Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung: Drei Themen, ein Zusammenhang
Ja, die Vorwarnung ist von Ron gekommen. Wir haben jetzt vielleicht ein etwas schwieriges Thema, aber ich denke letztendlich auch ein schönes Thema auf der Agenda. Und ich hoffe, dass am Ende allen klar wird, warum das Thema viel schöner ist, als es im ersten Moment für den einen oder anderen vielleicht klingen mag.
Ich möchte also sprechen über Gemeindemitgliedschaft, über Gemeindezucht und über geistliches Wachstum und Nachfolge. Und um das in ein Bild zu packen, möchte ich sprechen über die Eingangstür in die Gemeinde hinein, also über Mitgliedschaft. Ich möchte sprechen über den, naja, vielleicht den Notausgang, also Gemeindezucht. Und ich möchte darüber sprechen, was in diesen vier Wänden den Gläubigen widerfahren soll: Wachstum.
Das sind also die Zusammenhänge, über die ich sprechen möchte. Es sind also gar nicht so voneinander losgelöste Dinge. Ich denke, wir werden sehen, dass das Ganze sehr eng miteinander verbunden ist. Von daher hoffe ich, dass das jetzt nicht wirkt wie drei Vorträge, die aneinandergehängt sind, sondern wirklich wie ein Vortrag.
Ich hoffe vor allem auch, dass ihr alle nach dem guten Mittagessen noch einen Kaffee getrunken habt, denn wir haben jetzt zwei Sessions hintereinander. Ich habe es eben nicht mehr geschafft, und vielleicht rufe ich nachher mal um Hilfe. Mal schauen.
Die biblische Grundlage von Zugehörigkeit
Meine erste Aussage ist eine, die heute nicht mehr unumstritten ist: Gemeindemitgliedschaft ist biblisch.
Gemeindemitgliedschaft ist biblisch, und zwar deshalb, weil die Bibel klar lehrt, dass Christen Glieder an einem Leib sein sollen und zueinander gehören. Wir lesen das im Römerbrief, Kapitel 12, Vers 5: So sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied. Wir sind Glieder miteinander, wir sind Mitglieder.
1. Korinther 12,12: Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind, so auch Christus. Später wird davon gesprochen, dass die Glieder füreinander Sorge tragen sollen.
Also handelt es sich hier ganz offensichtlich nicht nur um das universelle Christentum. Es ist richtig: Wir sind alle Glieder aneinander. Im globalen, überall zeitlich und räumlich bestehenden Leib Christi ist jeder, der zu Christus gehört, ein Glied an diesem Leib. Aber es geht offensichtlich auch um lokale Manifestationen dieses Leibes, nämlich da, wo wir füreinander Sorge tragen können. Und das ist offensichtlich nicht jemand, der hier in Hamburg sitzt, für mich als Pastor in München. Das ist jemand, mit dem ich tagtäglich eine Beziehung habe. Es ist jemand, der Glied ist am gleichen lokalen Leib Christi.
Und dieses Füreinander-Sorge-Tragen durchzieht die ganze Bibel. Das heißt, die Bibel kennt immer zwei Aspekte: einen Christen, der ganz persönlich und individuell Jesus Christus nachfolgen muss, und Christen, die gleichzeitig auch miteinander leben sollen. Wir haben eine Vielzahl von Passagen in der Bibel, die dazu sprechen.
Ich möchte uns eine Passage lesen, die, wie ich denke, ganz besonders deutlich zu dieser Sache spricht und auch deutlich macht, welche Auswirkung das auf unsere Gottesdienste und auf unser Zusammenkommen haben sollte, nämlich Hebräer 10,23-25: Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken, denn er ist treu, der sie verheissen hat. Und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsere Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen oder auch ermutigen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.
Darum geht es: Es geht darum, dass wir zusammenleben, dass wir die Versammlungen nicht verlassen, dass wir wirklich Gemeinde sind, dass wir Glieder aneinander sind und am Leib Christi.
Wer zur Gemeinde gehört und wer nicht
Wir haben gerade schon im letzten Vortrag vor dem Mittagessen gehört, dass Matt kurz über das Thema Streitereien in der Gemeinde und die Rolle der Gemeinde gesprochen hat. Er hat darüber gesprochen, dass wir, wenn es einen Streit gibt oder wenn wir jemanden in Sünde sehen, ihn zuerst persönlich konfrontieren sollen.
Das ist unsere Pflicht als Christen: nicht gleich mit allen anderen darüber zu reden, sondern direkt mit dem Sünder zu sprechen, mit dem Ziel, ihn zur Umkehr zu bringen. Wenn das aber nicht funktioniert, dann nehme ich einen Bruder oder eine Schwester mit. Ich nehme jemanden dazu und versuche, unter Zeugen diesen Aufruf noch einmal zu wiederholen. Und wenn auch das nicht gelingt, dann bringen wir die Sache vor die Gemeinde.
Die spannende Frage ist: Vor wem? Wer ist das, die Gemeinde? Wenn wir keine Mitgliedschaft hätten, wenn Mitgliedschaft nicht biblisch wäre, wer ist dann die Gemeinde? Angenommen, ich habe ein Problem mit Ron. Nun habe ich eigentlich keins, er war ja freundlich zu mir. Aber stellt euch vor, ich hätte ein Problem mit Ron, dann hole ich Kai dazu, ich rede mit Ron, und wir kriegen es nicht gelöst. Bringe ich das dann vor euch alle? Ihr seid ja gerade alle hier und irgendwie auch Christen.
Wer ist die Gemeinde? Ich muss eine klar definierte Gruppe haben. Oder bringe ich das vor alle, die am Sonntag bei mir im Gottesdienst sitzen? Vielleicht auch vor die Nachbarn, die ich eingeladen habe und die gar keine Christen sind? Entscheiden die dann mit? Wer beruft den Pastor? Wer achtet auf die Lehre? Tun das alle, die zufällig am Sonntag gerade da sind?
Ich denke, uns ist sofort klar: Wir müssen wissen, wer zur Gemeinde gehört und wer nicht. Und ich denke, uns allen ist auch klar, dass nicht zwingend jeder, der am Sonntag im Gottesdienst ist, zur Gemeinde gehört. Wir müssen also irgendein Kriterium haben, um zu wissen, wer dazugehört und wer nicht. Und das ist die Mitgliedschaft.
