Zum Inhalt

Jakobus 1,1-8: "Einführung in den Jakobusbrief"

Jakobus 1,1-1,802.09.2013
Serie•Teil 1 / 11Jakobus
Leid ist nicht nur Verlust: Es kann deinen Glauben echt machen. Wer in Krisen Gott um Weisheit bittet, statt innerlich zu kippen, findet Halt und wächst an der Herausforderung.

Ein neuer Anfang mit einer alten Verheißung

Es gibt manchmal solche Momente, da fragt man sich: Wie möchte ich die beschreiben? Und der Moment heute heißt für mich: „Back to the roots“.
Warum? Weil wir eine Reihe starten. Haha. Und wer irgendwie in die Annalen der Gemeinde reinschaut, der weiß: Es gab Zeiten, da sind zwei, drei Reihen parallel gelaufen. Und man wusste gar nicht: Ist es jetzt die Volker-Scharpe-Mose-Wüsten-Reihe oder ist es die Jürgen-Fischer-Matthäus-Reihe? Oder ja ...
Also: Wir starten eine Reihe.
Warum? Ich glaube, es hat etwas damit zu tun, dass in der intensiven Beschäftigung mit dem Wort, mit der Bibel, eine besondere Verheißung liegt. Ich lese euch die Stelle einfach vor und sage euch nicht, wo sie steht. Da heißt es nämlich genau:
Wer jetzt eine Bibel braucht, der müsste sich einfach melden, dann kriegt er eine. Da ist Simone noch, die braucht auch eine oder will eine. Traut euch ruhig.
Also, da gibt es eine Stelle im Neuen Testament, die hört sich so an, und vielleicht sagst du: Oh ja, das ist schön.
Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann.
Ich mag diese Stelle. Da ist eine Gemeinde, und Gott sagt: Hey, ich sehe dich, und ich möchte, dass du da an der Stelle, wo du bist, etwas erreichst.
So, jetzt geht es weiter:
Ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann, denn du hast eine kleine Kraft.
Das ist immer das, wo ich sage: Hallo, braucht man nicht eine große Kraft, um etwas zu erreichen? Nein, bei Gott reicht eine kleine Kraft. Also: Denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.
Eine kleine Kraft zu haben, das Wort zu bewahren und den Namen nicht zu verleugnen, das heißt, jedem zu sagen: Jesus ist der Weg. Es geht um Jesus. Das ist das, was man als Gemeinde braucht, um eine geöffnete Tür zu finden.
Man könnte auch anders formulieren. Man könnte auch sagen: Wenn man sich regelmäßig und auch fortlaufend mit der Bibel beschäftigt, dann ist da einfach Segen drauf. Das ist einfach gut.
Und deswegen, weil es so gut ist, das Wort zu bewahren, sich auf alles immer mal einzulassen, und weil wir als Leitung uns das wünschen, dass die Türen so richtig offen sind, deswegen erlauben wir uns einen Gottesdienst, der beides enthält, was man sich so wünscht.
Auf der einen Seite Gebet. Das ist nämlich so die zweite Säule geistlichen Erfolgs: Man muss viel beten. Und auf der anderen Seite ein Zugang zum Wort Gottes, wo man Vers für Vers biblische Texte anschaut.
Und deswegen heute Morgen bei euch hier live on stage der Start in eine neue Reihe. Und diese Reihe ist der Jakobusbrief.

Der Brief, der aus der Mitte der ersten Gemeinde kommt

Jakobusbrief, Neues Testament
Bei dieser Reihe sind wir nicht sklavisch. Wir müssen sie nicht immer genau so durchziehen. Wenn uns etwas dazwischenkommt, werden wir auch einmal ein anderes Thema einschieben. Es wird auch nicht so sein, dass nur einer predigt. Verschiedene Prediger werden sich dieses Briefes annehmen, und ihr werdet merken, wie unterschiedlich wir an dieser Stelle sind. Das wird ganz lustig werden. Ihr werdet dann vielleicht sagen: Oh ja, der hat das ein bisschen anders. Das ist völlig okay. Genießt einfach, dass wir mit euch den Jakobusbrief studieren.
Die Reihe wird nicht ewig dauern, aber wir werden definitiv dieses Jahr nicht damit fertig. Dafür ist der Jakobusbrief schlicht und ergreifend zu reichhaltig. Und wenn wir merken, dass Jakobus es irgendwann nicht mehr ist, dann erlauben wir uns natürlich auch jederzeit zu wechseln.
So, also schlagen wir mal auf Jakobusbrief, Neues Testament, in der Elberfelder, hinter dem Hebräerbrief. Den findet man ein bisschen leichter. Jakobus 1,1. Also, wer hat, bitte einfach aufschlagen.
Mir geht es heute um einen Einstieg in das Buch und um die ersten acht Verse. Darüber will ich einmal so drüberfliegen. Jakobus 1,1:
Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind, seinen Gruß.
Hm, ja, ich lese noch einmal: Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind, seinen Gruß.
Die erste Frage: Wer bitte ist Jakobus? Wenn man Jakobus hört, denkt man eigentlich an Jakobus und Johannes, die beiden Söhne des Zebedäus, die Jesus an einer Stelle einmal Donnersöhne nennt. Die sind aber nicht gemeint. Der Jakobus hier ist ein Halbbruder von Jesus.
