
Johannesevangelium 2,13-17 - Der Eifer um dein Haus verzehrt mich
Johannes 2,13-1701.03.2020
Serie•Teil 11 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein persönlicher Zugang zur Predigt
Ich predige eigentlich immer so, dass ich selbst von einer Predigt angesprochen werde. Das ist hoffentlich irgendwie klar. Wenn ich eine Predigt nur doof und langweilig finde, dann gehe ich damit im Allgemeinen nicht auf die Kanzel. Da gibt es mal Auftragsarbeit, abgesehen davon. Aber im Allgemeinen stehe ich hier vorne und bin von dem überzeugt und begeistert, was ich predige.
Heute ist das noch einmal anders. Wir wollen heute Johannes 2,13-17 betrachten, und das ist ein Text, vor dem ich mich ehrfürchtig beuge. Ich will das erklären.
Für einen Christen, der ein Jünger Jesu ist, gehört es sich, dass er sich viel mit der Bibel beschäftigt. Jesus sagt einmal, dass seine Worte in uns bleiben sollen, damit wir dadurch, dass seine Worte in uns bleiben, in ihm bleiben. Und natürlich auch, weil ein Jünger eben per Definition einer ist, der das tut, was Jesus sagt. Und ich kann nur tun, was Jesus sagt, wenn ich mich mit dem beschäftige, was er gesagt hat.
Wir merken das ja auch im Missionsbefehl. Wie heißt der? Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und jetzt kommt: und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Also eine Bibel haben, behaupten, dass man Jünger Jesu ist, aber nicht in der Bibel lesen und darüber nachdenken, geht eigentlich nicht.
Und wenn wir uns mit der Bibel beschäftigen, dann kommen wir, und ich mag diese Formulierung, wir kommen unter das Wort. Also wir stehen, wenn wir die Bibel lesen, nicht über der Bibel, sondern unter ihr. Wir begegnen dem lebendigen Wort Gottes. Es ist der Geist Gottes, der durch dieses Wort, das er vor zweitausend Jahren inspiriert hat, heute noch konkret in meinen Alltag hineinsprechen möchte. Und auf diese Weise wird Lesen und Nachdenken Teil unserer Anbetung, unserer täglichen Begegnung mit Gott. Auch wenn es natürlich nicht der Teil ist, in dem ich zu Gott rede, sondern der Teil, in dem Gott zu mir redet. Wenn ich wissen will, was Gott mir zu sagen hat, dann lese ich in der Bibel.
Und wenn man das tut, dann gibt es solche Momente. Vielleicht nicht immer, garantiert nicht immer. Aber es gibt diese Momente, wo ich beim Bibellesen heiligen Boden betrete. Wo ich merke: Okay, ich lese jetzt, und ich komme irgendwo aus einer Geschichte gerade in mein Leben hinein. Mein Leben hat sich auf eine bestimmte Weise weiterentwickelt, und ich merke: Wenn ich heute in der Bibel lese, mich mit dem beschäftige, was heute dran ist, dann ist das mehr als nur dieses Manna am Morgen. Also mehr als diese Portion Bibel, die ich brauche, damit ich meinen Tag meistern kann oder halbwegs kluge Entscheidungen treffen kann.
Es gibt die Male, da lese ich die Bibel, und Gott entzündet in mir ein Feuer. Da bringt das, was ich lese, etwas in mir zum Klingen und zum Schwingen, auf eine Weise, dass ich denke: Boah, was passiert hier? Also wo etwas Übernatürliches passiert. Wo ich, im Bild gesprochen, wie Mose, der vor dem brennenden Dornbusch steht, die Schuhe ausziehen möchte. Und wo ich merke: Jetzt muss ich ganz genau zuhören.
