Einführung: Die Frage nach dem eigenen Wert im Glauben
Gemeinsam Glauben Leben
Sie hören den Predigt-Podcast der evangelisch freikirchlichen Gemeinde The Rock Christus Kirche aus Berlin-Spandau.
Ich habe eine Einstiegsfrage für Sie mitgebracht. Sie ist relativ einfach und lautet: Wann haben Sie sich das letzte Mal gefragt, ob Ihr Leben – so wie Sie sind – für Gott und für das, was er mit der Welt vorhat, überhaupt einen Unterschied macht?
Oder anders gefragt: Wann haben Sie sich das letzte Mal gefragt, ob Gott Sie mit Ihrem Leben so, wie Sie sind, überhaupt braucht?
Wunderbar, wunderbar! Das ist auch die richtige Antwort.
Ich möchte mit Ihnen einer These nachgehen, die folgendermaßen lautet: Wenn wir in die Geschichte Gottes mit dieser Welt hineinschauen, in die Heilsgeschichte, dann geschehen ganz wesentliche Dinge durch Menschen, die völlig unscheinbar sind.
Das sind nebensächliche Akteure in der Geschichte. Doch Gott benutzt genau diese Normalos, diese Nobodies, die man in der Gesellschaft ganz leicht übersehen könnte.
Gott verwendet sie für seine Zwecke und macht Großartiges mit ihnen. Und...
Ein unbekannter Akteur in der Apostelgeschichte
Ich möchte euch jemanden vorstellen, von dem wir nicht einmal den Namen kennen. Wenn man sich das ganz normal anschaut, steigen wir in der Apostelgeschichte an einer Stelle ein, die für den einen oder anderen, der die Apostelgeschichte vielleicht nicht so gut kennt, etwas überfordernd sein könnte.
Irgendwann in der Apostelgeschichte kehrt Paulus nach Jerusalem zurück. Dort gerät er in römische Gefangenschaft. Diese Gefangenschaft ist eine Art Schutzhaft, weil die Juden versuchen, ihn umzubringen. Die Römer schnappen ihn, erfahren dann, dass er römischer Bürger ist, und damit ist ein besonderer Schutz verbunden.
Dieser Extraschutz wird hier vorausgesetzt. Wir steigen in Apostelgeschichte 23 ein und stoßen auf ein Problem, das für mich etwas mit Fanatismus zu tun hat. Die Leute, die gegen Paulus sind, sind Juden, die ihn umbringen wollen.
Sie überlegen sich nun, wie sie vorgehen können. Sie planen, zum Hohen Rat zu gehen, dem höchsten jüdischen Gremium jener Zeit. Dort wollen sie ihre Meuchelmörderdienste anbieten und den Mord an Paulus organisieren.
Fanatismus und ein Mordkomplott gegen Paulus
Das hört sich dann so an:
Apostelgeschichte 23,12: Als es Tag geworden war, rotteten sich die Juden zusammen, verschworen sich mit einem Fluch und sagten, dass sie weder essen noch trinken würden, bis sie Paulus getötet hätten. Es waren mehr als vierzig, die diese Verschwörung gemacht hatten.
Sie kamen zu den Hohenpriestern und den Ältesten und sprachen: „Wir haben uns mit einem Fluch verschworen, nichts zu genießen, bis wir Paulus getötet haben.“
Nun gab es nur noch ein Problem: Wie sollten sie an Paulus herankommen? Sie machten dem Hohen Rat den Vorschlag: „Ladet ihn noch einmal zu euch ein! Und dann sind wir da und übernehmen den Rest.“
In Vers 15 heißt es: „Macht ihr jetzt mit dem Hohen Rat, dem Obersten, Anzeige, damit er ihn zu euch herabführe. Also wollt ihr seine Sache genauer entscheiden, wir aber sind bereit, ehe er nahekommt, ihn umzubringen.“
Hier sieht man jüdische Fanatiker, die den Hohen Rat – also ihr höchstes jüdisches Gremium, in dem es eigentlich um Recht und Gerechtigkeit geht – dazu instrumentalisieren, einen Mord zu verüben.
Man merkt, hier wird aus einer Aversion gegen Paulus – die schon immer ein wenig in Jerusalem vorhanden war – Fanatismus. Vierzig Männer verschwören sich gegenseitig, nichts zu essen und nichts zu trinken, bevor sie Paulus getötet haben.
Das ist übrigens, wenn man in der Geschichte nachschaut, für Fanatiker völlig normal. Es spielt keine Rolle, ob es ein religiöser Fanatiker ist. Nur bei religiösen Fanatikern wird es besonders auffällig: Der religiöse Fanatiker verliert, obwohl er eigentlich besonders fromm sein möchte, jeglichen Sinn für Moral.
Was diese vierzig Leute tun, ist falscher Eifer für Gottes Sache. Und wie gesagt, es wird noch schlimmer, weil sie in diesem Mordkomplott auch noch den Hohen Rat instrumentalisieren.
Das heißt, das Gremium, das für Recht und Gerechtigkeit zuständig ist, wird hier dazu benutzt, das allergrößte Unrecht zu begehen.
