird wieder der Begriff der Hurerei gegenüber Gott verwendet. Wir sehen auch diesen Aberglauben, diesen Götzendienst und diese Zauberei, die dann an die Stelle der Verehrung des wahren Gottes trat.
Und so stürzt sich in Vers 14 das unverständige Volk selbst ins Verderben. Eine sehr interessante Formulierung findet sich in Vers 17: Ephraim. Hier sehen wir diese Ansprache über Ephraim als Leitstamm. Ephraim ist an die Götzen gebunden, das heißt, es ist eine Bindung entstanden durch diese Kulte, durch diese Wahrsagerei und durch diese Untreue, die nicht mehr einfach so aufgelöst werden kann.
Und so hört man in Kapitel 5 nochmals dieses Wort, diesen Aufruf zu hören. Hier wird nicht nur das Volk, sondern auch die verantwortlichen Priester und das Königshaus angesprochen. Gott hält dem Volk weiter seine Untreue, aber auch seine Weigerung zur Buße, vor. Sie hätten die Verdorbenheit sehr weit getrieben. Sie sehen hier also unterschiedliche Stufen oder Formen des Bösen. Es gibt einen fortgeschrittenen Zustand der Verdorbenheit.
In Vers 4 nochmals die ganz wichtige Aussage: Ihre Taten erlauben ihnen nicht, zu ihrem Gott zurückzukehren. Das heißt, ihre ganze Praxis, ihr Alltag, ihre Gewohnheiten, ihre Kulthandlungen, ja ihr gesamtes gesellschaftliches, aber auch religiöses Leben war ganz anders ausgerichtet. So war nicht einfach eine Umkehr möglich, sondern diese Handlung zeichnete eigentlich den weiteren Weg ins Verderben vor.
Und wiederum Vers 4 am Schluss dieser entscheidende Punkt: Den Herrn erkennen sie nicht, es ist keine Gotteserkenntnis da. Das Volk kommt aufgrund des Mangels an Erkenntnis um, und sie erkennen den Herrn nicht.
5,4
Und so sehen wir, dass Gott sich wegen ihrer Untreue von ihnen entfernt. Auch dieser Ausdruck der Untreue, des Bundesbruchs, kehrt in diesen Propheten immer wieder. Und das Gericht wird angekündigt, Vers 9, das ganz gewiss kommt. Die Menschen machten sich ja auch, das Volk Israel dann noch Illusionen, dass das einfach so weitergehen würde. Sie beanspruchten Dinge, die eigentlich schon längst nicht mehr Tatsachen waren. Aber sie gingen irgendwie noch von diesen Fixpunkten aus.
Doch Ephraim, Vers 11, ist willig Menschengeboten gefolgt. Sie sind willig anderen Geboten gefolgt. Sie haben neue Gewohnheiten entwickelt, und dies auf Kosten der wahren Gottesfurcht, der wahren Gotteserkenntnis. Aber Gott gibt immer wieder mit dieser Ankündigung auch des Segens und der Umkehr, Kapitel 5, Vers 5, einen solchen Hinweis: In ihrer Drangsal werden sie mich ernstlich suchen.
Der Ruf zur Umkehr und die Sehnsucht nach Gotteserkenntnis
Und so kommt dann in Kapitel 6, Vers 1 ein gemeinschaftlicher Aufruf: „Kommt, wir wollen wieder umkehren zum Herrn; er hat uns zerrissen und wird uns heilen.“ Das heißt: Ein Teil des Volkes, ein Treuer, bleibt übrig, so wie wir es auch immer wieder bei den Propheten sehen. Dieser wird auf das göttliche Gericht reagieren, umkehren, und Gott wird genau dieses Bedürfnis, diese Sehnsucht, wiedergeben. Das ist ein Schlüsselvers.
In Kapitel 6, Vers 3 heißt es: „Lasst uns erkennen, ja, eifrig trachten nach der Erkenntnis des Herrn.“ Also nach dieser bunten Untreue und dem Fehlen der Gotteserkenntnis entsteht eine neue Sehnsucht nach der Erkenntnis Gottes. Und ich glaube, das ist auch der zentrale Punkt jeder Umkehr, auch heute von Gottes Volk: Wenn wieder diese Sehnsucht nach der Gotteserkenntnis kommt, dann ist das das Erste, das Wichtigste, das Zentrale. Dass wir nach der Erkenntnis Gottes trachten. Er hat uns gemacht, er ist unser Schöpfer und unser Retter, und wir wollen verstehen, wer er ist, wie er ist. Diese Sehnsucht, ihn zu erkennen, ist das zentrale Kennzeichen der Umkehr.