Und so einen übernatürlichen Moment verbinde ich mit dem Text, den wir heute betrachten wollen. Das war auch der Grund, warum ich ihn vor zwei Wochen nicht gepredigt habe. Damals war ich noch viel zu boah, und ich dachte mir: Wenn ich euch mit dieser Boah um die Ohren schlage, dann geht ihr hier raus und seid nur depri. Kann auch heute ein bisschen passieren. Also es ist ein bisschen weniger, aber immer noch genug. Und ich muss das vorneweg sagen: Er hat mich angesprochen, und ich gebe euch ein bisschen das wieder, wo er mich angesprochen hat. Und wenn du rausgehst und sagst: Schön, dass er Jürgen angesprochen hat, ja, hat jetzt mein Herz nicht zum Klingen gebracht, kann ich damit leben. Wirklich. Aber es wäre natürlich trotzdem schön, wenn ihr mitkriegen würdet: Ja, vielleicht ist da so ein bisschen Klingen und Boah bei mir dran. So Boah, Boah, vielleicht sowas. Das wäre irgendwie gut.
Kommen wir zum Text. Wir wissen schon, weil wir ja eine Reihe durchs Johannesevangelium machen, dass Johannes in seinem Evangelium fast nur Material bringt, was seine Kollegen Matthäus, Markus und Lukas weggelassen haben. Und wir kommen heute zu einer Episode, die Jesus gelinde gesagt für viele Leute in einem komischen Licht erscheinen lässt. Sie hat die Überschrift „Tempelreinigung“.
Während die Synoptiker, also die ersten drei Evangelien im Neuen Testament, von einer Tempelreinigung berichten, und zwar von einer, die am Ende des Wirkens Jesu stattfindet, kommt Johannes jetzt und sagt: Es gab eine zweite. Es gab nicht nur am Ende des Wirkens Jesu eine Tempelreinigung, sondern auch eine ganz am Anfang. Jesus hat also zweimal im Tempel für ziemlich viel Aufruhr gesorgt.
Weil aber Matthäus, Markus und Lukas dieses erste Jahr, in dem Jesus wirkt, und da auch viel hier unten gewirkt hat, also in diesem Bereich, da wo wir sagen: Da ist Judäa, da ist Jerusalem, im ersten Jahr war Jesus viel hier unten und war auch dann während seines Dienstes oft noch einmal in Jerusalem zu den Festen. Und Matthäus, Markus und Lukas lassen dieses erste Jahr fast komplett in ihrer Berichterstattung weg. Die fangen an in dem Moment, wo Jesus hier oben in Galiläa anfängt zu wirken. Und Johannes kommt jetzt und sagt: Stopp, ihr habt da etwas vergessen. Also ihr sagt fast nichts zu diesem ersten Jahr. Und da waren doch ganz bedeutende Ereignisse, unter anderem war da so eine Tempelreinigung.
Johannes 2,13: Und das Passa der Juden war nah, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem.
Von Galiläa hinauf, geografisch liegt das ein bisschen höher. Jerusalem liegt irgendwie auf so einem Berg. Hinauf nach Jerusalem. Das war nicht ungewöhnlich. Das war Passa. Ein jüdischer Mann sollte mindestens dreimal im Jahr nach Jerusalem gehen. Das war beim Fest der ungesäuerten Brote, also direkt das Fest nach Passa, das war Pfingsten und das war das Laubhüttenfest.
Und jetzt müsst ihr euch vorstellen: Jesus war ungefähr dreißig. Das heißt, er war diesen Weg von Galiläa nach Jerusalem hier runter schon ganz oft gelaufen. Dreimal im Jahr, die Strecke schon hundertmal gelaufen, immer nach Jerusalem. Er war ein Pilger unter vielen. Nur diesmal, diesmal verhält er sich ganz anders als vorher. Er war schon öfter da, aber diesmal macht er etwas. Und das fängt so an:
Vers 14: Und er fand im Tempel die Ochsen-, Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen.
Das, was ihr hier seht, ist ein Bild vom Tempel, und ihr merkt, das ist ganz schön groß. Das stimmt, der Tempel ist eigentlich nur das hier in der Mitte, und das ist eine Erweiterung. Und diese Erweiterung wurde von Herodes dem Großen vorgenommen. Er wollte sich gelinde gesagt einschleimen bei den Juden, weil er selber keiner war, und hat gesagt: Okay, ihr habt da so einen Tempel, wir machen den schöner. Und hat 19 vor Christus angefangen, das Tempelgebäude und den ganzen Tempelberg-Komplex zu erweitern. Und diese Erweiterung war eigentlich auch noch nicht wirklich fertig zu dem Zeitpunkt, als Jesus hier kommt.
