Einführung in die Errettungsdynamik bei Zacchaeus
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 665: Zacchaeus, der Oberzöllner, Teil 2.
In der letzten Episode habe ich einen Einblick in die Dynamik der Errettung gegeben. Diese besteht darin, zu suchen und gefunden zu werden. Es geht darum, von Gott mit seiner Gegenwart beschenkt zu werden und ihn mit einem Leben des Gehorsams zu beschenken.
Die Dynamik der Errettung kann das ganze emotionale Spektrum umfassen – von Verzweiflung über Hoffnung bis hin zum Staunen und zur Gottesfurcht. Während Markus und Matthäus den Schwerpunkt ihrer Darstellung auf den Glauben und das Suchen nach Gott legen, ergänzt Lukas die Thematik der Errettung um die Aspekte des Gefundenwerdens und der Hingabe.
Gehen wir nun Vers für Vers durch die Ereignisse in Jericho rund um den Oberzöllner Zacchaeus.
Zacchaeus: Status und Bedeutung
Lukas 19,1-2: Und er ging hinein und zog durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberzöllner und reich.
Was lernen wir hier über Zachäus? Zwei Dinge: Er ist ein Oberzöllner und er ist reich.
Ein kleiner Gag am Rande: Der Name Zachäus bedeutet so viel wie „rein“ oder „unschuldig“. Das steht in einem ziemlichen Gegensatz zu seinem Verhalten.
Was ist ein Oberzöllner? Ein Oberzöllner ist eine Person, die die Aufsicht über ein Kollektiv von Zöllnern hatte. Er war für die Erhebung von Steuern und Zöllen in einem bestimmten Bezirk oder einer Region verantwortlich.
Während ein einfacher Zöllner wie Matthäus oft an einem bestimmten Zollposten stationiert war und direkte Abgaben von Reisenden oder Händlern eintrieb, war der Oberzöllner der Leiter des Systems in einem größeren Gebiet. Er pachtete das Recht zur Steuererhebung von der römischen Obrigkeit oder einem ihrer Vertreter.
Zachäus hatte es vermutlich von Herodes Antipas, dem Tetrarchen über Galiläa und Perea. Seine Aufgabe bestand darin, die mit dem König vereinbarte Summe an Rom abzuführen. Die Differenz zwischen der eingetriebenen und der abzuführenden Summe stellte seinen Gewinn dar.
Man kann sich gut vorstellen, wie diese Struktur ein ziemlich hohes Potenzial für Korruption und Ausbeutung bot. Vor allem deshalb, weil die Zöllner und insbesondere die Oberzöllner gern über die offiziellen Tarife hinausgingen, um ihren eigenen Profit zu maximieren. Kein Wunder, dass Zachäus reich war.
War Jericho doch ein wichtiger Handels- und Zollknotenpunkt und damit seine Position besonders lukrativ.
Ich habe an anderer Stelle gesagt, dass wir Zöllner als Berufsgruppe nicht pauschal in ein zu schlechtes Licht tauchen und unter Generalverdacht stellen dürfen. Das waren nicht alles böse Menschen, Sünder oder Kollaborateure.
Zachäus war das leider schon. Er war ein Betrüger und ist für seine Machenschaften bekannt. Vielleicht hat er durch seinen Ehrgeiz und seine Geldgier auch etwas kompensiert, nämlich seine Kleinwüchsigkeit.
Zacchaeus’ Suche nach Jesus
Lukas 19,3: Und er suchte Jesus zu sehen, wer er sei, konnte es aber wegen der Volksmenge nicht, denn er war klein von Gestalt. Zacchaeus war kein Jünger Jesu; alles, was er hatte, war Neugierde. Er wollte sich diesen Jesus, von dem alle sprachen, einmal anschauen.
Dabei stellten sich ihm zwei Probleme in den Weg. Zum einen war da die Volksmenge, zum anderen seine Körpergröße. Es waren zu viele Leute, und er war klein von Gestalt, sodass er von weiter hinten nicht über die anderen hinwegsehen konnte. Außerdem war er nicht der beliebte Typ, dem jeder gern Platz machte.
Doch Zacchaeus war schlau. Lukas 19,4: Er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, damit er Jesus sehen konnte, denn Jesus sollte dort vorbeikommen. Das war sein Plan: sich einen erhöhten Spähposten zu sichern, an einer Stelle, von der er annahm, dass Jesus dort vorbeikommen würde.
