Generierte Mitschrift
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Ein Wort, das neu gehört werden will
Matthäus 11,25-30 haben wir als unseren Predigttext. Matthäus 11,25-30.
Sie kennen dieses Wort. Sie haben es oft gehört. Ich wünschte mir, Sie könnten es auswendig. Und doch wurde es mir wieder ganz neu groß, von ganz anderen Seiten. Plötzlich war es neu zu hören.
Zu dieser Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das den Weisen und Klugen verborgen und den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so ist es dein gnädiger Wille gewesen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater. Und niemand erkennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Herr, jetzt mach uns dieses Wort groß! Amen!
Am liebsten wollte ich jetzt mit Ihnen ein wenig hin und her reden, damit Sie mir Ihre Erfahrungen erzählen. Ich denke, manche von Ihnen könnten eine Menge erzählen von Gesprächen, die Sie in der letzten Woche geführt haben. Vielleicht sind sogar einige unter uns, die in irgendeinem Fürsorge- und Sozialdienst arbeiten oder die in einer Personalabteilung eines großen Betriebs Dienst tun. Die würden mir dann schnell Recht geben und könnten das mit vielen Beispielen unterlegen, wie typisch die Krisen heute für unsere Zeit sind.
Da sieht man so erfolgreiche Geschäftsleute, wunderbar, wie sie jedes Jahr Umsatzsteigerungen verzeichnen können, Erfolgsquoten ohnegleichen. Aber sie sprechen nur ein paar Sätze, und wenn das Vertrauen so aufkommt, dann erzählen sie und sagen: Seit Jahren ist meine Ehe zerbrochen. Und da merkt man plötzlich: Das ist nur eine äußere Fassade. Das ist typisch für unsere Zeit: erfolgreiche, glückliche Menschen, reiche Leute, schöne Autos, gute Bungalows, und dahinter grenzenlose Krisen und Not. Man wird damit nicht mehr fertig.
Die Probleme mit den Kindern sind ja schon in vielen Häusern unlösbar geworden. Und sind wir doch ehrlich: Auch in den Christenhäusern ist das ja nicht einfach. Lebenskrisen. Das geht dann weiter, wenn sich da plötzlich Arbeitsplatzprobleme auftun, die Schwierigkeiten mit den Kollegen an der Arbeitsstelle, mit denen man einfach nicht auskommen kann. Man hat einen schwierigen Chef. Sagen Sie, wer hat eigentlich keinen schwierigen Chef? Das ist ja das Furchtbare, dass wir alle an dieser Lebenskrise leiden.
Wir werden mit der Arbeit nicht mehr fertig, die uns über den Kopf wächst. Wir werden aber auch mit dem Ruhestand nicht mehr fertig, und mit dem Alter wird man sowieso nicht mehr fertig. Wir könnten jetzt stundenlang davon erzählen, wie Menschen an der Lebenskrise leiden. Und das sind dann ganz furchtbare Auswirkungen. Man will ja kaum darüber reden, wie heute die Süchte ein Maß erreicht haben, ein großes Maß, und weit hineinreichen in bürgerliche Familien, in christliche Familien. Das sind ja alles nur Auswirkungen der ungelösten Probleme, die da schon lange auf Menschen lasten.
Aber dann merken wir, wenn wir ein wenig anfangen wollen zu helfen, wie eine zweite Krise noch als typische Krise unserer Zeit dazukommt: das ist die Glaubenskrise. Da können uns viele Leute erzählen und sagen: Ich war ja auch mal im CVJM, ich habe ja früher auch ganz schön gebetet. Aber dann kam in meinem Leben die große Enttäuschung, dann habe ich etwas Furchtbares erlebt, und seitdem bin ich im Fragen und im Suchen.
Die meisten Menschen, mit denen wir zu tun haben, die stoßen sich an dieser Glaubenskrise. Ich beobachte immer, dass da nicht einer ist, der das gleichgültig wegwirft, der das mit so einer inneren Befriedigung sagt: Na, mein Glaube ist eben futsch. Sondern die Leute zerbrechen schier daran, und sie sagen: Ich habe gesucht und gesucht. Da sind Leute, die sich auf Wallfahrten bis nach Puna in einen indischen Ashram begeben und suchen noch irgendetwas, um sich von einer Jenseitigkeit zu retten. Sie suchen in dem Nebel der Religionen nach einer Antwort, und sie finden nichts von Gott.
