Einleitung
Jemanden zu bestrafen, den man noch gern hat ist keine einfache
Aufgabe. Ganz wenige Menschen tun das wirklich gern. In der Erziehung
wird man oft in diese Situation kommen.
Um Kinder zu erziehen, muss man ihnen auch Schranken setzen und wenn
sie diese nicht einhalten, hat das Folgen. Lieber würden wir aber
diese Konsequenzen dem Kind ersparen.
Oft gibt man Verhaltensregeln und Warnungen bekannt, um zu vermeiden
in die Situation zu kommen, eine Strafe durchzuziehen.
Hoffentlich kommt mein Sohn zur abgemachten Zeit nach Hause, damit
ich ihn für den Ungehorsam nicht bestrafen muss oder hoffentlich hat
er wenigsten eine gute Erklärung, dass ich nichts unternehmen muss.
Genauso geht es Gott. Er freut sich überhaupt nicht, wenn er einen
Menschen betrafen muss. Viel lieber ist ihm, wenn wir Menschen auf ihn
hören. Das ist auch völlig unabhängig von unserer Nationalität, denn
Gott, der sich in der Bibel offenbart ist nicht nur der Gott des
Volkes Israel, sondern er ist der Gott aller Menschen. Gott sagt durch
Jesaja:
Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen.
Jes.45,12a.
Deshalb interessiert sich Gott immer für alle Menschen, egal welcher
Nation sie angehören. Er freut sich über keinen, der sich so verhält,
dass er ihn bestrafen muss. Er wird er sogar aktiv und warnt Menschen
oft, damit wir nicht sündigen und er uns nicht bestrafen muss. Ein
solches Beispiel hörten wir gerade in der Schriftlesung.
Erläuterungen
Abraham zog nach dem schrecklichen Gericht, das über Sodom und
Gomorra kam in das Land der Philister. Vermutlich suchte er saftige
Weiden für seine grossen Herden.
Zwischen ihm und seiner Frau Sara galt immer noch dieselbe
Abmachung, die sie zu Beginn ihrer Reise getroffen hatten. Abraham und
Sara bezeichneten sich gegenüber Fremden als Geschwister. Das war für
sie ein Schutz, würde Abraham sagen, dass Sara seine Frau ist,
bestünde die Gefahr, dass sie ihm Sara wegnähmen und er umgebracht
würde. Das funktionierte aber nicht immer, wie wir das schon in
Ägypten gesehen hatten.
So geschah es ein zweites Mal, dass Sara dem Abraham weggenommen
wurde. Abimelech ist der König der Philister liess Sara zu sich holen
und wollte sie zur Frau nehmen.
Doch seit Abimelech Sara in sein Harem kommen liess, kam Unheil über
das Königshaus. Sie wurden von einer Krankheit heimgesucht. Die Frauen
waren nicht mehr fähig Kinder zu bekommen.
Im Traum erscheint Gott dem Abimelech und sagt ihm:
»Du musst sterben, weil du diese Frau genommen hast. Sie ist
verheiratet und gehört einem anderen.« (Gen 20,3) Keine schöne Botschaft, die Abimelech empfängt. Er wird sterben,
weil er Sara zu sich genommen hatte.
Abimelech war klar, wenn Sara mit einem Mann verheiratet war, dann
trifft ihn ein grosse Schuld. Er wusste, dass dies eine Sünde war.
Vielleicht mag das einige erstaunen, aber die Menschen der damaligen
Zeit waren nicht ohne Gesetze und ohne moralische Massstäbe. Es
existieren viele Gesetzestexte von Völkern die zu Zeiten des Ats
lebten.
