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Vertrau auf den Herrn, der seinem Knecht hilft

Jesaja 5011.12.2022
SerieTeil 3 / 6Der kommende Gottesknecht
Freue dich Welt! heißt es oft in der Adventszeit. Oft singen wir freu dich Welt doch sind im Herzen gar nicht so froh. Warum wir uns trotzdem freuen dürfen, dass erfährst du hier.

Einleitung: Freude, die nicht selbstverständlich ist

Die Advents- und Weihnachtszeit sollte eine Zeit großer Freude sein. Nicht umsonst fordern das ja manche Advents- und Weihnachtslieder auch ganz direkt von uns: „Freue dich, Welt, dein König naht.“ Aber das sagt und singt sich so leicht. In unseren Herzen sieht es oft ganz anders aus.
Gerade zu dieser Jahreszeit sind viele Menschen eher müde, erschöpft, traurig. Vielleicht kennst du das auch. Umso mehr dann, wenn die Lebensumstände schwer sind, wenn vieles im Leben eben gar nicht so froh wirkt, sondern eher trostlos zu sein scheint. Wie kann man in solchen Zeiten Freude finden?
Nun, dem Volk Israel ging es einst auch so. Dieses Volk hatte glorreiche Jahre erlebt unter den Königen David und Salomo. Aber dann ging vieles schief. Erst ging die Einheit des Reiches verloren. Es teilte sich in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Aus Brüdern wurden Feinde. Dann wurde das Nordreich durch das Volk der Assyrer verheerend geschlagen und letztendlich vernichtet. Und dann schließlich wurde auch das Südreich Juda durch das Volk der Babyloner besiegt und ins Exil verschleppt.
Genau das hatte der Prophet Jesaja dem Südreich Juda angekündigt, im ersten Teil seines Prophetenbuches, des Buches Jesaja. Und dann, im zweiten Teil dieses Buches, beginnt ab Kapitel 40, spricht Jesaja quasi prophetisch das Volk im Exil an. Er erklärt diesem Volk, dass Gott sein Volk trotz allem nicht vergessen hat und dass er es eines Tages retten wird.
Teil dieser Hoffnungsbotschaften sind vier besondere Abschnitte, vier Abschnitte, die von einem Knecht Gottes handeln. Und weil sie im Hebräischen in poetischer Sprache verfasst sind, werden diese vier Abschnitte auch oft die Gottesknechtslieder genannt. Diese vier Gottesknechtslieder betrachten wir in dieser Adventszeit, denn sie sind tatsächlich Adventslieder.
Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass diese Gottesknechtslieder in Jesus Christus ihre Erfüllung finden. Jesus selbst wendet Teile davon auf sich an und sagt, er ist dieser Knecht. Auch in anderen Teilen des Neuen Testaments wird deutlich: Dieser Gottesknecht ist unser Retter und Herr Jesus Christus.
Heute, am dritten Advent, kommen wir zum dritten dieser Gottesknechtslieder. Es findet sich im Buch des Propheten Jesaja in Kapitel 50. Das Gottesknechtslied im engeren Sinne sind wirklich die Verse 4 bis 9. Ich möchte uns aber jetzt das ganze Kapitel lesen, weil die ersten drei Verse uns wirklich den Kontext geben, in den hinein diese Worte des Gottesknechts kommen, und die Verse 10 und 11 uns am Ende erklären, wie wir auf dieses Lied reagieren sollten.
Ich lese uns aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 50:
So spricht der Herr: Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, mit dem ich sie entlassen hätte? Oder wer ist mein Gläubiger, dem ich euch verkauft hätte? Siehe, ihr seid um eurer Sünden willen verkauft, und eure Mutter ist um eurer Abtrünnigkeit willen entlassen.
Warum kam ich, und niemand war da? Warum rief ich, und niemand antwortete? Ist meine Hand zu kurz geworden, dass sie nicht mehr erlösen kann? Oder ist bei mir keine Kraft mehr zu retten? Siehe, mit meinem Schelten mache ich das Meer trocken und die Wasserströme zur Wüste, dass ihre Fische vor Mangel an Wasser stinken und vor Durst sterben. Ich kleide den Himmel mit Dunkel und hülle ihn in Trauer.
Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zur rechten Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet, und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mich traten. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zu Schanden. Darum habe ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein, denn ich weiß, dass ich nicht zu Schanden werde.
Er ist nah, der mich gerecht spricht. Wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der Herr hilft mir. Wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.
Wer ist unter euch, der den Herrn fürchtet und der Stimme seines Knechts gehorcht, der im Finsteren wandelt und dem kein Licht scheint? Der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. Siehe, ihr alle, die ihr ein Feuer anzündet und Brandpfeile zurüstet, geht hin in die Glut eures Feuers und in die Brandpfeile, die ihr angezündet habt. Das widerfährt euch von meiner Hand, in Schmerzen sollt ihr liegen.
Ich möchte mit uns beten.
Himmlischer Vater, wir wollen dich bitten, dass du uns durch deinen Geist dein heiliges Wort aufschließt. Du sagst uns, dass dein Gesetz vollkommen ist und die Seele erquickt. Du sagst uns, dass dein Zeugnis gewiss ist und die Unverständigen weise macht. Herr, so wollen wir bitten, dass genau das geschieht. Erquicke, erfrische, ermuntere unsere Seelen und schenke uns Verständnis, auf dass wir weise werden. Und rüste uns so zu, zu einem wahrhaft frohen und gesegneten Leben. Amen!

Der eigentliche Grund der Not

Lasst uns zu Beginn kurz den Kontext betrachten, die ersten drei Verse, die ich gerade gelesen habe. In diesen drei Versen erklärt Gott dem Volk Juda, warum es ihm so ergeht, wie es ihm ergeht. Konkret sagt er: Siehe, ihr seid um eurer Sünde willen verkauft.
Es war nicht so, dass Gott sich einfach von seinem Volk abgewandt hatte. Das Problem lag nicht bei Gott. Das Problem war, dass das Volk sich von Gott abgewandt hatte. Sie hatten sich gegen ihn gestellt, sie hatten sich gegen ihn versündigt. Ja, sie hatten vergessen, dass er helfen kann. Sie ignorierten ihn und hörten nicht auf ihn.
Da sehen wir hier in Vers 2: Warum kam ich, und niemand war da? Warum rief ich, und niemand antwortete? Sie hatten vergessen, dass sein Arm nicht zu kurz geworden war, um zu erlösen, dass er immer noch Kraft hat, um zu retten. Dieses Volk hatte vergessen, dass Gott selbst einst das Wasser zur Wüste gemacht hatte, es trockengelegt hatte, sodass er sein Volk aus einer vormals großen Not der Knechtschaft in Ägypten befreien konnte.
Nun sind sie wieder in einer ähnlichen Situation, und Gott erinnert daran. Da klagt das Volk an: Warum denkt ihr nicht an mich? Warum wendet ihr euch mir nicht zu? Erkennt ihr nicht, dass das Problem bei euch liegt und die Lösung bei mir? Denkt ihr, es ist andersherum, dass das Problem etwas Fernes ist und ihr die Lösung in euch selbst findet? Das ist der Kontext.
Uns muss klar sein, dass wir nicht immer Schlussfolgern können, dass, wenn jemand Probleme hat, wenn jemand Leid erlebt, das unmittelbar auf seine Sünde zurückzuführen ist. Das ist nicht so. Das kann so sein, aber oft ist es nicht so. Aber alles Leid in dieser Welt lässt sich auf Sünde zurückführen, denn alles Leid in dieser Welt kam in diese Welt, nachdem wir Menschen uns gegen Gott gestellt haben.
Als Gott die Welt gemacht hat, war sie perfekt. Es war alles gut, sogar sehr gut. Es gab kein Leid in dieser Welt. Erst als die Menschen anfingen, Gott zu misstrauen, ihre eigenen Wege gehen wollten, als sie sich gegen ihn stellten, kamen Leid, Sünde und alles, was wir an Not in dieser Welt kennen. Die Welt ist eine gefallene Welt voller Leid, Schmerz und Trauer, weil wir die heile Welt zerstört haben. Das sollten wir bedenken.
Alles Leid in dieser Welt ist nicht etwas, wofür wir Gott anklagen können. Es ist etwas, das sich auf uns Menschen zurückführen lässt. Und Gott ist ein Gott, der immer noch bereit ist, Menschen, die selbst verschuldet in Not sind, zu retten, so wie er es hier schon ankündigt. Dazu würde er seinen Gottesknecht senden, und dieser Gottesknecht stellt sich uns dann ab Vers 4 vor. Und damit kommen wir zum eigentlichen Gottesknechtslied.

