Einleitung und Predigttext
Wir haben heute den Predigttext aus Römer 11 von Vers 25 bis Vers 32.
25 Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr
euch nicht selbst für klug haltet: Die Verstockung, die einen Teil Israels
getroffen hat, dauert so lange, bis die volle Zahle der Heiden zum Heil
gelangt ist; also die bestimmte Zahl, die von Gott festgesetzte Zahl, 26
dann wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht «Aus Zion wird
der Erlöser kommen, der alle Gottlosigkeit von Jakob abwenden wird. 27 Und
dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.» 28
Weil sie das Evangelium ablehnen, sind sie Feinde Gottes, und das um
euretwillen; aber weil Gott sie erwählt hat sind sie von ihm geliebte um
der Väter willen. 29 Denn Gottes Gaben und seine Berufung sind
unwiderruflich. 30 Wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber
Barmherzigkeit erlangt habt durch ihren Ungehorsams, 31 so sind auch jene
jetzt ungehorsam geworden um der Barmherzigkeit willen, die euch
widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32 Denn Gott
hat alle ins Gefängnis des Ungehorsams eingeschlossen, um sich aller zu
erbarmen.
Herr, wie groß ist dein Erbarmen, lehre es uns auch über deinem Volk
Israel. Amen.
Es bleibt mir unvergesslich, wie vor Jahren einmal in der Dobelstraße ein
Ausländer mich nach dem Weg fragte, in die Stafflenbergstraße, und wir
gingen ein Stück miteinander, und ich fragte ihn, wo er denn herkäme. Dann
sagte er, er käme aus Israel. Dann sage ich: Sind Sie Jude? Ja! Ein junger
Mann war es. Dann sage ich: Dann liegt ja über Ihrem Leben ein großer
Segen. Er schaute mich verlegen an und sagte: Ach, damit beschäftige ich
mich eigentlich nicht. Das hat mich betroffen gemacht, dass das möglich
ist, dass Menschen unter einem großen Segen Gottes stehen und sich nicht
damit beschäftigen. So kommt es mir vor, wenn Christen nicht nach fragen,
was sie am Volk Israel teilhaben. Wir müssen uns damit beschäftigen. Das
Wort Gottes hat so klar zu den Nachkommen Abrahams gesprochen. Hier liegen
verlässliche Verheißungen vor. Wenn wir vorhin diesen Schriftabschnitt
gehört haben von Jerusalem, als dem Laststein, an dem sich die Völker wund
reißen, dann sehe ich die Verpflichtung, dass wir unsere Politiker darauf
hinweisen als Christen und sagen: handelt nicht nur in den Nahostfragen
nach eurer Vernunft und nach gesunder Überlegung, es ist nicht die letzte
Weisheit, zu sagen, hier sind Menschenrechte, und dort sind Menschenrechte,
so würde ich's von meinem Urteil her auch sagen. Da kommt noch ein Drittes
hinzu, dass Gott noch seine Geschichte schreiben will, auch in diesen
bewegten Tagen, wo menschliches Unrecht und Willkür und Bosheit
durcheinander geht. Und das soll nicht noch einmal sein, dass auch das
deutsche Volk unter die gezählt wird, die der Herr vertilgen muss, weil sie
sich an seinem Volk vergreifen. Und es hat mich vorhin erschüttern gemacht,
wie das drinsteht Alle Völker"! Alle Völker, die sich versammeln wider
Israel. Wir ahnen, dass es schon heute Mittel und Wege gibt. Alle Völker
auf diesem Kurs gegen Jerusalem festzulegen und zu zwingen, dass gar kein
Volk sich dem mehr entziehen kann. Wir wollen heute aus der Schrift nur aus
der Schrift erkennen, was uns Gott sagt. Für unser Verhältnis zu Israel und
was das für uns als Gemeinde Jesu bedeutet.
Israels Stunde kommt
Das erste: Israels Stunde kommt.
