Einleitung und Ausgangslage
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 707
Die Frage nach der Steuer
Teil 1
Mit dem Abschluss des Gleichnisses vom Hochzeitsmahl hat Jesus seinen Gegnern die Dinge gesagt, die sie wissen müssen, wenn sie in das Reich Gottes hineinkommen wollen. Leider wollen sie das nicht. Statt Buße zu tun, geht es ihnen weiterhin nur darum, Jesus zu diskreditieren.
Der Plan der Gegner
Matthäus 22,15
Dann gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn bei einem Ausspruch fangen könnten. Die Theologen tun sich also zusammen und überlegen, wie man Jesus eine Falle stellen könnte. Dabei geht es inhaltlich um eine Fangfrage. Irgendwann fällt ihnen etwas ein, und sie machen sich auf den Weg.
Matthäus 22,16
Und sie senden ihre Jünger mit den Herodianern zu ihm und sagen: Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und dich um niemanden kümmerst, denn du siehst nicht auf die Person der Menschen.
Klingt gut, ist aber natürlich nicht ehrlich gemeint. Die Leute, die hier zu Jesus geschickt werden, wollen Jesus nicht ehren, sie wollen ihm schaden.
Lukas 20,20
Und sie beobachteten ihn und sandten Auflaurer aus, die sich stellten, als ob sie gerecht wären, damit sie ihn bei einem Wort fassten, sodass sie ihn der Obrigkeit und der Macht des Statthalters überliefern konnten.
Die Fragesteller sind Heuchler. Sie tun so, als ob sie gerecht wären, aber sie sind es nicht. Sie haben kein ehrliches Interesse daran, von Jesus zu lernen. Sie wollen ihn nur der Obrigkeit und der Macht des Statthalters überliefern.
Die Situation, in der Jesus sich jetzt befindet, ist eine Falle. Und wenn man ihn als wahrhaftig bezeichnet und anerkennt, dass er den Weg Gottes in Wahrheit lehrt, dann meinen das die Fragesteller nicht wirklich. Wenn sie seine Unparteilichkeit feiern, weil er nicht auf die Person der Menschen schaut, dann ist ihr Lob gelogen.
Sie bezeichnen ihn als eine ehrliche Haut, als kompetenten Lehrer und schätzen ihn dafür, kein harmoniesüchtiger Ja-Sager zu sein. Aber all das ist nur Heuchelei, Show. In Wirklichkeit sind sie Auflaurer. Also bewusst eingesetzte Spione der religiösen Führung, die Jesus durch eine juristisch verwertbare Aussage zu Fall bringen sollen. Sie sind eben keine zufälligen Zuhörer, sondern strategisch positionierte Beobachter und Fragesteller. Sie geben sich nur als Gerechte aus, sind aber arglistig und handeln mit der Absicht, Jesus bei einem Wort zu fassen, um ihn anklagen zu können.
Die beteiligten Gruppen und ihre Interessen
Schauen wir uns noch einmal kurz an, wer hier zu Jesus kommt. Es sind Jünger der Pharisäer und Herodianer. Pharisäer sind uns ein Begriff, die Herodianer eher nicht. Wie der Name andeutet, sind Herodianer im Kern Anhänger der Herrscherfamilie des Herodes, also einer politischen Gruppe, die mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeitet und von ihr profitiert. Es sind, wenn man so will, die Königstreuen. Ihr Interesse ist Stabilität und Machterhalt unter römischer Oberhoheit.
Demgegenüber stehen die Pharisäer, die stark auf die genaue Einhaltung des Gesetzes achten und der römischen Herrschaft eher kritisch gegenüberstehen. Gerade weil diese beiden Gruppen unterschiedliche Ziele haben, ist ihre Zusammenarbeit hier auffällig. Das, was sie eint, ist nämlich nicht eine gemeinsame Überzeugung, sondern ein gemeinsamer Gegner: Jesus.
Der Begriff Herodianer bezeichnet dabei wahrscheinlich keine klar organisierte religiöse Richtung wie die Pharisäer, sondern eher ein loses Netzwerk von Leuten, die politisch auf der Seite der herodianischen Herrscher stehen. Was wir hier sehen, ist eine breite Allianz gegen Jesus. Politische Gegner tun sich zusammen, um diesen unliebsamen Rabbi aus Galiläa endlich loszuwerden.
