
Jakobus 5,12-2003.10.1992
Also heute der Abschluss des Jakobusbriefes, Kapitel 5, die Verse 13 bis 20:
Leidet jemand unter euch, der bete. Ist jemand guten Muts, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihn beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und der Herr wird ihn aufrichten und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennet also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Das Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Elia war ein schwacher Mensch wie wir und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. Und er betete abermals und der Himmel gab den Regen und die Erde brachte ihre Frucht. Liebe Brüder, wenn jemand unter euch abirren würde von der Wahrheit und jemand bekehrte ihn, der soll wissen, wer den Sünder bekehrt hat von seinem Irrweg, der wird seine Seele vom Tode erretten und wird bedecken die Menge der Sünden.
„Ich führe euch herrlichen Zeiten entgegen“, hat Kaiser Wilhelm gesagt. Jakobus ist nicht Kaiser Wilhelm, Gott sei Dank nicht. Er verspricht keine rosaroten Zeiten, weil es die gar nicht gibt, nicht einmal bei der Bundesbahn. Es geht eben nicht immer höher hinaus in Sonnentage, Jubeltage, Freudentage, sondern es geht immer tiefer hinunter in Alltage, Krankheitstage und Unglückstage. Und deshalb die Frage: „Wie werde ich damit fertig?“ Genau darauf geht nämlich Jakobus am Schluss seines Briefes ein. Wie werde ich fertig mit meinen Alltagen, mit meinen Krankheitstagen, mit meinen Unglückstagen?
Für mich ist deshalb Jakobus so ein sympathischer Weggenosse und Freund geworden, der nicht mit einem üblichen Briefschluss kommt, alles Gute und Nette wünscht, um dann noch anzuschließen: „Kopf hoch, es wird schon wieder besser.“ Er schreibt keine Liste von Grüßen wie üblich. Er hat keine Schlussbemerkungen wie in anderen Briefen. Einige Handschriften, spätere Handschriften, haben von sich aus wenigstens ein „Amen“ an den Schluss des Briefes angefügt. Aber wenn wir recht nachschauen, dieses Amen steht nicht in der ersten Fassung dieses Briefes. Jakobus hat nicht einmal ein Amen geschrieben. Diese seine Sachlichkeit beeindruckt. Er will uns nicht mit irgendeinem schwülstigen Briefschluss nun von irgendwelchen wichtigen Fragen, die er nicht beantworten kann, wegheben, sondern er hat klare und sachliche Antworten. Hier wird uns nichts vorgemacht.
Also, das Eine, was er zuerst sagt:
Wenn der Alltag kommt
... was dann? Wie werde ich damit fertig?
Liebe Freunde, sage mir keiner, dass es bei ihm nur nach der Melodie ginge: „alle Tage Sonnenschein.“ Aber sage mir auch keiner heute Abend, dass sein Lebenshaus nur im Nebel und nur im Schatten stehe. Freude und Leid wechseln ab, so wie Saat und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hitze, Tag und Nacht.
Unser guter Nachbar von der Mörikestraße, nämlich Mörike, er hat es ja so eindrücklich zusammengefasst: „Herr, schicke, was du willst, ein Liebes oder Leides. Ich bin vergnügt, dass beides aus deinen Händen quillt.“ Er konnte beides von Gott annehmen und nicht sagen, heute, an diesem Frühlingstag, Vorfrühlingstag, heute scheint mir wieder Gottes Sonne freundlich ins Gesicht. Und morgen dann sagt: „Aber heute hat mich der Leibhaftige am Wickel.“
Leid und Freude aus Gottes Hand zu nehmen, darum geht es auch dem Jakobus. Leid, Leiden, so wie Jakob am Jabbok. Oder so wie Mose an der Sünde seines Volkes. Oder so wie David an der eigenen entsetzlichen Schuld.
