Die wichtigste Frage
Ein Gesetzeskundiger kommt auf Jesus zu und fragt ihn nach dem
ewigen Leben. Damit stellte der die wichtigste Frage, die ein Mensch
überhaupt stellen kann.
Meister", fragte er, was muss ich tun, um das ewige Leben zu
bekommen" (25)
Ihm war offensichtlich klar, dass das Leben nach dem Tod weiter
geht. Er will wissen, wie er ewiges Leben bekommt.
Ewiges Leben verwendet er hier als ein Begriff der Qualität des
Lebens, denn der Gegensatz zum ewigen Leben ist nicht das endliche
Leben. Wir alle leben ewig! Der Gegensatz zum ewigen Leben ist der
ewige Tod oder die ewige Strafe, wie Jesus sagte:
Sie werden an den Ort der ewigen Strafe gehen, die Gerechten aber
werden ins ewige Leben eingehen. Mt.25,46.
Wenn das nun tatsächlich stimmt, was Jesus hier sagt und die Bibel
uns lehrt, dann müssen wir dem fragenden Gesetzeslehrer zugestehen,
dass er wohl keine bessere, zentralere und wichtigere Frage hätte
stellen können.
Ich wünschte mir, dass mehr Menschen von dieser Frage umgetrieben
würden.
Warum fragen Menschen wohl so wenig nach dem ewigen Leben? Ist Ihnen
das Reden vom ewigen Leben wie ein Märchen. Eine erschütternde Antwort
gab Marlene Dietrich, als sie auf den Tod angesprochen wurde. Sie
sagte:
Der Tod? "Man sollte Angst haben vor dem Leben, ja, aber vor dem Tod
doch nicht. Da weiss man doch nichts mehr. Da ist's doch aus. Sie
glauben doch nicht, dass nachher etwas kommt? Ah bah, so ein Quatsch.
Fürchterlich. Da kann man doch nicht daran glauben, dass die oben da
alle rumfliegen. Gibt's ja gar nicht."
Und wenn es das aber doch gibt? Ich meine nicht das mit dem
rumfliegen, davon spricht die Bibel gar nicht, das sind menschliche
Phantasien, um eine ernste Sache lächerlich zu machen.
Wenn es aber doch so ist, dass es mit dem Tod nicht aus ist?
Wenn die Bibel doch recht hat, indem sie uns mitteilt, dass nach dem
Tod das Gericht kommt? So z.B. im Hebräerbrief:
Sterben müssen alle Menschen; aber sie sterben nur einmal, und darauf
folgt das Gericht. Hebr.9,27 Ich wünschte mir wirklich, dass wir diese Tatsache ernst nehmen, und
mit dem, was uns die Bibel sagt nicht leichtfertig umgehen.
Dieser Gesetzeskundige stellte diese Tatsachen nicht in Frage. Es
war ihm eine Selbstverständlichkeit, dass es ein ewiges Leben und eine
ewige Strafe gibt.
Er will nun von Jesus wissen, wie man ewiges Leben bekommt. Keine
geeigneteren Person hätte er diese Frage stellen können, denn Jesus
ist, was das Leben betrifft der absolute und einzige Experte.
Nur schade, dass er von Jesus keine hilfreiche Antwort erwartete,
denn er wollte mit dieser Frage Jesus in die Enge treiben.
Die treffenden Antworten
Die Reaktion Jesu mag den Gesetzeskundigen erst etwas verblüfft
haben, denn Jesus stellt ihm zuerst eine Frage:
Was steht im Gesetz? Was liest du dort?" (26)
Seine Antwort zeigt, dass er wirklich gesetzeskundig ist und das
Gesetz richtig versteht. Er sagt nämlich:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit
ganzer Hingabe, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand!
Und du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst." (27)
Erstaunlicherweise berief er sich nicht auf die Zehn Gebote oder die
Reinheitsgesetze, sondern er betont die Liebe zu Gott und zum
Nächsten.
Damit beweist er, dass er das Hauptanliegen des Gesetzes erkannt
hatte.
Er hatte zwei Verse in eine treffliche Verbindung gesetzt. Ein Vers
aus dem 5.Mose:
Höre, Israel! Der HERR ist unser Gott, der HERR und sonst keiner. (Dtn
6,4)
Darum liebt ihn von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller
Kraft.(Dtn 6,5) Und einen aus dem 3. Mose:
Räche dich nicht an deinem Mitmenschen und trage niemand etwas nach.
Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Ich bin der HERR!' (Lev
19,18)
Damit hat er den Kern der Sache getroffen. Gott selbst sagte ja zu
seinem Volk:
Treue will ich von euch und nicht, dass ihr mir Tiere schlachtet! Ihr
sollt mir nicht Brandopfer bringen, sondern erkennen, wer ich bin und
was mir gefällt.« (Hos 6,6) Gott will von uns Menschen geliebt werden. Die Liebe ist das
entscheidende Element nicht nur im NT, sondern bereits im AT.
Präziser hätte der Gesetzeskundige wohl kaum antworten können. Nun
hat er Jesus gezeigt, dass er das Gesetz versteht.
Er war tatsächlich ein ausgezeichneter Theologe, der die Wahrheiten
im Griff hat – ein absoluter Volltreffer!
Jesus muss ihm dies auch bestätigen:
Du hast richtig geantwortet" (28)
Mit Genugtuung wird er dies zur Kenntnis genommen haben, aber
vielleicht auch etwas enttäuscht, weil er Jesus noch nicht in die Enge
getrieben hat.
Nun fügt aber Jesus eine schlichte und für den Gesetzeskundigen
erschütternde Ergänzung hinzu:
Tu das, und du wirst leben." (28)
Mit diesem schlichten Satz spricht Jesus eine Wahrheit aus, die der
Gesetzeslehrer aus dem Gesetz kennen musste, denn es steht im 3. Mose:
Wer meine Gebote und Weisungen befolgt, bewahrt sein Leben. Ich bin der
HERR! (Lev 18,5) Jesus macht ihm deutlich: Du hast alles richtig erkannt. Es stimmt
was Du sagst, aber es muss auch getan werden, ansonsten nützt dir dein
Wissen nichts.
Uns würde es bestimmt auch gut tun, wenn wir bei manchen Dingen, die
wir so vertreten, die auch theologisch und biblisch richtig sind, die
Stimme Jesu hören würden:
Tu das, und du wirst leben." (28)
Vielleicht würde unser Leben als Christen nicht so blenden und
faszinieren, aber vermutlich würde es mehr überzeugen.
Denn wir leben als Christen nicht von Richtigkeiten, die wir Wissen
und vertreten.
Es ist von grosser Bedeutung, dass wir eine gesunde Lehre haben,
dass wir im Wort Gottes genau forschen. Es ist äusserst wichtig, dass
wir wissen was die Bibel und somit Gott uns lehrt.
Wenn es aber beim Wissen bleibt, dann hilft uns alles nichts. Der
Glaube ist eben keine Wissenschaft, sondern eine Täterschaft.
Wenn die Tat unserer Erkenntnis nicht folgt, dann betrügen wir uns
selber.
Eine praktische Hilfestellung
1. Wer ist mein Nächster?
Nun war der fragende Gesetzeslehrer wirklich betroffen von der
Antwort Jesu. Er wollte Jesus in die Enge treiben und ihn vom
Standpunkt des Gelehrten testen.
Blitzschnell fragte er Jesus:
Der Gesetzeslehrer wollte sich verteidigen; deshalb fragte er: Und wer
ist mein Mitmensch?"
Diese Frage wurde unter den Gesetzeslehrern diskutiert.
Man ging davon aus, dass als Nächster, aufgrund von 3.Mose 19,18,
eigentlich nur der Jude gemeint ist.
Räche dich nicht an deinem Mitmenschen und trage niemand etwas nach.
Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Ich bin der HERR!' (Lev
19,18)
Unterdrückt nicht die Fremden, die in eurem Land leben, (Lev 19,33) sondern behandelt sie genau wie euresgleichen. Jeder von euch soll
seinen fremden Mitbürger lieben wie sich selbst. Denkt daran, dass auch
ihr in Ägypten Fremde gewesen seid. Ich bin der HERR, euer Gott! (Lev
19,34)
Jesus antwortet ihm aber nicht mit einem Lehrsatz, sondern er
erzählt ihm eine Geschichte.
2. Der barmherzige Samariter
Diese Geschichte ist den meisten von uns bekannt.
Ein Mensch, ging von Jerusalem hinab nach Jericho. Eine gefährlich
Strecke.
Er fiel unter die Räuber, was auf diesem Weg nicht unüblich war. Die
Räuber zogen ihn aus, schlugen ihn und liessen ihn halbtot liegen.
Ein Priester kam des Weges, denn in Jericho lebten viele Priester
und Leviten, deshalb war zwischen Jericho ein reges auf und ab, weil
die Priester und Leviten im Tempel in Jerusalem ihre Dienste
verrichteten.