Markus 12,13-14: Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer zu ihm, um ihn in der Rede zu fangen. Und sie kommen und sagen zu ihm: Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und dich um niemand kümmerst; denn du siehst nicht auf die Person der Menschen, sondern lehrst den Weg Gottes in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht?
Die Steuerfrage als Falle
Worum geht es hier? Es geht um die römische Kopfsteuer, die von der jüdischen Bevölkerung an den Kaiser zu entrichten war. Historisch war diese Steuer seit der Eingliederung Judäas in das römische Reich im Jahr 6 nach Christus politisch hoch sensibel. Sie war nämlich nicht nur eine finanzielle Belastung, sondern symbolisierte auch die Anerkennung römischer Herrschaft.
Niemand zahlt gern Steuern, aber die Kopfsteuer war besonders unbeliebt. Lukas 20,22: Ist es uns erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht?
Weiß Jesus, dass sie es nicht ehrlich meinen? Ja, das tut er. Wenn wir weiterlesen, wird das Verhalten der Fragesteller je nach Evangelium als Heuchelei, Versuchung, Bosheit oder Arglist bezeichnet. Jesus weiß, dass die Frage eine Falle ist. Trotzdem lässt er sich darauf ein, jedoch nicht ohne seinen Gegnern vorher ihre Hinterlist zu spiegeln.
Markus 12,15: Da er aber ihre Heuchelei kannte, sprach er zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, damit ich ihn sehe.
Matthäus 22,18: Da aber Jesus ihre Bosheit erkannte, sprach er: Was versucht ihr mich, Heuchler?
Die zugespitzte Antwortsituation
Warum ist die Frage eine Versuchung oder Prüfung? Antwort: Weil sie wollen, dass er, ganz gleich, wie er antwortet, etwas sagt, das man gegen ihn verwenden kann. Die Frage wird nicht aus Interesse am Thema gestellt, sondern mit der bewussten Absicht, Jesus zu schaden.
Schauen wir uns die Frage noch einmal an. Matthäus 22,17: Sage uns nun, was denkst du, ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht?
Was kann Jesus antworten? Eigentlich nur: Ja, es ist erlaubt. Oder: Nein, es ist nicht erlaubt. Die Frage ist bewusst so gestellt, dass genau diese beiden Antwortmöglichkeiten bleiben. Und wir merken sofort: Egal, was Jesus sagt, man kann es gegen ihn verwenden.
Wenn er Ja sagt, bekommt Jesus keine Probleme mit den Römern, aber viele religiöse Juden, die in ihm den Messias sehen, würden sich von ihm distanzieren. Wenn er jedoch sagt, dass man als echter Jude dem römischen Kaiser keine Kopfsteuer zahlen darf, und steht das nicht schon im Gesetz? 5. Mose 17,14-15: Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir gibt, und es in Besitz genommen hast und darin wohnst und sagst: Ich will einen König über mich setzen wie alle Nationen, die rings um mich her sind, dann sollst du nur den König über dich setzen, den der Herr, dein Gott, erwählen wird. Aus der Mitte deiner Brüder sollst du einen König über dich setzen; du sollst nicht einen Ausländer über dich setzen, der nicht dein Bruder ist.
Wenn Jesus also gegen das Zahlen der Kopfsteuer ist, hat er die Religiösen auf seiner Seite, aber er würde sofort mit den Römern Probleme bekommen. Das ist also die Versuchung. Die Frage ist so gestellt, dass die Antwort Jesu ihn entweder bei den religiösen Juden oder bei den Römern unbeliebt macht. Und im schlimmsten Fall benutzt man seine Ausführungen dazu, um ihn beim Statthalter anzuklagen.
Schlussgedanken und Ausblick
Was könntest du jetzt tun? Versuche, dich in die Situation von Jesus hineinzuversetzen. Wie hättest du reagiert?
Das war’s für heute. Denke heute in Ruhe darüber nach, welche nichtigen Dinge du aus deinem Leben entfernen kannst, um mehr Zeit für das Reich Gottes zu haben.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.