
Lukas 17,11-19,27: "Reich Gottes : Wie komme ich da hinein?"
Lukas 17,11-19,2724.10.2011
Serie•Teil 37 / 53Lukas-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Für alle Gäste
Der Weg nach Jerusalem und die große Frage nach Gottes Herrschaft
Mein Name ist Jürgen Fischer. Ich predige hier etwa einmal im Monat. Und weil ich ein fauler Kerl bin, mache ich das fortlaufend durchs Lukasevangelium. Da muss ich mir nämlich nicht immer einen neuen Predigttext ausdenken, sondern nehme einfach den nächsten Abschnitt im Lukasevangelium.
Das Lukasevangelium selbst macht es mir leicht, es einzuteilen, weil es in der Mitte einen Wendepunkt hat. Das ist der Moment, in dem Jesus sein Gesicht nach Jerusalem wendet, wo er seinen Weg Richtung Kreuz antritt. Auf dem Weg dahin gibt es verschiedene Etappen, und diese Etappen werden im Text immer wieder eingeleitet mit: „Und als Jesus hinaufging nach Jerusalem“. Da merkt man: Da ist wieder so ein Weg, da kommt die nächste Etappe.
Wir stehen am Anfang einer neuen Etappe. Diese Etappe beginnt in Lukas 17,11. Da heißt es: „Und es geschah, als er nach Jerusalem reiste“. Wir merken: Da fängt wieder so eine Bewegung an. Und das nächste Mal, wenn wir so etwas Ähnliches lesen, befinden wir uns dann in Lukas 19,28: „Und als er dies gesagt hatte, zog er voran und ging hinauf nach Jerusalem.“ Das sind Marker im Text, wo man einfach merkt: Das, was zwischen diesen beiden Versen steckt, zwischen Lukas 17,11 und 19,28, das gehört zusammen. Das will eine Einheit sein.
Und wir steigen in diesen Block heute ein. Keiner hat davon jetzt schon mal was gehört. Wenn man das so liest, stellt man sich die Frage: Worum geht es da eigentlich? Irgendwie gehören die Ereignisse, die berichtet werden, die Gleichnisse, die Jesus erzählt, zusammen. Und das große Thema hier ist das Reich Gottes. Um genau zu sein, lautet die Frage, wie Jens ja schon richtig gesagt hat: Wie komme ich rein ins Reich Gottes?
Dieser Begriff, Reich Gottes, wir haben es eben gesungen, Königreich, dein Königreich komme, ist ein Begriff, mit dem tun wir uns schwer. Wir tun uns schwer, weil er nicht das bedeutet, was man zuerst hört. Wir hören Reich und denken vielleicht an ein Gebiet, so wie Vereinigtes Königreich. Das ist nicht gemeint. Wir denken vielleicht an eine Zeitspanne, Drittes Reich. Das ist auch nicht gemeint.
Wenn die Bibel von Reich Gottes spricht, dann meint sie die Herrschaft Gottes, die sichtbar sein kann, die aber auch ganz unsichtbar geschehen kann. Der Begriff Reich Gottes in der Bibel ist ein Synonym für ewiges Leben. Die Frage, wie komme ich ins Reich Gottes rein, ist dieselbe Frage wie: Wie bekomme ich eigentlich ewiges Leben?
Wir haben das schon gelesen in vergangenen Lektionen im Lukasevangelium. Wenn Jesus auftritt und predigt, dann sagt er oft so Dinge wie: „Das Reich Gottes ist nahe gekommen.“ Man liest das ein bisschen und denkt sich: Ja, schön. Aber was er eigentlich sagen möchte, ist: Die Möglichkeit, ewiges Leben zu finden, mit Gott ins Reine zu kommen, die steht vor euch. In dem Moment, wo Jesus das Evangelium, die gute Nachricht, davon bringt, dass es jetzt eine Möglichkeit gibt, mit Gott ins Reine zu kommen.
Und für jeden Menschen ist diese Frage, habe ich ewiges Leben, bin ich in dieses Reich Gottes eingetreten, von allergrößter Bedeutung. Zumindest, wenn wir Jesus glauben. Diese Frage, ist Jesus in meinem Leben, und das hört sich für uns 21.-Jahrhundert-Bewohner so merkwürdig an, aber ich drücke es mal so aus: Ist Jesus der König in meinem Leben?
Wir haben ja eigentlich keine Könige mehr. Und ein König ist auch mehr als eine Bundeskanzlerin. Ein König ist einer, der mir die Frage stellt: Sag mal, wem möchtest du folgen, auf wen möchtest du hören? Willst du auf mich hören und mir folgen, dann bin ich der König in deinem Leben. Oder möchtest du eher auf dich hören oder auf alles und jeden, dem du so begegnest, und so dein eigenes Ding drehen, dann bist du dein König. Ich, du. Das ist so die Frage, vor die Jesus uns immer wieder stellt.
