Pfingstkonferenz Kriwitz 2026
Fasten und Gebet
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch – dein geistlicher Impuls für den Tag.
Pfingstkonferenz Kriwitz zweitausendsechsundzwanzig Fasten und Gebet Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, nachfolge praktisch dein geistlicher Impuls für den Tag.
Eine erste Annäherung an das Thema
Mein Name ist Jürgen Fischer, und im ersten Teil geht es um die Frage, was Fasten eigentlich ist. Lass mich ganz allgemein etwas zum Thema Fasten sagen. Dann möchte ich darüber reden, Fasten als einen Aspekt von Fürbitte, und am Ende, wie das Ganze praktisch werden kann.
Ich fange mal ganz banal an: Was ist Fasten? Fasten ist ganz einfach Verzicht auf Essen und häufig auch Verzicht auf Trinken.
Jetzt ist es ganz interessant, dass wir in der Bibel keine Anweisung haben, wie man fasten soll. Es gibt in der Bibel auch kein Fastengebot im Sinne von: Du sollst fasten. Und trotzdem sehen wir reihenweise Gläubige, die genau das tun. Egal ob Mose, David, Esra, Nehemia, Esther, Daniel, im Neuen Testament Hanna, Johannes der Täufer, Jesus, seine Jünger, Paulus – alle fasten.
Die Spur der Fastenden zieht sich tatsächlich durch die Kirchengeschichte, so dass über die Jahrhunderte hinweg die Christen, die etwas erreicht haben, häufig auch Christen waren, die gefastet haben. Und trotzdem ist Fasten etwas total Freiwilliges. Wenn überhaupt, dann wurde zwangsweise nur am großen Versöhnungstag gefastet.
Wir lesen 3. Mose 23,26-27. Da heißt es: Und der Herr redete zu Mose: Doch am zehnten dieses siebten Monats, da ist der Versöhnungstag, eine heilige Versammlung soll er für euch sein, und ihr sollt euch selbst demütigen und sollt dem Herrn ein Feueropfer darbringen.
Also am großen Versöhnungstag steht: Ihr sollt euch demütigen. Und manchmal liest man in Bibeln, die etwas mehr Fußnoten haben, in der Fußnote wörtlich: Eure Seelen erniedrigen. Wenn man jetzt in die rabbinischen Schriften, also in die Mischna, hineinschaut und fragt, was den Juden am großen Versöhnungstag verboten war, dann findet man Dinge wie Baden, Gebrauch von Kosmetikartikeln, das Tragen von Sandalen und Beischlaf, auch das Essen und Trinken.
Das heißt: Der große Versöhnungstag der Juden, als ein Tag der freiwilligen Demütigung, war auch ein Tag des Fastens, des Verzichts auf Essen und Trinken. Jedenfalls in der Anwendung von 3. Mose 23,26-27. Der Text selbst sagt das ja nicht. Da steht nur, man soll seine Seele erniedrigen. Da steht nicht, wie genau das zu geschehen hat. Aber immerhin: Das ist der Vers, der noch am ehesten als Fastengebot irgendwie durchgehen würde.
Mehr gibt es nicht, außer eben, dass in der Bibel ganz viele es einfach tun. Und wir werden auch noch sehen, dass die Idee des Fastens auch dem Herrn Jesus überhaupt nicht fremd ist. Er selbst hat gefastet, so heißt es in Matthäus 4,2: Und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn schließlich.
Ich weiß nicht, ob ihr da auch mal schmunzeln müsst. Ja, logisch: Was soll nach vierzig Tagen Fasten auch anderes als Hunger übrig bleiben.
Jesu Haltung und die Erwartung an seine Nachfolger
Wichtig ist hier, dass der Herr Jesus fastet. Er fastet aber nicht nur selbst, sondern er geht irgendwie davon aus, dass auch seine Jünger es tun werden. So formuliert er in der Bergpredigt in Matthäus 6,16-18:
Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Gesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn weg. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
So, jetzt steht hier: Wenn ihr fastet. Und dieses kleine Wörtchen „wenn“ bedeutet nicht „falls“, sondern es bedeutet so viel wie „immer wenn“. Wenn der Herr Jesus sagt: „Wenn ihr fastet“, dann geht er ganz selbstverständlich davon aus, dass natürlich seine Jünger, dass die, die mit ihm leben werden, dass seine Nachfolger fasten werden. Und deswegen gibt er ihnen hier auch Anweisungen, wie sie denn fasten sollen.
