Das ist schon eine merkwürdige Sache. Was ist das? Die größten Philosophen
der Welt können das nicht erklären. Und doch kann es der schlichteste und
dümmste Mensch fühlen und erleben. Das ist Liebe. Was ist Liebe? Ach manche
sagen: Das ist doch nur ein Gefühl! Eine ungeheuer starke Macht, die unser
Leben treibt und bewegt." Geh ich richtig, wenn ich sage: Die schönsten
Geschichten Ihres Lebens sind die Liebesgeschichten? In der Weltliteratur –
da kennt man das ja – diese berühmten Geschichten von Romeo und Julia,
von Cäsar und Cleopatra und was es da alles gibt: Sehnsucht nach ungeheurem
Glück, Menschen, die alles vergessen. Die Liebe, die ihr Leben auf ganz
neue Höhen hebt. Und da passiert es beim Bibellesen, wenn man an dieses
Kapitel kommt, dass jeder tief berührt ist. Deshalb lasen wir dass auch
miteinander. Ich habe es oft erlebt, dass auch ganz kritische Geister
gesagt haben: Also, dieses Kapitel, da lasse ich nichts drüber kommen. Ich
halte sonst nichts vom Glauben, aber dieses Kapitel, ja das gefällt mir.
Das ist genau meine Lebensanschauung. Und da will ich mich dazu stellen.
Und wenn wir jetzt daran denken, unsere jungen Paare, die sich rüsten auf
die Hochzeitstage... das ist doch das schönste Motto für uns, für unseren
Hochzeitstagen, dass lassen wir in die Ringe gravieren, wie das so herrlich
beschrieben ist, ausgerechnet ein Mann der Single war, der Paulus hat das
so super beschreiben können, was Liebe ist. Die Liebe ist langmütig und
freundlich und was die Liebe alles kann und was sie macht. Alle wollen doch
diese Liebe: die Alten und die Kinder von Kindergarten und die Schüler und
erst recht die schwierigen Leute wollen diese Liebe. Also, das passt doch
direkt... so ein Wort, das geht uns direkt richtig gut hinunter. Und je
länger man dann auf einmal diese Worte liest und hört – da wird man auf
einmal stutzig. Das weiß man auf einmal gar nicht, was ist? Die Liebe ist
langmütig und freundlich. Die Liebe eifert nicht. Sie bläht sich nicht auf.
Aber wie war das gestern – in der Spannung der Familie? Da kommen Dinge in
Erinnerung – da bin ich noch ganz weit weg von diesem Ideal der Liebe.
Lesen Sie nur noch weiter! Das ist mit jedem Bibelwort so, dass es uns zu
erst erquickt. Und dann auf einmal wird uns dieses Wort zur Anklage. Die
Liebe sucht nicht das Ihrige – ich suche doch in meiner Liebe das Meine!
Warum habe ich einen Schatz gesucht? Weil ich was will – für mich! Ach so,
da geht es noch weit höher hinaus, als nur über meine Liebe, die ich lebe.
Sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit. Sie erträgt alles, sie
glaubt alles, sie hofft alles, sie liebt alles. Und dann steht man
plötzlich davor und ist irgendwo verunsichert und sagt: Was ist jetzt los?