Der Priester kam auf derselben Strasse hinunter nach Jericho, aber
als er den halbtoten Menschen sah, ging er auf der entgegengesetzten
Seite an ihm vorüber. Möglichst weit von ihm weg.
Der Gesetzeslehrer war über das Verhalten des Priesters nicht
sonderlich erstaunt, denn er dachte, von einem Priester kann man
eigentlich auch nicht viel anderes erwarten. In den Augen der
Schriftgelehrten und Pharisäer, waren die Priester nicht besonders
angesehen.
Gleichermassen der Levit, als er den halbtoten Menschen liegen
sieht, weicht er so weit als möglich auf die andere Wegseite aus, und
geht an ihm vorüber.
Nun kommt ein Samariter des Weges, der wohl vom Gesetz weiss, aber
der in den Augen der Juden ganz und gar nicht als gesetzestreu galt.
Ja die Samariter waren verachtet von den Juden.
Dieser Samariter kam denselben Weg und als er den halbtoten Juden am
Wegrand liegen sieht, hatte er Mitleid mit ihm, er tat ihm leid.
Und er nahm sich des Menschen an. Pflegte seine Wunden, sorgte für
eine Unterkunft und übernahm die Heilungskosten.
Das alles tat er nicht, weil er sich an das Gesetz erinnerte, und
dachte: ich muss meinen Mitmensch lieben wie mich selbst, also dann
muss ich halt dieses Gesetz tun und das Opfer auf mich nehmen.
Nein, er tat es, weil ihm dieser armen Menschen leid tat.
3. Wer ist der Nächste?
Jesus fragt nun wieder den Gesetzeslehrer:
Was meinst du?" fragte Jesus den Gesetzeslehrer. Wer von den dreien
hat an dem, der den Wegelagerern in die Hände fiel, als Mitmensch
gehandelt?" (36)
Und die Antwort ist auch hier wieder richtig:
Der, der Erbarmen mit ihm hatte und ihm geholfen hat." (37)
Er brachte es nicht übers Herz, das Wort Samariter auszusprechen.
Deshalb musste er umschreiben wer der Nächste diesem gewesen ist.
Damit entlarvt Jesus die Vorurteile und den Hass seines Herzens, und
somit wo sein wirklicher Mangel am Gehorsam diesem Gebot gegenüber
bestand.
Wieder fordert ihn Jesus auf:
Dann geh und mach es ebenso!" (37)
Wie bekomme ich ewiges Leben?
Hat Jesus die Frage nun wirklich beantwortet, wie wir ewiges Leben
bekommen?
Ist die Antwort, dass wir Gutes tun sollen? Sollen wir denen Helfen,
die benachteiligt sind, damit wir ewiges Leben bekommen?
Hat Jesus hier ein soziales Evangelium verkündigt?
Ja wirklich, es gefällt Gott sehr gut, wenn wir den bedürftigen
Menschen helfen, schon in den Sprüchen lesen wir:
Wer die Schwachen unterdrückt, beleidigt ihren Schöpfer. Wer Hilflosen
beisteht, ehrt ihn. (Spr 14,31) Aber nochmals - verbindet Jesus nun die Barmherzigkeit an unseren
Mitmenschen mit dem ewigen Leben? Nach dem Motto: Je mehr ich helfe,
je eher komme ich in den Himmel?
Ich meine, dass Jesus dies nicht tut, denn er kann sich selbst nicht
widersprechen.
Jesus lehrt deutlich, dass er das ewige Leben ist und dass nur er
ewiges Leben geben kann. Jesus sagt:
Ja, es ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und
an ihn glaubt, das ewige Leben hat; und an jenem Tag werde ich ihn
auferwecken. Joh.6,40.
Also nur im Glauben an Jesus kann ein Mensch ewiges Leben bekommen.
Aber warum sagt es Jesus dem Gesetzeslehrer nicht?
Betrachten wir nochmals kurz den Verlauf des Gespräches. Der
Schriftgelehrte wollte Jesus versuchen. Er wollte ihn in eine Falle
locken. Eigentlich wollte er gar nicht wissen, wie er ewiges Leben
bekommt, weil er meinte, er hätte es durch seine Gesetzeskenntnis
ohnehin.
