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SoBS 2026 1Kor 7,25-40 (2/2)

Predigt Jürgen Fischer
22.07.2026
SerieTeil 2 / 2SoBS 2026 1Kor 7,25-40
Heiraten oder nicht? Paulus rät zu Freiheit, aber nicht blind: Entscheidend ist, ob dein Gegenüber dich im Glauben stärkt – oder dich auf Dauer ausbremst.

Einführung in die Reihe und das Thema

Sommerbibelschule 2026
Es geht weiter im 1. Korintherbrief: Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch – dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und ich darf euch zwei Wochen lang die Predigten der Sommerbibelschule 2026 präsentieren.

Die seelsorgerliche Perspektive auf Ehe und Verantwortung

Merkt ihr, wie Ehe hier dargestellt wird? Einerseits ist Ehe nichts Unheiliges. Aber sie bringt zusätzliche, legitime Verantwortung für die Ehepartner mit sich. Denn in dem Moment, in dem die Jungfrau heiratet, tritt ein Mann in ihr Leben, und plötzlich möchte sie auch ihrem Mann gefallen.
 1. Korinther 7,35
Dies aber sage ich zu eurem Nutzen. Mit dem „Dies“ bezieht er sich zurück. Da geht es um die Kürze der Zeit, dass er darauf noch einmal eingeht, und natürlich auch um diesen Wunsch, dass sie ohne Sorge sind.
 1. Korinther 7,35
Dies aber sage ich zu eurem Nutzen, nicht um euch eine Schlinge überzuwerfen, sondern damit ihr ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim Herrn bleibt.
Das ist die Motivation von Paulus. Er sagt: Ich rede zu eurem Nutzen oder Vorteil. Ich will euch keine Schlinge überwerfen. Ja, auch wenn es vielleicht so klingt, als würde Paulus mit seinen Hinweisen auf die Nachteile der Ehe gleichzeitig für Ehelosigkeit plädieren, will er nicht so verstanden werden. Er will ihre Freiheit nicht einschränken, wo es kein Gebot des Herrn gibt. Da will er keines aufstellen. Er will aber gleichzeitig, dass sie alle Fakten vor Augen haben.
Er möchte, dass sie ganz nüchtern festhalten: Ein Ehepartner stellt eine Ablenkung dar. Ja, also nicht heiraten, das hat Paulus nicht gesagt. Ja, es ist ihm wichtig, dass wir ehrbar, beständig und ohne Ablenkung leben. Das ist ihm wirklich wichtig.
Aber wie man ehrbar, beständig und ohne Ablenkung lebt, das Wie will er nicht vorschreiben.

Die Freiheit zur Ehe und die Freiheit zur Ehelosigkeit

Und deswegen Vers 36: Wenn aber jemand denkt, er handle unschicklich mit seiner Jungfrau, wenn sie in der Vollkraft steht und es muss so geschehen, so tue er, was er will; er sündigt nicht, sie sollen heiraten.
Hier hat Paulus vermutlich den Mann im Blick, der einer Frau einen Antrag gemacht hat. Er möchte sie heiraten, und jetzt ist er plötzlich unsicher. Warum, wissen wir nicht. Vielleicht ist es ja doch falsch oder unschicklich, ungeziemend zu heiraten. Was sagt Paulus? Und es ist so großartig: Paulus hätte mit seiner Liebe zur Ehelosigkeit an dieser Stelle die Person so leicht manipulieren können. Der macht sich ja gerade Gedanken: Ist das in Ordnung zu heiraten? Und er tut es nicht.
Hier ist jemand in der Vollkraft, also im heiratsfähigen Alter, und ihm scheint das Heiraten das Richtige zu sein. Das wäre die freie Übersetzung für „und es muss so geschehen“. Und wie lautet dann der Rat von Paulus? So tue er, was er will; er sündigt nicht, sie sollen heiraten.
Also: Die beiden sollen die Kosten überschlagen. Sie sollen ein echtes Ja zu einer Ehe finden, die sich durch ihr gemeinsames Investment ins Reich Gottes auch schon mal als nicht verheiratet sein anfühlt. Sie sollen aber auch ein Ja zu den Verpflichtungen finden, die damit einhergehen, dass sie heiraten. Aber sie sündigen nicht. Das ist völlig okay, sie sollen heiraten.
Jetzt denkst du: Okay, jetzt habe ich es verstanden, also sie sollen heiraten. Na ja, Vers 37: Wer aber im Herzen feststeht und keine Not, sondern Macht hat über seinen eigenen Willen und dies in seinem Herzen beschlossen hat, seine Jungfrau zu bewahren, der handelt gut.
Also wieder die andere Seite: Wenn du die Dinge eher wie Paulus siehst und keine Not hast, ohne eine Frau zu leben, wenn du selbst über diesen Punkt entscheiden kannst und dir vornimmst, nicht zu heiraten, dann handelst du gut.

