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Hebräer 6,7-20

Hebräer 6,7-6,2001.01.2019
SerieTeil 11 / 25Hebräerbrief
Was hält dich wirklich fest, wenn alles wackelt? Gott lügt nicht: Seine Zusage ist sicherer als Angst, Zweifel und Tod – ein Anker für deine Seele.

Einführung und Ausgangspunkt der Reihe

Mein Name ist Jürgen Fischer, für diejenigen, die mich nicht kennen. Ich bin etwa einmal im Monat hier, und in dieser Woche ein bisschen häufiger, sprich: jeden Tag bis auf den Samstag, weil wir Bibelwoche haben.
Bibelwoche 2018, Hebräerbrief Teil 2. Wir werden heute mit Kapitel 6, Vers 7 starten und, so der Herr will und wir leben, nächsten Sonntag mit Kapitel 10, Vers 18 den zweiten Teil abschließen. Und ihr merkt schon: Wer den Hebräerbrief kennt, der denkt dabei an einen dritten Teil im nächsten Jahr.
Wir tauchen also genau eine Woche lang in einen Brief ein, der für uns als Gläubige, die wir im neuen Bund leben und von unserem Hintergrund her wenig Assoziation mit dem Judentum haben, immer auch einen etwas merkwürdigen Beigeschmack haben wird. Da wird viel mit dem Alten Testament argumentiert. Da wird in eine Situation hineingesprochen, die für uns, ich sage mal vorsichtig, weitgehend unbekannt ist, nämlich echte Verfolgung.
Wir haben letztes Jahr den Hebräerbrief in Kapitel 6 verlassen. Ich musste so schmunzeln, als ich mir anschaute, wo wir eigentlich Schluss gemacht haben. Ich weiß nicht, ob ihr so Serienschauer seid. Bei einer Serie gibt es am Ende immer so in der letzten Folge, wenn man weiß, da gibt es noch eine Staffel, einen Cliffhanger. Da passiert immer etwas, sodass man weiterschaut.
Irgendwie war das letztes Jahr auch so. Wir haben an einer ganz spannenden Stelle den Hebräerbrief verlassen, wo man ihn aus meiner Sicht hätte fast dramatischer nicht verlassen können. Es war nicht ganz so geplant, das hat sich so ein bisschen ergeben. Aber wenn man zurückschaut, war das der Moment in Hebräer 6, wo der Schreiber des Hebräerbriefes — wir wissen nicht, wer das ist, und ich werde darüber auch nicht spekulieren — die Empfänger, eine Gemeinde, die irgendwo sitzt, auch da wissen wir nicht genau wo; manche vermuten Jerusalem, manche etwas anderes, auch da werde ich mich nicht darauf einlassen — vor Augen hat. Wir wissen nur: Der, der schreibt, schreibt an die, die er dann als Empfänger vor Augen hat. Und er sagt ihnen: Ich möchte euch warnen. Ich möchte euch warnen, dass, wenn bestimmte Leute unter euch sich jetzt von Gott abwenden, sie dann nicht mehr zur Buße erneuert werden können.

Die ernste Warnung vor einem falschen Glauben

Wir haben das eben im Lobpreis gehört, dieses Lied: Christ is enough, Jesus ist genug. Aber was passiert, wenn in meinem Leben Jesus nicht mehr genug ist?
Eben haben wir alle schön laut und deutlich gesungen: No turning back. Für die, die kein Englisch können: Ich wende mich nicht zurück. Mein altes Leben liegt wirklich hinter mir, das Kreuz liegt vor mir.
Aber was passiert, wenn ich in meinem Leben feststelle: Ich bin zwar irgendwie gläubig, aber diese Radikalität fehlt mir dann doch? Was, wenn hier unter uns Gläubige im Gottesdienst sitzen, und der Hebräerbrief ist nicht an Heiden geschrieben, deren Glaube keine Wurzel hat? Da ist dann schon so etwas wie Glaube, so etwas Oberflächliches, etwas noch leicht Beeinflussbares. Man ist hier, und wenn man mich fragen würde, ob ich gläubig bin, dann würde ich sagen: Ja, ja, irgendwie schon. Aber es ist so eine Art Schönwetterglaube.
Ich hätte als Erstes gerne die Stelle aus Lukas 8,13, wo der Herr Jesus uns genau diese Form von fast richtigem Glauben vorstellt. Dort sagt er, wir müssen vorsichtig sein, dass das, was wir Glauben nennen, wirklich echter, tiefer Glaube mit Wurzel und Beständigkeit ist. Denn es gibt die Alternative. Und wir stecken hier mitten im sogenannten Sämannsgleichnis, und das ist die Auslegung des Herrn Jesus.
Da heißt es dann in Lukas 8,13: „Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen.“ Also es mangelt ihnen nicht daran, dass sie hören. Es mangelt ihnen nicht daran, dass sie das Wort nicht aufnehmen würden. Und diese haben keine Wurzel, da ist das Problem. Für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab.
Und in eine solche Situation hinein, in der solche Menschen in Gemeinden sind und sich durch ihr Leben offenbaren, in diese Situation hinein ist der Hebräerbrief geschrieben. Der Hebräerbrief stellt klar, dass, wenn jemand ganz bewusst als einer, der alles über Jesus weiß, und ich möchte das wirklich ganz deutlich sagen, als einer, der alles über Jesus weiß, wir reden also, wenn wir diese Warnung aussprechen, nicht von Menschen, die das Evangelium noch gar nicht richtig verstanden haben. Wir reden über Menschen in Gemeinden, die genug Klarheit über die biblischen Zusammenhänge haben, die genug Gnade erlebt haben, für die Gott eine greifbare Realität im Leben geworden ist, die womöglich übernatürliche Veränderungen, übernatürliche Hilfe und Gebetserhörungen erlebt haben, wenigstens erlebt haben, wie das in anderen Leuten in der Gemeinde passiert ist.