Und für alle, die bis eben dachten: Hallo, war Maria nicht eine ewige Jungfrau? Nein, das war sie nicht. Sie war eher Mutter einer Großfamilie. Wir lesen in Markus eine Aufzählung. Da heißt es in Markus 6,3 über Jesus: Ist dieser nicht der Zimmermann? Also, Jesus hat den richtigen Beruf. Wobei Zimmermann ein bisschen schwierig ist heutzutage, das ist eher ein Hausbauer. Wir haben Zimmermann, das ist sehr klein. Damals haben Zimmerleute ganze Häuser gebaut.
Also: Ist dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und ein Bruder von ... und jetzt geht’s los ... Jakobus und Joses und Judas und Simon? Wusstet ihr, dass Jesus einen Halbbruder hatte mit Namen Judas? Ist lustig, oder? Und dann geht es weiter: Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns? Also werden vier Brüder aufgezählt, plus Schwestern, also mindestens zwei. Das heißt, Jesus hat mindestens schon mal sechs Geschwister noch dazu. Und der Erste hier in der Reihe, Jakobus, das ist genau der, der auch diesen Brief geschrieben hat.
Jakobus ist zusammen mit den anderen Brüdern lange Zeit Skeptiker gewesen. Also: Jesus predigt, und seine eigene Familie tut sich mit diesem Anspruch, ich bin der Messias, enorm schwer. Es gibt eine Situation, wo sie vor der Tür stehen und Jesus rausholen wollen, um mit ihm ein ernstes Wort zu reden, dass das ja so nicht geht, dass er sich überall als Messias präsentiert.
Aber Jakobus hat nach der Auferstehung Jesu eine persönliche Begegnung mit seinem Halbbruder, und er wird daraufhin recht schnell ein einflussreicher Gemeindeleiter in Jerusalem. Wenn man die Gemeinde in Jerusalem von außen betrachten würde, ist Jakobus wichtiger als Petrus zum Beispiel. Er ist der, der, wenn man Apostelgeschichte liest, für die gesamte Gemeinde sprechen kann. Er wird Jakobus der Gerechte genannt. Und der Historiker Josephus Flavius, eigentlich ein Jude, der dann für die Römer Geschichte schreibt, sagt uns, dass er im Jahr 62 nach Christus von den Juden umgebracht wurde.
Also: Jakobus war ein wirklich einflussreicher Gemeindeleiter in Jerusalem, in dieser ersten Gemeinde, die dort nach Pfingsten entstanden ist. Und wenn wir das so vor Augen haben, was das bedeutet, wie groß diese Gemeinde war: Wie viele Leute sind nach der ersten Predigt zum Glauben gekommen? Dreitausend, ja, und damit fing es nur an. Kannst du dir vorstellen, du stehst einer Gemeinde vor? Selbst wenn dann viele vertrieben worden sind, da sind noch Hunderte, wenn nicht Tausende übrig geblieben. Das ist ein Mann mit Gewicht.
Und der schreibt diesen Brief. Der Jakobusbrief selbst ist wahrscheinlich das älteste Dokument, das wir im Neuen Testament haben. Also noch vor den Paulusbriefen, vor den Evangelien, wird dieser Brief verfasst. Und man merkt das auch. Wenn ihr ihn lest, werdet ihr es ganz stark daran merken: Wir haben da so eine jüdische Note. Da taucht zum Beispiel das Wort auf, wenn ihr euch in Synagogen trefft. Und ihr denkt: Treff mich doch gar nicht in der Synagoge. Ja, du nicht. Aber da gab es eine Zeit, da waren Judentum und Christentum noch nicht so klar voneinander trennbar gewesen. Da sind Leute zum Glauben gekommen, die eigentlich Juden waren. Die haben den Schritt gewagt, ihre Suche nach dem Messias abzuschließen und zu sagen: Jesus ist der Messias.
Und mit einem Mal waren sie zwar irgendwie noch Juden, aber sie waren es auch gleichzeitig wieder nicht, weil da diese Bewegung, diese Christusbewegung, anfing und sie auch dazugehörten. Und in dieser Situation, wo man Jude ist auf der einen Seite von seiner Herkunft und vielleicht auch noch einen Bezug zur Synagoge hat und gleichzeitig schon rauswächst und merkt: Die eigentlichen Juden, die wollen mich ja so gar nicht mehr haben.
Hier im Text heißt es: den zwölf Stämmen, eine Bezeichnung, die eigentlich Juden meint, in der Zerstreuung. Jakobus benutzt diesen Begriff zwölf Stämme in einem bildhaften Sinn und sagt: Das wahre Israel ist das Israel, das nicht ein Israel von der Herkunft her ist. Es geht nicht darum, ob meine Eltern Israeliten sind und dann bin ich es auch. Sondern das wahre Israel hat etwas mit dem Herzen zu tun. Ob ich wirklich Volk Gottes im Herzen sein möchte, ob ich es sein möchte durch den Glauben an Jesus.
