Gebet als Schüler Gottes #1
Lukas 11,8-1304.04.2020
Serie•Teil 2 / 4Gebet
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Wir befinden uns in einer Predigtreihe über Gebet. Letzte Woche ging es darum, wie wir als Kinder Gottes zu unserem himmlischen Vater beten sollen.
Wir haben von Herrn Jesus gelernt, dass Gott schon weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn bitten. Er gibt uns gern, was wir brauchen, allerdings auf die Weise und zu dem Zeitpunkt, wie er denkt, dass es dran ist. Wir sollen ihn bitten, um belohnt zu werden. Und der Lohn unseres Betens ist Gemeinschaft mit Gott. Das ist vielleicht gar nicht das, wofür wir gebetet haben, aber Gott selbst, die Gemeinschaft mit ihm, darum geht es eigentlich.
Klingt vielleicht für viele komisch, ich kann es auch nicht bis ins Letzte erklären. Aber es gab in meinem Leben viele Gebetszeiten, die endeten mit tiefem Frieden, großem Trost und großer Freude, weil ich vor Gott mein Herz ausgeschüttet hatte und weil ich mich ihm nahe gefühlt hatte. Weil da auf der geistlichen Ebene meiner Persönlichkeit eine Berührung stattfand, die mir schlussendlich mehr bedeutet hat als die Erfüllung irgendeines Gebetswunsches.
Wenn wir als Kinder zu Gott kommen, dann geht es weniger darum, etwas zu bekommen, als vielmehr ihn zu bekommen. So wie sich der Autor der Klagelieder inmitten einer gewaltigen sozialen und politischen Katastrophe mit den Worten ermutigt: Klagelieder 3,24: „Mein Anteil ist der Herr, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen.“ Oder wie Asaf in Psalm 73 formuliert: In den Versen 26 und 28: „Mag auch mein Leib und mein Herz vergehen, meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig. Ich aber: Gott zu nahen ist mir gut.“
Gott zu nahen ist mir gut. Das ist die Haltung von Kindern.
Zwischen Vertrauen und Ausdauer
Heute wollen wir uns dem Thema zuwenden, das wir letztes Mal schon kurz angerissen haben, wenigstens erwähnt haben. Es geht im weitesten Sinn heute um das Thema beharrliches Gebet.
Wann ist es richtig und wichtig, im Gebet dranzubleiben, ausdauernd zu beten, etwas flapsig formuliert, Gott zu nerven? Und wann sollten wir ein Nein akzeptieren und mit dem Gebet aufhören? Die Frage ist total spannend. Denn wenn man Bücher über das Gebet liest, dann ist das ein ganz zentraler Gedanke: dass man dranbleiben muss, dass man nicht aufhören soll, dass Beharrlichkeit ein Ausdruck von Glauben ist.
Aber gleichzeitig gibt es da Paulus. Er hatte ein sehr persönliches Problem, er nennt es den Dorn im Fleisch. Keiner weiß so genau, was das für ein Leiden war. Nehmen wir mal an: Migräne, sexistische Gedanken oder ein Augenleiden. Es spielt keine Rolle. Aber Paulus betet dreimal für die Sache, genau genommen gegen die Sache, dass Gott sie ihm wegnimmt. Aber Gott nimmt das Problem nicht weg, und Paulus hört dann auf zu beten. Er akzeptiert das Nein und schreibt den Korinthern, 2. Korinther 12,9: Und er, Gott, hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir; denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.
Autsch. Er hat dreimal gebetet, und dann hört er auf. Den Dorn im Fleisch akzeptiert er, weil er merkt, dass diese Einschränkung ihn, der so viel Außergewöhnliches mit Gott erlebt hat, davor bewahrt, sich zu überheben und zu groß von sich zu denken.
Also, wir lesen Stellen wie: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden. Matthäus 7,7. Und Typen wie ich verweisen dann gerne auf die Zeitform, die dahintersteht, und darauf, dass es hier darum geht, immer wieder zu bitten, immer wieder zu suchen, immer wieder anzuklopfen. Und doch hört Paulus mit dem Beten auf.
