
67: Wie du die Fußball-WM evangelistisch nutzen kannst – mit Simon Printz
06.09.2026
Serie•Teil 67 / 67Machbar - Der Podcast für Alltagsmissionare
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein ungewöhnlicher Weg ins Gespräch
Simon, du hast in den letzten Jahren viel Umzugserfahrung gesammelt. Ich habe mir notiert: zehnmal umgezogen. Was war der verrückteste oder der kurioseste Umzug?
Also, ich glaube, da könnte ich dir direkt ein paar Geschichten erzählen. Ich bin damals mit meiner Familie von Sankt Petersburg nach Deutschland umgezogen. Eine Sache war erst, dass ein viel zu kleiner Lkw kommen sollte. Dann kam aber ein viel zu riesiger Lkw. Wir hätten alles Mögliche mitnehmen können. Am Ende hat mein jüngster Bruder zu dem Zeitpunkt sein Visum nicht bekommen. Das heißt, meine Mutter musste noch mal eine Woche länger dort bleiben, weil der Papierkram noch nicht erledigt war. Ich hätte also fast meinen jüngsten Bruder verloren.
Oder einmal bin ich mit einem Bollerwagen und einem Longboard von einem Ort zum anderen Ort im Dorf umgezogen. Das sind so vielleicht zwei random stories.
Cool. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Machbar, dem Podcast für Alltagsmissionare. Ich bin Christian, und mit dabei ist heute Simon Prinz. Simon, herzlich willkommen.
Vielen Dank, schön, dass ich da sein darf.
Ja, und auch an euch herzlich willkommen. Bei Machbar bekommt ihr Tipps, um euren nächsten einen Schritt näher zu Jesus zu führen. Und Simon nutzt Fußball, um Menschen einen Schritt näher zu Jesus zu bringen. Und mit der WM, die in ein paar Tagen startet, haben wir alle eine riesige Chance, genau das auch zu tun.
Und wir reden heute darüber, wie Simon selbst Alltagsmission lebt und warum Fußball so eine starke Brücke zum Evangelium ist. Vor allem geht es darum, wie wir die WM genau dafür nutzen können, zur Alltagsmission, und mit Freunden, Kollegen und Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Auch über unseren Glauben, über die Hoffnung, die wir in uns haben.
Simon hat am TSR Theologie studiert, mit dem Schwerpunkt Theologie und Sport, und arbeitet seit 2023 bei ProEleven. Das ist ein fußballmissionarischer Dienst von Campus für Christus. Er baut gerade den neuen Standort in Gießen mit auf, ist viel unterwegs mit Fußballcamps und internationalen Einsätzen, und nebenbei spielt er auch selbst noch Spikeball in der zweiten Bundesliga. Stimmt das so?
Ja, nicht ganz. Das ist weniger geworden. Spikeball spiele ich nur noch ab und zu mal. Während der Zeit, als ich am TSR war, habe ich mehr Spikeball gespielt. Jetzt bin ich wieder im Fußballverein, so wie es die Zeit irgendwie zulässt. Ansonsten stimmt das.
Beim TSR habe ich dich auch getroffen. Hast du eigentlich zeitgleich mit Esther, meiner Tochter, gemacht?
Ja, also das erste Jahr waren wir zusammen in einem Jahrgang.
Glaube und Sport als zusammengehörige Lebensbereiche
Seman, Theologie und Sport als Studienschwerpunkt, das klingt erstmal irgendwie ungewöhnlich. Was war der Moment, in dem du gemerkt hast, dass das irgendwie zusammengehört und dass du das verbinden willst?
Ich glaube, das sind zwei Sachen, die in meinem Leben schon immer irgendwie so resoniert haben. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, und dementsprechend war Glaube etwas, womit ich irgendwie groß geworden bin. Ich bin in einer Missionarsfamilie groß geworden und trotzdem war da irgendwann derselbe Punkt: die eigene Entscheidung zu treffen, für Jesus, für ihn Ja zu sagen.
Aber auch Sport war irgendwie immer ein Thema. Ich war im Fußballverein, ich war parallel irgendwann im Tischtennisverein. Dann dachte ich mir: Hey, lass mal noch mal ins Schnuppertraining vom Basketball gehen. Dann habe ich gemerkt: Oh, ich habe gar keine Zeit. Lass noch mal ins Schnuppertraining Volleyball gehen. Auch keine Zeit. Und so habe ich gemerkt: Okay, das sind irgendwie so zwei Leidenschaften.
Ich habe Sportabi gemacht, und Sport begleitet so irgendwie mein Leben. Und ich bin dann eigentlich immer beim Fußball hängen geblieben. Als ich dann gehört habe: Hey, du kannst diese zwei Dinge irgendwie auch im Studium verbinden, dachte ich mir: Hey, nichts wie los. Ich will da mehr wissen. Wie kann ich Fußball und Glaube, wie kann ich Sport und Glaube generell noch besser verbinden und auch in dem Kontext nicht irgendwie in zwei verschiedenen Welten zu leben, sondern das zu einem zu machen?
Ja, voll gut. Was hast du so während des Studiums gelernt, das dir heute noch bei der Arbeit bei Pro Eleven hilft?
Also das Studium war natürlich sehr umfangreich, super viele Sachen. Aber wenn ich an den Unterricht Theologie und Sport zurückdenke, das war ja ein Schwerpunkt, dann denke ich an sehr viele spontane Sessions, wo wir unterwegs waren. Zum Beispiel sind wir auch durch den Wald gelaufen, und dann hieß es: Okay, und jetzt mach einen Input zu. Nimm den Bibelvers Johannes 3,16 und die Veranschaulichung von einem Fußball. Oder von was auch immer.
Und dann hatten wir zwei Minuten Zeit auf diesem Spaziergang durch den Wald, und dann sollte man vor der Gruppe kurz seinen Drei-Minuten-Input erzählen. Ich glaube, dieses spontane Reagieren, das, was man irgendwie da hat, das, was einen irgendwie bewegt, und dann aber auch das Verknüpfen mit dem Evangelium, mit einer Bibelstelle, das ist eine Sache, die hängen geblieben ist. Und ich glaube, die kann ich auch immer wieder im Alltag in der Fußballmission gebrauchen, weil es eben diese Spontaneität braucht, immer wieder auf die Situation zu reagieren. Ich glaube, das ist eine Sache, die ich mir mitgenommen habe.
Wenn ich an diese zwei Minuten denke, würde mich das mega stressen, wenn ich ... Warst du da relaxed oder hast du gleich eine coole Idee gehabt?
Das Ding war: Der Kopf hat direkt angefangen zu rattern. Du hast überlegt: Oh nein, was erzähle ich gleich? Weil du wusstest, der Dozent wird dich danach auch so ein bisschen grillen.
Ja, auf jeden Fall. Und er wollte dich so ein bisschen striezen, damit wir da auch einfach über uns selber reflektieren: Okay, ja, was sagen wir denn da? Und wenn wir dann irgendwas sagen wie: Jesus ist wie der Ball, dann so: Wie, Jesus ist kein Ball, Simon. Oder wenn du irgendwelche Konzepte nutzt oder einfach so von Sünde redest oder von Trinität oder sonst irgendwas, dann wurdest du dafür auch gegrillt, weil das sind Dinge, die ... also wer kennt das?
Ja, ja, genau. Also soll es in normaler Sprache sein, die man versteht, ohne Theologie studiert zu haben.
Ja, okay, gut. Also so lebensnah wie möglich, damit die Leute, mit denen du unterwegs bist, das einfach auch verstehen können.
Wir haben am Anfang schon kurz darüber gesprochen, dass du oft umgezogen bist. Wie ist das für dich? Wie schaffst du das, an einem neuen Ort schnell Beziehungen aufzubauen und auch irgendwo Alltagsmission zu leben? Also ich stelle mir das irgendwie herausfordernd vor. Vielleicht etwas konkreter gefragt: Was sind so die ersten Schritte, die du gehst, auch wenn du noch niemanden kennst?
Ich bin einmal umgezogen, das war von der neunten zur zehnten Klasse. Zur zehnten Klasse bin ich dann auf eine neue Schule gekommen, also an einen neuen Ort.
Also sind Sie nicht in der Schule gewohnt.
Nein, nein, nein, nein, nein, nein.
Und das war ein Zeitpunkt davor, an dem ich super viele Leute kannte. Ich war sehr gut vernetzt. Und dann bin ich an einen neuen Ort gekommen und ich musste feststellen: Boah, es ist super herausfordernd. Niemand kommt auf mich zu. Niemand hat gewartet: Ah, endlich ist der Simon da, jetzt inkludieren wir ihn direkt in unsere Freundesgruppe. Sondern ich musste lernen: Hey, okay, es kommt auch ein bisschen auf mich drauf an, Schritte zu gehen, auf Leute zuzugehen und das Gespräch zu suchen.
Mit den Leuten, mir immer wieder auch Zeit rauszunehmen. Mir hat geholfen, in einem Sportverein zu sein und da irgendwie mit den Leuten vernetzt zu sein. Gemeinde ist auch immer wieder ein Ort, wo es mir geholfen hat, mit Leuten vernetzt zu sein. Und ja, das würde ich sagen: dieses Okay, auf Leute zuzugehen.
Was mir irgendwie hilft, ist, dass ich eine sehr outgoing Person bin. Ich mag es, mit Leuten in Kontakt zu kommen, ich mag es auch, Leute kennenzulernen, und das hilft mir persönlich natürlich sehr.
Beziehungen im Alltag und erste geistliche Gespräche
Du bist ständig unterwegs, viel mit Christen zusammen. Aber wenn du unterwegs bist für deine Arbeit, für Pro Eleven, und viele Events und so weiter mitgestaltest: Wie schwer ist es überhaupt, da tiefere oder echte Beziehungen zu Menschen zu knüpfen, die Christus noch nicht kennen, die du auch so täglich in deinem Umfeld hast, gerade eben aber abseits von dem Dienst, den du bei Pro Eleven machst?
Ich würde sagen, es gibt immer so Phasen. Dann gibt es Phasen, in denen ich viel unterwegs bin. Aber dann gibt es auch Phasen, in denen ich vor Ort bin, in Gießen, da, wo ich wohne. Und ich merke: Wenn ich viel unterwegs war, wow, okay, darunter leiden natürlich auch die Beziehungen vor Ort.