Der Punkt, an dem Umkehr nicht mehr möglich ist

Also jemand, der ganz genau weiß, dass die Sache mit Jesus eigentlich stimmt. Und wenn jemand so ist und sich dann abwendet und mit Jesus eigentlich so umgeht, wie es seine Feinde getan haben, die Jesus kreuzigten, um ihn loszuwerden, wenn ich versuche, Jesus wieder loszuwerden, wenn ich also einerseits alles weiß und andererseits mich ganz bewusst von Jesus lossage, wenn dieses No turning back zu einem Doch, ich wende mich wieder zurück wird.
An dieser Stelle warnt der Hebräerbrief, und da waren wir letztes Jahr stehen geblieben, dass so jemand endgültig verloren ist. Da ist dann keine Hoffnung mehr. Deswegen dieser ernste Ton, weil das eine so ernste Angelegenheit ist.
Wir machen weiter mit Hebräer 6, die Verse 7 und 8, wo dieser Gedanke zu einem Ende gebracht wird, um dann, weil das ja nur die schlechte Nachricht ist, endlich mit der guten Nachricht weiterzumachen.
Da heißt es dann noch einmal erklärend mit einem Bild: Denn ein Land, das den häufig darauf kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt, für diejenigen, um deren willen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott. Wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbrauchbar und dem Fluch nahe, der am Ende zur Verbrennung führt.
Ein Bild, leicht zu verstehen: Menschen als Ackerboden. Und das ist die schlechte Nachricht: Man kann verloren gehen und sich den Fluch Gottes zuziehen.

Die Zuversicht über die Gemeinde und ihre Frucht

Zum Glück bleibt der Hebräerbrief da nicht stehen, sondern er schreibt jetzt ganz positiv die gute Nachricht. Vers 9: „Wir aber“ – das ist ein ganz starkes „aber“. Da müssen wir festhalten, damit wir jetzt nicht in eine depressive Episode abrutschen und an der Stelle sagen: Wie blöd.
Wir aber sind, wenn wir auch so reden, und das muss man: Man muss die Wahrheit auch sagen dürfen, auch wenn sie negativ klingt, im Hinblick auf euch Geliebte vom Besseren und zum Heil oder zur Rettung Dienlichen überzeugt.
Was der Autor hier schreibt, ist: Ich kenne euch, ich kenne euch Hebräer, und ich weiß, dass die Gemeinde im Großen und Ganzen eine gute Erde ist. Eine gute Erde, die gute Frucht bringt und die den Segen Gottes empfangen wird. Und das liegt daran, Vers 10: Weil Gott nicht ungerecht ist.
Also: Gott ist kein willkürlicher Gott, der einfach macht, was er will, sondern er sieht unser Leben. Und genauso, wie er auf den reagiert, dessen Glaube nur ein oberflächlicher Schönwetterglaube ist, genauso tut er das im anderen Fall auch im Blick auf die Menschen, die ganz ehrlich sagen können: Mein Glaube ist echt. Woher weißt du das? Schau dir mein Leben an. Du siehst meinen Glauben in meinem Leben. Und Gott sieht das auch.
Deswegen heißt es in Vers 10: Denn Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr zu seinem Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen gedient habt und dient.
Die Liebe zu seinem Namen, das ist die Liebe zu Gott. Also: Die Hebräer lieben Gott. Und merkt ihr, wie sie das tun? Sie tun das, indem sie den Heiligen dienen, das sind die Geschwister hier in der Gemeinde. Indem sie denen dienen.
Wenn du dich fragst, wie kann ich Gott lieben, dann ist die Antwort relativ einfach: Du musst einfach nur die Geschwister lieben. Und das sieht Gott. Wir lieben Gott, indem wir andere Christen lieben und ihnen dienen. Und unser Lebensstil, wenn wir das tun – ganz praktisch: Brauchst du dir nur deinen Terminkalender der letzten Woche anschauen? – unser Lebensstil offenbart, wer wir wirklich sind.
Und Gott vergisst nicht, was wir tun, was wir geleistet haben.