Wie man es richtig macht, das bräuchte man ja nicht, wenn man es nie täte. Und die Antwort ist: Wie macht man es denn richtig? Wichtigster Punkt: Es soll keiner mitbekommen. Also wenn du das machst, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinst.
Das hat damit zu tun, dass wenn man längere Zeit fastet, man anfängt, ein bisschen unangenehm zu riechen. Und das soll jetzt nicht dazu führen, dass Leute sagen: So, schnüffel, schnüffel, aha, du bist am Fasten. Nein, das soll keiner mitbekommen. Ich wasche mein Haupt, ich salbe mich, das heißt, ich benutze Deo, und dann ist auch alles gut. Niemand soll das mitbekommen.
Und er betont hier noch etwas: Er betont, dass seine Jünger nicht nur fasten werden, sondern dass Gott dieses geheime Fasten, das sie tun werden, sieht und dass er dieses Fasten belohnt.
Also noch mal: Es ist ganz spannend in der Bibel. Auf der einen Seite gibt es kein Gebot; nirgendwo steht: Du sollst fasten. Und auf der anderen Seite machen es alle möglichen Leute, und Jesus geht irgendwie ganz selbstverständlich davon aus, dass auch seine Jünger fasten werden.
Fasten im Umfeld der ersten Jünger
Andere Stelle in Markus, Kapitel 2, heißt es ab Vers 18:
Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten. Und sie kommen und sagen zu ihm, also die Jünger des Johannes und die Pharisäer, die fasten, jetzt kommen die zu Jesus und stellen folgende Frage: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht?
Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann, an jenem Tag, werden sie fasten.
Also: Jetzt ist Fasten falsch, jetzt wird gefeiert. Aber es wird eine Zeit kommen, an jenem Tag, und das ist nicht ein 24-Stunden-Tag, sondern an jenem Tag bedeutet so viel wie dann, in jener Zeit. Es wird eine Zeit kommen, da werden die Jünger Jesu wie selbstverständlich fasten.
Die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, die kommen und fragen: Warum machen die das nicht? Antwort: Es liegt kein Grund vor, und weil es keinen Grund dafür gibt, deswegen fasten die Jünger Jesu nicht. Aber sobald der Bräutigam weggenommen sein wird, also: Jetzt kann man sich überlegen, wann ist denn der Bräutigam weggenommen? Vielleicht nach seiner Gefangennahme, spätestens nach seiner Himmelfahrt. Dann, wenn das ist, wenn Jesus nicht mehr da ist, nicht mehr auf der Erde ist, dann werden sie fasten. Dann ist das auch völlig normal, da gehört das dann einfach auch hin.
Persönliche Beobachtung und Schlussgedanken
Ich möchte euch ehrlich sagen: Mich hat dieses Thema Fasten sehr früh herausgefordert, weil es vom Herrn Jesus so betont wird. Und weil ich mich gleichzeitig als junger Christ ein wenig umgehört habe und wissen wollte, wie das denn geht, habe ich festgestellt: Einerseits gibt es diese Betonung, andererseits ist da kaum jemand, der es macht.
Natürlich fasten Christen, um abzunehmen. Logisch, davon kenne ich eine Menge. Aber dass jemand sagt: Ich faste, weil ich das als eine religiöse Übung in mein Leben integriert habe, als einen Teil von Gottseligkeit oder Frömmigkeit, als eine praktische Übung, die ich regelmäßig tue, so wie Paulus sagt, dass wir Gottseligkeit üben und trainieren sollen, da habe ich nur wenige Leute gefunden.
Mich hat das als junger Christ dann wirklich herausgefordert. Und diese Spannung durchzieht die Bibel. Aber es wird so wenig darüber gepredigt!
Das war’s für heute.
Nimm dir Zeit, in Ruhe über das Thema Fasten und Gebet nachzudenken. Was solltest du ändern? Welche Bibelverse könntest du auswendig lernen? Welche Aspekte des Themas müsstest du noch studieren?
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