Paulus redet von einem Geheimnis. Er meint nicht, dass das irgendwo ganz
dunkel bleiben muss, sondern mit Geheimnis umschreibt Paulus Erkenntnisse
des Glaubens, die nur der Heilige Geist einem klar machen kann. Dinge, die
von Gott einem deutlich gemacht werden müssen. Er spricht hier mit der
Gemeinde von Rom mit allen Christen die Anrede Liebe Brüder". Dieses
Geheimnis will ich euch nicht verhehlen. Ihr müsst das wissen. Das gehört
für Christen dazu, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet, damit ihr
nicht selber euch eure eigenen Ideen machen müsst, denn das, was hier
Paulus uns sagt, das gehört zu den Fundamenten unseres Verhältnisses zu
Israel. Und dort steht da: Ganz Israel wird gerettet werden. Karl Gutbrod,
der diese Abschnitte im Römerbrief in der Lutherbibel erklärt, ausgelegt
hat, schreibt hin: Das hat die Christenheit nie beachtet. Ich habe gedacht,
die große Masse hat es nie beachtet. Aber wer heute Auslegungen aus dem
16., aus dem 17. und aus dem 18. Jahrhundert liest, wird immer wieder auf
Bibelausleger stoßen, die uns diese Wahrheit des Wortes Gottes
unverbrüchlich festgehalten haben. Und wir müssen heute mit einem Schmerz
sagen, dass sogar die Reformatoren hier versucht haben, das Wort Gottes
umzudeuten, und zu fälschen. Sie haben die merkwürdigsten Erklärungen
versucht, und haben gesagt, mit ganz Israel ist natürlich nicht die Nation
der Juden gemeint. Warum eigentlich nicht? Wer diese Geschichte nur
ansieht, wie dieses Wort vom ganzen Israel in einer unerträglichen Weise
verfälscht und umgeändert wurde wider den buchstäblichen Wortsinn, der ist
heute getroffen. Und dann liest man mit Staunen, dass es Kommentatoren gab,
ich hab zu Hause den Kommentar von Frédéric Godet, einem Neutestamentler in
Neuchâtel aus dem letzten Jahrhundert, der schreibt, als wie wenn es in
diesen Tagen von einem prophetischen Menschen geschrieben wäre. Er
schreibt: Wir können nichts wider Gottes Wort. Hier steht da, dass Israel
als Nation von Gott gerettet wird, eine Verheißung, die kein Volk sonst auf
dieser Erde hat. Wir haben in der Mission keine Zusage, dass ein ganzes
Volk zum Herrn bekehren kann, nur für Israel gilt das. Und er schreibt, und
das übersteigt das Vermögen eines Bibelauslegers, der am Wortsinn nur
bleiben will, zu sagen, ob das alles geschehen wird, wenn sich das Volk
wieder dort im Heiligen Land gesammelt haben wird, wenn Jerusalem wieder
Israel gehören wird oder ob das vorher oder nachher geschieht, wir können
nur festhalten, dass es geschieht. Und das ist wichtig: Die Stunde Israels
kommt. Und zur gleichen Zeit, sagt Paulus, geht die Zeit der Heidenvölker
der Nationen zu Ende. Unsere Gemeinde hat ein großes Herz für die Mission
in aller Welt. Und wir sind dankbar, was wir tun können, aber wenn wir das
anschauen, dann wollte ich heute noch viel mehr tun. Es könnte sein, dass
Gott morgen die Türen zuschließt. Aus der DDR können keine Missionare mehr
entsandt werden. Wenn die Zeit der Nationen zu Ende geht, die Zeit der
Heidenvölker erfüllt ist, die Zeit, die Gott in seiner Güte gelassen hat.
Jesus hat genau das gleich in Lukas 21 gesagt: Jerusalem wird zertreten
werden, bis die Zeit der Nationen oder Heidenvölker erfüllt ist. Wir können
mit aller Vorsicht immer wieder fragen: Ist das heute wirklich der Fall?