Die Spannung zwischen Gottes Auftrag und der Bedrohung
Dieser Text, den wir hier lesen, steht in einer besonderen Spannung. Wie gesagt, ich fordere euch ein wenig heraus, weil ihr die Apostelgeschichte vielleicht nicht einfach so vor Augen habt.
In diesem Abschnitt wollen Leute Paulus umbringen – genau den Apostel, zu dem kurz zuvor im gleichen Kapitel Gott spricht und ihm Mut zuspricht. Gott sagt: „Sei guten Mutes! Denn wie du meine Sache in Jerusalem bezeugt hast, musst du sie auch in Rom bezeugen.“
Gott kommt also zu Paulus und sagt: „Mach dir keine Sorgen, ich habe alles für dich geplant. Du wirst nach Rom kommen und dort, wo der Kaiser ist, mein Zeuge sein.“ Im Moment aber ist Paulus in Jerusalem. Und gerade jetzt haben sich vierzig Männer verschworen, ihn zu töten.
Diese Spannung zieht sich durch den Text: Hier steht nicht nur Paulus’ Leben auf dem Spiel, sondern auch ein wichtiger Auftrag, den Gott seinem Apostel gegeben hat.
Ganz am Anfang möchte ich einen wichtigen Punkt festhalten – für alle, die sich nicht so lange konzentrieren können: Wenn Gott dir einen Auftrag gibt, dann kann nichts und niemand sich dem in den Weg stellen. Ich sage das noch einmal: Wenn Gott dir einen Auftrag gibt, dann kann nichts und niemand sich dem in den Weg stellen.
Selbst wenn vierzig Mörder draußen vor der Tür darauf warten, dir deinen Schädel einzuschlagen – das wird nichts bewirken. Nichts und niemand kann sich dem in den Weg stellen, was Gott mit uns vorhat.
Gottes Vorgehen: Kein Blitz, sondern ein unscheinbarer Helfer
Frage: Wie geht Gott hier vor?
Es wäre ja ganz einfach: Plötzlich kommt ein Blitz aus dem Himmel, und von diesen 40 Leuten bleiben nur noch 40 kleine Häufchen Asche übrig. Das wäre durchaus machbar.
Aber jetzt kommt meine These: Das macht Gott nicht. Gott arbeitet mit einem völlig unscheinbaren Mann, von dem wir – wie gesagt – nicht einmal den Namen kennen.
Hier Apostelgeschichte 23, Vers 16:
„Als aber der Neffe des Paulus von der Nachstellung gehört hatte, kam er hin und ging in das Lager und meldete es dem Paulus. Paulus aber rief einen von den Hauptleuten zu sich und sagte: Führe diesen jungen Mann zu den Obersten, denn er hat ihm etwas zu melden.“
Wir wussten bis dato nicht, dass Paulus einen Neffen hatte, okay? Der kriegt das irgendwie mit, dieses Mordkomplott – keine Ahnung wie. Aber man kann sich das schon vorstellen: Wenn 40 Leute übereinkommen, so einen Oberapostel umzubringen, dann haben sie das wahrscheinlich auch anderen Leuten erzählt.
Man will ja als echter Fanatiker auch, dass andere das gut finden, was man tut. Das war wahrscheinlich schon so ein bisschen Stadtgespräch.
Und jetzt, wie gesagt, da kommt kein Engel. Das wäre ja auch so etwas, so ein Gabriel, der einfach sagt: „Ich mache hier alles platt.“ Nein, wir wissen von dem jungen Mann nicht einmal, ob er Christ ist.
Er hört irgendwie von der Verschwörung gegen seinen Onkel und geht aus eigenem Antrieb in das Lager der römischen Soldaten, dort, wo sein Onkel aktuell als Gefangener sich aufhält, und erzählt ihm von dem geplanten Anschlag.
Paulus tut einfach nur das, was absolut logisch ist: Er sagt, hey, wir müssen diese Information nach oben weitergeben. Wenn ich das weiß, ist das einfach nicht genug. Und...
Der Oberste und die geheime Rettungsaktion
Dazu muss man wissen: Der Oberste, an den das jetzt weitergeleitet wird, dem ist Paulus noch etwas schuldig – so will ich das mal formulieren.
Als Paulus gefangen genommen wurde, hat dieser Oberste nämlich einen kleinen taktischen Fehler begangen. Er ließ Paulus aufspannen, um ihn zu geißeln. Das war damals eine beliebte Methode, um herauszufinden, worum es eigentlich ging. Man hat die Leute einfach mal durchgeprügelt, und dann sagten sie einem schon, was sie wussten.
Als Paulus dort hing und die Vorbereitung zur Geißelung schon im Gange war, fragte er ganz freundlich zurück: „Ist es bei euch in Ordnung, dass ein römischer Bürger ohne Urteil einfach so gegeißelt wird?“
In diesem Moment erschraken alle. Man muss sich das in der Bibel mal genau ansehen: Alle erschraken. Warum? Es war verboten, einen römischen Bürger auch nur für die Geißelung vorzubereiten oder ihn allein festzubinden. Das war ein Sakrileg. Dafür konnte man als römischer Soldat oder Oberster seinen Job verlieren oder sogar in die Verbannung geschickt werden.