Und mit der Erweiterung entsteht hier Platz im Tempel dafür, dass Ochsenverkäufer, Schafverkäufer, Taubenverkäufer und Wechsler sich da mit ihren Ständen ansiedeln konnten. Vorher waren die hier davor. Hier davor ist das Kidrontal, und dann geht es hier quasi zu uns hin hoch zum Ölberg. Da waren die vorher. Aber jetzt hatten die Platz, und das ist natürlich logisch: Da oben ist schön alles eben, es macht viel mehr Sinn, dass die dann da sind.
Das ist also die Geschichte, wenn wir Vers 14 lesen: Und er fand im Tempel die Ochsen-, Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen.
Die standen hier vielleicht noch. Ein Gedanke dazu: Dieser äußere Vorhof war der sogenannte Vorhof der Heiden. Also die Heiden durften nicht hier innen rein, die mussten hier außen bleiben. Und da waren eben genau diese ganzen Kaufleute und Wechsler.
Wozu brauchte man Wechsler? Also in der Wechselstube? Antwort: Es gab eine Tempelsteuer, die musste jeder bezahlen, jedermann, und das ging nur in einer bestimmten Währung. Und wenn man jetzt von weiter wegkam, hatte man die natürlich nicht. Das ist so, wenn du in die Europäische Union einreist: Man zahlt hier mit Euro, wenn du aber Dollar dabei hast, musst du am Flughafen wechseln. Und so war das hier auch. Du wolltest die Tempelsteuer bezahlen, das ging nur in der bestimmten Währung vor Ort, hattest aber etwas anderes, musstest also wechseln. Und deswegen gab es da Wechsler.
Und genauso auch mit den Tieren. Die Tiere wurden benötigt für die Opfer. Man kann sich vorstellen, wenn du jetzt so Kaufmann bist in so einem Tempel und hast da so eine Wechselstube und hast so deine Tiere. Die Tiere waren natürlich irgendwie auch alle abgenommen, die durften dann auch alle zum Opfer verwendet werden. Ja, das war so etwas. Heute würde man sagen: eine Monopolstellung. Das haben die Leute schon auch ausgenutzt. Das waren jetzt nicht die besten Preise. An einer anderen Stelle sagt Jesus mal zu den Leuten: Ihr habt aus dem Tempel eine Räuberhöhle gemacht. Also man wurde da ordentlich über den Tisch gezogen.
Und jetzt passiert Folgendes:
Vers 15: Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen, und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um. Und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus.
Ich stelle mir die Situation gelinde gesagt etwas merkwürdig vor. Du bist mit Jesus unterwegs, und irgendwann besorgt sich Jesus ein paar Stricke. Du denkst dir noch nichts Böses dabei. Und dann noch einen Stock. Okay, Stricke und ein Stock. Und dann fängt er an, die Stricke an den Stock zu knoten, und es entsteht, was man eine Geißel nennt, also ein Stock mit Stricken dran. Und dann geht er mit der Geißel in den Tempel.
Da denkt man sich noch einmal: Wozu braucht man das denn? Schauen wir mal, wird bestimmt irgendeine Gegenstandslektion sein. So sieht die Blumen hier und die Berge dort, heute halt vielleicht eine Geißel. Schauen wir mal.
Und ehe du dir das so richtig versiehst, tritt er so an den ersten Ochsen ran und knallt ihm einer hinten drauf und fängt an, ihn rauszutreiben. Und während du dir vielleicht noch gerade erschrocken bist, ist er schon beim nächsten Ochsen und beim übernächsten Ochsen und scheucht die Schafe weg. Und dann ist er plötzlich hier bei einem dieser Tische, wo das Wechselgeld drauf ist, packt er an und schmeißt das Ding einfach um. Und dann die klare Ansage an die Taubenverkäufer: Nehmt dies weg von hier!