Derselbe Paulus übrigens, der an anderer Stelle schreibt: Betet unablässig. 1. Thessalonicher 5,17.
Und noch etwas ist bedeutsam: Man kann unablässig beten und Gott damit versuchen. Also ist unablässig beten nicht per se immer und in jeder Situation positiv. Hier ein Beispiel: Psalm 78,18. Sie versuchten Gott in ihrem Herzen, indem sie Speise forderten für ihre Gelüste.
Wenn Gebet zur Versuchung wird
Okay, wer ist gemeint? Die Israeliten. Die Israeliten in der Wüste.
Sie werden von Gott gerettet, in die Wüste geführt, und dort bekommen sie das Manna. Aber eben nicht nur das Manna. Obwohl sie das Manna hatten, haben sie auch ganz viel Lust auf Fleisch, Fisch, Gurken, Melone, Lauch und Zwiebeln. Und weil sie diese Lust auf mehr als Manna haben, fangen sie an, Gott zu bitten, ich würde sogar sagen: zu flehen.
Also statt sich über das Manna zu freuen, versuchen sie Gott, werden gierig. Und jetzt kommt’s: Gott gibt ihnen, was sie sich wünschen. Psalm 106,14-15
Sie gierten voller Begierde in der Wüste, versuchten Gott in der Einöde. Da erfüllte er ihnen ihre Bitte und sandte Schwindsucht in ihre Seele.
Also sie bitten, sie gieren, sie flehen, und Gott erhört ihr Gebet. Aber dann bestraft er sie für ihr Beten. Schwindsucht in ihre Seele, das ist die poetische Umschreibung für eine Plage, modern eine Pandemie, mit der Gott das Volk schlägt: Strafe.
Es gibt also eine Form von leidenschaftlichem Gebet, die tatsächlich gefährlich ist. Und zwar deshalb, weil ich dadurch Gott dazu bringen will, mir meine Wünsche zu erfüllen. Und wehe, wenn Gott dann darauf eingeht. Rückblickend würde ich mir dann nämlich wünschen, ich hätte nie gebetet.
Wir merken: Anhaltendes Gebet ist gar nicht so simpel. Also großes Thema heute: anhaltendes Gebet, Teil 1.
Kinder und Schüler zugleich
Letztes Mal ging es mir darum, euch zu zeigen, was es heißt, als Kinder Gottes zu beten. Kinder, die mit ihren Bedürfnissen zu ihrem Vater im Himmel kommen und die, wenn Gott Nein sagt, das gern akzeptieren, weil Paulus uns das vorgemacht hat. Wir verstehen, dass Gott ihnen nichts Böses will. Gott meint es gut, einfach immer.
Und jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Wir sind nämlich nicht nur Kinder Gottes, sondern auch Schüler Gottes in seiner Schule der Heiligung. Es geht nicht nur darum, etwas zu bekommen, sondern jemand zu werden. Es geht nicht nur darum, beschenkt zu werden, sondern verändert zu werden. Und das ist ein Prozess, der beharrliches Gebet voraussetzt. Es gibt einfach viel zu tun.
Wenn Paulus die Aufgabe beschreibt, die da vor uns liegt, dann klingt das etwa so: 2. Korinther 7,1. Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes und die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.
Als Gläubige wollen wir uns von allen Sünden reinigen, und zwar von Fleisch und Geist, also den ganzen Menschen. Jede Sünde muss raus. So wie bei der Resterampe: Alles muss raus. Wir wollen keine Restposten an alten Sünden behalten. Und wenn es um diese geistlichen, diese moralischen Bereiche unseres Lebens geht, dann werden wir aufgefordert, ganz beharrlich im Gebet zu sein.