Oder so wie Daniel in der Bedrängnis seines Volkes. Verstehen Sie? Leiden in der Bibel umfasst eigentlich alle Situationen. Wenn die Bibel von Leiden spricht, dann meint sie nicht ganz spezielle. Sondern sie meint all die Leiden, die es in einer ganz, ganz großen Auffächerung gibt, und an denen Sie an einer Stelle mitleiden und vielleicht Ihr leidendes Herz mitschwingt. Mit Leiden meint er all diese Leiden. Mit Leiden meint er ganz sicher auch Ihr Leiden, das Sie kaum jemand sagen wollen und doch so entsetzlich darunter leiden. Leidet jemand, dann soll er beten. Oder anders übersetzt: „dann soll er anrufen.“ Er soll es vor Gott tragen.
Wir kennen das aus der Bibel. So unterstreicht er es im Grunde auch in allen Dingen. In allen Dingen lasst eure Bitten, Gebeten, Flehen vor Gott, kund werden. Und von Jesus heißt es ja, Hebräer 5, Vers 8, er lernte Gehorsam zu dem, dass er litt*. Ein ganz wichtiger Vers. Das Leiden vertiefte die Gemeinschaft zwischen Jesus und seinem Vater.
Und liebe Freunde, unser Leiden auch. Es gibt kein Leiden, das nicht unsere Gemeinschaft zwischen uns und Gott vertiefen will. Uns enger mit diesem Herrn verknüpfen. Das Leiden tut uns einen Dienst zum Gebet hin. Und wenn Sie mit Ihrem Leiden überhaupt nicht einverstanden sind, und wenn Sie mit Ihrem Leiden überhaupt nichts anfangen können, und wenn Sie sagen: „ich durchschaue dieses Leiden überhaupt nicht“, dieses eine zumindest bis jetzt, dieses eine kann Ihr Leiden tun, diesen Dienst: Sie zum Gebet hinführen und ins Gebet hineinführen. Selbst wenn man dann sagt: „Herr, ich weiß nicht, was dieses Leiden in meinem Leben soll!“ Aber dann hat es Sie zuerst an diese Stelle gebracht, wo Sie stehen sollen, wenn es ums Leiden geht. Nämlich vor diesem Gott, im Reden mit diesem Gott, sicher auch im Klagen, aber auch im Bitten und im Anrufen um seine Hilfe. Leidet jemand unter euch, der bete.
Und dann fährt er fort: Ist jemand guten Muts, das heißt, ist jemand auf dem Guts-Muths-Weg, so wie droben unterm Fernsehturm, ist jemand guten Muts, der singe Psalmen, der singe Loblieder. Oft ist es so, guter Mut treibt zum Übermut, aber auch Fröhlichkeit soll so wie das Leiden zu Gott hintreiben, zu gesungenem Gebet. Es gilt hier der Satz und das fügt er noch einmal hier zusammen: „Mach aus allem ein Gebet“, das sagt er ganz einfach. Und so kann man es sich auch merken. Mach aus allem ein Gebet. Das, was einen so bedrückt hat an diesem Tag. Und was einen immer wieder bedrückt, nehmen Sie es hinein ins Gebet. Und das, was Sie an diesem Tag erfreut hat, es gab doch Dinge an diesem Tag, die nicht nur nichts waren. Stunden oder Minuten oder auch Sekunden der Freude, machen Sie es zum Gebet. Machen Sie aus allem ein Gebet. Er will Sie an der Stelle haben, wo er mit Ihnen reden kann. Und die Stelle ist die Gebetsecke, der Gebetsstuhl oder die Gebetsstille.
Wenn der Alltag kommt, mach aus allem ein Gebet! Er vermag viel, das Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Leid und Freude mit Gott im Himmel teilen. Leid und Freude mit Gott im Himmel teilen. Das hilft, mit dem Alltag fertig zu werden.
Aber nun spricht er von einer besonderen Form des Leidens, nämlich von der Krankheit. Und das ist jener zweite Hauptpunkt:
Wenn der Krankheitstag kommt
... wenn der Alltag übergeht in den Krankheitstag, was dann? Ist jemand unter euch krank? So sagt er es. Ist jemand unter euch krank?