Aber mein Job ist eigentlich in erster Linie auch die Standortgründung, die Standortentwicklung von Pro Eleven in Gießen. Und dementsprechend versuche ich schon auch immer wieder, dort vor Ort zu sein, zu netzwerken und meine Kontakte dort am Laufen zu halten.
Ich würde sagen, man hat immer wieder verschiedene Kontakte. Wenn ich unterwegs bin, habe ich in der Bahn vielleicht Kontakte, wenn ich einfach die Kopfhörer rausnehme und mir sage: Okay, nee, ich bin jetzt nicht irgendwie nur am Arbeiten. Vielleicht bin ich am Arbeiten, aber diesmal ohne Kopfhörer, um zu hören, um zu gucken, was passiert um mich herum. Einfach dieses aufmerksam zu leben.
Und dann aber auch, wenn ich zum Beispiel im Fußballverein da bin, zu überlegen: Hey, okay, ja, wo habe ich einfach noch Überschneidungsmöglichkeiten mit anderen Leuten? Wo habe ich Überschneidungspunkte? Vielleicht mag der eine auch Joggen, und so treffe ich mich immer wieder mit dem einen, und wir joggen morgens dann um, ich schlage mal so sieben Uhr vor oder sieben Uhr dreißig, damit ich dann noch irgendwie zur Arbeit komme, wenn nicht der ganze Tag irgendwie draufgeht. Aber das sind dann so Punkte. Oder der eine mag Kaffee trinken, hey, lass uns da einen Kaffee trinken.
Und das gehört natürlich auch ein bisschen zu dieser Organisation: Wann machen wir das? Aber so versuche ich das immer wieder zu inkludieren.
Wenn du solche Begegnungen oder Gespräche hast, welche sind dir da besonders in Erinnerung geblieben aus der letzten Zeit? Gerade von diesen Begegnungen, wo du auch länger dran bist an Menschen, wie im Fußballverein, wie beim gemeinsamen Joggen, Verabreden.
Also ich habe konkret einen vor Augen, mit dem bin ich immer wieder schon laufen gegangen und wo ich mir wünsche, dass da irgendwie mehr passiert. Aber ich merke: Wow, okay, das ist auch ein hartes Pflaster. Er ist sehr auch gegen Christentum, ich glaube, er hat sehr viele Vorwürfe auch gegen Kirche, und das ist das, was ihn sehr stark hemmt.
Aber wir sind immer wieder im Gespräch, und ich frage ihn: Hey, wie sieht es bei dir aus in deinem Leben, was machst du gerade, wie läuft das Studium? Und er erzählt mir dann, und dann kommt die Rückfrage: Hey Simon, was machst du denn? Und dann erzähle ich ihm von der letzten Predigtvorbereitung oder von der Gebetserhöhung aus dem Fußballcamp oder was auch immer. Einfach aus deinem Alltag so das Leben teilen. Ja, also: Was passiert gerade in meinem Alltag?
Und natürlich könnte ich sagen: Ja, ich war halt ein bisschen unterwegs. Oder ich erzähle halt ein bisschen Inhalte von dem, was ich erlebt habe. Und das ist natürlich dann immer irgendwie meine eigene Sache.
Oder ein anderes Beispiel: Da war einer, den ich auch im Fußballverein kennengelernt habe, und wir waren immer mal wieder auch so im Gespräch. Aber während des Trainings passiert nicht so viel, dann aber beim Dehnen hat er mich gefragt: Hey Simon, du bist doch auch Christ, das war jetzt so vor Ostern. Wie machst du das eigentlich mit dem Fasten?
Also: Ja, so und so. Wieso interessiert es dich? Ja, weil ich bin ja auch so Christ und so. Und dann habe ich mir überlegt: Ja, wie mache ich das jetzt mit dem Fasten? Und dann: Wie, du bist Christ? Ja, ich bin da schon mal in die Kirche gegangen und ich bin getauft. Okay?
In dem Gespräch habe ich gemerkt: Ja, okay, da gibt es noch Steps zu gehen. Ich glaube, es gibt dieses traditionelle: Okay, ich bin Christ. Aber okay, habe ich wirklich eine lebendige Beziehung mit Jesus?
Und ich habe ihn dann herausgefordert: Hey, schau doch vielleicht mal in die Bibel. Und bin immer wieder dann auch dran geblieben. Und wir haben uns tatsächlich, ja, diese Woche Montag haben wir uns das erste Mal getroffen zum Bibellesen und waren zwei Stunden im Café und haben in die Bibel geschaut und geguckt, wie kann man die Bibel lesen?
Also richtig cool, wo ich sagen würde: Hey, das ist eine Beziehungssache. Step by Step muss das eine so zum anderen.
Persönliche Glaubensgeschichte und innere Einheit
Du hast eben gesagt, dass du in einer christlichen Familie aufgewachsen bist. Wie war das bei dir selbst? Wo bist du zum Glauben gekommen und hast auch Jesus besser kennengelernt? Hat Sport dabei auch eine Rolle gespielt, also diese Verbindung, oder ist das erst später gekommen?
Ich würde sagen, bei mir war es lange Zeit eher so, dass ich, vom Gefühl her, mein Zuhause hatte. Dort war ich der Simon, der natürlich der gut erzogene Christ war, der brave Simon, der schön lieb in die Gemeinde geht. Sonntagsgemeinde, da ist natürlich Gesetz, da geht man mit. Aber im Fußballverein oder in der Schule wollte ich schon immer der sein, der gut ankommt, der ja... Das war ein anderer Simon, quasi. So würde ich es schon noch ein bisschen sagen.
Ich hatte immer wieder dieses Gefühl von zwei Welten, in denen ich lebe. Da bin ich da, und dann bin ich hier, und okay, ich fühle mich irgendwie so zerrissen in diesen zwei Welten. Und die Frage, wie bekomme ich das irgendwie zusammen, das hat mich schon auch immer wieder beschäftigt.
Ich kann mich an einen Moment mit sieben erinnern, als ich mit meiner Mutter zusammen gebetet habe: Ja, ich will mein Leben dir geben, Jesus. Meine Eltern haben auch immer wieder gesagt: Hey Simon, nur weil wir diese Entscheidung getroffen haben, heißt das nicht, dass du diese Entscheidung getroffen hast. Das ist eine persönliche Sache zwischen dir und Jesus. Du musst selber glauben. Genau, du musst selber glauben, Gott hat keine Enkelkinder. So dieses Ding.
Ja, und dann kann ich mich an Heute heißt es, glaube ich, True Story erinnern. Früher hieß es, glaube ich, noch Jesushaus, oder ich weiß nicht mehr genau. Ja, ja, das ist die Jugendabteilung von ProChristen. Ja, genau, so Jugendevangelisationswochen. Ich glaube, ich war im Nordschwarzwald, da habe ich da gerade gewohnt, als ich Teenager war. Ich glaube, dort hieß es teilweise so. Und das waren Abende in der Gemeinde, wo ich wieder neu gemerkt habe: Hey ja, okay, das ist eine Sache. Ich will diese Sachen zusammenbringen. Das, was ich mit sieben entschieden habe, das will ich irgendwie nicht als zwei getrennte Sachen, sondern hey, das soll in meinem Leben Raum haben. Und zwar vielleicht mit dreizehn, vierzehn.
Ich habe gemerkt: Hey, das ist wirklich eine tagtägliche Entscheidung. Okay, wie lebe ich das? Lebe ich das wirklich? Und so gab es immer wieder auch herausfordernde Momente, auch im Fußballverein, wo der Trainer gesagt hat: Hey, ich hätte gerne Training Dienstag und Freitag. Und ich gemerkt habe: Oh Mist, Freitag ist aber Teamkreis. Okay, was mache ich jetzt? Ich war zerrissen und habe dann nach längerem Überlegen den Mut gefasst, auch zum Trainer zu gehen und zu sagen: Hey, wenn du das Training auf Freitag verlegst, von Donnerstag auf Freitag, dann kann ich leider nur noch einmal die Woche kommen, weil Freitag Teamkreis ist.
Das hat mich sehr viel Überwindung gekostet, aber der Trainer hat sich das angehört und meinte: Simon, ich habe dich sehr, sehr gerne in meinem Team, und ich hätte gerne, dass du auch zweimal die Woche trainieren kannst. Wir lassen es am Donnerstag. Und ich dachte: Krass, er hat gar nichts mit dem Glauben zu tun, er supportet das gar nicht. Aber weil ich irgendwie den Mut hatte, da auch aufzustehen und meinen Glauben irgendwie zu bekennen und da zu sagen: Hey, mir ist Gemeinde wichtig, mir ist der Teamkreis wichtig, hat er dann auch Rücksicht genommen.
Später habe ich das auch immer wieder erlebt. Da habe ich es auch zum Trainer gesagt, er hat den Termin trotzdem auf den Tag vom Teamkreis gelegt. So war das dann. Dann war ich nur einmal die Woche im Training. Aber so musste ich dann auch irgendwie früh Entscheidungen treffen und auch dann einstehen für meinen Glauben und das Bekennen, ja.
Hast du schon, bevor du 2023 zu Pro Eleven gegangen bist, versucht, irgendwie Sport, Fußball und persönliche Entwicklung zu verbinden? Ich hatte immer wieder Momente. Ich hatte schon damals hier so dieses Armut von d'Avore, und das ist ja so ein Klassiker. Und wenn du das irgendwie auch in der Kabine anhast, dann kam auch schon mal bei einer Fahrt zum Spiel: Hey Simon, auf welchem Festival warst du denn eigentlich? Ja, okay, es ist nicht ganz ein Festival, aber... Und dann hast du es kurz erklärt. Dann habe ich erklärt: Hey, was bedeuten diese Symbole? Oder ja, mein Vater ist Pfarrer, und damals im Ort wussten die Leute: Ah, okay, Simon Prinz, warte, der Vater ist doch Pfarrer.
Und dann waren das natürlich auch Gespräche, irgendwie unter der Dusche: Simon, musst du jetzt jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen? Ja, was heißt muss? Also, ich will. Aber warum bist du nicht im Gottesdienst? Ich habe immer versucht, auch so durch schlagfertige Antworten die Leute ein bisschen herauszufordern. Und da gab es dann schon auch immer wieder so Gespräche, die mich natürlich gefreut haben, irgendwie da von einem ins Nächste zu kommen.
Die Arbeit von Pro Eleven und der Aufbau in Gießen
Ja, erzähl doch mal kurz für alle, die Pro Eleven noch nicht kennen: Was ist eure Vision, was machst du da ganz konkret, und wie sieht so eine typische Woche bei dir aus?