Die Grenze zwischen drinnen und draußen
Die Mitgliedschaft setzt bestimmte Dinge voraus. Zuerst einmal muss ein Mitglied einer lokalen Gemeinde Mitglied oder Glied am Leib Christi sein. So unpopulär das sein mag, nicht jeder kann Mitglied einer lokalen Gemeinde sein. Er muss zunächst auch ein Glied am Leib Christi sein, er muss Christ sein. Und dann sollte sich diese Gliedschaft am Leib Christi in der Gliedschaft an einem lokalen Leib offenbaren, manifestieren.
Und die lokale Gemeinde sollte darüber urteilen, ob jemand Glied dieser Gemeinde sein kann oder nicht. Also ist die Entscheidung, ob jemand Mitglied werden kann, nicht einfach eine Selbstentscheidung. So wie bei Evangelium 21: „Ich habe das gelesen, ich glaube das“, und dann prüfen wir nicht, weil wir sagen, das können wir nicht, das wollen wir auch nicht. Aber das ist keine Gemeinde. In der Gemeinde geht das nicht einfach so. Da muss eine Prüfung stattfinden. Wir müssen wissen: Ist das wirklich ein Bruder, ist das wirklich eine Schwester in Christus? Und dann sagen wir: Ja, nach unserem besten Wissen und Gewissen können wir sagen, das ist wirklich ein Bruder, das ist wirklich eine Schwester, die gehört in den Leib Christi.
Damit bildet die Mitgliedschaft etwas Unpopuläres, nämlich eine Grenze. Eine Grenze zwischen denen, die wirklich zu Christus gehören, und denen, die zur Welt gehören. Christen gehören in lokale Gemeinden, und die Welt gehört dort nicht hinein. Das ist politisch nicht korrekt, aber genau so ist es. Schafe gehören in eine Herde, und Wölfe gehören nicht in eine Herde. Wir müssen Grenzen ziehen.
Die Gemeinde, so haben wir gestern bedacht, soll den Leib Christi repräsentieren. Sie soll ein Abglanz der Herrlichkeit Gottes sein. Wie kann ein Nichtchrist ein Abglanz der Herrlichkeit Gottes sein? Das kann er noch nicht. Ein Nichtchrist gehört nicht in die Gemeinde, aber Christen gehören hinein.
Das ist genau die Ermahnung, die Paulus an die Korinther schreibt, und diese Verse werden oft im Zusammenhang mit der Ehe gebraucht. Ich denke, es ist eine legitime Anwendung, dass Christen und Nichtchristen nicht heiraten sollen. Aber ich glaube, eine allgemeinere Anwendung ist wirklich die Frage, wer in die Gemeinde gehört und wer nicht. Mit wem arbeiten wir gemeinsam für das Reich Gottes?
2. Korinther 6,14: Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus überein mit Beliar? Oder welchen Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes gemein mit den Götzen? Wir aber sind der Tempel, und hier ist offensichtlich, dass es um die Gemeinde geht. Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes, wie denn Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Darum geht aus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an, so will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein, spricht der allmächtige Herr. Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligung in Gottesfurcht.
Eine besondere Herausforderung, nicht? Wir Gemeinden sollen danach streben, rein zu sein. Das hat zum einen mit unserem persönlichen Leben zu tun, aber zum anderen hat es auch damit zu tun, wer dazugehört und wer nicht.
Gottes alte Ordnung von innen und außen
Wer denkt, das ist jetzt eine Erfindung, der meint vielleicht, wir würden hier zu viel in diese Passage hineinlesen. Mitgliedschaft biblisch? Na ja, jetzt übertreibt er. So trennend hat Gott doch noch nie gedacht.
Doch, so hat Gott schon immer gedacht, schon im Garten Eden. Es gab ein Drinnen und es gab ein Draußen. Nur in der Arche waren einige drin, viele waren draußen. Beim Volk in der Wüste galt dasselbe: Wer nicht mehr rein war, wo musste der hin? Aus dem Lager raus, bis er wieder rein war. Dann konnte er wieder hinein.
Israel hatte sogar politisch klare Grenzen. Es gab ein Drinnen und ein Draußen. Man gehörte dazu oder man gehörte nicht dazu. Und so ist das in der neutestamentlichen Gemeinde auch. Und so wird das auch in der Ewigkeit sein. Es gibt ein Drinnen und ein Draußen.
Gott hat schon immer unterschieden. Gott hat schon immer unterschieden zwischen denen, die zu ihm gehören, und denen, die nicht zu ihm gehören. Diese Grenze manifestiert sich in unserer Zeit darin, dass die, die zu ihm gehören, getauft sind, in die Gemeinde kommen und dort am Mahl des Herrn, am Leib des Herrn, partizipieren.
Nur um das deutlich zu sagen: Das heißt natürlich nicht, dass wir die, die draußen sind, nicht freundlich und herzlich aufnehmen wollen. Wir wollen uns über jeden Nichtchristen freuen, der in unsere Gemeinde kommt. Wir wollen ihn lieben, wir wollen ihn hineinlieben, wir wollen ihm Gottes Wort sagen, damit er einer von uns werden kann, wenn Gott so will und gnädig wirkt.
Aber wir wollen klar trennen zwischen Drinnen und Draußen.
Gegen den Zeitgeist: Zugehörigkeit statt bloßer Teilnahme
Ich glaube, uns allen ist klar, dass die Trends dieser Welt dagegen sind. Der Zeitgeist hält genau dieses Denken für verkehrt. Wir wollen doch tolerant und offen sein. Belonging before believing: Komm doch schon mal dazu, du kannst ja auch schon mal Schlagzeug spielen, vielleicht kannst du sogar schon mal einen Gottesdienst moderieren. Wer mitarbeitet und sich wohlfühlt, der wird dann schon irgendwann einer von uns.
Belonging for believing ist ein Missverständnis. Das ist keine Evangelisationsmethode. Wenn wir damit meinen, dass wir Menschen die Möglichkeit geben wollen, schon mal in der Gemeinde zu sein, dass wir nicht unnötige Schwellen aufbauen, damit Menschen, die nicht gläubig sind, sich in der Gemeinde von vornherein so unwohl fühlen, dann bin ich total dafür. Belonging before believing: Leute sollen bei uns in die Gottesdienste kommen. Aber richtig belonging, richtig dazugehören, das können sie noch nicht.