Selbst an so wunderschönen Stellen wie Matthäus 11,28, wo der Herr Jesus, ich finde diesen Vers absolut fantastisch, er hat mir einfach so viel gegeben, vielleicht ist es einer der Verse, der mir am meisten gegeben hat in meinem Leben. Da steht der Herr Jesus und sagt: „Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen.“ Da denkst du dir: Wow, ja. Und dann sagt er etwas. Er sagt: „Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“, Vers 29: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir.“
Dieses Bild Joch kommt natürlich aus der Landwirtschaft. Es kommt aus der Idee, dass man Tiere hat, die man vor einen Pflug spannt oder vor eine Kutsche von mir aus, und die bekommen dann so über den Nacken ein Holzstück gelegt, wo sie eingespannt werden. Und im Alten Testament ist der König der, der ein Joch auf sein Volk legt. Also: „Nehmt auf euch mein Joch“ heißt so viel wie: Lasst mich in eurem Leben König sein. Lasst euch vor meine Sache spannen und lernt von mir. Und da, wo wir das tun, werden wir wirklich Ruhe finden.
Und das ist die Frage, um die es sich drehen soll: Wie finden wir ewiges Leben, wie kommt man hinein in das Reich Gottes? Lukas wird uns da einiges dazu sagen. Normalerweise gehe ich ja durch diese Texte so Stück für Stück von vorne bis hinten. Ich möchte es diesmal anders machen. Ich möchte in der Mitte anfangen. Also schauen wir uns den großen Block an, und wir springen mal genau in die Mitte rein. Das ist Lukas 18,15-17. Das ist das Zentrum dieses ganzen Abschnittes, eine ganz unbedeutende Geschichte, so klein, dass man fast daran vorbeilesen könnte. Davor ist es spannend, und danach ist es spannend, und die Geschichte geht fast ein bisschen unter. Aber es ist das Zentrum unseres riesigen Abschnittes Lukas 18,15-17.
Und man macht es ja eigentlich nicht, dass man am Anfang schon die Lösung der Frage gibt. Aber ich mache das heute mal. Ihr bekommt jetzt schon die Lösung. Wenn ihr sagt, mir ist eine ganze Predigt zu lang, so lange will ich nicht zuhören, dann hör noch zwei Minuten zu, und du hast alles verstanden: die gute Botschaft für heute. Jesus und die Kinder.
Sie brachten aber auch die kleinen Kinder zu ihm, dass er sie anrühre. Als aber die Jünger es sahen, fuhren sie sie an. Jesus aber rief sie herbei und sprach: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht aufnehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.
Wenn du diesen Text verstanden hast, hast du den ganzen Block verstanden. Wo liegt der Denkfehler der Jünger? Die Jünger denken, so kleine Kinder sind irgendwie unwichtig. Da kommt der Messias, und der soll seine Zeit bitteschön nicht verbringen mit so kleinen, unwichtigen Kindern. Der hat Wichtigeres zu tun im Leben. Und Jesus kontert das und sagt: Falsch. Solchen gehört das Reich Gottes.
Wenn wir begreifen wollen, was es heißt, gläubig zu werden, wenn wir begreifen wollen, was es heißt, ins Reich Gottes hineinzukommen, dann müssen wir begreifen, wie Kinder ticken, vor allem kleine Kinder. Und kleine Kinder, die nehmen die Liebe, den Schutz, die Versorgung der Eltern einfach so an. Ich finde das total süß, ja. Kleine Kinder, wenn du sagst: Frühstücken, dann kommen die so aus dem Zimmer rausgeströbert, setzen sich an den Frühstückstisch, und die machen das einfach. Die machen sich nicht den Hauch eines Gedankens, ob sie sich jetzt das Frühstück verdienen müssen oder ob sie eine bestimmte Leistung bringen müssen. Ja, vielleicht haben sie Interesse, ob das Nutella auf dem Tisch steht, aber ansonsten? Waschen sind die da. Kleine Kinder lassen sich beschenken, kleine Kinder lassen sich einfach so segnen.
Und das ist die Botschaft dieses Textes: Ein Mensch, der in das Reich Gottes kommen will, der braucht als Grundvoraussetzung so ganz kindliches Vertrauen. Er braucht diese kindliche Einstellung. Er muss völlig ohne Hintergedanken, ohne dass er sich für etwas Besonderes hält, einfach nur es ehrlich meinen und zu Jesus hinkommen. Das ist das Wichtigste, was wir verstehen müssen.
Und weil wir alle schwer von KP sind, weil wir alle so ein bisschen brauchen, weil wir das eigentlich nicht wirklich glauben können, dass es einfach darum geht, wie so ein kleines Kind zu Papi zu gehen und zu sagen: Hallo. Deswegen gibt es vor und nach diesem kleinen Ereignis für uns ein Gleichnis und eine Geschichte, damit wir genau diese Botschaft besser verstehen.
Wir lesen einfach mal, was davor steht, eines meiner Lieblingsgleichnisse: Lukas 18,9-14. Da geht es auch um die Frage, wie jemand ins Reich Gottes hineingeht, wie jemand mit Gott ins Reine kommt. Und wir lesen Lukas 18,9-14:
Er sprach aber auch zu einigen, die auf sich selbst vertrauten, dass sie gerecht seien, und die übrigen für nichts achteten, dieses Gleichnis: Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst: „O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe.“ Und der Zöllner stand von fern hinten im Tempel und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: „O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!“ Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Eigentlich eine ganz wunderschöne, einfache Geschichte. Ich habe Menschen vor mir, die auf sich selber vertrauen, in dem Gleichnis ein Pharisäer. Aber das muss nicht unbedingt ein Pharisäer sein. Es gibt ganz einfache Menschen, vor allem wenn sie in ihrem Leben viel Unrecht erlitten haben, die sich als besser, als irgendwie gerecht empfinden. Und die anderen sind dann so die Bösen. Ich bin der Gute, oder zumindest ein bisschen besser, und die anderen, das sind so die, ja, also im Gleichnis ist es jetzt der Pharisäer, die religiöse Elite seiner Zeit.