Ja, also Pro Eleven, du hast vorhin schon gesagt, ist eine fußballmissionarische Arbeit. Wir wollen Fußball und Glaube miteinander verbinden. Und wir sagen: Okay, wir wollen Gottes Liebe auf die Fußballplätze bringen, durch Wertschätzung, durch Liebe, durch Annahme. Genau, und dass Gottes Liebe dort einfach präsent wird.
Und dafür machen wir Fußballschulen. Ich glaube, dieses Jahr haben wir um die 30 Fußballschulen, die wir mit Gemeinden zusammen in ganz Deutschland umsetzen. Wir machen mehrere Turniere, also Fußballturniere, den ganzen Samstag. Wir machen Einsätze, nationale und internationale Einsätze, wo wir dann eine Woche unterwegs sind und die Leute dort supporten.
Und dann haben wir auch verschiedene Standorte in Deutschland, in Nürnberg, dort haben wir vor ungefähr fünf Jahren gestartet, in Berlin, in Stuttgart und in Gießen. Gießen ist mein Standort. Diese Standorte machen wir, damit wir nicht nur diese Events haben, nicht nur diesen einmaligen Aufschlagspunkt, sondern weil wir sagen: Hey, wir wollen auch kontinuierlich, wöchentlich in Leute investieren.
Und so machen wir, wir nennen es lokale Projekte. In Gießen zum Beispiel der Nordstadt Kick: Wir gehen jeden Freitag auf den Fußballplatz, sind dort, und das ist ein Bolzplatz. Die Kinder wohnen drumherum, sie laufen dann nach der Schule daran vorbei, und wir kommen mit ihnen ins Gespräch. Wir spielen miteinander Fußball, das ist das, was zieht. Und dann, in der Trinkpause, erzählen wir über eine biblische Geschichte oder ein Zeugnis und kommen ins Gespräch. Was uns noch mehr begeistert als der Fußball.
Und so haben wir wöchentlich, man könnte fast von Fußball-Jungschar sprechen. Aber wir wollen hingehen, da, wo die Menschen sind, nicht die Leute zu uns einladen, sondern wirklich hingehen auf die Bolzplätze und dorthin Gottes Liebe bringen.
Cool, was heißt Schule? Fußballschule, den Begriff hast du verwendet. Das hört sich irgendwie nach Unterricht an. Ist das Theorie, oder was?
Genau, Fußballschule ist synonym für Fußballcamp. Im Prinzip machen wir so Daycamps. Also wir starten um neun Uhr, neun Uhr dreißig, die Kids kommen, und die sind dann da bis um sechzehn Uhr, sechzehn Uhr dreißig, so um den Dreh rum. Vormittags ist viel Training, wir machen so ein Zirkeltraining. Nachmittags mehr Turniere. Und zwischendrin haben wir immer wieder so Fun-Elemente eingebaut, aber auch Kleingruppenzeiten, wo wir dann tiefer gehen wollen, wo wir mit den Leuten auch darüber ins Gespräch kommen wollen, wer der ist, den wir noch mehr lieben als den Fußball. Und dann geht es meistens um Jesus.
Wie kam es dazu, dass du nach deinem Studium beim TSR zu Pro Eleven gegangen bist? War das ein klarer Ruf oder irgendwie so ein Prozess?
Mich hat Sport und Glaube, das ist eben das, was mich fasziniert. Und so habe ich mich auch umgeschaut nach Praktika. Man muss ja auch Praktika machen. Und in dem Rahmen habe ich Pro Eleven kennengelernt, war mit denen ein bisschen unterwegs und danach auch weiter im Gespräch mit Pro Eleven. Und dann war das so ein Prozess, wo ich auch ins Gebet gegangen bin, ein bisschen in die Stille gegangen bin: Hey, okay, ist das dran? Auf welche Art und Weise? Ist es auch dran, nach Gießen zu gehen und da einen neuen Standort irgendwie zu starten? Und dann kam so das eine zum anderen. Und ich würde schon sagen, dass da Gott auch irgendwie die Wege geebnet hat, dass ich dann da anfangen durfte.
Was haben deine Freunde, deine Eltern, die Familie gesagt, als du ihnen das erzählt hast: Ja, hier, ich gehe zu Pro Eleven, ich muss mein Gehalt mit Spenden finanzieren und so. Wie fanden die das?
Ich meine, meine Familie kennt das ja selbst. Wir waren Missionare in Russland. Und da ist das, wenn du irgendwie aus einer Missionarsfamilie kommst, ein bekanntes Konzept. Und somit ist auch irgendwie das Umfeld der Familie mit diesem Konzept vertraut. Und klar, es ist trotzdem noch mal ein anderer Schritt, wenn man es selber machen muss und nicht irgendwie die Eltern. Also da hatte ich ja jetzt nicht so viel mit zu tun.
Aber ich würde sagen, grundsätzlich haben die Leute das sehr positiv wahrgenommen und gesagt: Hey ja, Simon, irgendwie passt das zu dir. Also ja, Fußball und Glaube. Auch nichtchristliche Freunde haben gemerkt: Hey ja, irgendwie, wenn du davon erzählst, dann merke ich, da ist eine Leidenschaft bei dir, du hast eine Begeisterung, und irgendwie müsste das passen.
Genau, ich weiß nicht, ob die Leute immer gecheckt haben, wie sehr das auch irgendwie christlich ist, weil sie noch nie bei einem Fußballcamp waren. Und ich glaube auch, viele andere verstehen manchmal nicht ganz so, wie das in der Praxis dann wirklich zusammenkommt, weil viele dann nicht dabei waren bei einem Fußballcamp, bei einem Turnier und davon gehört haben, wie das funktioniert, wie wir einen Input implementieren und solche Sachen.
Aber es ist wahrscheinlich auch Teil deiner Arbeit, dass du rumfährst und das auch erzählst und erklärst.
Klar, gerade am Anfang ging es viel um Netzwerken, mit Leuten darüber zu reden und auch mit Gemeinden, mit Pastoren zu reden: Hey, wie kann das aussehen? Wollt ihr Teil davon sein? Wollt ihr auch eine Fußballschule machen?
Aber in jedem Fall war das für dich ein Glaubensschritt, wo du selber gehen musstest. Auch wenn du Missionarskind bist und das bei deinen Eltern bestimmt auch ein bisschen miterlebt hast und das Konzept kennst, war es für dich selber ja auch eine Entscheidung. Ich gehe jetzt nicht hier einem gut bezahlten Job nach und kriege regelmäßig Geld, sondern ich bin irgendwo auch ein Stück abhängig.
Ja, voll. Aber ich würde sagen, ich bin da irgendwie in einem großen Gottvertrauen unterwegs. Und das ist mir zu Gute kommt in dem Punkt, dass ich da auch immer wieder einfach abgeben kann. Und ich glaube, es ist auch wichtig, gerade da, wo es herausfordernder wird, es immer wieder auch im Gebet vor Gott zu bringen. Weil am Ende ist es nicht eine Sache, die ich für mich irgendwie mache, sondern: Okay, ja, ich will in dem, was ich mache, in dem mit meiner Arbeitszeit auch Gott die Ehre geben und es ihm geben.
Du hast dein Praktikum bei Pro Eleven gemacht, hast du gesagt. Warum nicht irgendwo anders? Es gibt ja SRS, also Sportler ruft Sportler. Es gibt, habe ich jetzt vorhin gelesen, christliche Fußball, boah, wie heißt das Ding noch mal? Fußball-Division?
Nee, christliche Fußballliga NRW, kennst du die?
Christliche Fußballliga NRW? Sagt dir nichts. Die haben mich ja so random angeschrieben, also in unserer Gemeinde.
Ja, oder Fußball mit Vision oder so. Was hat dich überzeugt bei Pro Eleven zu sagen: Boah, ich gehe da hin?
Ich habe die tatsächlich ganz random über Instagram das erste Mal davon gehört. Das war wirklich: Hä, okay. Und dann ist es wieder weg gewesen, und ich habe mir dann den Namen nicht gemerkt und war so: Hä, wie hießen die jetzt noch mal?
Und dann tatsächlich ein Mitbewohner von mir, als ich noch am TSR war, der kannte den Gründer von Pro Eleven, weil der damals auch am TSR war. Und dann kam diese Connection, und dann kamen wir ins Gespräch.
Also ich kenne auch verschiedene andere Organisationen. SRS war natürlich, Sportler ruft Sportler, direkt um die Ecke, auch in Gießen. Nee, die sind in Altenkirchen, direkt neben dem TSR. Und auch Sportmissionare von SRS haben den Unterricht gemacht, wo es um den Schwerpunkt Theologie und Sport ging.
Aber es ging dann wahrscheinlich auch ein bisschen um den Herzschlag, und ich habe gemerkt: Bei Pro Eleven, da resoniert was. Ich glaube, da ist auch die Plattform, wo ich mich entfalten kann und wo Gott mich haben will. Und so bin ich dann da gelandet.
Wie ein neuer Standort entsteht
Ihr baut seit 2023 diesen Standort in Gießen auf. Wie habt ihr da angefangen? Wie lernt man so eine Stadt, die Bedürfnisse der Menschen und die Möglichkeiten kennen? Wie muss man sich das vorstellen? Erzähl mal ein bisschen.
Also ich würde sagen, es hat schon ein halbes Jahr davor angefangen. Eine Kollegin sollte dann auch mit mir zusammen dort starten. Und da habe ich zu ihr irgendwann gesagt: Lass uns mit Gebet anfangen. Lass uns regelmäßig beten, einmal die Woche.
So haben wir Donnerstagmorgen um sechs Uhr dreißig gebetet, weil das ein Termin ist, der meistens frei ist. Zu der Uhrzeit kommen ja selten andere Termine rein. Also haben wir von sechs Uhr dreißig bis sieben Uhr gebetet. Für die Standortgründung, weil wir nicht wussten, was uns erwartet und wer die Leute sind.
Dann hatte ich auch eine Standortanalyse gemacht. Das konnte ich noch im Rahmen des Studiums hier am TSR machen, also ein bisschen eine Standortanalyse: Was gibt es schon? Was sind vielleicht Player dort, Gemeinden, andere Organisationen, Fußballvereine? Wie sieht die Platzsituation aus? Gibt es viele Bolzplätze? Es gibt zum Beispiel eine bunte Liga in Gießen, wo Hobby-Mannschaften gegeneinander kicken. Also: Was ist das Potenzial an diesem Ort?