Die mittelasyrischen Gesetze (aus der Zeit Tiglatpilesers I, 1115-1076
v.Chr.):
§13 Wenn die Gattin eines Bürgers aus ihrem Hause herausgeht und sich
zu einem anderen Bürger, wo er wohnt, begibt und er ihr beiwohnt,
obwohl er weiss, dass sie die Gattin eines Bürgers ist, so soll man den
Bürger und auch die Frau töten. (S.82)
Abimelch bildet den Kontrast zu Sodom und Gomorra, die wohl die
Gesetze kannten, aber ihnen absolut keine Beachtung schenkten, ja sie
verachteten. Die Sodomiter hätten über eine solche Rede Gottes
höchstens ein müdes Lächeln übrig gehabt.
Nicht so Abimelech, er erschrickt und sagt:
»Herr, willst du wirklich unschuldige Menschen töten? (Gen 20,4) Er hat gesagt: 'Sie ist meine Schwester', und sie hat bestätigt: 'Er
ist mein Bruder.' Ich habe in gutem Glauben gehandelt, mein Gewissen
ist rein.« (Gen 20,5) Das ist richtig, Abimelech wurde betrogen. Ihm wurde nicht die ganze
Wahrheit gesagt, trotzdem ist er verantwortlich für sein Verhalten.
Trotzdem hat er Folgen zu tragen.
Das Prinzip: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. (Busse in
Wetzlar)
Aber Gott, der die Mensch liebt, lässt Abimelech nicht einfach ins
Unglück laufen. Er lässt es nicht stillschweigend zu, dass er sich
versündigt. So sagt er zu ihm:
»Ich weiss, du hast in gutem Glauben gehandelt. Deshalb habe ich dich
davor bewahrt, vor mir schuldig zu werden, und habe dir nicht erlaubt,
sie zu berühren. (Gen 20,6) Gott hat es nicht zugelassen, dass er sie berührt, denn er sah, dass
er mit einfältigem Herzen gehandelt hatte.
Zwei Sachen lernen wir:
I. Vollzogene Sünde wiegt schwer
II. Gott warnt vor einem Fehltritt.
Vollzogene Sünde wiegt schwer
Zum einen sehen wir, wenn Abimelech Sara berührt hätte, d.h. wenn er
mit ihr Verkehr gehabt hätte, dann wäre seine Sünde sehr schwer
gewesen und er hätte sterben müssen. Ein Gericht wie über Sodom und
Gemorra wäre über ihn gekommen.
Wir sollen aus dieser Begebenheit lernen, wie ernst in Gottes Augen
Sünde ist. Sünde ist bei Gott keine Bagatelle.
Wir tendieren in unserer Gesellschaft eher Richtung Sodom und
Gomorra. Wo man alles mehr oder weniger auf die leichte Schulter
nimmt. Es ist nicht mehr gefragt, was richtig und falsch ist, sondern
es wird gefragt, was mir gut tut. Ob mein Gefühl stimmt.
Nicht mehr die Wahrheit zählt, sondern das, was ich empfinde wird
zur Wahrheit erklärt. So spricht man nicht mehr von Ehebruch, sondern
von Seitensprung.
Der Seitensprung wird dann sogar noch als eine wichtige Erfahrung
angesehen, die einem als Mensch reifer machen sollte.
Aber das ist alles Täuschung und Betrug. Ein sogenannter
Seitensprung ist und bleibt Sünde, die Gott sehr ernst nimmt. Gott
wird das nie gutheissen.
Auch bei Christen hält diese Tendenz oft Einzug. Als ob es sich um
eine Banalität handelt, wenn wir sündigen. Wir vergessen leicht, dass
Paulus zu den Christen ganz unmissverständlich sagt:
Was die menschliche Selbstsucht hervorbringt, ist offenkundig, nämlich:
Unzucht, Verdorbenheit und Ausschweifung, (Gal 5,19) Götzenanbetung und magische Praktiken, Feindschaft, Streit und
Rivalität, Wutausbrüche, Intrigen, Uneinigkeit und Spaltungen, (Gal
5,20)
Neid, Trunk- und Fresssucht und noch vieles dergleichen. Ich warne
euch, wie ich es schon früher getan habe: Menschen, die solche Dinge
tun, werden nicht erben, was Gott versprochen hat; für sie ist kein
Platz in Gottes neuer Welt. (Gal 5,21) Die Sache muss mit Gott und mit den Menschen unbedingt geordnet und
bereinigt werden. Über Sünde wächst kein Gras, es verstreicht nur
Zeit.