Als Kinder bitten wir, und wenn unser Vater im Himmel Nein sagt, wollen wir es gern akzeptieren. Aber als Schüler in der Schule der Heiligung akzeptieren wir kein Nein, weil wir nämlich unserer Vorherbestimmung folgen. Das klingt jetzt spannend, oder? Gott wusste, wer sich bekehren würde, und hat jeden Einzelnen dazu vorherbestimmt. Na, wisst ihr, wozu wir vorherbestimmt sind? Genau: Römer 8,29. Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Das ist unsere Vorherbestimmung: dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, so zu werden wie Jesus. Beim Thema Heiligung gibt es von Gottes Seite kein Nein. Er unterstützt uns sogar darin.
In dem bekannten Vers aus dem Zweiten Korintherbrief, Kapitel 3, Vers 18, heißt es: Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an. Also haben wir die Fähigkeit, uns den Charakter, das ist die Herrlichkeit Christi, anzuschauen. Wir haben sogar die Möglichkeit, das, was wir sehen, zu reflektieren. Auch das steckt in diesem Begriff „anschauen“ drin. Und indem wir das tun, werden wir verwandelt.
Ich lese noch einmal von vorne: Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.
Also werden wir verwandelt in den Charakter Christi. Das ist unsere Vorherbestimmung. Und der Heilige Geist hilft uns dabei, weil wir das eben nicht alleine schaffen.
Das Gleichnis vom hartnäckigen Bittenden
Und jetzt schauen wir uns zu diesem komplexen, beharrlichen Gebet einmal ein Gleichnis an, ein Gleichnis aus Lukas 11, die Verse 8-11.
Und er sprach zu ihnen: Wer von euch wird einen Freund haben und um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: Freund, leihe mir drei Brote; denn mein Freund ist von der Reise bei mir angekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen soll? Und jener würde von innen antworten und sagen: Mach mir keine Mühe, die Tür ist schon geschlossen, und meine Kinder sind bei mir im Bett; ich kann nicht aufstehen und dir geben. Ich sage euch: Wenn er auch nicht aufstehen und ihm geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er wenigstens um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht.
Wir merken, dass hier einiges ganz schön anders läuft, als wir es so gewohnt sind. Willkommen im Orient. Worum geht es? Jemand bekommt mitten in der Nacht Besuch. Das ist noch kein Problem, aber ein Blick in den Kühlschrank zeigt: leer. Und das ist jetzt wirklich ein Problem, denn orientalische Gastfreundschaft im ersten Jahrhundert gebot die Bewirtung des Gastes. Es ging nicht anders.
Wir hätten vielleicht gesagt: Hey, schön, dass du da bist. Ich war leider nicht einkaufen, ich habe auch gerade nichts zu essen da. Lass uns jetzt schlafen gehen, und morgen früh besorge ich uns Brötchen. Für den Mann im Gleichnis war das nicht drin. Er brauchte etwas zu essen für seinen Freund, nicht irgendwann, sondern jetzt.
Also lässt er seinen Gast für einen Moment allein und geht zu seinem anderen Freund. Er hämmert an die Tür und ruft: Hey, Kumpel, leih mir mal zwei Tiefkühlpizzen. Ich habe unerwartet Besuch bekommen, und Rewe hat schon zu.
Und jetzt wird die Geschichte wirklich interessant. Der Freund ist nämlich schon im Bett. Okay, Mitternacht, nicht ganz unwahrscheinlich. Die ganze Familie schläft im selben Raum, und er will nicht aufstehen und dadurch dann auch alle wecken. Die wenig freundliche Antwort lautet also: Ey, hau ab, sei leise, hier schläft schon alles.
Und Jesus stellt jetzt mit seiner Geschichte die Frage: Was würdest du jetzt tun? Was ist jetzt angebracht, wenn du einen Überraschungsgast hättest und vor der Tür deines Freundes stehen würdest und er so antworten würde? Was würdest du jetzt tun?
Antwort: weiter klopfen, weiter rufen, bis der andere vor so viel Unverschämtheit einknickt und nicht aus Freundschaft, aber um seine Ruhe zu haben, endlich gibt, was du brauchst.