Ermutigung, Hoffnung und geistliche Ausdauer

Und der Autor des Hebräerbriefes macht an dieser Stelle ganz deutlich: Ich habe Zuversicht, ich bin überzeugt, denn ich sehe die praktische Liebe in eurem Leben. Und ich weiß, dass wir es mit einem Gott zu tun haben, der echtes Christsein sieht.
Ein Christsein, das sich wirklich auch darum dreht, anderen Menschen Liebe, Dienst und Hingabe zu erweisen, das wird belohnt. Gleichzeitig weiß der Autor aber auch, dass diese Haltung gegenüber Menschen, gegenüber Geschwistern, eine Haltung ist, die man immer wieder ermutigen muss. Vielleicht muss man sogar sagen, dass man sie permanent ein Stück weit herausfordern muss.
Ist man im Leben jenseits der 50 – ich hatte ja jetzt Geburtstag, also das sind dann immer so Momente, wo man gezwungenermaßen einen Tag innehält, weil alle kommen und einem sagen, wie alt man wird – dann merkt man: Leben ist ein Ultramarathon. Da muss wirklich ein Tag nach dem anderen gelebt, überlebt und manchmal auch durchlitten werden.
Und da besteht ganz praktisch die Gefahr, dass wir, weil das Ganze so lang ist und einfach nicht aufhört, irgendwann tatsächlich in die Gefahr geraten, aufzugeben und uns so ein Stückchen treiben zu lassen. Träge zu werden.
Genau deshalb kommen die Verse 11 und 12, wo dieser Wunsch formuliert wird. Auf der einen Seite: Ich sehe, was ihr Gutes tut, und ich bin ganz sicher, dass Gott das nicht vergisst. Auf der anderen Seite dann Vers 11: Wir wünschen aber sehr, dass jeder von euch denselben Eifer und die volle Gewissheit der Hoffnung bis ans Ende beweise, damit ihr nicht träge werdet.
Ich mag solche Verse, weil sie so praktisch sind. Vielleicht geht es dir wie mir: Manchmal weiß ich nicht genau, was ich für meine Geschwister beten soll. Es gibt die, die immer Probleme haben, da ist es ganz leicht. Und dann gibt es die, bei denen man eigentlich nie so richtig genau weiß: Was soll ich denn beten?
Das hier ist ein Vers, den kannst du immer beten. Das ist so ein Allrounder in der Fürbitte. Wenn du nicht weißt, was du für Geschwister beten kannst, nimm diesen Gedanken sinngemäß: Ich bete für dich, dass du die volle Gewissheit der Hoffnung bis ans Ende festhältst.