Auch die Konsumhaltung unserer Zeit geht gegen gemeindliche Mitgliedschaft. Warum soll ich mich verpflichten? Ich kann ja auch so kommen. Die Tür ist offen, Gottesdienst kann rein, hör zu, ist alles gut. Warum verpflichten? Die Konsumhaltung dieser Welt sagt uns, festlegen ist gar nicht so gut.
Und natürlich spricht unser Verlangen nach Größe dagegen. Wir haben fast 330 Mitglieder, das ist super, oder? Vielleicht können wir sogar 350 haben, wenn wir die Ansprüche ein bisschen runterschrauben. Das ist genau dieses Denken. Wenn die Zahlen uns meistern, wenn es uns nur darum geht, möglichst groß zu sein, dann werden wir die Ansprüche runterschrauben. Und wir werden vielleicht nicht mehr unbedingt darauf schauen, wer eigentlich da reingehört.
Aber all dieses Denken, diese Tendenzen in der Welt, die führen dazu, dass das Zeugnis der Gemeinde leidet. Deswegen rede ich hier zu diesem Thema, obwohl ich weiß, dass viele unter uns das ja so praktizieren und auch glauben. Aber ich möchte uns weiter darin bestärken und ermutigen. Ich möchte uns zurüsten gegen die Stimmen, die sagen werden: Lasst uns das mit der Mitgliedschaft mal nicht so hochhängen. Ich glaube, wir sollten es viel höher hängen.
Mitgliedschaft als Prüfstein und Schutz
Ich glaube, die Mitgliedschaft wird Menschen herausfordern. Ich gebe ein Beispiel: Ich hatte ein Paar. Die sagten, wir sind bekehrt, und wir würden uns gerne taufen lassen, und wir wollen auch der Gemeinde beitreten.
Ich hatte Gespräche mit ihnen über das Evangelium, und nach allem, was ich feststellen konnte, hatte ich so den Eindruck, dass sie wahrscheinlich gläubig sind. Aber sie waren nicht verheiratet und lebten zusammen. Und er hat gesagt: Das passt nicht zu eurem Zeugnis. Ihr müsst euch entscheiden. Wir werden euch nicht taufen, wenn ihr nicht auseinanderzieht. Ihr könnt hier keine Mitglieder werden, wenn ihr weiter so lebt, wie die Bibel sagt, dass ihr nicht leben sollt. Wenn Jesus wirklich euer Herr ist, wenn ich eurem mündlichen Zeugnis wirklich glauben soll, dann möchte ich auch etwas davon sehen.
Und das hat genau diesen beiden Menschen geholfen. Es hat ihnen geholfen, weil sie angefangen haben zu hinterfragen: Sind wir eigentlich wirklich gläubig? Leben wir wirklich so, wie Gott es von uns will? In der Tat, inzwischen sind sie verheiratet, sie sind getauft, und sie sind jetzt Mitglieder. Und ich bin dankbar, ich bin Gott dankbar dafür, dass er gerade diese scheinbare Intoleranz auf unserer Seite gebraucht hat, um bei diesen Menschen Klarheit in ihr Leben zu bringen.
Und ich weiß nicht genau, ob der Mann, zumindest ob der wirklich schon vorher gläubig war. Er weiß es, glaube ich, selber inzwischen nicht mehr so genau. Ich weiß aber: Heute lebt er so, wie Gott es will, und er bekennt ihn mit frohem Herzen.
Ich möchte uns da ermutigen. Ich möchte uns auch ermutigen, Mitgliedschaft ernst zu nehmen, weil nur das der Welt gegenüber ein klares Zeugnis ist. Wir verunsichern doch andere darüber, was es eigentlich heißt, Christ zu sein, wenn jeder in der Gemeinde irgendwie mit dabei ist. Wie ist das denn jetzt? Ist das dann doch okay, wie Matt gestern sagte, wenn im Chor derjenige, der bekannter Ehebrecher ist, da mitsingt? Ist das vielleicht doch okay? Wenn wir da keine Klarheit haben, dann verwirren wir die Menschen. Die Welt wird fragen: Was macht euch als Gemeinde überhaupt aus?
Warum jeder Christ einer lokalen Gemeinde angehören sollte
Also sollte jeder Christ einer lokalen Gemeinde angehören.
Wenn du heute hier sitzt und keine lokale Gemeinde hast, dann weiß ich: In manchen Regionen ist es wirklich schwer, eine Gemeinde zu finden, in der man guten Gewissens Mitglied sein kann. Ich bete dafür, dass vielleicht auch diese Konferenz dir hilft, eine Gemeinde zu finden. Gib nicht auf!
Jeder Christ gehört aus verschiedenen Gründen in eine lokale Gemeinde. Zum einen, weil Gottes Wort das lehrt. Wir wollen Gottes Wort gehorsam sein, und Schafe gehören in die Herde. Zum anderen, weil es euch schützt und euch in eurer Heilsgewissheit bestärken wird.
Wir werden nicht Christen dadurch, dass wir Gemeindemitglieder werden. Aber wir werden klarer erkennen, ob wir wirklich Christen sind, zum Beispiel durch unsere Liebe zu den Geschwistern. Wer Gott liebt, der liebt auch seinen Bruder, schreibt Johannes im ersten Johannesbrief. Also kann ich unter anderem daran erkennen, dass ich Gott liebe, dass ich Brüder und Schwestern liebe. Und das geht natürlich nur, wenn ich diese Gemeinschaft habe, wenn ich Teil einer Gemeinde bin.
Ich erkenne das natürlich auch an meinem Gehorsam. Und dazu kommt: Ich kann mich selbst wunderbar über Sünde in meinem Leben betrügen. Ich bin dankbar für Brüder, die mir immer wieder sagen: Matthias, was du da gesagt hast, wie du dich da verhalten hast, so wie du hier scheinbar denkst, das ist nicht biblisch. Diese Korrektur erfahre ich dadurch, dass ich mit anderen Christen zusammenlebe in einer lokalen Gemeinde. Falsche Vorstellungen werden korrigiert, falsche Theologie wird korrigiert, weil ich mich an anderen reiben muss. Das ist manchmal unangenehm, aber es ist extrem hilfreich.