Ich hätte eher gedacht, er spricht jetzt als eine besondere Form des Leidens von der Verfolgung, so wie es die Briefe an dieser Stelle immer tun. Aber er spricht nicht von der Verfolgung. Die Verfolgung ist bei ihm noch nicht das beherrschende Thema. Das heißt, dass wir es sehr früh mit einem sehr frühen Brief zu tun haben, einer Gemeinde, die noch nicht unter die Verfolgung gekommen ist. Sondern er sieht hinein, so wie ich auch in eine Gemeinde hineinschaue und Einzelne kenne und weiß, dass sie Kranke zu Hause haben und auch weiß, dass sie krank sind. "Ist jemand unter euch krank", wenn ich so hinein, bloß in diese Kirche fragen würde und sagen: „strecken Sie die Hände hoch“, dann hätten wir eine ganze Reihe von solchen, die sagten: „doch, dazu zähle ich.“
Sehen Sie, und wenn einer krank ist, dann beachte er sieben Dinge. So praktisch ist er: sieben Dinge.
A. Ist jemand unter euch krank, der denke!
Freunde, der denke nicht zuerst: „das ist die Strafe für meinen Unglauben und meinen Kleinglauben.“ Der denke nicht: „wenn ich recht glaubte, dann wäre ich gesund. Glaube und Krankheit schließen sich doch aus.“ So höre ich es immer wieder. „Glaube und Krankheit schließen sich doch aus.“ Das ist kurzschlüssig gedacht. Das ist gefährlich gedacht. Das ist nicht die biblische Linie. Wir müssen in Sachen Krankheit wieder biblisch denken. Wir müssen in Sachen Krankheit wieder die Bibel befragen. Was sagt denn die Bibel grundsätzlich zur Krankheit? Ist sie nur Ausfluss meines Unglaubens? Werde ich dafür gestraft?
Immer wieder besuche ich eine 91-jährige Frau, gebunden an ihren Stuhl, leidend an diesem Leben, an ihrem Körper, an ihren Depressionen. Und jedes Mal sagt sie mir den einen Satz: „Herr Eißler, sagen Sie mir doch, was habe ich in meinem Leben falsch gemacht, dass ich so leiden muss?“ Freunde, diese Frage ist in Unkenntnis der Bibel gestellt. Sünde kann Krankheit auslösen.
Aber lassen Sie uns jetzt noch einmal grundsätzlich fragen, wie sieht denn die Bibel die Krankheit? Und da müssen Sie zurückgehen, 1. Mose 1. Gott hat diese Welt geschaffen. Und jedes Mal, wenn es Frühjahr wird, dann muss man sagen, doch, der hat sie schön geschaffen. Der hat sie gut geschaffen. Der hat sie herrlich geschaffen. Und nicht nur diese Welt, sondern eben auch, als er praktisch der Schöpfung die Krone aufsetzte. Die Krone der Schöpfung ist der Mensch. Und diesen Mensch hat er herrlich gemacht. Er hat dem Menschen die Traumnote 1 verliehen. Und siehe, es war alles sehr gut. So steht es. Die Schöpfung und der Mensch war sehr gut. Traumnote 1. So hat er es gewollt und so hat er es gemacht. Dabei ist es leider nicht geblieben. Der Mensch suchte zu sein wie Gott, überschritt die ihm gezogene Grenze und die innige Beziehung zwischen Geschöpf und Schöpfer ist gerissen. Und dieser Schuld folgt die Strafe auf den Fuß, nämlich Vertreibung aus dem Paradies mit den Folgen. Mit Schweiß sollst du dein Brot verdienen, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären und zur Erde sollst du werden. An dieser Stelle ist Endlichkeit angesagt in meinem Leben. Ich bin nicht mehr unendlich, so wie ich eigentlich geschaffen wurde, sondern jetzt bin ich endlich. Das heißt, mein Leben läuft auf ein Ende zu. Das heißt, der Körper wird krank, er wird alt und stirbt. Jede Krankheit ist schon im Kern Hinweis auf den Tod.