Ausgewogene Seelsorge statt Manipulation

Merkt ihr, wie das immer hin und her geht, wie Paulus ganz ausgewogen argumentiert? Natürlich hat er eine Meinung, aber er möchte nicht manipulieren. Er möchte nicht hintenrum sein Ding machen mit den Leuten.
Und ich möchte noch einmal sagen: Achtung, hört diese Meinung, dieses ganze Kapitel, hört das bitte als einen seelsorgerlichen Rat vor dem Hintergrund einer gegenwärtigen Not, okay? Das ist nicht der Rat, den man in jeder Situation auf diese Frage, ob wir heiraten sollen, geben sollte. Es ist eine konkrete Situation. Seelsorge ist immer situativ.
Ich will nur ein Beispiel bringen: Ich bin zwar geteilt, weil ich verheiratet bin, aber ich bin definitiv leistungsfähiger, weil es meine Frau gibt. Das gibt es auch. Das ist nur nicht das Thema hier.
 1. Korinther 7,38
Also, wer seine Jungfrau heiratet, handelt gut, und wer sie nicht heiratet, wird besser handeln.
Wichtig: Mit dem Besser geht es Paulus um praktische seelsorgerliche Erwägungen. Es geht nicht um Moral, es geht nicht um Sünde. Das hier ist eine Meinung. Er würde mit seinen ganzen Möglichkeiten und in seiner Situation halt nicht heiraten.