Die Stimme, die müde Herzen aufrichtet

In Vers 4 hören wir in gewisser Weise die erste Strophe. Die Strophen beginnen mit Gott, der Herr; das ist immer der Refrain: Gott, der Herr. Hier lesen wir, wozu Gott, der Herr, seinen Gottesknecht gesandt hat, wozu der Gottesknecht kommen wird und wie er den leidenden Menschen helfen wird.
Vers 4: Gott, der Herr, hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zur rechten Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.
Also, der Gottesknecht kommt, um mit den Müden, mit den Niedergeschlagenen, zu reden. In anderen Übersetzungen wird noch deutlicher, dass es nicht einfach nur um irgendein Reden geht. Es geht um das Erquicken, das Erfrischen, das Helfen.
Nun, Juda wartete auf Hilfe von Gott. Sie warteten auf einen, der kommen sollte, aber sie warteten auf einen Krieger, der kommen sollte, um mit großer Macht das Volk zu befreien, zu retten aus der Gefangenschaft. Aber Gott macht deutlich: Ich habe eine viel mächtigere Waffe als all das, was ihr im Sinn habt. Ich sende mein mächtiges Wort. Ich rede. Ich kämpfe nicht mit den Waffen dieser Welt. Ich rede, und durch mein Wort bringe ich Rettung.
Gottes Wort ist so mächtig, dass alles, was existiert, dadurch geschaffen wurde. Er sprach, und es ward. Sein Wort bringt Leben, sein Wort richtet auf, sein Wort erquickt, das heißt, es belebt, es erfrischt, es stärkt.
Als Christen wissen wir das, oder? Wir wissen, dass Gottes Wort die Quelle allen Lebens ist. Und doch, wenn wir ehrlich sind, setzen wir doch immer mal wieder in schweren Zeiten unsere Hoffnung auf alles Mögliche andere, oder? Was tust du, wenn deine Seele matt und müde ist? Wo suchst du in schweren Zeiten Erquickung, Hilfe?
Manche greifen zum Alkohol am Abend, andere versuchen, der Tristesse des Lebens in einer gefallenen Welt zu entkommen, indem sie sich stundenlang in die Scheinwelt von Social Media, YouTube und irgendwelchen Netflix-Serien begeben. Wieder andere gehen noch einen Schritt weiter und suchen Erfrischung, Erquickung in amorösen Abenteuern oder in der Pornografie.
Und es gibt noch viele andere Wege, auf die wir gehen, auf die wir uns begeben, um irgendwie ein bisschen Erfrischung zu finden für unsere müden Seelen. Aber tatsächlich kann all das nicht helfen. Und wir wissen das. Ganz oft ist es doch so, dass wir nach einer Zeit der Ablenkung letztendlich feststellen müssen: Wir sind noch müder, noch matter, noch niedergeschlagener, weil wir diese Wege gegangen sind.
Und selbst wenn wir uns nicht auf solche Wege begeben, sondern uns Gott zuwenden, selbst dann übersehen wir oft, wozu der Herr wirklich gekommen ist und wie er uns vor allem helfen will. Wir bitten ihn nämlich dann oft in unseren Gebeten erst einmal einfach darum, dass er unsere Lebensumstände verändert. Wir verkennen dabei, dass das, was wir viel dringender brauchen als eine Veränderung unserer Lebensumstände, sein heiliges Wort ist. Denn durch sein Wort gibt er uns in unseren Lebensumständen eine neue Perspektive. Er gibt uns das, was unseren Seelen guttut. Er gibt uns Hoffnung und Orientierung.
Seht ihr, die Lebensumstände kommen und gehen. Und schwierige Lebensumstände, selbst wenn Gott sie bessert, werden irgendwann auch wieder schwer. Aber Gottes Wort gibt uns einen Trost und eine Hoffnung, die nie vergeht. Denn im Gegensatz zu den Lebensumständen, die sich ändern, bleibt Gottes Wort beständig, und das, was er verheißt, ist ewig. Das müssen wir immer wieder lernen, daran müssen wir immer wieder erinnert werden.
