Generierte Mitschrift
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Die Bitte um das tägliche Brot als Ausgangspunkt
Wir haben heute aus dem Vaterunser, Matthäus 6,11, nur diese Bitte: Unser tägliches Brot gib uns heute. Herr, wir leben von deiner Güte. Öffne uns die Augen, damit wir sehen und verstehen. Amen.
In den letzten Tagen haben Sie sicher auch manchmal im Radio und im Fernsehen diese Diskussion in der DDR verfolgt. Es war ja interessant. Da gibt es ja Stimmen für uns, erstaunlich viele Stimmen, die dann plötzlich ganz erregt in so einer Diskussion sagen: Wir brauchen doch gar nicht den ganzen Wohlstand und das Geld vom Westen.
Ich verstehe gut, dass das auch verletzte Gefühle sind. Man will nicht abhängig sein, man will seine Würde bewahren. Aber das kann ja auch einen anderen Hintergrund haben. Oft schon wenige Sätze später kommt zum Vorschein, dass die gleichen Leute mit großer Bitterkeit sagen können: Man hat uns ja 15 Milliarden nicht gegeben.
Ich habe immer den Eindruck, wir reden manchmal so pausbäckig: Wir brauchen all das Materielle nicht. Und wir hätten es doch so schrecklich gerne, wir sehnen uns danach. Das beobachten wir nicht bloß außerhalb, sondern am meisten auch in unseren Kirchen, in unserem eigenen Leben. Da sagen wir: Ach, das ist doch alles nicht so wichtig mit dem Geld. Aber heimlich schielt unser Herz doch dauernd nach dem Reichtum, nach den großen Möglichkeiten, die man haben könnte.
In unserer Welt sind die Leute ja in fast keiner Frage einig. Über alles hat man verschiedene Meinungen. Einig ist man fast nur im Schimpfen auf das Materielle. Beobachten Sie das einmal. Das gäbe jetzt auch eine schöne Predigt, wenn man das sagen würde: wie schlecht das Äußere alles ist, wie das Jagen nach dem Geld so schlimm ist und wie das alles nicht gut ist, wenn man immer nur auf das Äußere sieht.
Ich bin froh, dass uns Jesus das nicht zumutet. Im Gegenteil: Er nimmt ganz weit vorne hinein in dieses große Gebet des Vaterunsers die Bitte um das Materielle, um das Brot. Um das Brot geht es ja nicht bloß um das Essen, da geht es ja nicht bloß um die Nahrung, sondern da geht es auch ums Kapital, um den Arbeitsplatz, um die Versorgung, um den Arzt und die Gesundheit, da geht es um unseren Leib.
Und das ist wichtig, sagt Jesus. Wir sollen beten, wir dürfen beten um die materiellen Dinge. Es wäre gut, wir würden ein wenig ehrlicher über all die Dinge reden, wir würden ein wenig offener davon sprechen, wie es uns auch in den vergangenen Tagen oft umgetrieben hat, wie es uns oft schwer war. Wie wir darunter gelitten haben, wenn uns Dinge fehlten zum Leben, wenn wir Mangel gelitten haben. Das Materielle ist wichtig. Darum ist es gut, dass Jesus davon redet.
Der Leib gehört zum Glauben
Ich möchte zuerst dazu sagen: Die irdischen Dinge sind sehr wichtig. Die irdischen Dinge sind sehr wichtig.
Ich weiß nicht, woher es kommt, dass man in den Kirchengemeinden die Mitgliederzahl einer Gemeinde nicht so zählt, wie man sie eigentlich zählen müsste, nämlich dass dort so und so viele Menschen zu einer Gemeinde gehören. Stattdessen spricht man von der Seelenzahl. Das ist also ein verräterischer Sprachgebrauch, von der Seelenzahl.
Warum wohnen da eigentlich nur Seelen? Oder hängt da noch etwas an der Seele dran? Gibt es da vielleicht auch noch Fleisch und einen Leib an der Seele? Sind da auch noch Menschen dazugehörig, die ein Temperament haben? Mann und Frau oder Frau und Mann, und Gaben, Interessen, Wünsche und Gefühle?