Und einer hat gesagt: „Krankheit ist Folge der Schuld und damit ein ständiges Merkmal unserer gestörten Schöpfungsordnung.“ Haben Sie es verstanden? Der Mensch ist zur Strafe endlich geworden. Mit der Endlichkeit kommt die Hinfälligkeit und mit der Hinfälligkeit kommt die Sterblichkeit. Jede Krankheit weist zurück auf ... haftung des Menschen insgesamt vor Gott. So muss nicht immer Sünde im Leben eines Menschen signalisieren. Sie kann es, aber sie verweist auf jeden Fall auf die Schuld der Menschheit überhaupt. Wenn ich krank werde, dann soll ich zuerst daran denken: „ich lebe nicht im Paradies.“ Ich lebe leider nicht mehr dort, wo Leib und Seele und Gemüt die Traumnote 1 hatte, sondern ich lebe jenseits von Eden. Das ist unser Schicksal. Wir leben außerhalb des Paradieses. Das ist unsere Not. Das ist unsere Krankheit. Wir leben jenseits von Eden. Und deshalb gehen wir auf den Tod zu.
Und nun, sehen Sie, und nun kam Jesus. Nun schließt er wieder auf die Tür. Aber passen Sie auf, dieser Jesus hat nicht diese Erde zum Paradies gemacht. Er hat nur die Tür zum Paradies geöffnet und hat gesagt: "Wer an mich glaubt, der wird wieder jenes ewige Leben ererben.“ Er wird es bekommen. Er hat das verkündigt, dass es eine Zeit geben wird, wo es keine Krankheit mehr gibt. Und diese seine Verkündigung, die hat er nicht nur proklamiert, sondern die hat er auch demonstriert. Nämlich, er hat an einigen Kranken gezeigt, dass es einmal so sein wird, dass die Krankheit vorbei ist und dass es so wieder ist, so wie am Anfang. Und deshalb hat er Kranke gesund gemacht. So wurden Kranke gesund. Und Krankenheilungen, Heilungen sind Kostproben des Zukünftigen. Heilungen sind Angeld des Zukünftigen. Heilungen sind Vorschatten seines ewigen Lichts, gleichsam eine Vorschau. So, wie wir es manchmal im Fernsehen oder im Film sehen, ein ganz kleines Stückchen wird gezeigt und dann heißt es: „so wird einmal der ganze Film aussehen.“
Wenn heute einer gesund wird, und es ist Gottes Macht, einen gesund zu machen, dann demonstriert er an ihm und sagt: „Freunde, so werde ich euch alle einmal wieder gesund machen, wenn ihr mir gehört.“ Krankenheilungen waren kein medizinisches Sanierungsprogramm der alten Welt, sondern theologische Wegschilder auf die neue Welt. So wird es einmal sein.
Krankenheilungen sind auch im Neuen Testament die Ausnahme von der Regel, Freunde. Auch im Neuen Testament sind Krankenheilungen die Ausnahme von der Regel. Es sind Hinweise auf die Inkonsequenz der Barmherzigkeit Gottes, der trotz Schuld wieder mit seinen Leuten einmal zusammen sein will. Wir warten auf eine Welt, wo kein Leid und kein Geschrei und kein Tod mehr sein wird. Wir leben in einer Welt, in der es nur noch Gesundheit gibt. Jesus heilte wohl alle, die zu ihm kamen. An manchen Stellen heißt es so, aber viele konnten doch nicht zu ihm kommen. Und Hunderttausende zu der Zeit sind krank geblieben trotz Jesu Dasein. Allein die Geschichte vom Teich Bethesda: Wie viele sind denn gesund geworden? Dort in jenem Krankenpark. Ein einziger hat er herausgenommen, gleichsam als Hinweisschild: „Freunde. So, wie ich es mit dem Gichtbrüchigen gemacht habe, so werde ich es einmal mit allen machen.“
Wenn ich krank werde, darf ich nicht denken: „Was bin ich für ein besonders schlimmer Fall.“ Wenn ich krank werde, soll ich denken: „Seit dem großen Fall, dem Sündenfall, ist mein Krankheitsfall der Normalfall.“ Freunde, das ist der Satz, den wir heute wieder hören müssen. Seit dem großen Sündenfall ist mein Krankheitsfall der Normalfall.
B. Der rufe.
(A. Der denke, B. Der rufe.)