Deshalb hat dieser Oberste hier quasi noch eine Schuld gegenüber Paulus. Das lesen wir jetzt:
Ein junger Mann geht zu diesem Obersten. In Apostelgeschichte 23,18 heißt es: „Der nun nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Obersten und sagte: Der gefangene Paulus rief mich herbei und bat mich, diesen jungen Mann zu dir zu führen, der dir etwas zu sagen habe.“
Der Oberste nahm ihn bei der Hand, zog sich mit ihm abseits zurück und fragte: „Was ist es, das du mir zu melden hast?“
Der junge Mann antwortete: „Die Juden sind übereingekommen, dich zu bitten, dass du morgen Paulus in den Hohen Rat hinabbringst, als wolle er etwas Genaueres über dich erkunden.
Du nun lass dich nicht von ihnen überreden, denn mehr als vierzig Männer von ihnen stellen ihm nach. Sie haben sich mit einem Fluch verschworen, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn umgebracht haben.
Jetzt sind sie bereit und erwarten deine Zusage.“
Der Oberste entließ daraufhin den jungen Mann und befahl ihm: „Sage niemandem, dass du mir dies mitgeteilt hast.“
Die stille Rettung und Gottes unspektakuläre Helfer
Das ist relativ einfach zu erklären, wenn man sich anschaut, was hier passiert. Der junge Mann kommt und geht zu seinem Onkel. Der Onkel sagt: „Hey, das musst du weiter oben melden.“ Daraufhin meldet der junge Mann das Ganze weiter oben und informiert den Obersten. Er sagt ihm, dass hier ein Mordkomplott vorliegt – und zwar gegen einen römischen Bürger. Das darf man nie vergessen. So etwas kann man nicht einfach durchgehen lassen.
Was der junge Mann hier bittet, ist Folgendes: Lass dich nicht überreden, wenn morgen jemand kommt und sagt, du sollst ihn noch einmal in den Hohen Rat führen. Mach da nicht mit! Dort warten vierzig Leute darauf, ihn umzubringen.
Der Oberste reagiert darauf, indem er den jungen Mann nach Hause schickt und Stillschweigen fordert. Niemand soll wissen, dass der Oberste Bescheid weiß. Warum dieses Stillschweigen? Es ist eine taktische Maßnahme, damit er in Ruhe den nächsten Schritt planen und durchführen kann.
Was genau der Oberste dann tut, lesen wir heute nicht. Er wird ihn nachts mit einer ordentlichen Eskorte einfach aus der Stadt schaffen lassen. Wenn die Verschwörer am nächsten Morgen kommen und sagen: „Kannst du ihn herabführen?“, wird der Oberste antworten: „Nein, er ist nicht mehr da.“
Was die vierzig Leute, die sich verschworen haben, machen, ist unklar. Sie haben sich vorgenommen, nichts zu essen und zu trinken, bis sie ihn umgebracht haben. Das wird für sie zumindest für den Moment eine schwierige Sache sein. Nach spätestens drei Tagen wird das mit dem Wasser und so weiter schwierig werden. Ich vermute, sie haben es dann doch überlebt, aber...
Gottes Methode: Heilsgeschichte durch unscheinbare Akteure
Was der Oberste tut, ist, dass er ihn wegschaffen will – dorthin, wo wiederum sein Chef residierte, der Statthalter Felix. Das ist jedoch nicht das, was mich interessiert.
Mich interessiert heute etwas ganz anderes, nämlich meine These. Meine These lautet: Gott handelt in der Heilsgeschichte durch verdeckte, scheinbar völlig nebensächliche Akteure. Diese haben jedoch eines gemeinsam, und das ist das Interessante.
Es sind Leute, die zuhören, die bereit sind, etwas zu tun – und das auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten müssen gar nicht groß sein. Hier musst du nur denken: Ich gehe mal zu meinem Onkel und sage ihm, dass jemand ihn umbringen will. Das ist ja recht überschaubar. Das ist noch nicht so, als stündest du auf der Straße und hältst eine Straßenpredigt. Es ist einfach: Ich gehe irgendwo hin und sage jemandem, „Hey, hier passiert etwas.“
Aber es sind Menschen, die auch bereit sind, das zu tun. Sie sehen ein Stück Verantwortung, die sie haben, und sie lassen sich darauf ein. Das ist meine These: Gott schreibt seine Geschichte mit solchen Leuten.
Ich finde das total beruhigend. Gott schreibt seine Geschichte mit Normalos – vielleicht sogar mit Menschen, von denen die Welt sagen würde, dass man sie eigentlich nicht braucht.
Beispiele aus der Bibel: Joseph, das junge Mädchen und Maria
Ich zeige euch mal drei Beispiele. Damit ihr merkt, dass das keine These ist, die Jürgen aus irgendeiner unbekannten Geschichte zieht, die man auch für ein Bibelrätsel hätte verwenden können. Sondern es gibt tatsächlich einen jungen Mann, der von seinen eigenen Brüdern in die Sklaverei verkauft wird. Einen, der unschuldig angeklagt wird, viele Jahre im Gefängnis verbringt – eigentlich seine besten Jahre, wenn man so will. Während andere Leute feiern, sitzt dieser junge Mann, Joseph, im Gefängnis. Doch plötzlich wird er aus diesem Nobody-Status, aus dem Verrotten im Kerker, zum Retter von Ägypten.