Wenn ich die Bibel ansehe, dann spricht Jesus immer sehr vom Leib. Auch wie wir es vorhin aus der Bergpredigt gehört haben, in dieser wunderbaren Schriftlesung von unseren Sorgen. Wie versteht uns Jesus? Wie versteht uns Jesus? Ich habe den Eindruck, manchmal sind wir Christen viel enger als Jesus. Wir wollen das vielmehr aufs Seelische und aufs Geistliche drängen, und Jesus will seine Herrlichkeit auch in den materiellen Nöten offenbaren.
Und wenn ich Sie so überblicke, dann weiß ich doch von vielen von Ihnen, wie Sie jetzt in ganz konkreten Nöten und Engpässen stecken und wie das Ihr Gebet bewegt. Sie dürfen beten, Sie müssen darum beten, denn da will Jesus seine Herrlichkeit offenbaren.
Im Johannesevangelium ist ja die erste Tat, die Jesus wirkte, bei einer Hochzeit gewesen. Das waren im Orient immer fröhliche Feste, die auch viele Tage lang dauerten. Überrascht uns das, dass Jesus überhaupt zu einer Hochzeit ging?
Und dann passiert eine der Pannen, vor der jedoch Gastgeber Angst hat: dass irgendwo die Vorräte nicht reichen. In der Küche, in der Speisekammer, irgendwie hat einer geschlafen und etwas verpatzt, der Wein geht aus. Wenn wir dort beim Fest gewesen wären, wir hätten gesagt: Nun Leute, jetzt machen wir das Beste aus dem Fest, und jetzt wird Sprudel getrunken. Das kann auch recht schön sein.
Und die Geschichte ist uns ja aus guten Gründen sogar richtig anstößig. Wir wissen ja, wie viele dunkle Bindungen heute durch die Macht des Alkohols bestehen, wie viele Menschen darunter leiden. Das könnte ja heute einer falsch ins Ohr kriegen, was da steht. Aber ganz ohne Rücksicht auf unseren Missbrauch, auch auf unsere Schwächen, lässt Jesus diese Krüge füllen. Das waren Reinheitskrüge, wo man die Füße gewaschen hat. Er lässt sie reinigen und dann noch einmal mit Wasser füllen. Dann kostet der Speisemeister, und Johannes berichtet, und das ist ihm ganz wichtig, dass der Speisemeister sagt: Ja, der ist ja viel, viel besser als der vorige Wein, viel, viel besser.
Und Jesus offenbarte seine Herrlichkeit an einer Stelle, wo wir sagen: Es wäre doch kaum nötig gewesen, man hätte das doch auch überbrücken können. Wir sind oft in unserem Glauben so, dass wir unserem Herrn keine Mühe machen wollen, und wir denken: Das ist doch zu wenig. Warum soll der Herr des Himmels sich jetzt auch um den verlorenen Schlüssel kümmern? Ist ihm das überhaupt wichtig? Kümmert er sich auch um meine Krankheit? Sorgt er sich auch um die Prüfung, die uns so Angst macht? Und kümmert er sich darum, wenn heute Morgen manche unter uns sitzen, die nicht mehr weiter können, deren Kraft erschöpft ist?
Gottes Nähe in den kleinen und grossen Nöten
Wenn es bei der Kreuzigung Jesu heißt, dass der große, schwere Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste abtrennt, plötzlich von oben bis unten zerreißt, dann wird damit auch deutlich gemacht, dass in dem Augenblick, in dem Jesus die Welt mit Gott versöhnt und Schuld vergeben ist, das Königreich Gottes in dieser Welt beginnen kann. Gott will alles mit seiner heiligen Gegenwart erfüllen: auch ihre Speisekammer, auch ihr Auto, auch ihre Wohnung, auch ihren Arbeitsplatz, auch ihren Leib.
Gott will keine heiligen Orte mehr haben. Er will in unserem Leben verehrt sein, ganz mitten unter uns.