So jemand krank unter euch ist, der rufe. Der verzweifle nicht. Der mache es nicht mit sich alleine ab. Der fresse es nicht in sich hinein. Der rufe. Sicher soll er auch zu Gott rufen, so haben wir es vorher gehört, denn das Gebet vermag viel. Aber liebe Freunde, Sie kennen das auch mit dem Gebet. Da hat man auf einmal Kopfweh und das Kopfweh wird immer stärker und schon kann man nicht mehr beten. Und dann geht das Fieber auf 39 und 40 Grad und dann kann man nicht mehr beten. Und dann werden die Schmerzen so groß im Leib und dann kann man nicht mehr beten. Das ist doch die Wirklichkeit. Wenn man richtig krank wird, kann man nicht mehr beten. Und deshalb heißt es hier: „der rufe“, der in seinem Bett, der schmolle nicht und der sage sich nicht: „Jetzt will ich bloß sehen, wie lange das dauert, bis jemand auf den Gedanken kommt, nach mir zu sehen. Mich hat noch keiner besucht.“ Hier steht: der rufe. Es soll seine freie Entscheidung bleiben. Der Kranke soll über Ob und Wann entscheiden. Der Kranke soll mit der gleichen Freiheit, so wie er den Arzt ruft, auch die Gemeinde zu sich rufen können. Rufen, herbeirufen, niemandem einen Pfarrer aufzwingen.
Wie oft sind wir schon gekommen und wir hatten das Gefühl, dass andere darum gebeten, getreten haben und der Kranke eigentlich nur fragt: „Steht's denn so schlimm mit mir?“ Der Pfarrer, der Totenvogel, jetzt kann es nur noch Stunden oder Tage dauern. Wer so denkt, wer nicht von sich aus ruft, dem sollte man es nicht aufdrängen. Hier ist die Freiheit dem Kranken überlassen. *Der rufe".
Älteste steht hier, nicht Träger eines Amtes, sondern das sind ältere gereifte Christen. Bitte, das ist auch kein Ersatz für den Arzt. Auch nicht, wenn Ärzte mit ihrem Latein am Ende sind. Nicht nacheinander rufen, auch nicht voreinander, sondern eigentlich miteinander, Arzt und Seelsorger. Beide gehören an ein Krankenbett. Also: "der rufe".
Und wenn einer nicht mehr zur Gemeinde kommen kann, dann kommt eben die Gemeinde zu ihm. Das sage ich immer wieder gerne auch an dieser Stelle. Wenn einer nicht mehr in die Gemeinde kommen kann und er leidet daran, dann kommt die Gemeinde zu ihm. In einem Gemeindeglied besucht die Gemeinde den Kranken. Der Anruf, rufen, auch heute sehr geschickt, auch per Telefon. Wehe der Gemeinde, wehe dem Pfarrer, der solche Anrufe überhört! Der rufe.
C. Ist jemand unter euch krank, der lasse über sich beten.
Jesus hat dem gemeinsamen Gebet schon eine besondere Bedeutung zugemessen. Diese Leute, die kommen, sie legen diesen Kranken Gott hin. Sie machen es so, wie ich es bei Krankenschwestern schon gesehen habe, wenn der Arzt kommt, dann zeigen sie ihm das Krankenblatt. Dort steht alles Wichtige drauf. Sie legen es dem hin und er schaut drauf.
Und so denke ich, wenn ich in einem Krankenbett stehe, dann mache ich es so: „Herr, du kennst dieses Krankenblatt. Schau du hinein.“ Mehr können wir überhaupt nicht tun. „Herr, schau du hinein in dieses Krankheitsbild. Du weißt, wie es um ihn steht. Greif ein, Herr.“ Und ich rechne damit: Das gerechte Gebet vermag viel. Vermag viel – nicht alles, was wir denken, nicht alles, was wir wünschen, aber viel. Jedenfalls viel, viel mehr, als wir uns ausdenken können.