Ich weiß nicht, wie leicht Joseph an seiner Biografie hätte verzweifeln können, aber er tut es nicht. Dort, wo Gott ihn hinstellt, ist er einfach nur treu. Als die Frau des Potiphar, seines Chefs, ihn verführen will, sagt er: Nein, das mache ich nicht. Warum nicht? Na ja, weil er als junger Mann schon entschieden hat, Gott zu vertrauen.
In 1. Mose 39,9 heißt es: „Er selbst, das ist sein Chef Potiphar, ist in diesem Haus nicht größer als ich, und er hat mir gar nichts vorenthalten, außer dir, weil du seine Frau bist.“ Das ist der Moment, in dem sie ihm ein eindeutiges Angebot macht. Wie sollte er dieses große Unrecht tun und gegen Gott sündigen? Aus einer Position der Schwäche heraus könnte man denken: Es kann mir doch nur zum Vorteil gereichen, mit meiner Chefin ins Bett zu gehen. Da kann doch kein Nachteil sein. Doch Joseph vertraut Gott. Er hält sich an Gott.
Gott ist ihm das Wichtigste. Er bleibt Gott treu, auch wenn ihn das ins Gefängnis bringt. Er bleibt Gott treu, weil er möchte, dass Gott ihn für seine Zwecke gebrauchen kann. Jahre später, in 1. Mose 50, redet Joseph mit seinen Brüdern, die ihn in die Sklaverei verkauft haben. Er sagt zu ihnen: „Ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt, Gott aber hat es zum Guten gewendet, um zu tun, wie es an diesem Tag ist, ein großes Volk am Leben zu erhalten.“
Von außen betrachtet sieht Josephs Leben über weite Strecken einfach falsch aus. Man denkt: Was soll das? Wer mutet einem jungen Menschen so etwas zu? Aber Gott weiß, was er tut.
Vielleicht sagst du: Okay, Joseph ist in deinen Augen kein Normalo. Gut, ich habe noch einen Normalo. Also, Normalo geht nicht in meinen Augen. Schauen wir auf 2. Könige 5,2-3: „Und die Aramäer waren auf Raub ausgezogen und hatten aus dem Land Israel ein junges Mädchen gefangen weggeführt. Das kam in den Dienst der Frau des Naaman.“ Da ist also ein junges Mädchen, das bei einem Kriegszug entführt wird und im Haushalt des Naaman als Sklavin landet.
Sie sagt zu ihrer Herrin: „Ach, wäre mein Herr doch vor dem Propheten, der in Samaria wohnt, dann würde er ihn von seinem Aussatz befreien.“ Nun muss man wissen: Naaman, ihr Chef, ist General der Aramäer und hat Aussatz. Dieses kleine Mädchen im Haushalt von Naaman erzählt ihrer Chefin: „Ach, schade, dass unser Herr hier bei den Aramäern ist. Wenn er nur die Propheten von Israel kennen würde, glaube ich, sie würden ihn heilen.“
Man denkt: Das ist doch nichts Besonderes, was sie sagt. Aber wisst ihr, was sie mit diesem einen Satz lostritt? Naaman zieht tatsächlich nach Israel, trifft den Propheten Elisa, wird geheilt, bekehrt sich zum Gott Israels und kehrt zurück. Du denkst: Lustige Kindergeschichte? Stopp, lass mal einen Erwachsenen einen Schritt zurücktreten.
Kannst du dir vorstellen, was das geopolitisch bedeutet, wenn Israel, eine kleine unbedeutende Nation, am Königshof der Aramäer einen bekehrten Fürsprecher hat? Jemanden, der so viel Einfluss hat, dass der König sich einmal im Jahr auf ihn stützend in den Tempel begibt? Nein, das kannst du nicht. Da bin ich mir ganz sicher. Aber so schreibt Gott Heilsgeschichte.
Ein kleines Mädchen, ein Normalo der Normalos – mein Lieblingsbeispiel zu diesem Thema ist Lukas 1. Lukas 1,26: „Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas mit Namen Nazareth gesandt zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Josef aus dem Haus Davids verlobt war. Der Name der Jungfrau war Maria. Er kam zu ihr hinein und sprach: ‚Sei gegrüßt, Begnadete, der Herr ist mit dir.‘“
Du denkst dir: Ja klar, kenne ich die Geschichte. Aber hey, denk mal nach: Wer ist das? Maria. Ist sie die Frau des Hohenpriesters? Nein. Die Tochter des Hohenpriesters? Nein. Irgendjemand Wichtiges? Nein. Sie wohnt irgendwo, wo man nicht wohnen sollte. Ein Kaff in Galiläa, wo man sagt: Da kommt nichts Gutes her. Ein unbekanntes Mädchen, das niemand kannte. Wenn wir sie nicht durch die Kirchengeschichte ein bisschen bekannter gemacht hätten, würde sie bis heute keiner kennen. So simpel.