Dann waren wir dort. Und natürlich, dadurch dass Campus für Christus dort auch einen Standort hat, ein Büro hat, sind wir da vernetzt gewesen. Wir haben eine Auftaktveranstaltung gemacht und Leute eingeladen, die potenziell interessiert sein könnten. Wir haben eine Fußballschule organisiert und so eine Cage Night, also ein Fußballkäfig-Turnier, wo wir junge Erwachsene zusammengebracht haben. Es gab ein kleines Turnier im Fußballkäfig und einen Input. Das war so ein bisschen der Startschuss.
Dann geht es natürlich darum, den Gesprächen nachzugehen, zuzuhören, was es schon gibt, mit Gemeinden und Pastoren zu reden. Aber wir sind auch immer wieder initiativ auf den Bolzplatz gefahren und haben geschaut: Hey, was ist das Potenzial auf diesen Bolzplätzen? Sind da überhaupt Leute?
So ist es dann entstanden, dass wir an einem Tag, als in der Nordstadt so ein kleines Fest war, am Ende des Tages mit zwanzig Kindern Fußball gespielt haben. Eltern sind auf uns zugekommen und haben ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht, wie cool das war. Und wir haben gesagt: Okay, ab jetzt jeden Dienstag an diesem Ort. Lass uns das einfach mal ausprobieren.
Dann ging das so seinen Gang. Kinder laden ihre Freunde ein, wenn es ein gutes Angebot ist. Und so war das dann auch. Was mir irgendwie im Kopf hängen geblieben ist: Eine Lehrerin hat mir erzählt: Hey Simon, heute in der Schule, auf dem Pausenhof, habe ich gehört, wie die Kinder untereinander gesprochen haben: Gehen wir heute wieder zu Pro Eleven? Und das ist irgendwie cool zu sehen, ja, da kommt was an und da bewegt sich was.
Was würdest du Gemeinden raten, die sagen: Wir würden in unserer Stadt gerne auch missionarisch aktiv werden, auch in diese Richtung, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen?
Fang an.
Pui Leben anrufen.
Geht auch, geht auch. Tatsächlich bin ich gerade im Gespräch mit einer Gemeinde in Marburg. Die haben mit uns eine Fußballschule gemacht, und es ging darum, wie können wir dranbleiben an den Kindern. So war ich vor zwei Wochen bei denen, hatte davor schon ein paar Gespräche: Wie könnte das aussehen? Wie kann das eingebettet werden, auch in die Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde?
Dann haben wir so einen Visionsabend gemacht, uns getroffen und darüber geredet. Wir waren an dem Abend etwa 15 Leute, also 15 Leute, die potenziell interessiert sind an so einem Projekt. Ich bin mal gespannt, wie viele dann wirklich hängenbleiben und welche dann committed dabei sind.
Und jetzt gerade sind wir dabei, auszuprobieren und zu gucken: Welcher Fußballplatz ist geeignet? Was sind die Standortfaktoren? Welche Mitarbeiter braucht es? Aber auch: Was sind die Bedürfnisse der Kinder? Und das ist richtig cool.
So war ich letzte Woche Freitag dort, und ich war das erste Mal dort. Wir haben mit zwölf Kindern Fußball gespielt. Wir hatten davor niemanden eingeladen, sondern die kamen einfach nacheinander an und hatten ihren Ball dabei und wollten ein bisschen Fußball spielen. Und so haben wir das irgendwie zusammengebracht, dass alle zusammen Fußball gespielt haben, das ein bisschen koordiniert, Trinkpause gemacht und ein bisschen ins Gespräch gekommen sind. Am Ende kam sogar ein Gespräch über den Glauben zustande. Richtig cool, also wie offen die Leute da sind und wie Fußball die Menschen auch verbindet.
Erfahrungen aus Indien und die Kraft von Hingabe
Letztes Jahr warst du mit Pro Eleven bei so einem Einsatz in Indien dabei. Was hast du da gelernt oder an Erfahrung mitgenommen, was du hier im deutschen Kontext wahrscheinlich nicht erfahren oder gelernt hättest?
Indien ist ja eine ganz andere Kultur. Die Leute sind dort noch einmal deutlich spontaner, offener und einfach anders. Es sind unglaublich viele Menschen unterwegs. Aber sind die überhaupt so fußballbegeistert? Fußball verbinde ich jetzt ehrlich gesagt nicht direkt mit Indien.
Nee, das stimmt. Cricket ist wahrscheinlich die Nummer eins, und dann, ich weiß nicht, ob Fußball Nummer drei oder Nummer vier ist, irgendwie so etwas. Aber wir waren in einer Stadt, und die Einwohnerzahl muss man sich ungefähr doppelt so groß wie Berlin vorstellen, flächenmäßig aber halb so groß wie Berlin. So ungefähr war das Verhältnis. Entsprechend waren dort super viele Menschen, und es gab auch immer wieder viele Fußballplätze.
In Deutschland würdest du es wahrscheinlich nicht einmal Fußballplatz nennen, wenn da noch eine Kuh drüberläuft, jemand seinen Müllberg abgeladen hat und irgendwelche Rohre die Tore markieren. Du musst dir den Platz eher wie einen braunen Acker vorstellen. Es hatte viel geregnet, dann sind viele Autos drübergefahren, und lange Zeit hatte es nicht mehr geregnet. Entsprechend gab es dort kleine Rillen, harten Boden, der Ball ist viel versprungen, und es gab wenig Gras, eher Braun als Grün.
Trotzdem waren die Kinder sehr, sehr offen. Wir waren um sechs Uhr morgens, gerade als die Sonne aufgegangen ist, auf so einem Fußballplatz, und mich haben 60 bis 90 Kinder angeschaut, die Lust hatten, Fußball zu spielen. Dann hatten wir zwei Stunden mit ihnen, und um acht sind sie zur Schule gegangen. Das heißt, sie sind vor der Schule dorthin gekommen.
Und wenn wir nicht da gewesen wären, hätten das Ehrenamtliche gemacht, die selbst auch noch einer Arbeit nachgehen. Das heißt, viele von ihnen sind zum Beispiel Lehrer oder so etwas. Sie haben dann zwei Stunden Training gemacht, sind danach in die Schule gegangen und dort als Lehrer unterwegs gewesen. Am Nachmittag haben sie sich dann wieder mit den Kindern getroffen und nochmal von vier bis sechs gespielt, ungefähr bis die Sonne unterging, vielleicht halb sieben.
Das war schon sehr prägend: dieses Commitment der Ehrenamtlichen, die sich da wirklich aufopfern. Sie bleiben nicht einfach dabei stehen, dieses eine Training zu machen und dann zu sagen: Okay, jetzt haben wir unseren Job getan. Sondern sie gehen wirklich noch einen Schritt weiter. Wenn in einer Familie irgendetwas ist, dann gehen sie abends auch noch dem nach, hören zu, kommen ins Gespräch und helfen der Familie. Sie gehen in dieses Viertel mit hinein. Sie geben wirklich ihr Leben für die Leute hin, weil sie teilweise selbst gemerkt haben, welche Kraft Jesus hat und wie Jesus ihr Leben verändert hat. Und das motiviert dann wiederum: Ja, okay, ich muss das weitertragen, es gibt gar keine andere Option.
Du hast also das Engagement der Christen dort vor Ort erlebt, die Fußball als Mittel benutzen, um etwas von der Hoffnung und von der Liebe weiterzugeben, die sie in Jesus erfahren haben. Sie vermitteln das an Kinder und Jugendliche und gehen dabei auch über ihren eigentlichen Einsatz hinaus. Denn wenn sie auch noch die Familien besuchen und versuchen, anzuknüpfen, ist das schon beeindruckend.
Und du warst eine Woche dort, oder was?
Zwei.
Und hast jeden Tag quasi von sechs bis acht Fußball gemacht und von sechzehn bis achtzehn Uhr?
Also ja, das waren verrückte zwei Wochen. Leute, die viel Schlaf brauchen, würde ich das nicht empfehlen. Wir sind zwischen vier und fünf aufgestanden, dann durch die Straßen der Stadt gefahren, dann waren wir zwei Stunden auf einem Fußballplatz. Danach waren wir wieder unterwegs, dann war der Verkehr natürlich noch mal stärker, noch voller. Teilweise hatten wir noch Treffen mit Pastoren, mit irgendwelchen Multiplikatoren, mit den Ehrenamtlichen, und dann noch ein zweites Frühstück gehabt. Danach eine kurze Mittagspause, und dann waren wir an einem anderen Ort wieder auf einem Fußballplatz bis um halb sieben oder wie auch immer.
Anschließend haben wir uns noch einmal mit jemand anderem getroffen, waren bei Leuten zu Hause, haben mit ihnen gegessen, bis wir dann um 23.00 Uhr wieder zu Hause waren, um am nächsten Morgen zwischen vier und fünf wieder aufzustehen. Eine besondere Erfahrung auf jeden Fall.
WM als Chance für echte Begegnung
Ja, wir nähern uns dem Thema WM. Was hast du bei der letzten WM in Bezug auf missionarische Möglichkeiten gelernt, was du jetzt bei der WM vielleicht genau so oder auch anders machen würdest? Ist dir da noch etwas in Erinnerung geblieben?
Ich würde sagen, es kommt sehr stark auf uns an. Es kommt stark auf unser Herz an. Wie sind wir unterwegs? Wir wollen schnell irgendwie Events machen und etwas umsetzen, aber wenn mein Herz nicht dahinter ist, dann bringt das nichts.
Auch dieses Mal kommen viele Leute auf mich zu: Hey Simon, machen wir ein Public Viewing, kannst du uns unterstützen, Public Viewing zu machen? Und dann frage ich sie: Ja, okay, was ist denn euer Ziel mit dem Public Viewing? Und dann kommen wir ein bisschen ins Gespräch. Dann heißt es: Ja, wir wollen die Leute erreichen und so weiter. Aber ganz ehrlich, am Ende habe ich häufig das Gefühl, es ist ein Copy-Paste von einem anderen Public Viewing, nur in schlecht.
Also wir wollen irgendwie die Leute einladen, zu uns in die Gemeinde zu kommen, an einen Ort, den sie nicht kennen. Wir wollen, dass die Leute irgendwie daherkommen. Aber wenn ich sie frage: Okay, wie viele Leute ladet ihr da so ein? Ja, niemand traut sich, irgendjemanden einzuladen, wirklich. Also wenn du selber davon nicht irgendwie überzeugt bist, von deinem Konzept, ja gut, dann werden auch nicht so viele Leute kommen.
