Wir fahren fort, wo wir am letzten Sonntag aufgehört hatten bei der
Jakobsgeschichte, Kapitel 32: Der erzürnte Schwiegervater Laban war ihnen
ja nachgereist. Jakob hat ihn besänftigt, ihm auch tüchtig Vorhaltungen
gemacht, aber er war froh, wie diese schwierige Streitbegegnung dann doch
gut ausging.
Am Morgen aber stand Laban früh auf, küsste seine Enkel und Töchter und
segnete sie und zog hin und kam wieder an seinen Ort. Jakob aber zog seinen
Weg. Und es begegneten ihm die Engel Gottes. Und als er sie sah, sprach er:
Hier ist Gottes Heerlager, und nannte diese Stätte Mahanajim. Jakob aber
schickte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau ins Land Seïr, in das
Gebiet von Edom – das ist also noch jenseits des Jordan, das heutige
Jordanien -, und befahl ihnen und sprach: So sprecht zu Esau, meinem
Herrn: Dein Knecht Jakob lässt dir sagen: Ich bin bisher bei Laban lange in
der Fremde gewesen und habe Rinder und Esel, Schafe, Knechte und Mägde
ausgesandt, es dir, meinem Herrn anzusagen, damit ich Gnade vor deinen
Augen fände. Die Boten kamen zu Jakob zurück und sprachen: Wir kamen zu
deinem Bruder Esau, und er zieht dir auch entgegen mit vierhundert Mann. Da
fürchtete sich Jakob sehr, und ihm wurde bange. Und er teilte das Volk, das
bei ihm war, und die Schafe und die Rinder und die Kamele in zwei Lager und
sprach: Wenn Esau über das eine Lager kommt und macht es nieder, so wird
das andere entrinnen. Weiter sprach Jakob: Gott meines Vaters Abraham und
Gott meines Vaters Isaak, der du zu mir gesagt hast: Zieh wieder in dein
Land und zu deiner Verwandtschaft, ich will dir wohltunwohl tun -, Herr,
ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem
Knechte getan hast; denn ich hatte nicht mehr als diesen Stab, als ich hier
über den Jordan ging, und nun sind auch mir zwei Lager geworden. Errette
mich von der Hand meines Bruders, von der Hand Esaus; denn ich fürchte mich
vor ihm, dass er komme und schlage mich, die Mütter samt den Kindern. Du
hast gesagt: Ich will dir wohl tun und deine Nachkommen machen wie den Sand
am Meer, den man der Menge wegen nicht zählen kann. Und er blieb die Nacht
da und nahm von dem, was er erworben hatte, ein Geschenk für seinen Bruder
Esau: zweihundert Ziegen, zwanzig Böcke, zweihundert Schafe, zwanzig Widder
und dreißig säugende Kamele mit ihren Füllen, vierzig Kühe und zehn junge
Stiere, zwanzig Eselinnen und zehn Esel, und tat sie unter die Hand seiner
Knechte, je eine Herde besonders, und sprach zu ihnen: Geht vor mir her und
lasst Raum zwischen einer Herde und der andern. Und er gebot dem ersten und
sprach: Wenn dir mein Bruder Esau begegnet und dich fragt: Wem gehörst du
an und wo willst du hin und wessen Eigentum ist das, was du vor dir
hertreibst?, sollst du sagen: Es gehört deinem Knechte Jakob, der sendet es
als Geschenk seinem Herrn Esau und zieht hinter uns her. Ebenso gebot er
auch dem zweiten und dem dritten und allen die den Herden nachgingen, und
sprach: Wie ich euch gesagt habe, so saget zu Esau, wenn ihr ihm begegnet,
und saget ja auch: Siehe, dein Knecht Jakob kommt hinter uns. Denn er
dachte: Ich will Esau versöhnen mit dem Geschenk, das vor mir hergeht.
Danach will ich ihn sehen; vielleicht wird er mich annehmen. So ging das
Geschenk vor ihm her; er, Jakob, aber blieb diese Nacht im Lager."