Und Gott nutzt das. Versteht ihr? Gott ist ein Gott, der ganz andere Prioritäten hat, wenn er mit Leuten arbeitet. Er schaut nicht auf Äußerlichkeiten, nicht darauf, wo du herkommst, oder wer du bist. Worauf schaut Gott? In 1. Samuel 16,7 heißt es: „Der Herr sprach zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und auf seinen hohen Wuchs, denn ich habe ihn verworfen. Denn der Herr sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der Herr aber sieht auf das Herz.“
Versteht ihr? Ich kann mir meinen Intellekt nicht aussuchen, mein Aussehen, meine Sportlichkeit, ich kann mir meine Familie nicht aussuchen. Ich werde irgendwo hineingeboren. Und jetzt kommt es: Das ist alles gar nicht so wichtig. Warum? Ich kann darüber entscheiden, wie sehr mein Herz an Gott hängt. Ich kann darüber entscheiden, ob mein Herz wirklich an Gott hängt. Ich kann darüber entscheiden, ob und wie sehr mein Herz an Gott hängt.
Dafür braucht es keinen hohen IQ, nicht das Aussehen einer Kendall Jenner. Es braucht keine Pokale, die ich gewonnen habe, keine perfekte Biografie, die man sich natürlich ein bisschen wünschen darf. Um Gott zu gefallen, braucht es nur den ehrlichen Wunsch, ihm zu gefallen, den Wunsch und den Mut, das Naheliegende zu tun.
Jeder Normalo kann mit ganzem Herzen – im Rahmen seiner Möglichkeiten, und mehr verlangt Gott auch gar nicht – an Gott hängen. Und das ist die Idee hinter Gemeinde: Ich kann als Normalo an Gott hängen.
Gemeinde als Zusammenschluss von Normalos
Wenn du dich je gefragt hast, warum so viele schräge Vögel Gemeinde bilden: Mann, du kannst dir ja die Haare raufen bis zum Getto, wenn du in Gemeinde gehst, oder?
Der Grund steht in 1. Korinther 1,26. Dort beschreibt Paulus die Gemeinde in Korinth: „Denn seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind.“ Es kann natürlich ein paar davon geben. Und natürlich hättest du gerne jemanden in der Gemeinde, der sagt: „Oh klar, eine Million habe ich über, die könnt ihr haben. Kein Problem.“ Das hätten wir auch gerne. Oder wenn jemand eine übrig hat, dann könnten wir hier noch eine Empore reinbauen.
Aber jetzt kommt es: Gott hat das Törichte der Welt auserwählt. Was hat Gott außerwählt? Die Dummköpfe, damit er die Weisen zu Schanden macht, und das Schwache der Welt hat Gott außerwählt, damit er das Starke zu Schanden mache.
Merkt ihr, Gott beruft die Normalos. Gott beruft die Randfiguren, die Schmuddelkinder. Warum? Weil er dieser Welt ihre eigene Dummheit und Überheblichkeit vor Augen malen will.
Die Welt streckt sich nach den Machern aus, das ist doch logisch: den Trumps und den Musks, den Putins und den Erdogans, den Xi Jinpings – bei dem Namen muss man erst mal lernen, wie man ihn ausspricht – und den Zuckerbergs. Das sind die Leute, bei denen man sagt: Boah, jetzt kommt Gott und sagt: „Wisst ihr was? Ich mache da nicht mit. Ich schnappe mir die, an die du nie gedacht hättest.“ Mit denen revolutioniere ich diese Welt, mit denen schreibe ich Heilsgeschichte.
Diese Menschen sorgen dafür, dass andere Menschen zum Glauben kommen. Sie sorgen dafür, dass sich diese Welt von unten her verändert – so ein Stückchen grassroots, von unten her. Sie sind wie Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert.
Die Herausforderung der Selbstzweifel und Gottes Ruf an Normalos
Warum ist es wichtig, dass ich das so sage?
Weil wir natürlich in einer Welt leben, in der Selbstdarstellung keine Grenzen kennt – und die Jüngeren noch mehr davon betroffen sind. Ganz ehrlich, ich möchte gar nicht in eurer Zeit geboren sein. Dabei kann schnell die Idee entstehen, dass Gott einen nur gebrauchen kann, wenn man besonders ist.
Deshalb stelle ich dir jetzt eine Frage und gebe dir zehn Sekunden Zeit, darüber nachzudenken: Was sind deine persönlichen Argumente dafür, dass Gott dich nicht gebrauchen kann? Noch einmal: Was sind deine persönlichen Argumente dafür, dass Gott dich nicht gebrauchen kann?
Ist es dieses: Ich habe zu wenig Glauben, ich bin zu alt, ich habe zu oft versagt, ich bin nicht schlau genug, ich bin nicht wie xy? Warum glaubst du also irgendwo in deinem Herzen, auch wenn du es nur ein bisschen weißt, dass Gott dich nicht gebrauchen kann?