Das sind Leute, die sagen uns aufrichtig, und vielleicht haben sich ein paar heute auch in unsere Kirche eingefunden, suchenderweise, und sagen: Ich wollte ganz gern glauben, aber ich kann nicht. Ich habe die Bibel gelesen und gelesen, und sie bleibt mir verschlossen. Und ich bete und ich bete, und es bleibt stumm, und ich spüre: Da ist niemand, der mich hört.
Wissen Sie, diese Krisen sind so schrecklich, weil man an ihnen zerbricht. Wir wollen sie meistern, und jetzt sage ich ein ganz klares Wort: Kein Mensch kann seine Lebenskrise meistern. Und selbst wenn Sie über die größten Seelenkräfte verfügen, wir wollen das hier offen sagen in unserer Kirche: Keiner kann seine Glaubenskrise meistern, keiner kann seine Lebenskrise meistern.
Sie können sich mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit gegen ihre Süchte stemmen, gegen die Spannungen in ihrer Ehe. Sie können kämpfen wie ein Wilder, sie werden in den Strudel immer nur tiefer hineingerissen. Warum eigentlich? Hier steht ein ganz hartes Wort, und das konnte ich Ihnen nur über dieses Beispiel jetzt erklären: Gott sperrt sich gegen unseren Zugriff. Gott sperrt sich gegen unseren Zugriff. Wir können nicht zu Gott vorstoßen. Darum scheitern wir im Glauben, im Suchen, im Fragen nach Gott, in unserem Grübeln, in unserem Philosophieren. Gott entzieht sich unserem Zugriff.
Und auch unsere Lebenskrisen sind unausweichlich, weil wir als die stolzen Leute meinen, unser Leben meistern zu können. Wir können es gar nicht meistern. Nicht einer ist hier in dieser Kirche, der sein Leben in eigener Kraft meistern kann. Ich weiß nicht, wo Ihre Schwierigkeiten liegen. Sie werden sich selbst nicht fertig, mit den Menschen werden Sie nicht fertig und mit Ihrem Auftrag, den Sie haben.
Wenn ich das immer wieder höre, wie sich heute junge Menschen das Leben nehmen, dann denke ich immer: Kann ich nicht noch einfacher sagen, kein Mensch läuft über diese Welt, der in eigener Kraft sein Leben meistern kann und der mit sich selbst fertig wird?
Und Jesus sagt noch so ärgerlich: Ich preise dich, Vater, dass du das alles den Weisen und Klugen verborgen hast. Du hast das den Menschen verschlossen, sie können da gar nicht hin, sowohl das Leben ist ihnen verschlossen wie das Geheimnis Gottes. Die ganzen Gelehrten dieser Welt haben schon versucht, das Geheimnis Gottes zu entziffern, und sie kamen nicht weiter. Und Jesus sagt, dass man sich darüber ärgern kann: Ich preise dich, Vater, klasse ist das, prima, gut so. Der stolze Mensch soll Gott nicht in den Griff kriegen und das Leben nicht.
Und darum auch heute in unserer Zeit der unbegrenzten technischen Möglichkeiten und der großen menschlichen Intelligenz kriegen wir die Probleme nicht in den Griff. Ich preise dich, Vater, dass du alles das den Weisen und Klugen verborgen hast und es den Unmündigen offenbart, liebe Schwestern und Brüder. Jetzt sollten wir jedes Mal sagen: Das Evangelium ist für mich geschrieben.
Die in der Ehe in einer Krise sind, die mit ihren Süchten nicht mehr fertig werden, Unmündige, die das Leben nimmer meistern, die die Hand ausstrecken nach einer starken Hand, die sie führen kann. Unmündige verstehen es nur. Wenn wir eine Kennzeichnung der Gemeinde Jesu finden sollen, dann wollte ich sagen: Das sind lauter Leute, die gescheitert sind. Ob man überhaupt den Glauben erfassen kann, ohne zuerst durch diese großen Krisen gegangen zu sein, das frage ich mich.
Unmündig, ein Wort, das unserer Zeit so fremd ist. Über unserer Generation, über unseren Mitmenschen liegt noch einmal die Begeisterung: Wir kennen es doch von uns selber, wir werden das meistern, wir werden das schaffen. Der stolze Mensch, das ist doch nicht bloß die Ideologie des kommunistischen Ostens, das ist doch die Ideologie eines jeden Menschen hier auch in unserer westlichen Welt: Wir werden das schon hinkriegen.