Und dann gibt es halt kein Bierfass oder sonst irgendetwas, sondern nur alkoholfreie Getränke. Und die Leute wollen mit ihren anderen Freunden in der Kneipe schauen oder wie auch immer. Und da frage ich mich: Wo ist das Herz? Willst du nur irgendeine Veranstaltung machen, um sagen zu können, ja, du hast irgendeine potenziell evangelistische Veranstaltung gemacht? Aber am Ende hast du nur eine Veranstaltung gemacht für deine Gemeinde, wie der Sonntagsgottesdienst häufig. Wo ist dein Herz? Hast du wirklich eine Leidenschaft?
Vielleicht ist es eher dran, Kleingruppen zu haben. Eine lebendige Kleingruppe, wo du sagst: Hey, okay, wir laden wirklich unsere Leute ein. Denn ob wir jetzt bei dem schauen oder hier oder wie auch immer, wir schmeißen den Grill an und haben eine coole Begegnung. Oder ich sage: Hey, ich gehe aktiv in die Kneipe rein und treffe mich dort mit denen, mit denen ich mich eh schon immer wieder mal treffe, und will dort Salz und Licht sein und bin dort mit den Leuten im Gespräch.
Ja, cool. Da kommen wir gleich noch ein bisschen zu, im nächsten oder übernächsten Block. Da reden wir gleich noch darüber, wie man Fußball so als Gesprächsaufhänger nutzen kann und die WM auch für die Alltagsmission ganz konkret nutzen kann, noch von deinen Erfahrungen und Ideen.
Frage an euch, die ihr zuhört oder zuschaut: Wenn ihr selbst schon Erfahrung mit Sport und Evangelisation, gerade im Zusammenspiel, gemacht habt, schreibt gerne an machbar@heukebach.org. Wir freuen uns auf eure Rückmeldung, welche Erfahrungen ihr gerade mit Sport und Alltagsmission so gemacht habt.
Ja, ja, vielleicht will ich nicht grundsätzlich schlechtreden, aber wir reden gleich noch drüber. Aber ich habe es voll verstanden. Ja, ja, sehr gut, sehr guter Punkt.
Manche Christen sagen ja, also das ganze Sportding und Fußball und so weiter mit den Lieblingsvereinen, das ist ja alles nur so. Kann auch zum Götzen werden und so. Ich weiß nicht, ob du verstehst, was ich meine. Also so Christen, die eher so die Augenbrauen zusammenziehen und sagen: Ja, jetzt laden die Gemeinden auch noch ein zum Public Viewing, und ich weiß nicht, ob das so zusammenpasst. Wie reagierst du auf diese Vorbehalte oder Kritik, wo Christen sagen: Das passt doch nicht zusammen?
Am Ende muss ich sagen: Kann doch fast alles zum Götzen werden. Also jeder Mensch rennt irgendwie mit seinem Handy herum. Ich würde sagen, für viele Leute ist das Handy zu einem Götzen geworden, wie viel Zeit wir da verbringen. Oder auch andere Sachen, wo irgendwie Konsum, unser Essensverhalten, unser vielleicht Lifestyle, Klamotten und solche Sachen schnell zu einem Götzen werden.
Und genau deswegen: Klar, Fußball kann zu einem Götzen werden. Und sehr viel, also diese Treffen im Stadion könnte man vielleicht mit dem Gottesdienst vergleichen. Man feiert zusammen, man geht durch Höhen und Tiefen, man stärkt sich. Das ist schon auch eine Gemeinschaft. Es gibt irgendwie so eine Art Religion, religiöses Verhalten. Ja, du hast die wöchentlichen Treffen, das ist dein Training vielleicht, und gehst dann gemeinsam zu Spielen oder zu was auch immer. Und so ist es natürlich.
Aber die Frage ist auch: Mit welcher Herzenshaltung gehe ich daran? Und lasse ich mich von diesem Strudel immer wieder mitreißen oder bin ich ganz bewusst auch als Christ in diesem Kontext unterwegs? Und ich glaube, das müssen wir uns immer wieder hinterfragen, grundsätzlich bei allen Dingen, wo wir unterwegs sind. Wie sehr lasse ich mir da das Evangelium auch in den Kontext Fußball hineinsprechen?
Und wir haben natürlich auch damit zu tun: Okay, Pro Eleven, wir wollen irgendwie den Fußball nutzen. Aber wenn das doch irgendwie so viel negativ behaftet ist, also wir haben da irgendwie Skandale über was auch immer, wir haben Rassismusvorwürfe und und und, und so viel Negatives, und auch diese Finanzthematiken immer wieder, wie gehen wir damit um?
Und wir sagen: Okay, wir haben so einen Slogan: Love the game, change the game. Also okay, wir wollen das Spiel lieben. Wir wollen die positiven Sachen hervorheben, und wir wollen darin einen Unterschied machen. Wir heben nicht hervor, dass irgendwie Korruption eine Rolle spielt, dass irgendwie Rassismus eine Rolle spielt, aber wir wollen die positiven Sachen. Gott hat uns irgendwie auch Fußball geschenkt. Es ist eine coole Sache, Sport zu machen. Ich glaube, das ist von Gott gegeben. Und das hervorzuheben, dass es irgendwie Leute miteinander verbindet, das hervorzuheben und das zu nutzen, zu Ehre Gottes.
Und da ist es auch wichtig, Leute, glaube ich, immer wieder um einen herum zu haben, die einen stärken und die einen da immer wieder auch reflektieren, damit es eben nicht zum Götzen werden wird.
Warum Fußball Menschen verbindet
Du hast gerade schon ein bisschen so aufgerissen: Man erlebt etwas gemeinsam, man feiert gemeinsam. Was macht Fußball als gemeinsame Sache so wertvoll oder besonders? Du hast bestimmt schon erlebt, wie Fußball Menschen verbindet, die sonst vielleicht gar nicht so viel gemeinsam haben. Vielleicht magst du uns mal damit hineinnehmen und von solchen Momenten erzählen.
Ernesto Mandela hat schon gesagt, Fußball hat die Kraft, die Welt zu verändern. Es hat die Kraft, Menschen zu verbinden, und das erlebe ich auch immer wieder. Manchmal sage ich: Sobald ich mit jemandem zusammen geschwitzt habe, begegne ich ihm auf einer anderen Ebene. Ich habe mit ihm zusammen Sport gemacht, und man trifft sich in der Stadt, und er ist nicht mehr einfach ein Fremder. Ich weiß gar nicht so viel über ihn. Ich habe keine Ahnung, vielleicht habe ich seinen Namen sogar vergessen. Ich weiß gar nicht, was sein Hintergrund ist, gar nichts. Aber man grüßt sich, weil man irgendwie so eine Verbindung hat.
Und das ist schon auch cool zu sehen, immer wieder, wie es mich mit anderen Leuten verbindet, egal welche Religion, egal welche Herkunft, woher diese Person kommt, auch da, wo Menschen vielleicht sonst gar nicht eins sind. Am Anfang meiner Zeit in Gießen habe ich regelmäßig mit Menschen Fußball gespielt, die auch eine geistige Einschränkung hatten, und das war super faszinierend zu sehen. Die Menschen, das Level ging so weit auseinander, das war wirklich verrückt. Aber die Leute hatten einfach Spaß zusammen, sich zu bewegen, Fußball zu spielen, sich da zu treffen, jede Woche auf dem gleichen Bolzplatz. Und es kam eine Gemeinschaft zustande. Und das verbindet.
Und da kommen natürlich dann auch Punkte, wo du darüber hinausgehen kannst, wo du anknüpfen kannst ans Evangelium und weitergehen kannst und nicht nur dabei stehenbleiben musst beim Fußball.
Cool, ja, das Bild ist mir jetzt hängen geblieben: Mit jemandem, mit dem du gemeinsam schwitzt und den du wieder triffst, hast du eine andere Basis. Ja, cool. Wie helfen Werte wie Fairplay, Teamgeist, Demut und so weiter als Brücke zwischen Sport und Evangelium? Also welche Erfahrungen macht ihr da zum Beispiel in euren Fußballcamps und so weiter?
Also ich kann eine Geschichte erzählen von einem Teilnehmer, der bei uns in einem lokalen Projekt war, wo wir immer wieder auch mit den Leuten darüber reden und das auch Teil unseres Inputs ist. Wir nennen es Teamzeit. Und ein Kind ist irgendwann auf mich zugekommen und hat gemeint: Hey Simon, also ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, aber kannst du mir irgendwie helfen? Weil ich werde immer so schnell aggressiv. Wie soll ich damit umgehen?
Und ich dachte mir: Hey, cool, dass du gemerkt hast, hey, ich werde schnell aggressiv. Wie kann ich damit umgehen? Und es war irgendwann die Person, die als erstes auf andere Leute zugekommen ist und ihnen aufgeholfen hat, die vielleicht den Streit geschlichtet hat. Wo er davor der war, der vielleicht noch mal draufgeharrt hat, der noch mal provoziert hat, der vielleicht die Teamzeit gestört hat, wo wir eigentlich einen Input weitergeben wollten.
Und man merkt, da verändert sich was im Herzen, weil wir das irgendwie vorleben, weil wir diese Werte vorleben, weil wir das implementieren und Kinder das dann adaptieren, kennenlernen und am Ende auch von Jesus verändert werden.
Praktische Wege für Christen im Verein
Simon, welche Tipps hast du für Christen, die selber im Verein spielen, Fussball spielen oder auch ihre Kinder dort haben? Was sind gute Anknüpfungspunkte und Gelegenheiten für Gespräche und für Gemeinschaft? Ich glaube, das ist super unterschiedlich, weil jeder Mensch super unterschiedlich ist. Solchen Leuten frage ich immer als Erstes. Mir kommt da 2. Korinther 5,14 in den Kopf, dieses Gedrängtsein von der Liebe Gottes. Und eben aus dieser Haltung heraus wirklich vor Ort zu sein.
Es gibt so ein Love, Pray, Care, Share, ein System, bei dem man sich nicht so sehr auf die Frage richtet, sondern auf die Haltung. Und ich finde, das sind richtig gute Merkwörter. Love: Liebe deinen Nächsten, interessiere dich wirklich für ihn, sei interessiert an dem, was er macht. Das kannst du im Kontext Fussball, aber im Prinzip eigentlich auch überall sonst machen. Also wirklich: Was beschäftigt die Leute eigentlich? Gib dich, also verbring Zeit mit ihnen. Pray: Bete für sie, bete aber auch für dich, für dein eigenes Herz, dass dein eigenes Herz immer wieder neu gebrochen ist für diese Menschen. Care: Kümmer dich, bring sie in Gemeinschaft, mach Sachen zusammen. Und Share: Wenn du dann die Möglichkeit hast, erzähl offen von deinem Herzen, vom Evangelium.
