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Titus 2,6-8

Titus 2,6-2,825.05.2020
Serie•Teil 6 / 7Titus
Christsein ist kein Kopfspiel. Entscheidend ist, ob man dir im Alltag Jesus ansieht: in Worten, Taten und Charakter – oder nur ein fertiges System.

Ein neuer Einstieg in die Praxis des Glaubens

Ein paar neue Gesichter. Mein Name ist Jürgen Fischer, für alle, die mich nicht kennen. Wir stecken im Titusbrief und machen da auch weiter, Corona hin oder her. Der Titusbrief war überschrieben mit „Einmal eins des Glaubens für Gangster und Faulpelze“.
Wir stecken da mittendrin, Titus 2. Für alle, die nicht genau wissen, wo wir sind und uns gerne nachhören wollen: gar kein Problem. Meine Homepage heißt www.frogwords.de, also Worte vom Frosch. Da ist die ganze Reihe drauf. Schaut einfach, dass ihr an der Stelle hinterherkommt.
Jetzt an der Stelle für mich als Einstieg erst mal noch ein Aha: Gut, hier wurden gerade Familien zusammengeführt. Mir geht es am Anfang erst mal darum zu sagen: Christsein ist und muss total praktisch bleiben. Warum? Weil die Kirchengeschichte irgendwie komplett voll ist von den verrücktesten Streitfragen, über die man sich so getrennt und gefetzt hat.
Wenn du dir die Frage stellst, warum es etwa 1054 nach Christus zur Trennung zwischen West- und Ostkirche kam, ist das für euch wahrscheinlich ganz weit weg. Es ist aber quasi der Bruch in der Kirchengeschichte. Wenn man sich fragt, worauf das zurückzuführen ist, dann gibt es doch bestimmt einen theologisch super wichtigen Grund dafür. Dann stellt man fest: Die Frage, die dahintersteht, ist theologisch die, ob der Heilige Geist nur aus dem Vater oder aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht.
Alles festzumachen an einem kleinen Wort: Filioque. Das ist ein Zusatz, der bedeutet so viel wie „und dem Sohn“. Und das war ein Zusatz zu einem Glaubensbekenntnis, für die Eingeweihten unter euch: dem Nicaea-Constantinopolitanum, sagt man das so? Irgendwie schon, ja. Also das, was auf alle Fälle 381 festgelegt wurde. Ursprünglich war dieser Zusatz nicht drin, später kam er rein. Und du denkst dir: Was will der da vorne? Das ist ja völlig nebensächlich. Stimmt.
Aber darüber, über diese Frage, ob der Heilige Geist vom Vater oder vom Vater und dem Sohn ausgeht, darüber hat sich die Kirche eben mal gespalten. Du denkst dir: Aha. Und was ist, sage ich mal, damit, dass man in der Kirche Lüge und Betrug geduldet hat? Grausamste Verfolgung von Menschen, die einfach nichts mehr wollten, als die Bibel in ihrer Sprache lesen und an den Herrn Jesus glauben? Ja, das war einfach weniger wichtig. Das ist Kirchengeschichte.
Und ich möchte am Anfang, weil der Titusbrief so herrlich praktisch ist, noch mal sagen, wie wichtig es ist, dass wir Dogmatik, also Lehrthemen, in unserem Leben mit Gott nicht überbetonen. Also, ich bin der Letzte, der sich nicht über alles und jeden Punkt in der Bibel mit euch streiten möchte. Ich stehe euch zur Verfügung für jede Frage. Und gleichzeitig bin ich hier vorne derjenige, der sagt: Wir müssen, wenn wir uns über Christsein unterhalten, das Wichtige vom weniger Wichtigen trennen.

Erkenntnis bleibt begrenzt, und das ist gut so

Und dazu gehört, dass wir zwei Dinge begreifen.
Das Erste: Erkenntnis, das ich vom Christsein habe, ist Stückwerk. Paulus sagt ja, wir erkennen stückweise, 1. Korinther 13,9. Und ich muss mir einfach selbst das Recht zugestehen, in dem, was ich von der Theologie des Neuen und des Alten Testaments verstanden habe, ein Stück weit auf dem Weg zu sein. Also: Ich für meinen Teil bin weit davon entfernt, alles verstanden zu haben.
Ehrlich gesagt, je mehr ich mich mit der Bibel beschäftige, desto kritischer sehe ich auch die eine oder andere Auslegung, die mir vor zwanzig Jahren noch völlig richtig vorkam. Und natürlich handelt es sich dabei, wenn ich so etwas sage, nicht um den Kern des Evangeliums. Darüber rede ich nicht. Das Evangelium habe ich einmal verstanden, und es bleibt auch Evangelium. Es bleibt auch gleich.
Aber ich merke über die Jahre, wie leicht es passieren kann, dass man ein theologisches System mehr liebt als die Bibel. Oder mit welcher Selbstverständlichkeit man die eigenen hermeneutischen Prinzipien, also die Grundsätze, mit denen man an die Auslegung der Bibel herangeht, für völlig unangreifbar hält. So nach dem Motto: Da mache ich alles richtig, wenn ich die Bibel auslege.
Und über die Jahre und Jahrzehnte, wenn man sich ein bisschen mehr mit Theologie beschäftigt, stellt man fest: Da ist manches gar nicht so unangreifbar, wie man das vielleicht gerne hätte. Also bete ich immer wieder, und ich möchte euch das einfach nahelegen: Ich bete immer wieder dafür, dass Gott mir meine blinden Flecken zeigt. Die Bereiche meines Denkens, in denen ich einfach nicht sehe, dass ich falsch liege.
Und wisst ihr, warum man das oft nicht sehen kann? Weil ich mit den Ergebnissen so zufrieden bin. Ich will da eigentlich auch gar nichts sehen. Ich will auch gar nicht, dass man mich unbedingt hinterfragt. Ich habe da ein fertiges, theologisches, rundes System. Ja, und das streichelt so ein bisschen mein Ego. Ja, ich habe da etwas. Ja, ich kann in meinem System auch das meiste erklären. Warum soll jetzt jemand kommen und plötzlich das System infrage stellen?
Und ich möchte Mut machen, an dieser Stelle auch so zu beten, wie ich bete, und zu sagen: Herr, zeig mir mal die blinden Flecken. Ich möchte euch Mut machen, über theologische Systeme oder über diesen theologischen Tellerrand, den ihr habt, hinauszublicken. Lest auch mal ein Buch von jemandem, mit dem ihr nicht gleich übereinstimmt, aber hört euch an, wie seine Argumente sind. Denkt kurz darüber nach: Warum denke ich eigentlich, was ich denke? Worauf in der Bibel kann ich das zurückführen? Welche Bibelstellen sind es eigentlich, an denen ich das festmache?
Das sind Fragen, die wichtig sind, weil man Lehrthemen überbetonen kann. Man kann vergessen, dass Erkenntnis Stückwerk ist. Übrigens auch abhängig vom eigenen Intellekt oder der eigenen Psyche.
Ich habe hier ein schönes Zitat von Konrad Adenauer. Das kann nicht jeder sagen. Nicht jeder kann sich hinstellen und sagen: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Nichts hindert mich, weiser zu werden. Ich finde den Spruch gut. Was kümmert mich das? Aber nicht jeder kann das. Manch einer braucht für seine Psyche ein Stück Sicherheit in dem, was er schon gelernt hat, und hat Angst, das noch einmal zu hinterfragen.
Und von daher nehmt das mit: Der eine Punkt ist, dass in der Kirchengeschichte dogmatische Lehrthemen immer überbetont wurden, und man dabei ein Stück vergessen hat, dass Erkenntnis Stückwerk ist.