Dieser Jakob war so froh, als er endlich diesen schwierigen Schwiegervater
abgeschüttelt hatte. Er muss ja richtig erleichtert gewesen sein, wie auch
diese Klippe heil überstanden war. Ich stelle mir das so vor: Von einem
Berg blickt er hinüber und sieht über den Jordan endlich Heimatland. Wie
hat er sich diesen Augenblick ersehnt! Jetzt komme ich wider heim. Und
seine Schritte sind so schwer. Er kann kaum laufen. Er hat Angst. Denn erst
in diesem Moment wird ihm bewusst, was auf ihn wartet. Die ganzen zwanzig
Jahre hat er verdrängt und vergessen, dass in seinem Leben eine schwere
Schuld war. Man kann das ja so leicht machen, dass man sagt: Ich denke
nimmer dran, das wird schon werden, die Zeit wird's richten. Wie hat seine
Mutter gesagt? Der Zorn wird auch verfliegen. Der verflog aber nicht! Und
jetzt steht Jakob ganz allein da und muss diesen schweren Weg gehen, seinem
zornentbrannten Bruder entgegen. Ich weiß nicht, welchen schweren Weg Sie
in der nächsten Woche gehen müssen. Ich habe dieser Predigt überschrieben:
Wie man mit dem Leben fertig wird. Das ist für uns moderne Menschen am Ende
des zweiten Jahrtausends ja die Lebensfrage. Wir sagen immer wieder über
Gott, das interessiert uns gar nicht, mein Leben ist so problematisch, mein
Chef, meine Berufsschwierigkeiten, mein Arbeitslosigkeit, meine
Geldprobleme, meine wirtschaftlichen Fragen. Setzte ein, was du willst. Das
von Jakob ist doch erzählt, weil wir solche schwierigen Wege gehen, ganz
allein. Das, was wir meistern sollen übersteigt unsere Kraft, wir schaffen
das nicht. In der Bibel wird uns ja nicht von irgendwelchen großen Athleten
erzählt, von irgendwelchen großen, gewaltigen Schaffern, sondern von ganz,
ganz schwachen Menschen wie wir. Wenn es hier von Angst heißt, ist in der
Bibel immer dieser Würgegriff am Hals, wo man sagt: den letzten Schnapper
noch an Luft: Ich komme um, ich komme um. Ich krieg' das nicht fertig. Und
ich könnte es Ihnen jetzt durch die ganze Bibel durch zeigen. Als die
Israeliten am Schilfmeer standen und die Ägypter ihnen nachjagten – vor
ihnen das Wasser und links und rechts die Felswände: Es gab kein Überleben
mehr. Doch: Mose rief zum Herrn. Kennen Sie das? Da ist der Herr da. Selbst
der große Gotteszeuge Paulus, der von niemand zu stoppen war, erzählt wie
er in der Provinz Asien am Leben verzagt war. Depressionen sind das. Wir
dachten schon, wir kämen um. Das geschah aber, dass wir unser Vertrauen auf
den setzen, der Tote lebendig macht. In großen schweren Lebenskrisen könne
wir ganz neu die Macht unseres großen Herrn entdecken. Dieser Jakob mit
seinen Bleifüßen, mit der Angst, mit seiner ganzen Not, der fühlt sich
nicht anders als Sie, wenn man Sie auf dem Karren in den OP hinein schiebt.