Worum es beim Dranbleiben wirklich geht
Und es gibt natürlich auch heute noch Situationen, in denen wir ähnlich handeln würden. Wenn eine Sache wirklich wichtig ist, dann ist Nein einfach keine Antwort.
Letztes Jahr sind Bärbel und ich von Wien aus mit dem Flixbus nach Hause gefahren. Bei einem Zwischenstopp, ich denke, es war Brünn in Tschechien, dachte ich, meine Frau wäre ausgestiegen. Ich dachte auch, dass wir ein paar Minuten Aufenthalt haben würden. Das war aber nicht so. Plötzlich gingen die Türen zu, der Fahrer legte den Gang ein, und meine Frau war noch nicht auf ihrem Platz.
Das ist der Moment, in dem ich unverschämt werde, nach vorne stürme und „Stopp!“ schreie, den Bus zum Halten zwinge und kurz rausschaue, ob ich meine Frau sehe. Es war alles gut, meine Frau war da. Aber es ist klar: Ich hätte ein Nein vom Fahrer nicht gelten lassen. Die Sache, dass meine Frau mitkommt, war mir einfach richtig wichtig.
Was uns dieses Gleichnis sagen möchte, also das von dem unverschämten Freund, der sich einfach nicht abwimmeln lässt, bis er bekommt, was er braucht, ist dies: Es gibt Situationen im Leben, in denen wir mit schamloser Aufdringlichkeit beten müssen. Situationen, in denen wir ein Nein als Antwort nicht akzeptieren und so lange nerven, bis wir bekommen, was wir wollen.
Die Frage ist: Was sind das für Situationen?
Der Dorn im Fleisch bei Paulus war keine solche Situation. Auch Gethsemane war keine solche Situation. Jesus betet dreimal: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Und dann akzeptiert er das Nein.
Also, um was für Situationen oder Themen geht es dann?
Und wie ich das letztes Mal schon angedeutet habe, ist der Kontext, der Zusammenhang in der Bibel, wichtig. Deshalb lesen wir einfach mal kurz weiter: Lukas 11,9-10.
Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet werden. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird geöffnet werden.
Der Heilige Geist als Ziel des beharrlichen Gebets
Merkt ihr, es geht immer noch ums Beten und darum, wie wichtig es ist, dass wir das immer wieder tun. Bittet, sucht, klopft an. Warum? Weil jeder Bittende empfängt, der Suchende findet, dem Anklopfenden geöffnet wird. Und am Ende finden wir das Thema, um das es in diesem Abschnitt geht: Lukas 11,13.
Ein wenig schmeichelhafter Vergleich: Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten?
Jetzt haben wir die Antwort. Bei unseren täglichen Bedürfnissen und Nöten dürfen wir Gott bitten, gern auch zwei- oder dreimal, und dann ist es gut. Aber wenn es um den Heiligen Geist geht, dann sollen wir ohne Scham bitten, suchen und anklopfen, bis Gott uns gibt, was wir brauchen.
Hm, aber wir haben den Heiligen Geist doch schon. Also, wenn Jesus hier zu Juden spricht, die im Alten Bund leben, dann ist das irgendwie klar, dass sie sich nach dem Heiligen Geist ausstrecken sollen. Der Heilige Geist ist ja so etwas wie die ultimative Erfüllung ihrer geistlichen Sehnsüchte. Sie hatten ihn ja nicht, jedenfalls nicht als globales Phänomen. Einzelne Juden hatten schon Erfahrungen mit dem Heiligen Geist gemacht, aber so, wie es heute in der Gemeinde Christi ist, dass der Heilige Geist in jedem Gläubigen wohnt, bis dahin, dass die, die den Heiligen Geist nicht haben, gar keine Christen sind, so war es ja gar nicht.