Hoffnung als Motor des Glaubens

Okay, volle Gewissheit der Hoffnung, das klingt schon ein bisschen komisch. Das klingt ein bisschen nach Paulus, oder? So von der Art her, wie schachtelmässig: volle Gewissheit der Hoffnung.
Glaube ist immer auf die Zukunft hin ausgerichtet, das hat Glaube so an sich. Und deswegen spielt Hoffnung eine grosse Rolle. Hoffnung ist etwas, wovon ich überzeugt bin. Das ist im Glaubensleben etwas total Wichtiges. Warum? Weil das, wie ich glaube, mein Glaubensleben und auch die Liebe, die ich lebe, direkt aus der Hoffnung entspringen, die ich habe.
Das wisst ihr schon, weil ihr dieses Jahr über den Kolosserbrief schon Predigten gehört habt. Und da steht das in 1. Korinther 1,4-5.
Nochmal: Das, was ich an Hoffnung habe, prägt die Art, wie ich lebe, und die Art, wie ich liebe. Je mehr ich davon überzeugt bin, dass das Beste erst noch kommt, dass dieses Leben mit seinen Leiden, ich nehme mal so ein paulinisches Wort, nicht ins Gewicht fallen wird gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an mir geoffenbart werden soll, in dem Mass, wie ich das wirklich glaube, dass da etwas kommt, was grossartig sein wird, eine echte Hoffnung habe, in dem Mass bin ich auch gern bereit, alles jetzt heute für Jesus zu wagen und für Jesus einzusetzen.
Und umgekehrt: Wo diese Hoffnung, wo diese Gewissheit der Hoffnung fehlt, wo ich mir nicht mehr sicher bin, ob das alles stimmt, was Gott mir versprochen hat, wo vielleicht sogar Zweifel und so ein Stückchen Ungewissheit in mein Leben, mein Denken einkehren, da fällt mit der Hoffnung auch das Leben mit Gott so in sich zusammen. Ja, es ist klar, oder? Warum sollte ich für Gott alles wagen, vielleicht auch alles aufgeben, biblisch gesagt mich selbst verleugnen und Jesus nachfolgen, wenn ich doch gar nicht mehr so richtig davon überzeugt bin, ob es sich lohnt?
Merkt ihr das? Also wenn ich nicht mehr von der Sache überzeugt bin, dann werde ich automatisch einen Gang runterschalten und sagen: Na ja, auf das Pferd setze ich dann nicht mehr so viel. Aber wenn ich die Gewissheit der Hoffnung wirklich festhalte, dann werde ich das tun. Dann werde ich weiter Tag für Tag in diese Sache mit Gott, in dieses Leben für Gott, alles investieren.
Und darum geht es mir. Das ist das, was wir einander wünschen dürfen. Wir dürfen füreinander beten, dass an der Stelle, wo es um diese Gewissheit der Hoffnung geht, keiner von uns den Eifer verliert, dass keiner von uns träge wird.
Es scheint, wenn man den Text mal so auf sich wirken lässt, so zu sein, dass es keine kleine Aufgabe ist, im Leben mit Gott die Hoffnung bis ans Ende festzuhalten. Es scheint so zu sein, als wäre da viel, was uns ablenkt, viel, was uns beschäftigt. Und das können gute Dinge sein. Das können auch weniger gute Dinge sein. Also das, was uns Spass macht, oder das, was uns Sorgen bereitet. Da gibt es viel. Und wenn wir nicht aufpassen, dann wirkt mit einem Mal das Wissen um meine Ewigkeit bei Gott so Stück für Stück immer mehr zu einer Nebensache, die mein Leben praktisch nicht mehr prägt. Und das wäre total traurig.
Denn es soll genau andersherum sein. Es soll so sein, dass wir in dieser Welt leben. Und auch wenn diese Welt, wo wir hier leben, eine sehr schöne Welt ist, wo es uns sehr gut geht, einfach darauf aufpassen, dass uns diese Welt nicht vereinnahmt, sondern dass wir die Gewissheit, diesen Eifer um die Hoffnung, bewahren. Dass wir sagen: Eigentlich lebe ich mit dem innersten Kern meiner Persönlichkeit schon in der Ewigkeit.
Also ich bringe das hier noch herum. Und ich bemühe mich, das auch möglichst klug zu tun. Und ich bin jetzt auch kein Kostverächter, der sagt, du darfst nur noch zuhause dir Bananenkisten hinstellen als Kleiderschrank oder so. Darum geht es mir überhaupt nicht. Da gibt es gute Stellen in der Bibel, lest euch das Buch Prediger durch. Aber auf der anderen Seite möchte ich auch eine kritische Distanz zu dieser Welt haben. Und die Hoffnung und den Eifer und die Gewissheit, dass da das Beste noch kommt, das muss ich einfach festhalten.
Sonst gehe ich hier drauf. Sonst fange ich an, dass mein Leben sich plötzlich um Dinge dreht, was einfach nicht sein darf. Dass das schöne Nebensächliche plötzlich zu einem schönen Hauptsächlichen wird, und das darf nicht gehen.