Der Glaube zeigt sich im Alltag

Und das Zweite, was in diesem Zusammenhang vielleicht sogar noch wichtiger ist, und jetzt nähern wir uns wieder dem Titusbrief: Das Zweite ist, dass der Herr Jesus, wenn man ihm zuhört, den Fokus gar nicht so sehr auf die Theorie legt, sondern ganz stark auf die Praxis.
Für den Herrn Jesus ist das Leben entscheidend. Christsein ist für den Herrn Jesus ganz praktische Lebensveränderung. Und wo die nicht eintritt, also wo jemand, sagen wir, einen dicken Kopf bekommt, mit ganz viel Theologie drin, aber in seinem praktischen Glaubensleben, da bleibt er sonderlich komisch unverändert, an der Stelle darf man tatsächlich auch mal kritisch zurückfragen: Sag mal, hast du dich eigentlich bekehrt?
Jakobus hat Recht, wenn er sagt, dass Glaube ohne Werke tot ist. Und wir können von dem Herrn Jesus lernen, dass man, und der Herr Jesus spricht hier zu bekehrten Leuten, also über bekehrte Leute, einen Baum an seinen Früchten erkennt. Das ist manchmal so simple Theologie. Ich lese euch das mal vor: Lukas 6,43-45.
Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, auch wieder keinen faulen Baum, der gute Frucht bringt. Wenn du so ein Krepelding hast, dann wirst du da auch nur kräpelige Frucht erwarten. Und wenn du da so ein Ding hast, bombig, dann steht einfach da und da, ja, dann kommt da auch vernünftige Frucht daraus. Das ist irgendwie total logisch.
Ich finde die Beispiele von dem Herrn Jesus so herrlich simpel, wirklich herrlich simpel. Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Da geht er noch einen Schritt weiter: Denn von Dornen sammelt man nicht Feigen. Ja, logisch irgendwie. Auch liest man von einem Dornbusch keine Trauben. Jupp. Und jetzt kommt der Vergleich: Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der Böse bringt aus dem Bösen das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund.
Das ist O-Ton Jesus, das ist simple, einfache, klare, straightforward Theologie. Wir sind das, was man mitbekommt, wenn man uns reden hört. Und natürlich nicht nur das, was man aus unserem Mund hört, das sind nicht nur unsere Worte, auch unsere Taten, unsere Gedanken. Aber das, was ich mitbekomme von einem Menschen, das ist der Mensch.
Und deswegen bitte, bitte, bitte: Ganz am Anfang, bevor wir jetzt mit Titus gleich wirklich weitermachen, lasst uns Christsein nie kompliziert machen. Es geht darum, dass wir in der Art leben. Es geht darum, dass wir so leben, dass ein Gott der Liebe und der Heiligkeit in uns immer mehr Gestalt gewinnt. Darum geht es. Wir dürfen immer liebevoller und immer heiliger werden, weil wir mit Jesus auf dem Weg sind. Und dabei spielt es mal eben keine Rolle, ob wir Frauen oder Männer, arm oder reich, schlau oder weniger schlau sind, sondern da hat jeder so seinen Bereich, wo er sagt: Da bin ich jetzt gerade am Lernen.

Woran geistliche Reife sichtbar wird

Und ihr merkt schon, wenn es darum geht, diese Dinge in unserem Leben zu entfalten, dann geht es um ganz praktische Dinge. Da denkt man plötzlich an so etwas wie die Frucht des Geistes, also an das, was der Geist Gottes in uns hervorbringen will.
Was steht da denn? Die Frucht des Geistes ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Du kannst, ich weiß nicht, die Prädestinationslehre erklären und dazu noch die vier apokalyptischen Reiter, und du weißt, welches Endzeitmodell recht hat. Das steht da nicht!
Und du merkst: Das sind genau die Punkte, bei denen man sagt, wie leicht und schön es ist, sich über Modelle und Systeme zu unterhalten. Und wie hässlich es manchmal wird, wenn jemand kommt. Kennst du das auch, dass du manchmal zu deinen Kindern nicht so geduldig bist, wie du sein solltest? Und dass du dir wünschst, dass da ein bisschen mehr Jesus in dir sichtbar wird? Oder Selbstbeherrschung? Dass man beim Thema Disziplin so denkt: Ja, wäre schon gut, wenn der Geist Gottes da ein bisschen Gas gibt. Ja, kann ja nicht mehr so lange warten, oder so.
Das sind die Themen, um die es eigentlich geht. Und vor denen wir uns gerne drücken. Und wo die Kirchengeschichte sich gedrückt hat. Und wo wir jetzt weitermachen mit dem Titusbrief.
Also, zurück zum Titus und den Kretern. Heute eigentlich eine Predigt nur für junge Männer. Ich bitte die Frauen trotzdem zuzuhören, vielleicht ist ja auch etwas Sinnvolles für euch dabei. Letztes Mal war es ja umgekehrt.