Ein religiöser Mann hatte bestimmt des Öfteren von Zöllnern so ein paar ganz fiese Dinge erlebt. Zöllner sind die, die am Eingang der Stadt sitzen. Und du willst in die Stadt rein und willst irgendetwas in die Stadt reinschaffen, die schauen sich an, was da halt so drin ist in deinem Wagen, und sagen, was sie an Zoll haben wollen. Und wer schon mal im Ausland war, es gibt ja nun so Länder, wo man auch so, ich sag mal, auf Beamte trifft, die vielleicht nicht an eine feste Tabelle von Ordnungen gebunden sind oder ein bisschen freier in ihrer Gestaltung von Abgaben, der weiß: Du hast mal einen, der ist ein bisschen billiger, du hast mal einen, der ist ein bisschen teurer, und wenn der dich mag, dann bist du halt auf der billigeren Seite, und wenn der dich nicht mag, dann ist er halt ein bisschen teurer.
Zöllner waren nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie aus ihrem Beruf nicht ein Maximum an Gewinn für sich selber gezogen haben. Und jetzt geht dieser Pharisäer in den Tempel und sieht hinter sich den Kerl, den er vielleicht kennt und wo er weiß: Er hat mich schon drei- oder viermal abgezockt. Und er fängt an zu beten. Und während er betet, kann er gar nicht anders, als seine eigenen guten Taten herauszustellen, was er doch für ein toller Mensch ist, darauf hinzuweisen, wie er besser ist als all die anderen, die übrigen Menschen.
Das Schlimme daran ist nur, dass seine Einschätzung falsch ist. Relativ gesehen hat er ja recht. Also wenn ich so einen menschlichen Standard anlege, so einen allgemeinen Standard, dann mag es wirklich sein, dass der Pharisäer noch nie jemanden so über den Tisch gezogen hat, wie der Zöllner es getan hat. Aber wenn ich im Tempel stehe, da geht es nicht um einen menschlichen Standard, da geht es um Gottes Standard. Und aus Gottes Perspektive ist der Pharisäer genauso nur ein Sünder und nicht mehr als der Zöllner.
Und jetzt schauen wir uns den Zöllner an. Der Pharisäer, der sich auf seine eigenen Verdienste beruft, wie toll er doch ist, geht ungerechtfertigt nach Hause. Der geht so nach Hause, wie er gekommen ist. Er ist mit Gott nicht im Reinen, er ist nicht ins Reich Gottes eingegangen, er hat nicht ewiges Leben gefunden, er steht immer noch getrennt von Gott, obwohl er äußerlich so religiös wirkt.
Und der Zöllner, der steht von ferne. Der traut sich noch nicht einmal, die Augen aufzuheben. Der spürt etwas von dieser Kluft, die da ist. Irgendwie da ist Gott, und er steht hier. Er fühlt sich ganz klein. Er weiß tief drin in seinem Leben ist es einfach falsch, dass er diesen Gott anbetet. Er spürt die Diskrepanz. Er sieht in seinem Leben Dinge, die stehen ihm vor Augen, wo er weiß: Boah, ich habe da Sachen gemacht, ich kann nie und nimmer vor diesem heiligen, ewigen Gott treten.
Und das mag bei jedem anders sein, ja. Ich weiß nicht, woran der Zöllner gedacht hat, aber ich weiß: Als ich ewiges Leben bekommen habe, eines der ersten Dinge, die ich geklärt habe, ich habe ein paar Sachen zurückgegeben, die mir nicht gehörten. Da steht man vor Gott. Geht auf die Knie und macht Pling, und du denkst dir: Ah ja, stimmt.
Und wir haben diese Dinge, wo wir so zu Gott kommen mit diesem Wissen, dass wir eigentlich gar nicht dahingehören in den Tempel, dass dieses Gebet, was wir sprechen, zu Gott eigentlich ein Gebet ist, was gar nicht in unseren Mund gehört. An der Stelle, an der wir aufhören zu glauben, dass wir die Guten sind, dass wir etwas bringen können, wo wir nicht mehr zeigen auf: Schau mal, wie toll ich bin, sondern wo wir wie der Zöllner, ob nun bildhaft oder real, an unsere Brust schlagen, wo ich das tue und sage: Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig, wo ich meine Bankrotterklärung unterschreibe vor Gott, an der Stelle findet Annahme statt.
Da heißt es dann, dass derjenige gerechtfertigt nach Hause geht. Da ist jemand, obwohl er eigentlich nichts gemacht hat, als nur zugegeben hat, dass er mit leeren Händen vor Gott steht. Da ist jemand versöhnt worden mit Gott, da hat jemand Frieden gefunden mit Gott, da ist etwas in Ordnung gekommen, da ist jemand hineingetreten ins Reich Gottes und hat ewiges Leben gefunden. Und dieses Gebet der Buße ist der Eintritt ins Reich Gottes.