Als Schaf brauche ich den Schutz der Herde, und ich brauche Hürden. Und es mag Phasen in meinem Leben geben, in denen ich das Gefühl habe, ich komme unheimlich gut allein zurecht. Aber spätestens dann, wenn ich in die Sünde gefallen bin, brauche ich jemanden, der mich wieder heraushebt. Wenn ich Leid trage, brauche ich jemanden, der mich tröstet. Wenn ich alt und schwach bin, brauche ich jemanden, der für mich sorgt. Ich brauche immer wieder Menschen, die mir zur Seite stehen. Und Gott hat das gewusst, und dafür hat Gott uns die Gemeinde geschenkt.
Gemeinde als Ort von Aufbau, Ermutigung und Zeugnis
Wir sollen zusammenleben. Wir sind also berufen, in der Gemeinde zu sein, Mitglieder von Gemeinden zu sein, um einander aufzubauen, um einander zu ermutigen, um füreinander da zu sein, um uns gegenseitig unsere blinden Flecken zu zeigen, uns zu korrigieren, uns zu ermutigen und zu ermahnen.
Wir sollen auch in lokalen Gemeinden zusammenkommen, als Mitglieder zur Evangelisation der Welt. Das mag überraschen, aber ich glaube, die Gemeinde ist ein Instrument, durch das Gott die Welt evangelisiert. Ich glaube, wir alle kennen die Verse aus Johannes 13,34-35, wo Jesus sagt: Ich gebe euch ein neues Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe habt füreinander.
Unsere Liebe füreinander in der lokalen Gemeinde, da wird sie sichtbar. Es ist ein Zeugnis für die Welt. Es gibt kein stärkeres Zeugnis als die vielen jungen Leute, die die Senioren im Altenheim besuchen und ihnen aus der Bibel vorlesen und Lieder singen. Ich bin mal ins Krankenhaus gegangen zu einer Dame, die hatte einen Herzinfarkt, eine ältere Dame aus unserer Gemeinde. Und die Leute haben gefragt: War das jetzt dein Enkel oder dein Sohn? Und er sagt: Nee, das war einer aus meiner Gemeinde. Wow, so ein Junge, was macht der denn da? Was verbindet euch? Und die Frau ist Evangelistin vom Herzen her, und die hat gesagt: Jesus Christus!
Das ist ein Zeugnis der Welt gegenüber, wenn der Akademiker und der Handwerker Hand in Hand miteinander anpacken, wenn Singles und Familien füreinander da sind, wenn Ausländer und Deutsche einander bereichern. Diese ganze Vielfalt im Reich Gottes, die wird doch nur sichtbar, wenn wir sie leben. Und wo leben wir sie? In der Gemeinde.
Gemeindemitgliedschaft ist biblisch. Und schließlich sollten wir das tun zur Ehre Gottes. Wir sollten Gemeindemitglieder werden, uns in lokalen Gemeinden miteinander verbinden zur Ehre Gottes. Das ist das, was wir gestern bedacht haben. Wir sollen Gott loben und ehren.
Und es ist sehr interessant, was zum Beispiel Paulus den Ephesern schreibt in Epheser 3,10, wo er deutlich macht, dass der sichtbaren und der unsichtbaren Welt Zeugnis gegeben wird von der Weisheit Gottes durch die Gemeinde. Die Gemeinde gibt Zeugnis, sie bildet Gott ab, der Leib Christi, nicht die Hand allein oder der Fuß allein, sondern der ganze Leib bildet Christus ab. Also, lieber Hand, lieber Fuß, lieber kleiner Finger oder was auch immer du bist: Sieh zu, dass du an einen Leib rankommst, und dann kannst du erst richtig funktionieren.
Wir sollten unser Licht leuchten lassen, und viele Lichter leuchten heller.
Praktische Hinweise für gesunde Mitgliedschaft
Ein paar praktische Hinweise zu diesem Thema:
Ein Weg, wie wir helfen können, dass unsere Gemeinden reiner werden in der Mitgliedschaft, ist, das Evangelium klar zu predigen. Am Evangelium trennt sich die Spreu vom Weizen. Die, denen es ein Lottergeruch des Todes ist, werden irgendwann gehen, weil sie es nicht mehr aushalten. Oder der Herr wird sie bekehren, und dann wird es für sie ein Wohlgeruch, und alle anderen werden Freude daran haben.
Erklärt potenziellen Mitgliedern, was es bedeutet, Mitglied der Gemeinde zu sein, was ihr glaubt und wie ihr leben wollt. Wir wollen keine Leute in die Gemeinde aufnehmen, die letztendlich das Zeugnis der Gemeinde gar nicht mittragen wollen. Dazu sollten wir den Leuten aber sagen, wofür die Gemeinde steht. Ich denke, es ist hilfreich, in irgendeiner Form ein Bekenntnis zu haben, vielleicht einen Gemeindebund oder eine gemeinsame Verpflichtung, in der man sagt: So wollen wir leben, und so wollen wir nicht leben. Manchmal tut es auch eine gute Satzung.
Dritter Vorschlag: Wir sollten vorsichtig sein, sehr junge Menschen in die Mitgliedschaft hineinzunehmen. Also gerade wenn ihr Gläubige tauft, tauft sie nicht zu früh und macht sie nicht zu Mitgliedern. Es ist sehr viel schwieriger und schmerzvoller, jemanden später aus der Mitgliedschaft herauszunehmen, weil sich zeigt, dass er nicht gläubig ist, als jemanden ein bisschen warten zu lassen, bevor er Mitglied werden kann.
Die Kinder von Mitgliedern führt ihr auf einer Liste separat. Sagt: Unsere Mitglieder sind ..., und dann haben wir doch die Kinder von Mitgliedern. Die gehören irgendwie mit dazu, aber sie sind keine Mitglieder. Gebt den jungen Leuten Zeit, durch schwierige Phasen zu gehen und als Gläubige hindurchzugehen oder daraus hervorzugehen, sodass sie deutlich zeigen: Jawohl, wir sind Teil des Leibes Christi. Dann macht sie auch zu Mitgliedern.