Und bei mir ist das so: Ich gehe zum Beispiel gerne mal laufen, dann treffe ich mich mit Leuten und laufe zusammen. Ich spiele gerne mal Spikeball im Park. Hey, das ist auch eine super Möglichkeit, noch mal darüber hinaus. Ich trinke gerne mal einen Kaffee, dann treffe ich mich mit Leuten und trinke mal einen Kaffee oder auch mal ein Bierchen oder wie auch immer. Wir schauen manchmal zusammen ein Fussballspiel, abends noch im Vereinsheim. Das sind immer so Möglichkeiten, wo man Beziehungsarbeit machen kann. Im Training selber passiert irgendwie wenig. Aber okay, bin ich da und sehe ich meine Mitmenschen? Und überlege ich mir, wo könnte ich daran anknüpfen, wo kann es einen Schritt weitergehen? Und dann Step by Step.
Und natürlich ist es vielleicht auch irgendwo ein bisschen Initiative. Aber ich habe schon häufig erlebt: Seit einem dreiviertel Jahr habe ich so eine Gebetsgruppe gestartet mit zwei anderen Christen, die im selben Fussballverein sind. Einmal die Woche schalten wir uns zusammen, abends von zehn bis halb elf, manchmal wird es später. Wir telefonieren, tauschen uns kurz aus, was vielleicht in der vergangenen Woche war, und beten für unterschiedliche Leute einfach aus dem Fussballverein. Wir beten aber auch für konkrete Situationen. Und dann ist schon das eine oder andere Mal passiert, dass wir morgens, also morgens hat jemand gesagt: Ich habe heute nochmal extra dafür gebetet. Und dann bin ich dort und dann erzählt mir einer: Hey, ich habe heute vor dem Training noch so eine Hörbibel angehört. Wie kommst du auf einmal darauf, dass du Hörbibel anhörst? Aber wo Gott irgendwie in den Leuten arbeitet, und es dann gar nicht unser Ding ist, sondern Gott bereitet irgendwie diese Situation vor.
Ich glaube, wir denken häufig super an Evangelisation und Mission und haben das sehr druckbehaftet. Aber wo ich mich super häufig von diesem Druck löse und Gott einlade und sage: Hey, okay, verändere du mein Herz und schenk mir diese Liebe. So dieses: Hey, okay, bin ich wirklich ergriffen und habe ich gecheckt, wer Jesus ist für mich? Und ich glaube tatsächlich, in der westlichen Hemisphäre geht das manchmal verloren. Wir sind im christlichen Elternhaus, kennen das alles, aber sind wir wirklich ergriffen vom Evangelium?
Mir hat eine Freundin erzählt, sie war unterwegs im Zug. Wie das so ist, manchmal muss man umsteigen und manchmal muss man dann auch länger warten. Da gab es Gespräche, und dann kamen sie darauf: Hey, wir sind beide Christen. Und dann hat sie gefragt: Ja, was begeistert euch denn an Jesus? Und die Antwort war super ernüchternd für sie, weil die gemeint haben: Ja, weisst du, hier in dem christlichen Umfeld, man wächst damit auf, das ist ganz normal. Und du denkst dir: Hä? Also kannst du nicht sagen, warum du begeistert bist über Jesus? Dann wird dir Evangelisation, Mission im Alltag, im Fussballverein super schwer fallen.
Aber diese Frage, und ich frage mich das auch immer wieder: Warum bin ich begeistert von Jesus? Bin ich ergriffen von dieser Liebe oder muss ich sie vielleicht wieder neu verstehen, um auch mit einer Begeisterung rausgehen zu können? Weil ich will, dass jeder andere das auch erfährt, weil Jesus so viel besser ist als Fussball und mir so viel mehr gibt.
Also wenn ich dich richtig verstehe, sagst du eigentlich, es hat ganz viel damit zu tun, wie mein persönliches Verständnis vom Evangelium ist, beziehungsweise ob ich gepackt bin von dieser Liebe Gottes, die in meinem Herzen ist, und wie meine Beziehung zu Menschen ist. Ganz viel davon geht aus. Und andererseits natürlich, dass mich das irgendwo ins Gebet treibt, weil ich weiss, es ist Gott, der irgendwas wirken muss an den Herzen. Ich selber kann Menschen nicht verändern, keine Aktion oder Programm oder irgendwas.
Ja, und dann ist man natürlich, also ich merke, dann kommen immer wieder Fragen. Dann sitze ich, also ich verbringe einfach Zeit, und dann grille ich mit denen für ein anderes Spiel, und man kommt ins Gespräch. Und auf einmal fragen sie mich: Simon, wie ist es eigentlich bei dir mit Pornografie und Selbstbefriedigung? Dann denkst du: Hä, wie kommst du jetzt darauf? Aber auf einmal kannst du, hast du die Offenheit, darüber zu erzählen, denn die Leute haben gefragt und die wollen deine Meinung, weil sie wissen, du bist Christ. Und was mich dann nicht in Schock versetzt, sondern: Okay, ich habe nicht alle Antworten, aber ich erzähle einfach von dem, wie ich das lebe.
Und es gibt so eine, man nennt das Evangelium für Zöl, ich weiss nicht, ob du die kennst. Wenn Leute mit einer Frage kommen, mit irgendeinem Thema, dann führt diese Frage zu einem Konzept, meistens steckt dahinter irgendwie ein Konzept, irgendein Thema, und darüber dann wiederum zum Kernpunkt. Also von diesem Smalltalk-Thema irgendwie einen Schritt tiefer zu gehen: Okay, was ist das Thema dahinter? Und dann aber die Frage: Wie greift das Evangelium darauf? Und das finde ich immer wieder eine spannende Frage, sich zu überlegen: Okay, was antwortet das Evangelium auf diese einzelnen Situationen? Und das können wir in jeglichem Kontext üben, uns das vor Augen zu führen, wie das Evangelium in Situationen hineinspricht.
Ja, das finde ich auch richtig gut, was du sagst, weil es eine Idee davon gibt, dass es auch gut ist, gute Fragen zu stellen, um dahinterzukommen, warum fragt derjenige das eigentlich? Also was ist der Grund dafür? Um dann irgendwie auch zum eigentlichen Kern durchzudringen, zur Sehnsucht, zur Frage, die dahintersteht. Meistens ist es ja eher eine oberflächlichere Frage, obwohl das Beispiel, das du gerade gebracht hast, ja schon sehr persönlich ist. Aber irgendwie steckt ja eine Not dahinter oder eine Frage, wo ein Interesse da ist. Ja, es ist gut, das herauszukriegen. Ja, sehr gut.
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Ja, kommen wir zu unserem letzten grossen Themenpunkt, und zwar wie wir die WM nutzen können zur Alltagsmission. Am Donnerstag startet die WM nächste Woche in Kanada, Mexiko und den USA. Ich glaube, es ist die grösste WM ever, habe ich gelesen, mit deutlich mehr Teilnehmern als in den Jahren zuvor. Über hundert Spiele, ein Riesending. Ich glaube, 16 Teams sind mehr, weisst du das?
Jetzt sind wir bei, ich glaube, 48 Mannschaften. Wie waren es davor? 32, das kann schon sein. Ja, ja, ich glaube schon.
Warum ist die Weltmeisterschaft so ein besonderer Moment, auch als Chance für die Alltagsmission? Was würdest du sagen?
Ich glaube, es ist auf einmal ein Moment, wo wir 80 Millionen Bundestrainer haben und jeder sich überlegt: Oh, das ist aber eine falsche Entscheidung. Oh, diese Kaderentscheidung. Es ist nicht nur Deutschland mit 80 Millionen, aber es ist ja ein weltweites Event. Und in den anderen Ländern kann ich nicht so viel sagen, wie es dort ist, aber die Medien spielen das ja schon auch immer wieder auf. Und so ist es natürlich auch immer wieder im Gespräch. Und auch jetzt habe ich mit einigen Leuten so geredet. Dann redest du über die Kadernominierung: Oh, Neuer ist dabei, ist das eine gute Entscheidung, ist das eine schlechte Entscheidung, wie ist das zugekommen? Oder andere Personalien werden hinterfragt. Und so ist es natürlich irgendwie in den Köpfen der Leute, wo man irgendwie ein gemeinsames Thema hat, wo man sich entweder gemeinsam freut, gemeinsam leidet oder sich gemeinsam über den Schiedsrichter oder den Bundestrainer oder den Spieler schimpft, der das Tor nicht reingemacht hat, wie auch immer.
Ja, auf jeden Fall super ein Thema, das verbindet, was wahrscheinlich total präsent ist in der Zeit und was viele Möglichkeiten bietet, Gemeinschaft zu haben, mit Menschen Zeit zu verbringen, aber auch ins Gespräch zu kommen, in Kontakt zu sein. Was würdest du jemandem sagen, der sagt: Ja, ich habe keine Ahnung von Fussball, also sorry, ich bin raus. Interessiert mich jetzt nicht besonders. Vielleicht hat er irgendwie schon Interesse an der WM, aber sonst jetzt keine Aktien im Fussballgeschäft hat. Was würdest du ihm raten, wie er die WM nutzen kann, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen?
Ich glaube, die Fussball-WM ist auf einmal für fast jeden so: Die Deutschland-Spiele, okay, die schaut man wenigstens. Ich schaue nicht jedes Spiel. Ich kenne Leute, die versuchen, jedes Spiel zu schauen. Ernsthaft. Wie ist das eigentlich mit den Zeiten? Ist das in den USA und so weiter? Teilweise sind die Spiele nachts. Wir haben Glück in unseren Vorrundenspielen, 19 und 22 Uhr sind, glaube ich, die Zeiten. Wir haben Glück mit unseren Zeiten, aber um vier Uhr nachts, meine Güte, da schaue ich mir kein Spiel an. So sehr ist die Liebe nicht. Da will ich wenigstens ein paar Stunden Schlaf haben.