Und er verwendet dieses Bild, weil er an Leute schreibt, die tatsächlich zerstreut waren. In Apostelgeschichte 8,4 finden wir dieses Wort von der Zerstreuung wieder, und zwar im Blick auf die erste Gemeinde. Gemeinde in Jerusalem, riesengroß, die evangelisieren, die bewegen richtig etwas, die treffen sich im Tempel. Und jetzt stellt euch mal vor: Wenn es nur dreitausend wären, und es sind viel mehr geworden, da hast du so eine Masse von Tausenden von Leuten, die sich ... ich wusste, dass das irgendwann passiert ... eine Gruppe von Tausenden von Leuten, die sich immer wieder im Tempel trifft und da immer wieder ein und dieselbe Botschaft weitergibt: Jesus ist der Messias. Überlegt euch das mal, was das für eine Provokation ist.
Und dann hast du so Typen dabei wie Petrus, die im Vorbeigehen eben mal jemanden heilen, der da schon jahrelang liegt und um den sich keiner mehr richtig kümmern konnte. Das heißt, du hast diese Mischung aus geisterfüllten Predigten, wo Leute sich an die Brust schlagen und sagen: Was soll ich tun, um gerettet zu werden? Du hast diese Lichtfiguren, diese Apostel, die da mittendrin sind, du hast begabte Leiter wie Jakobus und dann zigtausend Leute. Wie gehst du damit um? Es gibt immer nur eine Möglichkeit: Du musst mit Gewalt dagegen vorgehen, du musst sie vertreiben, und das passiert.
An der Spitze dieser Vertreibungskampagne steht ein Paulus, der dann später Christ wird, aber die Vertreibung ist real. Und da heißt es in Apostelgeschichte 8,4 über die Judenchristen, die nicht mehr in Jerusalem wohnen durften: Die Zerstreuten gingen umher und verkündigten das Wort.
Also: Es sind Leute, die wurden vertrieben. Denen hat man gesagt: Du darfst hier in dem Haus nicht mehr wohnen, tschüss! Und dann sind die weggegangen von Jerusalem, überall hin. Wir wissen nicht, wie weit. Es kann also der gesamte Mittelmeerraum letztlich sein. Jeder ist letztlich dahin gegangen, wo er jemanden kannte. Logisch: Wenn du nicht mehr zu Hause wohnen darfst, schaust du, wo habe ich einen Onkel, wo habe ich eine Tante, wo ist jemand, der ein Haus hat, der mich aufnimmt, wo hat jemand ein Gewerbe, wo ich erst einmal Unterschlupf finden kann.
Und überall gehen die Christen hin und machen gezwungenermaßen das, was sie freiwillig nicht tun wollten, obwohl Jesus es immer gesagt hat. Jesus hat ihnen am Anfang ja welchen Auftrag gegeben? Er hat nicht gesagt: Und jetzt bleibt ihr auf alle Zeiten in Jerusalem. Er hat ja gesagt: Geht hin, verkündet das Evangelium! Wo? Na ja, wir fangen in Jerusalem an. Schon gut, ja, aber dann bitte Judäa, Samaria, bis ans Ende der Erde. Das ist unser Auftrag.
Und weil sie es nicht machen, gibt es Verfolgung. Und dann machen sie es und werden überall hingeschickt und kommen natürlich zuerst einmal in jüdischen Communities unter, die es überall in den Metropolen der damaligen Zeit gab. Es gab da kleine, geschlossene Gruppen von jüdischen Siedlungen, die zum Teil eine Selbstverwaltung hatten, zum Beispiel in Alexandrien. Und da, wenn man jemanden kannte, konnte man hingehen. Und man schließt sich dann tatsächlich, weil man ja erst einmal von seinem Selbstgefühl Jude ist, denen an. Und erst allmählich entwickelt sich ein eigenes christliches Verständnis, und erst allmählich muss man sich dann trennen und eigene Gemeinden gründen.
Und in dieser Zeit, wo das noch so ein Kuddelmuddel ist, schreibt Jakobus von Jerusalem aus an all diese Leute und sagt: Hey, ich habe da etwas für euch. Ich möchte euch ermutigen, ich möchte euch etwas Gutes einfach mitgeben.

Warum dieser Brief so direkt und unbequem ist

Der Jakobusbrief ist von Jakobus geprägt, und Jakobus ist kein Theoretiker. Wer von euch Paulusbriefe liebt, also so logische Briefe, Argument A, daraus folgt B, und weil A und B wahr sind, gilt C, der wird mit Jakobus so ein bisschen seine Probleme haben.
Luther nennt den Jakobusbrief eine stroherne Epistel. Das ist so: Wenn du dir ein Bündel Stroh nimmst, so ein Bündel Stroh, also so etwas, wenn das getrocknet wäre, nimmst du so raus, ab und an kaufst du dir auch so ein Bündel Stroh rum, und du wirst nach einer Weile rumkauen auf dem Stroh feststellen, das schmeckt nicht, das ist irgendwie nur staubig und kratzt im Hals. Das ist die Idee, die Luther hatte. Er sagt: Ich lese diesen Jakobusbrief. Und Luther war absoluter Paulus-Freund. Warum? Luther hat sich die Frage gestellt: Wie kriege ich einen gerechten Gott? Wie kann das sein, dass ich mit meinem Leben vor Gott gerecht bin? Und Paulus hat ihm die Antwort gegeben, indem Paulus ihm schreibt: Das geht gar nicht. Du musst dir Gnade nehmen und Gerechtigkeit schenken lassen, das geht. Aber machen selber kannst du es nicht. Und deswegen ist Luther dieser absolute Paulus-Freak, der sagt: Boah, ja, ja, überall muss Rechtfertigung aus Glauben, das muss bitte überall in jedem Brief drinstehen.