Und das ganze Evangelium ist voll davon, von lauter Berichten, wie Jesus bewusst vor einer großen Volksmasse stehen bleibt. Und da greift er genau aus den vielen Menschen die eine Frau heraus, von der es heißt, sie konnte nicht gut aufsehen. Sie hatte einen gebeugten Rücken von einer jahrelangen Krankheit, gichtkrank. Und Jesus sieht sie und sagt: In deinem Leben, in deiner Schwäche will ich meine Herrlichkeit sichtbar machen.
Die materiellen Dinge sind wichtig. Darum ist es mir auch so wert, das noch einmal zu unterstreichen: Wir müssen unseren Sprachgebrauch ändern. Wir sollten nicht so tun, als ob wir wirklich über diese irdischen Dinge erhaben wären. Das brauchen wir gar nicht zu sein. Wir sind Menschen mit Fleisch und Blut.
Gerade in den materiellen Dingen, in den irdischen Dingen des Lebens, liegen auch die Gründe, warum wir oft im Glauben Schiffbruch erleiden. Wir meinen immer, das sei das Denken, an dem wir stolpern. Nein, dort stolpern wir gar nicht. Es sind die Dinge, die wir haben wollen, oder wir sind zu beschäftigt, um Zeit für Gott zu haben.
Und es war doch wirklich damals so: Als Jesus über diese Welt ging, war da einer, der die Gottesherrschaft nur deshalb verpasste, weil er sich gerade eine ganz tolle Zugmaschine gekauft hatte. Das waren fünf Joch Ochsen, und ganz stolz war er unterwegs, um sie zu beschauen und einmal auszuprobieren, wie man mit ihnen jetzt die Landwirtschaft treiben kann. Das ist nichts Schlechtes, aber darüber hat er den Ruf Jesu verpasst, verloren und ist ihm nicht nachgefolgt.
Und ein anderer, der jahrelang mit Jesus ging, hat Jesus am Ende nur wegen 30 Mark ans Messer geliefert. Dass ein Geldbetrag in unserem Leben eine solche Rolle spielen kann, das sagt die Bibel, das sagt Gottes Wort. Und selbst bei Menschen, die jahrelang Jesus hören, wie er sie lehrt, wie er sie unterweist, die Jesus lieb haben, ist plötzlich unser Herz an solchen Dingen gebunden.
Ein anderer hat um ein Linsengericht sein Erstgeburtsrecht und den Segen Gottes verkauft, alles wegen äußerer, irdischer Dinge. Unsere Nachfolge, unser Gehorsam im Glauben, ist gefährdet durch diese kleinen alltäglichen Dinge.
Darum ist es mir jetzt ganz entscheidend wichtig, Sie zu bitten: Bringen Sie die Dinge mit ein ins Vaterunser. Bitten Sie Jesus darum, dass er ihnen hilft, sehen Sie, dass er sie löst.
Versorgung, Vertrauen und die Erfahrung von Bewahrung
Ich könnte gerade fortfahren, mit ihnen das Neue Testament durchzugehen, bei der Speisung der Fünftausend, als sie an einem Steppenplatz waren, wo keine Bäckerei in der Nähe war und kein Laden, und das Volk hungerte. Auch da müsste man ja sagen: Wem tut es nicht gut, ein paar Tage zu fasten und etwas abzunehmen? Das tut eurem Organismus nur gut, wenn er mal nichts isst. Reißt euch zusammen und hört umso besser zu, dann könnt ihr besser aufmerken.
Jesus ist nicht so unbarmherzig wie die vielen anderen, die solche Gebote erlassen. Er nimmt fünf Brote und zwei Fische, segnet sie und gibt sie. Legen Sie Ihre Lebensnöte in die Hand Jesu und beten Sie darüber, dass er seine Herrlichkeit offenbart hat. Offenbare.