Ich weiß nicht, ob da jetzt etwas in dir hochgekommen ist. Aber denk an den Neffen des Paulus. Kein Apostel, kein Glaubensheld, sondern ein aufmerksamer junger Mann, mit dem Gott Geschichte schreibt. Ein namenloser Mann, der dafür sorgt, dass der Apostel Paulus nicht von vierzig Attentätern umgebracht wird.
Warum glaubst du also, dass Gott dich nicht gebrauchen kann?
Gebet und Ermutigung zur Treue
Lass mich an dieser Stelle ein Gebet sprechen. Ich möchte Folgendes beten:
Vater im Himmel, wir bitten dich, dass du uns immer wieder vergibst, wo wir uns selbst disqualifizieren. Wir bitten dich, dass du uns den Mut schenkst, dir zuzutrauen, dass du uns gerade in unserer Normalität und in unserer Schwachheit gebrauchen kannst und gebrauchen willst. Amen.
Jetzt sage ich euch etwas, das mir nicht ganz leicht über die Lippen kommt, aber das einfach stimmt. Es ist eine Erkenntnis, die ich im Gemeindebau gelernt habe, und zwar so:
Nicht die vermeintlich Begabten treiben das Reich Gottes langfristig voran, sondern die Treuen.
Ich sage den Satz noch einmal: Nicht die vermeintlich Begabten treiben das Reich Gottes langfristig voran, sondern es sind die Treuen.
Eine Gruppe treuer Normalos, deren Herz an Gott hängt und die bereit sind, gehorsam die Aufgaben zu übernehmen, die Gott ihnen vor die Füße fallen lässt. Die einfach weitergehen und nicht aufhören, egal wie sie sich fühlen und egal, was gerade passiert.
Diese Truppe ist das Material, womit Gott Gemeinde baut. Ich habe so oft gesehen, dass die Begabten sich irgendwann selbst im Weg standen und am Ende weniger erreichten als treue, stinknormale Normalos.
Deshalb: Wenn du ein Normalo bist, dann feiere das bitte! Paulus sagt im 2. Korinther 11,30: Wir sollen unsere Schwachheiten feiern.
Mach dir eine Liste all der Dinge, über die du dich ärgerst, und stell dich hin und sag: Halleluja, danke Gott!
Ich habe so eine Liste. Es ist immer wieder schräg, sie zu beten, weil wir denken: Das kannst du doch nicht machen, du kannst doch Gott nicht für deine Schwachheiten danken. Doch, kann ich. Warum? Weil es in der Bibel steht.
Gegen die Illusion der Begabung: Gottes Kraft in der Schwachheit
Deswegen mache ich das. Wisst ihr, wir leben in einer Zeit der Stars, Sternchen und Influencer. Ganz schnell verbreitet sich unter uns die Idee, dass Gott mich nur für den Bau seines Reiches gebrauchen kann, wenn ich auch so offensichtlich begabt bin.
Dann denkst du vielleicht: „Aber ich kann nicht vorne stehen, ich kann nicht predigen, keine Musik machen, keine Kinderstunde leiten. Bestimmt braucht er mich nicht.“ Falsch, ganz falsch! Du wirst gebraucht. Und ich kann dir nur sagen: Du ahnst nicht, wie sehr du gebraucht wirst.
An den Dreh- und Angelpunkten der Heilsgeschichte stehen oft ganz normale Menschen. Leute, die in den Augen ihrer Mitmenschen vielleicht ein bisschen „loser“ sind oder äußerlich nicht so qualifiziert für den Dienst wirken.
Da ist zum Beispiel David, ein kleiner Hirtenjunge. Dann Mose, ein greiser Ziegenhirte. Esther, ein hübsches Mannequin, die einmal in ihrem Leben etwas richtig macht – und das war’s auch schon. Aber dieses eine Mal ist einfach großartig.
Dann gibt es das kleine Mädchen, die Schwester von Mose, die die Tochter des Pharao davon überzeugt, sich um das Kind zu kümmern und es noch ein bisschen bei sich zu behalten. Du hast eine Hure, eine Witwe, Leute, die denken: „Ich bin doch eh zu jung.“ Stimmt, aber das spielt keine Rolle. Es spielt einfach keine Rolle.
Hast du dir mal die Apostel angeschaut? Also ganz nüchtern betrachtet, wo sie herkommen? Galiläa. Genau. Galiläa war damals ungefähr das, was wir heute mit Ostfriesland verbinden. Dort gibt es Ostfriesen-Witze – Becci, das musst du dir mal anschauen. Gibt es so etwas bei den Briten auch? Ja, also wunderbar.
Galiläa ist so. Und jetzt nimmst du Leute von dort. Wie lange brauchen die, um das mit dem Neuen Bund zu kapieren? Also dass auch die Heiden Teil von Gottes Neuem Bund sein dürfen? Die Apostelgeschichte hat keine dreißig Kapitel, aber in den ersten zehn Kapiteln haben sie es noch nicht verstanden. Also sind die auch nicht in allem super schlau.