Der Pharisäer, das ist derjenige, der einen Deal aushandeln will: Gott, schau dir an, wie toll ich bin, dafür musst du mich doch belohnen. Und Gott wird sagen: Du bist mit allem, was du tust, immer viel zu arm. Und auf der anderen Seite ein Zöllner, der wie so ein kleines Kind zu Gott kommt und sagt: Du Papa. Das kennen wir doch alle, oder? Wir haben etwas kaputt gemacht. Du spielst irgendwo, wo du nicht spielen darfst, und dann fällt etwas runter, was nicht kaputt hätte gehen dürfen. Und dann kommt das kleine Kind ins Zimmer gerannt. Und vorher hatte was weiß ich, nehmen wir irgendwas, Papa hat so eine Figur auf seinem Schreibtisch stehen, und die fällt runter, und dann hat die Figur plötzlich zwei Teile. Und dann kommt das Kind da rein und sagt: Du Papa, mir ist da was passiert.
Das ist das, was der Zöllner tut. Der Zöllner kommt nicht und sagt: Schau mal, wie toll ich bin, sondern: Mir ist hier etwas passiert, mir ist hier etwas runtergefallen, mein Leben ist mir runtergefallen, und ich weiß jetzt nicht mehr, wie ich es wieder zusammenkriegen soll. Ich weiß nur, ich stehe mit den Scherben in meinen Händen da, und Papa, was soll ich machen?
Und wo jemand mit dieser Haltung zu Gott kommt und sagt: Mein Leben ist mir zerbrochen, Papa, kannst du es wieder kleben? Wo diese Haltung da ist, fängt ewiges Leben an. Und ich muss jetzt sagen: Achtung, es hängt nicht an dem Gebet selber, dieses „Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig“. Nicht die Worte sind magisch, nicht dass wir denken, man muss die richtigen Worte sprechen. Es geht nicht um eine Zauberformel, es geht um das, was hinter diesen Worten steckt, dass da einer zu Gott kommt, der das, was er sagt, auch wirklich meint. Dass da einer ist, der wie so ein Zöllner sagt: Ich möchte, Herr Jesus, mich losreißen von meinem alten Leben, ich möchte mich ganz auf dich einlassen, ich möchte dir nachfolgen, egal was es mich kostet.
Ein Beispiel gefällig dafür? Ich habe zwei, also nicht ich, Lukas. Lukas hat zwei Beispiele, was das heißt, ein positives und ein negatives. Und wir fangen mal mit dem Negativen an. Wir nehmen einfach die Geschichte hinter unserem Zentrum. Also wir waren jetzt gerade im Zentrum. Steht dieser Punkt: Wir müssen werden wie die Kinder. Davor sehen wir, was das bedeutet, dass da dieser Schritt der Buße nötig ist, der Umkehr zu Gott. Jetzt nehmen wir eine Begebenheit, die sich direkt hinter unserem Zentrum befindet: Lukas 18, ab Vers 18.
Und wir begegnen jemandem, der ernsthaft ewiges Leben sucht, der ernsthaft ins Reich Gottes eintreten will und es am Ende nicht schafft. Lukas 18,18: Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Lehrer, was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu erben? Erben bedeutet so viel wie bekommen. Was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu bekommen?
Wir ahnen schon, dass die Frage an sich falsch ist, oder? Also jetzt nach dem, was wir gehört haben. Wenn jemand so zu Gott kommt, das kann nicht ganz richtig sein. Ewiges Leben, das haben wir ja gerade gelernt, bekommt man geschenkt. Da kann man gar nichts tun. Der Pharisäer, der auf sein Tun geschaut hat, der ist nach Hause gegangen und war nicht mit Gott gerechtfertigt, nicht mit Gott versöhnt. Also außer Buße kann ich eigentlich nichts tun, und Buße, ja, ich kapituliere vor Gott, ich hänge quasi meine weiße Fahne raus. Das ist biblisch gesehen kein Werk, das ist nicht etwas, wo ich mir etwas zuschreiben kann, das ist nur das Eingeständnis, dass ich nichts mehr bringen kann.
Also wir merken, da ist etwas Falsches in dem, was er fragt. Und noch etwas: Er sagt „guter Lehrer“. In dieser Art, wie er Jesus anspricht, guter Lehrer, offenbart sich etwas davon, wie er denkt über Gutsein. Für ihn gibt es ein Gutsein, das man locker auf alle möglichen Menschen übertragen kann. Ja, das ist ein guter Lehrer. Und wie wir noch sehen werden, er selber hält sich auch nicht für den Schlechtesten. Indem er ihn guter Lehrer nennt, merken wir, wie er über Moral denkt. Moral ist etwas, na ja, die einen sind halt gut und die anderen sind es nicht. Und Jesus ist ein guter Lehrer.