Wir brauchen ja gar nicht zu fragen, aber wir können es verstehen, wenn die
Zeit der Heiden zu Ende geht. Und darum möchte ich die Zeit heute nützen.
Es könnte diese Zeit sein, die der Herr meint. Und darum hat der Ruf zur
Mission eine besondere Dringlichkeit. Ich möchte alle jungen Menschen, die
es beruflich und von ihrer Gesundheit her machen können, fragen, wie soll
der Herr Sie sonst noch rufen in den Missionsdienst? Wenn er uns noch
einmal eine Epoche lassen würde in diesen letzten Tagen. Wir wollen es ihm
überlassen, wie er seine Güte und sein Erbarmen den Heidenvölkern
offensteht, wir wollen ihn bitten: Herr, lass uns noch Raum zur
Evangelisation auch unseres eigenen Volkes. Aber das steht doch da. Die
Blindheit über Israel dauert so lange, bis die volle Zahl der Heiden zum
Heil gelangt ist, nicht die ganze Zahl. Es war den großen Missiontheologen
immer klar, dass mit dieser Vollzahl gemeint ist, Gott ruft einzelne aus
diesen Völkern heraus. Das hat Zinzendorf als erster großer
Missionstheologe der Neuzeit wieder herausgestellt. Ihm war es nur wichtig,
diese Erstlinge, so die ersten Pfänder der Völker zu rufen, und damit
deutlich zu machen, dass alles für die Aufrichtung des Reiches Gottes und
die Wiederkunft Jesu alles in die Wege geleitet ist. Ich habe Ihnen früher
einmal das zur Kenntnis gegeben, was heute Juden uns Christen sagen, und
ich zitiere noch einmal von dieser Konferenz, die 1975 auf dem Ölberg
stattgefunden hat, aus dem Referat von David Flusser, einem Theologen
Israels, wie er sagt: Um Israel braucht ihr euch nicht sorgen, Israel hat
wie kein anderes Volk auf dieser Welt die Verheißung, dass Gott sich seiner
erbarmen wird am Ende der Zeit, aber das steht in der Schrift, und das sagt
David Flusser als gläubiger Jude. Das steht im Neuen Testament im Mund
Jesu, dass die Zeit der Heidenvölker zu Ende geht. Und ich will nun David
Flusser selber zu Wort kommen lassen: Wenn ich von Israel aus in die
westlichen Länder reise, und vor christlichen Theologen und ihren Studenten
spreche, muss ich ihnen immer wieder sagen, Jesus ist ganz anders, als ihr
ihn verkündigt. Was für ein Erschrecken wird über die meisten von euch
kommen, wenn die Wiederkunft Christi stattfindet, an die ihr weder glaubt,
noch die ihr verkündigt. Mit eurer Bibelkritik betreibt ihr eine
Entgeschichtlichung, und zwar mit Mitteln, die mit der Wissenschaft sehr
oft nur die äußere Form gemeinsam haben. Da ihr an die Fakten nicht glaubt,
und ihr euch als Intellektuelle noch brüstet, müsst ihr eine Art von
Vorhang vor das Geschehen mit und um Jesus ziehen. Ihr entfernt die Leute
vom Glauben, nachdem sie dürsten. Ihr aber habt den Glauben verloren und
treibt offensichtlichen Betrug. Ihr wisst selber nicht, dass das ein
Verbrechen ist. Es ist unbedingt nötig, dass die Christen langsam unter der
Leitung von vernünftigeren Hirten das Neue und das Alte Testament lesen. Es
ist heute nötig, sich mit den biblischen Aussagen über die Endzeit zu
befassen. Die Juden tun es, die Christen sollten es umso mehr tun, wenn sie
ihrer Erwählung nicht verlustig gehen wollen. Ich nehme an, dass die
Endzeit sehr nahe ist. Warum? Nicht wegen der Umweltverschmutzung. Nicht
wegen der großen äußeren Gefahren, die sich jetzt auftun, sondern wegen des
großen Abfalls in den christlichen Kirchen. Ich sehe, dass ein Abfall
kommt, in dem nicht nur viele abfallen, sondern wo sich zeigen wird, dass
das sogenannte Christentum das Antichristentum ist. Es wird die Lehren
Christi so verdrehen, dass sie zu einem Gegensatz werden. Darum besteht
heute wirkliche Gefahr für die christlichen Kirchen." Um Israel sorge ich
mich nicht, die Verheißungen von Israel stehen fest, ich sorge mich um uns
heute, um die Nationen, um unser deutsches Volk, um unser Stuttgart, um
unsere Familien, um unsere Kirche, um unsere Gemeinden, ob wir verstehen,
dass Gottes Gnadenruf eine Zeit hat, eine Dringlichkeit, die man nicht
verschlafen darf.