D. Der lasse sich salben mit Öl.
Verstehen Sie, wir haben es vorhin gehört: Du salbest mein Haupt mit Öl. Im Neuen Testament kennen wir beides. Das Öl war in der Gemeinde bekannt. Es war eine bekannte Praxis, Leute zu ölen. Es war ein Heil- und Hausmittel. Sie wissen das, beim barmherzigen Samariter. Als dort ein Geschlagener lag, so kam dieser barmherzige Samariter und hat ihn mit seinem Öl behandelt. So ist es ein Heil- und Hausmittel, aber gleichzeitig war auch das Öl ein Zeichen der gnädigen Zuwendung Gottes. Salbung war Segnung, Sichtbarmachung der gnädigen Zuwendung Gottes. So wie ich am Schluss eines Gottesdienstes die Hände erhebe. Oder so wie ich einem Brautpaar hier oft in dieser Kirche die Hände auf ihre Hände lege. Oder so wie ich bei der Taufe meine Hand auf die Stirn des Kindes lege, so ist es genau dasselbe, was mit dem Öl geschieht, nämlich Zeichen, Symbol, mehr nicht.
Es kann, aber es muss nicht verwendet werden. Mit dem Kranken beten, alles Äußere ist zweitrangig und kann verschieden gehandhabt werden. Mit ihm, über ihm, für ihn beten, darum geht es. Er soll spüren: „Gott hat sich auch jetzt nicht abgewendet, sondern sich mir zugewendet.“ Öl ist keine Glaubensmedizin. Denn nicht das Öl, sondern der Herr richtet auf. So sollten wir das verstehen.
Und nächster Punkt:
E. Ist jemand unter euch krank, der lasse sich helfen.
Hier steht: Das Gebet wird ihm helfen. Und wenn Sie genau lesen könnten, dann steht nämlich hier: „der lasse sich retten“, retten. Und verstehen Sie, retten bedeutet im Neuen Testament beides. Retten kann leibliche Heilung meinen: „Ich bin noch einmal herausgerettet für eine ganz bestimmte Zeit.“ Aber Rettung bedeutet vor allem die geistliche Rettung aus dem Endgericht. Annahme und Aufnahme ins Paradies. Ob sofort oder erst in 15 Jahren, ist dann im Grunde zweitrangig.
Und lassen Sie es uns hier noch einmal sagen, obwohl es uns nicht leicht über die Lippen geht. Weil wenn es uns kommt, wir auch schwer damit zu buchstabieren haben. Liebe Freunde, wenn Gott mich aufs Krankenlager und aufs Leidenslager führt und wenn die Gemeinde über mich betet und ich zur Gewissheit komme, dass ich gerettet werde, wenn Gott mich dann sofort herausrettet und mich ins Paradies nimmt, dort, wo kein Leid und kein Geschrei mehr sein wird, dann geht es mir besser – besser, als wenn ich noch einmal fünf oder acht oder zehn Jahre weiter zu leben habe. Schwerer für die Angehörigen, viel schwerer. Aber denken Sie an den, den Gott herausgerettet hat. Um Rettung geht es. Das ist das Erste. Nicht um Heilung, sondern um Rettung. Er lasse sich retten.
Und der nächste Punkt, der letzte – oder vorletzte –:
F. Er lasse sich aufrichten.
Der Herr wird ihn aufrichten. Und hier wieder diese Doppelbedeutung, das ist das Schöne. Aufrichten heißt, im Bett sich aufrichten. Das heißt, noch einmal nach dem Fieber aufstehen zu können. Aufrichten ist dasselbe Wort für Auferstehung. Sehen Sie, aufrichten kann auch heißen: „eEr steht auf am jüngsten Tage.“ Aufrichten, Auferweckung ist Aufrichtfest. Er wird ihn aufrichten.
Neben mir in der Fraasstraße, wo ich wohne, ist ein Haus abgerissen worden in den letzten Tagen. Und jetzt sind die großen Bagger da. Und jetzt fangen sie an, in diesen Tagen ein großes neues Haus zu bauen. Und ich weiß schon, vielleicht in drei, fünf oder sechs Monaten, dann ist Aufrichtfest. Dann steht das Neue da. Und dann steht der Zimmermann oben. Und dann gibt es ein Fest, dann ist Fröhlichkeit. Ein Haus wird aufgerichtet. Wenn die Hütte, unser Leib, zerbrochen wird, dann ist es traurig. Und wir sehen schwer daran hin. Aber dieses Fest meint uns, liebe Freunde, es geht doch eigentlich gar nicht um den Abriss. Es geht doch ums Aufrichten. Gott will mit uns ein Aufrichtfest feiern. Ihr Kranker, Gott will ein Aufrichtfest mit ihm feiern.