Also seid vorsichtig bei der Aufnahme, und dann macht deutlich, wer dazugehört und wer nicht. Ich sollte einen Weg geben, in dem ihr das kenntlich macht. Ihr braucht eine Mitgliederliste, am besten eine mit Fotos, und die sollte allen zugänglich sein, sodass ich weiß: Das sind meine Brüder und Schwestern, und das sind Besucher. Und denen will ich helfen, entweder zu erkennen: Jawohl, da sollte ich auch dazugehören, und dann wollen wir sie zu Mitgliedern machen. Oder zu erkennen: Da gehöre ich noch nicht dazu, dann wollen wir sie evangelisieren. Oder zu sagen: Da will ich nicht dazugehören, und dann sollten wir sie ermutigen, woanders hinzugehen, weil es vielleicht eine andere Gemeinde gibt, in der sie sich wohler fühlen können.
Gemeindezucht als formende und korrigierende Aufgabe
Kommen wir also zur Gemeindezucht, kommen wir zu diesem so negativen Aspekt, der ja ganz eng zusammenhängt. Denn wenn wir Leute in der Mitgliedschaft haben, die eigentlich keine Glieder am Leib Christi sind oder zumindest ernsthafte Zweifel durch ihr Leben aufwerfen, dann müssen wir eingreifen.
Ich möchte aber deutlich machen: Gemeindezucht ist ein Begriff, der, glaube ich, viel zu oft viel zu negativ besetzt ist. Zucht kommt von Züchten und beschreibt letztendlich einen ganz natürlichen Prozess, bei dem wir Wachstum und Reifen fördern und unterstützen.
Das heißt, Gemeindezucht beginnt mit guter Lehre. Gemeindezucht beginnt mit positiver Ermutigung, mit dem Hinweisen auf gute und richtige Dinge und auf den richtigen Glauben. Gemeindezucht beginnt mit der Anleitung und Begleitung junger Christen. Wir ziehen sie groß. Das ist die positive Seite der formenden Zucht, wenn man so will.
Und dann gibt es die negative Seite, und das ist die korrigierende Zucht. Wenn da ein Problem ist, wenn beim Großziehen vielleicht irgendwo ein Problem auftritt, dann muss die negative Zucht auch stattfinden. Und ich möchte sagen: Da, wo die positive Zucht vernachlässigt wird, wird die korrigierende Zucht umso häufiger gebraucht werden.
Also meine erste Ermutigung ist: Eine gesunde Gemeinde versteht etwas von formender, von prägender Gemeindezucht. Fördert eure Mitglieder durch gute Lehre, durch Ermutigung, durch Mentoring, durch Anleitung und durch Begleitung. Und wenn ihr das getan habt, dann kann der Zeitpunkt kommen, an dem auch einmal negative Zucht notwendig ist.
Und das, was ich hier tue, ist dann ein Teil der positiven Zucht, die ihr in eurer Gemeinde praktizieren solltet. Das heißt: Bevor du jemals jemanden aus der Gemeinde ausschließt, tu das, was ich hier gerade mache. Lehre die Gemeinde über Gemeindezucht, damit die Gemeinde weiß, warum das jetzt notwendig ist, damit sie weiß: Der agiert jetzt nicht, weil er persönlich beleidigt ist, sondern weil es ihm um die Heiligkeit Gottes geht und um die Abbildung dieser Heiligkeit in der lokalen Gemeinde.
Einwände gegen Gemeindezucht und ihre Antwort
Gemeindezucht findet heute natürlich viele Widersprüche. Der erste und am häufigsten geäusserte Widerspruch ist: Du sollst nicht richten. Du sollst nicht richten, hat doch Jesus gesagt. Wie kannst du über Menschen richten? Wie kannst du sagen, der darf nicht mehr dazugehören? Jesus hat das ja eigentlich verboten. Und wenn gehört das, ist das die Aufgabe von Jesus allein?
Matthäus 7. Da sagt Jesus doch: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem eigenen Auge? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? Also ganz klar: Jesus war gegen Gemeindezucht. Du sollst nicht richten.
Oder aber, warte mal, es geht ja weiter. Du sollst nicht richten, nicht wirklich. Was heißt es? Worum geht es hier? Wir wollen die Texte richtig auslegen. Wir wollen verstehen, worum es Jesus hier ging.
Vers 5: Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst. Ah, ich soll sehr wohl, aber erst. Jesus geht es hier um die richtige Motivation. Es geht hier darum, dass wir nicht selbstgerecht über andere urteilen. Es geht ihm darum, dass wir uns selber prüfen. Aber dann: Und danach sieh zu. Also es gibt ein Danach.
Gemeindezucht ist biblisch. Übrigens, im gleichen Evangelium, Matthäus 7, da kommen dann noch ein paar Kapitel dazwischen, Matthäus 18. Da geht es ja genau darum. Da geht es dann genau um diese formende Zucht, um diese korrigierende Zucht. Das sind die beiden Bibelstellen, die Mette ja vorhin erwähnt hat: Matthäus 18 als sicherlich die bekannteste Stelle für Gemeindezucht bei privater, persönlicher Sünde, und 1. Korinther 5 bei öffentlich skandalöser Sünde.
Ich finde wichtig, dass wir verstehen, dass das zwei unterschiedliche Dinge sind. Bei Matthäus 18 geht es bewusst darum: Sündigt aber dein Bruder an dir. Hier geht es um eine persönliche, um eine private Sünde. Ich weiß, dass manche Übersetzungen in Vers 15 nicht diese zwei Worte an dir haben. Da wird immer argumentiert, deshalb ist das ja hier ein Beispiel für allgemeine Gemeindezucht, so soll man es immer machen. Da würde ich sagen: Lies einfach mal weiter in Matthäus 18 und komm mal zu Vers 21.
Was fragt Petrus? Und das findet ihr jetzt in jeder Übersetzung, Matthäus 18,21. Was fragt Petrus den Jesus dann, nachdem Jesus genau das gelehrt hat? Er sagt: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, der gegen mich sündigt? Also Petrus hat das schon so verstanden, dass es um persönliche, private Sünde ging, Sünde gegen ihn.
Also: Matthäus 18 beschreibt persönliche, private Sünde. Und auch deine persönliche, private Sünde erfordert, dass du erst den Sünder konfrontierst. Vielleicht bist du es ja auch selber und täuschst dich. Dann nimmst du einen Zeugen dazu, damit er das sauber klären kann, am besten einen wirklich neutralen, den der andere auch respektiert. Und dann bringst du es vor die Gemeinde. So soll Gemeindezucht praktiziert werden in solchen Fällen.