Da wird ja aufgedeckt, dass ich ganz weit weg bin und dass man sagen will:
Das erreiche ich ja überhaupt nicht - ich mit meinem engen Herzen und mit
meinem selbstgefälligen Gefühlen. Wie sollte das da überhaupt sein, wenn
man im Kampf ums Dasein steht und wenn man seine Ellenbogen gebraucht und
wenn man sich durchsetzen muss? Ach, da ist man unduldsam, da sind die
Nerven gereizt, da kann man gar nicht. Da kann ich es nicht einmal, wenn
ich ehrlich bin, nicht einmal als Ideal mir vorstellen." Es ist gut, wenn
Sie an diesen Punkt kommen. Wenn Christen wahrhaftig sind und sagen: Das
schafft kein Mensch. Solch eine selbstlose Liebe – wie soll denn das
überhaupt gehen?" Und dann hören Sie noch mehr von diesem Wort. Und dann
lesen Sie auf einmal die Verse, mit denen das alles anfängt: und wenn ich
diese Liebe nicht habe, dann bin ich eine Null, ein Nichts. Und hätte der
Liebe nichts, ich wäre ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. Der
Paulus sagt das in Ich-Form. Und das ist gut, dass er das so sagt und dass
wir es dann miteinander wieder so sprechen dürfen. Aber jetzt stehen wir
wirklich nackt und bloß da. Das Wort, das uns zuerst so angesprochen hat
– auf einmal geht es ganz tief in unser Herz, ja in unser Gewissen hinein
und scheidet alles und deckt das alles im Lichte Gottes auf. Paulus, von
was redest du dann, wenn du nicht von deiner Liebe redest? Du warst ja auch
ein tüchtiger Feuerkopf, von was redest du dann? Und dann nimmt uns der
Paulus mit und sagt: Wisst ihr, für mich war dieser Augenblick wichtig. Es
ist wichtig, dass es bei Ihnen auch diese Augenblicke gab oder ob Sie es
über eine längere Strecke hingezogen hat – nur müssen Sie es einmal erlebt
haben, dass Sie einmal entdeckt haben: Es geht nicht um meine Liebe,
sondern um die viel, viel größere und qualitativ ganz andere, höhere und
feinere Liebe Jesu. Das hat er da erkannt, als er zu Boden stürzte auf dem
Weg nach Damaskus. Herr, wer bist du?" Und als dann einige Tage später ein
Seelsorger ihm die Hände auflegt und sagt: Lieber Bruder Saulus, der Herr
hat mich gesandt, dass dir vergeben werde." Ist das wahr, das der ewige
Gott und Herr mich Versager, mich Schuldigen, mich, der so wenig liebt, der
nichts bringen kann, der eine Null ist in den Augen - dass er mich lieb
hat? Dass er mich mit einer ewigen Liebe umgibt, dass er mich sucht, dass
er mich nicht loslässt und dass er nur mir nachgeht, um mir seine Liebe zu
sagen, und dass das ganze Wesen Gottes nur Liebe ist? Und dass Paulus das
begriffen hat, hat sein Leben verändert. Und er sagt später immer: Seit
dem Tag ist alles neu geworden. Die Liebe Gottes ist in mein Herz gekommen,
wie mit Eimern hinein geschüttet. Ich lebe von diesem Wunder. Da stelle ich
mich täglich hinein. Davon will ich umgeben sein. Das trägt mich in den
Ängsten", wenn er da in den Gefängnissen eingesperrt war und wenn Menschen
ihn so ungerecht behandelt haben. Ich freue mich an der Liebe Gottes."
Und dann sagt er all die großen Erkenntnisse der Liebe. Das hat ihn bewegt
und umgetrieben. Und er spricht davon, dass diese Jesus-Liebe nun unser
ganzes Leben erfüllen will. Ich darf mich treiben lassen von dieser Liebe.
Ich habe dazu drei Punkte gemacht. Das muss man ein bisschen ordnen.
- Es ist eine unentbehrliche Liebe.
Lassen Sie mich da noch einmal einsetzen mit der unentbehrlichen Liebe.