Gott warnt vor einem Fehltritt
Gott möchte es gar nicht soweit kommen lassen. Abimelech wusste
nicht, dass Sara verheiratet war. Er handelte nicht in böser Absicht.
Gott sieht das und greift ein. Er lässt Abimelech nicht ins
Verderben laufen. Sondern er warnt ihn bevor er die Sünde begeht, und
noch viel mehr, er verhindert, dass er diese Sünde tut.
Gott verhinderte aktiv, so dass er Sara nicht berühren kann, denn
durch die Krankheit, die das Haus Abimelechs traf, war er nicht in der
Lage, mit Sara zu verkehren.
Durch die ganze Schrift wird dieses Anliegen Gottes deutlich, dass
er sich immer dafür einsetzt, dass sich der Mensch nicht versündigt,
Kain warnte er:
»Warum bist du so zornig? Warum starrst du auf den Boden? (Gen 4,6) Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du den Kopf frei erheben; aber wenn
du Böses planst, lauert die Sünde vor der Tür deines Herzens und will
dich verschlingen. Du musst über sie herrschen!« (Gen 4,7) Und als Gott dem Volk Israel einen Eindruck seiner Macht und
Herrlichkeit gab, tat er das mit der Absicht, dass sein Volk nicht
sündigt, so erklärt Mose:
»Ihr müsst keine Angst haben. Gott ist nur gekommen, um euch auf die
Probe zu stellen. Er will, dass ihr ihn ehrt und euch davor hütet, ihm
ungehorsam zu sein.« (Ex 20,20)
Diesen Gedanken, vor der Sünde zu bewahren, finden wir
selbstverständlich auch im Neuen Testament, so begründet Johannes
seinen Brief, indem er sagt:
Meine lieben Kinder, ich schreibe euch diese Dinge, damit ihr nicht
sündigt. 1.Joh.2,1a Aber gibt es das heute noch, bewahrt uns Gott, so wie Abimelech?
Selbstverständlich tut er das!
Bsp.
Gott will uns durch sein Wort bewahren
Wenn wir im Vertrauen auf Jesus leben, will uns Gott durch sein
Wort, die Bibel, bewahren. In den Sprüchen steht:
Wer auf das Wort des Herrn achtet, findet Glück; wohl dem, der auf ihn
vertraut. (Spr 16,20) Deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit der Bibel beschäftigen. Es
schärft unsere Einstellungen und Werte. Im Hebräer steht:
Gottes Wort ist lebendig und voller Kraft. Das schärfste beidseitig
geschliffene Schwert ist nicht so scharf wie dieses Wort, das Seele und
Geist und Mark und Bein durchdringt und sich als Richter unserer
geheimsten Wünsche und Gedanken erweist. Hebr.4,12.
Wenn ich ständig Liebesromane oder Krimis lese, muss ich mich nicht
wundern, wenn meine Gedanken und mein Verhalten dadurch beeinflusst
wird. Paulus bezieht das sogar auf den Umgang den wir pflegen. Er
sagt:
Schlechter Umgang verdirbt auch den besten Charakter. 1.Kor.15,33.
Gott will uns durch einschneidende Erlebnisse bewahren
Bei Abimelech sehen wir auch, dass Gott einschneidende Erlebnisse
gebraucht, um Menschen vor der Sünde zu bewahren. Einerseits war er
durch Krankheit bewahrt worden und andrerseits dadurch, dass ihn Gott
im Traum angesprochen hatte.
Gott kann uns auch durch eine Prüfung fallen lassen, weil er zu mir
sprechen möchte.
Er kann mir Menschen über den Weg schicken, die mich auf etwas
aufmerksam machen. Manchmal merken sie es gar nicht selber.