Aber öffentlich skandalöser Sünde sieht das etwas anders aus. Wenn wir eine öffentlich skandalöse Sünde haben, dann ist die Gemeinde berufen, sofort aktiv zu werden. Wir wollen klären, ob es sich so verhält, wie behauptet wird. Aber wenn mir jemand sagt: Hier ist ein Kinderschänder in der Gemeinde, dann suche ich nicht die ersten Gespräche und bringe vielleicht nochmal einen Zeugen mit und warte auf die nächste Gemeindeversammlung ab. Wenn ich klare Indizien habe, dann greife ich sofort ein. Denn es geht hier um die Heiligkeit des Herrn und unser Zeugnis in der Welt.
Wer gestern am Anfang da war, erinnert sich an das Beispiel von Matt, wo er sagte, als er nach Washington DC in diese Gemeinde kam und er geht hinter diesem homosexuellen Paar her, die über die Gemeinde lästern. Und wie betroffen ihn das gemacht hat, weil sie recht hatten, weil der Pastor dieser Gemeinde seine Frau betrogen hat. Alle wussten das. Da brauche ich nicht drei Mitgliederversammlungen abzuwarten und darüber lange zu beraten. Es ist offensichtlich. Da müssen wir eingreifen. Es geht um die Ehre Gottes, es geht um das Zeugnis in der Welt, und es geht darum, dass wir die Gemeinde schützen.
Ziel und Sinn der Zucht
Gemeindezucht soll aber nie einfach nur strafen. Gemeindezucht hat immer ein Ziel. Sie soll nie aus Hass oder Zorn geschehen. Wir sollten alle wissen: Keiner von uns ist frei von Versuchungen und von Sünden.
Das heißt, wenn Gemeindezucht notwendig wird, dann hat das immer ein Ziel. Wir wollen dem Betroffenen zu Recht helfen. Wir wollen ihm helfen, seine Sünde zu erkennen und umzukehren. Das ist das, was wir in allen Fällen lesen, sowohl in Matthäus 18, wo es darum geht, dass wir den Bruder wiedergewinnen wollen, indem wir es ihm sagen, als auch in 1. Korinther 5, wo in Vers 5 deutlich wird, dass der Geist gerettet werde am Tag des Herrn.
Das heißt, das Ziel ist die Rettung des Sünders durch das Ausschließen, durch diese radikale Ermahnung: Du lebst nicht mehr wie ein Christ, wach auf! Ihn wachzurütteln und zu sagen: Komm wieder rein! Denn wenn er wirklich Christ ist, dann braucht es manchmal ein etwas stärkeres Rütteln, bis der Heilige Geist sein Werk der Überzeugung von der Sünde getan hat. Und die Gemeindezucht ist ein von Gott gegebener Weg dafür.
Das ist immer wieder das, wozu die Bibel aufruft. Das heißt, wir wollen immer wieder Menschen, die von einer Verfehlung ereilt wurden, mit sanftmütigem Geist, in Liebe zurechtweisen. Das sagt Galater 6,1. Wir lesen ähnliche Dinge an verschiedensten Stellen. Die Bibel erwähnt Gemeindezucht immer wieder.
Ich gebe uns noch drei Beispiele. Ich will nicht zu viele Bibelstellen nennen, sonst verzetteln wir uns. In 2. Thessalonicher 3 heißt es in Vers 6: Wir gebieten euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht von jedem Bruder, der unordentlich lebt. Und etwas weiter im Kontext heißt es: Wenn aber jemand unserem Wort in diesem Brief nicht gehorsam ist, den merkt euch und habt nichts mit ihm zu schaffen, damit er schamrot werde.
In 1. Timotheus hören wir von Hymenäus und Alexander, von denen Paulus sagt, dass er sie dem Satan übergeben hat, damit sie in Zucht genommen werden und nicht mehr lästern. Auch hier ist ein positives Ziel im Blick. Aber auch der Blick auf die anderen: In 1. Timotheus 5,20 heißt es, die Sündigen weise vor allen zurecht, damit sie auch die anderen fürchten.
Also: Gemeindezucht ist gut. Gemeindezucht ist gut, zum einen, weil sie dem Positiven dient, dass wir Leute heranziehen wollen, züchten wollen, wir wollen sie im Wachstum fördern. Zum anderen ist sie gut, weil sie der Person, die unter Gemeindezucht kommt, hilft. Es hilft ihr, Sünde zu erkennen und Korrektur zu erfahren. Es ist gut zum Wohle anderer Christen, weil sie nicht verwirrt werden darüber, was es heißt, Christ zu sein. Es gibt eine Klarheit darüber, was geht und was nicht geht. Es hilft der Gemeinde in ihrer Gesundheit als Ganzes.
Ein bisschen Sauerteig durchfrisst den ganzen Teig. Ein paar kleine Krebszellen können einen ganzen Menschen umbringen. Wir wollen da eingreifen. Es ist gut für das gesamte Zeugnis der Gemeinde nach außen, in der Welt gegenüber. Wir sollen ein Abglanz der Herrlichkeit Christi sein. Deswegen sollten wir der Sünde nicht dauerhaft Raum geben, in uns persönlich und in unseren Gemeinden.
Und es ist gut zur Ehre Gottes. Es ehrt Gott, wenn wir auch als Gemeinden so leben, wie er das will. Und das heißt manchmal eben auch, jemanden auszuschließen, so schmerzhaft das ist.
Vorsicht vor falscher Härte
So, und jetzt kommen die Warnungen. Es gibt gute Gründe, keine Gemeindezucht zu üben, und das meine ich durchaus ernst. Ohne positive Gemeindezucht keine negative Gemeindezucht. Wenn wir die Leute nicht lehren, wie sie leben sollen, dann können wir sie nicht ausschließen dafür, dass sie so nicht leben.
Wir müssen den Leuten klar kommunizieren, was wir von ihnen erwarten. Wenn jemand Mitglied der Gemeinde wird, dann soll klar sein: Dieses Glaubensbekenntnis erwarten wir von dir, und so sollst du leben. Und wenn du das nicht tust, dann wirst du ausgeschlossen werden. Aber wenn du es nicht tust, wenn du es jetzt schon nicht tust, dann brauchst du gar nicht erst Mitglied zu werden.
Also: Ohne klare Lehre von der Mitgliedschaft bringt Gemeindezucht gar nichts. Dann ist sie nur hartherzig und wird Leute überraschen, und keiner wird es verstehen. Wir wollen also über Gemeindezucht erst lehren, bevor wir sie praktizieren. Und wir wollen sicherstellen, dass wir Gemeindezucht niemals aus falschen Motiven üben.