Ein kurzer Vers mit großer Reichweite

 Titus 2,6: Ebenso ermahne die jungen Männer, besonnen zu sein.
Also, ein super Vers für euch jungen Männer zum Auswendiglernen. Erstens: Er ist relativ kurz. Zweitens: Er ist super wichtig.
Ebenso ermahne die jungen Männer, besonnen zu sein.
Worauf muss ich als junge Frau achten, wenn ich mir einen Mann suche? Coole Frage, oder? Die Antwort lautet: auf Besonnenheit. Warum? Ein Mann nach dem Herzen Gottes ist besonnen.
Jetzt nehmen wir mal das Gegenteil: Unbesonnenheit. Jetzt suchen wir mal ein paar Worte, wie man das noch so greifen könnte. Was ist denn Unbesonnenheit? Unbesonnenheit, Sprunghaftigkeit – das sind so Typen, die irgendwie ohne Plan durchs Leben gehen. Das sind alles miteinander keine christlichen Tugenden.
Woher weiß ich das? Ganz einfach: Jesus war so nichts. Wenn du dir Jesus anschaust, dann triffst du biblisch gesprochen auf einen jungen Mann. Jesus war ungefähr dreißig, als das, was wir in der Bibel lesen, alles passiert ist. Das ist biblisch noch ein junger Mann. Oder nicht mehr ein Jüngling, aber doch noch ein junger Mann.
Und wir merken: Jesus ist jemand, der weiß, was er will. Er wusste, wer er ist. Er wusste, wie man sich klug verhält, wie man unnötigen Gefahren aus dem Weg geht, wie man dem Teufel widersteht und wie man ein Leben führt, das zum Segen für andere wird. Das ist erst mal Jesus. Und Jesus ist immer unser Vorbild.
Und deswegen, wenn Jesus besonnen war und nicht so ein sprunghafter, planloser, chaotischer Typ, dann müssen wir uns die Frage stellen: Wie wird man besonnen? Und deswegen vier Tipps, wie man besonnen wird.
Also jetzt die jungen Männer vor: Euer Text für heute. Und die jungen Frauen dürfen zuhören.