Warum hat Gott nicht den römischen Kaiser berufen? Habt ihr euch das mal gefragt? Warum nicht wenigstens den Hohenpriester? Das wäre doch mal etwas – so mitten ins Machtzentrum hinein. Der Hohepriester, Nachfolger des Messias, das wäre doch was.
Warum macht Gott das nicht? Ganz einfach: Weil es falsch gewesen wäre. Es wäre der falsche Ansatz gewesen. Und Gott macht keine Fehler.
Weil Gott keine Fehler macht und weil er die ganze Welt mit dem Evangelium erreichen will, arbeitet er nicht nur mit den „Missmatches“. Die Großen, die wir für passend halten, da weiß Gott: Falsch, falsch! Die stehen sich irgendwann selbst im Weg. Mit denen kannst du eigentlich nichts machen.
Du brauchst die Normalen, um das Reich Gottes in dieser Welt zu bauen. Er tut das, damit jeder sehen kann, mit wem er es zu tun hat, wenn er mit dir redet. Es ist nämlich nicht deine Schlauheit.
Gottes Kraft in unserer Schwachheit: Ein ermutigender Vers
Gott wirkt durch unsere Schwachheit, damit jeder dahinter Gott erkennt. Du denkst, dass Gott dich nicht gebrauchen kann, dass du unwichtig bist oder keine offensichtlichen Begabungen hast? Dann freu dich, denn ich habe einen Vers für dich, den du mit nach Hause nehmen kannst.
Der letzte Vers für heute stammt aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 12, Vers 9. Und das ist der Hammer. Wenn du denkst: „Mich braucht er nicht“ oder „Jürgen sagt, Normalos werden gebraucht, mich nicht“, dann ist das dein Vers. 2. Korinther 12,9.
Wenn du hier sitzt und etwas festgehalten hast und sagst: „Deswegen kann Gott mich nicht gebrauchen“, dann schreib dir diesen Vers auf. Häng ihn dir aufs Klo, lies ihn jeden Tag beim Zähneputzen und kümmere dich darum, dass er in dein Herz kommt.
2. Korinther 12,9: „Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gern will ich mich nun viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohnt.“
Paulus, der das hier schreibt, ist kein „Normalo“. Das wirst du sofort sagen. Stimmt, er ist es nicht. Und weißt du, bevor Paulus das hier schreibt, bekommt er einen „Pfahl ins Fleisch“. Gott gibt ihm eine körperliche Einschränkung, die so schlimm ist, dass Paulus dreimal zu Gott bittet: „Nimm mir das bitte weg!“
Warum muss Gott so einen Paulustypen, einen vermeintlich starken Mann mit großen Offenbarungen, schwach machen? Er bekommt extra diesen Pfahl ins Fleisch, damit er nicht mehr so stark ist. Er hat zu viel Kraft, zu viel Power, zu viel Know-how.
Paulus betet und sagt: „Nimm das weg!“ Doch Gott antwortet: „Nein, machen wir nicht.“ Warum? „Meine Gnade genügt dir. Du brauchst nicht die Kraft, von der du träumst. Du brauchst nicht den IQ, das Aussehen oder das Charisma. Lass das alles liegen, das braucht kein Mensch. Meine Gnade genügt dir.“
Warum? „Denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“ Dort, wo ich schwach bin, darf eine andere Kraft mich benutzen. Plötzlich bin nicht mehr ich es, sondern Gott wirkt durch mich hindurch.
Paulus kann dann sagen: „Sehr gern will ich mich nun viel mehr meiner Schwachheiten rühmen.“ Ist es nicht richtig cool, wenn ich schwach bin? Ja, Halleluja! Danke für die Migräne, danke für das schlechte Erinnerungsvermögen, danke für die kaputten Füße, danke für die Hüftschmerzen – genau dafür!
Sehr gern will ich mich meiner Schwachheiten rühmen. Warum? Weil an der Stelle, wo ich schwach bin, Gott zum Tragen kommt. Und das ist entscheidend.
Wir glauben oft, wir müssten Gott mit unserer Stärke beweisen, wie toll wir sind. Vergiss diesen Gedanken. Wenn du denkst: „Mich braucht Gott nicht“ oder „Ich bin nicht begabt“, vergiss das.
Gott hat dich so begabt, wie es sein muss.
Ermutigung zum treuen Dienen und ein Bild von der Schnecke
Schau in den Spiegel und lach ein bisschen – das dürfen wir alle tun. Ja, wir sind alle ein bisschen schräg. Freu dich an dem, wer du bist, und nutze genau das. Sei einfach treu und geh deinen Weg weiter.
Erinnert ihr euch noch an die Geschichte mit der Schnecke? Eine treue Schnecke kann man nicht aufhalten. Sie schneckt einfach bis zum Ende durch, und das kannst du nicht verhindern. Sie schleimt fröhlich vor sich hin, aber sie erreicht ihr Ziel.
Das sind die Menschen, mit denen Gott Geschichte schreibt. So.
Zusammenfassung der These und Ermutigung
Worum ging es mir? Ich wollte euch ein Beispiel eines unbekannten jungen Mannes zeigen, den Gott auf ganz spektakuläre Weise benutzt hat, um seinen Apostel vor einem Mordkomplott zu retten.