Ohne diese Liebe nichts. Sie haben in Ihrem Leben sicher das auch schon
erschreckt festgestellt: Man kann ein Fanatiker werden. Es gibt die Gefahr
des Fanatismus für den Glauben. Man kann ein Eiferer werden. Man kann seine
Frömmigkeit und sein Glaubensleben nur machen für sich selber um vor
anderen ein wenig anzugeben, vor den Leuten zu scheinen. Das ist eine
Gefahr. Wie hat Paulus um diese Gefahr gewusst! Was ist das, was unser
Christsein trägt, unsere Frömmigkeit und unser praktisches Leben, unser
Umgang. Da wird ja so viel aus Berechnung getan: Was müssen wir denen
geben? Was haben sie uns gegeben? Paulus sagt: Wenn du alle deine Habe
hergibst und bist so ein sozialer Mensch, dass du bis zum letzten Pfennig
alles verschenkst und du gehst in den Urwald und pflegst Leprakranke
umsonst ohne Einkommen – wenn dich die Liebe Jesu nicht treibt, ist nichts
nütze. Das steht hier! Du kannst ein großes Sozialwerk aufbauen, du kannst
die größten Taten vollbringen, du kannst tiefe theologische Erkenntnisse
haben, wie sonst niemand auf der Welt – wenn dich die Liebe Jesu nicht
treibt, ist's nichts nütze. Du kannst dich rühmen, wie es damals in Korinth
viele aus der Gemeinde taten, dass sie übersinnliche Erfahrungen machen
damals in der Ekstatik des Zungenredens, aber Paulus sagt: Wenn du keine
Liebe hast und wenn dich die Liebe Jesu, ist nichts nütze." Du bist nicht
über den anderen, und er geht noch weiter und sagt: Selbst wenn du einen
so mächtigen Glauben hast, dass du real Berge versetzen könntest und Jesu
Liebe würde dich nicht erfüllen, und er würde dein Leben nicht prägen, wäre
auch dieses Glaubenswerk für die Katz' - nichts nütze. Und er nimmt ein
Bild: Es wäre gleich wie ein tönendes Erz. Da muss ich an unsere
Kirchenglocken denken. Das ist tönendes Erz. Schön klingt das! Aber wenn
die bloß klingen, regen sich bloß die Nachbarn auf: Warum machen die so
einen Krach am Sonntag morgen?!" In sich ist das doch nicht nütze, bei
allem schönen Klang. Das muss doch ein Ziel haben – dieser äußere Klang
oder wenn man so große Bleche zusammen schlägt wie es damals im
Tempelgottesdienst geschah, diese großen Schellen - die können doch bloß
auf das Eigentliche aufmerksam machen. Schrecklich, wenn unser Leben nur
Geräusch verbreiten will. Die anderen Leute sagen, der macht da große
Dinge, aber was ist denn dahinter? Wenn die Liebe nicht da ist, dann ist es
nichts nütze.
Jetzt werde ich die Sache herumdrehen. Wir haben jetzt genug von der einen
Richtung gesprochen. Jetzt haben wir genug ins Gewissen geredet. Wenn die
Liebe Jesu dich treibt, in der allereinfachsten Form zu sagen: Ich will,
was ich von Jesus empfangen habe, ihm einfach das zurück geben. Da steht in
der Bibel immer drin – und wir finden das auch in den Gleichnissen Jesu
erzählt – dass da gar keine besonderen Klimmzüge oder Kunststücke nötig
sind. Da geht einer seiner tagtäglichen Verrichtung nach. Er ist mitten im
Leben drin und tut sein Geschäft und die Liebe Jesu treibt ihn. Und Jesus
sagt in der Ewigkeit: Ich bin durstig gewesen und ihr habt mich getränkt;
ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir gekommen; ich bin krank
gewesen und ihr habt mich besucht; ich bin nackt gewesen und ihr habt mich
gekleidet. Ja, das sind doch ganz selbstverständliche Dinge! Einem
Durstigen ein Glas Wasser reichen. In der Liebe Jesu – jetzt haben Sie es
begriffen! Um das geht es, nicht um das Glas Wasser, nicht um H2O. Es geht
um die Liebe, Jesu die es treibt. Wo seine Liebe unsere Taten prägt,
unseren Umgang mit den Kindern, in aller Fehlerhaftigkeit, mit allen
Versäumnissen, so wie wir sind – wenn das der Dienst wird, den wir Christen
tun können, ganz schlicht und einfach, so wie wir von Jesus reden, so wie
einer erfüllt einem anderen weitererzählt und ihm von seinem Glauben
berichtet. Und er tut das aus Liebe Jesu zu einem Menschen, der mit seinem
Leben nicht klar kommt, so ist es nütze. Und auf einmal ist es mehr als die
laut daher klingende Glocke. Auf einmal ist es eine Tat, die Bedeutung hat
und die Gewicht hat. Das hat uns Jesus immer vorgelebt, das ist direkt ein
Ärgernis oder ein Anstoß, dass Jesus so bescheiden und demütig gelebt hat –
gar nichts Großes vollbracht, keine große Reise unternommen, keinen
Ehrentitel sich erworben. Was hat er getan? Er hat einfach mit Menschen
geredet in der Liebe. Und das haben sie gespürt, die Kranken, dass das
nicht bloß Sympathie oder – wie heißt das in der Sprache des
Klassenkampfes? – Solidarität ist. Sondern viel, viel mehr! Eine ewige
Liebe, die keinen Menschen abschreibt, die sich ganz zu ihm stellt – aber
da sind wir beim zweiten. Unentbehrlich! Ohne diese Liebe nicht.