Und jetzt kommt Vers 19: Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer: Gott. Und jetzt könnte man einwenden: Ja, aber Jesus ist doch Gott, ja, dann darf man Jesus doch gut nennen, ja, das stimmt. Aber hätte der Oberste hier gesagt: Ja, Jesus, also geantwortet auf das, was Jesus sagt, ja, Jesus, aber weil du ja Gott bist, deswegen stimmt das schon, dass ich dich guter Lehrer nenne, dann wäre alles paletti gewesen. Nur das sagt er gar nicht, das ist nicht sein Denken.
Jesus konfrontiert ihn hier mit seinem eigenen Denken, wenn er ihn guter Lehrer nennt. Und Jesus sagt: Niemand ist gut als nur Gott. Dann möchte Jesus herausstellen, dass dieser Begriff gut, guter Lehrer einfach nur so ein bisschen Höflichkeit darstellt. Er meint es nicht wirklich ernst. Er zeigt uns, wie sein Maßstab von Gut und Böse ist. Jeder kann so ein bisschen gut sein, der so ein bisschen rausschaut aus der Menschheit, und Jesus ist halt ein guter Lehrer. Aber Gutsein im Gottessinn, da, wo wir mal absolut das betrachten, da gibt es wirklich nur einen, nur Gott.
Und wir alle anderen, wir brauchen uns nicht gut nennen, auch nicht wenn wir höflich sind, weil keiner von uns wirklich gut ist. Wollt ihr mal hören, wie überzeugt dieser Mann von sich selber ist? Die nächsten zwei Verse, also Michael überläuft es bei solchen Versen so wah, ja, ich denke immer so: Ja. Ich lese euch das mal vor. Da heißt es in Vers 20 und 21: Die Frage steht ja im Raum, was muss man getan haben, um ewiges Leben zu bekommen? Die Gebote weißt du: Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsches Zeugnis geben, ehre deinen Vater und deine Mutter. Er aber sprach: Dies alles habe ich befolgt von meiner Jugend an.
Ich hoffe, dass, wenn ihr das lest, ihr innerlich den Kopf schüttelt und sagt: Nee, Freund, ich kenne dich nicht, aber ich weiß, dass das nicht stimmt. Also ich hoffe, dass keiner hier im Raum sitzt, der sagt: Ja, das geht mir genauso, völlig. Ja, also ich nehme mal so diese Gebote, ja, und sobald ich zurückdenken kann, ist noch nie was passiert. Ja, mal geklaut, mal gelogen, mal meinen Eltern ungehorsam, nie passiert. Ja, von Jugend auf alles paletti bei mir. Das kann doch keiner sagen. Aber er stellt sich hin und sagt: Ich wüsste jetzt gar nicht, was du meinst, Jesus.
Und wir merken: Jeder, der das so formuliert, der nimmt diese Gebote eigentlich nicht ernst, sondern der hat irgendwo so einen selbstgemachten Maßstab, wo die Gebote irgendwas bedeuten, irgendwas für die anderen bedeuten. Die anderen machen es immer falsch, aber man selber steht eigentlich gut da. Und wo das im Leben eines Menschen passiert, da kommst du eigentlich nicht wirklich ran an so jemanden. Und Jesus hat jetzt echt ein Interesse, ihn zu gewinnen. Er möchte ja, dass er ewiges Leben findet. Also geht er einen Schritt weiter. Wie kann man denn so jemanden, der da steht und sagt: Bei mir ist alles gut? Was man tun kann, ist, man kann ihn an seinem Herzen packen. Und das tut Jesus.
Vers 22: Als aber Jesus dies hörte, sprach er zu ihm: Eins fehlt dir noch. Und ich kann mir vorstellen, wie der Oberste vielleicht ein bisschen komisch reinschaut, aber denkt: Na ja, eins, das geht schon noch. Wenn man so grundsätzlich zu den Guten gehört, dann kriegt man schon noch eins mehr hin, vor allem, wenn man genügend Geld hat, um das eventuell auch so kaufen zu können oder so. Eins fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und verteile es an die Armen, und du wirst einen Schatz in den Himmeln haben, und komm, folge mir nach!
An dieser Stelle muss der Bass einsetzen. Boah, logisch, oder? Das ist die Antwort auf: Was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu finden? Eine Antwort, die dem reichen Obersten überhaupt nicht gefällt. Vers 23: Als er aber dies hörte, wurde er sehr betrübt, denn er war sehr reich.
Und wir merken: Ewiges Leben ist nicht eine Belohnung für Nettsein. Ewiges Leben heißt, wie wir das jetzt hier ganz deutlich sehen: Ich muss mich losreißen von meinem alten Leben, ich muss mich ganz auf Jesus einlassen. Ich muss ihm nachfolgen, egal was mich das kostet. Hinter dieser Fassade eines wohlhabenden Gentlemen verbirgt sich ein Herz, das ein fettes Problem hat. Es hängt nämlich an seinem Reichtum. Er möchte schon ewiges Leben, aber es darf nicht zu viel kosten. Und der Preis hier ist definitiv zu hoch.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Nicht jeder, der Christ werden will, muss alles weggeben, was er hat. Im Verlauf dieses Blocks, den wir betrachten, werden wir auf Zachäus stoßen, der ist auch reich, und er gibt nicht alles weg. Es geht nicht darum, dass wir alles weggeben, was wir haben. Aber es geht darum, dass wir uns einlassen auf eine Christusnachfolge. Und wenn irgendetwas dieser Nachfolge im Weg steht, ob das unser Geld ist oder ob das irgendwelche anderen Dinge sind, familiäre Bindungen, persönliche, berufliche Träume, die ich habe, egal was das ist, dann muss ich einen klaren Schnitt machen.