Das ging auch schon Jesu Jüngern so. Auch Jesu Jünger, als sie mit Jesus anfingen unterwegs zu sein, erlebten, dass Jesus die Macht hat, auch Lebensumstände zu verändern. Darum dürfen wir bitten. Sie erlebten große Wunder. Jesus heilte viele Kranke. Gleich zu Beginn seines Dienstes durfte Petrus erleben, wie Jesus seine eigene Schwiegermutter aufrichtete und dann viele andere gesund wurden.
Am nächsten Morgen in der Früh ging Jesus aus dem Haus, wo sie waren, um eine Zeit der Stille und des Gebets zu haben, um Zwiesprache mit seinem Vater im Himmel zu halten. Und dann kamen die Jünger und holten ihn und sagten: Jesus, nun komm zurück, die Menschen brauchen Veränderung ihrer Lebensumstände. Und was sagte Jesus zu seinen Jüngern in Markus 1,38? Er sagt: Nein, lasst uns anderswo hingehen in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
Was die Menschen wirklich brauchen, ist eben nicht zuerst eine Veränderung ihrer Lebensumstände, die Gott bringen kann, weil er voller Barmherzigkeit ist. Aber was sie wirklich brauchen, ist das Wort Gottes. Das muss ihnen verkündigt werden. Wahre Rettung, wirkliche Hoffnung kommt durch den Glauben, und der Glaube kommt durch das Hören auf das Wort. Gottes Wort bringt Leben, Gottes Wort gibt Hoffnung und Orientierung.
Der Gottesknecht weiß das. Er weiß, dass Gott, der Herr, ihm eine Zunge gegeben hat, damit er wisse, mit den Müden zu reden, zur rechten Zeit, um sie zu erquicken, um sie aufzurichten. Interessant ist, dass der Gottesknecht nicht einfach darauf losredet, sondern er redet mit der ihm von Gott gegebenen Zunge die Worte, die Gott, der Herr, ihm gesagt hat. Wir hören das hier, dass er alle Morgen von ihm hört.
Das ist genau das, was Jesus später auch für sich in Anspruch nahm, dass er nämlich nicht einfach darauf losgeredet hat, sondern dass er die Worte gesagt hat, die Gott, der Vater, ihm gesagt hat. Johannes 8,28: Wenn ihr den Menschensohn erhöht haben werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir selbst tue, sondern wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich. In Johannes 12,49 sagt Jesus: Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll.
So ist der Gottesknecht: Er hört wie ein Jünger und dann redet er wie ein Jünger. Das ist das, was wir in Vers 4 sehen. Das heißt, ein guter Jünger Gottes hört zu, jeden Morgen. Das ist die Quelle des Wortes der Erquickung, mit dem Jesus dann die Müden aufrichtet.
Das heißt, der Gottesknecht lebt uns hier vor, wie ein Jünger leben sollte. Alle Morgen sollten auch wir hören, so wie die Jünger hören. Als Christen sind wir auch dazu aufgerufen, zu reden, wie die Jünger reden. Wir sollen einander ermutigen, auch mal ermahnen. Wir sollen einander Worte in der Hoffnung zusprechen. Das ist unser Auftrag in der Gemeinschaft der Glaubenden, und wir haben eine Botschaft, die wir weitertragen sollen zur Welt hin.
Wir sollen reden, wie die Jünger reden, aber wir sollen nicht drauflosreden, sondern unser Reden muss gespeist werden durch das tagtägliche Hören auf Gottes heiliges Wort. Wir müssen erst hören, wie die Jünger hören. Dann werden unsere Herzen fest, sie bekommen einen soliden Grund, wir bekommen eine sichere Hoffnung und eine klare Botschaft. Und diese können wir dann weitersagen. Nachdem wir gehört haben, wie die Jünger hören, können wir reden, wie die Jünger reden.
Jesus, der Gottesknecht, hat uns das vorgelebt. Er ist gekommen mit Worten voller Hoffnung, mit Worten, die wahrhaft Leben geben. Wir haben gesehen, wie Jesus sich zurückzog, früh am Morgen auf einen Berg ging, um zu hören, um Zeit zu haben mit Gott, dem Vater, um dann aus der Fülle, die er empfangen hat, weiterzugehen.