Vier Wege zu mehr Besonnenheit

Vier Tipps.
Punkt eins: relativ simpel, kommt wahrscheinlich immer bei einer Predigt: Lies die Bibel. Ich halte das nach wie vor für einen der wichtigsten Tipps. Lies die Bibel und denk über das nach, was du da gelesen hast. Besonnenheit, das steht in Sprüche 1,4, ist ein Resultat davon, dass man viel über die Bibel nachdenkt.
Und wenn du da eine Methodik brauchst: Ich bin der Typ, der immer empfiehlt, Bibelverse auswendig zu lernen. Und je schlechter du da bist, umso mehr musst du automatisch darüber nachdenken und wiederholen, umso besser. Also lies die Bibel und verbinde das bitte mit Gebet. Bete, dass Gott dir einen Geist der Weisheit und Besonnenheit schenkt. Besonnenheit hat viel damit zu tun, dass ich lerne, die Welt mit Gottes Augen zu sehen. Das ist so der erste Punkt.
Aber es ist nur einer von vier. Ich habe noch drei weitere.
Ein zweiter Punkt würde etwa so gehen: Wenn du morgens stille Zeit machst, also dir morgens Zeit nimmst, Gott zu begegnen, ihm das Leben hinzulegen, ihn anzubeten und deine Sünden bekennst — das gehört laut Vaterunser ja zu einem Gebet dazu —, dann mein Tipp: Fang doch mal damit an, dass du Unbesonnenheit als Sünde bekennst.
Also, dass du dir darüber nachdenkst: Okay, wo habe ich gestern, ohne groß nachzudenken, aus dem Bauch heraus, vorschnell, impulsiv ein bisschen blöd gehandelt? Und statt einfach nur dich zu ärgern, fang mal damit an, das Kind beim Namen zu nennen und zu sagen: Herr Jesus, ich bekenne dir Unbesonnenheit. Das ist eine Sünde, das ist falsch, das möchtest du nicht, so warst du nicht, und ich wünsche mir, davon loszukommen. Bitte vergib mir das.
Warum ist das wichtig? Weil wir damit das Problem ins rechte Licht rücken. Einerseits nehmen wir es als Problem ernst, zumindest dann, wenn ich unbesonnen handle. Auf der anderen Seite bringen wir diese Unbesonnenheit immer wieder unters Kreuz, immer wieder dorthin, wo Gnade herrscht. Ich kann mir selber auch ein Stück vergeben. Und auch die Beziehung, die zu Gott an der Stelle getrübt wurde, weil ich Sünde zugelassen habe, nämlich die Sünde der Unbesonnenheit, wird dadurch wieder in Ordnung gebracht. Dann kann ich auch wieder in einer intakten Beziehung mit Gott leben.
Also: Punkt eins, beten und Bibel lesen. Punkt Nummer zwei, Unbesonnenheit als Sünde bekennen.
Punkt drei: Such dir gute Vorbilder, verbring Zeit mit ihnen. Wenn wir weiterlesen, werden wir sehen, dass junge Männer anscheinend besonders Vorbilder brauchen, an denen sie wachsen können. Das heißt hier in Titus 2,6 und dann eben im nächsten Vers: Ebenso ermahne die jungen Männer, besonnen zu sein, indem du in allem dich selbst als ein Vorbild guter Werke darstellst.
Also das Mittel, wie junge Männer hier besonnen werden, ist das Vorbild von Titus. Und die Sprüche beweisen auch, wenn ihr das mal studiert, wie wichtig gute Ratgeber sind, wie wichtig die richtigen Freunde sind, die uns in die richtige Richtung prägen. Oder, um es mit Salomo zu sagen: Wer mit Weisen umgeht, wird weise. Such dir die richtigen Freunde, und du kriegst in puncto Besonnenheit ganz viel guten Input.
Und jetzt kommt ein letzter, ein vierter Tipp, den manch einer komisch finden mag. Der vierte Tipp lautet: Beschäftige dich mit der Kultur, in der du lebst.
Die Frage ist: Wie kommt Jürgen auf den Gedanken? Ich habe nicht gesagt: Liebe diese Welt, in der wir leben. Also beschäftige dich mit der Kultur, in der du lebst. Und ich komme dahin, indem ich mir das Buch Sprüche angeschaut habe. Wer das Buch Sprüche mal in der Tiefe studiert, wird feststellen, dass es in den Kapiteln 22 bis 24 eine inhaltliche Nähe zur ägyptischen Weisheitsliteratur gibt. Genau genommen ist da eine Lehre zu einem Lehrer, der heißt Amenemope. Müsst ihr euch nicht merken, aber der hat schon vor Salomo Sprüche aufgeschrieben, ein ganz bekanntes Weisheitsbuch.
Und man merkt förmlich, wenn ich mir jetzt Sprüche 22 bis 24 anschaue, wie Salomo diese Literatur nimmt, durchdenkt und aus dem, was er da Gutes findet — natürlich schmeißt er auch Sachen weg, der ganze Polytheismus ist zum Beispiel raus —, wie er das nimmt und überträgt. Wie er aus der Kultur heraus das Gute behält. Und ich möchte ein Stück Mut machen, das, was an guten Ideen auch in unserer Kultur steckt, wahrzunehmen. Also nicht so ein globales Christenkultur-Bashing, alles nur Sünde und schlecht und zack und weg, sondern dass man ein bisschen hinschaut und überlegt: Okay, ich habe in Besonnenheit Fragen zu beantworten, die mir die Bibel alleine deshalb schon nicht in Gänze beantworten kann, weil es die Fragen vorher in der Kultur nicht gab. Und jetzt muss ich Antworten finden. Ich kann mich an Prinzipien der Bibel orientieren, und das wird mir ganz oft schon sehr weit helfen.
Aber es schadet auch nicht, hier und da mal ein Fachbuch zu lesen oder mal zu überlegen, wie haben Menschen sich heute organisiert, welche Lösungen haben sie gefunden, und diese Lösungen einfach mal zu durchdenken. Also es ist keine Sünde, von ungläubigen Menschen, die kluge Bücher schreiben oder intelligente Podcasts betreiben, sich damit mal auseinanderzusetzen, das zu durchdenken und zu sagen: Was kann ich von denen lernen?
Wie wird man besonnen? Vier Dinge: Das eine, Bibel und Gebet. Das zweite, Sündenbekenntnis. Das dritte, gute Vorbilder. Und dann als viertes ein interessierter, wenn auch kritischer Blick in die aktuelle Kultur. Und aus dem holen wir uns die Dinge, die wir brauchen, um ein kluges Leben zu führen.