Ich habe vor zwei Tagen einen Brief bekommen von einer jungen Frau. Ich kenne sie nicht. Sie schreibt aus Afrika und erzählt, dass eine Krankenschwester, die ich auch nicht kenne, schon per Luftpost unsere Kassette vom Vater Unser, unser Vater in dem Himmel, bekommen hat. Diese Krankenschwester, die offenbar aus Stuttgart stammt, wahrscheinlich war das ein Gemeindeglied, das dort die Kassette hingeschickt hat, hätte sie dieser anderen Frau gebracht. Denn sie liege nun schon einige Zeit an Malaria krank, und es werde gar nicht besser. An diesem Abend seien alle aus dem Haus gewesen, und da hätte sie diese Kassette gehört. Jetzt sei es ihr erst aufgegangen, wie all das, was sie bewegt hat, unter der Vatergüte Gottes steht.
Verstehen Sie, den Blick möchte ich Ihnen jetzt auch geben, und ich möchte das vielleicht deutlich machen an einer Erzählung, an einer Geschichte, die meine Frau und ich erlebt haben. Wir mussten von Nairobi nach Arusha am Kilimandscharo, zu einem Platz, wo ein Entwicklungshelfer von uns jetzt im Einsatz ist. Wir wollten das teure Fluggeld sparen und die Reise über den Landweg machen. Aber schon die Eisenbahn hatte acht Stunden Verspätung gehabt, weil die Lokomotive eine Panne hatte.
Es war schon am Nachmittag, als wir dann von Nairobi losgefahren sind, mit Wagen und einem Chauffeur, der uns an die Grenze nach Tansania, 260 Kilometer, bringen wollte. Und nach 200 Kilometern: pssst, erster Reifen platt. Gut, wir haben gewechselt, mit vereinten Kräften. Aber nach 30 Kilometern war der zweite Reifen platt, und man hat nur einen Reservereifen dabei. Und dann fragen wir den Fahrer: Wo sind wir denn jetzt? Und dann holt er die Landkarte heraus, und wir sehen weit und breit keinen Ort.
Es war noch eine Stunde, bis die Nacht anbricht, eine afrikanische Nacht. Und das ist manchmal nicht unproblematisch, wenn man dann auf der Straße ist. Aber unser Fahrziel war ja noch fast 200 Kilometer weit weg, in Tansania noch einmal 150 Kilometer. Wie sollten wir das erreichen? Wir versuchten, ein Auto anzuhalten. Es kam keines. Und als dann zwei kamen, dann wollten sie uns oder konnten sie uns nicht helfen.
Ein afrikanischer Mopedfahrer hat schließlich unseren Fahrer mitgenommen, und der hatte das eine Rad unter sich. Er will mal sehen, wo man das hier in der Pampa reparieren lassen kann. Sie wissen, dass ich in solchen Situationen nicht gerade ein Vorbild an Geduld bin. Aber meine Frau saß dann so still da, und es ist manchmal gut, wenn ich sie privat einladen kann, mich auf diesen Reisen zu begleiten. Sie saß da und las in ihrem Bibelchen, und ich fotografierte das und sagte: Da wollen wir mal später dran denken, wie Gott das noch gelöst hat.
Es dauerte gar nicht lange, da kamen zwei Afrikaner. Das waren Pastoren der Afrika Inland Kirche, einer unserer wichtigsten Partnerkirchen in Afrika. Sie hatten gleich um die Ecke ihre Kirche und haben uns angeboten, dass wir dort gerne nächtigen könnten. Aber das war alles nicht nötig. Unser Fahrer fand eine Tankstelle, die ihm den Reifen repariert hat. Als wir dann am Zoll in Tansania gehalten haben, war der Reifen platt, aber wir waren wenigstens dort, wo wir wieder in einen Wagen gestiegen sind.
Manchmal ist man ja überwältigt, wie Gott sorgt. Und als wir dann um zehn Uhr aus einem Wagen kletterten, wo der Fahrer nichts mehr sprechen konnte auf der tansanischen Seite, da waren wir bloß voll Lob und Dank. Die ganze Fahrt über hatten wir doch die Angst gehabt, ob er uns noch irgendwo absetzt, wo uns am Ende alles Geld geklaut wird. Aber Gott hat uns bewahrt, und ich wünsche, dass Sie das auch erfahren in den täglichen Nöten, da, wo die Engpässe bei Ihnen liegen, wo die Angst so tobt.