Aber in diesen Zeiten geschah noch etwas anderes: Im Hören hat Gott ihm nicht nur gesagt, was er weitersagen soll, sondern er hat ihm auch gesagt, was sein ganz persönlicher Auftrag in dieser Welt ist. Davon lesen wir zu Beginn von Vers 5, und da wird deutlich, dass sein Auftrag ein Auftrag war, einen Weg zu gehen, der nicht leicht sein würde. Nein, ganz im Gegenteil: einen Weg, auf dem er schweres Leid ertragen musste.

Der Weg des Knechtes durch Schmach und Leid

Vers 5 Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet, und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.
Ich glaube, uns ist klar, dass diese Worte prophetische Worte sind und dass das, was der Gottesknecht hier ankündigt, seine Erfüllung im Leben von Jesus findet. Jesus selbst hat zu Zeiten, als es in seinem Leben noch besser lief und er noch populär war, seinen Jüngern angekündigt, dass genau diese Dinge geschehen würden.
Später hat er seinen Jüngern in Lukas 18,31 gesagt: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden. Und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er auferstehen.
Und genau das geschah, so wie der Gottesknecht hier in Jesaja 50 es ankündigt. Markus 14,65 berichtet, dass Jesus verraten und verhaftet wurde. Da heißt es, dass einige anfingen, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weiß sage uns. Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.
Das war erst der Anfang. Letztendlich wurde er seinen Feinden überliefert. Er wurde auf brutalste Weise getötet. Man nahm ihn, den einen vollkommen Unschuldigen, wie einen schlimmen Verbrecher, nagelte ihn an ein Kreuz und ließ ihn dort hängen, bis er dort einen grausamen Tod starb.
Unser Predigttext aus Jesaja, geschrieben über siebenhundert Jahre, bevor das geschehen würde, macht deutlich, dass das kein unvorhersehbares Unglück war. Der Gottesknecht wusste, dass er all das erleiden muss. Er war entschieden, das zu tun, ohne Wenn und Aber. Er macht deutlich, dass er das im Gehorsam tut. Er ist nicht ungehorsam gewesen, er ist nicht zurückgewichen. Er tut es im Gehorsam gegenüber seinem Vater.
Gott, der Vater, sendet seinen Sohn, den Gottesknecht, der uns Worte zuspricht, die erquicken, und der selbst leidet und sein Leben gibt. Dazu ist er gekommen, das hat er selbst beschrieben. Er kommt wie ein Knecht. Also nicht, um sich dienen zu lassen, sondern um uns zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.
Das ist die wirklich gute Nachricht. Gott sieht uns in unserer Not, in unserer selbstverschuldeten Not. Gott sieht diese Welt, die kaputt ist, voller Leid, diese gefallene Welt, eine Welt, in der Not, Schmerzen und Trauer sind. Und all das, weil wir uns gegen ihn gewandt haben. Wir haben alles kaputt gemacht.
Und was macht Gott? Er kommt zu uns. Er verlässt die Herrlichkeit in Jesus Christus, die er für alle Ewigkeit hatte. Er verlässt die Herrlichkeit beim Vater und wird Mensch. Was für eine Erniedrigung. Er kommt aus der Herrlichkeit in diese kaputte, gefallene Welt voller Schmerzen und Leid, und er leidet, und er leidet, bis er stirbt. Und all das für dich und mich.
Damit wir gerettet werden können. Damit wir das Leid, das er erleidet, für uns nicht selber erleiden müssen, sondern dass wir herauskommen können aus dieser gefallenen Welt hin zur Herrlichkeit bei Gott, die wir verloren hatten und die er uns zurückgeben will. Denn bei Gott ist Leben über den Tod hinaus, bei ihm ist Hoffnung.

Der Sieg, der keine Anklage fürchtet

Nach allem Leiden, das lehrt uns der Gottesknecht im dritten Teil seines Liedes, Vers 7. Aber Gott, der Herr, das ist immer das Echo, das sind die drei Strophen, das ist poetisch: Aber Gott, der Herr, hilft mir, darum werde ich nicht zu Schanden, darum habe ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein, denn ich weiß, dass ich nicht zu Schanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht.
Wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten. Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir. Siehe, Gott, der Herr, hilft mir. Wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.