Verstehen Sie. Was soll ich jetzt noch machen können? So wie Sie hilflos
oft Menschen ausgeliefert sind. Und wie oft meinen Sie: Die Menschen meinen
es nicht gut mit mir. Sie wollen mich fertig machen. In dem Augenblick
zeigt Gott diesem Jakob die Engel. Er sieht etwas von der großen,
gewaltigen Macht Gottes und seiner Diener. Und Jakob nennt diese Stätte
Mahanajim. Es wäre schön, wenn wir auch solche Erinnerungstafeln anbringen,
an Plätzen wo wir verzagt und mutlos waren und dann plötzlich Gott uns
erschien. Hadern Sie darum, weil Sie keine Engel sehen. Ich denke, die
Verheißungsworte sind noch größer. Diese wunderbaren Zusagen der Schrift,
wo Gott sich verbürgt oder was noch wunderbarer ist, der Blick aufs Kreuz,
wo Jesus es Ihnen klarmacht: für dich habe ich alles hergegeben. Ich will
mich in deinem Leben verherrlichen. Und ich bin für sündige Menschen
gestorben. Mutmachende Blicke in trostlosen Augenblicken. In der
hebräischen Sprache ist alles ein wenig bildhaft. Ich kann das nur immer
wieder betonen. Durch dieses Kapitel zieht sich immer wieder das Wort vom
Lager. Das ist Gottes Lager. Darum hat er die Engel gesehen. Weil ja
nachher das Lager, die Heerschar von dem Esau ihm entgegen zieht. Und der
pfiffige Jakob macht schnell aus seiner großen Schar auch zwei Heere. Hat
er's begriffen, dass die Heere Gottes ihn beschützen, dass der Trost und
die Freude darin bestehen: Du bist unsere Zuversicht. Ich will's Ihnen
heute Morgen einhämmern, dass Sie jetzt in den Nöten und Ausweglosigkeiten
Ihres Lebens und sagen: Wie werde ich mit dem Leben fertig?, nur so, wie
denn sonst. Sie schaffen's doch nicht. Gott will ihn bergen, schützen und
bewahren und behüten. Er war schon – wie sagen wir – ein Cleverle, der
Jakob, pfiffig und er war schon gut, er war ein Steh-auf-Männchen, er wurde
mit allen Lagen fertig, hat sich immer durchlaviert, wie's die frommen
Leute immer können. Dass er sagt – wie sagt man in der Fachsprache – man
kann sein Risiko minimalisieren, wenn man zwei Heere macht: 50% rettet man,
wenn man's klug anstellt und der Abstand genügend groß ist, können die
wenigstens noch durchkommen. O Jakob, was sind deine Lösungen für dumme
Auswege! Entweder schützt dich Gott, dann bist du bewahrt und gerettet,
oder Gott schützt dich nicht, dann bist du verloren und kommst um. Und dann
trichtert er seinen Boten, seinen Mitarbeitern noch einen Spruch ein. Sie
sollen, wenn sie dem Esau begegnen mit seinem Zorn, ihm sagen. Mein Herr,
dein Knecht. Der Jakob hat sich weit gedemütigt vor seinem Bruder Esau. Und
manchmal haben wir keine Scheu, uns vor Menschen ganz tief zu beugen.
Wissen Sie dass das nicht der Bibel Art ist? Gott will, dass wir vor
Menschen aufrecht stehen. Gott will, dass wir uns nicht vor Menschen
beugen. Vor Gott sollen wir uns beugen. Und es ist nicht nötig, dass wir zu
Menschen sagen: Ich bin dein Knecht, auch nicht zu Esau, auch nicht um uns
dadurch Freiheit zu erkaufen. Wir sollen uns nicht vor Menschen
heruntersetzen lassen. Wer wird nicht der Menschen Knechte? Es gilt, vor
den Herren dieser Welt und vor den Obrigkeiten und vor den Gewalten –
Christen haben eine Würde – und glaubende Menschen, die vor Gott knien
können und ihren Kopf beugen können, die können vor Menschen aufrecht
stehen. Ach was ist das für eine erbärmliche Haltung, die der Jakob
einnimmt, bloß um sein Leben zu retten. Das kann doch nicht wahr sein.