Und Jesus weiß um diese Not, die im Herzen von Menschen da ist, die einfach reich sind. Und ich hoffe, dass es euch nicht erschreckt, wenn ich einfach mal sage: Wir sind fast alle reich. Also wenn wir uns die Bilder aus Moldawien anschauen, in so einer Hütte wohnt niemand. Und wenn ich auf euer Klo gehe, was ich ja manchmal mache, bevor ich predige, dann weiß ich: Ihr habt mehr als so ein Loch im Boden. Wir sind reich.
Und Jesus weiß, wie es uns damit geht. Vers 24 und 25: Als aber Jesus sah, dass er sehr betrübt wurde, sprach er: Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes kommen! Es ist wirklich schwer, sich für einen Deutschen zu bekehren. Es ist nicht schwer, für einen Deutschen ein bisschen religiös zu werden. Es ist nicht schwer, am Sonntag in den Gottesdienst zu gehen. Aber wirklich sich zu bekehren, Christus wirklich nachzufolgen, mehr als so ein geistliches App, wo ich dann noch ein bisschen mitmache, mitschwimme in einem Kulturverein, der halt oben so einen Fisch als Logo hat, wirklich Christus nachzufolgen, das ist für reiche Leute unglaublich schwer.
Ob ihr das wollt oder nicht: Geld versklavt. Dein Auto, deine Immobilien, dein Konto, je mehr du davon hast, umso mehr packt es dein Herz. Und wenn du nicht viel hast, packt es dein Herz auch, mach dir keine Sorge, es reicht nicht, arm zu sein. Und Jesus macht hier ganz deutlich: Es ist super schwer.
Vers 25: Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingeht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt. Und es ist mir völlig egal, was hier Kamel und Nadelöhr ist, es gibt verschiedene Auslegungen. Das klingt nicht einfach mit dem Nadelöhr und dem Kamel. Und darum geht es. Das, was für den Obersten hätte ein Wendepunkt in seinem Leben werden können, wird zu einem ganz dramatischen, und wir lesen das hier gar nicht, die anderen Evangelisten beschreiben uns das, dass er einfach weggeht, ja, aber hier passiert etwas nicht, was hätte passieren können.
Jemand wirft einen ganz tiefen Blick in sein Herz und denkt: Eigentlich hängt mein Herz da dran, an diesem Traum, in dem Fall am Geld, ja, das ist mein Herz. Und mir tut dieser Mann leid. Er steht da, er hätte sich an die Brust schlagen können wie der Zöllner im Tempel und hätte sagen können: Boah, was bin ich doch für ein eingebildetes, habsüchtiges Stück Scheiße. Herr, sei mir, dem Sünder, gnädig. Und es wäre alles in Ordnung gewesen. Aber er tut es nicht. Er tut es nicht. Er erschrickt. Aber er erschrickt nicht über sich, er erschrickt über das, was Jesus von ihm verlangt. Alles weggeben, es auf ein himmlisches Konto einzahlen, und in dem Moment, wo er merkt, woran sein Herz wirklich hängt, in diesem Moment entscheidet er sich gegen Jesus. Und die Eingangsfrage: Wie kriege ich ewiges Leben, ist plötzlich nichts mehr von Bedeutung.
Scharf, oder? Für die Zuhörer ist das, was hier passiert, ein Schock. Vers 26: Es sprachen aber die, die es hörten: Und wer kann dann gerettet werden? Im Kopf der Zuhörer ist auch dieses Denken: Na ja, wenn ich in den Himmel will, muss ich viele gute Taten tun. Wer kann am leichtesten gute Taten tun? Der, der viel Knete hat. Weil wer viel Geld hat, kann viel spenden, wer viel spendet, hat viele gute Taten, wer viele gute Taten hat, kommt in den Himmel. Das heißt, der Reiche ist eigentlich der Inbegriff dessen, der ganz leicht in den Himmel kommt.
Und Jesus sagt: Dreht das einfach um, die haben kaum eine Chance, diese Reichen. Jesus macht mit jedem Gedanken von Selbstgerechtigkeit, mit jedem Gedanken von Ich habe hier meine guten Werke, meine Verdienste, und das muss doch vor Gott etwas gelten, Jesus macht damit restlos Schluss. Und er hebt etwas auf den Thron, was ich einfach mal nennen möchte: Buße und Nachfolge. Buße, diese bewusste Umkehr zu Gott, wie wir das bei dem Zöllner sehen, und hier ja auch: Folge mir nach. Die beiden gehören zusammen. Ich kehre um zu Gott, ich sage ihm das: Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig, und ich führe ein Leben, wo das sichtbar wird, dass mein Herz wirklich nicht mehr an etwas anderem hängt als nur noch an Jesus.
Und ich hoffe, dass wir alle von Herzen dankbar dafür sind, dass unsere Errettung nicht an uns hängt, sondern dass unsere Errettung ganz und gar an Jesus hängt, dass es nicht auf unsere Verdienste ankommt, sondern nur auf das, was Jesus getan hat, und zwar am Kreuz.