Die alten Verheißungen gelten weiter
Zweitens: Die alten Verheißungen gelten weiter.
Es wurde so oft gesagt, unter Christen, ja, ist das nicht vorbei, ist nicht
die Zeit Israels einfach überholt. Natürlich waren ihnen die Verheißungen
zugesagt, aber sie sind nun doch auf die Gemeinde übergegangen. Keine
Frage, dass sie auf uns übergegangen sind. Die wichtige, die wichtige Frage
ist bloß, hat es mit Israel aufgehört? Ja, sagen viele, mit Israel ist es
endgültig vorbei. Sie sind ihres Heils verlustig gegangen, denn sie haben
ja den Ruf nicht angenommen und darum ist alles von ihnen gerissen worden.
Da muss ich Sie fragen: Das hätte fatale Konsequenzen für meinen Glauben.
Hören Sie noch einmal, was Gott versprochen hat: Es sollen wohl Berge
weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen.
Und der Bund meines Friedens kann nicht hinfallen. Kann er doch hinfallen?
Sie sagen ja, wenn Israel untreu war, dann ist das doch alles überholt. Ja,
kann dann der Bund Gottes hinfallen? Dann würde ja mein Glaube auch
hinfallen, sobald ich untreu bin. Dann wäre ja auch meine Erwählung in
Christus jederzeit bei jeder Übertretung widerruflich, dann würde ja mein
Glaube an meiner Treue hängen und dann wäre mein – meine Treue, die ist ja
nicht gewiss – dann kann ja ich gar keine Gewissheit haben. Da stehen doch
noch andere Worte in den großen Prophetien, und Zusagen Gottes. Kann auch
eine Frau ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den
Sohn ihres Leibes und wenn sie denn desselben vergäße, so will ich doch
dein nicht vergessen, siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Gilt
das nicht weiter? Das hat doch Gott einmal auf Israel gesprochen, wir haben
sicher teil an diesen Verheißungen, aber gilt das denn nicht weiter?
Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen
gerufen, du bist mein. Und so du durchs Wasser gehst, will ich bei dir
sein, dass dich die Ströme nicht sollen ersäufen. So du ins Feuer gehst,
die Flamme dich nicht versengen. Denn ich bin bei dir. Das sagt Paulus ganz
klar, Gottes Gabe und Berufung sind unwiderruflich. Es kann ihn nicht
gereuen. Gott bleibt dabei. Das hat Paulus vor zweitausend Jahren
geschrieben und es ist nur verwunderlich, mit welchem Freimut, mit welcher
Kühnheit dieses klare Wort Gottes umgedeutet haben. Über Israel steht dies,
dass Gott am Ende sich über Israel erbarmen wird. Und dann sagen wir: Das
hat aber doch Israel gar nicht verdient! Ja, wer hat es denn verdient? Dann
wird Gottes Erbarmen zu groß. Ich hab Ihnen vorher dieses Wort noch sagen
müssen aus dem 103. Psalm: Wohl dem Volk, des Gott der Herr ist, und dann
habe ich hinzugefügt: Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und
vergilt uns nicht nach unserer Missetat! Das haben wir doch auch nicht
verdient. Aber unser Glaube hängt doch nicht an unserer Tüchtigkeit oder an
unserer Treue oder an unserer Frömmigkeit, sondern am Erbarmen Gottes. Und
darum gilt dieses Wort, das Gott einmal gesprochen hat. Es kann ihn nie
gereuen. Er hat sich an dieses Volk gebunden. An den Nachkommen Abrahams,
Isaaks, und Jakobs, wir werden das einmal sehen können, wie Gott sich an
Israel verherrlichen wird. Genau dort an den Seiten, wenn es zum Gericht
Gottes über den Nationen kommen wird, wenn es durch die große Not
hindurchgeht. Ich denke an die Zeit des Antichristen und an das Martyrium
der kleinen Schar der Jesus-Bekenner. Dass Gott sich zu seinem Volk Israel
bekennen wird. In jener letzten betrübten Zeit. Und dass dann die Jesus-
Jünger und die Israeliten ohne Falsch sich treffen werden im großen
Erbarmen Gottes.
Mir ist das ein Trost für meinen Glauben. Sonst wäre mein
Glaube ein Lotteriespiel, ein Wagnis. Komm ich hin zur Gnade Gottes oder
komme ich nicht hin. Ich würde immer wieder sorgend schauen, ja, kann meine
Frömmigkeit das aushalten, oder nicht, und dann, nein, es liegt nicht an
deinem Laufen oder Wollen. Es liegt an Gottes Erbarmen und sehen Sie, wenn
Sie von Gott angenommen sein wollen, Sie können das heute haben. Auch
mitten in einem verfehlten Leben, wenn Sie die Gottesgnade annehmen, wenn
Sie Ja dazu sagen, und wenn Sie das an sich geschehen lassen. So wie Israel
nur dieses Erbarmen Gottes nehmen kann. Das war der Weg, wie die
Heidenvölker einst in der Missionspredigt des Paulus zum Glauben kamen. Er
verkündigte ihnen den Gekreuzigten, und wies sie darauf hin, was Christus
für uns getan hat. Dass er uns annimmt als seine Kinder, und dass wir ihm
gehören. Als verlorene und verderbte Leute und das gilt. Ich bin gewiss,
dass nichts mich scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus
ist, denn Gottes Gabe und Berufung kann ihn nie gereuen. Sie dürfen sich
daran festhalten an diesen Worten Gottes. Auch wenn Sie Gott oft mit Füßen
getreten haben, auch wenn Sie sein Wort nicht gehalten haben, seine Gnade
gilt mir. Seine Erwählung gilt mir, und was Gott einmal angefangen hat, das
wird er vollführen bis zu seinem herrlichen Tag, der in euch angefangen hat
das gute Werk, der bringt's zu Ende. So wie er es mit Israel zu Ende
bringt. Aber dass er es mal anfängt in uns, in unserem Leben, das wir Ja
dazu sagen, das ist unsere Verantwortung heute. Ja, will ich dazu sagen,
und ihn wirken lassen. Und dann.
Uns bleibt nur Staunen über das Erbarmen Gottes
Das letzte erst: Uns bleibt nur Staunen über das Erbarmen Gottes.
