Das Sakrileg - Diskussion
08.01.2006
Serie•Teil 9 / 10Familienfreizeit 2006 - Nr. 4
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Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einwände gegen eine problematische Deutung
Für mich gilt: Ein Mann, der bei seiner Frau ist, hat nicht ganz diesen heiligen Status, dass er Gott begegnen kann. Das kann bei Christus nie sein.
Das Dritte wären die 144 in der Offenbarung, die als jungfräulich bezeichnet werden und die sich mit Frauen nicht befleckt haben. Dann wären diese 144 ja heiliger als unser Heiland. Das kann nicht sein. Ich gebe es nur zum Nachdenken.
Gut, lassen wir das so stehen. Da kann ja jeder zu dir kommen, der darüber diskutieren will und später damit sprechen will. Meine Position habe ich dazu auch gesagt, das heißt, die brauche ich jetzt nicht noch einmal wiederholen.
Ja, gibt es andere Fragen oder Stellungnahmen oder Meinungen?
Der eigentliche Angriffspunkt hinter der Debatte
Also, das, was ich noch anmerken will, ist, dass es, wie du schon gesagt hast, nicht primär um die Hochzeit oder Nicht-Hochzeit Jesu geht, sondern um den Versuch, die Inspiriertheit des Wortes Gottes anzuzweifeln. Und das wird ja heutzutage sehr oft gemacht. Ich erfahre das eigentlich persönlich immer wieder.
Wer nicht an die Inspiriertheit des Wortes Gottes glaubt, der kann nicht glauben. Und das ist ja die Auseinandersetzung, die wir führen. Das wollte ich noch einmal deutlich hervorheben.
Gut, danke für den Beitrag. Ich halte das auch für sehr wichtig und hoffe, dass das mit herausgekommen ist. Eigentlich ist die Ehe Jesu mir so ein Detail als Auswirkung daraus, dass ich die Glaubwürdigkeit der Bibel grundsätzlich in Frage stelle. Und wir merken dann auch, wie absurd das wird, wenn ich das tue. Historisch und biblisch natürlich auch.
Deshalb stürzen sich auch viele Leute auf solche Verschwörungstheorien, weil die Bibel dann für mich keine seriöse Auseinandersetzung mehr ist. Ich muss mich mit ihr nicht mehr näher beschäftigen. Sie ist ein literarisches Produkt wie jedes andere auch, und ich kann sie abhaken. Deshalb trifft das häufig auf offene Ohren, habe ich den Eindruck, bei Menschen, manchmal auch unbewusst.
Und da müssen wir auch daran festhalten. Aber ich glaube auch, dass es für uns Christen manchmal solche Argumente braucht, die das unterstützen können. Denn wenn wir einfach nur sagen: Das ist so, wirken wir für viele Menschen dogmatisch und fanatisch. Aber wenn wir ihnen Gründe nennen können, die auch für sie einsichtig sind, ist es auch manchmal für Ungläubige leichter, das zu akzeptieren und irgendwie nachzufühlen, was das Besondere dieses Wortes ist.
Letztlich brauchen sie trotzdem noch den Glaubensschritt, oder den gibt es nicht. Denn Inspiration kann man nicht beweisen. Wir können sie nur plausibel machen, wir können Indizien dafür nennen, aber wir können es nicht im mathematischen Sinne beweisen. Aber ich glaube, da ist der entscheidende Faktor, wo wir heute kämpfen müssen.
Wenn man sich die einzige Stelle denkt, zum Beispiel: National Geographic hat in der Maiausgabe eine Ausgabe über das Judas-Evangelium herausgegeben. Da wurde dann genauso argumentiert: Ah, neue Wahrheit über Jesus, und mit Jesus und über Verräter war das ganz anders, und Jesus war sogar froh, dass Judas ihn verraten hat, und das war der beste Jünger und der engste, und all solche Geschichten. Und da wird dann wieder argumentiert, das würde die Bibel korrigieren, auch wieder ein Angriff auf die Inspiriertheit und den Kanon des Neuen Testaments.