Der Rahmen von Bindung und Wiederheirat

So, jetzt noch ein Wort zu den Frauen: 1. Korinther 7,39
Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt. Wenn aber der Mann entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen sie will; nur im Herrn muss es geschehen.
Bitte geht mit diesem Vers sehr vorsichtig um. Ich sage das, weil man diesen Vers in Diskussionen zum Thema Scheidung und Wiederheirat immer wieder als Totschlagargument präsentiert bekommt. Nach dem Motto: Weil eine Frau an ihren Ehemann gebunden ist, solange er lebt, darf sie auch nach einer rechtmäßigen Scheidung nicht mehr heiraten, weil sie vor Gott noch verheiratet sei. Das ist das Argument. Und dieses Argument ist falsch, richtig falsch.
Ich möchte den Vers benutzen, um zwei Dinge zu zeigen.
Erstens: Der Kontext ist entscheidend, und zwar einfach immer. Es geht hier im Zusammenhang nicht um Scheidung, und deswegen darf ich an so einer Stelle auch nicht einfach Scheidung in den Text hineinlesen. Es geht um die Frage, ob eine Jungfrau heiraten soll. Und wenn sie das tut, dann muss sie sich eine Sache vor Augen halten: Eine Ehe ist auf ein ganzes Leben hin angelegt. Paulus will hier unverheirateten Frauen deutlich machen, dass sie, wenn sie die Ehe einmal eingegangen sind, daraus später nicht einfach ausbrechen können, nur weil sie plötzlich Lust und Bock haben. Und genau das scheint ja in Korinth so ein bisschen das Problem gewesen zu sein. Das ist die eine Seite.
Aber für alle, die jetzt sagen: Hast du noch ein besseres Argument? Ja, habe ich. Das ist jetzt nur etwas für Bibelfreaks. Wer es nicht versteht, kann einfach damit leben. Ich kann von der Bibel her zeigen, dass die geschiedene, entlassene Frau nicht mehr an den Mann gebunden ist. Ich habe ein Beispiel mitgebracht. Man kann es sehr gut im Alten Testament sehen: Wenn dort eine Frau verstoßen wurde, dann ist der Ex-Mann in diesem Moment nicht mehr ihr Haupt. Er ist nicht mehr der, der über ihr Leben bestimmt. Sie ist nicht mehr an ihn gebunden.
Ein einfaches Beispiel: Wenn eine verheiratete Frau im Alten Testament ein Gelübde auf sich nimmt, also Gott etwas verspricht, dann kann der Ehemann, wenn er das mitbekommt, ein Veto einlegen. Er ist das Haupt der Familie, und er kann sagen: Das passt nicht, das will ich nicht. Das heißt, das Gelübde der Frau ist, weil sie an den Mann gebunden ist, von seiner Zustimmung abhängig. Das lesen wir in 4. Mose 30,14: Jedes Gelübde und jeder Eid eines Enthaltungsgelübdes, sich selbst zu demütigen, ihr Mann kann es bestätigen und ihr Mann kann es aufheben.
Die Frau ist als verheiratete Frau an den Mann gebunden, und das zeigt sich dadurch, dass ein Gelübde von ihr bestätigt werden muss. Ganz anders bei der verstoßenen, also bei der geschiedenen Frau: Sie ist auch dann, wenn der Ex-Mann noch lebt, nicht mehr gebunden, weil die Ehe vor Gott ein Ende gefunden hat. Der Mann ist nicht mehr ihr Haupt. Das sieht man in 4. Mose 30,10: Aber das Gelübde einer Witwe und einer Verstoßenen, also wir merken, die Verstoßene wird auf die gleiche Stufe gestellt wie die Frau, bei der der Mann tot ist, aber das Gelübde einer Witwe und einer Verstoßenen, alles, womit sie ihre Seele gebunden hat, soll für sie gelten.
Das nur so als kleiner Einschub, weil das manchmal kommt. Aber wie gesagt: Darum geht es Paulus hier nicht. Er will hier betonen, dass eine Ehe auf ein ganzes Leben hin angelegt ist. Und wenn dann in der Gemeinde Stimmen laut werden, solche Stimmen, wie wir sie schon gehört haben, dass man mit seinem Mann nicht mehr intim sein soll, dass echte Christen am besten unverheiratet sein sollten, dass man sich am besten trennen sollte, dann muss eine Frau, die das hört, sich vergegenwärtigen und darf das auch nicht vergessen: Stopp, wenn ich jetzt diese Entscheidung treffe, dann bin ich in dieser Beziehung gebunden, solange mein Mann lebt. Neu entscheiden kann ich erst, wenn mein Mann gestorben ist. Als Witwe werden die Karten neu gemischt.
 1. Korinther 7,39 noch einmal: Wenn aber der Mann entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen sie will; nur im Herrn muss es geschehen.

Die Freiheit der Wahl und die Grenzen des Herrn

Und ich finde den Satz super, ein wichtiger Punkt. Nehmt das bitte mit.
Der größte Teil der Predigt heute war für die jüngeren Leute, glaube ich, völlig irrelevant. Aber das ist jetzt ausnahmsweise mal wichtig.
Gott sucht dir keinen Partner aus. Cool, oder? Gott sucht dir keinen Partner aus. Also, wenn du hier sitzt und denkst: Ich warte darauf, dass Gott mir irgendwie zeigt, wen ich heiraten soll, dann tut er das nicht. Du kannst heiraten, wen du willst.
Und dieser Vers zahlt mega auf die Frage ein: Hat Gott einen Plan für mein Leben? Antwort: Nein. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass mein Leben wie so ein Spielplan ist, mit Feldern, und ich jetzt erraten muss, welchen Schritt ich tun soll, um irgendwie im Plan Gottes zu bleiben. Das gibt es nicht.
Woher weiß ich das? Na ja, die Ehe gehört zu den Top drei der großen geistlichen Fragen, die du in deinem Leben richtig beantworten musst. Also, die Top drei sind: die Person, die du heiratest, den Job, den du machst, und dein Lebensstandard. Ich würde sagen, das sind die Top drei. In allen dreien solltest du keinen Fehler machen.
Wenn Gott schon bei einer so wichtigen Entscheidung wie meinem Ehepartner sagt: Du kannst heiraten, wen du willst, dann gibt er mir auch in den anderen Dingen meines Lebens echte Freiheit. Diese echte Freiheit, die ich habe, wird nur dadurch eingeschränkt, dass Gott sagt: Heirate, wen du willst, aber im Herrn.