Eigentlich sind die Lebenskrisen, so sehen wir's in der Bibel immer, die
großen Lebenskrisen Sternstunden, Stunden, wo man plötzlich alles klar
machen muss: hinüber oder herüber. Irgendwo muss man Stellung beziehen. Und
in vierzehn Tagen werden wir noch einmal drankommen, wo Jakob nicht mehr
ausweichen kann, wo's einfach klar werden muss, dafür oder dagegen. Hast
du's mit Gott oder bist du gegen ihn? Das ist bis heute eine blamable
Geschichte unter uns Christen, dass wir uns hier immer so herumdrücken an
der klaren Entscheidung für unseren Gott. Gehören wir ihm ganz oder gehören
wir ihm nicht ganz? Und diese Augenblicke der Furcht, die machen erst
deutlich: Wir können uns nicht auf selber verlassen: Wer sich auf sich
selbst verlässt, ist verlassen, das hat ja gar keinen Wert. Ich meine immer
wieder, dass Sie das auch mit Ihren Bekannten reden können, ganz schlicht.
Worauf verlässt du dich einmal im Sterben? Lassen Sie den andern nur
pausbacken reden: Ja da wird schon alles recht werden. Welcher Mensch spürt
nicht selber, dass das frivole Sätze sind, dass er sich sehnt nach einem
andern, der an ihn denkt, der für ihn eintreten kann. Denkt doch an mich,
weil ich ins Krankenhaus muss. Denkt doch an mich mit meinen
Schwierigkeiten. So sagen wir doch immer wieder. Wir wollen doch jemand
haben, der uns trägt. Und in dem Augenblick ist plötzlich klar, dass die
große Not unseres Lebens die Schuld ist, die alte Schuld. Haben Sie's auch
gehört, dass immer wieder von christlichen Verkündigern gesagt wird, das
sei nichts mehr für den Menschen von heute, das interessiere den modernen
Menschen nicht mehr. Sicher, die Menschen wollen Lust und Spaß haben. Aber
ist nicht die eigentliche Frage, die die Menschen umtreibt, die sie
letztlich auch am Glauben hindert, dass so viel im Leben an Schutt
angehäuft daliegt und das ist unbewältigt. Und man spürt, man kann ja gar
nicht zu Gott zurück, weil die alte Sache nicht bereinigt ist. Und das muss
ja auch dieser Jakob gespürt haben, wenn jetzt der Esau kommt, dass er so
zürnt. Ich versteh' ihn ja gut, ich hätte ja auch so einen Zorn. Und er
kann das nicht mehr ungeschehen machen, wie er seinen Bruder betrogen hat.
Und Jakob weiß, ich habe ja eigentlich Gott betrogen und meinen Vater habe
ich betrogen. Ich habe ja selbstsüchtig gehandelt. In solchen Augenblicken
ist das plötzlich die Frage und Sie kennen das aus Ihrem Leben: Darf ich
überhaupt zu Gott kommen? Der moderne Mensch weiß etwas von Schuld auch
wenn er nicht darüber spricht. Darum ist es so wichtig, das wir's anderen
erzählen, wie lange wir uns darum gedrückt haben und wie lange sich die
Frauen und Männer der Bibel herumgedrückt haben, bis sie sich endlich den
Dorn aus der Wunde sich ziehen ließen und die Sache beim Namen genannt
haben. Der ganze Erfolg der letzten zwanzig Jahre, diese fruchtbaren
Viehherden der gefleckten Tiere, die Jakob mitbringt, all das kann doch
nicht darüber hinwegtäuschen, dass die unbewältigte Schuld sein Leben
belastet. Und wie eine dunkle Gewitterwolke hängt das zwischen ihm und
Gott. Jetzt verstehen Sie erst, wie kühn das war und mutig als Jakob
plötzlich betet. Darf er zu Gott rufen, kann Gott in so einem Leben
überhaupt noch wirken? Ist er nicht zu schlecht, zu hinterhältig, zu
listig? Jetzt beachten Sie einmal das Gebet des Jakob. Wie betet er? Du
hast doch mir gesagt. Er beruft sich auf das Wort des Herrn. So machen's
Glaubende bis heute. Es ist doch nicht wichtig was ich denke, sondern: Du
hast mir gesagt in deinem Wort. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht
hinaus stoßen. Darf ich wiederkommen? Mit der alten Schuld. In dem
Augenblick, wenn wir ins Licht Gottes treten, ist uns manchmal so, dass uns
die Schuld noch unheimlicher, noch scheußlicher wird und blamabler. Und so
ruft er zu Gott: Du hast doch gesagt: Ich will dir wohl tun. Zweimal beruft
er sich darauf: Du hast gesagt und darauf wagt mein Herz es froh und
unverzagt und lässt sich gar nicht grauen. Schön, wenn uns solche
Bibelworte in einprägsamen Versen nicht mehr aus dem Kopf gehen. Ich darf
kommen! Und a ist ein Seil von Gott aus geworfen, da kann ich mich dran
hinhängen. Es ist ja merkwürdig, wie gnadenlos die Welt ist. Wenn's um
Schuld geht. Es ist ja interessant, wenn Sie jetzt die Nachrichten hören.