Vorbilder, Nachahmung und geistliche Orientierung

Eine Möglichkeit, damit das nicht passiert, ist eine ganz einfache. Nicht jeder hat Spaß daran, solche Texte zu studieren. Eine ganz einfache Möglichkeit ist: Such dir gute Vorbilder.
Hier geht es in Hebräer 6 ja weiter, in Vers 12b: sondern Nachahmer derer, die durch Glauben und Ausharren die Verheißungen erben. Wir werden das Thema auch im nächsten Jahr, in der nächsten Bibelwoche, noch einmal finden: Nachahmer.
Herr Paulus spricht relativ viel auch vom Nachahmen. Das ist mir so aufgefallen. Ich lese bei ihm, dass er sagt: Ich wünsche mir, dass die Christen in den Gemeinden, die ich gegründet habe, mich nachahmen. Und dass man sich da so Vorbilder sucht.
Ich möchte erst einmal sagen: Vorbild sein ist mehr als nur, dass man von jemandem ein Buch liest oder dass man jemanden toll findet und sich vielleicht so im Schatten seines Erfolgs sonnt. Ein Vorbild ist jemand, den ich nachahme. Wo ich sage: Der macht etwas richtig. Und ich bin vielleicht noch nicht ganz so bibelfest wie der oder die, aber das, wie der das so macht oder wie die das so macht, das mache ich erst einmal nach. Dann funktioniert das.
Ich habe mir überlegt, ob ich das darf, was ich jetzt mache. Aber ich mache das mal. Ich mache es mal ganz praktisch. Stell dir vor, du würdest mich zum Vorbild nehmen. Und ich habe mir überlegt: Du kannst nicht alles von mir lernen. Ein paar Sachen kannst du gar nicht lernen, ja, da bin ich nicht gut. Aber ich glaube, wenn jemand sagt: Ich nehme den Fischer, dann kommst du nicht umhin, dir vier Dinge anzuschauen.
Das eine ist: Ich bin jemand, der sechs Tage arbeitet und einen Tag ausruht. Ich gebe sechs Tage Vollgas und ruhe einen Tag aus. Wenn du mich zum Vorbild nimmst, hast du einen Ruhetag.
Ich bin jemand, der von der Macht und der Wichtigkeit des Gebets überzeugt ist. Wenn du mich fragst: Ich bete jeden Tag, ich faste regelmäßig, ich habe so wilde Sachen wie ein morgendliches Wachengebet. Meine Top-50-Anliegen, die jeden Sonntagmorgen so ab fünf, ab sechs gebetet werden. Warum? Weil ich davon überzeugt bin, dass du, wenn du mich nachahmst, beten wirst. Das ist ganz simpel.
Wenn du mich nachahmst, wirst du Bibelverse lernen. Logisch, oder? Warum? Ich habe zwar ein unglaublich schlechtes Langzeitgedächtnis, aber ich bin total überzeugt vom Bibelverse-Lernen.
Du merkst schon: Du musst dir gut überlegen, wen du dir als Vorbild nimmst. Ja, weil es diese Freaks gibt, die an bestimmten Stellen sagen: Das ist mir wichtig. Und du denkst: Will ich das wirklich? Ja, aber wenn du mich nehmen würdest, würdest du das tun.
Und wenn du mich nehmen würdest, würdest du auch sagen: Okay, eine Sache, die Jürgen wirklich macht, ist, dass er sich mit seinen Gaben in den Gemeindebau einbringt. Er mag nicht der Mega-Church-Planter sein, aber da, wo er etwas machen kann, wo Gott ihn benutzen will, macht er es.

Persönliche Beispiele für geistliches Ausharren

So, das ist ganz praktisch: Du setzt dich hin, schaust dir jemanden an und fragst dich, was du von ihm lernen kannst. Von mir könntest du zum Beispiel lernen: Ruhetag, Gebet, Bibelverse lernen, Gaben einsetzen. Das wäre das, was du von mir nachahmen könntest.
Die Frage ist: Wen ahmst du nach? Wer ist dein geistliches Vorbild? Ich habe Vorbilder. Mein geistliches Leben lebt auch davon, dass ich Vorbilder im Glauben und im Ausharren habe.
Wenn ich geistlich müde oder mutlos werde, und das kann mir passieren, es gibt Momente, in denen ich wirklich denke: Boah, ja, dann mache ich Folgendes. Ich erinnere mich an Leute, die mir begegnet sind. An Leute, die zum Teil im hohen Alter noch unterwegs waren. Ich bin einmal mit einem 75-jährigen Ami durch Albanien gezogen. Er hat dort seine ehemaligen Bibelschüler besucht, die als Missionare gearbeitet haben. Und mein Job war Kofferträger, Tabletten sortieren und ansonsten darauf achten, dass er nicht am Flughafen verloren geht.
Und es war irre: Du siehst diesen 75-jährigen Mann, der morgens um Punkt sechs Uhr aufsteht. Dann liest er seine zwei Seiten Bibel. Weißt du, da greift diese pergamentene Hand zu dem ebenso braunen Einband seiner Bibel, und dann liest er erst einmal zwei Seiten. Das ist das Erste, was er morgens macht. Das kriegst du nicht mehr aus deinem Kopf raus.
Und es ist ja anscheinend auch keine schlechte Sache, regelmäßig Bibel zu lesen. Ich sage nicht, dass man das genau so machen muss. Wofür ich plädiere, ist, dass man Vorbilder hat und sagt: An denen kann ich mich entlanghangeln, und da schneide ich mir einfach mal Stück für Stück etwas ab.
Wir brauchen Vorbilder, an denen wir uns orientieren können, um, wie es im Text heißt, die Verheißungen zu erben, sondern Nachahmer derer, die durch Glauben und Ausharren die Verheißungen erben.