Maßstäbe für gute Lehre

Okay, das haben wir. Gehen wir einen Schritt weiter, kommen wir zu Leuten wie mir. Da heißt es nämlich in Titus 2,7: In der Lehre beweise Unverdorbenheit, würdigen Ernst, gesunde, unanfechtbare Rede, damit der von der Gegenpartei beschämt wird, weil er nichts Schlechtes über uns zu sagen hat.
Wir reden über gute Lehre. Gute Lehre ist im Titusbrief das Gegenteil von Irrlehre. Und gute Lehre soll vier Eigenschaften aufweisen. Das ist wichtig für alle, die regelmäßig Predigten hören: Achtet darauf, ob diese vier Dinge da sind. Denn wenn man diese vier Dinge findet, dann kann man eine Predigt wirklich nicht nur genießen, sondern man kann auch sehr davon profitieren. Wenn das nicht da ist, dann würde ich mir einen anderen Prediger suchen.
So, jetzt schauen wir uns diese vier Dinge mal kurz an.
In der Lehre beweise Unverdorbenheit oder Reinheit oder Unverfälschtheit. Man kann hier in zwei Richtungen denken. Einmal kann man an den Inhalt der Predigt denken, aber man kann auch an die Integrität des Predigers denken. Also: Was sagt der Prediger inhaltlich? Und wie lebt er? Beides muss von der Bibel her zusammenkommen. Der Prediger darf nicht von der Wahrheit abweichen, aber er darf natürlich auch nicht mit seinem Leben das durchstreichen, was er predigt.
Schauen wir uns mal den ersten Punkt an: Er darf nicht von der Wahrheit abweichen. Warum ist das so wichtig? Die Antwort lautet: Es ist deshalb so wichtig, weil man auch im Leben irgendwann, obwohl man das vielleicht gar nicht vorhatte, vom Glauben abirren kann. Ich lese euch das mal aus 2. Timotheus 2,16-18 vor. Und das ist ziemlich am Ende des Lebens von Paulus, das ist schon ganz zum Schluss da. Da schaut er wirklich schon auf einige Jahrzehnte Dienst zurück. Und er sagt dort in 2. Timotheus 2,16: Die unheiligen und leeren Geschwätze aber vermeide.
Er sagt zu Timotheus: Pass auf, dass du dich von diesem unheiligen, leeren Geschwätz fernhältst. Mach das nicht. Warum? Denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten. Das heißt: Falsche, unheilige Lehre, also entleerte Lehre, führt dazu, dass man nicht stehen bleibt im Glauben an einer Stelle, sondern man rutscht immer tiefer in die Gottlosigkeit hinein. Du wächst entweder mehr auf Gott zu oder immer von Gott weg. Und das Mittel, das dich zu Gott hinwachsen lässt, ist gute Lehre, und was dich von Gott wegbringt, ist schlechte Lehre.
Nochmal: Die unheiligen leeren Geschwätze aber vermeide, denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten, und ihr Wort wird um sich fressen wie Krebs. Dazu gehören Hymenäus und Philetus, die von der Wahrheit abgeirrt sind. Das sind Mitarbeiter von Paulus, wo er sagen muss: Die waren mal dabei, haben sich auf komische Sachen eingelassen und sind jetzt richtig weg. Die sind von der Wahrheit abgeirrt, indem sie sagen, dass die Auferstehung schon geschehen sei.
Das ist jetzt vielleicht kein Thema, mit dem wir hier zu tun haben, aber das ist ein Thema, wo man merkt: Wow, da predigt einer einfach etwas Falsches, und du denkst dir, da kann man mit leben. Ja, es ist ein Aspekt. Jürgen hat gesagt, es geht um die Praxis. Ja, aber wenn du an so einer Stelle abirrst, dann kommt immer noch etwas hinterher an Gottlosigkeit. Die von der Wahrheit abgeirrt sind, indem sie sagen, dass die Auferstehung schon geschehen sei, und den Glauben mancher zerstören.
Es gibt Predigten, die sind nicht mehr als unheiliges, leeres Geschwätz. Ein Beispiel habt ihr: die Behauptung, dass die Auferstehung schon geschehen sei. Und es gibt natürlich viel mehr und viel aktuellere Beispiele. Das Schreckliche dabei ist: Leere, die nicht der Wahrheit entspricht, zerstört Glauben, egal wie demütig oder logisch oder eloquent sie daherkommt. Es ist nicht egal, woran ich glaube. Und bitte, lasst uns bloß nicht glauben, dass wir nicht einem Irrlehrer auf den Leim gehen können.
Ich habe den Eindruck, dass es ganz viele Christen gibt, die sagen: Ich habe mich mal bekehrt, habe ein bisschen in der Bibel gelesen, und jetzt kann mir nichts mehr passieren. Und ich denke mir: Hallo, ja, das glaube ich nicht mehr. Paulus fordert Timotheus auf, einen Brief vorher, in 1. Timotheus 4,16: Habe Acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Dingen, denn wenn du dies tust, wirst du sowohl dich selbst retten als auch die, die dich hören.
Merk dir was: Du möchtest, dass Menschen gerettet werden. Worauf musst du aufpassen? Auf dein eigenes Leben, denn du bist das Vorbild, an dem Leute sich orientieren, aber auch auf das, was du lehrst. Mich motiviert das. Es liegt ein Segen auf den alten, bekannten biblischen Lehren. Es liegt einfach ein Segen darauf.
Ich werde heute Nachmittag, nein, nicht heute Nachmittag, jetzt parallel online über Johannes 3, Nikodemus, und es hat mir so viel Spaß gemacht, Nikodemus nochmals eine Predigt zu schreiben. Das ist ganz einfach: Du musst von neuem geboren werden. Da brauchen wir aber nichts dazu. Und nächstes Mal geht es um Glauben. Es ist gut, dabei zu bleiben, diese Basics immer wieder zu bringen, bis sie ganz tief in unser Herz eingedrungen sind.
Und bitte, bitte, bitte, bitte: Lasst uns nüchtern sein, damit wir ernsthaft damit rechnen, das sage ich jetzt mal den Älteren, dass man auch nach 50 noch geistlichen Schiffbruch erleiden kann. Ich weiß nicht, warum mir diese Zeit so viel Not macht, aber ich sehe gerade verschiedene sehr schwierige Strömungen in der Christenheit. Ich sehe eine sehr starke Betonung von geistlichen Erfahrungen, wo man sich sehr dem Seelischen zuneigt. Ich sehe eine erschreckende Offenheit für liberale Gedanken, wo unter der Überschrift „Gott ist Liebe“ plötzlich alles erlaubt wird. Ich sehe so eine, in meinen Augen schon irregeleitete, Sehnsucht nach mehr und dann etwas, wo man dann in der Theologie landet, die irgendwo am liebsten die Apostelgeschichte wiederholen würde.
Und ich merke, wie dem kaum mehr widersprochen wird, wie Gemeinden immer schwächer werden, sich diesen Themen zuzuwenden. Ich bin froh, wenn Leute noch in den Gottesdienst kommen, und was sie dann wirklich theologisch noch glauben, wie das immer weniger wichtig wird. Ich habe wirklich Angst, dass wir in einer Zeit leben, in der mehr und mehr auch ältere Geschwister ihren Glauben wieder verlieren.
Ich habe vor 20 Jahren oder vor 15 Jahren mich mal gepredigt bei einer Konferenz und habe gesagt, ich gehe davon aus, dass in einem Auditorium etwa ein Drittel der Leute wieder verloren gehen, ein Drittel in belanglosem Christsein leben und ein Drittel es richtig gut schaffen. Ich würde heute nicht mehr sagen, es ist nur ein Drittel, was wieder verloren geht. Ich würde sagen, es ist locker die Hälfte, die auf meiner Gebetsliste von früher nicht mehr dabei ist. Und das ist total erschreckend.
Und ich merke: Hier ist eine Ernsthaftigkeit bei dem, was Paulus sagt, wenn er von gesunder Lehre redet. Es ist eine Ernsthaftigkeit, wenn er davon spricht, dass unheilige, leere Geschwätze, wenn die Einzug halten in die Lehre, dazu führen, dass dann Gottlosigkeit kommt, dass dann Glauben verloren geht. Und bitte lasst uns da gemeinsam einfach aufpassen. Lasst uns immer wieder einander ermahnen zu diesem gesunden, einfältigen, einfachen Glauben, der den Schwerpunkt dahin legt, dass man geistlich gesund lebt.