Bin ein alter Mann und hab' mein ganzes Leben immer nur gehört, es gäb'
keine richtigen Winter mehr. Jetzt gibt es mal einen richtigen Winter. Da
rufen alle Leute: Wer hat die Schuld. Da hätten die Straßen gesperrt
gehört, da hätt' nichts passieren dürfen. Irgend jemand hätt's ja wissen
müssen, dass so Lawinen niedergehen. Den Schuldigen sucht man. Einer muss
ja schuld sein, wegen der Versicherung. Einer muss zahlen am Ende, das man
wenigstens noch Geld herauskriegt. Den Schuldigen brauch' ich, auf den man
zeigen kann. Da könnte man sagen, das war höhere Gewalt. Den Schuldigen –
wir sind ja oft so gnadenlos wie wir bei anderen alte Schuld vorrechnen. Es
ist auch bei mir merkwürdig. Ich vergesse das über Jahrzehnte nicht, wo
Menschen mir Böses getan haben. Ich kann es von meinen Lehrern aus der
Schule noch, ich kann's noch genau aufzählen, wo mir Unrecht widerfahren
ist. Und im Elternhaus. Was sind wir für Kleinkrämer! Wo wir doch der
großen Gnade Gottes bedürfen. Und wie dieser Jakob betet: Herr, ich bin zu
gering deiner Barmherzigkeit und Treue. Wenig vorher hat er noch vor seinem
Schwiegervater geprahlt und gesagt: Das habe ich alles verdient. Ich habe
geschafft wie ein Wilder. Und jetzt kommt's raus: Kein Stück habe ich
verdient gehabt. Über meinem versäumten Leben, über der Schuld, die mich
vor Gott anklagt und dass mein Leben in diese Nöte oft hineingetaucht ist,
dass ist eine Folge meiner eigenen Schuld. Was so oft Gott zugerechnet
wird: Warum lässt Gott das zu? Es ist doch bloß, dass Gott uns das ernten
lässt, was wir gesät haben. Es ist erschütternd wie oberflächlich wir oft
anderen das Evangelium bezeugen. Wir müssen doch Menschen immer auf den
Punkt ansprechen, auf den entscheidenden Punkt, dass Gott das bereinigen
will und dass wir ohne dieses gar nie froh werden und im Glauben gewiss
werden können und nie unseren Weg gehen können. Es wächst eben kein Gras
darüber. Es kommt die alte Schuld immer wieder raus. Und das kann die Bibel
so meisterhaft zeigen: bei all den großen Gestalten, bei David und bei
Petrus und wer das auch war, immer wieder mit der alten Schuld. Und Gott
will vergeben und ich wollte, dass Sie heute nicht von dieser Stätte
weggehen und dass Sie wissen: Meine Dinge sind gereinigt und geklärt. Jesus
hat mein Leben frei gemacht von der alten Schuld, vergeben und vergessen,
Und ich will in meinem Leben keine Schuld von anderen mehr aufrechnen. Ich
will mit der Güte Gottes erfüllt durchs Leben ziehen. Es hat ja
merkwürdigerweise den Jakob irgendwie nicht froh gemacht. Er wartet immer
noch auf die Antwort Gottes. Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit,
die du an mir erwiesen – na, wie sagt er? – an deinem Knecht erwiesen hast.