Und wenn ich dann die Flut der großen Programme anschaue, der modernen Erlösungsprogramme: Entfalte dein inneres Potenzial. Ein neues Programm, das jetzt in den Thermen von Bad Homburg eingeführt wird, wo Menschen sich innerlich regenerieren können. Entfalte dein gutes Ich. Und den Menschen musst du nur sagen: die geistigen Kräfte, die durch dich strömen.
Wissen Sie, dass das der Irrtum aller Religionen ist, aller Religionen außer des Christentums? Dass sie dem Menschen einreden, als ob er das könnte, wenn er sich nur Mühe gibt und kasteit und fastet und wallfahrtet und sucht und die Gebote hält, dann kommt er an das Geheimnis Gottes immer näher ran. Und das ist von Anfang an ein Trugschluss, ein Fehler, ein Irrtum, wenn wir nicht ganz zurückgehen an den Punkt, wo ich mit meinem Leben immer fertig werde.
Die Bibel spricht ja immer vom Sündigen, da, wo ich das Gebot Gottes breche. Da, wo mein Leben nicht mit Gott im Einklang steht, dort bin ich doch so hilflos. Ich kann es doch gar nicht, und wenn ich wollte, nur einen Augenblick anders leben, als ich bin, ich kann es doch gar nicht.
Wenn wir unserer Zeit heute helfen wollen, den vielen Menschen, die verzweifelt sind, dann müssen wir da einsetzen und sagen: Gott hat es den Weisen und Klugen verborgen und den Könnern und den Idealisten. Und den Moralisten hat er es verborgen, und den Frömmlern hat er es verborgen. Und da sind Gescheiterte und Gestrandete, die es entdecken und finden, Unmündige, denen es offenbart wird, die Gott erkennen und Jesus erkennen und die Liebe Gottes, das Geheimnis Jesu, der Schuld vergibt und durchstreicht und heilt und neu macht.
Ach, wie wunderbar ist dies! Das gefällt uns ja immer an Matthias Claudius, dass er, der so blitzgescheite Mann, der Mann der Kultur und der Wissenschaften, das in ein paar einprägsamen Worten sagen konnte, in der Zeit der Aufklärung, wo alle Menschen einhergingen und ihr Können wieder so überschätzen, als ob dem menschlichen Verstand alles zugänglich wäre: Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.
Sagen Sie das allen Ihren Mitmenschen, sagen Sie denen: Ich bin doch auch gescheitert, meine Ehe ist nicht perfekt, mein Familienleben ist nicht perfekt. Da muss ich Ihnen zuerst noch Details erzählen. Die anderen Menschen leiden doch an uns. Wir sollten doch als Christen dauernd dies freimütig sagen, dass wir notvolle Persönlichkeiten sind, aber uns ist Gottes Liebe offenbart, der sich solche Leute aussucht und mit denen seine Geschichte macht.
Und ich verstehe das überhaupt nicht. Mir ist das jeden Morgen ein neues Wunder, dass Gott in meinem Leben seine Spuren einprägen will, dass er mich als Werkzeug brauchen will, wo ich doch so ein problematischer Mensch bin. Ich meistere Krisen nicht, aber in Krisen kann Gott mir das Geheimnis des Himmelreiches aufschließen.
Jetzt muss ich aber ein Wort zu den Weisen und Klugen sagen. Solch ein Bibelwort hat ja immer dazu geführt, dass die Intelligenten sagen, das Christentum sei wohl nichts für sie, sie seien zu intelligent, und da werde einfach das Denken in der Bibel abgewertet. Und jetzt erlauben Sie mir doch bitte, dass ich es ganz klar sage, so dass kein Missverständnis ist: Gott will, dass Sie doppelt so viel Klugheit haben, wie Sie in Wirklichkeit haben. Gott ist nicht gegen Weisheit und Klugheit. Nochmals: Es wäre schön, wir hätten alle doppelt so viel, als wir wirklich auf dem Kasten haben.
Also Gott ist doch nicht gegen die Gabe, die er selbst geschaffen hat. Aber was ist Menschenweisheit und Menschenklugheit, wenn sie doch ihre ganze Not in ihrer Unmündigkeit offenbart, hilflos vor den großen Problemen? Der Herr Professor mit vier Doktortiteln hat auch seine Nöte, Lebensnöte, Suchtnöte, Probleme mit dem Bösen in seinem Leben. Unmündige Leute sind wir allemal.