Wenn ich voll Hass und Zorn gegen jemanden bin, dann sollte ich erst einmal beten, dass Gott mir hilft, diesen Menschen zu vergeben, so wie Christus mir vergeben hat. Und dann sollte ich zur Tat schreiten, weil ich nur dann mit dem Ziel handeln werde, diesem Menschen wirklich zu helfen. Und das ist das Ziel der Gemeindezucht.
Geistliches Wachstum als Auftrag der Gemeinde
Wir haben also die Grenzen gesehen, wir haben den Eingang in die Gemeinde gesehen und den Ausgang aus der Gemeinde heraus. Kurz gesagt: Was soll in der Gemeinde selbst mit Christen passieren? Das ist im Prinzip noch einmal Teil der positiven Zucht. Es geht also um geistliches Wachstum, es geht um Jüngerschaft. Dazu nur ein paar ganz kurze Anmerkungen.
Die Bibel lehrt, dass Christen geistlich wachsen. Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon. Das ist Psalm 92,13. In Markus 4 lesen wir in den Versen 26 und 27 über das Reich Gottes, dass es so ist, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag. Und der Same geht auf und wächst, und er weiß nicht wie. Wachstum im Reich Gottes ist ein ganz natürlicher Prozess, automatisch. Wer wirklich Christ ist, wächst. Wenn jemand nicht mehr wächst, dann stimmt irgendetwas nicht.
Dieses Wachstum geschieht, weil Gott wirkt. Und genau das ist es, was Paulus zum Beispiel den Korinthern schreibt, wo er sagt: Ihr streitet euch darüber, zu wem ihr gehört. Aber wisst ihr: Ich habe gepflanzt, Apollos hat gegossen, aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist es weder der Pflanzer noch der Begießer, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Gott gibt Gedeihen. Und immer wieder dankt Paulus in seinen Briefen Gott. Bei den Thessalonichern zum Beispiel schreibt er im 2. Thessalonicherbrief, dass wir Gott allezeit für euch danken müssen, liebe Brüder, wie es sich gebührt, denn euer Glaube wächst sehr. Gott gibt das Wachstum, sonst würden wir ihm nicht danken. Gott gibt Wachstum.
Und doch ist es unsere Verantwortung, sowohl die Verantwortung guter Leiter in Gemeinden als auch die Verantwortung jedes einzelnen Christen. Schaffet, dass ihr selig werdet mit Furcht und Zittern, das ist ein Auftrag an uns alle. Der nächste Vers lautet: Denn Gott ist es, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen. Wir sollen uns bemühen, aber Gott schenkt es. Aus uns heraus, rein menschlich gesehen, wird niemand geistliches Wachstum produzieren können, weil Gott am Anfang allen geistlichen Wachstums steht und weil Gott alles geistliche Wachstum letztendlich schenkt. Also ist es immer ein Beides. Es ist die Verantwortung eines jeden Christen, aber es ist auch Gottes Wirken.
Paulus ruft immer wieder dazu auf: Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. Also ist Wachstum ein Auftrag an alle Christen. Wenn geistliches Wachstum also ausbleibt, dann ist zumindest in Frage zu stellen, ob der oder die Betreffende wirklich gläubig ist. Ist Gott schon am Wirken in diesem Menschen? Wenn hier nichts wächst, ist der gute Same vielleicht noch nie aufgegangen. Dann hat dieser Mensch nichts in der Mitgliedschaft zu tun. Aber wir sollten in ihn investieren, wir sollten ihm das Evangelium sagen, denn das muss er dann hören. Vielleicht krankt es an anderen Stellen.
Wir wollen nicht jedem, bei dem wir nicht immerzu geistliches Wachstum sehen, den Glauben absprechen. Wir wollen auch uns selbst das nicht absprechen. Vielleicht sitzt hier jetzt gerade einer und sagt: Ich weiß gar nicht, wie ich in letzter Zeit geistlich gewachsen bin, wahrscheinlich bin ich kein Christ. Das will ich dir damit nicht sagen. Ich will dir damit nur sagen: Zum einen siehst du vielleicht das geistliche Wachstum in deinem Leben selbst gar nicht. Frag mal die Menschen um dich herum: Bist du liebevoller geworden? Bist du gewachsen in der Erkenntnis von Jesus Christus? Bist du ihm in irgendeinem Bereich ähnlicher geworden, vielleicht geduldiger? Schau deine Brüder und Schwestern an und sag ihnen das ab und zu auch mal: Ich sehe in dir die Gnade Gottes wirken. Lasst uns einander so ermutigen.
Aber wenn du das selbst nicht siehst und kein anderer sieht das in dir, dann gibt es ein paar Dinge, die du tun solltest. Du solltest Gottes Wort hören, das dich in schärferer Form ermahnt. Gott ermahnt die, die nicht wachsen. 1. Korinther 3: Und ich, liebe Brüder, konnte nicht zu euch reden wie zu geistlichen Menschen, sondern wie zu fleischlichen, wie zu unmündigen Kindern in Christus. Milch habe ich euch zu trinken gegeben und nicht feste Speise, denn ihr konntet sie noch nicht vertragen. Auch jetzt könnt ihr es noch nicht, weil ihr noch fleischlich seid.
Paulus sagt hier: Ihr seid etwas, das nicht zusammenpasst. Ihr sagt, ihr seid Kinder Gottes, aber eigentlich seid ihr fleischlich. Er sagt: Es passt nicht zusammen. Im Prinzip klingt das so, als wenn Paulus hier komplett widersprüchlich spricht, und genau das ist der Fall. Er sagt, er weiß gar nicht genau, wie er euch ansprechen soll. Seid ihr noch fleischlicher, seid ihr schon Kinder Gottes? Es gibt keine fleischlichen Kinder Gottes. Also Leute, werdet wachsam: Wo steht ihr eigentlich? Darauf sollten wir bei Leuten in unserer Gemeinde achten, und wir sollten es fördern. Wir sollten es fördern durch ein klares Evangelium.