Vers 27: Er sprach aber: Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott. Wir können uns nicht retten, egal wie viele gute Taten du tust. Du kannst mit deinen guten Taten deine Sünde nicht zudecken. Egal wie viel Geld du hast, du kannst mit all deinem Geld deine Seele nicht freikaufen. Du kannst Gott nicht täuschen. Und deswegen können wir nichts weiter tun, als kindlich zu Gott kommen und sagen: Papa, ich habe mein Leben zerbrochen, ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll, und uns beschenken lassen und aus Dankbarkeit dafür, dass Gott uns mit ewigem Leben beschenkt, ihm in aller Treue und Dankbarkeit nachfolgen.
Das war das negative Beispiel. Schauen wir uns schnell noch das Positive an: Petrus. Petrus ist also ganz anders gestrickt. Wir kennen ihn aus Kapitel 5. Da war es ähnlich: Jesus trifft ihn am Arbeitsplatz beim Fischfang, und eigentlich wollte er gar nicht so richtig rausfahren, ja, Jesus sagt: Fahr noch mal raus, wirf dein Netz noch mal aus. Und Petrus sagt dann so ein bisschen: Das bringt eigentlich nichts, aber einverstanden, du bist zwar eigentlich so ein Zimmermann und hast von Fischen keine Ahnung, aber wer bin ich, dass ich dir widerspreche, wir fahren mal raus, und er macht den Fischfang seines Lebens.
Kommt wieder rein, ist erschrocken vor diesem Jesus, fällt vor ihm nieder und sagt: Boah, geh weg, ich bin ein sündiger Mensch. Also er begegnet Jesus, und er merkt, wem er da begegnet, und er erschrickt über sich selber, über die Situation, in die er sich da hineingebracht hat. Und Jesus sagt dann zu ihm: Hey, ich kann dich gebrauchen. Ich möchte dich zu jemandem machen, der nicht mehr Fische fängt, sondern der ein Menschenfischer wird. Und in dem Moment, wo Petrus über sich selber erschrickt, wird er brauchbar für das Reich Gottes.
Und dann heißt es am Ende dieser Geschichte in Lukas 5,11: „Und als sie die Schiffe ans Land gebracht hatten, verließen sie alles und folgten ihm nach.“ Da ist genau dieser Punkt, den der Oberste nicht gehen will: alles verlassen und Jesus nachfolgen. Das hatte Petrus gemacht. Und jetzt, weil Petrus sich dann die Frage stellt: Was bringt das denn alles? Vers 28: Petrus aber sprach: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Also Petrus möchte, fragt noch mal nach: Wir haben es doch richtig gemacht, oder? Das war doch schon in Ordnung. Der erschrickt selber ein bisschen und denkt sich: Boah, bin ich eigentlich richtig dabei?
Und Jesus ist dann einer, der das auf wunderbare Weise beantwortet. Er sagt, er sprach aber zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, es ist niemand, der Haus oder Eltern oder Brüder oder Frau oder Kinder verlassen hat um des Reiches Gottes willen, der nicht Vielfältiges empfangen wird in dieser Zeit und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben.
Ja, wenn du Christ wirst, musst du etwas loslassen. Es geht nicht anders. Das, woran dein Herz hängt, das, was dir in der Christusnachfolge im Weg steht. Wenn der Herr Jesus sagt: Folge mir nach, dann müssen wir gehen. Und man kann diesen Verlust sich anschauen, und diese Hingabe an Jesus, das kann ein echter Verlust werden. Ja, es kann dich, und ich glaube, es wird jeden von uns, die wir Jesus nachfolgen, etwas kosten. Jesus spricht nicht umsonst von Selbstverleugnung.
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die, dass Jesus sagt: Wenn du mir nachfolgst, dann gibst du etwas weg. Du investierst dein Leben ganz in meine Sache, aber du bekommst etwas zurück, und nicht erst in der Ewigkeit, sondern das fängt hier auf der Erde schon an. Gott lohnt. Ich verliere vielleicht, wie das hier steht, finanzielle Sicherheit, soziale Bindungen, vielleicht auch einen alten sündigen Lebensstil, aber ich gewinne. Ich gewinne Gottes Versorgung, ich gewinne neue Freunde, ich gewinne ein Leben, das sich lohnt, und zwar hier schon. Und wenn das hier herum ist, dann bekomme ich das Eigentliche, das ewige Leben.
Und damit versucht Jesus das Herz von Petrus, das jetzt aufgewühlt ist und sich die Frage stellt, habe ich das richtig verstanden, ein Stück zu beruhigen. Und ich kann euch nur in dieser Frage auch ein Stück entlassen. Ich weiß ja nicht, wo ihr steht. Ich weiß nicht, wenn ihr so etwas hört, ob ihr das schon tausendmal gehört habt: Ja, ja, es geht um Buße und Nachfolge. Ja, ja. Vielleicht sind einige hier, die das erste Mal mitbekommen, worum es geht, die mit einem Mal merken: Stimmt. Man kann so ein bisschen religiös sein, aber das hat mich nie zufrieden gemacht. Man kann so ein bisschen wie der Pharisäer sein und so denken: Na ja, ich bin halt ein bisschen besser als die anderen. Aber eigentlich geht es um etwas ganz anderes. Eigentlich geht es um Ehrlichkeit.