Ganzheitlich denken und den Geber nicht vergessen
Jetzt einen zweiten Gedanken. Das Erste war: Die irdischen Dinge sind so wichtig. Zweitens: Wir müssen ganzheitlich denken. Das ist ein blödes Wort, ganzheitlich. Vor allem ist es grammatikalisch und sprachlich nicht schön, aber es ist ein Modewort. Darum muss es auch in der Predigt gebraucht werden. Das Wort ist schon längst entdeckt worden von der neureligiösen Bewegung und auch von der New-Age-Bewegung. Ganzheitlich ist eine Parole, ein Motto für moderne Menschen.
Ganzheitlich, das heißt: Wir müssen im Frieden mit dem Kosmos leben, naturverbunden. Wir können nur aus ganzem Herzen zu dieser Sache Ja sagen, ganzheitlich, das meinen wir auch. Wir wollen nicht die materiellen Dinge aus ihren seelischen und geistigen Verbindungen lösen. Wir wollen die Umwelt ehren, achten und schützen. Wir sind Menschen unserer Zeit, und wir leben auch im Rhythmus der Natur.
Aber was mich heute immer wieder wundert, ist, dass die Menschen das Wort ganzheitlich benutzen und das Allerwichtigste vergessen. Die ganze Welt ruht doch nur in der Umwelt des lebendigen Gottes. Wie kann man den ewigen Gott wegstreichen? Ich will Umweltschützer sein. Ich will dafür sorgen, dass wir mit unserer Welt in der Umwelt Gottes drinbleiben, dass ich die Vaterhände Gottes sehe. Ich als Mensch kann doch nur leben, wenn ich weiß, dass auch die Natur in den Schöpfungsordnungen Gottes steht. Woher kommt denn das alles sonst?
Und darum ist das Beten so wichtig. Ich möchte in diesem Gebet Gott bitten, dass sein Reich komme, auch in den alltäglichen Dingen. Es ist ja gleichzeitig eine Bitte, die uns zum Gehorsam verpflichtet: Herr, wir wollen doch tun, was du willst. Wir möchten die Gaben nutzen und sie nehmen, voller Achtung und Ehrfurcht, als von dir geschenkte Gaben.
Wenn wir uns nachher beim Mittagessen niedersetzen, und ich hoffe, dass wir ein gutes Mittagessen kriegen, dann falten wir doch die Hände und danken Gott und preisen ihn über den Gaben, die er uns schenkt. Sie kommen aus seiner lieben Hand. Und wenn Sie heute den Spaziergang machen, sich freuen am Frühling, dann danken Sie doch Gott und sagen: Herr, von dir kommt das alles her.
Es ist mir erschütternd, dass Menschen unseres Jahrhunderts nicht mehr ganzheitlich sind, obwohl sie davon reden, und das Wichtigste vergessen: dass von Gott das herkommt. Wie wollen Sie denn Lebenspläne machen, wenn Sie nicht daran denken, dass Gott uns in der Ehe begegnet und in den Gütern, im Geld, in der Zeit, im neuen Tag, der vor uns liegt? All das, was wir draußen sehen in der herrlichen Umwelt, ist doch Gottes wunderbare Schöpfung.
Vor vielen Jahren hat die Beatgruppe Rolling Stones einen Schlager gesungen, der hat mich immer schwer getroffen: I can get no satisfaction, ich kriege keine Befriedigung. Das singen junge Leute, die Geld wie Heu haben, die im Rolls-Royce spazieren fahren und sagen: Es macht mich nicht satt. Vielleicht ein typisches Beispiel für das Empfinden heute: Ich habe die Güter, sie machen mich nicht satt. Ich habe genug, ich habe sogar die Überfülle, ich weiß nicht mehr, wie ich meine Zeit ordnen soll, vor drängenden Verpflichtungen, aber ich habe den Geber all des Guten verloren.