Mit Ihnen, die Sie gerufen werden, jetzt, später, in 20, 40, 50 Jahren. Es geht darum, dass wir ein Aufrichtfest erleben, dass wir hineinkommen in die Auferweckung. Dort geht es zu, auf dieses große, große Fest. Deshalb beten wir über Kranken, dass sie aufgerichtet werden. Vielleicht schon in diesem Leben, noch einmal für eine kurze Zeit. Dann aber für die Ewigkeit, dass ich ein Haus werde zur Freude Gottes in Ewigkeit erbaut. Das ist doch Hoffnung, für die sich zu leben lohnt. Der bekennen seine Sünden steht noch hier. Der bekennen seine Sünden. Also das ist kein nettes Krankenbesüchlein, sondern ein Offenlegen der Karten, wenn Menschen zu einem Kranken kommen, dass man nichts mehr in der Hinterhand hat. Es geht hier immer um Vergebung der Schuld. Nur wenn Sünde vergeben ist, gibt es zeitliches und ewiges Heil, gibt es Aufrichtfest. Und deshalb, am Krankenbett ist dies so wichtig: „Vergib uns unsere Schuld.“ Das Gebet vermag viel, eben auch an Elia ablesbar.
Ganz wenige Sätze zum Allerletzten:
Wenn der Unglückstag kommt.
Wir haben jetzt doch vom Unglück gesprochen – nein, wir haben von der Krankheit gesprochen. Die letzten zwei Verse.
Liebe Brüder, wenn jemand unter euch abirren würde von der Wahrheit, der soll wissen .. Das heißt, es gibt eine größere Not als jede Krankheitsnot. Es gibt ein größeres Leiden als Krebsleiden. So einer von der Wahrheit abirrt.
Schlatter sagt: „Von der Wahrheit abirren ist das schlimmste Unglück, das uns widerfahren kann.“ Geistliche Abirrung ist schlimmer als körperliche Krankheit. Wenn der Sohn eigene Wege geht, wenn der Mann aus der Kirche austritt und nichts mehr wissen will, wenn der Enkel nicht spuren will und sein Leben selbst spurt, das ist Unglück, Freunde, das ist Unglück!
Und Jakobus sagt: Geh ihm nach, geh ihm nach und bring ihn heim. Geh nicht in dich, geh nicht zu den anderen Leuten und beklage dich über diese. Geh ihm nach im Gebet und in der Liebe. Geh ihm nach und bring ihn heim, so wirst du selber Leben finden.
Hartenstein schließt seine Auslegung mit dem Satz: „Es liegt ein tiefes Geheimnis vor, dass der Weg zur Gewissheit des Glaubens und zur persönlichen Kindschaft über den Weg des Dienstes am Nächsten geht.“
Tieferes hat uns der Apostel am Schluss nicht zu sagen. Zum Schluss des Briefes, der zeigt, dass Jesus die Hilfe zum Leben, zum Sterben, aber auch zum Aufrichtfest ist. Gott sei Dank!
Wir wollen beten:
"Herr Jesus, nun bringen wir ganz besonders unsere Kranken. Solche, die uns bekannt sind, auch die, die wir gar nicht kennen und die unter uns, die in einer Krankheit leiden. Herr, gib uns diesen Horizont. Herr, wir bitten dich, dass du dich als der Heiland erweist, heute und hier, dass sie entweder zurückkehren können zu einem Leben ohne Schmerzen, aber Herr, dass sie heimkehren können zu dir in deine offenen Arme. Wir danken dir, dass du auch heute und unter uns Zeichen der Heilung setzt.
Aber Herr, lass uns darüber nicht den Glauben verlieren, wenn du mich nicht zu diesem Zeichen und Wegzeichen machst, sondern wenn du mich heimrufst. Dann lass mich darüber freuen und vorwärts blicken auf deinen großen Tag. Herr, als die Sterbenden rufen wir dich heute Abend an. Sei du unser Lebensfürst in Ewigkeit."
Amen.