Aber andere Leute sind so fasziniert, die wollen es schauen und die wollen sich darüber unterhalten. Und auf einmal ist es schon auch eine Anknüpfungsmöglichkeit, wo man mit den Leuten ins Gespräch kommt. Und ich glaube, es ist authentisch, wenn man sagt: Hey, okay, ja, ich bin jetzt halt nicht der grösste Fussballfan, und das ist absolut legitim. Aber trotzdem kommen Leute zusammen, und es werden ganz viele andere Leute sein, denen es ähnlich geht, die auch nicht Fussball spielen, die auch nicht begeistert sind vom Fussball, aber die WM-Spiele können wir schauen. Und ja, wie kann ich die schauen? Okay, dann kann man sich vielleicht doch zusammentun, und dann hat man doch irgendwie diese Gemeinsamkeit.
Und ich glaube, es bietet einfach eine Bühne, sich nicht irgendwie auf Krampf irgendwas aus den Fingern zu ziehen, sondern: Hey, okay, ich habe eine Idee, hey, lass uns treffen und das Spiel zusammenschauen in der Kneipe nebenan, bei mir zuhause auf der Couch, was auch immer dein Kontext ist.
Genau. Ja, sehr gut. Ja, wie kann man da eine echte Atmosphäre schaffen? Also wenn man so Aktionen zum Beispiel macht, irgendwie zusammen Fussball schaut, jubelt, schimpft miteinander: Wie vermeidet man, dass die eigenen Freunde die Gespräche irgendwie als unangenehm gezwungen empfinden? Also weisst du, wenn du jetzt so im Kopf hast: Ich will jetzt unbedingt irgendwie jedes Ding irgendwie nutzen, um auf Jesus zu sprechen zu kommen, dann wirkt es schnell verkrampft und gewürgt und so weiter. Was sagst du?
Ich würde als Erstes sagen: Evangelisation oder Mission ist kein One-time-Shot. Also es ist nicht: Du hast die eine Möglichkeit, und darum geht alles. Manchmal vielleicht. Aber gerade mit den Leuten, mit denen du dich ja triffst, baust du wahrscheinlich Beziehung auf. Du bist wahrscheinlich mit denen auch häufiger unterwegs. Und das wäre auch mein Wunsch: Hey, okay, sei nicht der Da einmal, mach nicht einmal dieses Event, sondern sei kontinuierlich mit den Leuten unterwegs und begleite sie wirklich. So dieses Jüngerschaftsdenken: Geh mit den Leuten Step by Step mit. Und ich glaube, das macht einen grossen Unterschied.
Und dann nimmst du auch ein bisschen den Druck weg von dieser einen Situation und da musst du alles reinlegen, sondern: Hey, immer wieder. Und da darf man auch, glaube ich, immer wieder sensibel werden und einfach ausprobieren. Ich glaube, wir sind gut darin, super viele Bücher zu lesen, aber probier es einfach mal aus und hör einfach zu, was das Thema von der anderen Person ist. Setz ihm nicht auf, was du irgendwie denkst, was die andere Person hören muss, sondern hör zu und frag nach: Hey, wie geht's dir, was bewegt dich, was bedrückt dein Herz, was sind deine Hoffnungen, was sind deine Wünsche oder wie auch immer. Erzähl davon, was dich begeistert, und das kannst du dir da vorher auch schon überlegen, ob du vielleicht was erzählen kannst, wo ein christlicher Fussballer irgendwas geteilt hat und du denkst: Hey, okay, das hat mich inspiriert, dass der das gesagt hat. Was denkst du dazu, dass Felix Mnetzer irgendwie Christ ist, dass andere irgendwie einen Treujubel haben, der irgendwie ihren Glauben an Jesus bezeugt?
Voll gut, ja, das ist auch etwas, was wir immer sagen, auch im Podcast, auch sonst. Wir haben das so beschrieben als den Weg der kleinen Schritte. Das ist nicht das eine Ding, sondern Gott arbeitet an Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Und gerade in Beziehung mit meinem Nächsten, da wo ich bin, Nachbarschaft, Freundschaft, Familie und so weiter, da bist du ja mehr dran und da kannst du dir auch Zeit lassen. Und es ist viel wichtiger, den Wert auf die Beziehung zu legen, als jetzt: Du musst deine Message loswerden und irgendwie was Frommes raushauen.
Ja, aber es ist super, wie du das erklärt hast. Ja, auch wenn wir uns Jesus anschauen: Jesus war unterwegs mit den Menschen, und es gab Momente, da hat er einfach gesagt, und dann gab es andere Momente, da war er einfach mit den Jüngern. Er war drei Jahre mit denen unterwegs, und bis zum Ende haben sie es fast nicht verstanden, wer Jesus eigentlich ist. Also hey, manchmal brauchst du auch diese Geduld und einfach immer wieder diese Momente, gemeinsam mit den Leuten unterwegs zu sein und da einfach zu teilen, was dein Herz ist.
Und dann ist es wahrscheinlich genauso wie wenn man auf dem Feld ist: Man hat nicht die Trainingszeiten, die Spielzeiten, wo man jetzt viel redet, sondern eher danach in den Pausen und so weiter. Genauso ist es wahrscheinlich auch, wenn man irgendwelche Aktionen macht, jetzt zur WM, Public Viewing oder gemeinsam mit Freunden schauen oder so, dass man dann einfach die Zeit dazwischen, davor oder danach irgendwie nutzen kann, um auch mal mehr zu reden oder tiefer zu reden, einen Schritt weiter zu gehen, dass man da auch nicht so unverkrampft ist.
Was funktioniert denn grundsätzlich besser, würdest du sagen: ein paar Freunde ins Wohnzimmer einladen oder ein grosses Public Viewing in der Gemeinde sogar? Du hast eben mal gesagt, es ist eher schwierig, Leute kommen nicht so in Gemeinderäume rein. Und wieso, dann gibt es da kein Bier, und das ist irgendwie: Ich gehe lieber in meine Stammkneipe, sage ich mal so. Aber was sind so deine Gedanken dazu? Es gibt bestimmt auch manchmal Events, die richtig gut sind, auch in Gemeinden, oder?
Voll. Ich glaube, unser Ansatz bei ProEleven, aber auch mein persönlicher, ist mehr so dieses: Okay, geh hin, lass die Leute nicht zu dir kommen. Also die Geh-Kultur, nicht die Komm-Kultur. Genau, hinzugehen, da wo die Menschen sind, und da das Evangelium hinzubringen. Es kann natürlich auch eine grosse Chance sein, bei sich selber einzuladen. Aber dann würde ich immer wieder hinterfragen: Okay, was ist das Herz dahinter? Aber das hatte ich ja schon mal.
Aber ich kenne auch Gemeinden, die haben wirklich eine Atmosphäre der Offenheit, eine Welcome-Atmosphäre, wo die Leute kommen, wo die Leute gerne kommen, weil sie das Gemeindezentrum auch irgendwie kennen und es irgendwie ein schöner Ort ist. Und die es dann auch mit dem Surrounding irgendwie so machen, dass es ein cooles Happening ist. Vielleicht ist der Grill noch da, vielleicht machen sie noch ein Gewinnspiel, vielleicht sind sie aber auch so gut vernetzt in dem Dorf, in der Stadt, so dass es wirklich ein Magnet ist, wo die Leute auch kommen. Aber dafür musst du auch Werbung machen. Wenn du morgen das machen willst und immer noch niemanden gefragt hast, ob er dazukommen will, ja gut, dann wirst du wahrscheinlich nur deine Gemeindeleute wieder haben und das Event so haben.
Bietet ihr als ProEleven da irgendwie Ideen, einen Pool oder irgendwas, wo man sich bedienen kann, Konzepte oder so?
Vor zwei Jahren haben wir viel da rausgegeben, dieses Booklet haben wir immer noch: Wie kann das aussehen, wenn du ein paar Reviewen machen willst? Und wie können auch so Sachen drumherum gestaltet werden? Genau dieses Jahr haben wir das gar nicht so gross gemacht. Wir veranstalten verschiedene Fussballturniere, wir haben grössere Fussballturniere, die wir an unseren vier Standorten durchführen. Und dann machen wir auch zum Beispiel in Giessen nächste Woche Freitag so eine sogenannte Cage Night. Die machen wir ein bisschen special, ein bisschen im WM-Charakter. So eine Cage Night machen wir häufiger, also ein Fussball-Käfig-Turnier. Das ist dann so ein vier gegen vier, fünf gegen fünf auf so einem kleinen Feld, hat so ein bisschen Street-Soccer-Vibe, ein bisschen Musik im Hintergrund, wir werden den Grill aufstellen, es gibt einen Pokal, und die Leute kommen, und wir werden weiter mit den Leuten unterwegs sein.
Wir haben da so eine WhatsApp-Gruppe, wo super viele Leute sind, die dann immer mal wieder schon auf solchen Events waren, und das dann wieder ein Schritt mehr ist und das halt vielleicht noch mal ein bisschen grösser machen, ein bisschen mehr Aufwand reinstecken. Das sind so die Dinge, die wir machen. In Nürnberg ähnlich, da wird auch so ein Street-Soccer-Turnier stattfinden.
Was hast du selbst ausserhalb von dem, was ihr mit ProEleven geplant habt, selbst geplant? Lädst du auch Leute ein oder machst du nur was mit ProEleven zur WM?
Ich habe tatsächlich noch gar keine grossen Pläne gemacht, aber ich vermute, es wird stark darauf hinauslaufen, dass ich mich mit Jungs aus dem Fussballverein treffe, dass ich mit denen zusammenschaue. Vermutlich werde ich mit denen in irgendeine Kneipe gehen. Ein paar Leute zusammenbringen, wahrscheinlich ein paar Leute aus unterschiedlichen Kontexten, weil es einfach super gut funktioniert. Wir wollen alle Fussball schauen, es gibt bekannte Kneipen, in die man geht, um das irgendwie zu schauen, und dann wird das wahrscheinlich der Fall sein, ja.
Ja, gut. Bei der letzten EM war es, glaube ich, da gab es von Fussball mit Vision so Zeugnisvideos von Profifussballern, so Testimonials, die man so ins Public Viewing mit einbauen konnte. Hast du da was mitbekommen, wie so die Resonanz war, wie das funktioniert hat?