Unentbehrliche Liebe.
Jetzt ist es eine unbegrenzte Liebe.
- Unbegrenzte Liebe
Warum ist die Liebe unbegrenzt? Weil die Liebe niemand ausgrenzt, gar
niemanden. Sie reicht bis zu den Enden der Erde. Sie reicht bis zu den
verlorensten Menschen. Sie reicht bis zu den unwürdigsten Menschen. Sie
reicht auch bis zu denen, die Ihnen fremd sind. Also, das ist eine
unbegrenzte Liebe. Ganz weit geht sie. Aber Paulus sagt es noch in einem
anderen Sinn ist das unbegrenzt: Bei uns ist das ja immer so – Sie kennen
das ja aus all Ihren Aufgaben, die Sie haben, dass Sie sagen: So, jetzt
ist Schluss! Jetzt haben wir lang genug zugesehen. Jetzt, also jetzt hört
mal die Gutmütigkeit auf. Und das ist interessant: Bei der Liebe Jesu gibt
es diesen Punkt nicht. Die Liebe Jesu ist unbegrenzt. Sie ist langmütig und
freundlich. Sie hört nicht auf, auch dort nicht, wo sie vergeblich ist. Wie
viel haben Sie schon geliebt und gesagt: Es war umsonst." Das ist Jesus-
Liebe. Das ist die Liebe, die Frucht bringt. Schauen Sie nie nach Erfolg!
Das passt nicht zu Jesus-Liebe. Es sind Menschen da, die beten schon 10, 12
Jahre für Menschen, die sie lieben. In aller Stille – das ist Jesus-Liebe.
Es gibt Menschen, die tragen auch Schwächen in der Ehe – 20 und 25 Jahre
lang – in der Liebe Jesu - still. Die Liebe eifert nicht, sie treibt nicht
Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, Da will man bei der Liebe Jesu
lernen. Es ist ja richtig, wie die Ausleger immer gesagt haben: Überall, wo
in diesem Kapitel Liebe steht, muss man sagen Jesus!". Jesus ist langmütig
und freundlich. Jesus eifert nicht. Jesus treibt keinen Mutwillen. Jesus
bläht sich nicht auf. Jesus verhält sich nicht ungehörig. Jesus sucht nicht
das Seine. Also, diese radikale Jesus-Liebe, die unbegrenzt ist, auch
unbegrenzt dort, wo man keine Frucht, keinen Erfolg, nichts Sichtbares
sieht, - das ist die Jesus-Liebe. Dieser Liebe hat man ins Gesicht
geschlagen und wir selber haben das getan. Wir haben sie lang genug als
unwichtig angesehen. Es war viel wichtiger, was wir tun. Das wichtigste
Zeugnis der Christenheit an der Welt: die Jesus-Liebe. Die Wahrheit gehört
dennoch dazu. Und das Wort Gottes gehört unverkürzt dazu. Aber ohne die
Liebe ist das nichts nütze. So wunderbar: Die Liebe, auch die wir in der
Gemeinde spüren. Ach lassen Sie es viele Menschen spüren, Nein, das sind
keine Albernheiten, wenn wir einander nur so ganz schlichte Zeichen – das
ist noch nicht einmal Liebe – wenn wir herein kommen, einander anschauen
und uns kurz grüßen, Aber noch viel mehr Liebe, die Anteilnahme, das
Mittragen, aber auch bei dem, der es gar nicht Wert ist. Selbst da, wo wir
gehöhnt und verspottet werden, wie Jesus bis zum Ende seine Feinde liebt.