Es war alter Bund, Judentum pur, eben noch nicht neuer Bund. Und wenn Jesus hier zu Juden spricht, dann hört sich das so an, als würde er sie auffordern, mit aller Macht dafür zu beten, dass sie Teil dieses zukünftigen Bundes würden. Genau des Bundes, den die Propheten verheißen hatten und der den alten Bund komplett ersetzen sollte. Des Bundes, der nur Gläubige einschließt, also die, die durch eine gemeinsame Erfahrung der Taufe mit dem Heiligen Geist zu einer neuen geistlichen Gemeinschaft verbunden worden sind.
So wie es in 1. Korinther 12,13 heißt: Denn in oder durch einen Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden. Es ist derselbe Heilige Geist, der alle Gläubigen im Neuen Bund miteinander verbindet und zu einem geistlichen Leib macht, dem Leib Christi.
Gebet als Prozess der geistlichen Reifung
So halten wir fest: Jeder hat den Heiligen Geist. Heißt das dann, dass dieses beständige, schamlose, bittende, anklopfende und suchende Gebet nicht mehr nötig ist? Oder ist das Thema Heiliger Geist auch für uns, in denen er ja wohnt, vielleicht doch noch nicht abgeschlossen?
Ich denke ja. Ich denke, dass es noch nicht abgeschlossen ist. Wir müssen Gott nicht um seinen Geist bitten, weil wir ihn schon haben. Wir leben nach Pfingsten. Und wenn jemand betet: Herr, schenke mir deinen Geist, dann ist das gelinde gesagt Gebetsunsinn.
Aber zurück zum Thema: Ist das Thema Heiliger Geist auch für uns, die wir mit ihm versiegelt sind, vielleicht doch noch nicht abgeschlossen? Ich behaupte ja. Ich behaupte, dass anhaltendes Gebet dort zu erfolgen hat, wo es sich genau um dieses Thema dreht.
Ich möchte dazu eine Stelle aus dem Epheserbrief bringen. Der Apostel Paulus, ein Apostel des Neuen Bundes, formuliert dort folgendermaßen: Epheser 1,13-17.
Deshalb höre auch ich nicht auf, für euch zu danken, und ich gedenke euer in meinen Gebeten, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst.
Quizfrage: Wer ist wohl der Geist der Weisheit und Offenbarung? Antwort: Der Heilige Geist natürlich.
Wofür betet Paulus beständig? Er betet für Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Jetzt die Frage: Soll ich auch dafür beten? Na klar. Wenn Paulus das tut, dann sollte ich auch für diese Dinge beten. Definitiv für mich und für andere. Pack diese Anliegen heute auf deine Gebetsliste und auf die Gebetsliste für deine Geschwister. Und wenn du es nicht tust, was hält dich davon ab?
Wenn Paulus sagt: Deshalb höre auch ich nicht auf, für euch zu danken, und ich gedenke euer in meinen Gebeten, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst, warum sollte ich dafür nicht beten?
Frage: Aber warum? Ganz einfach, weil es hier um Christsein als Prozess geht. Um meine geistliche Entwicklung. Um die Transformation, die Gottes Geist in mir bewirken will. Mehr werden wie Jesus.
Ich bete, dass wir alle von Gott den Geist der Weisheit und der Offenbarung geschenkt bekommen. So formuliert Paulus. Einerseits sind wir versiegelt mit dem Heiligen Geist, er wohnt in uns. Aber Paulus kann beten, dass Gott gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung. Und indem er das tut, redet er nicht davon, dass Gott uns den Heiligen Geist zum zweiten Mal gibt oder wir mehr vom Heiligen Geist bekommen. Er ist eine Person, und die hat man oder hat sie halt nicht.
Vielmehr beschreibt Paulus die Wirkung des Heiligen Geistes in meinem Leben: Er gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung. Das hat damit zu tun, dass der Geist Gottes in uns zu einem Initiator für Weisheit und Offenbarung wird. Und indem er das wird, leitet uns der Geist dahin, kluge Entscheidungen zu treffen, Weisheit und geistliche Wahrheiten zu verstehen, Offenbarung.