Seht ihr, wie dieser Gottesknecht vollkommen auf Gott, den Herrn, vertraut? Zweimal sagt er hier: Gott, der Herr, hilft mir. Jesus wusste mitten in allem Leiden, selbst dort am Kreuz, dass er nicht zu Schanden werden würde, wie wir hier zweimal lesen. Ja, er musste leiden, ja, er musste sterben, und doch ist er nicht zu Schanden geworden. Denn Gott, der Herr, half ihm. Er weckte ihn am dritten Tage von den Toten auf. Das Leid hatte nicht das letzte Wort. Jesus hat den Tod überwunden erlebt. Das ist die gute Nachricht.
Und dann gibt uns der Gottesknecht drei rhetorische Fragen, durch die er quasi seinen Sieg verkündet. Es klingt fast ein bisschen so, als würde er seinem bösen Feind seine Grenzen aufzeigen. Nicht diese drei Fragen, wir haben das gehört: Wer will mit mir rechten? Wer will mein Recht anfechten? Wer will mich verdammen? Die Antwort auf alle drei Fragen lautet: Niemand. Keiner. Er wird triumphieren, niemand ist ihm und seinem himmlischen Vater gewachsen. Jesus hat den Sieg.
Was wirklich interessant ist, ist, dass der Apostel Paulus später diese Worte aufgreift und verdeutlicht, dass dieser Sieg nicht nur der Sieg Jesu Christi ist, sondern dass dieser Sieg gewiss ist für jeden, der durch den Glauben in Christus Jesus ist. In Römer 8 beginnt Paulus ein wunderbares, ein herrliches Kapitel mit den Worten: So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Niemand wird zu Schanden werden, der in Christus Jesus ist. Das ist der Zufluchtsort, das ist der Ort, wo wir Rettung finden.
Deswegen war das Wort, das Jesus den Müden und Geplagten gesandt hat: Tut Buße, das heißt, kehrt um und vertraut dem Evangelium, glaubt der guten Nachricht. Der Ruf Jesu war: Verlasst diese sündige Welt, verlasst euch nicht auf eure eigenen Kräfte und kommt zu mir, flieht hinein, in gewisser Weise, in den Herrn Jesus. Und das tust du, indem du einfach dein Vertrauen auf ihn setzt, indem du dich ihm zuwendest im Glauben und sagst: Jesus, sei du mein Herr.
Wenn du ihm nachfolgst, seiner Herrschaft nachfolgst, dann gehörst du zu seinem Reich, und die Bibel beschreibt das: Du bist dann in Christus Jesus. Und alles, was Jesus gehört, gehört dir. Und so wie Jesus sicher den Sieg errungen hat, so dass er nicht zu Schanden wird, sondern auf Ewigkeit auf dem Thron Gottes sitzen wird, so dürfen wir wissen: Wenn wir in ihm sind, dann sind wir sicher.
Und dann greift Paulus weiter in diesem Kapitel diese rhetorischen Fragen auf, die wir hier bei Jesaja 50 im Gottesknechtslied lesen. Wir haben das gerade in der Textlesung schon gehört, ganz ähnliche Fragen: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier der, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zu Rechten Gottes ist und uns vertritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert oder was auch sonst? Nein, nichts und niemand kann uns scheiden von der Liebe Gottes, wenn wir in Christus Jesus sind.
Wer auf den Herrn vertraut, der findet Hilfe bei ihm, denn Gott, der Herr, hilft und lässt nicht zu Schanden werden alle, die auf ihn vertrauen. Aber wer ihm nicht vertraut, wer seine eigenen Wege geht, wer auf seine eigenen Fähigkeiten vertraut, über den lesen wir am Ende des Gottesknechtsliedes: Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.
Das ist ein drastisches Bild, oder? Ich meine, diese Motten sind ja schon komische Viecher. Klein, auch nicht besonders schnell, ne, so eine Motte, die erwische sogar ich. Und doch gibt es irgendwie genug davon, dass diese kleinen Viecher, unscheinbar, sich irgendwie in die besten Kleider hineinsetzen können. Und wenn die mal anfangen, daran herumzufuttern, und du da lange genug wartest, dann kannst du sie irgendwann aus dem Schrank nehmen, und es ist nicht mehr viel übrig. Und wenn man ihnen noch mehr Zeit gibt, dann zerfallen sie.