Ich wollte euch eine Sache verdeutlichen, eine These untermauern, die besagt: Gottes Heilsgeschichte vollzieht sich oft durch verdeckte, scheinbar nebensächliche Akteure. Diese Menschen sind bereit zuzuhören, bereit, treu das zu tun, was in ihrer Kraft steht, und auf eine ganz unspektakuläre Weise Verantwortung zu übernehmen.
Das bedeutet: Gott wirkt außergewöhnliche Dinge durch gar nicht außergewöhnliche Menschen. Das ist das, was Gott tut. Er vollbringt außergewöhnliche Taten, erreicht diese Welt mit dem Evangelium und sorgt dafür, dass Menschen, die verloren sind und in der Macht Satans stecken, frei werden, Versöhnung finden und Sündenvergebung erhalten – und das durch ganz normale Menschen.
Es sind die Normalos, mit denen Gott sein Reich baut. Deshalb kommt Gottes Kraft gerade in Schwachheit zur Vollendung. Schwachheit ist für Gott niemals ein Problem.
Deshalb mein Tipp von hier vorne: Mach dich nicht selbst zum Maßstab für deine Tauglichkeit. Wo du denkst, hier ist meine Grenze, vergiss diese Grenze. Schau sie dir kurz an und sag: Okay, sie ist da, aber das ist egal. Denn wo Gottes Geist wirkt, da ist ein Geist der Kraft. Je schwächer wir sind, desto mehr wird sichtbar, wer da eigentlich in uns lebt und wirkt.
Ein Bild von der Gutenberg-Presse als Metapher
Zum Schluss noch ein Bild: Wir hatten unsere kleine Halloween-Geschichte, und ich habe meine Gutenberg-Presse mitgebracht. Halloween ist ja auch Reformationstag, genau.
Das hier ist eine Gutenberg-Presse – eine technische Revolution im 15. Jahrhundert, kaum zu vergleichen mit irgendeiner anderen Revolution. Vielleicht noch mit der Dampfmaschine oder jetzt mit der Künstlichen Intelligenz. Das wären so Dinge, die mir einfallen würden.
Der Buchdruck wurde dadurch billig. Ohne ihn hätte es die Reformation nicht gegeben. Aber auch Bildung hätte es ohne den Buchdruck nicht in dem Maß in Europa gegeben, wie wir sie heute kennen.
Ihr seht, das ist eine Druckerpresse. Auf der linken Seite ist ein Schlitten, in den man das Papier einspannt. Dann schiebt man den Schlitten unter diesen Stempel. Diesen drückt man dann herunter, und so wird die schwarze Farbe auf das Papier gedrückt.
Wie kommt jetzt die Farbe auf die Lettern? Hier habe ich eine Rolle verwendet, aber im Original war das anders. Im Original hatte man solche Stempel, mit denen man quasi draufgestempelt hat. Das heißt, man hat die Druckplatten mit schwarzer Farbe bestrichen, bis alles schwarz war, und dann gedruckt.
Könnt ihr euch das vorstellen? Jetzt zur Übertragung: Dieser Stempel hier ist im Original aus Leder, logisch. Aber was für ein Leder wurde für diesen Stempel verwendet?
Wenn ich das frage, sagen die Leute immer Rinderleder oder Ziegenleder. Falsch! Es ist Hundeleder.
Jetzt denkt ihr sicher: Hundeleder? Das haben wir noch nie gehört. Stimmt.
Was macht Hundeleder so besonders, dass man es zum Auftragen von Druckerschwärze auf so einen Druckstock verwendet? Ganz einfach: Hundeleder enthält keine Poren, durch die man schwitzt. Deshalb schwitzen Hunde über die Zunge.
Ich dachte mir: Was für eine coole, tolle Übertragung! Wenn du dich unbrauchbar fürs Reich Gottes fühlst – wie so ein Straßenköter, dem man am liebsten eins draufgibt und ihn wegschickt. Wenn du glaubst, du hast in etwa so viel Bedeutung fürs Reich Gottes wie irgendein Köter, der dir im Urlaub in einem griechischen Dorf über den Weg gelaufen ist – falsch!
Im Rahmen dieser neuen Revolution, die man Evangelium nennt, gibt es irgendwo den Platz, den nur du mit deiner ganz persönlichen Gabe ausfüllen kannst. So wie diese Stempel nur funktionieren, wenn sie aus Hundeleder sind. Denn in dem Moment, in dem du Poren hast, sammelt sich darin der Dreck und die alte Farbe, und du bekommst eine ganz krisselige Druckplatte.
Versteht ihr? Du bist wie dieser Stempel. Du wirst gebraucht. Du bist ja auch so ein Hund, der sich vielleicht selbst nicht so richtig kennt. Aber irgendwo da draußen, in dieser Revolution, die Gott vorhat, weil er diese Welt mit dem Evangelium erreichen will, gibt es den Moment und den Punkt, an dem du allein die Lücke füllen kannst. Niemand sonst kann dich ersetzen.
Amen.
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Wir wünschen Ihnen Gottes reichen Segen. Bis zum nächsten Mal.