Komisch, dass ihn keiner aufhält, oder? Ich weiß nicht, warum. Ich habe mir überlegt, warum. Ich vermute, er war einfach so wütend. Es gibt Leute, wenn die so richtig wütend sind, und du schaust ihnen in die Augen und du merkst, die sind wirklich sauer, dass du denkst: Nee, da stelle ich mich jetzt nicht in den Weg. Soll der doch mal das mit den Ochsen und den Schafen und den Tauben und dem Wechsel machen. Das ist deren Problem, das ist nicht mein Problem. Könnte sein, dass es das war.
Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus, das ist der Vorwurf. Der Tempel war ein Ort, um Gott zu begegnen. Er war einfach nicht der Ort, um Geschäfte zu machen. Und als Sohn Gottes kann Jesus es nicht mehr ertragen, dabei zuzusehen, wie der einzige Ort, an dem Heiden den Gott Israels damals anbeten konnten, wie dieser einzige Ort beherrscht wurde von blökenden Schafen, Gestank nach Taubenmist und dem Gefeilsche um einen möglichst guten Wechselkurs. Seine Lösung ist unglaublich radikal. Er ist der Sohn. Der Sohn kommt und räumt das Haus seines Vaters auf.
Maleachi hatte das vorhergesehen. Es gibt eine Prophezeiung in Maleachi 3, am Anfang heißt es: Und plötzlich kommt der Herr Gott selbst zu seinem Tempel. Das ist das, was hier passiert. Keiner rechnet damit, jeder macht so sein Ding, wie er gerade Bock drauf hat, und jetzt steht plötzlich Gott mitten unter ihnen und räumt auf.
Und seine Jünger? Zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht alle zwölf. Wir sind noch im ersten Jahr. Die Berufung, das wissen wir von Matthäus, Markus und Lukas, findet später statt. Also hier sind es mindestens Johannes, Andreas, Petrus, Philippus und Nathanael, für alle Bibelkenner. Der heißt in den anderen Evangelien übrigens Bartholomäus. Also wenn ihr den mal sucht. Aber hier heißt er halt Nathanael. Die stehen, würde ich mal sagen, so ein bisschen betroffen daneben. Ich weiß nicht, ob sie so daneben standen und sagen: Wir gehören nicht dazu. Oder ob sie vielleicht daneben standen und sagen: Go, go, go. Wissen wir nicht, steht nicht da. Aber sie werden dabei gewesen sein, denn in dem Moment, wo sie ihren Meister so wüten sehen, fällt ihnen die Bibelstelle ein. Schön, oder?
Und diese Bibelstelle: Johannes 2,17: Seine Jünger gedachten daran, dass geschrieben steht: Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.
Haus, hier Haus Gottes, Tempel. Zitat: Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, aus Psalm 69,10. Schöner Vers zum Auswendiglernen. Da heißt es denn: Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.
Ihr Lieben, irgendwann weiß Jesus, was er zu tun hat. Der Eifer um das Haus Gottes verzehrt ihn. Er sieht die Zustände im Tempel, und er nimmt das jahrelang hin. Ja, jahrelang ärgert man sich, ignoriert das Geschrei und den Gestank, erträgt irgendwie den Lärm und das Schachern. Und irgendwann ist dann einfach mal genug. Es gibt so einen Punkt, wo du sagst: Jetzt ist Schluss.
Es kommt der Punkt, wo Jesus sich entschließt, aufzuräumen. Der Moment, wo er sagt: Jetzt schaue ich mal, ob ich irgendwo ein paar Stricke finde, und jetzt schaue ich mal, ob ich einen Stock finde. Und jetzt bastle ich mir so eine Geißel. Dieser Moment, wo er wirklich auf den ersten Ochsen zutritt. Du musst dir vorstellen, er steht davor, es ist noch nichts passiert, und du weißt: Jetzt werde ich hier alles ändern. Und du holst aus und basch, ja, und der Ochse erschreckt sich und macht drei Schritte nach vorne. Der erste Moment, wo alle wissen: Okay, jetzt hat hier etwas, das gab es einfach noch nicht. Das macht man nicht. Man geht nicht einfach dahin und treibt etwas raus.