Und das, bitte schön, ist ein Prozess. Das geht nicht automatisch. Paulus betet dafür, weil er weiß, dass man den Geist der Weisheit und Offenbarung nicht automatisch bekommt. Wir werden nicht einfach so lebenstüchtig und kapieren geistliche Zusammenhänge auch nicht einfach so. Man muss sich danach ausstrecken, man muss darum beten, jeden Tag, immer wieder, um einen Schritt der geistlichen Reife nach dem anderen zu tun.
Ich bin Schüler in der Schule der Heiligkeit Gottes, und als Schüler bleibe ich betend an meinem Lernstoff.
Hoffnung, Erbe und Kraft
Lassen wir diese Predigt und den ersten Teil der Doppelpredigt Gebet als Schüler Gottes mit folgender Frage abschließen: Warum brauchen wir ganz besonders den Geist der Offenbarung?
Die Antwort ist: Weil das, was ich zutiefst verstanden habe, meine Prioritäten im Leben bestimmt.
Noch einmal Epheser 1, und jetzt etwas weiter, die Verse 17-19:
Euch gebe den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen und was die überragende Größe seiner Kraft an uns, den Glaubenden, ist, nach der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke.
Sorry, aber das ist schwierigstes Elberfelder Bibeldeutsch. Deshalb schiebe ich hier eine einfachere, aber gute Übersetzung nach. Epheser 1,18-19:
Er öffne euch die Augen des Herzens, damit ihr erkennt, was für eine Hoffnung Gott euch gegeben hat, als er euch berief, was für ein reiches und wunderbares Erbe er für die bereithält, die zu seinem heiligen Volk gehören, und mit was für einer überwältigend großen Kraft er unter uns, den Glaubenden, am Werk ist.
Deutlich einfacher, das war die Neue Genfer Übersetzung.
Paulus betet regelmäßig dafür, dass wir drei Dinge erkennen: die Hoffnung, das Erbe und die Kraft. Hoffnung, Erbe und Kraft, die Gott uns gegeben hat.
Ich weiß nicht, ob du dafür betest, dass Gott dir einen Geist der Offenbarung schenkt, der dich immer tiefer in diese Themen eintauchen lässt. Es kann sein, dass wir zwar wissen, wie man als Kinder Gottes seine Wünsche äußert, dass wir aber noch kaum angefangen haben, uns als Schüler Gottes nach diesem Geist der Weisheit und der Offenbarung auszustrecken.
Aber genau darum geht es immer und immer wieder: in den Prozess der eigenen geistlichen Entwicklung einzutauchen, betend um geistliche Veränderung zu ringen. Und ein Aspekt ist der, dass Gott uns immer mehr zeigen muss, was unsere Hoffnung, was unser Erbe und was die Kraft ist, die in uns wirkt.
Es scheint mir ganz wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass ein Eintauchen in diese Themen nur dann möglich ist, wenn der Geist Gottes mich an die Hand nimmt und mir tatsächlich zu einem Geist der Weisheit und der Offenbarung wird. Dieser geistliche Prozess findet nicht einfach so statt, wie man atmet oder französische Vokabeln vergisst. Dieser geistliche Prozess ist Produkt unseres Betens.
Natürlich geht es nicht nur ums Beten. Es gehören auch Dinge dazu wie Bibellesen, Nachsinnen, Predigten hören, Verstandenes anwenden usw. Aber eben nie ohne Gebet, ohne dieses freche, leidenschaftliche, anhaltende Gebet, das sich einfach nicht abweisen lässt. Ohne das geht es eben auch nicht. Einfach deshalb, weil wir von einem Prozess reden. Weil es sich dabei um einen Kampf handelt. Dazu mehr dann in der letzten Predigt.
Also: Warum brauchen wir ganz besonders den Geist der Offenbarung? Weil das, was ich zutiefst verstanden habe, meine Prioritäten im Leben bestimmt.