Also wir haben die auch tatsächlich verlinkt in unserem Booklet und haben die dann auch genutzt, auch bei letztjährigen Public Viewings, die wir gemacht haben, unterschiedlich. Also in manchen Orten gab es gute Gespräche im Nachhinein. So: Okay, gehst du da nochmal nach und fragst dich, was hat dich da angesprochen, hat dich irgendwas vielleicht auch herausgefordert, bist du irgendwie wütend über irgendwas, erzähl mir, was sind deine Emotionen, wenn du das hörst, wie antwortest du darauf? Und genau so waren die Reaktionen unterschiedlich. Ich habe jetzt genau keine konkrete Story vor Augen, aber bei uns in Giessen haben wir das auch gemacht und so ein paar Gespräche im Nachgang. Das war schon ganz cool. Also kann man machen, muss man nicht, aber ja. Diese Videos kann man schon auch gut nutzen und kann man ja auch gut weiterschicken, also an jemand anderen: Hä, hör mal, dir das mal an, in deinen WhatsApp-Status machen, wie auch immer. Ja, Gelegenheiten nutzen.
Es gibt ja verschiedene Materialien zur WM, die auch irgendwie evangelistisch sind. Weisst du, der ERF macht so WM-Gottesdienste, die Marburger Medien, die haben irgendwie so Fanhefte, Pläne und so weiter. Da gibt es ja verschiedene Sachen auf dem Markt oder Zeugnisvideos, da haben wir gerade schon gesagt. Ich weiss nicht, ob du die Sachen kennst oder schon mal damit gearbeitet hast, aber grundsätzlich sagst du: Okay, kann man machen, muss man halt gucken, von der Situation her, ist bestimmt auch empfehlenswert. Aber es gibt jetzt nicht so das Konzept, das musst du machen. Es ist vielmehr die Frage des Herzens: Welche Leute hast du, wie kannst du die erreichen, lieber eher hingehen als einzuladen.
Also würde ich so sagen, würde ich so unterschreiben. Weil eben jeder Mensch ist unterschiedlich und wenn du da mit deinem Raster kommst, mit deinem Modell und das über alle Leute drüberklatschen willst und dann erhoffst du dir, dass da irgendwie was rauskommt, dann, glaube ich, wirst du auch schnell enttäuscht werden. Ich glaube, jeder Mensch ist individuell, auch wie wir anspringen irgendwie auf das Evangelium. Wir produzieren häufig Antworten, aber auf welche Frage muss die richtige Frage gestellt werden? Ist das überhaupt die Frage der Menschen? Man muss die Leute da kratzen, wo es sie juckt, hat mal jemand gesagt.
Zum Schluss: Lesen, handeln und konkret werden
Simon, ja, wir haben jetzt über viele Möglichkeiten gesprochen, die man machen kann. Wichtig dabei ist, das eigene Herz zu prüfen und das Anliegen zu haben, für die Menschen da zu sein. Du hast 2. Korinther 5 erwähnt, getrieben von der Liebe Christi, und auch zu schauen: Okay, was ist eigentlich das Ziel? Das fand ich auch sehr gut und hilfreich, ja.
Ich bin sicher, dass unsere Hörer, dass ihr davon einiges mitnehmen könnt, auch von den Ideen und Fragen, die euch vielleicht auch noch kommen dabei. Gerne könnt ihr uns das teilen, machbar at heukebach.org. Vielleicht habt ihr auch noch Ideen, bringt das gerne ein, schreibt das in die Kommentare, wie auch immer. Ich bin auch echt gespannt, davon zu hören.
Bevor wir zum Schluss kommen, Simon, habe ich noch drei Fragen, die ich dir auch vorher genannt habe. Welches Buch kannst du empfehlen zum Thema? Es gibt, glaube ich, super viele unterschiedliche Bücher, und ich habe schon super viele unterschiedliche Bücher gelesen. Aber ich dachte mir, ich weiss gar nicht, ob ich ein Buch unbedingt empfehlen sollte, weil wir sind in so einer Konsumgesellschaft, habe ich das Gefühl, dass wir lesen, lesen, lesen und vor lauter Lesen kommen wir nicht ins Machen.
Ich glaube, wir wissen eigentlich schon relativ viel. Und dann kommen wir aber nicht ins Machen, weil wir denken, wir müssen noch mal was wissen, wir müssen noch dieses Buch lesen, wir müssen noch jenes Buch lesen. Komm doch einfach zum Machen. Ja, und manchmal hindern wir uns selber ein bisschen daran.
Neulich hatte ich Dave Ferguson getroffen, ein bisschen mit ihm Austausch gehabt. Der hat ein Buch geschrieben, „Multiplier“. Ich habe es noch nicht gelesen, aber das ist das nächste Buch, das ich lesen will. Da geht es so ein bisschen um die Multiplikation. Er hat also im Gespräch einige Inhalte des Buches verraten, und ich dachte: Okay, das sind coole Sachen. Irgendwie so diese Multiplikation auch im Thema Jüngerschaft. Okay, wo ist unser Herz? Also gucken wir. Auf unserer Standortbestimmung sind wir verankert bei Jesus, aber dann auch: Multiplier heisst das Buch. Also diese Multiplikation. Gehen wir den Leuten nach? Und dann ist dieses: Okay, weg vom Eventmanager hin zum Jüngermacher. Auch diese Thematik irgendwie. Bleiben wir wirklich an diesen Leuten dran und machen sie zu Jüngern, die 2. Timotheus 2,2, die wieder andere zu Jüngern machen? Also ich bin sehr gespannt auf dieses Buch.
Aber grundsätzlich würde ich sagen: Hey, komm, lies nicht noch das nächste Buch und noch das nächste Buch. Ich glaube, die Bibel ist super wichtig. Lies die Bibel am besten mit den Leuten, die Jesus noch nicht kennen. Starte sowas. Ja, sehr schön.
Was ist deine eigene grösste Herausforderung beim Thema Sport und persönliche Explikation, Alltagsmission? Wenn ich mit Leuten ins Gespräch komme und ich das Gefühl habe, dass da irgendwie so ein Desinteresse da ist. Und ich denke mir: Ja, Mann, warum ist das so? Ich erlebe doch Jesus in meinem Alltag, und ich merke, okay, es ist so ein Gewinn. Und dann stosse ich da auf einfach ein Desinteresse, so eine totale Egalheit. Das fordert dich heraus.
Das fordert mich heraus. Und ich denke mir: Okay, wie kann ich da vielleicht noch ein effektiveres Werkzeug sein, dass Leute doch irgendwie ergriffen werden von dem Ding? Und da hilft mir so ein bisschen dieses Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld. Ja, bei manchen Leuten sind einfach Dornendisteln, ein steiniger Weg, wo ich mir von Herzen wünsche, dass diese Steine rausgenommen werden. Und das ist immer wieder auch mein Gebet, dass das einfach ein fruchtbarer Boden ist und dass da Samen wirklich aufgehen dürfen, da, wo sie gesät werden.
Letzte Frage: Welchen einen Tipp hast du für unsere Hörer, den sie gleich umsetzen können diese Woche? Aufhören zu lesen und machen. Das habe ich schon gesagt, deswegen sage ich etwas anderes. Such dir ein bis zwei Leute in deinem Umfeld, zu denen du gesendet bist. Setz dich hin, schreib dir die auf und bete für sie, dass du da irgendwie eine Situation hast.
Vielleicht musst du auch erst mal beten, damit du diese Leute herausfindest, wer diese ein, zwei Leute sind. Aber fang damit an und bete für die Leute, triff dich mit den Leuten, sei mit denen im Gespräch, werde konkret, werde konkret. Und wenn du merkst, es fordert dich heraus, such dir Mitstreiter, die mit dir diesen Weg gehen. Ich glaube, dieser Austausch hilft und motiviert immer wieder, auch Inspiration zu bekommen. Und ich glaube, da seid ihr eine richtig gute Adresse, auch mit dem Grow, da irgendwie auch mit Leuten das durchzugehen, wie kann das dann praktisch aussehen. Aber such dir ein, zwei Leute, mit denen du vielleicht nächste Woche den nächsten Schritt gehen kannst.
Vielleicht ist es der Anruf zum Kaffeetrinken oder die WhatsApp. Vielleicht ist es das Joggengehen. Vielleicht gehst du gerne schwimmen, vielleicht machst du irgendwas anderes. Oder ein, zwei Leute, mit denen du unbedingt Publikation machen willst oder das nächste Deutschlandspiel anschauen willst.
Ja, das spricht mir voll aus dem Herzen. Wir haben wirklich auch für euch, wir haben das immer wieder gesagt hier, wir haben dieses Gebetsjournal, was ja dabei auch eine Hilfe sein kann, wirklich gezielt für Menschen zu beten, auch aufzuschreiben, wie hat Gott erhört, wie war der nächste Schritt, was kann der nächste Schritt sein. Das auch nicht alleine zu machen, denn wir sind als Alltagsmissionare, sage ich auch immer, nicht alleine unterwegs, sondern wirklich Mitstreiter zu suchen, Freunde, Christen, mit denen du mitbeten kannst, die Leute auf dem Herzen zu haben, die dir ein Anliegen sind. Und da einfach auch den nächsten Schritt zu gehen.
Ja, und die WM auch eine tolle Möglichkeit. Simon, vielen, vielen Dank für deinen lieben Besuch hier. Das hat richtig Lust gemacht, die WM zu nutzen, um auch mit Menschen über Jesus Christus ins Gespräch zu kommen. Und wenn es einfach auch nur ist, ein Stück weiter zu gehen, um Gemeinschaft zu haben, Interesse zu haben an dem anderen. Aber wir haben gesehen, der Fussball kann auch echt eine starke Brücke sein, auch für das Helferangeben. Es ist ein Gemeinschaftsevent, in aller Munde, und bietet gute Gelegenheiten anzuknüpfen.
Ja, Leute, wenn ihr mehr Impulse für eure Alltagsmissionen wollt, geht unbedingt auf wolkebach.org. Da könnt ihr auch den Newsletter abonnieren. Da bekommt ihr regelmässig Gedankenanstösse und Ideen. Und teilt auch gerne diese Podcast-Folge mit jemandem, wo er sagt: Boah, das wäre richtig cool, wenn der das auch mal hört oder sich anschaut. Natürlich könnt ihr auch gerne einen Kommentar hinterlassen oder eine Fünf-Sterne-Bewertung, wie auch immer.
Simon, vielen Dank für deinen Besuch hier. Ich wünsche dir auch gerade für die WM jetzt und auch für die Aktion, die ihr macht, die du selber machst persönlich, aber auch mit Pro Eleven, wirklich viel Freude und dass ihr irgendwie merkt, der Herr gebraucht euch an der Stelle. Ja, danke auch euch fürs Zuschauen, und ich sage einfach Tschüss, bis zum nächsten Mal.