Das haben Sie bisher aus dem Mund Jakobs noch nie gehört. Der schönst
Ehrentitel. Ich will Knecht Gottes sein. Ich will nur noch Gott folgen, ihm
dienen, auf sein Wort hin leben, mich von ihm leiten lassen: dein Knecht,
dein Leibeigener. Fast ist er durchgebrochen zur Freude des Glaubens.
Merken Sie, wie das Schritt um Schritt geht? Und dann probiert er es doch
wieder mit seiner listigen Pfiffigkeit. Noch einmal denkt er: ob er seinen
Bruder nicht doch versöhnen könnte und dann probiert er es mit Geschenken.
Sie wissen ja, wie nachher die Versöhnung geschah, wie sich Jakob und Esau
um den Hals fallen. Wir müssen kürzen, wir können nicht mehr darüber
predigen. Das müssen Sie dann lesen. Da ist kein Geschenk mehr nötig, wo
Gott die Herzen berührt und wo Menschen zu einander finden. Wissen Sie, was
die Klammer ist zwischen Christen, die sie verbindet? Wir können in allen
politischen Fragen, in allen gesellschaftlichen Fragen verschiedene
Meinungen haben, in vielen Erziehungsfragen. Die Klammer die verbindet:
Halten wir Versöhnung! Dass wir alle davon leben: Wir sind Begnadigte
Gottes! Darum lieben wir andere. Aber der Jakob probiert es zuerst noch mit
Geschenken und deshalb trichtert er es jetzt seinen Boten ein: sagt: Nimm
dir von diesen Herden, soviel du willst. Ach das hat doch gar keinen Wert!
Kaum waren die Herden abgezogen, bricht die Nacht an, jene Nacht, von der
wir dann in vierzehn Tagen noch einmal hören. Diese Nacht von Pniel. Jakob
ist ganz ganz allein. Alle anderen sind weg. Und er spürt: das mit den
Geschenken, das hat keinen Wert. Ich kann nicht mit Geschenken die Schuld
meines Lebens aufwiegen und mich freikaufen. Und deshalb ist das auch die
Frage, wenn wir manchmal sagen: Herr ich bin zu gering, ob das nicht
geheuchelte Demut ist – kennen Sie das? Die Frommen können ja so heucheln.
Wir machen das ja manchmal so, dass wir uns so runtersetzen: Ich bin ein
ganz Schlimmer und so. Nein wir haben die Gnade Gottes unverdient
empfangen. Jakob hast du's nicht begriffen? Dass solche Leute mit der
großen Schuld die Vergebung empfangen, dass die Gott für wert hält, dass
die Gott erwählt hat: Du bist kein Geringer, Jakob! Du bist nicht ein
Unbedeutender, du bist nicht irgendein Schwacher! Sondern die Herrlichkeit
des Herrn soll über dir aufgehen! Du sollst ein Segensträger werden! – Ich
habe vor ein paar Tagen in Haidarabat Haiderabat? in Indien Begegnung
gehabt mit indischen Christen, die in den Slums arbeiten. Mir hat einer
erzählt, der mit einem Team in Bombay arbeitet, Zahlen, die ich nicht mehr
verstehe, ich dachte, ich kenne die Not der dritten Welt. Bombay besteht
heute aus 6.700 Slums. 86% der Bevölkerung Bombays von 15 Millionen, wohnen
in Slums. Die Kinder haben kaum Schulmöglichkeiten. Es gibt kein sauberes
Wasser. Und was sie überhaupt zahlen können müssen sie den Landlords
zahlen, die ihre Blechbaracken aufgestellt haben. Und wie die überlegt
haben: Was können wir überhaupt tun? Ich vergesse nicht, eine
Morgenandacht, wo einer sagte: er sei eigentlich froh, dass im Neuen
Testament nie das Wort Kirche vorkäme, wohl stehe von Versammlungen drin
und von Gemeinschaft und Gemeinden, aber ein Begriff sei im Neuen Testament
viel größer: Reich Gottes. Die Gottesherrschaft, die anbricht. Und da ist
mir plötzlich klar geworden. Das habe ich selber empfangen und mich daran
gefreut, wenn das anbricht im Elend eines Slums oder in unserem satten und
überreichen Europa, dass Menschen die Gottesherrschaft in ihrem Leben
annehmen, also wenn es im Leben Jakobs passiert, dass der ewige Gott
Menschen benützt und sie werden Segensträger und sie dürfen anderen Liebe
weitergeben. Ich kann Ihnen gar keine praktischen Anleitungen mehr geben.