Wer das lesen will: In der nächsten Nummer von Bibel und Gemeinde habe ich einen Artikel darüber geschrieben, dann Auseinandersetzungen.
Spekulationen über Bilder und ihre Grenzen
Ja, aber das kommt immer wieder, und damit wird es auch nicht zu Ende sein. Da müssen wir standhaft sein und gute Argumente haben, für uns und für andere.
Ich habe eine Frage: Im Sakrileg wird auch das Dreieck oft erwähnt, und zwar bei Petrus, also bei der Frau da, was es sein soll, und bei Jesus. Da ist ja ein Dreieck zwischendrin. Im Sakrileg wird ja gesagt, dass das die Schoss- oder die Gebärmutter sein soll oder auch die Form von Kelch oder so etwas. Und da sollen ja dann auch zwei Dreiecke irgendwie den Davidstern ergeben. Hat das irgendwie einen Hintergrund, oder ist das alles nur reine Funde? Erfunden kann man jetzt nicht sagen, es seien reine Spekulationen.
Wenn ich jetzt das Bild habe und es sich auf das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci bezieht, wo dann eben etwas hineininterpretiert wird, dann muss man sagen: Man kann da Linien ziehen. Und es gibt auch etwas, das relativ klar ist. Das merkt auch jeder, der es sofort anschaut: In der Mitte kristallisiert sich eine Gruppe besonders heraus, und da ist Jesus mit Johannes. Die beiden sind hier in der Mitte, weil sie zueinander geneigt sind und dadurch am Rand eine Lücke zu den anderen Jüngern hin entsteht. Das war sehr wahrscheinlich deshalb so, weil die wichtigste Person besonders herausgehoben werden sollte. Sie musste natürlich in der Mitte sein, damit man sie sofort erkennt. Das wurde noch zusätzlich durch diesen Abstand gemacht.
Und jetzt kann man da natürlich entweder ein M daraus machen oder ein V daraus machen. Man kann da natürlich auch ein Dreieck daraus machen, je nachdem, was man genau hineininterpretiert. Das ist doch reine Spekulation. Also zu sagen, Leonardo da Vinci wollte da einen Davidstern reinmachen, ist unwahr. Da gibt es keinen einzigen Hinweis darauf, dass man den da hineinmalen kann, wenn man das will. Das stimmt.
Aber ob das irgendeine Aussage mit dem Bild hat, das kann kein Mensch beantworten. Es gibt auch Versuche, in anderen Gemälden so etwas hineinzumalen, man kann das tun. Aber ob der Künstler das wollte, das weiß eben kein Mensch. Aber selbst wenn es so wäre, dann wäre noch die Frage: Was wollte er damit aussagen? Also nehmen wir mal an, er hat das getan. Ob er dann wirklich das aussagen wollte, was Dan Brown sagt, das ist noch wieder eine neue Spekulation.
Er hätte zum Beispiel, wenn da jetzt ein Jude also den Davidstern hineinmacht, möglicherweise einfach sagen wollen: Jesus, der Jude. Das wäre möglich. Ich müsste mal noch genau nachschauen. Im Original ist es so, dass da tatsächlich ein Wasserglas steht, weil man damals nämlich davon ausgegangen ist, das müsse ja nicht ein Kelch sein, sondern das könnte ja auch ein Wasserglas sein. Es steht da eines, es ist nicht sehr auffällig, weil Leonardo da Vinci davon ausging, dass Jesus ja keinen goldenen Kelch gehabt hat, wie damals in der Kirche.
Historische Distanz, Restaurierungen und Deutungsunsicherheit
Darüber hinaus müssen wir aber immer im Kopf haben, dass, egal, was auf dem Bild zu sehen ist, selbst wenn dort wirklich darüber stehen würde: Das ist Maria Magdalena, und hier fehlt der Kelch, das keinerlei Aussage über historische Wahrheiten hätte, weil 1400 Jahre dazwischen liegen. Das müssen wir immer im Kopf behalten, sodass eben diese Plausibilität, die er versucht heranzuziehen, nicht gegeben ist. Stattdessen müssen wir sagen: Das ist Spekulation. Es müsste dann irgendein Dokument sein, auf das man sich bezieht, und das fehlt eben.