Die Geschichte der Christenheit ist nicht frei von viel Unrecht gerade am
Volk Israel. Es wäre töricht, wir würden heute daraus den Schluss ziehen,
dass Israel nicht die Verkündigung des Evangeliums bräuchte. Das ist völlig
falsch, denn die Verkündigung Jesu, das ist ja keine Strafe, das ist doch
das Geschenk, sie müssen doch das Höchste wissen, und Jesus war doch ein
Jude, das müssen sie doch erkennen und sie werden ihn erkennen. Sicher
können wir als Deutsche keinem einzigen Juden mehr ein Zeugnis geben. Ob
Sie es verstehen oder ob Sie es nicht verstehen, das ist so. Aber unsere
Verbundenheit gilt auch heute Morgen den wenigen Judenchristen in Israel,
die in ihrem Volk ein stilles Zeugnis sein wollen, und die täglich dafür
beten, dass die Blindheit von ihrem Volk genommen werde, dass sie Jesus
erkennen. Und das ist unsere Hoffnung, die jeden Christen, wahren Christen
eigen ist, dass Israel zur Erkenntnis der Liebe Gottes kommen muss. Sie
müssen doch erkennen, den sie durchbohrt haben, und sie müssen das Opfer
erkennen, dass Gott schon lange geschaffen hat, damit ihrer Sünde nicht
mehr gedacht werde. Man fragt sich, wie war das nur möglich, dass Christen
immer wieder so dem Wahn verfallen konnten, dass sie hochmütig selbst an
den Leiden Israels mitschuldig wurden. Es kam immer so, dass Christen sich
etwas darauf eingebildet haben, und gedacht haben, jetzt ist eben der neue
Weg Gottes mit den Heiden, und jetzt ist eine neue Geschichte da. Und das
alte ist abgetan. Man muss es einmal aus dem Mund der Juden hören, wie es
auf sie schon oft wirkt, das Wort Altes Testament". Wenn sie sagen: Ist
das nicht ein Bund, der gilt? Was heißt euer alt"? Ihr tut immer, wie wenn
das schon abgetan wäre! Es war immer ein Stück Hochmut dabei, wenn Christen
sich vor Gott besser fühlten als andere und darum gehen wir heute in dieses
Gericht über die Christen. Dass es uns vergeht, stolz zu sein über unsern
christlichen Weg. Und dann denken wir an Israel, und wissen, so wie Gott
immer wieder aus seinem Erbarmen heraus Erkenntnis seines Heils schenkt, so
wird er es auch bei Israel tun. Er kann die Augen plötzlich öffnen, das war
ja sein Wunder, was er geschaffen hat, ich wollte, dass er es in unseren
Tagen tut bei Israel und bei uns noch einmal, das viele ihn erkennen, es
liegt nicht an unsrer Größe oder an unsrer Frömmigkeit, es ist allein sein
Erbarmen.
Paulus sagt das am Ende dieses Abschnitts so wie einst das war,
als ihr in Rom zum Glauben gekommen seid. Es war Gottes unverständliches
Erbarmen. So wird es auch bei Israel sein. Wer hat denn das verdient? Das
hat niemand verdient, allein Gott in seiner Güte hat das getan. Und das
könnt ihr an Israel studieren, das bedeutet doch nicht, das wir die
politischen der jetzigen oder früheren Regierungen in Israel für gut und
richtig halten! Das bedeutet doch gar nicht, dass wir das jüdische Volk in
allem für richtig erklären! Das bedeutet nicht, dass wir auch Unrecht nicht
mehr beim Namen nennen dürften! Es geht hier um etwas völlig anderes, dass
Gott sich seines Volkes erbarmt, unverdient. Und das wird über Israel
kommen. So wie es über unser Leben gekommen ist. Und wer dieses Wunder
Gottes versteht, der kann nur staunen und sagen: Wie groß ist dein
Erbarmen. Dass du uns einmal herausgerissen hast aus unserem Unglauben. Und
wir freuen uns, Herr, dass über Israel dies noch einmal deutlich werden
wird. Und wir wünschen es nur, dass es auch über den Nachbarnvölkern noch
einmal laut wird, über der Welt des Islam. Und über allem Götzentum aus
dieser verhärteten Religion der Anbetung Gottes sichtbar wird. Noch einmal
Gottes Liebe und sein Erbarmen erkennen, das möge Gott heute tun, an uns
allen. Amen.