Der erste Moment, wo er, stell dir das vor, er tritt das erste Mal an so einen Wechseltisch. Ja, und der andere freut sich, weil es kommt ein Kunde, kommt kein Kunde, der packt das Ding und schmeißt es um, und plötzlich kullert das alles auf dem Boden hin. Da denkt sie, ja. Und dann bei den Taubenverkäufern ist das ein bisschen zurückhaltender. Warum, können die Kinder im Kindergottesdienst mir nachher erklären. Das ist eine der Fragen.
Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt. Und man fragt sich: Wo bleibt da die Milde, die Geduld, die Liebe? Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Ich meine, hätte man nicht am Anfang vielleicht mal eine Predigt halten können, bevor man gleich zu so drastischen Maßnahmen trifft? Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt. Jesus, wie wäre es mit einem Anti-Aggressionstraining? Oder für alle Freunde alter Actionfilme: Wusah und ein bisschen die Ohrläppchen reiben. Oder so ein Wutsack. Wisst ihr, wenn ich gerade mal schlecht drauf bin, dann prügel ich auf das Ding ein, bis es wieder geht. Muss es wirklich eine Geißel sein? Ich meine, und so ein Aufruhr? Das hat doch Vorteile, wenn man im Tempel die Opfer kaufen kann, oder? Es hat doch Vorteile, wenn man dort Geld wechseln kann. Das sind kurze Wege, das ist prozessoptimiert. Jesus, denk doch mal ein bisschen pragmatisch.
Aber Jesus möchte gar nicht pragmatisch denken. Er will nicht lieb sein. Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.
Und ich habe das gelesen, und ihr fragt mich, wo hat dieser Vers oder wo hat dieses Kapitel oder dieser Text mich getroffen? Es war dieser Vers: Der Eifer um dein Haus verzehrt mich. Ich habe das gelesen, und ich merkte, wie in mir: Was ist jetzt los? Ich habe es noch einmal gelesen. Gott, möchtest du, dass ich darüber nachdenke? Und Gott sagt: Ja, deswegen klingt es ja, du Freund.
Ich lese das: Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt. Und ich lese das und ich denke mir: Okay, dann denke ich kurz darüber nach und merke, wie dieser Satz mich packt. Und ich muss euch jetzt mit hineinnehmen in meine Emotionalität und in mein Denken, okay? Wenn das bei euch jetzt ganz anders ist, lebt damit.
Wenn ich das lese, der Eifer um dein Haus verzehrt mich, wenn ich an Haus Gottes denke, dann kann ich nicht anders als an Gemeinde denken. Das geht einfach nicht. Warum? Weil es im Neuen Bund, das ist Alter Bund, da gibt es einen Tempel in Jerusalem. Im Neuen Bund gibt es keinen Tempel mehr aus Steinen, sondern der Tempel Gottes heute, das sind Menschen. Jeder Christ, jeder wirklich gläubige Christ ist ein lebendiger Stein im Haus Gottes, so beschreibt Petrus das in 1. Petrus 2,5. Und zusammengenommen sind wir Tempel Gottes.
Also hier ist der Tempel nicht das Gebäude, in dem wir uns befinden, sondern es sind die Menschen, die hier sind. In 1. Korinther 3 beschreibt der Apostel Paulus das folgendermaßen. Er sagt: Wisst ihr nicht? Das ist ein Vorwurf. Das ist so das Einmaleins des Glaubens. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Also ich hoffe, wenn ihr heute Morgen hier seid und gläubig seid, ihr wisst, dass ihr der Tempel seid, okay? Und nicht der Ort hier. Nicht: Ja, wir können die Christuskapelle abreißen und wir reißen nichts vom Tempel Gottes ab. Solange ihr hier bleibt. Schön, oder? Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.