Die Verantwortung von Predigern und Hörern

Soll das eine Wahrheit sein, hatte ich gesagt, dann kann diese Unverdorbenheit bedeuten, dass man das Richtige lehrt. Auf der anderen Seite hat das auch damit zu tun, dass ich mit meinem Leben nicht das durchstreiche, was ich lehre. Also ich soll weder auf den Zeitgeist hören mit meinen Predigten, noch soll ich selber anders leben als das, was ich sage. Meine Unverdorbenheit als Prediger muss hinter meiner Lehre stehen.
Und jetzt sage ich mal Folgendes: Als Prediger muss ich nicht perfekt sein. Und ich glaube, wir sollten uns als Prediger auch davor hüten, allein nur den Eindruck zu vermitteln, wir seien perfekt. Das ist niemand. Wir leben, wie wir hier vorne stehen, aus Gnade. Und wir werden diesseits der Ewigkeit immer mit dem Frust leben müssen, dass wir mehr wollen, als wir vermögen.
Also wir tragen, wenn wir geistlich unterwegs sind, immer eine Sehnsucht nach Heiligkeit in uns, die wir trotz aller Anstrengungen niemals erreichen können. Und das ist völlig normal. Wir haben jeden Morgen Sünde zu bekennen, damit Jesus uns, und ich gebrauche mal ein Bild aus Johannes, ich glaube, das ist 13, dass er uns jeden Morgen die Füße waschen muss. „Wir sind schon rein um des Wortes willen“, sagt der Herr Jesus, aber wir laufen durch diese Welt, und wir verschmutzen unsere Füße, und wir müssen jeden Morgen zu dem Herrn Jesus kommen und sagen: Wir haben uns dreckig gemacht. Und das wird bis zum letzten Atemzug so bleiben.
Ich muss als Prediger nicht perfekt sein, aber ich muss in meiner Begrenztheit irgendwie auf dem Weg sein, Jesus ähnlicher zu werden. Ich muss schon als Prediger einer sein, der Sünde hasst, Sünde lässt, in diesem Kampf drinsteckt, wo auch junge Leute kommen können und sagen können: Okay, wo bist du gerade dran, was macht dir gerade Not, wie gehst du damit um? Und von daher vom Kreuz her leben. Das ist wichtig.
Erster Punkt: Unverdorbenheit.
Zweiter Punkt: würdiger Ernst oder Ehrbarkeit. Hier geht es um die Frage: Wie erlebt ein Zuhörer meine Predigt? Also welchen Eindruck hinterlasse ich bei meinem Publikum? Meine Art zu lehren soll so sein, dass sich andere nicht daran stoßen. Und jetzt kann man an Sprache denken, man kann an die Form denken, wie jemand auftritt, an die Beispiele, die ich bringe, an die Logik.
Und ich will es mal so zusammenfassen: Ein Lehrer muss jemand sein, der sein Fach beherrscht, also der es versteht, sich irgendwie passend und verständlich auszudrücken. Also nicht nur das, was er sagt, muss richtig sein, sondern auch wie er es sagt, muss so sein, dass das nicht nur Fragezeichen im Auditorium hinterlässt.
Gelingt das immer? Nein, wird es nicht. Und es wird immer schwieriger. Also Beispiele zu finden für eine Predigt. Ich verstehe, warum der Herr Jesus von Blumen redet und vom Wind. Ich fange auch langsam an, Beispiele zu suchen, die etwa auf diesem Niveau sind, weil es ja schon unmöglich ist, auch nur noch einen Film zu finden, den alle gesehen haben. Früher konnte man wenigstens noch irgendwie den ZDF-Vierteiler zu Weihnachten als gängig voraussetzen.