Es wechselt immer wieder so, wie ein Wechselbad. Die Propheten sind ein solches Wechselbad zwischen Gottes Klage über die Abtrünnigkeit seines Volkes und auch diesem Hoffnungsschimmer der Umkehr seines Volkes.
In Kapitel 6, Vers 4 geht es dann mit der Klage weiter: „Eure Liebe ist so flüchtig wie eine Morgenwolke, sie vergeht.“ Gerade hat man sie erst gesehen, und dann folgt die wichtige Bemerkung Gottes in Kapitel 6, Vers 6, ebenfalls ein Schlüsselvers: „An Liebe habe ich Wohlgefallen und nicht an Opfer, an der Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.“ Da sehen wir schon im Alten Testament, dass es Gott zuerst nicht um eine äußere Handlung geht, und möge sie noch so fromm sein, in Form eines Gottesdienstes oder eines Opferdienstes. In erster Linie geht es um diese Gotteserkenntnis und diese Bundestreue, diese Liebe ihm gegenüber. Das ist das Zentrale.
Adam, die Wüste und die wiederkehrenden Muster des Bundesbruchs
Sechs, Vers sieben, dann eine Anspielung, die aufgrund des Hebräischen sehr umstritten ist. Sie haben wie Adam den Bund übertreten. Eventuell ist hier ein Ort angesprochen oder ein Ereignis, das wir nicht genau kennen. Oder es ist davon die Rede, dass Adam selbst, das heißt die historische Person Adam, einen Bund mit Gott geschlossen hat, was ja so direkt nicht aus dem Text in 1. Mose 2 hervorgeht.
Ich glaube aber, dass 1. Mose 2 die Ankündigung Gottes an den Menschen in Form eines Bundes trägt und dass 6, Vers 7 einer der wenigen Hinweise mit diesem Wort ist, dass Adam den Bund übertreten hat, dass bereits Adam Gott untreu geworden ist, die Bundesbedingungen nicht gehalten hat und so auch das Volk Gottes ebenfalls diesen Bund übertritt und untreu geworden ist.
Dass Gott weiter Israels Schuld und Bosheit aufdeckt und hier einige Dinge auch erwähnt, sind Merkmale des Untergangs, des Verderbens dieses Volkes, das sich so im letzten Zustand befand, bevor es als Nation aufgelöst wurde. Zum Beispiel 7, Vers 2: Sie bedenken nicht in ihrem Herzen, dass sich ihre ganze Bosheit vor Gott ausbreitet. Sie denken gar nicht mehr daran, dass da jemand ist, der alles genau wahrnimmt, was in ihrem Leben passiert, oder auch, dass keiner von den Verantwortlichen ihn anruft, weder für Vergebung noch für Hilfe.
Kapitel 7, Vers 7, auch dieses fehlende Bewusstsein dafür, dass sie ihre letzte Kraft, ihre Substanz und ihre Ressourcen Fremden zur Verfügung stellen. 7, Vers 9: Fremde haben seine Kraft verzehrt, und er erkennt es nicht. Genau so auch heute. Gottes Volk ließ sich oftmals noch in der Situation der Schwäche an der falschen Stelle Hilfe holen und gab ihre Ressourcen denen zur Verfügung, die sie eigentlich nicht hätten erhalten sollen.
Ging es damals, 7, Vers 11, weist darauf hin, wie Ephraim sich wie eine einfältige Taube benimmt und nach der anderen Seite, nach Ägypten, Hilfe sucht und auch nach Assyrien. Das heißt, sie strecken sich wie eine Fahne im Wind nach ihren Feinden aus, wechselseitig, immer wieder einmal dorthin, einmal dahin. Aber sie finden keine echte Hilfe. Und so jammern sie auf ihren Lagern, würden aber nicht daran denken, Gott um Hilfe anzurufen, 7, Vers 14.
Politische Illusionen, nationale Katastrophe und Gottes bleibende Liebe
So ist es ganz klar, dass nach diesem Verwerfen der Gebote Gottes der Zeitpunkt des Gerichts kommen würde. In 8,3 steht, dass Israel das Gute verworfen hat und nun der Feind es verfolgen soll. Sie haben auch, und das ist eine sehr interessante Feststellung, 8,4 Führer eingesetzt, die Gott gar nicht eingesetzt hat. Sie haben Könige eingesetzt ohne meinen Willen. Und so sind sie 8,5 unfähig zur Reinheit.