Im griechischen Text steht acht Mal, sind acht mal Verben da, Tun-Wörter.
Acht Mal: sie hofft alles, sie duldet alles – diese Liebe, sie glaubt
alles. Acht Mal! Weil es deutlich wird: Diese Liebe ist kein Gefühl. Das
ist auch nicht ein Ideal, sondern, das ist etwas Schaffendes. Das ist etwas
Wirkendes. Lieben, wo gar nichts da ist. Ach ich wollte Ihnen jetzt einfach
mal ein Stück aus der Kirchengeschichte erzählen, wie das war, wo das
Menschen getan haben. Verlorene und Gestrandete geliebt. Wie diese Johanna
Faust, diese Frau, die kaum lesen und schreiben konnte in Wuppertal. Und
nebenher der Friedrich Engels, der zu den Vätern des Marxismus gehört, der
hat gesprochen über die soziale Neuordnung. Aber diese Frau ist in die
Slums von Wuppertal gegangen zur gleichen Zeit, der Engels hatte seine
Reitstelle und seinen Luxus. Die Johanna Faust hat eine schwere Ehe unter
ihrem vertrunkenen Mann. Aber Liebe hat sie den Menschen gegeben. Dem
Verlorensten hat sie geholfen, bei Nacht, wo die Polizei nicht mehr
schlichten konnte, jetzt muss die Johanna Faust her. Weil sie lieben
konnte. Mit dieser großen Jesus-Liebe, wo die Spur heute noch unser
Deutschland prägt, weit über 100 Jahre nach ihrem Tod. Und das ist doch ein
Zeichen, dass Jesus durch unser begrenztes, enges Herz hindurch tun will,
seine Liebe wirken lassen will. Das ist eine Geistesgabe. Die Frucht des
Geistes ist Liebe. So fängt es doch an. Diese Jesus-Liebe brauchen wir. Da
liegt der Schaden unserer Kirche. Der Schaden unseres Glaubens, der Schaden
unserer Rechthaberei, unserer kalten Frömmigkeit. Und ich kann sie nur
beheben, indem ich mich von Jesus beschenken lasse und diese unbegrenzte
Liebe erst verstehe.
Und das Letzte:
- Diese Liebe ist unvergänglich.
Unvergänglich. Viel vergeht, sagt Paulus. Viel vergeht. Die haben sich ja
in Korinth tüchtig gestritten. In der Urchristenheit gab es manchmal Zoff.
Das war nötig, auch um Wahrheitsfragen. Und mit der Korinthischen Gemeinde
hatte der Paulus viele Nöte. Sie haben Paulus runtergeputzt und verachtet.
Sie sind irgend welchen sektiererischen Leuten, die sehr prächtig und
glanzvoll erschienen sind, auf den Leim gekrochen und sie haben diese
speziellen Erlebnisse wie Zungenreden so hochgehangen, dass sie gesagt
haben: Paulus, wer bist du denn und was kannst du denn?" Und dann waren
viele Missstände in der Gemeinde. Und jetzt sagt der Paulus: Passt mal
auf! Alles, worauf ihr heute so stolz seid, das vergeht. Die kurze,
irdische Lebenszeit. Wir stehen alle vor den Toren der Ewigkeit. Alles ganz
kurz. Unser Wissen ist Stückwerk, wir verstehen gar nicht viel. Und er
sagt, wir sind eigentlich wie die Kinder. Kinder sind nett und schön, aber
Kinder verstehen noch nicht. Denen muss man sagen: Du bist ein Kind; die
sehen immer nur die Füße der Großen." Sie haben keinen größeren Blick. Sie
können manches noch nicht begreifen, was sie dann je älter sie werden
immer mehr begreifen. Und deshalb bleibt es so, sagt der Paulus, wir
stolzen Menschenkinder – hat Matthias Claudius gesagt – wir stolzen
Menschenkinder sind eitel, arme Schinder und wissen gar nicht viel. Passt
mal auf! Lasst euch an den Wissensfragen nicht auseinander treiben. Unser
Wissen ist Stückwerk, unser Erkennen ist Stückwerk – wird alles aufhören.