Ich hatte gesagt, mich berührt dieser Text, und ich will euch sagen, warum. Ich bin unzufrieden damit, wie wir als Gemeinde unseren Auftrag erfüllen. Das klingt jetzt wie ein Vorwurf, aber darum geht es mir gar nicht, wirklich null. Ich leide persönlich einfach wie Hund darunter, dass wir als Gemeinde im Moment so wenig Frucht für das Reich Gottes bringen. Und wenn jetzt jemand meint, ich würde irgendeine Keule rausholen: Nein, ich schaue auf mich. Dieser Text hat mich in meiner persönlichen stillen Zeit angesprochen. Okay, ich meine jetzt mal gerade mich, und ich nehme mich einfach, um diesem Text ein ganz klein bisschen, wenn es geht, bei euch zum Schwingen zu bringen.
Ich schaue mir zuerst mein eigenes Leben an, und ich muss mir die Frage stellen: Wie lange möchte ich noch damit leben, dass sich im Moment kaum Menschen durch mich bekehren? Und ich muss mir die Frage stellen, woran das liegt. Und der Auftrag ist als Gemeinde eigentlich klar: Gott lieben, Menschen lieben, Jünger machen. Gott lieben heißt, in einer intimen, mich selbst prägenden Lebensbeziehung mit Gott sein. Menschen lieben heißt, ihnen das Evangelium predigen und für sie da sein, und zwar innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Jünger machen heißt, wir nehmen die Junggläubigen und wir zeigen ihnen, durch das, was wir ihnen vorleben und das, was wir ihnen beibringen, wie man ein reifer Christ wird.
Und mir ist völlig klar: Wir haben in den letzten Jahren als Gemeinde wirklich viel geschafft, definitiv. Und ich kann euch das, so wie Markus das beim letzten Gemeindeforum von sich aus sagte, der Kontakt zu anderen Gemeinden hat, auch von mir sagen: Wir haben wirklich viel geschafft. Aber mir selber ist etwas abhandengekommen. Ich habe etwas verloren in den letzten Jahren. Und ich nenne das mal meinen Eifer für Missionen. Für die verlorenen Menschen da draußen.
Bete ich für Menschen, die Gott nicht kennen? Klar, mache ich. Verbringe ich bewusst Zeit mit ihnen und suche nach Gelegenheiten, um ihnen Zeugnis zu geben? Ja, tue ich. Könnte mehr sein, aber mache ich. Mache ich mir Gedanken darüber, wie wir als Gemeinde evangelistisch nach außen gehen können? Ja, tue ich. Und jetzt könnte man sagen: Na, dann ist doch alles gut. Du betest? Ja. Du hast Kontakt mit ungläubigen Leuten und du schaust, dass die Gemeinde diesen Blick nicht verliert? Ist doch alles super! Könnte man meinen. Und war ja auch alles gut, bis dieser Text kommt.
Versteht ihr? Ja, ist alles super. Ja, und dann kommt dieser Text: Der Eifer um dein Haus verzehrt mich. Pling! Ich denke mir: Hm, irgendwie habe ich den Biss verloren. Irgendwie ist das, was ich tue, mehr Dienst nach Vorschrift.
Wisst ihr, ich kann gut damit, oder ich konnte bis der Text kam, ziemlich gut damit leben, er hat mich ein bisschen geärgert, aber nicht so richtig. Und dann kommt der Text. Ich konnte gut damit leben, dass wir eine von den vielen Gemeinden in der Stadt sind, wo, was Bekehrungen angeht, nicht wirklich etwas passiert. Das ist halt so. Ich konnte gut damit leben, dass sich kaum jemand durch mich, durch uns bekehrt. Der Eifer um dein Haus verzehrt mich. Nein, tut er nicht, das ist das Problem.
Ich sehe einen Jesus, der einfach ausrastet, und denke mir: Was für ein Feuer, Hammer! Überleg mal, da würdest du doch fast an Einweisungen denken, in die Psychiatrie, wenn jemand so etwas macht. Das ist völlig übertrieben. Der Eifer um dein Haus verzehrt mich? Nein, tut er nicht. Ich habe meine Ausreden gefunden, mein Terminkalender ist voll, und gleichzeitig kocht es irgendwie in mir.