Also, das zieht sich durch, dieser Vorwurf: Sie sind 4,17 an die Götzen gebunden, 5,4. Ihre Taten erlauben es ihnen nicht, zu ihrem Gott zurückzukehren. Sie sind an Menschengebote willig gefolgt, und sie sind unfähig zur Reinheit, Kapitel 8, Vers 5.
Sie sind auch unter den Heidenvölkern wie ein Spielball geworden. Es wird nochmals erwähnt, dass sie Hilfe am falschen Ort suchen, sowohl im Norden als auch im Süden. Und sie haben keine Strategie. Es ist ein Richten nach dem neuesten Lüftchen, nach dem Wind. Und Kapitel 8, Vers 12 sagt Gott ihnen, und das sollte uns doch auch zu denken geben, dem Gottesvolk heute: Wenn ich ihnen mein Gesetz auch noch so oft vorschreiben würde, so halten sie es doch für etwas Fremdes, Gottes Ordnung. Ist ihnen etwas Fremdes geworden? Kapitel 8, Vers 12.
Der Herr hat kein Wohlgefallen an ihnen und wird Gericht üben. Und so kündigt dann Hosea im neunten Kapitel die Vertreibung Israels aus dem Land an, indem er in Kapitel 9, Vers 1 wiederum auf diesen zentralen Begriff der Untreue durch Hurerei, diesen Abfall durch Götzendienst, dieses Hilfesuchen am falschen Ort zu sprechen kommt.
So wird angekündigt, dass die Israeliten, dass Israel, dass Ephraim nach Ägypten zurückkehren müsse. Und tatsächlich ist später dann ein Teil nach Ägypten ausgewandert und auch in Assyrien, also unreine Speisen essen würde. Das heißt, dass sie sich vermischen würde, dass die Reinheitsgebote nicht mehr aufrechterhalten werden könnten. Und so ist der ganze Gottesdienst nur noch eine Farce. Gott hat kein Wohlgefallen mehr daran, Kapitel 9, Vers 4.
Und so kommen die Tage der Heimsuchung, Kapitel 9, Vers 7, die Tage der Vergeltung um ihrer großen Schuld willen. Das hat angefangen in den Zeiten von Gibeah, Kapitel 9, Vers 9, nämlich schon in den Richterzeiten. Schon dort sehen wir, wie tief und wie schnell das Volk gefallen ist.
Wenn wir eigentlich die gesamte Zeit der Landnahme und des Landbesitzes bis zur Vertreibung einmal aufmerksam durchgehen, dann sehen wir, dass es kaum eine Zeit gab, abgesehen von ganz kurzen Perioden der Ruhe und des Friedens beziehungsweise des Gottesdienstes und der Wiederbefolgung seines Gesetzes. Es gab eigentlich nur wenige Zeiten, in denen Gottes Volk treu geblieben war.
Und so würde er sich von ihnen abwenden, 9, Vers 12. Und er nimmt nicht nur auf Gibeah Bezug, auf diesen schlimmen Vorfall im Richterbuch, sondern er nimmt auch auf Gilgal Bezug. Dort hat es angefangen, dass sie einen alternativen Gottesdienst einrichteten. Vor allem Jerobeam, der Nachfolger von Salomo, setzte dort einen schlechten Standard, den dann alle seine Nachfolger in den kommenden Jahrhunderten befolgten.
Und so wird das Volk als Flüchtlinge im Heerehren unter den Heidenvölkern, 9, Vers 17, angekündigt. Israel hat für sich selbst Frucht gebracht, nicht für Gott, so wie es vorgesehen war, dass es unter den Völkern ein Licht war und Gott Frucht gebracht hätte, sondern es hat für sich selbst Frucht gebracht. Und so muss es dann auch bei diesen Feinden, denen es vertraut hatte, bleiben. Es würde von ihnen abhängig bleiben und nicht in die von Gott geretteten und guten Hände kommen, sondern in die schlechten Hände derer, denen sie vertrauten.
Seit den Tagen von Gibeah, nochmals dieser Hinweis auf Gibeah, seit den Tagen der Richter hat Israel gesündigt, und sie sind dort stehen geblieben. Es ist ein Grundzustand, der negativ stabil geblieben ist.
Der Kontrast zwischen menschlicher Untreue und göttlicher Liebe
Und so erfolgt der Ruf in 10,12 des Herrn. Dieser Vergleich mit dem Acker, diese Ackersprache, ist sehr offen in den Propheten, sehr naturnah. Er hat viele Vergleiche: Seht euch Gerechtigkeit an, pflügt einen Neubruch. Es ist Zeit, den Herrn zu suchen, bis er kommt. Dieser Aufruf zur Umkehr, ihn wieder zu suchen.