Und darüber hinaus muss man auch noch, das erwähne ich in meinem Heft, daran denken, dass dieses Gemälde zwischenzeitlich rund zehnmal restauriert worden ist. Es war schon zu Lebzeiten von Leonardo da Vinci so verschwommen, dass Leute gesagt haben, man würde nichts mehr darauf erkennen. So müssen wir sagen: Das, was heute auf dem Bild ist, ist sowieso das Ergebnis von vielen Restaurierungen. Es gab dann Wasserschäden, alles Mögliche war da verlaufen, sodass das jetzige Bild sowieso sehr mit Vorsicht interpretiert werden sollte, wenn man da irgendetwas festlegen will über die wirkliche Aussage von Leonardo da Vinci. Also auch das muss man noch beachten.
Und wie gesagt, manche sagen auch, es sei nur ein V, und was jetzt nur das V bedeutet, das könnte einfach heißen: Hier ist die wichtige Person. Ob es ein Dreieck ist, weiß man nicht. Wenn es ein Dreieck ist, könnte es zum Beispiel ein Hinweis auf die Trinität sein. Er sagt natürlich, das sei ein weibliches Symbol, aber ob es ein weibliches Symbol ist, ist ja reine Interpretation von ihm. Denn in der Zeit der Renaissance waren dreieckige Symbole meistens kein Weiblichkeitssymbol. Das kam erst im Feminismus auf, in der Neuzeit. Dreiecke waren meistens ein Hinweis auf die Trinität, weil bei religiösen Bildern das natürlich viel naheliegender war. Und so wäre es eine Möglichkeit, dass hier darauf hingewiesen wäre: So, Jesus war Gott, zum Beispiel.
Also das heißt: Diese Interpretationen, die häufig sehr an den Haaren herbeigezogen sind, sind sehr problematisch, wenn man sie als historischen Beweis werten will. Aber wie gesagt, ich würde auch nicht lange darüber diskutieren, dass das jetzt genau das oder das ist, weil künstlerische Bilder immer eine gewisse Freiheit bieten. Aber dass Leonardo da Vinci eine Frau malen wollte, das ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Denn wir finden keine einzige Aussage von Leonardo oder einem Zeitgenossen, der das so sah. Und weil, wie gesagt, auch andere Jünger mit langen Haaren und ohne Bart darauf sind. Und weil eben der Johannes auch auf anderen Bildern von anderen Künstlern weiblich gemalt worden ist, weil das sein Typ war. Er war etwas, man nannte ihn als weich und weiblich gemalt. Und die höchste Wahrscheinlichkeit ist, dass Leonardo da Vinci genau dasselbe gemacht hat wie zahllose seiner Künstlergenossen auch.
Also das wäre die einfache Erklärung, die naheliegendere, und alle anderen müsste man sagen, sind im höchsten Grad spekulativ. Also, ich könnte das ja auch machen, so Spekulationen. Das Schwierige ist ja: Spekulationen lassen sich auch nicht widerlegen. Man kann sie aufstellen, aber weil es ja keinen guten Grund dafür gibt, kann man immer sagen, es hätte so sein können. Aber immer einer, der so eine neue Idee aufbringt, muss ja gute Beweise liefern, sonst gilt es nicht.
Ich könnte euch jetzt die Argumentation auflegen, dass ich sage, dass Napoleon ein Spion der Russen war. Ich kann euch sogar Gründe dafür nennen, denn deshalb ist er ja wieder aus Moskau abgezogen. Der wollte nicht, dass die Franzosen in Moskau siegen, deshalb sind sie abgezogen. Deshalb hat er auch die ganze französische Armee kaputtgehen lassen. Deshalb hat er sich auch freiwillig bei Waterloo besiegen lassen, durch die Russen zusammen mit den Preußen und den Engländern, weil er russischer Spion war. Sonst hätten die ja gesiegt mit ihrer Revolution. Klingt doch erstmal auch plausibel, oder?