Leider ist das nicht immer so, dass Menschen auf solche Erlebnisse
reagieren. Manchmal geschieht das Gegenteil, statt sich Gott
zuzuwenden, lästern sie ihn.
Doch auch jetzt bereuten sie nicht, was sie getan hatten, und kehrten
nicht zu Gott um. Nein, wegen ihrer qualvollen Schmerzen und wegen der
Geschwüre, von denen sie geplagt wurden, verfluchten sie den, der im
Himmel thront, nur umso mehr. Offb.16,10-11
Abraham ist der Repräsentant Gottes
Aber nun bleibt noch die Frage: Warum muss Abraham für Abimelech
beten, denn der Verursacher dieser Situation ist doch Abraham.
Zuerst müssen wir uns nochmals in Erinnerung rufen wer Abraham ist.
Gott sucht den Kontakt zu seinen Geschöpfen. Er will, dass die
Menschen erkennen, dass er der wahre Gott ist und dass die Götter, die
sie verehren, nicht so mächtig sind wie er. Abraham wird von Gott
ausgewählt und berufen. Er ist der Repräsentant Gottes. An ihm sollen
die Menschen sehen, wie mächtig Gott ist.
So verbindet sich Gott ganz eng mit Abraham. Er sagt ihm:
1Mo 12,3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dir
fluchen; und durch dich sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet
werden!
Gott verspricht ihm, dass er sich gegenüber Menschen so verhält, wie
die Menschen sich gegenüber Abraham verhalten.
Das ist dann auch der Grund, warum Abimelech auf die Fürbitte von
Abraham angewiesen war. Er soll erkennen, dass der Gott Abrahams der
wahre und allmächtige Gott ist. Im Traum, sagt ihm Gott, dass Abraham
sein Prophet d.h. sein Repräsentant sei.
Abimelech soll erkennen, dass Abraham mit dem wahren und
allmächtigen Gott verbunden ist.
Evangelisation
Dasselbe Prinzip gilt heute in völliger Vollkommenheit in bezug auf
Jesus. Jesus war kein fehlbarer Mensch. Er hat nie gesündigt, nie
gelogen.
Und Gott bestimmte, dass unser Verhältnis zu Jesus darüber
entscheidet, ob wir unter seinem Segen oder unter seinem Fluch stehen.
Im Johannesevangelium steht:
Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht
gehorcht, wird das Leben nicht sehen; der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Joh.3,36.
Wer mit dem Sohn verbunden ist, hat das Leben. Wer nicht mit ihm, dem
Sohn Gottes, verbunden ist, hat das Leben nicht. 1.Joh.5,12.
Bist Du mit Jesus verbunden? Hast Du Deine Schuld vor ihm
eingestanden und Dir Vergebung zusprechen lassen, so wie Abimelech
dies tat?
Gott ist ein menschenfreundlicher Gott, der für uns Menschen das
Beste möchte. Jesus ist der Ausdruck der Menschenfreundlichkeit
Gottes. Paulus schrieb Titus:
Aber dann erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres
Retters. Wir selbst hatten keine guten Taten vorzuweisen, mit denen wir
vor ihm hätten bestehen können. Nein, aus reinem Erbarmen hat er uns
gerettet durch das Bad der Taufe – das Bad, in dem wir zu einem neuen
Leben geboren wurden, erneuert durch den Heiligen Geist. Titus 3,5
Schluss
Eines begeistert mich. Gott, der Himmel und Erde schuf, ist ein
Gott, der seine Geschöpfe liebt. Er freut sich, wenn es ihnen gut
geht. Er freut sich, wenn er sie nicht richten muss. Hesekiel schrieb
ein eindrückliches Wort von Gott auf. Gott lässt ihn sagen:
So gewiss ich lebe, mir macht es keine Freude, wenn ein Mensch wegen
seiner Vergehen sterben muss. Nein, ich freue mich, wenn er seinen
falschen Weg aufgibt und am Leben bleibt. Darum kehrt um, kehrt
schleunigst um! Warum wollt ihr in euer Verderben laufen (Ez 33,11)