Verheißung, Hoffnung und der Ernst des Todes

Verheißungen, das Wort selbst bedeutet zunächst einmal Versprechen. Also: Verheißungen sind Versprechen, die Gott mir gibt. Verheißungen sind die eigentliche Basis für Hoffnung.
Ich habe eben gesagt: Von der Hoffnung hängt ab, welche Hoffnung ich habe, wie ich Liebe und Glauben lebe. Aber unter der Hoffnung selbst steckt das, was Gott mir verspricht.
Der Clou ist nun: Es gibt zwei Arten von Hoffnung im Leben. Es gibt eine Hoffnung, die etwas taugt, und es gibt eine Hoffnung, die nichts taugt. Und der Lackmustest, kennt ihr das Wort noch, Lackmustest, das ist, wenn man zum ersten Mal Chemie in der Schule hat und so ein Teststreifen sich farbig verfärbt, also der Lackmustest für Hoffnung ist der Tod. Also dann, wenn du deinen letzten Atemzug tust, dann entscheidet sich in letzter Konsequenz, was deine Hoffnung wert ist.
Wenn du mit der Hoffnung stirbst, dass mit dem Tod alles aus ist, und das Nächste, nachdem du tot bist, ist Petrus, der dir begegnet, dann hast du dich geirrt. Wenn du mit der Hoffnung stirbst: „Oh, ich darf bestimmt noch einmal weiterleben, ich werde reinkarniert“, und dann feststellst, dass der nächste Moment nicht Reinkarnation, sondern das Jüngste Gericht ist, wenn Gott einen dicken Strich unter dein Leben zieht, dann hast du dich geirrt.
Wenn du mit der Hoffnung gestorben bist, dass es bei Gott, sagen wir mal, um gute Werke geht und darum, ein aufrichtiges Leben zu führen, und dann nach deinem Tod Gott dich nicht belohnt, sondern dich einfach fragt, warum dir Selbstgerechtigkeit wichtiger war als der Glaube an seinen Sohn, dann hast du dich geirrt.
Und wenn du stirbst mit der Hoffnung, und das sind, glaube ich, gar nicht so wenige Leute, dass, wenn man in die Hölle kommt, das dort alles nur ewiges Partyfeiern ist, und du dann feststellst, dass es an dem Ort vielleicht eher um Weinen, Zähneknirschen und Hoffnungslosigkeit geht, dann hast du dich geirrt.
Jeder Mensch stirbt mit irgendeiner Form von Hoffnung. Und wir können einfach, weil es so viele Möglichkeiten gibt, nicht alle recht haben. Und deswegen muss die Frage gerechtfertigt sein: Die Hoffnung, die du hast, warum glaubst du denn, dass deine Hoffnung richtig ist? Das ist mal eine gute Frage.
Warum glaubst du, dass deine Kumpels, mit denen du, also ich rede jetzt mal von ungläubigen Kumpels, die mit Gott nicht viel am Hut haben, nicht mehr recht haben? Und die Antwort, die uns der Hebräerbrief gibt, und die habt ihr vielleicht noch nie in einer Predigt gehört, weil es nicht die Art von Antwort ist, die man an jeder Ecke der Bibel findet, die Antwort lautet etwa so: Weil Gott einen Eid abgelegt hat. Und mehr als einen Eid. Mehr als dieses: „Ich schwöre.“ Mehr geht nicht.