Für euch wahrscheinlich erst mal überraschend, weil ihr in der Geschichte mal etwas anderes gehört habt. Aber ich kann euch sagen, das war eine große Verschwörung. Das waren nämlich die Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die haben alle Dokumente verschwinden lassen, weil die Deutschen ja da besiegt werden sollten. Und deshalb steht in den Geschichtsbüchern alles Falsche drin. Und die wollten das natürlich auch nicht preisgeben, weil ihr größter Held ja sonst ein Russe wäre. Das wollten sie auch nicht machen, also haben sie alles gefälscht dabei. Klingt doch auch plausibel, oder? Wäre das nicht die Idee für einen Bestsellerroman von mir einmal, oder? Ja, vielen Dank, vielen Dank! Ich merke schon, ich habe wenigstens ein paar Kunden hier. Ich stand schon dafür.
Also, ich will euch nur mal an dem Beispiel zeigen: Man kann solche Ideen plausibel erklären, und ich finde sogar Gründe dafür. Ich könnte noch mehr Gründe nennen, aber es ist natürlich vollkommener Quatsch, und es gibt kein einziges historisches Dokument dafür. Und das ist einfach dieses Faszinierende: Es hätte doch sein können, und man findet Gründe und man interpretiert sie. Aber wenn man mal genauer hinschaut, dann merkt man, eigentlich sind sie nicht richtig überzeugend. Und so würde ich auch sagen bei dem Bild.
Wiederkehrende Muster und kulturelle Hintergründe
Ok, noch andere Stellungnahmen, Fragen, Ergänzungen?
Eine kurze Anmerkung: Das ist doch eigentlich alles gar nichts Neues, was uns der Herr Brown da serviert. Ich erinnere an den englischen Dichter D. H. Lawrence, der in einer Novelle ja auch darüber spekuliert hat, ob Jesus die Kreuzigung nicht überlebt hat und auch Beziehungen zu Frauen gehabt haben könnte. Das ist also immer wieder schon einmal aufgegossen oder aufgesetzt worden, das Thema. Das ist sicherlich auch einmal eine interessante Untersuchung wert: Wo ist das alles schon einmal vorgekommen?
Also, wir können sagen, dass diese Idee mit der Hochzeit Jesu und auch gerade Maria Magdalena etwa vor 50 Jahren aufkam. Das sind die ersten Male, in denen das genannt worden ist. Wir haben das zum Beispiel auch bei Jesus Christ Superstar mit drin. Da kuschelt ja auch so etwas mit Maria Magdalena herum und so. Solche Sachen sind immer wieder aufgekommen seit dieser Zeit. Deshalb sage ich auch: Es ist gut, sich damit auseinanderzusetzen, auch einige Argumente zu kennen. Nicht, weil diese Frage die entscheidende ist, sondern weil das immer wieder benutzt wird, um Zweifel zu wecken.
Etwa vor 50 Jahren gab es das. Es gibt auch schon so vage Hinweise bei Paul Renon, der da so Wir ist das Leben Jesu geschrieben hat, um 1900, kurz vor 1900 herum. Da sind auch schon einmal so Ansätze. Die sind allerdings nicht weit verbreitet worden. Aber seit ungefähr 50 Jahren kommt das, insbesondere auch, weil seit dieser Zeit so eine Kulturrevolution ist, könnte man sagen, in Deutschland, auch in Europa. Das ist dann die Zeit dieser 68er-Generation, von der man spricht, wo man generell alle religiösen Sachen zurückstellt. Das ist auch die Zeit, in der die Leute nicht mehr so in die Kirche gegangen sind.
Wenn du siehst: In den 50er-Jahren sind die Leute noch in jedem kleinen Dorf alle zur Kirche gegangen. Jetzt kam so ein Gegenschlag, und da hat man auch versucht, einfach die Geschichte je lächerlich zu machen oder zumindest ins Menschliche hineinzuziehen. Und das kommt immer wieder. Manchmal meint die Leute, umso häufiger man es nennt, umso wahrer wird die Geschichte. Aber sie wird natürlich nicht wahrer, sondern die historisch zuverlässigsten Dokumente, die wir haben, sind die des Neuen Testaments. Das sind die ältesten, das sind die, die von Augenzeugen sind. Und selbst die Gegner des Christentums aus dem ersten Jahrhundert haben nicht bestritten, dass Jesus nicht verheiratet war, dass Jesus gestorben ist, dass Jesus auferstanden ist. Das wurde selbst von seinen Gegnern nicht bestritten.