Dann liest er Jakobus, und das steht da gar nicht. Also nicht mit diesen Worten. Warum? Weil Jakobus Folgendes macht: Er setzt einfach mal voraus, dass die Leser wissen, woran sie glauben. Am Anfang hier, ja, er setzt voraus, dass, wenn er schreibt: Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, er setzt voraus, dass seine Zuhörer an der Stelle sagen: Ja, wir sind auch Knechte Gottes, wir dienen Gott, und ja, Jesus ist für uns auch Herr, sprich Gott, und Messias, sprich Christus. Das ist einfach mal die Voraussetzung. Was Jakobus nicht macht, ist: Er führt nicht aus, wie man dahin kommt. Sondern er setzt es einfach voraus, und sein Thema ist auch nicht Rechtfertigung aus Glauben. Er hat ein viel spannenderes Thema. Sein Thema ist Heuchelei. Heuchelei.
Also, er wird jetzt ein praktisches Thema nach dem anderen in diesem Brief ansprechen. Und solltest du versuchen, eine Struktur im Jakobusbrief zu finden: viel Spaß! Das haben viele versucht. Ich glaube inzwischen, dass es nicht wirklich eine klare Struktur gibt, und wenn man es versucht, läuft man irgendwie immer ins Leere. Was Jakobus macht, ist: Er nimmt ein Thema, Thema kommt, Thema bleibt, Thema geht und kommt irgendwann wieder, und du versuchst es so zu ordnen, und du merkst einfach nur: Es kommt ein Thema nach dem anderen. Da kommt ein Thema „Sei Täter des Wortes“, dann kommt ein Thema: der richtige Umgang mit Sprache, dann kommt Ausharren in Versuchungen, dann kommt richtiger Umgang mit Reichtum und Armut, dann gibt es Barmherzigkeit als Thema, Weisheit als Thema, Gebet als Thema. Es kommt einfach, bleibt eine Weile, geht wieder, kommt wieder, wird mal wieder halb angerissen.
Was all diese Themen zusammenhält, das sind nicht die Themen selber. Sondern was sie zusammenhält, ist das Überthema, und das heißt echter Glaube, wenn man so will, rettender Glaube. Was macht rettenden Glauben aus? Biblisch betrachtet gibt es drei Dinge. Rettender Glaube fängt irgendwann mal an. Ich fange irgendwann mal an, Gott mein Leben zu geben, zu sagen: Ich will. Rettender Glaube braucht den richtigen Inhalt. Ich muss tatsächlich an Jesus glauben und nicht an den, was weiß ich, ja, an was glaubt Charlie Brown? Da gibt es so eine Geschichte mit diesem großen Kürbis, ja? Das reicht nicht. Du brauchst den richtigen Inhalt: Jesus ist der Messias, Jesus ist dein Gott und Herr, Jesus ist der Erlöser. Wir brauchen einen Startpunkt, wir brauchen einen Inhalt, aber es braucht etwas Drittes, damit Glaube echt ist, und das ist Leben. Also ein Glaube, der sich nicht im Leben zeigt, da würde Jakobus sagen: Sei vorsichtig.
Er legt diesen Schwerpunkt auf Glauben. Und das Interessante ist: Er ist seinem Messias-Halbbruder da ganz nahe, denn Jesus sagt auch: Wenn du wissen willst, was in einem Menschen drinsteckt, dann schau dir doch an, was rauskommt. Hast du einen faulen Baum, gibt es eine faule Frucht. Logisch. Wenn du ein verrottetes Ding hast, das schon halb umfällt, weil es in sich völlig morsch ist, was erwartest du? Strahlende Äpfel? Wie denn? Geht doch nicht. Das ist wie wenn du ein Aquarium hast, das keiner pflegt, völlig grün und umgekippt, und dann sollen die besten Fische drin werden. Nein, nein, dann schwimmen die Fische oben. Hast du einen guten Baum, der so im Saft steht, dann kommt auch gute Frucht daraus. Das ist das, was Jesus sagt in Lukas 6. Wir sind wie Bäume. Und wenn du wissen willst, was du für ein Baum bist, dann schau dir doch einfach deine Frucht an, schau an, was aus dem Leben rauskommt.
Und Jakobus sagt uns jetzt mit einem ganzen Brief: Das Ziel im Leben ist ein reifer Glaube, der Gottes Wort tut, der freundlich redet, der Versuchungen erduldet, der mit Geld und Zeit richtig umgeht, der gerne Gutes tut, der göttliche Weisheit sucht, der viel betet. Und Jakobus wird uns sagen: Wenn die Dinge nicht da sind in deinem Leben, dann schau dir nochmal an, ob dein Glaube wirklich reif ist.
Jakobus hat eine Angst, und die durchzieht seinen ganzen Brief. Er hat die Angst, dass seine Leser sich selbst täuschen könnten, dass sie vielleicht vorgeben, Glauben zu haben und gar nicht merken, dass ihr Umgang zum Beispiel mit Sprache oder ihr Umgang mit den Armen in der Gemeinde oder in der Gesellschaft oder ihr Umgang mit den Geboten Gottes oder ihr Umgang mit Problemen, dass quasi ihr ganzes praktisches Leben überhaupt nicht zeigt, dass da echter Glaube ist. Da hat er einfach Angst davor.