Und das ist die Schwierigkeit: Wie komme ich da raus aus diesen Nöten? Mit dem Verstand kann ich es nicht ergründen. Ich meine immer wieder, die Naturwissenschaftler, manchmal auch die Techniker, gar unter den Akademikern, die seien da noch viel klarer dabei, dass sie wissen: Unsere Technik und das, was wir da in unseren Ingenieurwissenschaften studieren, das ist ja nicht das Geheimnis, das unsere Welt zusammenhält. Und ich habe immer den Eindruck, da gibt es mehr Christen als unter den Geisteswissenschaftlern. Vielleicht ist das bei den Philosophen und Theologen sogar und den Psychologen so, dass man meint, man hätte Gott im Griff mit seinem Wissen.
Und da sagt man gar nicht mehr, dass Anfang und Ende unseres ganzen Denkens die Gottesfurcht sein muss, das, was mir Jesus Christus in meinem persönlichen Leben offenbart. Und das soll ganz klar sein, nicht, dass junge Leute meinen, sie sollten morgen keine Schularbeiten mehr machen. Wir wollen unseren Verstand trainieren und gebrauchen, aber ihn benützen in dieser großen Gotteserkenntnis.
Paulus sagt einmal in einer schönen Formulierung: Wir nehmen alles Denken gefangen unter den Gehorsam Christi. Das ist das Bindeglied, das unser ganzes Denken einschließt. Darum ist Jesus nicht gegen Weisheit und gegen Verstand und gegen Forscherdrang, auch nicht gegen Philosophie, wenn ich weiß, dass meine Lebensprobleme und meine Nöte sich nur unter dem Kreuz Jesu lösen lassen, wo Jesus mein sündiges Leben freimacht von allen gottlosen Bindungen und wo er mein Herr sein will.
Darum ruft Jesus: Kommt her zu mir. Für viele ist das verwirrend, wenn sie immer wieder die vielen Gruppen sehen, die Neuapostolischen und die Katholiken und die Pfingstler und christliche Wissenschaften, und wo soll ich denn hingehen, wo ist mein Platz? Da gibt es ja Evangelische und Methodisten und die Heilsarmee und die Baptisten. Sie brauchen eine Beziehung zu Jesus, sie brauchen eine feste Beziehung zu Jesus. Die Kirchenmitgliedschaft, wo auch immer, ist eine zweitrangige Frage, vor der unmittelbaren Glaubensbeziehung zu Jesus Christus, von dem sie sagen: Er ist mein Herr.
Und da sieht Jesus so tief hinein in unser Innerstes: ihr Mühseligen und Beladenen, was habt ihr euch schon abgestrampelt und was habt ihr schon zu meistern versucht, ihr habt euch schon gequält. Da gibt es Leute, die gehen vier Jahre lang ins Psychotraining und wundern sich, dass am Ende auch noch die Ehe futschig ist. Da gibt es Leute, die gehen in alle Bildungsveranstaltungen, die sie finden können, aber sie weichen dem Ruf Jesu aus, und sie sind verlorene Leute und gehen mit ihren Problemen unter.
Kommt her zu mir, ihr Mühseligen, ihr, die ihr euch schier zu Tode gearbeitet habt, ohne dass ihr das in den Griff bekommen habt, das Suchen Gottes und das Lösen der Lebensprobleme. Kommt her zu mir, da bin ich da, sagt Jesus. Und er verspricht dies jedem. Ich darf das Ihnen einfach bezeugen: Sie dürfen das erleben. Sie können zu Jesus rufen, und er hört es, und er nimmt Sie an: Ich will euch erquicken.
Was ist denn diese Erquickung? Dass wir abkehren können von dem Bösen, das ist klar. Dass wir plötzlich nicht mehr den Weg des Bösen gehen müssen. Aber noch viel mehr Erquickung schenkt er mir. Er spricht davon, dass er mich unter ein Joch spannt. Ich habe immer Angst vor einem Joch, ich will ein freier Mensch sein, vor niemandem gegängelt. Aber dann sagt Jesus: Mein Joch ist sanft, und er ist der andere Jochpartner. Wir werden eingeschirrt, und Jesus ist an der anderen Seite des Jochs, er und ich. Und dann gehen wir zurück in die Aufgaben, in denen wir stehen.