Und wer das denkt, den möchte ich gerne auffordern, an dieser Stelle zu sagen: Hey, wenn du das erste Mal begreifst, worum es eigentlich geht, dass es nicht darum geht, vor Gott aus eigener Kraft gut dazustehen, sondern wirklich nur ehrlich zu werden, wie ein kleines Kind vor Gott zu treten und zu sagen: Papa, ich habe mein Leben zerbrochen, ich weiß eigentlich nicht, wie ich es wieder zusammenkriege. Wenn das deine Geschichte ist und wenn du an diesem Punkt stehst, dann nutz doch einfach heute diesen Sonntag, um zu sagen: Ich mache hier eine ganze Sache draus, ich gehe zu Gott. Und ich schenke ihm, ich offenbare ihm mein Herz, ich schütte mein Herz vor ihm aus, wie es mir wirklich geht.
Wenn du sagst, das habe ich schon gemacht, ich bin eigentlich schon Christ, dann will ich dir diesen Petrus vor Augen stellen, der einfach alles zurückgelassen hat und alles gesagt hat: Ich setze alles auf die Karte Jesus, ich folge diesem Jesus. Und ich ahne, dass es in unserem Leben als Christen immer wieder diese täglich neue Entscheidung gibt, zu sagen: Ich folge Jesus, egal was es mich kostet. Ich gehe ganz mit diesem Jesus.
Und wir haben die Tendenz, dass Jesus immer nur so wie ein Kruzifix an der Wand wird. Da ist dann so ein Kreuz und dann ist alles gut. Aber es ist nicht mehr ein Kreuz im Herzen, es ist ein Kreuz an der Wand. Und wir müssen dieses Kreuz immer wieder in unser Herz hineinziehen. Dass wir uns wirklich ernsthaft die Frage stellen: Wo, an welcher Stelle folge ich nicht mehr nach? Wo fange ich an, mir so wie der reiche Oberste wieder meine Sicherheit abzuleiten von meinem Bankkonto? Wo geht es mir darum, von Menschen attraktiv zu sein, von Menschen geehrt zu werden, passend zu sein für eine Gesellschaft, wo will ich nicht mehr anecken, wo habe ich diesen Kurs Jesus nachverlassen?
Und seid nicht erschrocken, wenn Gott euch da etwas offenbart. Betet: Herr Jesus, zeig mir, wo ich dir eigentlich nicht mehr nachfolge, wo sich Lauheit und Monotonie und vielleicht auch ein bisschen Rebellion in mein Leben eingeschlichen haben.
Bei all dem, was ich jetzt gesagt habe, wo so stark im Zentrum steht, dass wir Buße tun, dass wir Jesus nachfolgen, dass wir uns investieren, gibt es doch abschließend vier Verse, die in eine ganz andere Richtung weisen. Und mit diesen vier Versen möchte ich schließen. Lukas 18,31-34:
Er nahm aber die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen: Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was durch die Propheten auf den Sohn des Menschen hingeschrieben ist; denn er wird den Nationen überliefert werden und wird verspottet und geschmäht und angespien werden, und wenn sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen. Und sie verstanden nichts von diesen Dingen, und dieses Wort war vor ihnen verborgen, und sie begriffen das Gesagte nicht.
Aber ich hoffe, dass wir begreifen, dass wir uns unterhalten können über das Investment, was wir bringen, was wir weggeben von unserer Zeit, von unseren Talenten, von unserem Geld. Aber im Hintergrund steht ein Geschenk, das viel wertvoller ist. Es steht einer, der am Kreuz für uns investiert hat, es steht einer da, der all unser Investment mit seinem Investment in den Schatten stellt. Und ich glaube, wir können das, was ich heute gepredigt habe, mit diesem: Tu Buße, folge Jesus nach, tritt ein in das Reich Gottes, nur wirklich verstehen vor dem Hintergrund eines Kreuzes, an das Jesus sich hat schlagen lassen für deine und für meine Schuld, wo wir etwas von seiner radikalen Liebe sehen. Und wo sich die Frage stellt, ob unsere Nachfolge und unsere Buße vor diesem Hintergrund nicht mehr ist als einfach nur ein lang anhaltendes Danke, Vater.
Mein Wunsch ist, dass wir vor diesem Kreuz stehen bleiben und uns noch mal kurz diese beiden Fragen stellen: Wo stehen wir? Da ist einer für dich gestorben. Hast du das für dich angenommen, ist das wahr geworden in deinem Leben, dass deine Schuld bezahlt ist? Wenn nein, nimm es an. Und wenn du sagst: Ja, das ist in meinem Leben passiert, dann lass dir die Frage stellen: Und dieses Kreuz, an dem Jesus gestorben ist, liegt heute auf deinen Schultern, und du hast es auf dich genommen und hast gesagt, ich folge ihm nach. Und wenn dir jetzt irgendwas einfällt, wo du sagst, da bin ich abgewichen, dann triff jetzt die Entscheidung, zu sagen: Ich mache einen Schnitt, damit ist jetzt Schluss. Ich werde einer sein, der Jesus Ehre macht.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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