Jakobus wird uns sagen, dass ein Lippenbekenntnis niemanden retten kann. Es reicht nicht nur zu sagen: Ich habe Glauben. Jakobus warnt seine Leser einen ganzen Brief lang. Er sagt: Ihr könnt euch irren, bitte passt auf. Er spricht davon, dass man sich selber betrügen kann. Überlegt mal das: Ich selber glaube irgendwie, ich kann mir das einreden, ich habe etwas wie Glauben, und Jakobus sagt: Vorsicht, du kannst dir das einreden, und es kann sein, dass du glaubst, dein Glaube ist irgendwie echt, aber in Wirklichkeit tust du Dinge, die mit einem echten, rettenden Christus-Glauben überhaupt nicht vereinbar sind. Pass einfach nur auf.
Jakobus ist als Brief unglaublich direkt. Also man muss sich als Prediger gar nicht anstrengen, bei Jakobus direkt zu sein, weil es geht kaum direkter. Er ist irgendwie direkt, er tut einem manchmal weh. Also es ist so, wie wenn jemand auf dich zukommt, der dich begrüßen will und dir auf die Füße so, so wie krr. Wenn ich den Jakobusbrief lese, denke ich oft an einen Zahnarztbesuch. Ja, Zahnarztbesuch. Also versucht euch einfach nur mal Zahnarztbesuch vorzustellen: Ihr habt ja alle das Gefühl, ja, man liegt auf diesem Stuhl, ja, hinten dieses Ding, was einem so den Kopf so leicht fixiert, und dann heißt es: Machen wir mal den Mund auf. Ja, dann macht man den Mund auf, ja, gleichzeitig wird man mit so einem grellen Licht geblendet, und dann gibt es am Anfang immer diesen metallharten, ich weiß nicht, wie das Ding heißt, aber das ist so der Moment, wenn der Arzt in den Mund reingeht und an allen Zähnen so rumstochert. Kennt ihr das Gefühl, ja? Er wackelt so ein bisschen, ja, und schaut dann einfach, was so da ist. Er untersucht das, er wird in jedem Beisserchen so ein bisschen gerüttelt, und dann gibt es die Ansage an die junge Dame, die meistens links von mir dann steht, die Zahnarzthelferin, und wenn es dann da so heißt: oben rechts 18 kariös, ja, da weißt du genau, was das heißt. Das heißt erstens Bohrer und zweitens, zumindest als Kind war das immer so, ja, und dann gibt es eine Füllung.
So, keiner von uns hat darauf wirklich Lust. Also wenn jetzt jemand sagt: Ich bin total happy bei Zahnarztbesuchen, boah, da freue ich mich drei Wochen im Vorhinein, ich nicht, ich schreibe den rein und ignoriere den Termin, bis ich auf dem Parkplatz stehe. Und trotzdem wissen wir, dass es nötig ist. So ähnlich ist das mit dem Jakobusbrief. Der Jakobusbrief nimmt unser Leben wie dieser Haken unsere Zähne und rüttelt dran. Er möchte einfach schauen, nicht was, weißt du, theoretisch. Wir wissen alle viel mehr theoretisch, als wir leben. Er möchte schauen: Was wissen wir, was leben wir praktisch, wie viel Karies gibt es in unserem Glaubensleben, wo sind die Löcher, die man einfach mal mit Gnade, mit Gehorsam und mit Echtheit füllen muss?
Das ist der Jakobusbrief. Und wenn ihr wollt, dann starten wir einfach mal die Untersuchung mit dem ersten Thema. Und das geht gleich in einer Weise rein, wo du einfach nur sagst: Hallo, Christi, machst du mir mal auf der von mir aus gesehen rechten, von dir aus gesehen linken Seite das Licht an, bitte. Vielen Dank!

Freude mitten in der Prüfung

 Jakobus 1,2, da heißt es: Achtet es für lauter Freude, meine Brüder!
Dieses Wort Brüder müsste man eigentlich mit Geschwister übersetzen. Wir sind alle Kinder einer großen Familie Gottes, und wir gehören zusammen. Und im Deutschen, wenn man Geschwister ausdrückt, dann leitet sich das Wort Geschwister von dem Wort Schwester ab. Also: Wir nehmen die weibliche Form und machen etwas daraus. Die Griechen nehmen die männliche Form „Brüder“. Obwohl hier also Brüder steht, ist eigentlich Geschwister gemeint. Und ihr lieben Frauen dürft euch mit angesprochen fühlen.
Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet.
Hallo? Also, Jakobus ist kein Masochist, erst einmal, um das von vornherein zu sagen. Und Christen sind nicht die, die Leid suchen. Aber echter Glaube, um den es die ganze Zeit gehen wird, reagiert auf Versuchungen oder auf Prüfungen des Glaubens mit Freude.
Jetzt mache ich mal eine Klammer auf: Das ist nicht alles, was man zu dem Thema sagen kann, okay? Da gibt es noch ein paar andere Reaktionen auf Leid. Die lässt er hier einfach weg, weil: Dass wir traurig werden, rumheulen und so weiter, das macht jeder. Er möchte zeigen, an welcher Stelle sich ein geistlicher Christ in seinem Verhalten vom Durchschnitt unterscheidet. Wo fängt das an, dass wir reif werden?