Wenn wir in der Ewigkeit sind, dann werden wir Jesus erkennen, werden ihn
sehen in seiner Schönheit. Und alles andere wird zurück bleiben. Und
deshalb wird auch unsere Erlebnisse, unsere Prägungen werden aufhören.
Unsere Konfessionen werden aufhören, es wird sehr viel aufhören. Unsere
Eigenheiten – alles, was uns in dieser Welt ein Stück heimelige Nähe
gegeben hat, die prophetische Rede wird aufhören und das Zungenreden hört
auf, und die Erkenntnis wird aufhören. Das Wissen ist Stückwerk, das
prophetische Reden ist Stückwerk, Aber das wird bleiben in der Ewigkeit.
Was wird bleiben? Drei Stücke: glauben, hoffen, lieben – aber das Lieben
bleibt das Größte. Das wird das sein, was uns in der Ewigkeit nonstop
erfüllt. Da kann man heute schon Ewigkeitsluft schnuppern und Ewigkeitsluft
atmen. Also, aus diesem Stückwerk raus denkt man immer wieder daran –
Bonhoeffer hat so schön den Begriff geprägt – es gibt vorletzte Dinge und
es gibt letzte Dinge. Vorletzte Dinge haben auch ihre Wichtigkeit. Aber sie
haben nicht die gleiche Wichtigkeit wie die letzten Dinge. Vorletzte und
letzte Dinge. Und die letzten Dinge, zu denen gehört die Liebe. Und die
darf man gar nie versäumen. Das hat Jesus gebetet in seinem
Hohepriesterlichen Gebet. Wir nehmen Einblick in das was Jesus umtreibt.
Was hat Jesus in Blick auf die Gemeinde bewegt? Dass die Liebe, mit der du
mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen." Weil Jesus dafür gebetet hat,
will er Ihnen auch die Gabe seines Heiligen Geistes schenken. Und Sie
dürfen sich öffnen für diese Liebe. Und Sie dürfen eine Röhre sein, durch
die diese Liebe zu anderen fließt, das hat Gott prima gemacht, dass er Sie
unter so schwierige Leute gestellt hat. Weil da die Liebe Jesus sich so
richtig entfalten kann. Das ist ganz toll! Dass Sie sagen: Warum habe ich
so schwere Nöte in meiner Familie? Warum habe ich so komplizierte Kollegen?
Toll arrangiert von Gott, damit die Liebe Jesu sich entfalten kann. Diese
grenzenlose Liebe, die nie ermüdet, der nie etwas zu viel wird, die nie
sagt: jetzt habe ich schon sieben Mal vergeben,", sondern, die weiß:
Sieben mal siebzig Mal ist erst der Anfang. Und dann wäre es herrlich,
wenn wir nicht nur ein klingendes Erz oder eine scheppernde Schelle wären.
Einer hat einmal gesagt: Dann wäre ich eine rostige Blechbüchse, die ein
Kerl durch den Straßenkantel klickt. Mein Leben wäre nur ein bisschen
scheppern. Nein, ich möchte diesen herrlichen Klang haben, der von der
einen großen Liebe kündet, wo es gar nicht um uns geht. Ja, da suchen wir
nicht das Unsere, die prahlt auch nicht, die redet guckt mal mich an!". Wo
man jedem sagen kann: Schau das Original an! Lass dich hinein nehmen in
die herrliche Jesus-Liebe und bleib unter seinem Kreuz stehen, schau seine
Nägelmale an. Was er für dich getan hat. Sein Blut, das für dich vergossen
ist, wie ihn gerade deine Schuld und das Böse an dir so bloß reizt dir
Liebe zu geben, nichts aus lauter Liebe und bleibe stehen in dieser Liebe,
bis man ganz bewegt ist, und dann sagt: lasst uns lieben, denn er hat uns
zuerst geliebt." Und diese Liebe wird eine Revolution sein. Diese
Revolution geht seit 2000 Jahren fort. Bloß bei Ihnen soll es nicht stehen
bleiben. Geben Sie diese Liebe weiter, es ist die größte Kraft Gottes in
unserer Zeit. Amen.