Wir finden das ja selbst bei Josephus, dem jüdischen Geschichtsschreiber, erwähnt, der nicht Christ geworden ist und trotzdem darüber schreibt. Ja, das ist relativ klar. Und das finden wir bei Sueton und Tacitus und so weiter, also auch bei römischen Geschichtsschreibern. Also ist es historisch zuverlässig. Aber es ist richtig: Diese Idee ist nicht von Dan Brown erfunden. Diese Beitaten, dass da eben auch noch der Gral sei und dass die Templer davon wussten im Mittelalter und die Priori de Sion, die habe ich jetzt alle nicht erwähnt, stehen in meinem Buch aber mit drin, diese Sachen. Und dass Mitterrand dabei ist und es heute Nachkommen Jesu gibt, das ist dann original Dan Brown beziehungsweise Der heilige Gral und seine Erben, von dem hat er das abgeschrieben.
Aber diese Idee der Ehe Jesu, die schon so 50 Jahre da ist, ist sehr populär geworden.
Medien, Zeitgeist und religiöse Suche
Noch andere Anmerkungen, kritische Art, zustimmende Art, Nachfragen oder sonst etwas?
Was ich noch interessant finde, ist, dass hier, wie in manchen anderen Gebieten auch, eine Theorie zur Wahrheit erhoben wird. Das ist ein Gedankengebäude, das kann man auf die Evolutionstheorie ja auch anwenden. Man sagt ja interessanterweise Evolutionstheorie und Schöpfungsgeschichte, und trotzdem erhebt man die Evolutionsgeschichte zur Wahrheit.
Ich denke, das ist eine grundlegende Tendenz. Die gibt es öfter, das kommt öfter vor, besonders in unserer mediengeprägten Gesellschaft. Und jetzt nimmt das auch andere Dimensionen an als noch vor 50 Jahren, wo es noch kein Internet gab und keine Medien, die wirklich innerhalb von Minuten Millionen von Menschen erreicht haben.
Ja. Ja, danke, ich denke, das ist durchaus richtig analysiert. Durch diese vernetzte Welt gibt es auch überhaupt diesen Megaerfolg. Man hat auf allen Medien gleichmäßig geworben und natürlich Millionen in die Werbung investiert. Das ist ein Grund.
Der andere Grund, warum das erfolgreich geworden ist, liegt, glaube ich, auch daran, dass Menschen religiös auf der Suche sind. Wir sind durchaus in einer Zeit, in der religiöse Sachen nicht abgelehnt werden, sondern Menschen suchen nach religiöser Orientierung. Aber diese religiöse Orientierung passt viel mehr zum Zeitgeist. Das ist ein Jesus wie wir, so können wir auch leben, der gibt uns Orientierung, der ist vorbildethisch in manchen Hinsichten. Das ist irgendwie toll. Ich kann die Bibel so umbiegen, wie ich sie brauche, und das kommt den Leuten entgegen.
Wir sind nicht mehr in der Zeit der 50er, 60er, vielleicht 70er Jahre. „Gott ist tot“ gab es da als Theologie. Ihr findet heute kaum noch einen „Gott ist tot“-Theologen. Wenn ihr eine Umfrage macht, gehen die meisten Leute davon aus, dass es einen Gott gibt. Viele sagen: Jesus ist toll, aber sie bekehren sich deshalb nicht. Wir sind in einer anderen Zeit, da müssen wir uns auch darauf einstellen.
Und das heißt, es ist auch eine Zeit, die offen ist für solche religiösen Mythen. Es gibt ja wahnsinnig viel esoterisches Zeug, was die Leute lesen und glauben. Manchmal können dir da die Augen aus dem Kopf fallen, was die Leute alles glauben.