Und was Jakobus ganz am Anfang uns vorstellt, ist Folgendes: Ich persönlich habe diese Lektion über die Jahre gelernt, und ich finde sie ganz, ganz wichtig. Die Lektion lautet: Deine Perspektive auf das Leben entscheidet darüber, wie du das Leben meisterst. Wenn du dich immer als das Opfer siehst, wenn du sagst, immer die anderen sind nur böse und immer die Umstände sind nur schlecht, wenn das die Gedanken sind, die uns prägen, dann wird das meine Einstellungen prägen, dann wird das meine Gefühle prägen, dann wird das meine Handlungen prägen.
Was Jakobus hier macht, ist: Er sagt, ja, Versuchungen, Prüfungen, die können dich niederdrücken. Die können dich entmutigen. Die können dir sogar den Lebenssinn rauben. Und du kannst anfangen zu murren, ja logisch. Du kannst anfangen, dich von Gott abzuwenden. Du kannst anfangen, nicht mehr in den Gottesdienst zu gehen, weniger Gemeinschaft zu pflegen. Du kannst anfangen, weniger zu beten. Ja, und die Versuchung kommt, und der Glaube macht so ein Fade-out und ist plötzlich weg, oder du spürst ihn gar nicht mehr. Das ist eine Möglichkeit.
Es ist nur nicht der Weg von jemandem, der einen reifen Glauben hat. Der reife Glaube sieht die Versuchung, und er erlaubt sich, eine andere Perspektive einzunehmen. Und die Perspektive echten Glaubens, oder die dem echten Glauben entspricht, ist folgende: Und ich weiß, dass diese Perspektive zuerst einmal sowohl dem gesunden Menschenverstand als auch deinen Gefühlen widerspricht. Aber das, was Jakobus sagt, heißt: Wenn du echten, reifen Glauben hast, schau dir die Welt doch mal mit Gottes Augen an.
Und Gottes Augen erkennen, dass man mit familiären Problemen, mit beruflichem Chaos, mit Entmutigung und Krankheit auf zwei Weisen umgehen kann. Entweder das drückt mich nieder, und mein Glaube verschwindet zu langsam. Oder aber, und das hört sich dann so an: Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet, indem ihr erkennt, da ist dies ja. Ich sehe die Versuchung. Die Versuchung bleibt Versuchung, sie bleibt blöd. Aber ich erkenne etwas Neues. Ich habe eine andere Perspektive. Ich schaue auf die Sache, wie Gott draufschaut, indem ihr erkennt, dass die Bewährung eures Glaubens, merkt ihr, da ist unser Thema im Jakobusbrief, Bewährung des Glaubens, testen, dass die Bewährung des Glaubens Ausharren bewirkt.
Das Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt.
Dunkle Seiten im Leben sind wirklich dunkel. Niemand sagt hier, dass es hell wird. Sie bleiben dunkel, sie sind schwer, sie machen keinen Spaß. Aber Gott hat in seiner Gnade diese Welt so eingerichtet für uns, dass alle Dinge zum Guten mitwirken müssen. Das ist jetzt Paulus, Römer 8,28. Irgendwie gibt es die Möglichkeit, dass schwere Zeiten, wenn wir an Gott festhalten, dazu beitragen, dass unser Glaube bewährt wird, getestet wird und sich als echt herausstellt. Und dass wir Ausharren lernen.
Und dieses Wort Ausharren klingt komisch. Das klingt so ein bisschen wie Geduld haben, ist aber ein Begriff, der in der Antike als eine der herausragenden Tugenden für Soldaten verwendet wurde. Also einer, der ausharrt, das ist einer, dem kannst du eine Aufgabe geben. Und dann kommt er in schwierige Umstände, und dann zieht er durch. Das ist so ein bisschen dieser Rambo-Charakter: Wo ist das Camp mit denen, die gefangen sind? Und dann schnappt er sich seine MP und zieht los. Und erst wenn der Film vorbei ist und alle befreit sind, dann ist gut. Das ist Ausharren.
Und dieses Ausharren hat man nicht einfach so. Wenn wir es lernen wollen, in jeder Situation gotttreu zu sein, wenn wir es lernen wollen, Leute zu sein, die brauchbar sind für Gottes Reich, auch in den schwierigen Situationen, dann müssen wir das tatsächlich lernen. Und wir lernen es in den Momenten, wo unser Glaube angegriffen wird. In den Momenten, wo ich mich bewusst entschließe, eine schwierige Situation aus der Perspektive Gottes zu betrachten und zu sagen: Ich laufe jetzt nicht weg, ich gehe durch diese schwierige Zeit mit dir.
Und da wächst in uns die Bereitschaft, auch das nächste Mal wieder eine Schwierigkeit mit Gott zu meistern, und das übernächste Mal. So verrückt das klingt: Irgendwann steht man vor Schwierigkeiten und denkt, ja, das kenne ich schon. Da müssen wir jetzt durch. Okay, dann machen wir es halt.