Verständliche Rede und klare Anwendung

Ja, wo jeder seine eigene Serie hat. Also sorry, ich weiß nicht, was du schaust. So nicht mehr. Herr der Ringe funktioniert mehr. Also, das geht nicht wirklich.
Und auch nicht jeder Scherz, den du bringst, wird alle zum Lachen bringen. Manch einer wird nur irritiert dasitzen, weil er ihn entweder nicht versteht oder er ihm zu weit geht oder sonst irgendetwas.
Also, ich sage mal: Nicht jede Predigt ist würdig und ernst. Es ist irgendwie Ehrbarkeit. Manchmal ist man auch einfach schlecht vorbereitet, auch das muss man sagen. Aber was nicht sein darf, ist, dass man dauerhaft durch eine chaotische Präsentation oder auch durch ganz unglaubwürdig an den Haaren herbeigezogene Illustrationen oder durch unpassende Sprache, durch eine dümmliche Argumentation oder von mir aus auch durch immer gleiche Themen – auch das kann nerven, man weiß, der geht auf die Kanzel, ja, jetzt gibt es wieder das Thema – nein, das soll auch nicht so sein – dazu führt, dass die Zuhörerschaft dann einfach von vornherein keinen Bock hat zuzuhören.
Würdiger Ernst, dritter Punkt: gesunde Rede. Da sage ich jetzt ganz wenig. Das kennen wir von den Ältesten schon, Titus 1,9. Gesunde Rede macht gesund, jedenfalls dann, wenn sie geglaubt und umgesetzt wird. Und deswegen, weil wir jetzt hier über die Verantwortung des Lehrers kurz reden, ein Hinweis: Ich für meinen Teil höre, wenn es um das Thema Verantwortung geht, welche Verantwortung habe ich heute Morgen hier? Meine Verantwortung ist, euch eine verständliche Predigt zu predigen. Punkt. Was du damit machst, ist nicht mehr in meiner Verantwortung.
Ist das schön? Es hat ein Weilchen gebraucht, bis ich da hingekommen bin, weil ich mich früher immer geärgert habe, wenn Leute aus den Predigten nichts gemacht haben oder drei Wochen später mir eine Frage stellen, wo ich sage: Das habe ich dir vor drei Wochen gepredigt. Heute bin ich an dem Punkt, und vielleicht komme ich da wieder weg, vielleicht ist das ein bisschen unbarmherzig, aber ich bin trotzdem im Moment an diesem Punkt zu sagen: Ihr seid für das, was ihr aus dieser Predigt macht, verantwortlich. Diese Predigt ist inhaltlich nicht schlecht. Ihr könnt das Skript auf Rockwells nachlesen, ihr könnt es durcharbeiten, ihr könnt euch Gedanken machen: Welchen Vers will ich auswendig lernen? Wie will ich die Dinge umsetzen? Ihr seid für die Anwendung verantwortlich, und ich bin das nicht.
Mein Job ist, gesunde Lehre zu predigen. Ob sie gesund macht, versteht sich. Es ist wie beim Apotheker: Sein Job ist es zu verkaufen. Hier hast du das Medikament. Du hast Kopfschmerzen, gehst zum Apotheker, kaufst dir eine Kopfschmerztablette. Der sagt: Hier ist die Tablette. Ob du die einwirfst oder ob du sagst: Ich hätte gerne weiter meine Kopfschmerzen, dann weiß ich natürlich nicht, warum du zum Apotheker gehst. Aber warum bist du hier, wenn du dein Leben nicht verändert hast? Warum gibst du dir eine halbe, dreiviertel Stunde Predigt, wenn du nichts draus machen willst? Versteht ihr, es ist ja völlig absurd.
Da würde ich mir tatsächlich lieber meine Lieblingsserie anschauen. Die dauert auch mal so ungefähr 40 Minuten, wie eine Predigt. Und wenn es nur darum geht, bespaßt zu werden, dann ist eine Serie einfach besser. Aber wenn du sagst: Hey, ich bin hier, um etwas zu lernen, und der hat sich Mühe gemacht, und ich habe den Eindruck, dass das, was der sagt, nicht völlig plemplem ist, und ich verstehe es auch ein bisschen, dann gebe ich dir den Tipp: Arbeite das nach.
Letzter Punkt: unanfechtbare Rede oder einwandfrei. Es liegt eine Gefahr darin, wenn man als Prediger über Themen redet, die irgendwie nicht eindeutig sind. Und leider besteht bei Predigern da eine Tendenz dazu, sich genau mit den Themen zu beschäftigen, die einerseits nicht ganz so wichtig und andererseits vielleicht auch super kompliziert sind und wo man eben auch mal sehr unterschiedlicher Meinung sein kann. Das ist nicht klug.
Es ist nicht klug, sich in der Predigt mit, ich nenne das mal, drittklassigen Streitfragen zu beschäftigen, die dann auf Kosten wichtiger Themen oder wichtigerer Themen gepredigt werden. Das fördert weder die Einheit unter den Christen noch das geistliche Wachstum der Christen.
So, jetzt nicht falsch verstehen: Ich liebe Theologie. Ich liebe theologische Streitfragen. Die arme Steffi muss das im Moment ausbaden, weil wir immer über einen Punkt nach dem anderen aneinandergeraten, habe ich den Eindruck. Und es macht einfach Spaß, theologische Konzepte zu erschüttern, Dinge in die Breite zu denken, argumentativ gegen etwas zu schießen, was scheinbar völlig klar ist. Es macht einfach nur Spaß, aber das gehört ein Stück weit nicht in die Predigt.
Das kann man in einen Spezialvortrag packen. Oder das kann man abends auf der Terrasse machen. Aber in der Predigt würde ich persönlich das packen, was wirklich wichtig ist. Und das sind nicht die theologischen Spitzfindigkeiten. Und wie wenig das wichtig ist, werden wir Anfang Titus 3 sehen, da geht es nämlich um den Umgang mit törichten Streitfragen und gesetzlichen Streitigkeiten. Ja, es gibt Leute, die verlieren sich in diesen Themen. Und diese Leute, da muss man sich richtig vor denen hüten.