Gottes Eid als Garantie seiner Verheißung

Jetzt schauen wir uns Hebräer 6,13-17 an. Alles andere ist ein leichter Text. Da heißt es: Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwor er bei sich selbst, weil er bei keinem Größeren schwören konnte. Und er sprach, und das ist jetzt ein Zitat aus 1. Mose 22,16: „Wahrlich, ich will dich reichlich segnen und dich mächtig mehren.“ Das ist der Schwur, den Gott gibt.
Und so erlangte Abraham, also er, in dem Fall Abraham, indem er ausharrte – es geht inhaltlich um die Geschichte mit Isaak, den er da opfern sollte – die Verheißung. Denn Menschen schwören bei einem Größeren, und der Eid ist ihnen zur Bestätigung ein Ende allen Widerspruchs. Deshalb hat sich Gott, da er den Erben der Verheißung, das sind übrigens wir, die Gläubigen, die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses noch viel deutlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt.
Okay, kein leichter Text, das ist mir völlig klar. Aber es ist glücklicherweise Sonntagmorgen, da seid ihr noch nicht wirklich müde. Mir reicht der rote Faden. Abraham taucht hier im Text auf. Abraham bekommt als einer, der an Gott glaubt, eine Segensverheißung. Und wer die Geschichte von Abraham etwas besser kennt, und das ist genau das, was der Autor des Hebräerbriefes bei seinen Lesern voraussetzen kann, der weiß, dass der Segen, den Abraham bekommt, genau dieser Segen eben nicht nur für ihn gilt, sondern für die ganze Welt.
Abraham ist der Prototyp des Gläubigen. Und was Gott ihm verspricht, diese Segensverheißung, gilt nicht nur ihm, sondern tatsächlich allen Gläubigen. Es gibt also ein Versprechen Gottes, eine Verheißung, die Gläubigen zu segnen. Und wie Abraham in seinem Leben ein Vorbild für Glauben und Ausharren ist, so müssen wir, wenn wir uns nach diesem ewigen Segen ausstrecken, ebenfalls ausharren. Aber wir haben, wenn wir das tun, eine unglaubliche Sicherheit.
Es lohnt sich, mich in diese Richtung auszustrecken, weil Gott mir nichts vormacht. Im menschlichen Miteinander, wenn man so als Mensch zusammen ist, meist vor Gericht: Wozu ist ein Eid da? Ist schon mal ein Eid gesprochen worden? Also, wenn ich will, dass jemand die Wahrheit sagt, wenn ich das jetzt brauche in dem Moment, dann sage ich so etwas wie: Vor Gott, schwörst du, dass du die Wahrheit sagst? Und was er dann sagt, das muss wirklich die Wahrheit sein. Oder, im biblischen Sinn, ist das so: Er verflucht sich selbst. Ein Meineid ist biblisch nicht einfach nur eine Lüge, sondern eine Selbstverfluchung.
Und ein Eid ist ein Ende, ein Ende allen Widerspruchs. Das heißt: Wenn der andere einen Eid geleistet hat, wenn er sagt: Ich schwöre das bei Gott, dass es so ist, dann kann ich nicht tiefer in ihn hineindringen, und ich muss mich, egal was ich denke, mit dieser Version seiner Wahrheit zufriedengeben. Mehr geht nicht. Ich kann nicht noch weiter bohren. Das ist das, was ein Eid leistet, weil nicht mehr als ein Eid geht, um die Wahrheit zu unterstreichen. Deswegen schwört Gott.
Gott müsste nicht schwören, logisch. Gott lügt nicht. Er ist in Sachen Wahrheit immer die absolute Autorität. Das, was er sagt, ist auch ohne Schwur völlig vertrauenswürdig. Aber indem er schwört, und zwar bei sich selbst, beim Höchsten, bei dem er schwören kann, garantiert Gott uns die Einhaltung seiner Verheißung, und zwar auf die bestmögliche Weise.
Also, wenn dich jemand fragt: Warum glaubst du, dass deine Hoffnung mit dem Tod sich nicht in Wohlgefallen auflöst und am Ende nur die Würmer auf dich warten? Dann kannst du sagen: Ich glaube das, weil der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, geschworen hat. Er hat mir, wie es im Text heißt, die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses bewiesen. Er hat Abraham versprochen, die Gläubigen zu segnen, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Und das tröstet mich heute, wenn es mir schlecht geht.