Das ist wie so einer, der trainiert. Und irgendwann, wenn du, ihr habt seit drei Monaten eine Schulterentzündung, und es ist lustig zu sehen, wie alle Muskeln hier weggehen. Und ich weiß, wenn ich wieder auftrainieren muss, irgendwann muss ich das mal machen, dann brauche ich Gewichte. Und ich weiß, ich werde mit lächerlichen Kilowichten anfangen. Dann denkst du: Puh. Aber hey, irgendwann sagst du: Kilo? Haha. Dann gehst du auf zwei Kilo, drei Kilo, zehn Kilo. Und so arbeitest du dich langsam beim Training hoch.
Und hier ist das nicht anders. Gott möchte, dass wir einen Charakter besitzen, den er nehmen kann und den er gebrauchen kann an Stellen, die einfach kompliziert sind. Dass wir vollkommen und vollendet sind und in nichts Mangel haben. Dass wir absolut reife Christen sind, die für jede Situation zugerüstet sind. Die nicht nur zu Hause im Wohnzimmer ihr Christsein leben, da wo es entspannt ist und da wo es ungefährlich ist, sondern die Gott wie Soldaten voll zugerüstet in die Schlacht um Seelen schicken kann. Denn dafür sind wir hier auf der Erde. Unsere Aufgabe ist es, reif zu werden für den Dienst für Gott. Und um reif zu werden, da sind Schwierigkeiten eine tolle Sache.
Dabei gilt es aber, und bitte schön, du musst jetzt nicht sagen: Sie sind nur toll, das habe ich nie gesagt, okay? Schwierigkeiten sind blöd, dunkel ist dunkel, ja? Macht keinen Spaß. Die Frage ist nur: Finde ich mittendrin etwas, wo ich am Ende sagen kann: Doch, darüber kann ich mich freuen? Das war zwar eine total blöde Zeit, aber wenn ich sehe, wie meine Beziehung zum Herrn gewachsen ist, wie ich es gelernt habe, ihm mehr zu vertrauen, wie ich es gelernt habe, schneller meine Sorgen abzugeben, wie ich es gelernt habe, so lange zu beten, bis er mir seinen Frieden schenkt, und so weiter, wenn ich die Dinge betrachte, das war cool. Die Umstände waren blöd, aber das war cool.

Weisheit, die Gott gern gibt

Und wenn du mit Versuchungen richtig umgehen willst, dann gibt es eine Sache, die du besonders brauchst: Weisheit.
 Jakobus 1,5: Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft, und sie wird ihm gegeben werden.
Wir brauchen Weisheit, wenn wir in schwierige Zeiten hineingeraten. Weisheit ist die Fähigkeit, das richtige Ziel mit den richtigen Mitteln zu erreichen.
Die Frage ist: Wie bekommt man Weisheit?
Ich mag diesen Text sehr. Ich bin ja dafür, dass man Bibelverse auswendig lernt. Das ist einer, den ich schon ganz früh auswendig gelernt habe, weil er so mutmachend ist. Ich habe keine Ahnung? Gott gibt mir Weisheit. Ja, wie kriege ich Weisheit? Ich muss Gott einfach darum bitten.
Warum kann ich das machen? Weil Gott einer ist, der willig gibt. Und dann heißt es hier: und nichts vorwirft. Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich das auf Deutsch verstanden habe. Er macht keine Vorwürfe. Ja, du gehst zu Gott und sagst: „Vater im Himmel, ich brauche Weisheit für diese Situation.“
Und Gott kommt nicht zu dir und sagt: „Was bist du für einer? Das musstest du doch schon längst wissen.“ Das ist nicht Gott. Mein Vater im Himmel freut sich darüber, wenn wir kommen und wenn wir sagen: „Vater im Himmel, ich weiß da nicht weiter. Ich stecke da in irgendetwas fest, und du musst mir jetzt heraushelfen.“
Und Gott ist einer, der willig gibt, wenn wir bitten.
Wie gibt Gott Weisheit? Ich glaube, in meinem Leben war das auf ganz unterschiedliche Weise. Du kannst tatsächlich übernatürlich eine Eingebung haben und plötzlich wissen: Das ist es. Aber vielleicht macht Gott es auch anders. Vielleicht führt er einfach Dinge zusammen, und du denkst: Ja, stimmt.
Vielleicht ist es auch so, dass er dir in der Gemeinde jemanden zur Seite stellt, der dir guten Rat gibt. Wir sind ja als Gemeinde dafür da, dass wir einander helfen. Und das, was der eine schon erlebt hat, kann dem anderen zum Segen werden.
Vielleicht ist es auch so, dass du beim Bibellesen plötzlich auf etwas stößt. Vielleicht ist es ein Vers in einer Predigt. Ich habe letzte Woche etwas erlebt: Da bin ich mit so einer Frage zu Gott gekommen und habe gesagt: Gott, soll ich das machen? Ich weiß nicht, was du willst. Und dann sitze ich drei Stunden später in einer Predigt, in der jemand einen Bibelvers zitiert, von dem ich bis heute glaube, dass er nicht zu der Predigt gepasst hat, aber er war genau für mich. Und ich dachte: Danke, Herr.
Das kann es geben. Und damit dürfen wir rechnen, dass Gott uns, wenn wir ihn bitten, auch wirklich führt. Wichtig ist, dass wir bitten. Und wer nicht bittet, der macht in meinen Augen wirklich einen Riesenfehler.
Es wird später im Jakobusbrief heißen: Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet.