Da müssen Sie selber sehenwarten, wie Gott Sie führt. Das ist das
Aufregendste, dass in unserem Leben, im schmutzigen Leben, im Leben der
Sünde und der Listigkeit plötzlich Gottes Herrlichkeit aufstrahlt in seiner
Erbarmung, in seiner Liebe. Wir sind ihm nicht zu gering, sondern wir sind
für wert geachtet. Und dann habe ich das erlebt, wie die Gesellschaft
Indiens in eine riesige Unruhe versetzt wird, die man sich hier kaum
vorstellen kann. Die Christen sind erregt, alle Konfessionen bis hin zu den
Katholiken. Sie machen am nächsten Sonntag zu Hunderttausenden in
Haidearabat ? große Gebetsversammlungen, weil plötzlich ein Hass der Welt
gegen sie aufbrandet, weil eine Hindugesellschaft sagt: Das dürft ihr den
Outcasts, den Verlorenen in den Slums und den TribalPrivate Ppeople ?, die
nicht zum Kastensystem der Hindus gehören; d. ? Das dürft ihr immer ihnen
nicht sagen ?, dass sie von Gott angenommen sind". Ich habe mit Freunden
von dem Graham Staines ? gesprochen, der in seinem Auto mit seinen zwei
Söhnen verbrannt wurde auf grausamste Weise, weil er sich um Leprakranke
mühte. Eine große Erregung hat die Christen jetzt befallen: Was kommt auf
uns zu? Ja, unsere Welt kann das nicht fassen, dass die Verlorenen und die,
die keine Hoffnung haben, von Gott erwählt sind. Und wie noch nie zuvor ist
eine Aufnahmebereitschaft in den Slums und in diesen Reservaten, wo diese
Ureinwohner Indiens leben, diese Hinausgestoßenen, die Herrlichkeit Gottes
aufzunehmen. Und mir ist daran deutlich geworden: Was könnte bei uns
geschehen, wenn wir wieder hineinversetzt wären in die Gottesherrschaft,
wenn wir durchbrechen. Jakob steht noch kurz davor. Nichts hab' ich zu
bringen, hat Dietmar Höhne ? vorhin gespielt zum Gottesdienst. Alles, Herr
bist du. Ich will doch nur dir Raum geben. Du sollst in meinem Leben
herrschen. Aber da müssen Sie eine klare Übergabe machen, eine klare
Hingabe. Auf dem Flughafen von Bombay saßen plötzlich neben mir drei
Schwaben und haben sich unterhalten. Und dann sprach ich mit ihnen und da
kam es plötzlich heraus, dass es Christen von den Fildern waren. Und der
eine hat dann zu mir gesagt: Das möchte ich Ihnen noch mitgeben: Ich war in
Amerika, aber da hat man jeden Sonntag gesagt: Wer heute sich bekehren
will, der soll's benützen. Ich werd's nicht jeden Sonntag machen. Aber ich
will Ihnen sagen: Machen Sie's doch. Machen Sie's doch fest! Gehen Sie
nicht fort, wenn Sie noch mit jemandem beten. Machen Sie's klar für Ihr
Leben. Ich möchte meinem Herrn ganz dienen, nicht mit meiner Listigkeit
mein Leben bewältigen, meine Lebenskrisen, sondern ich will mein Vertrauen
ganz auf den Herrn setzen, bei dem nichts unmöglich ist. Amen.