Sichtbares Leben als glaubwürdiges Zeugnis

Also, warum ist Unverdorbenheit, würdiger Ernst und gesunde, unanfechtbare Rede so wichtig beim Lehren?
Ich lese euch noch einmal Titus 2,8. Da heißt es: damit der von der Gegenpartei beschämt wird, weil er nichts Schlechtes über uns zu sagen hat.
Es ist wieder nicht ganz klar, wer hier genau im Blick ist. Das sind Zuhörer, die genug Einblick in das Leben und in die Entwicklung der Geschwister haben. Sie können über die Gläubigen ein Urteil abgeben. Deswegen heißt es hier: weil er nichts Schlechtes über uns zu sagen hat.
Gleichzeitig geht es auch um Lehrer. Es muss um Leute gehen, die das, was gepredigt wird, auch beurteilen können. Und diese Gegner – so kann man Gegenpartei übersetzen, es steht wörtlich Gegner – sollen nicht einfach mundtot gemacht werden. Es geht darum, sie zu beschämen. Sie sollen erleben, wie gesunde Lehre gesund macht, wie gesunde Lehre Leben verändert, Menschen zu besseren Menschen macht, wie Familien aufblühen und wie Christen sich ganz positiv in die Gesellschaft einbringen.
Wie gesagt, wir wissen nicht ganz genau, wen Paulus hier im Blick hat. Es müssen Menschen sein, die selber noch nicht vom Glauben ganz überzeugt sind, noch auf dem Weg sind, noch keinen rettenden Glauben gefunden haben, aber trotzdem irgendwie zur Gemeinde gehören und genug vom Gemeindeleben mitbekommen, um sich ein Urteil erlauben zu können. Man könnte sich vorstellen: Leute, die schon eine Weile in der Gemeinde sind und dann anfangen, in der Bibel zu lesen, und sich die Frage stellen, ob da wirklich etwas dran ist. Vielleicht sind sie auch noch ein bisschen kritisch. Solche Leute.
Und wenn ich das so vorlese: damit der von der Gegenpartei beschämt wird, weil er nichts Schlechtes über uns zu sagen hat, dann sind wir wieder ganz am Anfang, wo ich sagte: Man erkennt den guten Baum an den guten Früchten. Wir predigen keine Spitzfindigkeiten, sondern wir predigen Lebensveränderung. Das Evangelium ist ganz stark die Botschaft von einem neuen Lebensstil, den man sehen kann und den man, auch wenn man noch nicht an Gott glaubt, trotzdem gut finden kann. Einfach deshalb, weil man merkt: Menschen, die danach leben, leben ein gutes Leben.
Und ich finde das deshalb so bemerkenswert, diese Betonung im Neuen Testament. Denn man kann sich doch die Frage stellen: Wo finde ich bitteschön im Neuen Testament einen Aufruf dazu, Verteilaktionen zu machen, Pro-Christ-Veranstaltungen durchzuführen, einen Büchertisch zu machen, am Weihnachtsmarkt oder sonst irgendwo, oder evangelistische Hauskreise durchzuführen? Und es ist ja ganz ärgerlich für all die Leute, die sagen, das müsse man immer machen, zu sagen: Weißt du was, das steht alles nicht in der Bibel. Und das stimmt, es steht nicht in der Bibel.
Und trotzdem ist das Christentum in den ersten Jahrhunderten massiv gewachsen. Warum bitteschön? Was hat Leute motiviert, unter Verfolgung Christen zu werden? Wie haben die Christen das eigentlich gemacht, diesen Auftrag: Geht hin in die Welt und predigt das Evangelium? Wie haben die eigentlich gepredigt?
Sie haben ganz stark eins zu eins gepredigt. Und der Startpunkt scheint der gewesen zu sein, dass sie ein neues Leben hatten. Und Leute haben dieses neue Leben mitbekommen und gefragt: Wie bist du denn dahin gekommen? Du warst doch früher so und so, und jetzt bist du so und so. Erklär mal, wie geht das denn?
Und das war ihr bestes Mittel der Überzeugung, das Evangelium zu predigen. Sie hatten sich von den Götzen zu Gott bekehrt. Sie hatten wirklich ihr altes Leben aufgegeben, und jetzt hatten sie angefangen, nach den Vorstellungen Gottes zu leben. Und das ist etwas, was Menschen fasziniert. Oder wie 1. Petrus 4,3 sagt: Denn die vergangene Zeit ist genug, den Willen der Heiden vollbracht zu haben.
Ich finde das so herrlich. Wir haben viel zu lange den Blödsinn gemacht. Die vergangene Zeit ist genug, den Willen der Heiden vollbracht zu haben, als ihr wandeltet in Ausschweifungen, Begierden, Trunkenheit, Festgelagen, Trinkgelagen und unerlaubten Götzendiensten. Herrlich, ich mag den Vers.
Es gab ein Leben, sagte er. Da hat sich eine Zeit in unserem Leben, da hat sich alles darum gedreht, zu genießen. Spaßgesellschaft pur, bitte: Partys, Frauen, Koksen, Shopping, Karriere, größere Autos, tolle Urlaube, der Sprung auf der Karriereleiter. Alles das war wichtig. Ellenbogen raus und Gas geben, was kostet die Welt. Daher kommen wir her.
Und das ist so das Geniale: Jetzt gibt es einen Bruch im Leben der Leute. Und der Bruch heißt nicht: Ich habe jetzt ein theologisches System dazugewonnen, hast du auch. Aber das ist nicht der Punkt. Du bist dem lebendigen Gott begegnet, und du hast ihn auf den Thron deines Lebens gesetzt. Und der ist jetzt das Haupt, und du bist nur noch Teil des Körpers. Und das Haupt gibt die Richtung vor.
Und jetzt ist mit all diesen Dingen einfach Schluss. Schluss mit Fremdgehen, Schluss mit Betrügen, mit Lügen, Saufen, Faulsein, Lästern, Klauen, sich für den Größten halten oder dummdämlich nicht an Gott glauben. Es ist einfach mal Schluss damit. Jetzt ist Zeit für Evangelium, Zeit, besonnen zu leben, Zeit, Gott anzubeten, Jesus zu folgen und einer Welt, die wirklich verloren geht, zu beweisen, dass im Evangelium, in der Bekehrung zu Gott, die Kraft steckt, ein Leben auf den Kopf zu stellen.
Nicht deshalb Christ zu werden, um ein bisschen persönliches Glück abzugreifen, sondern ich werde Christ, weil ich Teil einer Bewegung werden will, die wie Sauerteig den Teig durchdringt. So will diese Bewegung die ganze Welt durchdringen und für Gott gewinnen. Und dazu braucht es Besonnenheit, dazu braucht es eine Liebe zur Wahrheit.
Und der Weg, der vor uns liegt, der wird von den Menschen gesehen werden. Sie werden sich das anschauen. Man wird uns beurteilen, und man wird uns zum Teil auch verurteilen. Aber damit möchte ich jetzt Schluss machen: Wenn wir treu sind, dann wird man auch sehen, dass wir wirkliches Leben gefunden haben, und zwar das Leben, das Auferstehungsleben Jesu. Und Johannes sagt darüber: Dieses Leben wird zum Licht für die Menschen.
Und deshalb lasst uns strahlen! Amen!

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