Und deswegen: Wer so ein Stück dusselig mit Versuchungen umgeht, weil er Gott nicht um Weisheit bitten wollte, ist eigentlich ein Stück weit selbst schuld. Das klingt jetzt nicht nett von hier vorne, das weiß ich schon. Ich will jetzt auch nicht sagen: Du bist schuld. Aber irgendwie stellt sich doch die Frage: Habe ich an der Stelle, wo ich Weisheit brauchte, wirklich Gott gefragt? Die Frage ist schon gerechtfertigt.

Ungeteiltes Vertrauen statt innerer Zerrissenheit

So, und wenn du jetzt bittest, wenn du sagst: Ich suche Weisheit, dann musst du auf eine Sache besonders achten. Und diese Sache ist die Frage: Wie sieht es in deinem Herzen aus? Was bist du für ein Typ? Hast du in deinem Herzen Zweifel? Bist du so ein wankelmütiger Typ, einer, der sich in seiner Haltung zu Gott ständig ändert? Mal bist du für ihn, mal nicht so für ihn? Hast du so eine passive Haltung? Lässt du dich von den Umständen so hin und her bewegen wie eine Welle? Ja, so wie der Wind kommt, mal da, mal da. Bist du so ein Typ?
Dann sagt Jakobus: Das sind die letzten Verse, die wir betrachten. Wir sollen bitten um Weisheit. Er bitte aber, Vers 6, im Glauben, ohne zu zweifeln. Denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde; ist er doch ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen.
Wenn du bittest, dann nicht mit Zweifeln. Achtung: Das Wort Zweifel ist mehr und stärker als: Ich habe da eine Unsicherheit, ich habe da eine Frage an Gott. Darum geht es nicht. Die Parallelen hier zeigen, dass der, der zweifelt, wankelmütig ist, dass er unbeständig ist. Der Zweifler hier weiß nicht, wem seine Loyalität gilt. Bin ich jetzt für Gott und setze auf ihn oder nicht? Das ist so einer, der zwischen den Stühlen sitzt und nicht so genau weiß, wohin er sich bewegen soll.
Wenn du so bist, dann kannst du nicht erwarten, dass Gott deine Gebete erhört. Das passt einfach nicht zu echtem Glauben. Echter Glaube setzt sich auf den Stuhl Gottes. Da, wo Gott sitzt, setze ich mich drauf. Und so bete ich auch. Ich bete als einer, der weiß, dass es Gott gibt, dass Gott es gut mit mir meint, dass Gott mir Weisheit geben will. Und deswegen bete ich.
Und wenn ich merke, dass es immer so hin und her geht, dann würde Jakobus sagen: Du, das ist eigentlich ein Zeichen dafür, dass in deinem Glauben noch etwas nicht so ganz richtig ist. Das ist eigentlich noch nicht so in Ordnung. Das war ich wollte ja nur den Zahnarztbesuch mal deutlich machen. Das war so das erste Mal, das erste Thema, mit dem Jakobus uns durchrüttelt.
Er stellt uns einfach die Frage: Sag mal, wie gehst du, mal ganz ehrlich, Hand aufs Herz, wie gehst du mit Versuchungen um? Also denk mal zurück an das letzte Mal, wo dir irgendwas Blödes passiert ist, wo du gemerkt hast: Hier ist man so richtig gegen den Strich, hier war ich so richtig depri, hier war ich so richtig frustriert, hier wusste ich wirklich nicht mehr weiter, hier war ich so richtig abgegessen. Ja, so wie gehst du damit um?
Das ist die Frage, die im Raum steht. Findet sich in deinem Leben die Perspektive echten Glaubens, echten reifen Glaubens? Kannst du dich daran freuen, dass mitten im Leid der Christuscharakter in dir reift? Im Ausnahmezustand, mitten in Konfusion, dass du da mittendrin Gott um Weisheit bitten darfst und Gott ein Gott ist, der sagt: Ich will dich erhören, ich will dir helfen, ich stehe da, ich warte bloß darauf.
Kannst du dich daran freuen, dass kein Leid dieser Welt über dein Leben das letzte Wort hat, sondern dass du, wenn reifer Glaube dein Ziel ist, beständig und gerade im Glauben den Weg mit Gott gehen darfst, der dich in eine Zukunft führt, wo jede Träne abgewischt wird und wo es Trauer, Geschrei und Schmerz nicht mehr gibt?
Das ist die Frage, die uns Jakobus stellt. Wie gehst du, wie bist du mit den letzten fetten Problemen in deinem Leben umgegangen? Und nachdem er uns diese Perspektive gezeigt hat, bleibt für mich nur der Wunsch, dass wir diese Perspektive einnehmen.
Nochmal: Es ist eine Perspektive, die unseren Gefühlen widerspricht. Du machst das nicht einfach so, nein, du gehst auf die Knie und heulst dabei. Und du versuchst es. Und wenn ich das mache, dann kann es schon mal sein, dass ich in einer Dreiviertelstunde, einer Stunde nichts weiter mache als bete, bis Gott mich an den Punkt bringt, diese Perspektive neu zu sehen. Aber dazu sind wir berufen. Das ist das, was echter Glaube will. Das ist das, was wir brauchen, wenn wir mit den Versuchungen in dieser Welt auf eine Weise umgehen wollen, die uns nicht erdrückt. Und das ist Evangelium. Das ist die Chance, die Gott uns gibt. Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.