Geistliche Kriterien für eine gute Entscheidung

Das heißt: Wenn du dein Leben mit Blick auf die Ewigkeit leben willst, wenn du auch als Ehefrau Gott gefallen willst, dann heirate bitte einen Mann, der in puncto Glauben, Hingabe, Lebensstil, Werte und Prioritäten genauso tickt, wie du es auch tust.
So, jetzt wird es spannend: Warum schreibt Paulus nicht einfach: Heirate keinen Ungläubigen? Warum schreibt er: Dieses Heiraten muss im Herrn geschehen?
Ich glaube, es liegt daran, dass man auch viele gläubige Leute gar nicht guten Gewissens im Herrn heiraten kann. Ihr lieben Schwestern, schaut genau hin: Wenn da einer ist, der für deine Christusbeziehung keinen Pluspunkt darstellt, den du den Rest deines Lebens irgendwie mitschleifen musst, damit er irgendwie bei Gott bleibt, dann ist das nicht im Herrn okay.
Wenn einer gerade so dem Namen nach und so irgendwie ein bisschen mit Gott unterwegs ist, dann gib ihm keinen Bonus. Okay? Heirate ihn nicht. Es muss im Herrn geschehen. Es muss so sein, dass da einer ist, wo du sagst: Mit dem kann ich alt werden, und mit dem kann ich Reich Gottes bauen.
Und bei alledem bleiben wir natürlich, um jetzt noch einmal das Hin und Her voll zu machen, bei Vers 40: Glückseliger ist sie aber, wenn sie so bleibt, nach meiner Meinung. Ich denke aber, dass auch ich Gottes Geist habe.
Also auch für die Witwe der abschließende Rat: Heirate nicht. Aber auch das ist wiederum nur seine Meinung, allerdings eine Meinung mit einer ordentlichen Portion Gewicht.

Schlussfolgerung für die Entscheidung zwischen Heirat und Ehelosigkeit

So, Fazit: heiraten oder nicht heiraten? Gute Frage. Beides ist gut. Entscheidend ist, ob dein Leben ganz dem Herrn gehört, okay?
Und dann, in dieser Situation, wenn du weißt: Ich bin voll für den Herrn unterwegs, dann überlege, wer bin ich, was kann ich, was hat Gott mir auch an Begabung gegeben, was ist der Partner plus, was macht er in meinem Leben, zahlt er ein auf meine Beziehung mit Gott, zahlt er ein auf meine Berufung?
Und wenn ich sagen würde: Okay, ich bin mir da nicht ganz sicher, dann sei wenigstens sicher, dass er für dich kein Minus darstellt, okay? Dass du nicht jemanden heiratest, wo du in zehn oder fünfzehn Jahren hinschaust und sagst: Schade, ich habe mal für Gott gebrannt, aber das geht jetzt nicht mehr.
Und ich weiß natürlich ein klein bisschen: Man kauft seinen Ehepartner immer so ein bisschen wie die Katze im Sack. Du weißt nicht genau, was du kriegst, und das ist mir schon klar. Aber sei bitte an der Stelle so klug, nüchtern und weise, wie du es irgendwie nur sein kannst.
Die Zeit ist begrenzt. Du hast einen Job zu erledigen, und am Ende wirst du in der Ewigkeit nicht mehr verheiratet sein. Das ist nur für diese Welt. Und deswegen: Mach so wenig Fehler wie möglich.
Das war's für heute. Die Sommerbibelschule findet nächstes Jahr vom 8. bis 14. August in Volkenroda statt.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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