Trost, Zuflucht und die Hoffnung auf Gottes Zukunft

Vers 18: Warum tut Gott das? Damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, das heißt einmal die Verheißung und zum anderen den Eid, bei denen Gott doch unmöglich lügen kann, einen starken Trost hätten. Wir, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die vorhandene Hoffnung zu ergreifen.
Gläubige sind Flüchtlinge. Komisch, wenn ich das so sage. Flüchtlinge klingt in unserer heutigen Zeit so schräg, dieses Wort taucht immer in den Medien auf. Gläubige sind Flüchtlinge. Wir haben unsere Zuflucht zu einer Hoffnung genommen, die Gott uns anbietet. Gottes Hoffnung auf ewiges Leben, Erde 2.0, unendliche Gemeinschaft mit Gott, Trost, Gerechtigkeit, Frieden, unerhörte Freiheit von Sünde und von allem Bösen.
Gottes Hoffnung ist nicht nur eine schöne Alternative, sie ist tatsächlich die einzige Alternative vor absoluter Verlorenheit und ewiger Verdammnis. Entweder ewiger Tod oder ewiges Leben. Es geht nicht darum, dass Gott uns eine etwas nettere Hoffnung anbietet als die nette Hoffnung, die wir schon haben. Es geht darum, dass Gott uns die Hoffnung schenken möchte, die wir brauchen, um dem Verderben zu entfliehen und uns direkt mit ihm zu verbinden.
Vers 19: Diese Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht.
Wir machen heute fünf Minuten länger, damit du dein Stück noch spielen kannst. Klammer zu, alle sind einverstanden? Ja, gut, danke. Bleibt deswegen noch zwei Verse bei mir, weil ich sehe, einige hier hin und her rutschen. Wir machen das. Aber ihr bleibt noch zwei Verse bei mir, denn jetzt kommt ein ganz, ganz schöner Vers und dann einer, den er gar nicht versteht. Aber machen wir erst den schönen. Der ganz schöne Vers heißt: Gemeint ist diese Hoffnung, haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht.
Wer den Vers nicht gleich versteht, wir machen davon mehr in dieser Woche. Hier wird vorausgesetzt, dass man den Aufbau der Stiftshütte kennt. Das ist dieses tragbare Heiligtum aus dem Alten Testament. Und das Innere des Vorhangs, das ist der Bereich in der Stiftshütte, wo man Gott begegnen kann, das sogenannte Allerheiligste.
Und jetzt: Das Bild ist so schön. Stell dir dein Leben mal gerade als Schiff vor, okay? Du bist ein Schiff, das kann groß oder klein sein, spielt keine Rolle. Du bist ein Schiff, und dein Leben schwimmt als Schiff auf dem Meer. Und das Meer, das ist so das Leben, was du erlebst. Es geht mal rauf, es geht mal runter. Es kommen Stürme, es kommen Unwetter. Manchmal peitscht dir der Wind ins Gesicht, und manchmal ist es wieder gut. Dann läuft es irgendwie. Manchmal pechschwarze Nacht, du kannst die Hand kaum vor Augen sehen. Manchmal schaust du bis zum Horizont. Das ist dein Leben, das bist du als ein Schiff auf dem Meer.
Und bei alledem, egal was kommt, müssen wir uns keine Sorgen machen. Warum? Weil unsere Seele fest verankert ist. Wir haben einen sicheren und festen Anker, und das ist die Hoffnung, die wir haben. Und dieser Anker bewahrt uns davor, dass die Stürme des Lebens uns wegtreiben. Und dieser Anker reicht bis hinein in die Gegenwart Gottes. Das ist die Hoffnung.
Deswegen brauchen wir eine Hoffnung, die bei Gott verankert ist, nicht eine Hoffnung, die aus uns herauskommt, die sich irgendwo verankert in unserem Vitamin B, in unseren Beziehungen, in der Kraft, die wir haben, in der Weitsicht, die uns zur Verfügung steht. Wir brauchen eine Hoffnung, die im Allerheiligsten bei Gott ankert. Und wir haben diese Hoffnung bei Gott. Wir dürfen mit Gott persönlich verbunden sein, weil es dort einen gibt, der den Weg freigemacht hat.

Der Weg ins Allerheiligste und die abschließenden drei Punkte

Deswegen zum Schluss dieser Vers, der für uns heute früh noch ein bisschen unverständlich bleibt, sich aber im Lauf der nächsten Abende entfalten wird. Da heißt es dann, wohin Jesus als Vorläufer oder als Wegbereiter für uns hineingegangen ist, der nach der Ordnung Melchisedechs Hoher Priester in Ewigkeit geworden ist.
Das ist jetzt sehr geheimnisvoll, und es mag am Ende stehen, um euch einzuladen. Wenn ihr wissen wollt, was das bedeutet, dann kommt die nächsten Abende einfach mal vorbei und lasst euch auf diesen Hebräerbrief ein.
Heute möchte ich, dass ihr drei Dinge mitnehmt:
Erstens: Lasst uns darauf achten, nicht träge zu werden, sondern eifrig zu bleiben und uns an solchen Christen zu orientieren, die ein gutes Vorbild sind.
Zweitens: Gott lügt nicht. Aber damit wir hundertzehnprozentig wissen, dass er es wirklich gut mit uns meint, verspricht er uns nicht nur seinen ewigen Segen, sondern verbürgt sich für die Wahrheit seiner Verheißung mit einem Eid. Mehr geht nicht.
Und der letzte Punkt: Wir haben eine Hoffnung, die unsere Seele mit Gott verbindet, und zwar deshalb, weil Jesus als der Hohepriester den Weg zu Gott ins Allerheiligste freigemacht hat.
Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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