Und genau das geschah. Die Volksmenge näherte sich, in ihrer Mitte Jesus. Doch Jesus ging nicht einfach am Baum vorbei.
Die unerwartete Begegnung mit Jesus
Lukas 19,5: Und als er an den Ort kam, sah Jesus hinauf, blickte ihn an und sprach zu ihm: „Zacchaeus, steig eilends herab, denn heute muss ich in deinem Haus bleiben.“
Überraschenderweise wissen wir nicht, woher Jesus den Namen des Zacchaeus kannte. Ich denke, dass wir es hier mit einer übernatürlichen Offenbarung zu tun haben, so wie die ganze Situation eine zu sein scheint, die übernatürlich vorbereitet wurde.
Jedenfalls sieht Jesus hinauf zu Zacchaeus, blickt ihn an und spricht ihn an: „Zacchaeus, steig eilends herab, denn heute muss ich in deinem Haus bleiben.“ Wir wissen nicht, warum Jesus gerade bei Zacchaeus übernachten muss. Es könnte jedoch sein, dass die Nacht, die Jesus bei einem in der Stadt bekannten Sünder verbringt, die Mission unterstreichen soll, mit der er in die Welt gekommen ist.
Nämlich all die Menschen zu suchen und zu retten, die verloren sind. Und das sind nicht nur blinde Bettler am Straßenrand, sondern gerade auch steinreiche Betrüger und Halsabschneider wie Zacchaeus.
Jesus spricht also Zacchaeus an. Damit bekommt derjenige, der eigentlich nur einen kurzen Blick auf Jesus werfen wollte, viel mehr, als er erwartet hatte: Er bekommt Jesus als Gast in seinem Haus.
Zacchaeus’ Reaktion auf die Einladung
Lukas 19,6: Und er stieg eilends herab und nahm ihn auf mit Freuden.
Was passiert hier? Zachäus sitzt auf dem Baum und erwartet, dass niemand ihn wahrnimmt und die Volksmenge einfach an ihm vorbeizieht. Doch Jesus bleibt stehen und fordert ihn auf, schnell herunterzukommen. Da Jesus ihn mit Namen angesprochen hat, war für jeden, auch für Zachäus selbst, klar, wie er gemeint ist. Eine Verwechslung ist ausgeschlossen.
Zachäus muss sich jetzt entscheiden, was er tut. Hier steht der bekannte Rabbi, der den Theologen die Stirn bietet und den manche sogar für den Sohn Davids halten. Dieser Rabbi tut Wunder und hat im Gefolge zwei Blinde, die vor kurzem geheilt worden waren. Und dieser Rabbi verhält sich jetzt ganz anders, als man es von ihm erwartet hätte. Er distanziert sich nicht von Zachäus, dem habgierigen Oberzöllner. Vielmehr fordert er ihn auf, herunterzukommen, und spricht davon, dass er sein Gast sein muss.
Was geht in diesem Moment wohl im Herzen von Zachäus vor? Fragt er sich, wie das sein kann? Er kennt sein Leben, er weiß, wer er ist, und ihm ist die moralische Kluft zwischen ihm, dem Geldgierigen, und Jesus, dem Rabbi, bewusst. Er weiß auch, dass diese Einladung Jesus Ärger einbringen wird. Kein Rabbi, der etwas auf sich hielt und dem seine Reputation wichtig war, hätte sich bei einem wie ihm eingeladen. Das war ihm völlig klar.
Was auch immer in Zachäus vorgeht, eine Sache überwiegt: die Freude. Eine Freude darüber, dass dieser Jesus ihn gesucht hat, ihn im Baum gefunden hat, ihn mit seinem Namen angesprochen hat und sich bei ihm eingeladen hat. Eine Freude darüber, dass es für ihn, den stadtbekannten Sünder, vielleicht doch noch Hoffnung gab.
Abschluss und Ausblick
Was könntest du jetzt tun? Erstelle eine Liste mit drei Personen, die du in Gedanken bereits abgeschrieben hast. Beginne dann, für ihre Bekehrung zu beten.
Das war es für heute.
Das Skript zu den Episoden findest du in der App und auf der Homepage www.frogwords.de.
Der Herr segne dich, lasse seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