Ähnliches finden wir in Hebräer 5, ich überspringe das jetzt aus Zeitgründen. Also: Geistliches Wachstum wird gefördert durch gute Leiter. Gute Leiter füttern die Schafe, gute Leiter haben Acht auf die Schafe. Wir haben gerade im letzten Vortrag darüber nachgedacht, wie das ein Auftrag für jeden Leiter ist. Gute Leiter geben die Nahrung, die zu Wachstum und Heilung führt, und das ist Gottes Wort. Der Mensch soll nicht leben vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.
Paulus schreibt, dass der Christus die Gemeinden geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heilige, nachdem er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort. Das Wort ist das, was heiligt, das Wort ist das, was uns wachsen lässt. Also leben gesunde Gemeinden davon, dass ihre Mitglieder wachsen. Und das tun sie durch textauslegende Predigten, wir haben das gehört, durch eine gute biblische Theologie, die uns hilft, die ganze Bibel zu verstehen, wie sie auf Christus hinweist. Sie tun das durch ein klares Verständnis und eine klare Verkündigung des Evangeliums, und Leiter tun das, indem sie Acht auf die Schafe haben.
Mentoring und Weitergabe geistlicher Reife
Abschliessend zwei praktische Hinweise.
Eines, was meines Erachtens ein guter Leiter tun sollte, um geistliches Wachstum in der Gemeinde zu fördern, ist, zumindest einen Teil seiner Zeit darauf zu verwenden, die reifen Christen in der Gemeinde weiterzufördern. Die Versuchung und die Anforderung an Christen in Gemeinden, an Pastoren und Gemeindeleiter, ist oft: Kümmert euch um die Schwachen! Das wollen wir tun. Mert sprach vorhin von der Careless, darum, wie wir uns um die Schwachen kümmern. Das wollen wir tun. Aber wenn ich meine ganze Zeit immer nur in die Schwachen investiere, dann habe ich irgendwann keine Zeit mehr für irgendetwas anderes.
Ich sage euch, was ich persönlich gelernt habe und selbst praktiziere: Ich suche mir ein paar junge Leute und ein paar nicht mehr ganz so junge Leute, und ich investiere in diese Leute. Ich investiere in, ich nenne einfach mal Albert Keller, der gestern Abend bei uns in der Gemeinde die Bibelstunde gemacht hat. Ich habe in den letzten Jahren ein bisschen Zeit mit ihm verbracht. Er ist in einer Gruppe, in der wir gemeinsam die Bibel studieren. Und Albert wächst geistlich. Und jetzt nimmt er mir ein bisschen Last ab.
Ich investiere in einige Menschen, die ein Herz haben, sich um andere zu kümmern, Christian Klein, ein hervorragender Hauskreisleiter, viele junge Leute, die mit ihren Problemen jetzt zu ihm kommen, weil ich ein bisschen Zeit in ihn investiert habe. Da möchte ich euch zu ermutigen: Geistliches Wachstum fördert man oft von oben nach unten. Investiert in die Leute, die eure Arbeit mittragen können. Pastoren, investiert in eure Ältesten. Älteste, investiert in eure Diakone. Diakone, investiert in die reifsten Christen in euren Gemeinden.
Und tut das nicht für zwanzig Jahre in die gleiche Person, sondern sagt: Nach zwei Jahren such dir wen anders, damit du wieder wen fördern kannst. Und du suchst dir wieder einen neuen, und der soll dann nach zwei Jahren wieder losgehen und wen anders fördern. Das ist unser Auftrag, so fördern wir geistliches Wachstum. Das heisst, Mentoring sollte von oben nach unten stattfinden in Gemeinden.
Das ist im Prinzip mein erster und zweiter Punkt, die sich hier überlappen. Das heisst, die Frage zum Abschluss: Wie sieht es aus, hat jeder von euch jemanden unter seinen Fittichen, dem er hilft beim geistlichen Wachstum? Wer nicht? Ich bin sonst nicht so für To-do's, aber hier hätte ich eins für dich.
Am Sonntag nach dem Gottesdienst, falls du in deiner eigenen Gemeinde bist oder wann immer du zurück bist in deiner Gemeinde, such dir jemanden, den du fördern kannst im Glauben. Und wenn du erst ein Jahr im Glauben bist oder drei Monate, vielleicht findest du jemanden, der genauso lange im Glauben ist. Vielleicht findest du auch jemanden, den du ermutigen kannst. Aber such dir jemanden, gib das weiter, was Gott dir offenbart. Und idealerweise such dir jemanden, der in dich investieren kann. Aber das Erste ist wichtiger als das Zweite.
Geh und nimm die Gnaden, die Gott dir gegeben hat, und investiere sie weiter in andere. So werden wir Gemeinden erbauen, und Gemeinden werden robust und stabil. So wird Sünde weniger Raum haben. Gemeindemitgliedschaft wird bedeutender werden, weil die Leute eindeutiger Teil des Leibes Christi sind. Und ich denke, es wird leichter werden, Gemeindezucht sowieso im Positiven zu üben, weil das genau das ist, aber auch im Negativen zu üben, wenn das mal nötig ist.
Schlussgebet
Ich möchte beten.
Himmlischer Vater, du hast uns in deinem Wort so viele wunderbare Dinge offenbart. Wir haben darüber nachdenken dürfen, was das Evangelium ist. Wir haben darüber nachdenken dürfen, was die Verkündigung deines kraftvollen Wortes bedeutet. Wir haben darüber nachdenken dürfen, wie du die ganze Welt, das ganze Universum, geschaffen hast. Und wir haben darüber nachdenken dürfen, wie du eine neue Schöpfung machst und wie du in uns damit angefangen hast.
Ja, aber dein Wort gibt uns auch noch andere Aufträge. Wir sind dir dankbar, dass du uns nicht allein in deine Nachfolge berufen hast, sondern dass wir das Arm in Arm mit anderen Christen tun dürfen. Du gibst uns manchmal auch den schweren Auftrag, einzugreifen, wo etwas falsch läuft.
Ich möchte dich bitten, dass du uns immer wieder Liebe gibst für die Menschen, die Gemeindezucht bedürfen. Gib uns Demut im Umgang mit solchen Situationen. Gib uns Weisheit, aber gib uns auch entschiedenes Handeln, damit wir als Gemeinden deine Herrlichkeit und deine Heiligkeit widerspiegeln können.
Herr Hans, so möchte ich dich bitten, dass du das tust zu deiner Ehre und zum Wohle der Gemeinden, die hier in diesem Raum repräsentiert sind. Amen.