Nun, Gottes Wort macht deutlich: Menschen, die sich auf sich selbst verlassen, erkennen nicht, was tatsächlich geschieht. Sie werden zerfressen. Es bleibt nichts mehr übrig. Sie werden vergehen, sie werden gerichtet werden für alle Ewigkeit. Der Gottesknecht zeigt uns also auf: Wer auf ihn vertraut, wer ihm nachfolgt, wer zu ihm gehört, bei dem muss nichts gefürchtet werden, denn bei ihm ist der Sieg. Alle anderen werden vergehen.
Und so endet dann auch dieses Kapitel tatsächlich mit einem zweifachen Ruf Gottes.

Die Entscheidung zwischen Vertrauen und Selbstsicherheit

Nämlich mit einem Aufruf, auf Gott zu hoffen und sich ihm anzuvertrauen, und mit der Warnung, dass alle, die stattdessen auf ihre eigenen Ressourcen vertrauen, scheitern werden. Das sind die Verse zehn und elf, und damit enden wir.
Wer ist unter euch, der den Herrn fürchtet, der der Stimme seines Knechts gehorcht, der im Finstern wandelt und dem kein Licht scheint? Der hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. Siehe, ihr alle, die ihr ein Feuer anzündet – also auf gut Deutsch: die auf eure eigenen Ressourcen vertraut –, siehe, ihr alle, die ihr ein Feuer anzündet und Brandpfeile zurüstet, geht hin in die Glut eures Feuers und in die Brandpfeile, die ihr angezündet habt. Das widerfährt euch von meiner Hand, in Schmerzen sollt ihr liegen.
Also, auf gut Deutsch: Der Aufruf ist klar. Triff deine Wahl. Vertrau auf Gott. Wenn du auf dich selbst vertraust, geht das schief. Das ist der grosse Ruf hier: Höre, hoffe auf den Namen des Herrn und verlasse dich auf deinen Gott.
Es ist interessant, dass Jesaja diese Worte niedergeschrieben hat, noch bevor Juda ins Exil ging. Er hatte das Exil angekündigt. Er spricht dann prophetisch quasi zu dem Volk im Exil, aber er spricht diese Worte zu einem Volk, dem es, als er das sagt, noch relativ gut geht. Sie kamen nicht auf die Idee, irgendwo bei Gott Hilfe zu suchen.
Rückblickend kann ich mir vorstellen, dass so mancher in Juda gesagt hat: Hätten wir doch nur auf Gott gehört. Erinnert euch an die ersten Verse, nicht? Wo wart ihr, als ich rief? Wo wart ihr, als ich kam? Hätten wir doch nur auf Gott gehört.
Vielleicht geht es dir heute so wie den Menschen damals. Vielleicht geht es dir gut, du lebst unbeschwert. Du konntest, als ich am Anfang gesagt habe, es ist Weihnachtszeit, es soll eine frohe Zeit sein, sagen: Tja, bei mir ist alles super. Ich weiss gar nicht, was du so viel redest über Leiden. Bei mir nicht. Hey, ich freue mich ganz, ganz ehrlich, dass es dir so geht. Preis den Herrn dafür. Ich weiss, manchen geht es so, und das ist gut. Das ist eine gute Gabe Gottes. Preis den Herrn dafür, wenn dein Leben gut und unbeschwert ist.
Aber bitte mach nicht den Fehler, den die Menschen damals machten, die inmitten ihres leichten und guten Lebens Gott aus dem Blick verloren haben und dann ihre Hoffnung einfach auf die Dinge gesetzt haben, die sie hatten. Höre auf das Wort Gottes, das allein dir eine Hoffnung geben kann, die besteht, bestehen bleibt, auch wenn deine Lebensumstände in den Zeiten der grossen Freude werden – sorry –, aber wahrscheinlich nicht ewig bleiben. Vertraue auf den Gott, der dir dann helfen kann. Wende dich jetzt ihm zu und finde bei ihm das, was dir niemand nehmen kann.