Aber leider verlässt sich Israel auf die eigenen Wege, auf die eigenen Gebräuche und auf die Menge ihrer Helden, anstatt bei Gott Zuflucht zu finden. Umso erstaunlicher ist es dann, in Kapitel elf zu lesen von der Liebe Gottes zu seinem Volk. Nicht nur liebte Gott Israel, als es jung war, in Kapitel 11,1, und dann dieses Zitat im Neuen Testament, das auf Jesus angewendet war. Gott hat sein Volk aus Liebe erwählt, als es jung war. Sie wandten sich aber in 11,2 bald von ihm ab, sie opferten anderen Götzen. Und Gott erinnert sie nochmals an seine Liebe, wie ein Vater sein Kind gehen lernte, ihm die Schritte beibrachte, sie Schritt für Schritt buchstäblich durch die Wüste ins Land führte und sie auch mit 11,4 mit „Seilen der Liebe“ zog.
Und leider hält das Volk trotzdem am Abfall fest, also auch diese Widerspenstigkeit, trotz dem Werben, trotz dem liebenden Nachgehen dieses göttlichen Vaters, wie er sich da auch vorstellt, wunderschön im Kapitel elf. Trotzdem, dass das Volk so stur ist und am Abfall festhält, sehen wir das Erbarmen Gottes aus seiner eigenen Natur heraus. Mein Herz sträubt sich dagegen, 11,8, mein ganzes Mitleid ist erregt. Ich bin Gott und nicht ein Mensch, 11,9.
Und auch da wieder die Ankündigung der Umkehr zumindest eines Teils des Volkes, in 11,10: Sie werden dem Herrn nachfolgen, wieder auf ihn zu umkehren. Und dann wieder der Wechsel, dieses zu schnelle, diese immer unmittelbare Heilszusage, die aus Gott selbst begründet ist, aus seinem Erbarmen heraus. Dann aber sofort wieder die Umkehr, diese Verstrickung in Lügen. Gott ist treu, 12,1. Das Volk ist untreu, das haben wir unzählige Male gesehen, dieses Motiv in diesem Propheten. Es wird täglich verlogener und gewalttätiger, und so muss Gott richten. Er wird vergeltend entsprechend ihren Taten.
Und nochmals 12,7 die Aufforderung: Kehre nun um zu deinem Gott! Leider spricht Ephraim: Ich bin noch reich geworden. Was war es tatsächlich? Es gab eine sehr prosperierende Zeit, und die täuschte dann überwegt nicht nur über das religiöse Fiasko, sondern auch über das schnell nahende politische Ende.
Jakob, die Wüste und die einzige Rettung
Hosea bezieht sich zurück auf Jakob, auf den ganzen Anfangspunkt dieses Volkes, sozusagen fast auf die Gründungsurkunde des Volkes: Jakob, der im Mutterleib die Verse des Bruders hielt. In 1. Mose 25,26 und in 1. Mose 32 sehen wir auch nochmals diesen Jakob. Das Volk wird immer wieder als Jakob bezeichnet, und wir sehen diesen, man könnte fast sagen, buchstäblichen Widerwillen schon Jakobs, der diesem Volk anhaftete.
So wird der Götzendienst nochmals thematisiert. Es ist ja auch eine Wiederholung. Es sind wie Wellen, sage ich oft, eines Meeres, die hin und her gehen: Da kommt wieder eine Welle, sie geht wieder weg; da kommt wieder eine Welle, da geht sie wieder weg. So wird auch in Hosea 13 nochmals auf den Götzendienst Bezug genommen. Aber gleichzeitig wird auch darauf verwiesen, in Hosea 13,4, dass Gott, der Herr, Jachwe, ihr Gott, vom Land Ägypten her ist und dass es außer ihm keinen Gott gibt. Es gibt keinen Retter als ihn allein.
Da sehen wir eigentlich auch den Bezug zum Namen Hoseas. Die einzige Rettung ist nicht in diesen Feinden, Ägypten oder Assyrien, zu finden, sondern allein in ihrem Gott Jachwe, der sich ihrer angenommen hat, der sie von Ägypten her geliebt hat, Hosea 11, der sie gezogen, der sie gelockt hat. Das Volk ist widerspenstig, doch er hat Mitleid und wird nochmals andocken, Hosea 2. Er wird einen Bund mit ihnen schließen.