Es reicht nicht, zu wissen, dass ich in den Himmel komme. Geistlich reifer damit zu tun, dass wir etwas von der Hoffnung unserer Berufung verstanden haben, dass wir eine Idee davon erhalten, was der herrliche Reichtum seines Erbes ist. Diese Dinge erschließen sich uns nicht einfach so. Es braucht Gottes Unterstützung, dass wir in diese Themen eintauchen können. Er muss die Augen unseres Herzens öffnen, und er wird das in dem Maß tun, wie wir beten und uns danach ausstrecken, geistlich sehend zu werden.
Und ich garantiere euch: Was wir da sehen, was wir da lernen, das wird unseren Blick auf unser Leben prägen. Es wird einen Unterschied machen, ob ich einen klaren Blick habe für das, was kommt, wer ich bin, was Gott mir geschenkt hat und wohin es geht. Denn das wird mir den Blick auf diese Zeit erleichtern, in der ich das alles noch nicht habe, aber darauf hinlebe. Und das wird mir helfen, heute meine Prioritäten richtig zu setzen.
Das ist wirklich wichtig. Ich möchte in zwei Wochen an dieser Stelle fortsetzen.
Schluss und Ausblick
Lasst mich abschliessend noch einmal zusammenfassen, wo wir stehen.
Als Beter kommen wir in unterschiedlichen Rollen zu Gott. Einerseits sind wir Kinder mit Bedürfnissen, die ihrem Vater begegnen, der es gut mit ihnen meint. Andererseits sind wir auch Schüler Gottes, die sich danach ausstrecken, dem Herrn Jesus charakterlich immer ähnlicher zu werden und jede Sünde aus ihrem Leben zu entfernen.
Wenn es um unsere Bedürfnisse geht, bringen wir sie Gott. Das Beispiel von Paulus, dem Dorn im Fleisch, oder von Jesus in Gethsemane zeigt, dass man auch zwei- oder dreimal beten kann. Dann aber ist es anscheinend genug, und wir überlassen die Erhörung einfach Gott.
So ist es nicht, und das ist jetzt ganz wichtig, dass wir das verstehen: nicht so als Schüler Gottes. Wir begreifen nämlich, dass es hier um einen Prozess geht, der unsere ganze Aufmerksamkeit und unseren ganzen Einsatz verlangt. Im Bild gesprochen hämmern wir bei Gott so lange an die Tür, bis wir Schritt für Schritt weiterkommen. Wir geben einfach nicht auf, bis wir erleben, dass seine Kraft uns verändert, dass der Herr Jesus in uns sichtbar wird, dass unser ganzes Denken und Verhalten umgestaltet wird.
An dieser Stelle möchte ich immer wieder gerne Zeugnis davon geben, dass das lange dauern kann. Bei meinem eigenen Thema Jähzorn waren es anderthalb Jahrzehnte Gebet, an die Tür hämmern, kleine Schritte vorwärts gehen, bis Gott den Durchbruch geschenkt hat.
Wir wollen, dass der Geist Gottes die Aufgabe, die er in uns angefangen hat, zu Ende bringt. Wir wollen wirklich jeden Widerstand in uns selbst, jede Form von Unwissenheit und Widerwillen mit Gottes Hilfe überwinden. Wir wollen ans Ziel kommen. Wir wollen Jesus ähnlicher werden.
Und mein Wunsch ist jetzt ganz konkret, dass wir anfangen, jeden Tag für den Geist der Weisheit und Offenbarung zu beten. Es geht in letzter Konsequenz um nicht weniger als Gott selbst zu erkennen. Denn wenn mir gross wird, was er getan hat und tut, dann wird er mir selbst gross.
Deswegen schliessen wir ab mit Epheser 1,17, Neue Genfer Übersetzung:
Ich bete darum, dass Gott, der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater, dem alle Macht und Herrlichkeit gehört, euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung gibt, damit ihr ihn immer besser kennenlernt.
Darum geht es. Amen.
Und in zwei Wochen machen wir weiter: Gebet als Schüler Gottes, Teil 2.
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