Denken Sie immer an dieses Bild: Jesus zieht mit an meinem Joch. Ich bin immer wieder schwer bedrückt, wenn ich daran denke, dass viele hier aus unserem Gottesdienst in ganz schwierigen, kaum lösbaren Zwängen stehen, und viele denken dann, ich könnte ihnen irgendeine Erleichterung mitgeben. Ich kann ihnen die größte Erleichterung nur mitgeben: Jesus ist der Jochgenosse in dieser großen Not, in der sie stehen. Er zieht den Karren mit ihnen, und sie dürfen das wissen.
Paulus sagt einmal zu Timotheus, der auch sicher sehr mutlos war im Dienst: Vergiss nicht Jesus, der von den Toten auferstanden ist. Wie kann man den vergessen? Ja, das kann man vergessen, wenn man ganz eingespannt ist im Tagesgeschäft und müde wird und nicht mehr weiter kann. Vergiss nicht Jesus, der auferstanden ist von den Toten. Da darf ich Sie immer daran erinnern, dass das das Thema des Gemeindetages ist, den wir jetzt haben. Darum ist das nicht vergeblich, was ich so lange durchleiden muss.
Vergiss nicht Jesus, der auferstanden ist. Der bricht hervor mit seiner Macht, und er wird Lösungen verschaffen, wenn er es für richtig hält. Vergiss nicht Jesus, der von den Toten auferstanden ist. Darum bin ich nicht kraftlos, darum werde ich nicht müde, weil er hilft, wo Menschenhilfe nichts mehr vermag, und ich brauche nicht mehr zu verzweifeln, weil Jesus, der in dieses Joch mit mir hineingespannt ist, größer ist als mein Herz.
Ich kann das nur fassen: Jesus sagt, es ist den Unmündigen geoffenbart. Es leben viele in dieser Welt, die sagen: Ich sehe alles klar, mir ist es ganz klar geoffenbart, ich kenne den Vater im Himmel. Mir hat es Jesus gezeigt, die Liebe Jesu, der sein Herz mir zuneigt und der mich begleitet und trägt und führt und bei mir ist.
Jesus sagt: Dann werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Kann man ein tolleres Programm für unsere Zeit verkünden? Ruhe für eure Seelen, für alle Psychosen und für alle psychischen Zwänge und Leiden, die wir haben. Glauben Sie doch nicht, dass einer unter uns wäre, der nicht an seiner Psyche krank ist. Sie müssen sich bloß mal auf die Couch legen, dann würde jeder an Ihnen noch was finden. Und was für tolle Dinge, lassen Sie mal lieber die Leute nicht ran.
Aber dass wir geheilt werden und Ruhe finden, das Wort Ruhe ist in der Bibel immer ganz wunderbar: herausgeführt aus den Ängsten, befreit von Komplexen, auch von Minderwertigkeitsgefühlen, auch von diesem dauernden Drang, was sagen die anderen Leute von mir und bin ich richtig, wo man sich kaum auf die Straße wagt. Das war das erschütterndste Erlebnis in meiner Vikarzeit schon vor über zwanzig Jahren, als ich gleich in meinem Pfarrbezirk dort drei solche Patienten hatte, die nicht mehr auf die Straße gehen konnten, weil sie sagten: Ich halte den Blick der Menschen nicht mehr aus. Was ist da alles in Jahren erlitten worden?
Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Manchmal will ich sagen: Herr Jesus, ist es möglich, dass du selbst sehr kranke Menschen heilst? Ich glaube, dass Jesus sehr kranke Menschen heilen will und dass das auch durch den Dienst des Evangeliums geschieht, dass Seelen gesunden sowie Leiber auch gesunden durch die Wunderhände Jesu, da, wo man sich ins Joch Jesu einspannen lässt, wo man sein Leben nicht mehr selber meistert, sondern die Hände ausstreckt und Jesus ergreift, meinen Herrn, mit all den Lebenskrisen und Glaubenskrisen als Unmündiger.
Wir haben heute den Sonntag Kantate, wir wollen Gott preisen, dass er dem selbstherrlichen Menschen den Weg versperrt. Wir müssen zuerst scheitern, liebe Schwestern und Brüder, auch in manchen frommen Aktionen. Wir müssen erst scheitern, bis wir Gnade begriffen haben, Gnade für Unwürdige.
Und dann wollen wir dies sagen: Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich. Amen.