Darum erinnern wir uns daran, wie Jesus, wenn er vom Brot sprach, ja so gern davon sagte: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Die Güter ohne Jesus machen nicht satt. Und darum haben wir gottlosen modernen Menschen das Ganzheitliche zerstört. Wir haben die sichtbaren Dinge herausgerissen und nehmen sie als allein gültig, statt dass wir den Geber, den Herrn all des Guten, dahinter sehen.
Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, der wird nicht mehr hungern, und wer an mich glaubt, der wird nicht mehr dürsten.“ Erst dann befriedigen uns all die guten Dinge dieser Welt.
Vertrauen lernen und mit offenen Händen leben
Noch ein Letztes muss ich anfügen: Wir sind die Beschenkten.
Wir haben jetzt immer nur von den Bitten gesprochen: „Gib uns unser tägliches Brot.“ Wir sind ja alle, hoffentlich haben Sie gut gefrühstückt, alle satt heute Morgen, und wir werden satt. Auch wenn bei uns ab und zu an der Tür solche obdachlosen Leute stehen, fragen wir sie immer: Haben Sie Hunger? Denn Brot sollen sie doch bekommen. Und dann sagen sie: Nein, Brot brauche ich nicht mehr, gell?
Nur einer wollte mein Brot, und der hat nachher den Schreibtisch ausgeräumt. Der wollte nur in die Wohnung rein. Also wissen Sie, am Hunger ist das meist nicht mehr unser Problem. Am Hunger ist das meist nicht mehr unser Problem.
Darum: Was ist denn gemeint mit „Gib uns unser täglich Brot“, und zwar nur für heute, nicht mal für morgen? Wir wollen gar nicht vorsorgen. Da ist doch gemeint, dass es genug ist, wenn sie für heute ausreichend versorgt sind. Schön, wenn sie zu essen haben, aber dann gehört das andere auch dazu. Wenn die gesundheitliche Kraft und die Arbeitskraft für diesen Tag reichen, sorgen sie sich nicht für morgen.
Und das sollte uns in Bewegung setzen, mehr zu wagen, Mut zu haben und zu sagen: Ich habe einen treuen Versorger, einen wunderbaren Zahlmeister. Ich kann viel riskieren.
Lesen Sie noch einmal die Biografien der großen Gründer der diakonischen Einrichtungen des letzten Jahrhunderts. Die hatten oft nur ein paar Mark. Und dann haben sie gleich große Reichsgotteswerke begonnen. Dann haben sie Obdachlose aufgenommen, geistig Behinderte gesammelt, Waisenkinder, ein Dorf gebaut, wie George Müller aus Brüssel, 5000 Kinder hat er am Ende gehabt. Und wenn man ihn gefragt hat, hatte er immer nur knapp so viel, wie er für einen Tag brauchte.
Wir schrecken vor manchen Diensten zurück, weil wir sagen: Habe ich auch die Kraft, das hinauszuführen? Schaffe ich das? Ja, Sie schaffen das, wenn Sie beten können: „Unser täglich Brot gib uns heute.“ Dann können Sie Ihr Leben opfern, Ihre Zeit hergeben.
Kein Mensch kann weiter planen als nur für einen Tag. Wir sind töricht, wenn wir meinen, wir können unser Leben sichern. Aber am besten sind wir ja wirklich versorgt, wenn wir auf den lebendigen, treuen Gott schauen, wenn wir auf die Knie gehen können und sagen können: Gib uns, was wir brauchen heute, Herr!
Du bist so wunderbar gewesen, wie du durch Jahrhunderte deine Leute durchgebracht hast. Ich bin überzeugt, du wirst das auch jetzt tun. Und dann möchte ich für Gott viel wagen. Ich möchte nicht in der Angst leben: Reicht das? Wie komme ich durch?
Dann dürfen wir unsere Kraft und unsere Zeit und unser Geld opfern und sagen: Herr, was morgen kommt, wirst du wissen. Aber ich weiß, dass du das Geringe segnen kannst. Ich will es für dich gebrauchen, mit dir geben.
Es ist etwas Großes, wenn man beten kann und weiß: Ich kann Gott völlig vertrauen, weil ich ihm gehorche. Amen.