Also ich habe zum Beispiel mal mit Sozialpädagogen in einem Behindertenheim gearbeitet, wo die mit für Zeug gekommen sind, morgens immer beim Austauschen mit Sachen, also so, wo wir dann geplant haben. Da kam die eine mit einem Heiledelstein, den sie sich umhängt, weil es ihr dann besser geht. Die andere mit Farbplättchen, die sie gehabt hat, und die Rückenschmerzen gehen weg.
Fantasie, Unterhaltung und der Erfolg des Romans
Das ist ja eigentlich schon alles logisch, ist doch vollkommener Quatsch. Aber du hattest doch Glauben daran, so wie manche kleinen Kinder dann ihre Glücksbärchis gehabt haben vor ein paar Jahren oder Glückstrolle oder sonst etwas. Ich habe ja selbst Unterricht in einer Grundschule, und nicht erkannte Kinder haben mit sowas gesagt: Wenn es mir schlecht geht, der hilft mir. Also Kinder sind religiös ansprechbar. Deshalb ist doch bei Harry Potter auch so ein Zauberlehrling dabei.
Ihr, als ihr jung gewesen seid, habt da vielleicht Hanni und Nanni gelesen. Das war ja genau dasselbe, nur ohne Religion. Hanni und Nanni sind als Kinder in einem Landschulheim, erleben alle Abenteuer. Harry Potter genauso: Er ist in einer Art Landschulheim, nur hier eben in einer Zauberschule, und dann zaubert er da herum. Im Grunde genommen geht es um dieselbe Story, nur anders aufgebaut.
Und dann lesen wir Michael Ende, Momo, oder eben auch die Sache mit Herr der Ringe oder sowas. Das ist alles mit Fantasy, Fantasie, Zauberei und Magie. Und das erfolgreichste Rollenspiel im Internet ist ja dieses, wie heißt es jetzt mal falsch, nicht Witch of Warcraft, sondern World of Warcraft, ja genau, World of Warcraft. Das ist das bekannteste. Und wer das sich mal angeschaut hat, da wird mit allen möglichen Zauberschwertern und Zauberkugeln und magischen Sachen und sowas herumgemacht. Das ist heute im Lauf der Zeit drin, die Leute sind offen für sowas.
Oder geh mit zu den Eckernsteinen: Regelmäßig sind die Leute mit ihren Trommeln und tanzen da herum und machen ihre Sache wegen Sonnenwände oder wegen der Energie, die da herunterkommt, die kosmische Energie, die da herunterkommt, und so. Das wäre in den siebziger Jahren vor und vor unmöglich gewesen. Und da merken wir: Wir sind in einer anderen Zeit. Und auf diesem Zeitgeist trifft so ein Roman wie von Dan Brown. Deshalb wird er so aufgesogen, weil Leute nach religiöser Orientierung suchen, und deshalb glauben das ja auch viele, was da drin ist.
Und da sehen wir natürlich eine Gefahr, und wir müssen immer im Kopf haben: Es ist Fantasie, es ist Hypothese. Und trotzdem nehmen die Leute es auf, weil sie danach suchen. Und das soll natürlich eine Herausforderung für uns sein: Gehen wir hin zu den Menschen und geben ihnen Orientierung.
Also ist es nicht auch einfach ein Geschäft, dieser Roman? Und ich glaube, dass als dritter Erfolgsgarant für diesen Roman durchaus auch herangezogen werden kann, dass eben die katholische Kirche und andere Kreise reflexartig reagieren, und zwar in vielleicht auch überzogener Art und Weise. Ja, also ich würde dem durchaus zustimmen, klar, das ist mit ein Erfolgsrezept. Und wenn man dann einen Skandal macht, so wie Günter Grass jetzt seinen Skandal gehabt hat: Ich war Mitglied der Waffen-SS, habt ihr vielleicht mitgehört, im Radio oder so. Und dann verkauft sich seine Biografie gleich doppelt so gut. Natürlich, sowas macht man immer.
Und hier ist ein kleiner Skandal: Wir greifen mal die katholische Kirche an, und klar schlagen die da auch mal zurück. Und wieder hat man große Presse, und mehr Leute kaufen das. Solche Sachen hängen manchmal auch wirklich einfach mit Geldmachen zusammen. Und tatsächlich, Dan Brown will erst mal Geld machen.