Wisst ihr, ich würde gerne eine Geißel basteln und das aus meinem Leben hinaustreiben, was mich daran hindert, mit dem Eifer Jesu unterwegs zu sein. Manchmal frage ich mich, ob ich alt werde. Ja, ganz ehrlich, ich weiß doch, wie ich vor zwanzig Jahren drauf war. Manchmal frage ich mich, ob ich mutlos werde. Ich habe gesehen, wie viele Leute sich bekehrt haben und wie wenig am Ende wirklich dabei geblieben sind und uns dann mit Jesus ernst gemacht haben.
Und seit ich diesen Text gelesen habe und den Eindruck hatte, dass er mich meint, dass Jesus mit dieser superkrassen Aktion meine Prioritäten in Frage stellt, seit der Zeit stelle ich mir eine Frage: Warum habe ich keinen Biss, mein Leben neu darauf auszurichten, den Tempel Gottes zu bauen? Woran liegt das eigentlich?
Du darfst so eine Frage nie stellen, wenn sie dir ernst ist, weil Gott könnte antworten. Wisst ihr noch mit der Bibel? Also in meinem Fall ist das so: Ich stelle so eine Frage, und Gott sagt dann sowas wie: Erinner dich doch mal an Haggai 1. Das muss sich jetzt niemand von euch etwas sagen, aber für mich hat das was gesagt. Weil in Haggai 1 da geht es darum, dass Haggai, der Prophet, zu den Israeliten spricht, und die hatten 20 Jahre vorher angefangen, den Tempel wieder aufzubauen, und hatten dann relativ schnell aufgehört. Das war so eine Bauruine geblieben. Und dann so nach, ich sage mal, 15, 20 Jahren kommt der Prophet und fragt mal im Auftrag Gottes, warum sie nicht weiterbauen, also warum sie so zufrieden mit der Bauruine sind. Und da heißt es dann in Haggai 1,4: Ist es für euch selber an der Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus, gemeint ist der Tempel, verödet daliegt?
Also der Prophet sagt: Findest du das gut? Also bei dir zu Hause ist alles in Ordnung, da ist jede Steckdose mit dem Staubtuch abgewischt. Da ist alles in Ordnung, das Getäfelte, da ist alles perfekt, picobello. Du hast einen Plan, wann du was machen musst bei dir zu Hause. Dein Privatleben läuft genial, du weißt einfach alles. Nur das mit Gemeinde und mit Mission, dafür ist irgendwie keine Zeit mehr. Das war die Frage.
Wie gesagt, bitte, wenn ihr in der stillen Zeit seid, fangt bloß nicht an, Gott Fragen zu stellen. Kommt so eine Antwort also wieder zurück, und ich frage mich: Ist das vielleicht mein Problem? Ich baue mein Haus, mein süßes kleines Leben mit einem aufgeräumten, und es ist tatsächlich mal aufgeräumt, Arbeitszimmer und mit meinen Büchern und mit meinem strukturierten Ablauf und meiner To-do-Liste und meinen Prioritäten, wie ich sie für richtig halte, und mit der Überzeugung, dass es wichtig ist, genau das zu tun, was ich jetzt gerade tue. Klingt, bin ich mir wirklich noch sicher? Bin ich mir wirklich noch sicher, dass all das, was ich tue, wirklich dran ist?
Ist mein Problem, dass ich mein Haus baue statt des Hauses Gottes und dass das Haus Gottes, Gemeinde, für mich an Wichtigkeit verloren hat? Bin ich vielleicht einfach zu satt? Ist das vielleicht der Grund dafür, warum ich meine Nachbarn schon so lange nicht mehr eingeladen habe? Ist das der Grund, dieses Sattsein, dieses Zufriedensein, dieses Alleshaben? Ist das nicht absurd, dieses Leben? Ich will mir einen neuen Gebrauchtwagen kaufen und gehe bei Autoscout rein und schreibe alles rein, was ich haben will. Die Marke, die Farbe, die Motorisierung. Und jetzt suche ich und suche. Aber das muss ich doch machen. Ja, irgendwie schon, ich komme da nicht raus. Aber meine ganze Lebensenergie wird in diese Richtung gesogen. Und jetzt kommt Gott und sagt: Bei mir war das anders. Also meine Lebensenergie, die hatte eine andere, das war ein anderer Fokus, ein ganz anderer Fokus. Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.