Jesus lässt sich aber nicht in die Falle locken. Er trifft ihn aber
mit seiner Antwort ins Herz. Nun hätte der Schriftgelehrte
kapitulieren können und sagen: Jesus ich kann es nicht. Wenn ich
ehrlich bin muss ich eingestehen, dass ich dieses Gesetz nicht halten
kann. Eigentlich mache ich mich ständig schuldig.
Jesus, gibt es keinen anderen Weg, ewiges Leben zu bekommen, sage es
mir doch.
Jesus hätte ihm bestimmt gesagt, wie er das ewige Leben bekommt. So
wie er seinen Jüngern deutlich sagte:
Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater
kommt man nur durch mich. Joh.14,6.
Aber eben, jener wollte nicht kapitulieren, sondern er wollte sich
rechtfertigen. Als Jesus ihm die Geschichte erzählt hatte und ihn
nochmals zum Tun aufforderte, hätte er nochmals die Möglichkeit
gehabt, sich selbst zu erkennen.
Er hätte Jesus gestehen können, dass er zu solchem Tun nicht in der
Lage sei, weil sein Herz nicht von der Liebe, sondern von Hass, Stolz,
Eifersucht usw. geprägt ist.
Oder er hätte es probieren können, aber hätte dann wieder zu Jesus
kommen müssen und sein Unvermögen eingestehen. Dann hätte ihm Jesus
deutlich gesagt, wie er ewiges Leben bekommt.
Jesus praktiziert hier das, was er in der Bergpredigt gelehrt hat:
Gebt das Heilige nicht den Hunden, werft eure Perlen nicht vor die
Schweine! Sie könnten sonst eure Perlen zertrampeln und sich dann gegen
euch selbst wenden und euch zerreissen. Mt.7,6
Jesus sagt nicht immer allen alles. Jesus sieht darauf, ob jemand
eine echte Frage stellt, die ihn beschäftigt, ob jemand wirklich die
Wahrheit sucht, oder ob jemand einfach fragt, um in die Enge zu
treiben.
Mit dieser Offenheit und mit diesem Feingefühl sollen wir den
Menschen begegnen. Wir müssen nicht immer gleich alles sagen, was wir
wissen.
Wir müssen auch nicht gleich unsere Erfahrungen des Glaubens
preisgeben.
Wir sollten lernen zu merken, was den anderen wirklich bewegt, was
er wissen möchte, und wir sollten uns durch den heiligen Geist leiten
lassen, indem was wir sagen.
Vielleicht gehörst Du zu denen, die gerne wissen möchten, wie man
ewiges Leben bekommt. Vielleicht suchst Du wirklich nach diesem Leben.
Dann sagt Jesus zu dir:
Ich versichere euch: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich
gesandt hat, der hat das ewige Leben. Auf ihn kommt keine Verurteilung
mehr zu; er hat den Schritt vom Tod ins Leben getan. Joh.5,24.
Ja, Jesus möchte Dir ewiges Leben schenken. Dies tut er aber nicht,
wenn wir uns ständig vor ihm rechtfertigen wollen, um ihm zu zeigen
wie gut wir doch noch sind.
Er retten uns, wenn wir endlich uns selber erkennen, wie tief und
abgründig unser Herz in Wirklichkeit ist. Wenn Du das erkennst und
anerkennst, dann wird Jesus Dir begegnen und Dir ewiges Leben
schenken. Denn
»Gott widersetzt sich den Überheblichen, aber denen, die gering von
sich denken, wendet er seine Liebe zu.« (1.Petr 5,5) Jesus ist ja darum gekommen, dass er uns erlösen kann, d.h. dass er
uns ewiges Leben schenken kann. Er starb für uns am Kreuz, damit wir
mit Gott Frieden machen können. Das ist Gottes grosse Liebe zu uns
Menschen.
Wer noch nicht ewiges Leben hat, der sollte danach suchen, der
sollte Jesus nicht die Stirn bieten, sondern nach dem wahren und
lebendigen Gott suchen. Gott verspricht:
Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, (Jer 29,13) werde ich mich von euch finden lassen. Das sage ich, der HERR. (Jer
29,14)
Jedem wünsche ich von Herzen ewiges Leben und gerne helfe ich bei
der Suche. Gerne zeige ich aufgrund der Bibel, wie wir dieses ewige
Leben bekommen.
Komm doch zu Jesus und lass Dich retten! Mach halt in Deinem Leben
und kehre um zum Schöpfer der Welt, der Dich retten kann und der
allein Dir ewiges Leben schenkt.
Gott liebt Dich, er streckt seine Arme vom Kreuz her Dir entgegen -
komm doch!