Leider wurden sie aber, und hier wird nochmals auf die Wüstenreise Bezug genommen, in Hosea 13 satt. Und als sie satt wurden, überhob sich ihr Herz, und sie vergaßen ihn. Gott gibt dann auch schon während, nach dieser Landnahme, dem Volk einen König in seinem Zorn. Ich denke, dass da auf König Saul Bezug genommen wird. Also gibt Gott dem Volk auch das, was sie sich unbedingt wünschten, was aber nicht gut für sie war. Auch das ist eine Form von göttlichem Gericht.
Trotzdem, und so kommt er immer wieder darauf zurück, möchte er sie erlösen. Er, der der einzige Retter ist, wird sie in Hosea 13,14 aus der Gewalt des Totenreichs erlösen. Und hier dann wieder ein Zitat im Neuen Testament: Tod, wo ist dein Verderben? Totenreich, wo ist dein Sieg? Er würde über diesen Tod triumphieren. Er würde sein Volk aus dem Tod erretten.
Der Schlussaufruf zur Umkehr und die bleibende Warnung
Und so ist dann Kapitel 14 nochmals ein unglaublich herzzerreißender Aufruf zur Umkehr: Kehre um, Israel, zu dem Herrn, deinem Gott, und nehmt Worte mit euch und kehrt um zum Herrn, Vers 3, vergib alle Schuld.
Und dann die Ankündigung der Verheißung: Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen, gerne will ich sie lieben. Also verheißt Gott aus seiner Güte heraus, nicht wegen dem Volk, dass er sie in ihrer Abtrünnigkeit liebt, heilt, nicht ihre Abtrünnigkeit liebt, sondern sie in diesem Zustand errettet, heilt und sie wieder annimmt, und dass er für Israel sein würde, 14,6 wieder Tau oder wieder Ölbaum, Vers 7.
Ein ganz rätselhafter, weisheitlicher Schluss dann dieses Propheten im Kapitel 14, Vers 10: Wer ist so weise, dass er es einsehe, und so klug, dass er es verstehe? Denn die Wege des Herrn sind richtig, und die Gerechten wandeln darauf; aber die Übertreter kommen auch ihnen zu Fall.
Eigentlich ist dieser Prophet auch eine Ansprache an die Weisen, denen Gott ein weises Herz geben würde, die diesem Ruf nach der Gotteserkenntnis folgen. Das wird auch durch diesen Propheten deutlich, halt, Kapitel 4, diese Klage, dass keine Gotteserkenntnis da ist, dass das Volk aus Mangel an Erkenntnis umkommt, dass sie in ihren Herzen den Herrn nicht erkennen, 5,4. Aber trotzdem auch immer wieder der Aufruf: Doch, doch, lasst uns umkehren, lasst uns erkennen, lasst uns eifrig trachten nach der Erkenntnis des Herrn.
Er richtet sich an diese, die diese Sehnsucht nach dieser Erkenntnis des Herrn bekommen, und ich hoffe sehr, dass wir auch dazugehören. Andernfalls ist auch die Warnung vor dem Abfall, vor dem Bundesfluch. Die Übertreter kommen auf diesem Weg zu Fall. So tröstlich es für die Eiligen ist, die gerettet werden, so klar angekündigt ist der Bundesfluch denen, die verhärtet bleiben und die nicht hören auf dieses werbende Eingehen Gottes.
Er stellt sich an diesem Hosea so als dieser werbende Bräutigam vor, Kapitel 2, aber auch Kapitel 11, hier in Kapitel 13, Kapitel 14. Lesen Sie diesen Propheten, es ist herzzerreißend, wie er auch um diese Beziehung zu diesem Volk ringt. Und es ist sein, einzig sein Einschreiten. Es gibt nur einen Retter, und darauf weist Hoseas Name, der auch schon heißt: Jesus. Er wird sein Volk erlösen von ihren Sünden, Matthäus 1,21.
Und so merke ich, dass mich da auch diese Botschaft wieder warnt. Wenn ich Ihnen einige Hinweise zum Lesen geben darf, dann sind es diese: Lesen Sie doch mal durch, welche Kritik Gott an seinem Volk äußert, welche Merkmale genannt werden, wie reagieren Sie darauf? Andererseits sehen Sie einmal, wie Gott im Gericht handelt und dann auch, wie er in der Rettung handelt, beides gleichzeitig. Gott verherrlicht sich durch Gericht und durch Rettung. Das ist eine große Strahlung durch Altes und Neues Testament.
Und so kann ich Ihnen das Lesen dieses Propheten herzlich empfehlen.