Ist das der Grund, warum ich nicht weinend auf den Knien liege und Gott darum bitte, dass er mein Herz erweckt? Mein Herz dafür erweckt, sein Haus zu bauen? Warum kann ich damit leben, dass der Tempel Gottes, die Gemeinde, öde daliegt, geistlich betrachtet in Deutschland eine Bauruine ist? Warum kann ich nicht einfach, und ich stelle mir die Frage wirklich, warum kann ich in mir drin nicht einfach den Schalter umlegen und wieder für Evangelisation und Jüngerschaft brennen? Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Ich bin am Beten. Ich bin dabei, mir selber ein paar sehr unangenehme Fragen zu stellen. Und während ich das tue, lässt Gott mich nicht los. Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.
Ich wünsche mir, dass ich das so sagen könnte. Und ich weiß, weil ich ein paar Gespräche mit einigen von euch zu dem Thema schon gehabt habe, dass es einigen von euch sehr ähnlich geht. Und deshalb kann ich uns eigentlich nur zu einer Sache raten im Moment: Wir müssen beten. Also mir fällt im Moment nicht mehr ein. Wir brauchen nicht noch eine Bibelstelle, wir brauchen auch nicht noch eine Erklärung, wir sind theologisch sattelfest, wir wissen, dass das stimmt, was ich da gepredigt habe. Also wenn ihr mir nicht glaubt, könnt ihr danach gerne noch einmal kommen, aber die Richtung wird schon richtig sein. Und trotzdem: Was sollen wir tun, was heißt das? Warum, warum kommen wir, warum komme ich damit klar?
Stell dir vor, du wärst in einem Job, und man hätte dir den Job gegeben, und du würdest einfach immer so die Leistung ... Wie würde dein Chef denken über dich? Wie würdest du zur Arbeit gehen? Wie würdest du deine Berichte schreiben?
Mir fällt nur ein, zu beten im Moment, dass wir erkennen, was für uns dran ist, für mich, für dich, für die Gemeinde als Ganzes. Es ist ja Fastenzeit, also wir könnten auch fasten, also auf irgendetwas verzichten und sagen: Herr, ich brauche da wirklich eine klare Antwort. Herr, zeig mir doch, was mir fehlt, dass ich mit dem gleichen Eifer wie Jesus nachfolgen will. Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.
Letzter Gedanke, damit mich keiner falsch versteht an der Stelle. Ich habe jetzt sehr stark auf dieses Thema Mission abgezählt und habe gesagt: Tempel bauen gleich Mission. Das stimmt natürlich nicht. Es gibt ganz andere Dinge noch, die genauso ihren Beitrag dazu leisten, dass wir den Tempel Gottes, die Gemeinde, bauen. Das kann persönliche Heiligung sein, das kann ein authentischer Gottesdienst sein, wo wir einfach ganz ehrlich miteinander umgehen, das können gesunde Ehen sein, eine bibelnahe Verkündigung. All diese Bereiche brauchen Eifer. Und vielleicht bist du an der einen oder anderen Stelle mehr von so einem Bereich angesprochen. Aber bei mir ist es tatsächlich im Moment dieses Thema Mission, was mich anzieht. Und das wollte ich euch weitergeben und euch ein Stückchen wünschen, dass dieser Text in euch so ein kleines Plopp erzeugt und dass wir vielleicht als Gemeinde miteinander ins Gebet hineinkommen darum, woran liegt das, was können wir ändern.
Und damit wir uns klar verstehen: nicht, um neue Programme zu machen. Es geht mir nicht um einen Verteileinsatz, nicht um ein Bibelkaffee, nicht um einen evangelistischen Hauskreis, damit wir uns nur richtig verstehen. Es geht mir um dieses Ding hier drin, mein Herz, wo ich merke, wenn das richtig steht, wird das andere automatisch passieren. Aber hier drin, hier drin ist etwas auf Dienst nach Vorschrift gepolt, und ich hätte gerne, ich hätte gerne: Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.
Amen!
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