Und das möchte ich ganz bewusst auch zu den Christen hier unter uns sagen. Ich weiss, wie leicht es ist für uns Christen, in guten Zeiten Gott aus dem Blick zu verlieren. Nicht komplett, bis ja heute hier. Aber doch so ein bisschen. Dann fängst du an, deine Hoffnung auf andere Dinge zu setzen, und Gott ist irgendwie mit dabei. Aber deine Freude, deine Erfüllung findest du in den Dingen dieser Welt. Und da möchte ich dir sagen: Finde jetzt wieder neue Orientierung. Höre alle Morgen auf Gottes Wort. Lass ihn in dein Leben sprechen, damit du ihn nicht aus dem Blick verlierst, sondern deine gegenwärtigen Umstände und das, was kommen mag, aus seiner Perspektive erkennen kannst, einordnen kannst und erkennen kannst, was wirklich zählt.
Nun, vielleicht geht es dir auch ganz anders. Vielleicht geht es dir eher so wie dem Volk Juda, als sie dann im Exil in Babylon waren: müde, erschöpft, desillusioniert, traurig. Oder möchte ich dich einladen: Besinn dich auf das, was der Gottesknecht hier sagt. Höre auf Gottes Wort, denn dieses Wort spricht dir in deiner jetzigen, gegenwärtigen Situation Worte voller Hoffnung zu. Gott sagt dir: Du kannst dich mir anvertrauen. Ich bin ein Gott, der hilft. Ich bin ein Gott, der dich aus aller Not führen wird. Ich habe das Schlimmste für dich schon erlitten, als ich in Jesus Christus für all deine Schuld gestorben bin, so dass deine Zukunftsprognose, wenn du dich mir zuwendest, nicht ist: Es wird immer schwierig und traurig bleiben. Nein, du darfst wissen: Wenn du dich ihm anvertraust, dann wirst du nicht zu Schanden werden. Und eines Tages wirst du befreit von dem Leid in dieser gefallenen Welt.
Seht ihr, so rüstet uns dieses Adventslied zu für eine wirklich hoffnungsfrohe und gesegnete Adventszeit, die erst enden wird, wenn der Herr kommt. Und er kommt gewiss. Und dann wird unsere Freude vollkommen sein.
Ich bete mit uns.
Himmlischer Vater, wir wollen dir danken dafür, dass du ein Gott bist, dessen Arm nicht zu kurz ist, um zu erlösen, um zu retten. Danke, dass du ein Gott bist, der helfen kann und der gerne hilft. Danke, dass du ein Gott bist, der jedem, der sich ihm zuwendet, zusagt, dass wir nicht zu Schanden werden. Danke auch, dass dein Wort uns warnt, uns davor warnt, uns auf uns selbst zu verlassen. Danke, dass wir in deinem Wort lesen dürfen, wie das Volk Juda und das Volk Israel und viele andere Menschen, die sich auf sich selbst und ihre Fähigkeiten und Kraft verliessen, letztendlich gescheitert sind. Danke, dass du uns diese falschen Illusionen nimmst durch dein Wort und dass du uns zeigst, wo wahrhaft Hoffnung und Freude und ewiger Friede zu finden ist.
Herr, ich bete für die unter uns, die sich dir noch nie so ganz zugewandt haben, die vielleicht dich irgendwie im Leben haben, aber doch letztendlich ihre eigenen Wege gehen. Herr, ich bete, dass du sie rufst mit deinem heiligen Ruf, dass du ihnen das Ohr öffnest alle Morgen, dass sie hören, so wie Jünger hören, und ein Leben, so wie Jünger leben.
Herr, ich bete für uns als Geschwister in der Gemeinde, dass wir nicht nur hören, so wie Jünger hören, sondern auch zueinander reden: Worte, die den Müden neue Hoffnung geben, Worte, die erquicken, die Orientierung geben. Herr, ich bete für die Niedergeschlagenen unter uns, dass du sie aufrichten mögest, auch durch die Worte, die wir ihnen von dir her weitersagen.
Und ich bete für die unter uns, denen es gut geht. Wir wollen dir danken für viel Segen, den wir erleben dürfen, und wollen dich bitten, dass du uns in all dem nicht aus dem Blick verlieren lässt, wie sehr wir dich brauchen.
Und so preisen wir dich als unseren Herrn, als unseren Retter, als den, der gekommen ist als Knecht, nicht um sich dienen zu lassen, sondern um uns zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. Amen.