Und sein Roman ist handwerklich auch nicht schlecht gemacht, direkt für den modernen Leser. Kein Kapitel über vier Seiten oder fünf Seiten, weil Menschen heute ja nicht viel lesen. Und dann schafft selbst einer, der sonst nicht liest, sechshundert Seiten, immer so kleine Bröckchen. Dann wird auch gespielt mit allen möglichen kleinen Details, so wie ein Hüpfer bei Google oder im Internet: da mal ein Detail, und hier mal eine Person, und da mal etwas und so.
Also ist es durchaus ein handwerklich gut gemachter Roman, und immer am Ende eines vier-, fünfseitigen Kapitels gibt es ein neues Rätsel, was dann im nächsten gelöst wird oder eben im übernächsten. Insofern muss man sagen: Handwerklich ist er nicht schlecht gemacht. Er ist keine hohe Literatur. Man könnte sagen, der ist so wie Agent 007 oder Indiana Jones oder sowas. Das ist ungefähr die Qualität, die er da hat. Das ist auch kein Roman von Weltrang, der wird in zehn Jahren vergessen sein, nur dass er bekannt war, das haben die Leute da noch. Aber das ist keine wirkliche Literatur.
Auch die Handlung finde ich manchmal erfadenscheinig, aber es ist halt ein spannender Roman mit Action, und da fliegen die Fetzen. Da werden ein paar Leute umgebracht, und da gibt es die Verschwörung gegen die Kirche und so ein bisschen Religion und Verschwörungstheorie und dann natürlich die große Werbemasche, Millionen ausgegeben für Werbung, und das ist der Erfolg, der rauskommt. Aber dieses religiöse Interesse ist ein Aspekt, und der andere sind halt auch diese Dinge durchaus.
Abschluss und Gebet
Noch etwas? Wenn nicht, dann würde ich sagen, brechen wir hier einfach mal ab. Die, die noch Interesse haben und die, die noch mehr wissen wollen, können entweder mein Buch nachlesen. Einen Moment noch, einen Moment noch: Ich wollte noch mit euch beten, wenn ihr da habt, ja. Oder sie können doch hier bleiben und ein paar Fragen stellen.
Aber ich wollte wenigstens noch, das gehört doch auch mit dazu, wenn wir uns hier schon über Jesus unterhalten und über die Bibel unterhalten, dass wir am Ende noch beten. Also, denke ich mal so. Also dann lasst uns mal beten, dann lasse ich euch gehen.
Herr Jesus, vielen Dank dafür, dass wir über dich aus der Bibel zuverlässige Informationen finden und dass wir wissen, dass du Gott gewesen bist, der hier auf die Erde gekommen ist. Das erfahren können wir in unserem Leben. Und dass wir wissen, dass diese Sachen, die wir in den Evangelien lesen, historisch wirklich zuverlässig sind, dass die so früh aufgeschrieben worden sind von Augenzeugen. Und wir danken dir dafür, dass wir nicht durcheinandergebracht werden müssen durch Schriften, die Jahrhunderte später abgefasst worden sind, die dann freie Fantasie wiedergeben.
Wir möchten dich bitten, dass du uns fest an dem Vertrauen an dein Wort Gottes hältst und an dem Vertrauen zu dir, auch wenn wir uns mit solchen Sachen auseinandersetzen müssen, wenn wir sie hören. Ich möchte dich aber auch bitten, dass wir Chancen bekommen und sie dann auch nutzen. Menschen, die dieses Buch gelesen haben und die so komischen Ideen Glauben schenken, dass wir denen Hilfe geben können, den wahren Jesus kennenzulernen, zu sehen, was wirklich dran ist, dass sie nicht irgendwelchen Lügengeschichten und nicht irgendwelchen Phantasien nachlaufen, sondern dass sie mehr unterscheiden können, wo Wahrheit ist, wo Zuverlässigkeit ist und wo reine Spekulation ist. Hilf uns dabei. Amen.
Okay, dann bis nachher.
